Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Wikimedia Commons, Schläsinger

Wenn aus einem Mißverständnis ein Projekt wird

von Georg Fritsche

Im Osten viel Neues

Es war kein Eklat, kein Streit, kein Zerwürfnis. Und doch brachte ein harmloses Verständigungsproblem während einer Vorstandssitzung des Deutschen Freundeskreises Grünberg/Schlesien die Vereinsarbeit ins Stocken. Worte wurden unterschiedlich verstanden, Bedeutungen vermischt – und plötzlich zeigte sich, wie sehr Sprache über Gelingen oder Scheitern entscheidet. Was zunächst wie eine alltägliche Kommunikationspanne wirkte, führte zu einer grundlegenden Einsicht: Ohne klare Verständigung ist selbst das beste Engagement wirkungslos. Der Vorstand zog Konsequenzen – und beschloß, selbst aktiv zu werden. Ein Deutschkurs für die eigenen Mitglieder sollte Abhilfe schaffen.

Doch schnell wurde klar: Ein solcher Schritt braucht mehr als guten Willen. Es braucht geeignetes Lernmaterial, die nötige Infrastruktur und vor allem jemanden, der die Sprache nicht nur beherrscht, sondern sie auch vermitteln kann. Die Lösung lag näher als gedacht. Im eigenen Vorstand fand sich eine erfahrene Deutschlehrerin, die an einer Berufsschule in Neusalz/Schlesien unterrichtet. Offen blieb die Frage der Finanzierung. Lehrmaterialien, Organisation und auch praxisnahe Aktivitäten wie Sprachausflüge verursachen Kosten. Unterstützung kam aus Wien: Die Österreichische Landsmannschaft erklärte sich bereit, das Projekt zu fördern. Für den Verein bedeutete das nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch die Zusammenarbeit mit einem Partner, der seit über 150 Jahren die Pflege der deutschen Sprache und Kultur unterstützt. Präsenztreffen am Vereinssitz wechselten sich mit digitalen Einheiten per Videokonferenz ab. Für manche Teilnehmer war das Lernen fordernd, doch der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die Sprachkompetenz wuchs – und mit ihr auch das gegenseitige Verständnis. Aus Kollegen wurden Vertraute.

Und die Initiative wirkte über den Kurs hinaus. Denn die thematischen Inhalte der Sprachschulung waren neue Projektideen! Was als Mißverständnis begann, hat sich zu einem Impuls für die Vereinsarbeit entwickelt.

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