Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Das Alphorn – Signal der Hirten

von Reinhild Bauer

Brauchtum (52)


Das Alphorn gilt als Nationalsymbol der Schweiz und ist doch eigentlich in allen Alpenländern weit verbreitet. So kann man auch in Südtirol Alphornkonzerte  hören, alle fünf Jahre das internationale Alphornbläserfest auf der Seiser Alm im Schlerngebiet besuchen oder bei verschiedenen öffentlichen Feiern, kulturellen Veranstaltungen oder Jubiläen den Alphornklängen lauschen. Hierbei wird dieses Instrument oft zur Steigerung der Feierlichkeit für die musikalische Umrahmung eingesetzt.

Das Alphorn wird zumeist aus Fichtenholz gebaut, ist ein zwei bis vier Meter langes, konisch zulaufendes Rohr, das in eine Biegung wie ein Kuhhorn übergeht und mit einem Schallbecher endet. Auf Grund der Blastechnik gilt es als Blechblasinstrument. Da es weder Löcher noch eine Möglichkeit zur Veränderung der Rohrlänge hat, ist es auf die Naturtonreihe beschränkt und gilt daher als Naturhorn.

Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer kirchlichen Aufzeichnung aus dem Oberaargau aus dem Jahre 1527. Weitere Schriftstücke aus dem 16. Jh. belegen, daß der Kühreihen – eine bestimmte Melodie, nur spielbar mit dem Alphorn – stundenlang von den Kuhhirten geblasen wurde. Bildlich dargestellt wurde das Alphorn, wie wir es heute kennen, zuerst auf einem Allgäuer Altarbild einer Bergkapelle um 1568. Erfunden wurde dieses mehrere Meter lange Blasinstrument als Verständigungsmöglichkeit zwischen den Kuhhirten auf den Almen. Zunächst nannte man auch noch das kürzere Hirtenhorn, das als Signal- und Rufhorn verwendet wurde, Alphorn. Im 17. Jh. verwendeten die verarmten Hirten das Instrument für Straßenmusik in den Städten und brachten es damit als Bettelhorn in Verruf, was dazu führte, daß es im 18. Jh. fast in Vergessenheit geriet. Erst mit dem aufkommenden Fremdenverkehr wurde es wiederbelebt. Im frühen 19. Jh. fanden sodann die ersten Hirtenfeste in der Schweiz statt. Seitdem ist das Alphorn wieder fester Bestandteil des gelebten Brauchtums und wird in Vereinen, Musikgruppen, Musikschulen und sogar am Konservatorium gelehrt. Schlussendlich fand das Alphorn sogar Berücksichtigung in einigen klassischen Kompositionen. Daher kann man es heute fern seines ursprünglichen Habitates auch in Konzertsälen hören und sogar in der Jazzmusik und in Ensembles mit elektronischer Musik finden.

Der interessierte Leser kann sich im Netz unter den Namen Kuhreihen oder „Ranz des Vaches“ die ältesten überlieferten Alphornmelodien anhören – und natürlich auch die neueren Kompositionen.

Über die Autorin:

Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.

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