Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Ronald Friedrich Schwarzer
Ronald Friedrich Schwarzer, Mäzen und Kulturkämpfer: „Freiheit bedeutet Freiheit von Subvention“

Mäzenatentum als Kulturkampf

von Rudolf Preyer

Ronald Friedrich Schwarzer und sein legendärer Ferdinandihof

Wie wird man eigentlich „Partisan der Schönheit“? Die Antwort kann nur lauten: qua Selbstermächtigung, „Anmaßung“, in Ronald Schwarzers eigener Formulierung – und das Wort „Anmaßung“ fällt dabei ohne jede falsche Bescheidenheit. Der Mäzen, Impresario und Waldgänger – von der Profession her ist er Juwelier in vierter Generation, die Übergabe an den Thronfolger wird vorbereitet – sitzt in seiner Sala Terrena im Wiener Ferdinandihof beim Naschmarkt. Und blickt gleichsam auf eine soziale Plastik – die zwar noch immer an mitunter unerwarteten Stellen plötzlich aufglitzert, aber in ihrer Majestät in der Bundeshauptstadt einmalig dasteht. Kunst und Kultur und Politik: Nur Schwarzer bringt das unter seinen großen Borsalinohut. Obwohl Kosmopolit und Weltenbummler – bevorzugt pilgert er naturgemäß dem Schönen hinterher – müßte er doch eigentlich gar keinen Schritt mehr vor das eigene Anwesen mitten in Wien setzen, denn vom Ferdinandihof wird im Milieu ehrfurchtsvoll geraunt, und die halbe Welt kommt zu ihm.

Genius loci

Sein Mäzenatentum sei Privileg und Verpflichtung zugleich, so der langjährige Autor der kulturhistorisch ebenso feinsinnigen wie politisch scharfzüngigen „Streifzüge“ im ECKART, die inzwischen in zweiter Auflage im Wiener Karolinger Verlag erschienen sind. Die Sala Terrena und er haben einander quasi gegenseitig gefunden. So mußte er seinerzeit nachgerade „archäologische Ausgrabungen“ vornehmen, Zwischenmauern und -decken einreißen, um den so schönen Gewölberaum in seinen ursprünglich barocken Zustand zurückzuversetzen. „Die selbstgewählte Verpflichtung war damals, daß man nicht nur das Mauerwerk dieses Raumes, sondern auch den Geist dieses Raumes wieder zur Entfaltung bringt.“ Das Repertoire ist streng begrenzt: „Wir haben Musik bis vor 1789, als die Welt noch in Ordnung war, und dazu jede Art von Volksmusik, weil das Volk keine Zeit kennt und überzeitlich ist. Bei Mozart und Haydn schaue ich allerdings nicht so genau auf das Kompositionsdatum.“ Die Unvorhersehbarkeit jedes Abends fasziniert ihn: „Ich weiß ja selbst nie, wer kommt, wie viele kommen. Mal ist es zum Bersten voll, mal schwach besetzt. Aber selbst fünfzig Leute sind für einen Konzertraum, der in Wien ausschließlich Barockmusik spielt, recht gut.“

„Ein Mäzen“, definiert der für seine opulente Rhetorik – spitzzüngig, historisch bewandert und stets sehr ausführlich – bekannte Schwarzer, „ist jemand, der seine finanziellen Möglichkeiten nicht ausschließlich für seinen privaten Genuss, verwendet, sondern andere daran teilhaben läßt.“ Sei es, daß er Künstlern eine einzigartige Bühne in einem nur von Kerzen erleuchteten prächtigen Saal bietet oder daß er anderen die Möglichkeit gibt, gegen minimale freiwillige Spenden den Künstlern zu lauschen und sich unbegrenzt an seinem Weine zu erfreuen.

Selbsthilfe in Zeiten, wo gerade das Gute, Wahre und Schöne nicht gefördert wird

Warum tut sich Schwarzer das alles an – und lädt saisonweise dutzende, ja aberhunderte Gäste in sein privates Domizil ein? „Andere Leute haben eine Yacht und ein Rennpferd. Wenn man vom lieben Gott freilich gewisse Möglichkeiten erhalten hat, hat das auch eine soziale Dimension.“ Die Mission ist klar formuliert: „In Zeiten wie diesen, wo jede Form von Müll gefördert wird, aber das Gute, Wahre und Schöne eben nicht, muß man zur Selbsthilfe greifen. Es hat keinen Sinn, sich immer über alles aufzuregen und nichts dagegen zu tun.“ Schwarzers Mäzenatentum versteht sich somit explizit als Alternative zur staatlichen Kulturförderung. Hierfür hat er eine schöne Definition von Freiheit parat: „Freiheit bedeutet Freiheit von Subvention“, so Schwarzer, „wenn etwas gut ist, gefällt es den Leuten. Wenn es ihnen nicht gefällt, müssen Sie überlegen, ob sie am Markt vorbeiproduzieren.“

Sittenstrenge und Moralinsäure lehnt Schwarzer ab: Der Streitbare will zurück zum ancien régime: „Das Musikereignis war damals der Rahmen für eine gesellschaftliche Zusammenkunft. Die großen Barockopern haben eine Spieldauer von sechs, sieben Stunden. Aber, es war so gebaut: Es treffen sich Freunde am Land, dann haben wir eine Stunde Musik, dann gehen wir spazieren und plaudern und trinken, dann wieder eine Stunde Musik. Das ist der Rahmen, wo die Leute zusammenkommen.“ Diese gesellschaftliche Funktion befördert Schwarzer bewußt: „Ich freue mich, daß hier in diesem Raum viele persönliche Freundschaften entstanden sind. Hier sind auch Ehen begründet worden – weil eben durch die Lockerung durch Alkohol und die Erhebung des Herzens durch die Kunst die Seelen füreinander offener sind.“

Tumbe Schmierer und ein virtuoser Nationalratspräsident

Walter Rosenkranz, Nationalratspräsident und FPÖ-Politiker, ist für Schwarzer weit mehr als ein politischer Weggefährte: „Walter Rosenkranz spielt hier regelmäßig. Der ist jenseits seiner politischen Funktionen ein ausgebildeter und exzellenter Barockgitarrist – professionell! Also nicht irgendein Hobbymusiker, der das im Gymnasium als Freifach belegt hat, sondern mit abgeschlossener Konzertgitarristenausbildung. Der nimmt natürlich nichts aus dem Spendenkörberl“ – das ebenfalls ein Standard im Schwarzerschen Reich ist – „sondern gibt das dann als Spende für wohltätige Zwecke“. Rosenkranz erfüllt für Schwarzer eine doppelte Funktion: künstlerische Exzellenz und politische Verbindung. „Wenn Walter Rosenkranz spielt, ist die Bude zum Bersten voll.“ 

Und der Freiheitliche half Schwarzer auch bei einem praktischen Problem: der Bereinigung der Einladungslisten, nachdem die Antifa regelmäßig vor der Türe stand. „Ich habe zwei Verteiler – einen Politverteiler und einen Konzertverteiler. Zum Konzert kann von mir aus jeder kommen, auch ein Kommunist, solange er nicht schmutzt und mir nicht die Möbel stiehlt – weil, Stehlen ist ja strukturell bei den Kommunisten.“ Und weiter: „Ich bin gut befreundet mit Generalvikar Carlo Maria Viganò, Nummer zwei der Lega Nord, Europaabgeordneter. Ich habe ihn gebeten, bei mir zu sprechen. Und dann habe ich die Unvorsichtigkeit gehabt, den Polit- und den Konzertverteiler gleichzeitig zu verwenden. Da waren offenbar irgendwelche dubiosen Figuren im Konzertverteiler eingetragen. Da hatte ich auf einmal ständig die Antifa vor der Tür, die geschmiert, gegrölt, gepöbelt und randaliert hat.“ Schwarzers Lösung: „Ich lege keine Programme mehr auf, die dann in ungeeignete Hände kommen. Ich schicke einen Vortrag oder eine politische Veranstaltung zehn Tage vorher aus. Und die zweite Sache: Ich habe den Politverteiler genau durchforstet. Fünf Freunde aus der Szene haben sich das angeschaut – FPÖ, ECKART, Identitäre usw. Wenn einen keiner davon kennt, dann streichen wir ihn. Das hat die Schattenseite, daß die Introvertierten durch den Rost fallen – aber die fallen ihr ganzes Leben schon durch den Rost, die sind das ohnehin schon gewöhnt.“ Seit dieser Maßnahme war Ruhe – einigermaßen. Gelegentlich käme noch „irgendein vereinsamter, frustrierter Antifant vor die Hausmauer und schmiert in der Nacht irgendetwas drauf, meist mit grammatikalischen Fehlern. Aber ich habe mittlerweile genug Farbe vorrätig. Ein Anruf genügt – wenn wir das in der Früh um sieben Uhr sehen, ist es um neun weg.“

Kulturelles Überleben in Zeiten des Corona-Wahnsinns

Wenn man ihn nach einem Höhepunkt seiner mäzenatischen Karriere fragt, wird Schwarzers Stimme weich: „Das war im Corona-Wahnsinn, wo alles verboten war. Ich habe für mein Haus schwarze Stoffe gekauft, um die Fenster zu verhängen, daß bloß der Blockwart nicht hineinschaut.“ Dann kam der Anruf von Dominik Hellsberg, der mit seinem Namen für die Glorie der Wiener Philharmoniker steht: „,Weißt du, was wir Mittwoch für einen Tag haben? Den 27. Jänner – den Geburtstag von Mozart. Wir müssen unbedingt etwas machen!“ Dazu wurde nur ein handverlesener Freundeskreis eingeladen – aber dieser Tag wurde in würdeloser Zeit würdig begangen.

„Exzellenz ohne Kompromiß, Subjektivität ohne Entschuldigung, Elitarismus ohne falsche Scham“

Schwarzers Mäzenatentum ist Mission, Widerstand, gelebte Überzeugung. Die Barockmusik in der Sala Terrena ist Bekenntnis zu einer vergangenen Ordnung, Absage an die Moderne, Rückzug in eine Welt vor 1789 – aber zugleich auch Ort echter Begegnungen, künstlerischer Exzellenz und gesellschaftlicher Magie. Am Ende bleibt eine Definition von Mäzenatentum, die Privileg und Pflicht miteinander verbindet. Ronald Schwarzer sieht sich nicht als Wohltäter, sondern als Hüter einer Ordnung, die es wiederherzustellen gilt. Die Verpflichtung bedeutet für ihn: „Exzellenz ohne Kompromiß, Subjektivität ohne Entschuldigung, Elitarismus ohne falsche Scham“. Denn schließlich: „Ich könnte jede Woche fünf Konzerte geben, weil ich so viele Bewerbungen habe“, schmunzelt Schwarzer. Die Qualität ist ihm heilig: „Im Allgemeinen habe ich über die Qualität des hier Dargebotenen noch nie Kritik gehört. Das sind alles hochprofessionelle Künstler, weil wir  in Wien eben dieses Privileg einer so phantastischen Ausbildungsqualität haben.“

Mäzenatentum als Kulturkampf – Ronald Schwarzer führt ihn mit Kerzen, Barock und der festen Überzeugung, daß in Zeiten, wo alles beliebig ist, einer aufstehen müsse für das Gute, Wahre und Schöne. Schwarzers Salon bleibt eine Insel in einer Welt, die er für verloren hält. Aber solange es Menschen gibt, die hier Freundschaften schließen, Ehen anbahnen und große Musik erleben, wird er weitermachen. Der Partisan der Schönheit kämpft weiter. Wir müssen uns Schwarzer als einen glücklichen Menschen – und Mäzen – vorstellen.

Ronald Friedrich Schwarzer
Durch Habsburgs Lande
Zweite, vermehrte Auflage
Karolinger 2025, 157 S.,
geb., zahlr. Abb., € 23

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