Gustav Adolfs Tod

Kalendarium Kandili (3)

von Mario Kandil

Er inszenierte sich als „Bewahrer der Teutschen Libertät“ und als „Verteidiger des Protestantismus“: König Gustav II. Adolf von Schweden. Bis heute wird er – besonders von den Evangelischen – als blütenreiner Heros verklärt, doch ein solcher war er keineswegs.

Nachdem der kaiserliche Generalissimus Albrecht von Wallenstein – er hatte auf eigene Kosten für Ferdinand II. eine riesige Streitmacht aufgestellt – die Macht des Kaisers auf eine seit Karl V. nicht gekannte Höhe geführt hatte, erzwangen die um ihre „Libertät“ besorgten Reichsfür-sten Mitte 1630 die Absetzung Wallensteins, der ihnen allzu mächtig geworden war. Fast zur selben Zeit landete in Pommern Gustav Adolf – als „Stellvertreter“ Frankreichs gegen die drohende habsburgische Hegemonie im Reich wie in Europa – und startete einen Siegeszug ohnegleichen: Er schlug wiederholt die kaiserlichen Heere und drückte die katholische Partei an die Wand. In seiner Not rief Ferdinand II. Wallenstein als Generalissimus mit unbeschränkter Vollmacht zurück.

Doch statt mit seinem rund 100.000 Mann starken Heer Gustav Adolf anzugreifen, operierte der Herzog von Friedland eher defensiv und schickte – als er im November 1632 nicht mehr mit einer Entscheidungsschlacht rechnete – erhebliche Teile seines Heeres zu anderen Unternehmungen fort. Das erfuhr der Schwedenkönig und griff – nunmehr numerisch überlegen – an. Wallenstein rief seine Truppen eilig zurück, insbesondere Gottfried von Pappenheim. Der traf gerade noch rechtzeitig ein, um die für die Kaiserlichen bereits verlorengehende Schlacht am 16. November 1632 zu retten, fiel dann aber bald. Kurz darauf geriet Gustav Adolf in eine Schar kaiserlicher Reiter und wurde mit Degenstichen und Pistolenschüssen getötet. Sein geplünderter Leichnam blieb halb entkleidet auf der Walstatt zurück. Danach tobte der Kampf noch bis zum Einbruch der Dunkelheit weiter; am Ende gab es keinen Sieger – auch wenn die protestantische Seite bis heute die Schweden als solchen darstellt.

Der Verlust Gustav Adolfs, eines der herausragenden Feldherren des Dreißigjährigen Krieges, war im schwedisch-protestantischen Lager nicht aufzuwiegen. Den Frieden aber konnten die Kaiserlichen trotz Gustavs Tod nicht diktieren, und der große Krieg auf deutschem Boden wütete noch 16 Jahre lang weiter. Wallenstein wurde am 25. Februar 1634 in Eger von eigenen Soldaten ermordet, nachdem ihn der Kaiser wegen angeblichen Hochverrats abgesetzt und geächtet hatte.

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.