von Landeskommandant Mjr. Christoph Schmid
Heimat bewahren und Zukunft sichern – Der Auftrag des Südtiroler Schützenbundes
Der Südtiroler Schützenbund versteht sich als Wertegemeinschaft, kultureller Schutzraum und politisches Gewissen der deutschen und der ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Unsere Aufgabe ist es, Identität, Sprache und Geschichtsbewußtsein zu bewahren – nicht rückwärtsgewandt, sondern mit Blick auf kommende Generationen. In den vergangenen Jahren hat der Südtiroler Schützenbund diesen Auftrag mit Nachdruck verfolgt. Die Zusammenarbeit mit den Schützen aller Landesteile Tirols und mit den bayerischen Gebirgsschützen wurde vertieft. In der Jugend- und Bildungsarbeit wurde verstärkt auf historische Aufklärung gesetzt, um jungen Menschen zu vermitteln, daß Heimat kein Zufallsprodukt sei, sondern das Ergebnis von Verantwortung und Einsatz. Gedenkveranstaltungen, Publikationen und Ausstellungen – etwa zu den Katakombenschulen – haben gezeigt, daß Erinnerungspolitik keine Frage der Vergangenheit ist, sondern Grundlage für die Zukunft. Die Katakombenschulen mahnen uns bis heute. Ohne diesen mutigen Widerstand unserer Lehrerinnen und Lehrer gegen das faschistische Schulverbot wäre die deutsche Sprache in Südtirol ausgelöscht worden – so wie es im Elsaß geschehen ist. Die Geschichte lehrt uns, daß Sprache und Identität nicht selbstverständlich bestehen bleiben. Sie können verloren gehen, wenn sie nicht hartnäckig verteidigt werden.
Heute drohen keine offenen Verbote mehr, wohl aber schleichende Veränderungen. Die demographische Entwicklung in Südtirol zeigt besorgniserregende Tendenzen: Zwar liegt die Geburtenrate mit rund 1,58 Kindern pro Frau über dem staatsweiten Durchschnitt, doch bleibt sie unter dem Niveau, das für langfristiges natürliches Wachstum erforderlich wäre. Zugleich sanken die Geburtenzahlen in den letzten Jahren spürbar, und in einzelnen Jahren lagen sie sogar unter der Zahl der Todesfälle. Währenddessen beschäftigt sich die Politik lieber mit Themen wie der Erfassung von Hunde-DNA als mit der nachhaltigen Stärkung der traditionellen, christlichen Familie als Keimzelle unserer Gesellschaft. Parallel dazu steigt der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung. 2024 lebten knapp 60.000 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Südtirol, was etwa 11 % der Bevölkerung entspricht und über dem staatsweiten Durchschnitt liegt; im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl spürbar gestiegen.
Diese Entwicklungen führen zu tiefgreifenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und stellen eine reale Herausforderung für das Fortbestehen unserer Volksgruppe dar. Gleichzeitig ist eine zunehmende Identifikation vieler Südtiroler mit dem italienischen Staat zu beobachten, während die Bindung an Tirol und Österreich schwächer wird. Eine Politik, die ihren Blick fast ausschließlich nach Rom richtet, vernachlässigt diese Wirklichkeit – und schafft Bedingungen, in denen kulturelle Bindungen schwinden.
Heimat ist keine romantische Kulisse, sondern ein Auftrag. Wer sie nicht pflegt, wird sie verlieren.
Der Südtiroler Schützenbund will dieser Entwicklung entgegenwirken. Unser Ziel sind die Stärkung der deutschen und der ladinischen Schule, die Pflege der Tiroler Geschichte und der Schutz der Sprache im öffentlichen Raum. Wir wirken auf die Vertiefung der Bande zwischen Nord-, Ost- und Südtirol hin und bekennen uns klar zum Selbstbestimmungsrecht unseres Landes – nicht als Akt der Abgrenzung, sondern als Ausdruck demokratischer Reife. Wir erwarten von unseren Freunden in Österreich mehr als wohlwollende Erinnerungspolitik. Südtirol darf nicht aus dem Bewußtsein verschwinden; es braucht politische, kulturelle und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Die Möglichkeit einer österreichischen Staatsbürgerschaft für Südtiroler wäre ein starkes Zeichen dieser Verbundenheit – als Brücke zwischen den Landesteilen Tirols und als Schutzband gegen Entfremdung vom Vaterland Österreich.
Heimat ist keine romantische Kulisse, sondern ein Auftrag. Wer sie nicht pflegt, wird sie verlieren. Wer sie bewahrt, übernimmt Verantwortung – für Sprache, Kultur, Heimat und Freiheit. Der Südtiroler Schützenbund nimmt diese Verantwortung weiterhin wahr: manchmal laut, manchmal leise, aber immer bestimmt; nicht rückwärtsgewandt, sondern standhaft; nicht aus Abgrenzung, sondern aus Liebe zur eigenen Heimat und Identität. Alles für Tirol und Schützen Heil!
Über den Autor:
46 Jahre alt, aufgewachsen in Eppan/Berg, seit zwanzig Jahren wohnhaft in Neumarkt, vier Kinder; technischer Verantwortlicher des österreichischen Unternehmens Sodian (Vorchdorf) in Italien. Seit 2012 Mitglied im Südtiroler Schützenbund, Heimatkompanie Neumarkt a.d.Etsch, drei Jahre Lkdt.-Stv., seit 2025 Lkdt.