Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Das Superwahljahr beginnt

von Benedikt Kaiser

Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag.

Aber die Leitmedien und politischen Gremien des Landes diskutieren ohnehin stärker darüber, daß im Spätsommer in Sachsen-Anhalt das neue Landesparlament gewählt werde. Nur 2,15 Millionen Einwohner ergeben Platz 11 in der Bundeslandtabelle – zur Einordnung: Bayern hat über 13 Millionen, Sachsen vier Millionen Einwohner. Dennoch konzentriert sich die politisch-mediale Energie auf dieses artifizielle Bundesland, das so unterschiedliche Landstriche wie das Weinbaugebiet Saale-Unstrut rund um Naumburg, die „preußische“ Altmark um Stendal und den mythischen Harz um Wernigerode zusammenbringt.

Dieser Fokus ergibt sich aus dem Zusammenhang der Sache: In den Umfragen steht die AfD bei Spitzenwerten von bis zu 40 %; das entspräche einer Verdopplung des Landtagswahlergebnisses von 2021 (20,8 %). Scheitern Grüne und/oder das BSW und/oder die SPD – sie liegen bei 3 bis 7 % – an der Fünfprozenthürde, könnten 42 oder 43 % AfD-Stimmen reichen, um eine Mandatsmehrheit zu erlangen: Die AfD stünde vor der erstmaligen Herausforderung, ein Bundesland zu regieren, und zwar im Alleingang. Gleichwohl bleibt ein Triumph mit 40plus unwahrscheinlich, zumal die Landespartei pünktlich zum Wahljahr von Schlammschlachten geplagt wird; man bekämpft einander juristisch und per Medien-„Leaks“. Der Bundestagsabgeordnete, der alles ins Rollen brachte, wurde nun auch aus der Bundestagsfraktion und wird bald aus der Partei ausgeschlossen – aber nicht alle Probleme sind dadurch gelöst.

Angesichts der manifesten Schwäche der Altparteien ließe sich sagen: Die AfD droht stärker an sich selbst zu scheitern als an ihrer Konkurrenz. Denn die Medienberichte über vermeintliche, aber eben auch in Teilen tatsächliche „Vetternwirtschaft“ sind Legion. Klug wäre es gewesen, von vornherein den prominenten und landesweit beliebten Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu schützen, indem man legitime Anstellungsverhältnisse von illegitimen scheidet und symbol- wie personalpolitisch markante Konsequenzen zieht. Dann hätte man dem eigenen Sympathisantenfeld zeigen können: 85 Prozent sind absurde Anschuldigungen politischer Gegner im politmedialen Komplex, zehn Prozent untersuchen wir selbstkritisch, und die unzweifelhaften fünf Prozent Fehlverhalten ahnden wir schonungslos. Man entschied sich, dies explizit nicht zu tun, sondern alle Vorwürfe pauschal abzulehnen. Der 6. September wird zeigen, ob das belohnt oder bestraft wird.

Bauen kann die AfD in Sachsen-Anhalt einstweilen auf ihre Kernwählerschaft, die stetig zunimmt. Das hat neben akuten Krisengründen und dem volksverbundenen Grundrauschen im heutigen Osten auch mit der mangelnden Altparteibindung seit 1990 zu tun. Wahlforscher Ansgar Hudde: „In Ostdeutschland ist das Wahlverhalten in allen Jahrzehnten [!] stärker vom Bundestrend abgewichen als in Westdeutschland.“ Hinzu kommt, um beim „Land der Frühaufsteher“ zu bleiben, ein Vorteil, der oft ein Nachteil ist: Das Bundesland hat keine Metropolen. Mit Magdeburg und Halle/Saale gibt es sogar nur zwei Städte, die mit 240.000 bzw. 225.000 Einwohnern per definitionem als „Großstädte“ gelten. Die drittgrößte Stadt, die Fusionsstadt Dessau-Roßlau, firmiert mit 75.000 Einwohnern als „Mittelstadt“; ansonsten dominieren Kleinstädte (5.000 bis 20.000) – klassische Hochburgen der AfD. Beobachter erwarten diesbezügliche AfD-Werte von bis zu 50 Prozent.

Werden die Blauen dem beträchtlichen Vorschußvertrauen dort und anderswo gerecht? Das Superwahljahr wird auch in dieser Hinsicht aufschlußreich. Es beginnt jetzt, am Sonntag, dem 8. März, und es wird in der AfD so oder so zu dynamischen Debattensituationen führen. Das gilt insbesondere auch dann, wenn man im drittgrößten Bundesland der Republik, in Baden-Württemberg, dem Land der kriselnden Autoindustrie und des allmählich darbenden Mittelstandes, doch noch unter den allseits erwarteten 20 Prozent plus x bleiben sollte. Aber das ist kein Thema für „Kaisers Zone“, diese Kolumne für den nahen Osten der BRD.

Benedikt Kaiser

Über den Autor:
Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent.

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