Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Fetzn, Loafen und Maskenschnegerer

von Reinhild Bauer

Brauchtum (51)

Der Rosenmontag, auch Faschingsmontag genannt, bringt diese drei Mundartbegriffe zusammen. Sie stammen aus dem kleinen verschlafenen Nest Ebensee im Salzkammergut, das an eben jenem Montag zur großen Bühne des „Fetznfaschings“ wird.

Die Bezeichnung des Fetznfaschings rührt daher, daß die Teilnehmer, ursprünglich ausschließlich männlichen Geschlechtes, alte Frauenkleider tragen, behängt und „geschmückt“ mit Fetzen. Dazu kommen noch ein Kopftuch oder Hut, ebenfalls bunt geziert mit Fetzen und Blumen und eine Verkleidung des Gesichtes. Diese ist besonders wichtig, um den Träger unerkannt Witze reißen und scharfe Kritik üben zu lassen. Da wurde ursprünglich auf ein Tuch zurückgegriffen, dann entwickelten sich Holzmasken als „Versteck“ und wurden abgelöst von wilder bunter Schminke. Heute versuchen die Ebenseer, wieder zurück zu den schönen Holzmasken – den Larven oder in Mundart „Loafen“ – zu kommen. Es gibt mittlerweile auch wieder ein paar Schnitzer im Ort, die sogenannten Maskenschnegerer. Diese schnitzen in mühevollen 40 – 50 Stunden Handarbeit aus Zirben- oder Lindenholz Masken nach alter Art.

Die Herkunft dieses Brauches ist unklar und damit auch sein Alter. Fest steht, daß er vor 120 Jahren das erste Mal schriftlich und bildlich festgehalten wurde und 2011 ins immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Verschiedene Spekulationen vermuten, daß die einfachen „Fetzn“ eine Antwort auf die Ausseer „Flinserl“, die mit ihren schillernden Pailettengewändern an mittelalterliche Prunkkleidung erinnern und den wohlhabenden, bürgerlichen Fasching in Gmunden  sein sollen.

Der Ablauf in Ebensee ist simpel: Am Rosenmontag formiert sich ein Zug der traditionellen Ebenseer Fetzn beim Gasthaus in der Kohlstatt und zieht mit lautem Spektakel und reichlich Spott für Politiker, Nachbarn, Bürgermeister und sonstige Mitbürger durch den Ort. Alles auf eine liebevolle Art mit viel Humor und ohne Böswilligkeit. Zwei Stunden und länger, je nach Spottlust der Fetzn und verfügbaren Anekdoten, dauert der Zug und löst sich am Rathausplatz auf. Von dort aus werden Wirtshäuser gestürmt und bis Mitternacht besetzt. Zur Geisterstunde müssen dann die Larven fallen, und die Ebenseer schlüpfen wieder in ihre zivilen Rollen.

Der Fetznumzug stellt zwar den Kern des Ebenseer Faschings dar, doch gehen die „Heiligen Tage“ von Samstag bis Aschermittwoch. Kinderfasching und ein trauriger Abschied dieser schönen Zeit gehören auch dazu. Am Aschermittwoch wird feierlich eine Fetznfigur am Traunufer verbrannt, und die durch die „Heiligen Tage“ geleerten Geldbörsen werden in den Fluten sauber gewaschen. Damit beginnen wieder die trüben Tage, bis es in einem Jahr wieder hell und lustig im Leben der Ebenseer wird!

Über die Autorin:

28 Jahre alt, Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.

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