Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

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Grimmelshausen zum 350. Todestag

von Mario Kandil

Kalendarium Kandili (79)

350 Jahre ist es her, daß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb: am 17. August 1676. Der eine Klassiker der Weltliteratur, den er schuf, hat ihn unsterblich gemacht und hält die grausame Realität des Dreißigjährigen Krieges lebendig.

Geboren wurde Grimmelshausen 1621 oder 1622 in Gelnhausen nahe Frankfurt. Als sein Vater verstarb, nahm ihn der Großvater zu sich und schickte ihn für ein paar Jahre auf die Lateinschule im Ort. Nach der Schlacht von Nördlingen (5./6. September 1634) verloren die Schweden ihren Einfluß in Süddeutschland. Im selben Jahr 1634 wurde auch das lutherische Gelnhausen von den Kaiserlichen geplündert und in Brand gesteckt, und Grimmelshausen geriet unter die Soldaten, unter kroatische Reiter. Sein Lebensweg und der seiner berühmten literarischen Figur Simplicissimus überschneiden einander in manchen Punkten, doch das Los Grimmelshausens war eine weitere Gefangennahme: Hessische Soldaten überwältigten die Kroaten und setzten sie sowie Grimmelshausen in Kassel fest.

Nachdem dieser die Wechselfälle des Kriegsgeschehens fast sämtlich mitgemacht hatte, begann er nach dem Friedensschluß von 1648 ein neues Leben. Er heiratete, gründete eine Familie, verdiente sich seinen Unterhalt als Verwalter, Gastwirt und Bürgermeister in Renchen, zwanzig Kilometer östlich von Straßburg. Erst jetzt begann er mit dem Schreiben. Unter zahlreichen Pseudonymen verfaßte er ein Werk nach dem anderen. Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, sein zweiter Roman, wurde gleich nach der Veröffentlichung 1668 zu einem großen Erfolg: In den nächsten vier Jahren erschienen sechs Auflagen, wovon eine ein Raubdruck war.

Gegen Ende seines Lebens wurde Grimmelshausen erneut Soldat: Denn als Ludwig XIV. die östliche Grenze Frankreichs bis an den Schwarzwald ausdehnen wollte, wurde die Region um Renchen zum Schlachtfeld. Auch der Bürgermeister Grimmelshausen mußte noch einmal in den Krieg ziehen. Vielleicht an den Folgen einer Verwundung oder an einer Krankheit starb er am 17. August 1676 mit etwa 55 Jahren im Kreis seiner Familie. Er war einer unter Hunderttausenden im Heer der namenlosen Kriegshandwerker gewesen, die in jenen dreißig Jahren schießend und stechend, raubend und mordend durch die deutschen Lande gezogen waren. Oft war es purer Zufall, wer auf der Seite des Kaisers und wer auf der Seite seiner Gegner ins Gefecht ging. Was sie antrieb, waren nur Not und Hunger, denn sie waren Söldner.

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.

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