Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Wikimedia Commons, Schläsinger

Berufsinformation und Deutschkompetenz

von Georg Fritsche

Im Osten viel Neues

Mit dem eigenen Broterwerb werden die Unabhängigkeit und das Gestalten eines eigenen Lebensweges realistisch. Viele Netzseiten geben kluge Ratschläge dafür, aber ist das wirklich das, was umfassend informiert? Wie sieht die Realität eines Berufes dann im Büro oder in der Werkhalle aus? Diese und zahlreiche weitere Fragen haben sich auch den Jugendlichen in Niederschlesien gestellt. Aber Angebote von Firmen verschiedener Branchen dazu gab es bisher nur punktuell. Es ist das hier bisher praktizierte Ausbildungsschema, das eine umfassende Angebotspalette verhindert hat. Denn es wird nach dem Besuch der Volksschule bis zur 8. Klasse nach Notendurchschnitt entschieden, ob der Jugendliche eine gymnasiale oder eine gewerbliche Ausbildung erhält. Die gewerbliche Ausbildung ist eine fachtheoretische Ausbildung mit einer Ausbildungsdauer von drei Jahren. Dann erst wählt der Jugendliche einen Betrieb aus, wo er seine praktischen Fähigkeiten erwirbt. Das ist ein Problem. Denn vieles müßte so erst während der regulären Berufsausübung praktisch gelernt werden. Bisher gab es von der Warschauer Regierung nur Bekenntnisse, dies im Sinne einer dualen Ausbildung ändern zu wollen – außer Einzelangeboten von Firmen tat sich bisher konkret aber wenig.

Deshalb gründen sich in den Regionen immer häufiger Privatinitiativen, die Kontakte zwischen Berufsschulen und Firmen in die eigene Regie nehmen. So auch in Niederschlesien: Die Stiftung „Entdecke deine Talente“ wurde zu diesem Zweck gegründet. Neben dem Hauptzweck, die Praxisnähe zu fördern, haben sich die Initiatoren zum Ziel gesetzt, den Schülern besonders die Vermittlung der deutschen Sprache nahe zu bringen. Mit dem Nachbarmarkt Sachsen und Brandenburg/Berlin ist das ein gewichtiger Teil zukünftiger Berufsfähigkeiten. Aber auch Partner aus anderen deutschsprachigen Regionen in Europa sollen Kooperation anbieten. Die Stiftung ist dankbar für die Unterstützung durch Projekte, aber auch für Praktikumsplätze.

Eine Möglichkeit ist, daß Firmen und Verbände durch diese Zusammenarbeit einen neuen Markt erschließen und so z.B. einen Technologieaustausch durch einen Mitarbeiteraustausch bewerkstelligen könnten. Die Förderprogramme für Berufspraktika der EU unterstützen dies. Das Sprachangebot Deutsch sollte nach Maßgabe der Förderrichtlinie der ÖLM zugänglich werden – also besonders dann, wenn Schüler aus Oberschlesien, die der deutschen Volksgruppe angehören, in den Genuß der Förderung kommen.

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