Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Rechter Ostfußball?

von Benedikt Kaiser

Kaisers Zone

Ende Mai wurde in der ARD eine typische TV-Reportage im linkslastigen Format „Monitor“ ausgestrahlt. Entlang der Leitthese „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ wurde in westdeutsche, vor allem aber auch in ostdeutsche Stadien und Vortragsräume geblickt. Auch ich wurde mehrfach zitiert: einmal aus dem populären Podcast Von rechts gelesen des Dresdner Jungeuropa Verlages; einmal wurde „Undercover“ während einer öffentlichen Veranstaltung der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf mit dem neuen AfD-Jugendchef Jean-Pascal Hohm und mir gefilmt.

Es ging in der effekthascherischen Linksdoku – neben einzelnen unschönen Entgleisungen rechtsorientierter Fußballfans – ganz grundsätzlich um die vermeintliche rechte „Unterwanderung“ von Fankurven im bundesdeutschen Fußball durch patriotische Kreise. Summa summarum ist die Doku (frei auf YouTube und anderswo verfügbar) für mich ein Lehrstück propagandistisch motivierter Realitätsverdrehung. Nicht, weil die Macher der Sendung es nicht besser wüßten, sondern weil sie die alte „Kampf gegen rechts“-Stimmung neu aufdrehen wollen. Ihre bisherigen Anstrengungen diesbezüglich reichen ihnen selbst offenbar nicht mehr aus.

Es ist derweil so: Während ein je nach Stadt und Region verschiedenartiges Geflecht aus Antifas, Sozialarbeitern, Journalisten und Fußballfunktionären von der Bundesliga bis in den Amateurbereich hinunter über viele Jahre hinweg einigermaßen deutschlandweit eine feingliedrige linksorientierte Hegemonie errichtete – von Bremen bis München, von Potsdam bis Bochum –, werden einzelne Rechte im Fußball, die sich ungern verdrängen lassen, sondern sich zu behaupten wagen, als Bedrohung nach einem dunklem Masterplan inszeniert. Die Art der massiv überzeichneten, unverhohlen diffamierenden, wenn nicht sogar teils hysterischen Berichterstattung über solche einzelnen Fälle, beispielsweise in der brandenburgischen Fußballhochburg Cottbus, spricht für die Angst vor einem nahenden Hegemonieverlust der linken Lebenswelten im Sport. Man hat sich nach den erfolgreichen Kämpfen längst eingerichtet, mitunter lukrative, jedenfalls meinungsprägende und einflußnehmende Posten besetzt und Andersdenkende – das sind meistens einfach Nicht-Linke – ausgegrenzt oder gar vollkommen aus den Kurven verdrängt.

Daß diese Situation der linken Hegemoniesicherung in einzelnen Gegenden der BRD aufgebrochen wird, ist ein Ausdruck sich derzeit wandelnder gesamtgesellschaftlicher Realitäten: Links ist nicht vorbei, aber eben nicht mehr selbstverständlich! Und bereits das läßt die vielfältige linke Szene im Zeichen ihrer ätzenden Platzhirschattitüde wütend werden, begleitet von ihren journalistischen Assistenten und Hofberichterstattern. Dabei ist mindestens in bezug auf unsere politischen Zusammenhänge schon der Terminus „Unterwanderung“ absurd. Denn eine solche – und das diskutiere ich in meinem neuen Buch Der Hegemonie entgegen (2. Aufl., Dresden 2026) genauso wie die linke Sportstrategie ausführlich, was den „Monitor“-Journalisten entging – funktioniert nie. Entweder korrigiert und beeinflußt man etwas „organisch“ – d.h. durch Leute, die den Sport und das Fandasein in dieser Sphäre leben, und zwar authentisch, glaubwürdig und unverstellt –, oder man läßt es sein. Von außen als politischer Akteur zu „Szenen“ und „Subkulturen“ zu predigen, ist nicht nur peinlich, sondern, wie vor allem die realexistierende Situation in der BRD unter Beweis stellt, auch chancenlos.

Die erfolgreiche Prägung ganzer Sportwelten in der BRD durch linke Strukturen aller Art kam so erfolgreich, wie sie ist, eben von innen, nicht von außen, und just dies garantiert die Nachhaltigkeit ihres Tuns. Unterstützt werden linke Kräfte dabei vielerorts durch sogenannte Fanprojekte in Trägerschaften durch bestimmte linksoffene Sozialverbände. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hat passenderweise Anfang Mai 2026 einen Antrag eingereicht, in dem sie mehr Förderungen, mehr Geld, mehr Arbeitsplätze, mehr Befugnisse usf. für die Fanprojekte verlangt. Die Autoren des Antrags, kundig im Jargon und in den Lebenswelten des Sports, vermengen hierbei kluge und berechtigte Anliegen zum Schutz der bedrohten Fankultur mit explizit ideologiemotivierten Bestrebungen zugunsten ihnen zugeneigter „sozialarbeiterischer Fanprojekte“, wie es im Antragstext heißt.

Wer sich mit diesem „rechts der Mitte“ seit Jahrzehnten (!) unterschätzten Thema beschäftigen möchte, sollte sich die eingangs vorgestellte „Monitor“-Reportage sparen – und beim alternativen Sender AUF1 den kurzen „Input“ mit dem in Österreich lebenden mitteldeutschen Fußballexperten Steve Henschke ansehen (https://auf1.tv/nachrichten-auf1/nachrichten-auf1-vom-19-mai-2026). Denn es ist wichtig und richtig, die linken Domänen auch im Fußball aufzubrechen – wenn etablierte Journalisten schäumen, scheinen sich mindestens erste Risse in deren linksliberalem Hegemonieapparat abzuzeichnen. Der Sommer wird heiß!

Benedikt Kaiser

Über den Autor:
Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent.

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