Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Heinz Nixdorf – 40. Todestag

von Mario Kandil

Kalendarium Kandili (72)

Computer prägen unser gegenwärtiges Leben weit stärker als noch vor etwa fünfzig oder mehr Jahren. Einer, der mit Fug und recht als Computerpionier für Deutschland bezeichnet werden darf, starb vor 40 Jahren: Heinz Nixdorf.

Am 9. April 1925 in Paderborn als ältester von fünf Söhnen eines Bahnarbeiters geboren wuchs er im kleinbürgerlichen Milieu auf. Nach Abschluß seiner Schulausbildung studierte der ungemein talentierte Nixdorf in Frankfurt Physik und BWL. Die Begegnung mit einem Entwicklungsingenieur veranlaßte ihn 1952 zu Abbruch seines Studiums und zur Gründung einer eigenen Firma, des „Labors für Impulstechnik“. In einer Essener Kellerwerkstatt im Haus des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes (RWE), das Heinz Nixdorf u. a. mit 30.000 DM Starthilfe unterstützte, fabrizierte er seinen ersten Abrechnungscomputer.

Der eigentliche unternehmerische Durchbruch glückte dem mittlerweile nach Paderborn umgesiedelten Nixdorf 1968, als er um 17,5 Millionen DM seinen Hauptkunden, die Wanderer-Werke, aufkaufte. Jetzt besaß er neben effizienten Abteilungen für Entwicklung und Produktion auch eine Vertriebsstruktur, die die ganze BRD abdeckte. Die Nixdorf Computer AG wurde in den 1970er-Jahren in Deutschland Marktführer, expandierte ins Ausland und beschäftigte am Ende jenes Jahrzehntes weltweit ca. 10.000 Mitarbeiter. Mit Blick auf die Zukunft – die heute Gegenwart ist – vertrat Heinz Nixdorf die Ansicht, Computer „müssen so klein sein, daß sie in die […] Schublade eines Buchhalterschreibtisches passen“. Sie sind heute noch weitaus kleiner!

Doch der Mann, der großen persönlichen Einsatz und viel Geld in die Ausbildung seiner Lehrlinge steckte, der selbst sportlich aktiv und dessen höhere Leitlinie der Aufbau einer sozialen Gesellschaft war, wurde durch die Folgen eines Herzinfarktes schon recht früh aus seinem immer so aktiven Leben gerissen: Wie ein Schauspieler auf der Bühne, so starb Heinz Nixdorf am 17. März 1986 auf der Computermesse Cebit in Hannover. Mit ihm ging urplötzlich einer der unternehmerischen Pioniere, die in der BRD durch ihr unermüdliches Schaffen, ihren Einfallsreichtum und ihre Ausdauer das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg erst möglich gemacht hatten. Mit seinen Kleinrechnern hatte Nixdorf im damals aufkommenden Zeitalter der Computer eine Marktlücke gefüllt und war imstande gewesen, sich damit gegen die Konkurrenz mit ihren Großrechnern zu halten.

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.

Beitrag teilen

Facebook
X
Email
Telegram
Print
WhatsApp