Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Das letzte Stück Pommern

von Benedikt Kaiser

Kaisers Zone

Mit Pommern nahm es bekanntermaßen 1945 ein übles Ende. Städte wie Kolberg wurden zur Festung erklärt und nach der Einnahme durch sowjetische Truppen an polnische Kommunisten übergeben. Nur ein kleiner Teil blieb deutsch: Vorpommern, d.h. der alte Reichsbezirk Stralsund, dazu Teile des alten Bezirkes Stettin, die Gegend um Anklam und Usedom.

Stettin selbst, historische Hauptstadt Pommerns, wurde Polen zugeschlagen – wohlgemerkt: entgegen der Oder-Neiße-Grenzziehung. Denn nach dieser wäre Stettin deutsch geblieben. De facto aber betrachteten polnische Pans und sowjetische Apparatschiks die Stadt als Teil der „wiedergewonnenen Gebiete“ und verleibten im September 1945 auch Stettin sowie die Insel Wollin und den östlichen Teil Usedoms dem polnischen Territorium ein. Erst 2017 flackerte die Debatte über ein deutsch-pommersches Stettin noch einmal kurz auf, als der polnische Publizist Wojciech Cejrowski aus dem westpreußischen Elbing in einem Interview mitteilte, Deutschland solle Reparationen bezahlen, dafür gebe man Stettin zurück, was ohnehin eine deutsche Stadt sei. Keine Unterstützung erhielt er aus der BRD, dafür aber aus kleineren polnischen Gruppen Hinterpommerns, die eine Facebook-Seite „Szczecin jest niemiecki!“ (Stettin ist deutsch!) einrichteten; 2022 wurde die PR-Arbeit eingestellt.

Der 1949 gegründete DDR blieb also nur das Gebiet, das man, um mecklenburgische Regionen erweitert, ab 1945 „Mecklenburg-Vorpommern“ nannte. Zwei Jahre später strich man das Wort „Vorpommern“ aus Rücksicht auf polnische Befindlichkeiten; 1952 wurden die Länder ohnehin aufgelöst, und das verbliebene deutsche Stück Pommern wurde aufgeteilt – ein identitätsstiftendes Pommernbewußtsein wurde geschwächt.

Mit dem Anschluß der DDR an die BRD wurde Mecklenburg-Vorpommern 1990 eines der fünf „neuen“ Bundesländer. Es setzte sich aus dem ehemaligen Bezirk Schwerin und den Bezirken Rostock (vollständig) und Neubrandenburg (teilweise) zusammen. Landeshauptstadt wurde mit Schwerin eine nichtpommersche Stadt; das vorpommersche Stralsund hatte keine Chance. Heute floriert vor allem der Tourismus zwischen Rügen und Usedom; und das, obwohl die beiden Landkreise Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen hinter sächsischen und thüringischen Kreisen deutschlandweit mit die stärksten AfD-Gebiete sind. Die linke Mär vom „sterbenden Tourismus“ durch die „blaue Welle“ bleibt eine Lüge. Deshalb Obacht: Am 20. September wird der Landtag von „MV“ neu gewählt. Gut möglich, daß diese Lüge dann erneut grassieren wird.

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