von Mario Kandil
Kalendarium Kandili (70)
50 Jahre liegt heuer ein Ereignis zurück, das Anfang 1976 nicht nur in Österreich, sondern rund um die Welt größte Beachtung fand und nicht nur für den Sport hohe Bedeutung besaß: die Olympischen Winterspiele von Innsbruck. Dabei hatte es bereits 1964 in Innsbruck Olympische Winterspiele gegeben. Daß es zwölf Jahre später erneut zur Vergabe der Spiele an die Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol kommen konnte, war folgendem Faktum zuzuschreiben: Bezüglich Denver im US-Bundesstaat Colorado, das zuerst ausgewählt worden war, sprach sich in einer Volksabstimmung im November 1972 die Mehrheit der Bevölkerung von Colorado gegen die Spiele aus und gab diese an das Internationale Olympische Komitee (IOC) zurück. Als es im IOC erneut zur Abstimmung kam (Februar 1973), setzte sich Innsbruck u. a. gegen Lake Placid (USA) durch, wo 1932 auch schon einmal die Olympischen Winterspiele stattgefunden hatten. Innsbrucks Austragungsstätten waren noch nicht so „angestaubt“ wie die von Lake Placid, und auch das entschied.
Die bis zum 15. Februar 1976 dauernden XII. Olympischen Winterspiele eröffnete am 4. Februar 1976 der österreichische Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, der als Parteiloser 1974-1986 das höchste Staatsamt Österreichs innehatte. Wegen der späten Vergabe dieser Spiele stand Innsbruck nur wenig Zeit für Planung und Vorbereitung dieses sportlichen Großereignisses zu Gebote. Die schon existierenden Sportanlagen von 1964 mußten aber nur teilweise saniert werden, während in Igls eine Bob- und Rodelbahn völlig neu zu errichten war. Neben dem Sportstättenbau erlebte Innsbruck viele städtebauliche Veränderungen.
Wie identitätsstiftend der Sport oftmals wirkt, bewies für das Gastgeberland Franz Klammer, der durch seinen Sieg im Abfahrtslauf der Herren gegen den Schweizer Bernhard Russi zum Nationalhelden aufstieg und die Stimmung in Österreich für die Spiele „rettete“. Nach Ansicht vieler Österreicher hätte man diese nämlich gleich auch abbrechen können, wäre Klammer nicht Sieger geworden.
Im Vergleich zu den Spielen von Innsbruck 1964 waren die von 1976 bereits kommerzieller und von viel Medienrummel begleitet. Auch die Sportler, diesmal insgesamt 1.261, waren 1976 professioneller als zwölf Jahre zuvor. In der Medaillenwertung lagen die UdSSR mit dreizehn und ihr „Bruderstaat“ DDR mit sieben Goldmedaillen vorne, während die USA als ihr Hauptgegner bloß Dritte wurden.
Über den Autor:
Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.