Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Foto: Der Getreue Eckart

Ehrenamt, Mäzenatentum und der Deutsche Schulverein

Christoph Bathelt

Das Ehrenamt stand über Jahrhunderte für Menschen, die ihre Zeit, ihr Vermögen und oft auch ihre gesellschaftliche Stellung einsetzten, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erwarten – Steuerabschreibungen wären sicher unter ihrer Würde gewesen.

100.000 Mitglieder in drei Jahren und prominente Großspender

Der Deutsche Schulverein, Vorgänger der ÖLM, gibt heute noch ein hervorragendes Beispiel von zivilgesellschaftlichem Einsatz – wenige Monate nach der Gründung füllten die Mitglieder im Herbst bereits den Wiener Musikverein, am Ende des Jahres war man bereits bei 22.000, drei Jahre später überschritt man die 100.000er-Marke. Ein Blick auf die Liste der Großspender zeigt die Bedeutung dieser Bewegung: Während man die Namen der Brauer Anton Dreher (Schwechater), Ignaz und Jakob Kuffner (Ottakringer) und von Bankier Gustav Ritter von Schoeller, Pharmaunternehmer Kwizda, den „Design“-Legenden Gebrüder Thonet und dem Spediteur Schenker heute noch kennt, sind die Namen Figdor, Wagenmann, Seybel, Borckenstein, von Schroll und Voigt nur noch Experten und Taxifahrern bekannt, da sie zumindest als Straßennamen verewigt wurden.

Bald gehörte es zum guten Ton, wenn Stammtischrunden eine Spendendose zu Gunsten des Deutschen Schulvereins auf ihrem Tisch platzierten – recht praktisch bereits mit Zigarettenhalter, Aschenbecher und Zündhölzern versehen – der Verein hielt vieles für seine Anhänger bereit (Bild). Nicht nur aufgrund der vielen Raucher, aber auch wegen der Holz- und Kohleheizungen trugen die „Schulvereinszünder“ viel zur Vergrößerung des Spendenvolumens bei. Damenkränzchen organisierten Bälle oder Konzerte – so dirigierten keine Geringeren als Hans Richter und Hans von Bülow zu diesen Anlässen die Wiener Philharmoniker.

Nicht weniger wichtig und oft besonders berührend sind und waren die Kleinspenden.

Noch heute ergreift uns der Brief der Eltern von Ethelfriede Thusnelda Viegel aus Budweis, die im Alter von sechs Jahren im Jahr 1914 verstarb:

Die Ortsgruppe Budweis verlor in ihr eines der begeistertsten Mitglieder; mit fünf Jahren bat sie stets solange, bis sie in die Schulvereinsversammlungen der Sprachinsel mitgehen durfte, und manches Blümelein verkaufte sie an sonst nicht opferfreudige Bauern. Ohne unser Wissen sammelte sie und hinterließ in einer Büchse, die sie mit der Aufschrift ‚für den Schulferein‘ versehen hatte 6 K 74 h, kreuzerweise zusammengespart.

Aus demselben Jahr: Herr Dr. C.H. in Wien hat gegen E.H. in Wien eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht und über Zureden des Richters den Strafantrag zurückgezogen unter der Bedingung, daß der Beklagte 100.-K für den Deutschen Schulverein und 100.-K an die Südmark zahle. Da aber auch der Kläger bei einer Verhandlung eine ungehörige Bemerkung machte, hat auch er sich zu einer Zahlung für den Deutschen Schulverein verpflichtet und den Betrag von 5.-K bereits eingezahlt.

Mehrfach spendete die Besatzung des Panzerkreuzers „SMS Kaiser Karl VI.“, und aus einer Festung erhielt der Deutsche Schulverein eine Postanweisung, lautend auf fünf Kronen, und folgenden Zeilen: Ich habe ein Versäumnis gutzumachen. Mein Junge Kurt Wilhelm Keil wird am 22.10. schon 4 Monate und ist noch nicht im Schulverein. Bitte dem jungen Herrn die Mitgliedskarte Wien VI., Stumperg. 14 zu schicken, damit seine Mutter weiß, bei welchem Vereine er ist… Euer Keil.“

Ähnlichen Humor bewies auch ein gewisser Ing. Franz Tögel im Jahr 1915:

„Lieber deutscher Schulverein,
Laß mich auch Dein Mitglied sein,
Zahlen will ich jedes Jahr,
Meinen Beitrag stets in bar;
Da die Not besonders groß
Mehr als nur zwei Kronen bloß.
Will mit Humor und gutem Willen,
Meine deutsche Pflicht erfüllen.

Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen.

Als bekanntester Unterstützer ist Peter Rosegger zu nennen, der aufgrund seiner eigenen Herkunft Not und Bedürftigkeit kannte. Er sorgte in einer bis dahin beispiellosen Sammelaktion für eine enorme Steigerung der Bekanntheit und des Spendenaufkommens. Zudem durfte der Textilfabrikant Kawann einen schwarz-grün karierten Loden als „Rosegger-Loden“ vertreiben, unter der Bedingung, einen Teil der Gewinne sozialen Zwecken zuzuführen. So erfüllte sich sein Herzenswunsch, „vor allem durch sein Werk im Herzen seines Volkes weiterzubestehen – und weniger durch Standbilder aus Stein und Erz“.

Das Ehrenamt, wie wir es verstehen, lebt fort: Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen. Und das sollte auch im 21. Jh. unser Maßstab bleiben.

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