Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Deutsche Vereine im Ausland

von Christoph Bathelt

Gelebter Bürgersinn und Freiwilligeneinsatz

Kulturvereine, Sportclubs, Chöre, Schulinitiativen oder Hilfsgemeinschaften. Sie sind weit mehr als nostalgische Treffpunkte – sie verkörpern die Prinzipien bürgerschaftlichen Engagements über die Grenzen hinaus und schlagen Brücken zwischen Deutschland und den Gastländern.

Der Verein ist ein Kernstück deutscher Alltagskultur, darum widmete sich der ECKART unlängst diesem Thema mit einer Schwerpunktausgabe. In kaum einem anderen Land ist die Organisationsform so tief verwurzelt. Sie steht für Selbstorganisation, Gemeinsinn und Verantwortungsbewußtsein – Grundpfeiler demokratischer Kultur. Wo Deutsche sich niederlassen, entstehen Vereinigungen mit vertrauter, mitunter belächelter, aber bewährter Struktur: Satzung, Vorstand, Mitgliederversammlung.

Schon im 19. Jh. gründeten Auswanderer in Nord- und Südamerika Turn- und Gesangsvereine oder Hilfsgesellschaften. Sie bewahrten Sprache und Bräuche, engagierten sich aber bald auch sozial: Sie errichteten Schulen, Theater, Bibliotheken oder Krankenhäuser, unterstützten Bedürftige und beteiligten sich an kommunalen Projekten – freiwillig, unentgeltlich und dauerhaft. Damit wurden sie zu Akteuren lokaler Zivilgesellschaften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

„Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun“

Im Verein wird Solidarität praktisch, hier entsteht Vertrauen durch gemeinsames Tun. Das Prinzip der Freiwilligkeit, das dem Vereinswesen zugrunde liegt, spiegelt sich auch in anderen Formen bürgerschaftlichen Handelns. Ein frühes Symbol dieser Haltung war die preußische Lebensrettungsmedaille, die Menschen für selbstlosen Einsatz ehrte, und die Namen der Träger sagen einiges über die damalige Gesellschaft aus: Etwa Prinz Friedrich Karl von Preußen (rettete einen Jungen aus dem Rhein bei Bonn), Helmuth von Moltke, Otto von Bismarck, der Jagdflieger Oswald Boelcke, der ein französisches Kind aus einem Kanal ziehen konnte sowie der ostpreußische Unternehmer Victor Caillé, der sogar dreimal damit ausgezeichnet wurde. Diese Beispiele zeigen, wie tief Freiwilligkeit und Gemeinsinn in der deutschen Kultur verankert sind. Älteste noch existierende Organisation ist übrigens der sogenannte Baarverein mit Sitz in Donaueschingen, er wurde 1805 als „Gesellschaft der Freunde vaterländischer Geschichte und Naturgeschichte an den Quellen der Donau“ gegründet und gilt als älteste landeskundliche Vereinigung Deutschlands. Noch älter ist die „Leopoldina“, auch bekannt als Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e. V. – Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie wurde 1652 gegründet und ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum und die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.

In den USA wurde 1840 in New York der Orden der „Sons of Hermann“ gegründet – zunächst als Hilfsgesellschaft für deutsche Einwanderer mit Versicherungsschutz und sozialer Unterstützung. Heute steht er allen offen und fördert weiterhin deutsche Traditionen und soziale Programme. Ebenfalls 1840 entstand der Mainzer Carnevalsverein New York, einer von vielen Vereinen, die Geselligkeit, Theater, Musik und Bildung verbanden. Nach 1848 gründeten zahlreiche Immigranten – viele von ihnen politische Flüchtlinge – Turn-, Gesangs- und Unterstützungsvereine.

Landsmannschaften wie der Rheinpfälzer Volksfestverein New York, der Rheinpfälzische Unterstützungsverein Cincinnati und der Pfälzer Bund von St. Louis boten Neuankömmlingen Integration und Zusammenhalt. Ihre Feste, etwa der Dürkheimer Wurstmarkt und die Edesheimer Kerwe in Milwaukee, erfreuten sich großer Beliebtheit und förderten das deutsch-amerikanische Bewußtsein. Nicht umsonst wurde „German Gemutlichkeit“ zu einem Markenbegriff.

In all diesen Beispielen, von Lebensrettern über Hilfsgesellschaften bis zu geselligen Vereinen zeigt sich dieselbe Haltung: freiwilliges Engagement, Verantwortungsgefühl und Gemeinschaftssinn. Deutsche Vereine im Ausland sind daher weit mehr als kulturelle Inseln der Heimatpflege. Sie sind Orte des Miteinanders und sozialen Lernens. Indem sie Gemeinschaft stiften, Verantwortung fördern und über Grenzen hinweg wirken, verkörpern sie das Prinzip gelebter Zivilgesellschaft in seiner besten Form – als Zusammenspiel von Tradition, Engagement und Weltoffenheit.

Beitrag teilen

Facebook
X
Email
Telegram
Print
WhatsApp