von Alain Felkel
Tief im Westen
Julius Cäsar fackelte nie lange. Nachdem 55 vor Chr. ostrheinisch siedelnde Germanen in Gallien eingefallen waren, schlug der Julier mit seinen Legionen erst eine Brücke über den Rhein und dann den Germanen kräftig aufs Haupt. Unmittelbar darauf zog er sich wieder auf das rheinische Westufer zurück und ließ die Rheinbrücke abbrechen. Bis heute ist es ein Rätsel, wo sie stand. Aber so viel ist klar: Es kann unmöglich in Köln gewesen sein, wo man sich lange Zeit im Brückenbau schwertat. Nach Cäsars Brückenschlag dauerte es nämlich über 350 Jahre, bis Kaiser Konstantin I. dort eine Brücke errichten ließ, die während der Völkerwanderung zerstört wurde. Nur den Preußen ist es zu verdanken, daß ab 1822 in Köln der Brückenbau wieder aufgenommen wurde. Heute zählt man in Köln sieben Rheinbrücken, die sanierungsbedürftig sind. Geht es nach dem Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester, soll ab 2026 die Sanierung dreier Rheinquerungen schrittweise beginnen und in den 2040er-Jahren abgeschlossen werden. Das Geld dazu kommt zum größten Teil aus Landes- und Bundesmitteln.
Doch wird der Bauträger seinen Kosten- und Zeitplan einhalten? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich drohen der Stadt Köln neue Dauerbaustellen und Milliardengräber. Denn gleichzeitig zur Sanierung der Rheinbrücken will sie auch noch zwei neue Rad- und Fußwegbrücken über den Rhein bauen und sich trotz leerer Kassen für die Olympischen und Paralympischen Spiele von 2036, 2040 und 2044 bewerben. Was für ein Wahnwitz! Kaiser Nero wäre beim Vernehmen dieser törichten Pläne zu Tränen gerührt gewesen. Großartiger kann man nicht untergehen! „Ave Cäsar! Make Colonia great again!“
Und wahrlich, Köln zeigt Mut zur Größe! 2028 will die Deutsche Bahn in der Kölner Innenstadt vier alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnbrücken der Hohenzollern-Ära durch neue Brücken ersetzen. Ihr Argument: Eine Brückensanierung sei im Gegensatz zum Brückenneubau aufgrund gestiegener technischer Anforderungen im Bahnverkehr nicht möglich. Dem widersprachen die Gegner des Brückenneubaus bis zuletzt vehement, aber erfolglos. Am 30. September 2025 hat das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluß erlassen, was ganz im Sinne der Deutschen Bahn ist. Totalerneuerungen werden gegenüber Instandsetzungen oder Sanierungen bundesweit fördertechnisch bevorzugt. Und deswegen müssen die alten Bahnbrücken in der Kölner Innenstadt weichen. So einfach ist das.