von Alain Felkel
Tief im Westen
Am Pfingstmontagabend wurden der Feuerwehr Neuss auf Höhe von Stromkilometer 736 mehrere Personen im Rhein gemeldet. Wie immer bei solchen Noteinsätzen war das Rettungsboot bereits wenige Minuten nach Eingang des Notrufes an der Einsatzstelle. Dennoch kam es zu spät. Zum Glück mußten die Retter diesmal keine Leichen aus dem Wasser bergen, sondern nur sechs leichtsinnige Menschen darüber belehren, wie gefährlich es sei, im Rhein zu baden. Trotzdem wurden die Schwimmer durch die Polizei aufgegriffen. Immerhin hatten sie eine schwere Ordnungswidrigkeit begangen. Seit Mitte Mai 2026 gilt am Rhein ein absolutes Badeverbot zwischen Emmerich und Köln. Wer dagegen verstößt, muß mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro rechnen. Nur die Behörden in Bonn-Umgebung vertrauen noch darauf, durch intensive Aufklärung der Bevölkerung Badetote zu vermeiden.
Wie trügerisch diese Annahme ist, beweist die Badetoten-Statistik von 2025. Trotz der landesweiten Aufklärungskampagne „Rhein, rein, tot!“ verunglückten allein in Nordrhein-Westfalen 48 Menschen beim Baden, davon die Mehrzahl im Rhein. Auch dieses Jahr läuft die Kampagne weiter. Daß sie Erfolg hat, darf bezweifelt werden. Zu groß ist die Ignoranz der Bevölkerung hinsichtlich des Gefahrenpotenzials von „Vater Rhein“. Insbesondere vielen jungen Menschen scheint nicht klar zu sein, daß der Rhein kein normaler Fluß, sondern eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt ist.
Auf Vater Rhein schippern heute Schubverbände, Massenschüttgutkähne, Gas- und Öltanker sowie Ausflugsschiffe tagtäglich im Minutentakt sowohl flußaufwärts wie flußabwärts vorbei. Wer hier ins Wasser geht, ist buchstäblich des Todes. In der Nähe von strömungsbrechenden Buhnen lauern tödliche Strudel und Unterströme, große Schiffe ziehen durch ihren Sog und Schwell selbst die geübtesten Schwimmer unter Wasser. Schiffsschrauben zerfleischen jene, die es bis in die Schifffahrtsrinne schaffen. Es gibt also viele Möglichkeiten, im Rhein umzukommen.
Die Badenden von Neuss hatten Glück, ihnen blieb dieses traurige Schicksal erspart. Woanders schlug der Tod erbarmungslos zu. Am Pfingstwochenende 2026 ertranken in den Flüssen Ruhr und Erft sowie in diversen Seen und Freibädern in Westdeutschland vier Kinder und zwei Erwachsene. Bleibt zu hoffen, daß das Badeverbot am Rhein Horrorszenarien dieser Art verhindern könne.