Ein Gespräch mit FPÖ-Generalsekretär Abg. z. NR Christian Hafenecker
Konrad Markward Weiß: Wie ist Ihr Aufgabenbereich als Generalsekretär der FPÖ definiert?
Christian Hafenecker: Im Maschinenraum der Partei, wo ich gemeinsam mit meinem Generalsekretärskollegen Michael Schnedlitz tätig sein darf. Die zentrale Aufgabe dort ist es, unseren Bundesparteiobmann Herbert Kickl beim Vorantreiben der politischen Wende in Richtung Volkskanzlerschaft für Österreich zu unterstützen. Konkret heißt das, bei der Planung von Kampagnen zur Verbreitung unserer freiheitlichen Ideen mitzuwirken, über Schwerpunktsetzungen mitzuentscheiden und natürlich auch das Wirken – oder besser gesagt das Versagen – der Systemparteien zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse abzuleiten. Dazu stehe ich auch in regelmäßigem Austausch mit unseren Funktionären und Mitgliedern. Als langjähriger Gemeindepolitiker ist mir das besonders wichtig, weil die „Basis“ quasi ein ganz genauer Seismograph dafür ist, wo die Menschen der Schuh drückt. Und natürlich gehört es auch zum Aufgabengebiet eines Generalsekretärs, manchmal als „Feuerwehr“ aktiv sein zu müssen.
Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Einen „typischen Arbeitstag“ gibt es für einen Politiker oder einen Generalsekretär nicht, der seine Aufgaben ernst nimmt, denn sie sind sehr vielfältig. Natürlich prägen meinen Tag Medienauftritte oder die Teilnahme an TV-Diskussionen; abseits dessen die Arbeit im Parlament, das Voranbringen unserer freiheitlichen Inhalte in Zusammenarbeit mit dem BPO und den Nationalratskollegen, Termine mit Funktionären oder Vorträge bei FPÖ-Stammtischen. Dazu kommt der aktuelle Pilnacek-Untersuchungsausschuß, in dem ich als Fraktionsführer an der Aufdeckung des von ÖVP-Netzwerken aufgebauten tiefen Staates mitwirken darf.
Über welche Kanäle informieren Sie sich über das politische Geschehen?
Auf der einen Seite die Mainstream-Medien, aber natürlich auch viele freie und alternative Medien sowie diverse Social-Media-Kanäle. Oder anders gesagt, mache ich das, was auch immer mehr Österreicher tun: Den Mainstream konsumiere ich, damit ich weiß, was die Regierenden wollen, daß die Menschen erfahren; und die Alternativen, um auch die andere Seite und leider oft auch das, was die Regierung der Bevölkerung verschweigt, zu lesen oder zu hören. Dazu kommen natürlich Gespräche und der Austausch mit Bürgern und Funktionären.
Welches persönliche Rüstzeug braucht es, um ein guter Generalsekretär zu sein?
Man sollte jedenfalls belastbar sein, ein dickes Fell haben und die Konfrontation mit dem politischen Gegner, aber auch den Medien nicht scheuen. Oder, wie es Herbert Kickl so treffend formuliert hat: Man muß bereit sein, auch Verwundungen in Kauf zu nehmen. Ganz besonders aber braucht man eine ehrliche Liebe, eine ganz enge Verbundenheit mit unserer Heimat und unserer Bevölkerung. Denn nur aus dieser patriotischen Perspektive heraus ist es möglich, die Probleme und Mißstände im Land zu erkennen und Maßnahmen zu deren Behebung auszuarbeiten. Und: Das Politikerdasein oder eine politische Funktion dürfen nie das Ziel sein, sondern das Instrument, durch das man für das Wohl der Bevölkerung wirkt.
Generalsekretäre, gerade in der Opposition, erscheinen oft als die „Kettenhunde“ ihrer Parteien, von denen eine gewisse Aggressivität erwartet wird. Wie kommt man auf Dauer mit dieser Rolle zurecht?
Die scharfe, aber auch feine Klinge ist für den politischen Diskurs aus meiner Sicht unerläßlich. Als Generalsekretär ist man ja auch quasi „Schwert und Schild“ der Partei. Dinge, vor allem die, die falsch laufen, müssen klar beim Namen genannt werden, genauso die Verantwortlichen dafür. Diese klare Benennung ist nämlich der erste Schritt zur Problemlösung. Das erwarten sich die Bürger, auch von ihren Vertretern, nämlich daß sie eine deutliche Sprache sprechen.
Was macht es mit einem, wenn man immer strikt parteiisch sein muß?
Es geht nicht darum, „parteiisch“ zu sein, sondern stabile Überzeugungen und Werte zu haben und diese auch nachhaltig in der politischen Auseinandersetzung zu vertreten. Daran wird man auch von den Bürgern gemessen, die sich kein X für ein U vormachen lassen. Nur wer sich kein Blatt vor den Mund nimmt und hinter seinen Inhalten steht, ist glaubwürdig, und nur wer glaubwürdig ist, dem vertrauen auch die Menschen.
Wenn man die Stellungnahmen der Oppositionsgeneralsekretäre verfolgt, hat man den Eindruck, daß die Regierung wirklich alles falsch mache. Können Sie eine Maßnahme der Bundesregierung nennen, an der die FPÖ nicht beteiligt war, die Sie aber trotzdem gutheißen?
Nun, das Agieren und Auftreten der Bundesregierung gibt genügend Stoff für diverse sehr amüsante Satireformate her. Das rechne ich ihr daher an.