Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Dr. Wolfgang Steffanides

3. Juni 1938 – 16. August 2026

Weggefährte und Freund, ein Vorstandsmitglied, das über Jahrzehnte das Vereinsleben mitgeprägt hat. Kaum jemand war außerdem in so vielen Vereinen unseres Lagers tätig und an so vielen Arbeitsbereichen interessiert wie er: Von A wie Alpenverein über V wie Volksliedwerk bis W wie Witikobund war alles vertreten. Die Lücke, die sein Tod so plötzlich gerissen hat, kann nicht einfach wieder geschlossen werden. Der Tod ist ihm als schneller Freund entgegengetreten. Er folgt nun den vielen, für die er selbst in den vergangenen Jahren immer die richtigen und schönen Worte der Hochachtung, des Dankes und der Anerkennung für ihre Treue gefunden hat. Alles, was er anderen entgegengebracht hat, gilt nun in ganz besonderer Weise auch ihm.

Der gebürtige Wiener fühlte sich zeitlebens dem Erbe seiner Vorfahren verpflichtet. Die Familie stammte väterlicherseits aus dem Egerland, seine Mutter aus Mähren. Diese Herkunft war für ihn keine bloße Familiengeschichte, sondern ein lebendiger Teil seiner Identität und seines Engagements. So besuchte er die Volksschule in Unter-Tannowitz und erlebte die Vertreibung der Deutschen dort 1945 am eigenen Leib. Durch den frühen Tod des Vaters mußte er schon früh Verantwortung tragen, übernahm dessen Drogerie in der Simmeringer Hauptstraße und erlernte zunächst den Beruf des Drogisten. Später führte ihn sein Weg an die Hochschule für Welthandel, wo er im Abendstudium als Volkswirt abschloß und promoviert wurde. Sein Berufsleben brachte ihn weit über Österreich hinaus. Zu seinen Stationen gehörte unter anderem der Dudenverlag in Mannheim; berufliche Aufgaben führten ihn später bis nach Südafrika. Als Unternehmensprüfer lernte er zahlreiche österreichische Firmen und ihre Geschichte aus nächster Nähe kennen. Noch in späteren Jahren konnte er deshalb mit großem Wissen und zahlreichen persönlichen Erinnerungen über die österreichische Wirtschaft und ihre Entwicklung berichten.

Seine besondere Liebe aber galt der Volkstumsarbeit. Sie war für ihn keine abstrakte Aufgabe, sondern gelebte Verbundenheit. Viele deutsche Volksgruppen in aller Welt kannte er durch persönliche Begegnungen und eigene Reisen. Bis zuletzt nahm er Anteil an den Aktivitäten der Ungarn- und vor allem der Karpatendeutschen, aber auch der Schlesier und Siebenbürger. Als Obmann des Allgemeinen Deutschen Kulturverbandes fühlte er sich auch den Deutschen in Übersee verbunden. Seit 1963 führten ihn seine Reisen regelmäßig in die Slowakei. Dort besuchte er nicht nur Verwandte, sondern suchte immer auch den Kontakt zu den Menschen und Gemeinschaften der deutschen Minderheiten. Persönliche Freundschaften, etwa mit dem Tatra-Pionier Prof. Alfred Groß, waren ihm ebenso wichtig wie die Verbundenheit mit ganzen Gemeinden. Besonders eng war seine Beziehung zu dem Zipser Dorf Hopgarten, dessen Ehrenbürger er 1999 wurde. Die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen und die Überbringung von Grußworten in Hopgarten sowie beim alljährlichen Karpatendeutschen Begegnungsfest in Käsmark waren für ihn bis zuletzt eine selbstverständliche Ehrensache.

Der Bergfex, Turner und Volkstänzer war ein Mann der Begegnung. Sein großartiges Netzwerk reichte weit über die Grenzen einzelner Vereine und Verbände hinaus. Er brachte Menschen zusammen, bewahrte Verbindungen und pflegte Freundschaften über Jahrzehnte. Dabei waren es nicht nur sein enormes Wissen und seine Erfahrung, die ihn zu einem geschätzten Ratgeber machten: Es waren vor allem seine Güte, seine Bescheidenheit und seine stets wertschätzende Art. Wer seinen Rat suchte, konnte darauf vertrauen, ernst genommen zu werden und eine kenntnisreiche, wohlüberlegte Antwort zu erhalten.

Nun ist er selbst Teil jener Erinnerung geworden, die zu bewahren er sich sein Leben lang verpflichtet fühlte. Wir werden seine Stimme, seinen Rat, seine Geschichten und seine persönliche Anteilnahme vermissen. Vor allem aber wird uns ein Mensch fehlen, der anderen mit Respekt und Herzlichkeit begegnete und der die Treue zu seiner Herkunft, zu seinen Freunden und zu den vielen Gemeinschaften, denen er verbunden war, glaubwürdig gelebt hat. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin Senta und weiteren Angehörigen. Dr. Wolfgang „Steff“ Steffanides wird uns fehlen. Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren!

Christoph Bathelt

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