Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Foto: KdV-Metzenseifen

Deutsches Jugendlager in Metzenseifen

von Christoph Bathelt

Seit drei Jahrzehnten findet im ostslowakischen Metzenseifen/Medzev das Jugendlager der dortigen Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereines statt, so auch in diesem Jahr. Eine Woche lang standen Gemeinschaft, Sprache, Kultur und vor allem die Freude der Kinder im Mittelpunkt. Das Jugendcamp ist damit weit mehr als eine Ferienveranstaltung: Es ist ein lebendiges Zeichen dafür, wie wichtig persönliches Engagement für den Erhalt von Sprache, Tradition und kultureller Identität der deutschen Volksgruppe in der Slowakei ist. Schon seit vielen Jahren wird es von der Österreichischen Landsmannschaft unterstützt – nun war es Zeit für einen Lokalaugenschein.

Die etwas über 4.000 Einwohner zählende Gemeinde liegt in der Ostslowakei im Bodwatal, im historischen Gebiet des sogenannten karpatischen Erzgebirges. Die Region blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück, die über Jahrhunderte vom Bergbau und von der Metallverarbeitung geprägt wurde. Die Landschaft des Bodwatals ist, ungeachtet ihrer industriellen Vergangenheit, mit wunderschönen Mischwäldern gesegnet. Zahlreiche Rückhaltebecken (Bild rechts) erinnern einerseits an die frühere industrielle Nutzung und die Hammerwerke der Region, andererseits bieten sie heute sauberes Wasser und Lebensraum für zahlreiche Fischarten. Auch sprachlich besitzt Metzenseifen eine Besonderheit: Das Mantakische, die örtliche deutsche Mundart, geht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und wird seit mindestens 800 Jahren in unterschiedlichen Formen überliefert.

Besonders hervorzuheben ist neben den Organisatoren vor Ort das großartige Engagement der zehn jugendlichen Helfer aus der Bundesrepublik Deutschland, die ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung stellten und eine ganze Woche gemeinsam mit den Kindern verbrachten: Mit viel Begeisterung, Geduld und persönlichem Einsatz gestalteten sie ein abwechslungsreiches Programm. Sportliche Aktivitäten gehörten ebenso dazu wie gemeinsames Malen und Singen. Dabei wurde nicht nur gespielt und gelacht, sondern ganz selbstverständlich wurde auch die deutsche Sprache im gemeinsamen Tun gepflegt und weitergegeben. Die Kinder erleben Deutsch somit nicht nur als Unterrichtsfach, sondern als Sprache der Gemeinschaft, des Spieles und der Freundschaft. Gleichzeitig erfahren sie, daß Tradition nichts Starres sein muß, sondern mit Leben erfüllt und von jeder Generation neu gestaltet werden kann.

Den Abschluß bildete am letzten Tag ein gemeinsames Programm, bei dem die Kinder zeigen konnten, was sie während der Woche erarbeitet hatten: Mit viel Freude und Einsatz präsentierten sie Tänze und Volkslieder nebst einer Aufführung der „Bremer Stadtmusikanten“ als Theaterstück, bei der die jungen Teilnehmer ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellten.

Foto: KdV-Metzenseifen

Dort ansetzen, wo Zukunft entsteht: bei den Kindern und Jugendlichen

Das 30. Deutsche Jugendlager in Metzenseifen ist damit ein hervorragendes Beispiel dafür, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann. Zehn Menschen investieren eine Woche ihrer Zeit – und schaffen damit Erinnerungen, Freundschaften und ein Stück Zukunft für die deutsche Volksgruppe in der Ostslowakei. Gerade deshalb verdienen jene Menschen besondere Anerkennung, die ihre Freizeit einsetzen, um anderen etwas weiterzugeben. Die ÖLM unterstützt solche Initiativen daher sehr gerne. Denn wer kulturelle Gemeinschaft und sprachliche Identität bewahren will, muß vor allem in die junge Generation investieren. Hier kommen auch unsere Spender ins Spiel: Genau solche Initiativen sind es, die von Ihnen gefördert werden und wo Ihre Spenden 1:1 dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das Beispiel von Metzenseifen sollte Schule machen und auch an anderen Orten möglich sein, und das vielleicht sogar mehr als einmal im Jahr. Denn wenn wir wollen, daß deutsche Sprache, Kultur und Gemeinschaft auch in Zukunft lebendig bleiben, dann müssen wir dort ansetzen, wo Zukunft entsteht: bei den Kindern und Jugendlichen.

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