von Ronald Friedrich Schwarzer , Impresario, Waldgänger und Partisan der Schönheit
Geboren in Böhmen zu Crudim in der Pardubitzer Region, von deutscher Muttersprache, Gymnasium in Linz, Studium in Wien, Arbeitsplätze in der Unterkrain, in Istrien und Triest, gestorben im Gasthof „Bayrischer Hof“ zu Laibach und begraben ebendort; ein altösterreichischer Lebensweg. Mit kaiserlichem Stipendium machte er die Ausbildung zum k.u.k. Forstbeamten und brachte es zum Oberaufseher eines Drittels der unterkrainischen Wälder. Mechanik hat ihn aber mehr interessiert, und er hätte – oder hat – die Schiffsschraube erfunden. Doch das ist eine andere Geschichte. Als später Triumph schaffte es sein Konterfei immerhin auf die gute alte 500-Schilling- Note, dort hat ihn jeder gerne gesehen, und das hat ihn bekannt gemacht – Josef Ressel. Im Leben blieb ihm der Erfolg versagt, doch nach seinem Tode gab sein Name dem Hauptumschlagplatz für den Schwarzmarkt in der Nachkriegszeit in Wien den Namen. Der Resselpark zeigt heute noch sein Denkmal.
Im Laibach jenes Josef Ressels wurden vier Sprachen gesprochen: Deutsch, Slowenisch, Italienisch und Ungarisch. Zwischen den Pensionistenmetropolen Graz und Görz fand sich die Stadt in der Mitte, geeignet den Rentnern der k.u.k. Verwaltung ein angenehmes Ausgedinge zu bieten, da schmale Börse und abendländische Kultur in der pulsierenden Reichs-, Haupt- und Residenzstadt nicht zusammengingen. Angenehm ist Laibach, schön gelegen am Fluß, mit brauchbarem Theater, gebaut vom Qualitätsbetrieb Fellner & Helmer, gut essen kann man da, die Weine der Region und das geschätzte Kozelbier befriedigen den Leib, und allzu viel war niemals los, damit die Seele nicht in Aufregung geriete. Das Klima agreabel, die Landschaft amön, das Stadtbild elegant mit einem Zug zum Großen: So zitiert der Dreiflüssebrunnen von Francesco Robba aus 1751 Roms Bernini-Brunnen, gleichsam eine Piazza Navona für Arme. Kaiser Franz Joseph schenkte einem Pensionisten, der keiner werden wollte, dort gar das Schloß Tivoli. Doch Feldmarschall Radetzky, der sich die letzten sechs Jahre seines Lebens daran hätte erfreuen können, zog doch den Dienst in Mailand vor. Bald nach seinem Tode aber war er vor Schloß Tivoli präsent: in einem Bronzedenkmal, das es heute nicht mehr gibt.
Ende des 19. Jh. begann der Störenfried Nationalismus die Lebenswirklichkeiten zu verändern.
Nie scheint es uns in dieser Welt gegeben, daß Ruhe, Harmonie und Ausgleich dem Menschen für lange Zeit beschieden wären. Schon Ende des 19. Jh. begann der Störenfried Nationalismus die Lebenswirklichkeiten zu verändern. Der Laibacher Dichter und politische Agitator Anton Graf Auersperg, besser bekannt unter seinem Pseudonym Anastasius Grün, erfaßte die Entwicklung der Zukunft der Krain: „Die deutsche Sprache wird hier noch eine gewisse vorübergehende Zeit Bedeutung haben. Dann wird sie diese Funktion verlieren. Und es wird nicht tragischer sein als der Tod eines Greises“.
So sanft sollte es dann doch nicht abgehen. Mit den AVNOJ-Beschlüssen im Zuge des Exzesses des Zweiten Weltkrieges verloren alle im kommunistischen Jugoslawien lebenden Personen deutscher Volkszugehörigkeit alle bürgerlichen Rechte, ihre gesamte bewegliche und unbewegliche Habe wurde beschlagnahmt, und jedwedes Recht, Gerichte zu ihrem Schutze anzurufen, wurde ihnen abgesprochen.
Vorangegangen war dem eine Entwicklung, die gleich einer griechischen Tragödie nicht mehr aufzuhalten war. Als nach dem Erdbeben am Ostersonntag 1895 Künstler und Gelehrte gleich welcher Zunge der gesamten Monarchie sich für den Wiederaufbau der schrecklich zerstörten Stadt Laibach einsetzten, war dieses schon vergebliche Liebesmüh. Sie suchten mit einem Prachtband Geld für den Wiederaufbau aufzutreiben und der bei den Slowenen wegen seiner Unterstützung des deutschen Schulvereines unbeliebte Peter Rosegger rief in einer Reportage über das Erdbeben die beiden Volksgruppen auf, ihren Streit zu begraben: „Deutsche und Slowenen, was soll das kindische Streiten. Ich glaube, das Erdbeben hat die Herzen aufgerüttelt, und die Menschen wissen nun wieder einmal, daß sie zusammengehören. Was die Sprache trennt, soll der Gedanke wieder einen.“ Er wurde nicht gehört.
Es war ein schöner Tag, den ich in Laibach verbrachte, und doch hat der Besuch mich unendlich traurig gemacht. Von k.u.k. Nostalgie, wie sie einem heute in ganz Oberitalien und drüben in Kroatien begegnet, war nichts zu merken. Kaum einer kann hier noch Deutsch, in der Sprache Albions muß ich beim Wirten bestellen, und gerade einmal einen Doppeladler habe ich im Dom gefunden. Sie haben ihn wohl vergessen.