Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Wikimedia Commons, http://napoleonistyka.atspace.com/prussian_troops_after_jena_auerstadt.jpg

Jena und Auerstedt

von Mario Kandil

Kalendarium Kandili (81)

220 Jahre liegt nun die für Preußen so fatale Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt zurück. Auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen eingeschlafen – so soll Königin Luise gesagt haben –,  erlitt die preußische Monarchie am 14. Oktober 1806 gegen die Armeen des Franzosenkaisers Napoleon I. eine vernichtende Niederlage und geriet an den Rand des Abgrundes.

Von der Kriegspartei am Hof und der wachsenden Kriegsstimmung im Land angetrieben, hatte Friedrich Wilhelm III. in völliger Umkehrung seiner bisherigen Politik am 9. August 1806 die Mobilisierung des größten Teiles seiner Armee angeordnet und so den Krieg gegen Frankreich de facto eingeleitet. Napoleon jedoch ließ nicht lange auf sich warten, und schon in einem Vorhutgefecht bei Saalfeld (9. Oktober 1806) erlitt Preußen eine Niederlage.

Beim Versuch, sich der Umklammerung zu entziehen, stieß die vom Herzog von Braunschweig geführte preußische Hauptarmee (49.000 Mann) am 14. Oktober bei Auerstedt auf Napoleons Marschall Davout. Obgleich dieser über weit weniger Truppen als sein Gegner verfügte (26.000 Mann), ging er mutig zum Angriff über. Zur selben Zeit griff Napoleon mit dem größeren Teil seines Heeres (95.000 Mann) bei Jena, das er am Tag vorher schon hatte besetzen lassen, die Preußen unter Fürst Hohenlohe (50.000 Mann) an. Am Ende des Tages hatten Preußens Truppen hier wie dort verloren: in Jena, wo ihre Verluste ca. 20.000 Mann betrugen, und in Auerstedt, wo sie ca. 10.000 Mann einbüßten und der dort anwesende König Friedrich Wilhelm III. verfrüht den Rückzug befahl. Dieser hätte nicht in Unordnung ausarten müssen, machte aber das Unheil erst vollkommen: Nach Weimar zurückgehend, prallten in der Nacht zwei geschlagene Armeen aufeinander und schufen ein Chaos, in dem sich jede Ordnung auflöste. So zog Napoleon schon am 27. Oktober 1806 als Triumphator in Berlin ein.

In diesem vierten Koalitionskrieg, an dem Rußland als Alliierter Preußens teilnahm, wurde die preußische Operationsplanung in oft unerträglichem Maße von den diplomatisch-politischen Rücksichtnahmen der militärischen wie auch der politischen Führung beeinträchtigt. Daneben prägten die ständige Unklarheit im Oberbefehl und fehlerhafte Dispositionen der Unterführer zum größten Teil das Verhalten der militärischen Befehlshaber. Bis zu den siegreichen Befreiungskriegen 1813-15 war es noch ein weiter und steiniger Weg…

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.

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