von Ulrike Raich
Alle zwei Jahre lädt die Österreichische Landsmannschaft Mitglieder, Freunde und Gönner zum Gründungsfest ein. Auch heuer kamen Interessierte aus nah und fern Ende April zum Schulvereinstag in den Wiener Rathauskeller. Musikalisch umrahmt von einem Bläserquartett wurden zunächst die zahlreichen Ehrengäste begrüßt, es wurde der Toten gedacht, dann Bericht über die Arbeit der ÖLM gegeben.
Höhepunkt war jedoch die Festrede von Stephan Rauhut, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien. Der Unternehmer aus Görlitz klärte über den Generationenwechsel auf, den alle Vertriebenenvereine vollziehen müßten. Drei verschiedene Gruppen an Deutschen aus Schlesien gab es: jene Vertriebenen in Westdeutschland, die lange von der Politik in ihrer Identität bestärkt worden waren, ohne zu merken, wie sie von derselben Politik ins gesellschaftliche Abseits gedrängt wurden; jene Vertriebenen in der DDR, die den gewaltsamen Verlust der Heimat nicht artikulieren durften; und die Heimatverbliebenen, die zu einem Leben als Fremde in der eigenen Heimat verurteilt waren. Sie alle trafen nach der Wende wieder aufeinander; sie alle haben in der Zwischenzeit an die nächste Generation übergeben, die wieder ein neues Bekenntnis zur Herkunft hat. Rauhut gelang es, diesen großen Bogen nicht nur versöhnlich, sondern zuversichtlich zu spannen. Herkunft gewinnt in der jüngeren Generation wieder an Bedeutung, sodaß vielerorts eine Tendenzumkehr wahrnehmbar ist und wesentlich mehr Junge als früher auch zum Verband stoßen. Schon bei der Veranstaltung selbst wurden Kontakte von jungen Gästen in Wien zu Jugendgruppen der Heimatvertriebenen hergestellt.
Am zweiten Tag fand das traditionelle Volksgruppenseminar mit Vertretern aus deutschen Vereinen in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien und Slowenien statt. Es war heuer der Arbeit mit und in den Sozialen Medien gewidmet. Ein professioneller Trainer zeigte, daß Sichtbarkeit in der virtuellen Welt kein Zufall sei und gab praktische, sofort einsetzbare Tips:
auf TikTok erreicht man vor allem junge Menschen, auf Facebook und Telegram eher ältere.
Geschichten, Emotionen und persönliche Eindrücke sind deutlich wirkungsvoller als reine Fakten.
die Botschaft eines Posts in den Sozialen Medien sollte in zehn Wörtern erklärbar sein.
80 % der Beiträge sollen Mehrwert bringen, nur 20 % direkte Werbung für den Verein sein.
Regelmäßigkeit ist wichtig; ein bis zwei Beiträge pro Woche sind für Vereine ideal.
Zu guter Letzt erhielten die Teilnehmer einen „Masterprompt“ für die Nutzung der Künstlichen Intelligenz, um schnellere, optimierte und reichenweitenstarke Posts generieren zu können. Dabei blieb auch noch genügend Zeit zum Üben. Ein lehrreiches, spannendes und zukunftsorientiertes Seminar!
Doch was wäre ein Wienbesuch ohne Kultur und Geselligkeit? Also spazierten die Volksgruppenvertreter bei wunderschönem Wetter vom Schulvereinshaus in der Josefstadt zum Schottenstift in der Innenstadt, wo ihnen ein Benediktinerpater aus Südtirol die Kostbarkeiten des Hauses näherbrachte. Danach ging es in den Gastgarten zum wohlverdienten Ausklang. Und tags darauf erreichten uns viele glückliche Rückmeldungen wie diese: „Für das tolle und hochinteressante Programm sowie für die Einladung bedanke ich mich bei den lieben Freunden der ÖLM recht herzlich, und ich darf ferner in der Hoffnung verbleiben, daß wir unsere frisch geknüpften Bekanntschaften auch in Zukunft für die Sache der altösterreichischen deutschen Volksgruppen weiterführen können. Bis zum nächsten Treffen!“ von Stefan Pleyer aus Ungarn oder: „Ich bedanke mich auch. Sowohl das festliche Programm am Freitag als auch der social media-Workshop waren eine tolle Innovation“ von Richard Neugebauer, dem neuen Präsidenten der Landesversammlung, dem obersten Gremium der Deutschen in der Tschechischen Republik.
Neben dem wichtigen praktischen Mehrwert des Schulvereinstages steht aber der große Nutzen für alle im Vordergrund, für die Volksgruppenvertreter, die Gäste aus Wien und Umgebung und natürlich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Österreichischen Landsmannschaft: Die tiefe Verbundenheit, die starke Gemeinschaft und das große Gefühl eines wichtigen Auftrages schaffen Motivation, ja Begeisterung für die Volkstumsarbeit!