Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Wikimedia Commons, Reinhold Möller, Ermell

Lokalkolorit in deutschen Landen

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderales Gebilde, in dem die Bundesländer im Gegensatz zur Republik Österreich Staatsqualität haben. Daher nennen sich in der Alpenrepublik die regierenden Ressortchefs auch Landesräte und nicht (Staats-)Minister wie jenseits des Inns. Im benachbarten Freistaat Bayern leben nicht nur Baiern bzw. Bajuwaren. So gibt es dort offiziell vier Stämme, nämlich die Altbayern – also Ober- und Niederbayern sowie Oberpfälzer –, die Schwaben und als dritter Stamm die Franken. Nach 1945 wurden die Sudetendeutschen als vierter Stamm Bayerns anerkannt, da sehr viele Vertriebene aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien – nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Nähe zur alten Heimat – im Freistaat Aufnahme fanden.

Doch das Siedlungsgebiet des Stammes der etwa fünf Millionen Franken erstreckt sich nicht nur auf Bayern, sondern auch auf Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen. Dies hört man deutlich am Dialekt und zwar im Südwesten in der Region um Hohenlohe und Tauberfranken, die zu Württemberg (nicht zu Baden!) gehört, im Norden in der hessischen Rhön um Gersfeld, das 1866 Bayern abtreten mußte, sowie im Nordosten bis zum Rennsteig im Thüringer Wald. Genaugenommen gibt es sogar in Westsachsen, im westlichen Erzgebirge und Teilen des sächsischen Vogtlandes nahe Hof einen fränkischen Dialekteinschlag; die dortigen Bewohner haben jedoch kein fränkisches Bewußtsein. Interessant ist auch der äußerste Südosten Bayerns. Im Rupertiwinkel, einst Teil des Erzstiftes Salzburg, der 1810 zu Bayern kam, ist der mittelbairische Dialekt mit einer Altsalzburger (Oidsoizburger) Mundart verwoben. Auch hier zeigt sich, daß trotz des Wechsels der Zugehörigkeit zu einem Staat vor mehreren Jahrhunderten der Dialekt weiter bestehen blieb.

Doch nochmals zurück zum Vogtland: Dieses Gebiet erstreckt sich über drei Bundesländer: Bayern, Thüringen und Sachsen.  In letzterem leben die meisten Vogtländer. Bis zur Vertreibung 1945/46 zählte man auch das böhmische Grenzgebiet, also um Asch bis nach Eger, sowie Teile des böhmischen Erzgebirges zum Vogtland, was sich auch im Dialekt niederschlug. Berühmteste Vogtländerin ist die Schlagersängerin Stefanie Hertel; auch der erste deutsche Kosmonaut im All, Siegmund Jähn, stammte aus dieser Region.

In der Bundesrepublik Deutschland sind vier Ethnien als autochthone Minderheiten anerkannt: die Friesen, die Dänen, die Sorben und die als Sinti und Roma bezeichneten Zigeuner. Das Besondere bei den Friesen ist, daß diese eine eigene Sprache haben, die nicht mit dem Plattdeutschen verwechselt werden darf. Ihr Siedlungsgebiet liegt in den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Dänen in der BRD leben in Südschleswig. Nordschleswig gehört zu Dänemark und wurde im Versailler Vertrag nach einer Volksabstimmung 1920 vom Deutschen Reich abgetrennt. Die Partei der dänischen Minderheit, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), ist bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Trat der SSW früher nur im klassischen Siedlungsgebiet der Dänen, im Regierungsbezirk Schleswig, mit Direktkandidaten an, ist er nun auch teilweise im Regierungsbezirk Holstein präsent. Bei den Bundestagswahlen 2021 und 2025 trat der SSW an und errang ein Mandat.

Die slawische Minderheit der Sorben, die in der DDR besonders gefördert wurde, siedelt in der Lausitz, die in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen liegt. Sie verfügt über eigene Schulen, in Bautzen gibt es ein sorbisches Gymnasium. Im Gegensatz zu Brandenburg, wo sorbische Listen von der Fünf-Prozent-Hürde befreit sind, sind diese in Sachsen, wo die Mehrheit der Sorben lebt, nicht privilegiert.

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