von Reinhild Bauer
Brauchtum (50)
Ein grundlegendes Element von Bräuchen ist das Spiel mit Symbolen. Viele der traditionellen Requisiten einzelner Bräuche entspringen einem symbolischen Hintergrund. Symbole sprechen das menschliche Unterbewußtsein direkt an und wirken, ohne großartig in Szene gesetzt zu werden. Sie lösen Assoziationen, Erinnerungen und Gefühle aus. Bei den Germanen galten Symbole vor allem als eine Möglichkeit, Verbindung zu den Göttern, Ahnen und unsichtbaren Kräften aufzubauen. Zugleich waren diese Bräuche dadurch vor Fremden geschützt, da die Symbolkraft und -bedeutung nur den Eingeweihten verständlich war. Mit der Christianisierung wurden viele der Symbole umgedeutet oder durch neue Symbole ersetzt. Beispielsweise war das Kreuz das Symbol für die Sonnenkraft, die vier Jahreszeiten und die vier Himmelsrichtungen. Als zentrales Zeichen des neuen Glaubens erfuhr es eine tiefgreifende Umdeutung und führte über die nächsten Jahrhunderte zu einem kulturellen Wandel. Die Gefühle der Menschen zu dem Bild des Kreuzes wurden umprogrammiert. Bilder wie das Lamm, die Taube oder der Fisch wurden neu eingeführt und verdrängten andere Zeichen.
Einige der Symbole, die bis heute in unseren Bräuchen tief verwurzelt sind und den Prozeß der Christianisierung überstanden oder nur minimale Umdeutung erfahren haben sind zum Beispiel Baum, Feuer, Lärm, Wasser und Gebäck.
Der Baum als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit, Gemeinschaft und Beständigkeit ist bis heute vor allem zu Weihnachten ein weit verbreitetes Requisit. Aber auch das Pflanzen eines Lebensbaumes zur Geburt und der Maibaum nutzen diese Assoziation. In den bis heute erhaltenen heiligen Dorflinden finden wir insbesondere die Assoziation mit Gemeinschaft und Leben.
Feuer werden in unzähligen Traditionen entzündet, um die Erde zu reinigen, vom Winter zu befreien und die Rückkehr des Lichtes zu feiern. Als Beispiele lassen sich Sonnwendfeuer, Funkenfeuer, Osterfeuer und Feuerräder nennen.
Fast alle Frühlingsbräuche wie Osterschießen und Osterratschen sind geprägt durch Krach und Lärm jeder Art. Aber auch schon die Glöckler am 5. Jänner im Ausseerland machen vor allem Krach. Ziel sind die Vertreibung von bösen Hexen und Geistern und der Schutz der Häuser und Ställe vor allem Bösen, besonders in den wilden Rauhnächten.
Auch Wasser diente bereits in vorchristlichen Zeiten als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit und wurde zur Reinigung und zu heilenden Zwecken eingesetzt. Es findet sich im kirchlichen Gebrauch als Taufwasser und Weihwasser und aus älterer Überlieferung im Brauch des Osterwasserholens.
Gebildbrote und Hefezopf als Sinnbilder für Gesundheit und Wohlstand finden sich in unzähligen Bräuchen und Regionen wieder. Einstmals als Gabe für die Ahnen und Toten gedacht, wird dergleichen heute an Festtagen wie Ostern, Allerheiligen, Weihnachten und Neujahr gerne verzehrt.
Über die Autorin:
28 Jahre alt, Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.