von Erich Körner-Lakatos
Ungarn wählt am 12. April seine Volksvertretung. Gregor (ung. Gergely) Gallai betonte am Mittwoch, dem 18. Februar, im Nachrichtenfernsehen M1, die Erfolge in den letzten drei Legislaturperioden seien unbestreitbar. Gallai ist Spitzenkandidat der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) für die Parlamentswahlen, falls sich genügend Wähler in die sogenannte Nationalitätenliste eintragen lassen. Er hob hervor, daß die finanzielle Unterstützung seitens des Staates und der Kommunen in diesem Zeitraum deutlich gestiegen sei und die Autonomierechte eine Stärkung erfahren hätten, wie sie in Ungarn in den letzten einhundert Jahren nicht zu verzeichnen gewesen sei. Damit habe die Nationalitätenvertretung in Europa und weltweit einzigartige Erfolge erzielt. Ungarns Regierung und die Mehrheitsgesellschaft würden sich den Nationalitäten gegenüber sehr aufgeschlossen zeigen. Diese Haltung werde dadurch erleichtert, daß Deutsche bereits seit mindestens dreihundert Jahren in Ungarn ansässig seien.
Ende Oktober 2025 beschlossen die Delegierten der LdU eine Verjüngung und nominierten Gallai anstelle des derzeitigen Vertreters Emmerich (ung. Imre) Ritter, 74, an die Spitze der Liste. Gallai leitet seit zehn Jahren den Mitarbeiterstab des ungarndeutschen Parlamentsabgeordneten. Er äußerte die Hoffnung, daß sich genügend Personen in das Nationalitätenregister eintragen lassen würden, damit die deutsche Nationalität auch über 2026 hinaus einen Abgeordneten im 199köpfigen Parlament stellen könne. Denn als einzige Volksgruppe der dreizehn Volksgruppen haben die Ungarndeutschen seit 2014 ein sogenanntes vollwertiges Mandat im Parlament inne. Etwas, was bisher nicht einmal der Volksgruppe der Roma (ung. czigányok) gelungen ist, obwohl diese Gruppe viel zahlreicher ist.
Als Hauptziel für die nächste Zeit nannte Gallai die kontinuierliche Unterstützung der deutschsprachigen Bildungseinrichtungen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen ein verbessertes Leistungsniveau von Kindergärten bis zu Universitäten sowie die Förderung von Chören, Orchestern, Tanzgruppen und Traditionsvereinen.
In der Sendung „Jó reggelt, Magyarország” (Guten Morgen, Ungarn) des Senders Kossuth Radio sprach der Spitzenkandidat davon, daß die Zahl der Registrierungen leider zurückgegangen sei. Er macht daher eine Rundreise durch das Land und ist davon überzeugt, daß sich genügend Angehörige der deutschen Minderheit registrieren lassen würden, um das angestrebte Ziel von 35.000 Personen zu erreichen. Gallai betonte, daß das Mandat in der Volksvertretung der deutschen Nationalität zugutekomme. Nationalitätenpolitik könne nicht aus der Opposition heraus gestaltet werden. Was nicht heiße, man stimme den Vorlagen der Regierung aus Fidesz und KDNP (Christlichdemokratische Volkspartei) bedingungslos zu. Vielmehr prüfe man die Arbeit des Parlamentes sorgfältig und stets unter Berücksichtigung der Interessen der deutschen Nationalität.