von Alain Felkel
Tief im Westen
Der Düsseldorfer Tierschützer Stefan Bröckling von tiernotruf.de liebt wie so viele Aktivisten der linksgrün dominierten Tierschutzszene die Pose des Chefanklägers. Kaum ist das auf der Bonner Rheinaue stattfindende Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen‘‘ beendet, findet er am nächsten Morgen am Straßenrand der Konrad-Adenauer-Brücke nach kurzer Suche den Kadaver einer Kanadagans. Für Bröckling ist der Fall sofort klar. Alljährlich findet „Rhein in Flammen‘‘ zur Vogelbrutzeit auf der Bonner Rheinaue statt. Inmitten des Parks befindet sich ein See, an dessen Ufern Enten, Schwäne und Kanadagänse nisten. Und diese werden durch das Feuerwerk so verängstigt, daß sie panisch aufflattern und gegen Brücken oder Starkstromleitungen fliegen. Bröckling benennt daher vor laufender Kamera sofort die Organisatoren von „Rhein in Flammen‘‘ als Täter: „Das wart ihr mit eurem beknackten Feuerwerk! Ihr habt dieses Tier getötet!‘‘.
Doch ist die Gans wirklich aufgrund von „Rhein in Flammen‘‘ zu Tode gekommen? Zweifel sind angebracht. Von der Stadtverwaltung beauftragte Ornithologen haben die Vögel der Rheinaue die ganze Zeit während des Feuerwerks mit Argusaugen von der Brücke aus beobachtet und die Gans nicht herunterstürzen sehen. Auch ist folgender Umstand eigenartig: Genau vor einem Jahr fand Spröckling schon einmal an derselben Stelle einen toten Schwan. Bereits damals erhob er Anklage gegen die Stadt Bonn. Zudem entfachte er mit Erfolg eine Politkampagne gegen „Rhein in Flammen“. Gemeinsam mit der Linken und den Grünen forderten verschiedene Tierschutzorganisationen nicht nur die Abschaffung der ihrer Meinung nach idiotischen Tradition des Höhenfeuerwerks, sondern auch ein generelles Böllerverbot sowie die Verlegung des Festes von der Rheinaue weg.
Die Stadt Bonn nahm die Beschwerden der Tierschützer ernst und beugte sich damals der Diktatur der Gutmenschen. Sie verlagerte dieses Jahr die Feuerwerksabschußrampen etwas von den Brutstätten weg und verkürzte die Feuerwerksdauer – mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. Das Fest war längst nicht so gut besucht wie in den vergangenen Jahren und fällt nächstes Jahr sogar aus. Erst 2028 wird im Innenstadtbereich wohl ein Lichterspektakel mit einer „Drohnen-Lightshow“ stattfinden. Dies mag im Sinne diverser, lustfeindlicher Tierschutzorganisationen ein Erfolg sein. Die Allgemeinheit wird das allseits beliebte Feuerwerksspektakel am Rhein jedoch schmerzlich vermissen.