Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Maecenas – Kaiserberater, Kunstförderer und Namensgeber

von Mario Kandil

Kalendarium Kandili (71)

Noch vor rund 40 Jahren erschienen die antiken Römer in Lehrbüchern der lateinischen Sprache als Vorbilder, denen es nachzueifern gelte. Denn es hieß: „Romani antiqui probe et simpliciter vivebant.“ Zu Deutsch: „Die alten Römer lebten rechtschaffen und einfach.“ Einfach lebte Gaius Cilnius Maecenas sicher nicht, und gewiß wäre er heute weitgehend vergessen, wäre er nicht für alle Mäzene Namensgeber geworden.

Dieser Förderer der Künste und Berater von Caesars Adoptivsohn Octavian, dem nachmaligen Kaiser Augustus, stammte laut Horaz „aus uraltem Königsgeschlecht“, war Properz zufolge ein „Ritter aus etruskischem Königsgeblüt“. Geboren am 13. April 70 v. Chr.  bzw. nach einer anderen Lesart 65 v. Chr. in der etruskischen Stadt Arretium gehörte Gaius Cilnius Maecenas seit seiner Geburt dem vermögenden Ritterstand an. Er war erfüllt von Stolz auf seine Herkunft aus altem Adels- und Königsgeschlecht – wiewohl der mit ihm befreundete Dichter Horaz diese vornehme Abkunft in einem Gedicht überhöht hat. Väterlicherseits dem in Arretium beheimateten Rittergeschlecht der Maecenates (daher Maecenas), mütterlicherseits der etruskischen Aristokratensippe der Cilnia (daher Cilnius) entstammend ererbte Maecenas nicht nur ein veritables Vermögen, sondern auch die Zugehörigkeit zum Ritterstand und – für sein weiteres Dasein von geradezu unschätzbarem Wert – die politische Nähe zu Octavian. In dessen Entourage befand sich Maecenas schon während der Schlacht von Philippi 42 v. Chr., in der die Heere Octavians und  Marcus Antonius’ die Truppen der Cäsarmörder Brutus und Cassius entscheidend besiegten.

Ererbtes Vermögen, ägyptischer Wein und Wohnimmobilien als Basis

Weil Maecenas ein überaus geschäftstüchtiger Mann war, verstand er es hervorragend, den ererbten Wohlstand zu mehren. Dadurch wurde er in seiner Epoche mit der Zeit zu einem der wohlhabendsten Bürger Roms. Nachdem Octavian als Kaiser zu Augustus geworden war, übertrug er Maecenas Ländereien in Ägypten, das nach dem Sieg Octavians im Machtkampf mit Marcus Antonius und Kleopatra an Rom gefallen war. Im Land der Pharaonen ließ der von Augustus so großzügig bedachte Maecenas alsdann Weine für den römischen Markt herstellen. Bei dem Dichter Plinius werden diese Rebensäfte als „vina maecenatiana“ erwähnt. Damit nicht genug, verschafften ihm seine guten Beziehungen zu Augustus in jener Zeit neu erschlossene Areale der Stadt Rom, in denen Maecenas eine Vielzahl von Mietshäusern unterhielt.

Diplomat und Berater ohne eigene Karriereambitionen

Nachdem bereits der Vater Maecenas’ in den ersten Jahren nach dem Tod Gaius Iulius Caesar’ den noch jungen, unerfahrenen Octavian beraten hatte, wuchs auch der Sohn mehr und mehr in diese einflußreiche Rolle hinein, die ihm einen direkten Zugang zu dem Alleinherrscher des römischen Imperiums sicherte. Maecenas unterstützte diesen bei der Festigung seiner Prinzipat genannten Herrschaft maßgeblich. Er legte dabei große Loyalität an den Tag und entwickelte keinen persönlichen Ehrgeiz. Letzteres zeigt sich besonders daran, daß Maecenas niemals ein öffentliches Amt bekleidete. Er verschmähte es immer, in Rom eine Ämterlaufbahn (lat. cursus honorum) einzuschlagen, und so war er kein einziges Mal Quästor, Prätor oder Konsul. Ohne Streben nach politischer Macht war Maecenas für Augustus u. a. als Diplomat tätig. So brachte dieser Berater des Alleinherrschers nicht nur – als Augustus noch Octavian war – die temporäre Allianz mit Marcus Antonius zustande, sondern war auch an der neuen Staatsdoktrin mit der Überwindung der Republik als Kern beteiligt.

Was jedoch in Maecenas’ Leben für uns Heutige den bekanntesten Aspekt darstellt, ist seine mit System betriebene Förderung zeitgenössischer Dichter. Daher leitet sich das Wort „Mäzen“ auch von seinem Namen ab, was aber in unserer bildungsfernen Gegenwart nur noch sehr wenigen Zeitgenossen bekannt sein dürfte. Zu seinen Schützlingen zählten die schon genannten Horaz und Properz, aber auch der berühmte Vergil. Allerdings war Maecenas’ Förderung der Dichtkunst durchaus strategisch und propagandistisch motiviert und keineswegs so selbstlos wie das, was wir uns heute unter einem Mäzen vorstellen. Der vom 8 v. Chr. in Rom verstorbenen Maecenas so geförderte Vergil z.B. ließ mit seiner Version der Aeneas-Sage die Herkunft der Iulier – und damit auch die des Augustus – als eine göttliche erscheinen…

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.

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