Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Quer durch Südtirol vor 70 Jahren

von Wolfgang Steffanides

Zum Teil in bündischer Tradition, also auf „Schusters Rappen“, waren wir fünf etwa zwanzigjährige Wiener Turner unter Leitung des etwas älteren RiWi unterwegs: von Innichen nach Kaltern/Caldero. Er hatte alles organisiert  und vermittelte uns sehr subtil und damit wirkungsvoll die Besonderheiten von eigenem Volkstum bzw. fremdem nach Peter Rosegger: das Fremde achten, das Eigene lieben.

Schon Innichen, seit dem Pariser Vorortediktatfrieden nach dem Ersten Weltkrieg amtlich San Candido, hatte Prägendes zu bieten: zum einem als nunmehrige Grenzstadt, zum anderen mit dem ehemaligen Benediktinerkollegiatsstift als herausragendes Kulturgut. Für einige von uns war das die erste Begegnung sowohl mit jetzt Grenzlanddeutschen als auch mit der Hochkultur. Andeutungsweise war schon hier die Sprachproblematik spürbar. Der nächste Höhepunkt war – nicht zufällig am 15. August, dem hohen katholischen Feiertag –  Sarntheim/Sorentino. In meiner Erinnerung waren alle rund 2.000 Einwohner in Tracht für uns und mich besonders prägend. Und dann Kaltern/Caldaro: Wir wußten nun bereits einiges Selbsterlebtes über Sprachtoleranz und Sprachprägungen, über Unterstützungsleistungen, die seit 1918 zum Erhalt des deutschen Südtirols beigetragen hatten und daß die ÖLM auch dieser Gemeinde Bücherpakete zur Verfügung gestellt hatte. Im Gemeindeamt wurden wir auch fündig: einige nicht ausgepackte Sendungen, also ein  Hinweis auf den tatsächlichen Bedarf. Der beginnende Massenwohlstand, das teilweise Sich-gewöhnen an den italienischen Staat und ähnliches wurden wirksam. Da keiner von uns der italienischen Sprache kundig war, erlebten wir, etwa beim Einkauf und in Gasthäusern, die Sprachsituation doch anders als amtlich dargestellt. Gehässigkeit von italienischer Seite ist mir zwar nicht in Erinnerung – aber doch eine Abgrenzung zum wirklichen Staatsvolk. Gespräche mit einheimischen Deutschen haben das – besonders bzgl. Erfahrungen in der Schule – deutlich werden lassen; und von örtlichen Führungskräften der Dank für die offene bzw. stille Hilfe, durch die der Erhalt der deutschen Identität trotz der faschistischen Zeit möglich geworden war.

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