1939-2026
Mit Siegfried Steger ist einer der letzten Zeitzeugen des Südtiroler Freiheitskampfes von dieser Welt geschieden. Am 21. Februar 2026 starb der Freiheitskämpfer aus Mühlen in Taufers mit 87 Jahren im Exil in Nordtirol. Fern jener Heimat, deren Freiheit ihm mehr bedeutet hatte als sein Leben.
Steger gehörte zu den vier „Puschtra Buibm“, einer Gruppe junger Südtiroler, die sich in den 1960er-Jahren gegen die Unterdrückungspolitik des italienischen Staates erhob. Durch Faschismus, Option und radikale Italianisierung waren Identität, Sprache und Volkstum der Deutschen und der Ladiner in Südtirol bedroht. Gemeinsam mit Sepp Forer, Heinrich Oberleiter und Heinrich Oberlechner wurde Steger zum Symbol des Widerstandes. Aus Heimatliebe und Verantwortung. Der Preis war hoch: Verfolgung, Verurteilung und lebenslanges Exil. Jahrzehntelang durfte er seine Heimat nicht mehr betreten. Selbst der Abschied von den Eltern blieb ihm verwehrt. Daß er nicht einmal dem Begräbnis seiner Mutter beiwohnen durfte, zeigt, wie wenig Italien bis heute bereit ist, dieses Unrecht aufzuarbeiten. Siegfried Steger trug das Exil ohne Bitterkeit, blieb aber stets aktiv. Für ihn war Selbstbestimmung keine Parole, sondern Überzeugung. Begnadigung lehnte er stets ab, weil „Freiheit nicht durch Gnade ersetzt werden kann“. Daß Südtirol heute Autonomierechte hat und im Wohlstand lebt, ist kein Geschenk Roms! Diese Rechte wurden politisch hart erkämpft, vor allem auch durch den Mut solcher Männer und Frauen, die große persönliche Opfer für ihr Volk brachten.
Mit Siegfried Steger ist der letzte der „Puschtra Buibm“ heimgegangen. Über tausend Schützen, Marketenderinnen und hunderte Landsleute begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Dies war weit mehr als eine Beerdigung. Es war ein bewegendes Bekenntnis zu Tirol, zu Opferbereitschaft und Heimatliebe. Siegfried Steger hat für Tirol gelebt und für Tirol gelitten. Sein Vermächtnis bleibt: Die Freiheit eines Volkes ist niemals selbstverständlich. Sie muß stets verteidigt werden.
Gudrun Kofler