Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Michael Scharfmüller ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins Info-DIREKT. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Oberösterreich.

Lederhosenrevolution

von Michael Scharfmüller

Wenn Kleider Leute machen, dann ist der Einheitsmensch schon fast Realität. Verteilt über den ganzen Globus tragen Menschen Bluejeans. Egal, ob Indianerhäuptling im südamerikanischen Dschungel, kleines Kind in einer afrikanischen Lehmhütte oder Möchtegernpromi in einer wohlstandsverwahrlosten Großstadt. Alle stecken ihre Hintern in die Cowboyhosen. Finanziell besser gestellte Schichten bilden hierbei keine Ausnahme. Auch dort, wo es noch so etwas wie eine Etikette gibt, ist es um die kulturelle Vielfalt nicht viel besser bestellt. Als Geschäftsmann oder Politiker trägt man bei offiziellen Anlässen meist einen dunklen Anzug. Wer glaubt glaubt, er sei ein Individualist, legt dazu bunte Socken oder weiße Turnschuhe an.

Bekenntnis zur Völkervielfalt

Freilich kann man kritisieren, daß ständig von Vielfalt gesprochen werde, während sich die globale Einfalt ausbreite – und es mit verbaler Kritik bewenden lassen. Man kann gegen diese Einfalt jedoch auch selbst aktiv werden. Wer die Vielfalt der Völker und Kulturen erhalten möchte, tut gut daran, sich um sein eigenes Volk und seine eigene Kultur zu kümmern. In Sachen Kleidung geht das sogar ganz leicht – man muss sich nur anders anziehen.

Damit ist nicht gemeint, daß sich jetzt jeder beim nächsten Lebensmitteldiskonter ein „Trachtenset“ besorgen soll, um damit die nächste Weißwurstparty oder das nächste Zeltfest unsicher zu machen; wobei es wahrscheinlich auch nicht schadet, wenn junge Leute zumindest so mit Lederhose und Dirndlkleid in Berührung kommen. Selbst wenn dergleichen auch aufgrund der schrecklich bunten Trachten stark an einen Faschingsumzug erinnert, trägt es auch zu einer gewissen Normalisierung bei. Vor ungefähr zwanzig Jahren war das noch anders – wenn man damals in Lederhosen auf ein nächtliches Fest ging, waren Beschimpfungen und Raufereien deswegen meist nicht fern.

Von April bis September fast ausnahmslos in kurzer Lederhose unterwegs

Etwa zu dieser Zeit habe ich für mich selbst beschlossen, daß ich keine Bluejeans mehr trage, um ein kleines Zeichen gegen die Gleichmacherei zu setzen. Seit ein paar Jahren laufe ich in der halbwegs warmen Jahreszeit zudem fast nur mehr in kurzen Lederhosen herum. Inspiriert dazu haben mich einerseits die Wandervögel und andererseits jene Araber und Afrikaner, die selbst bei wichtigen Anlässen auf internationalem Parkett ihre traditionellen Gewänder tragen. Seither bin ich von April bis September in kurzer Lederhose unterwegs und zwar egal, ob ich auf einer Pressekonferenz, in einem Parlament oder in Syrien bin. Das bringt viele Vorteile, aber auch einige Nachteile mit sich. Aus meiner Sicht überwiegen natürlich die Vorteile: Eine Lederhose ist ein robustes Kleidungsstück, bei dem es nicht stört, wenn es etwas schmutzig wird. Auf Reisen muß man deshalb keine zusätzlichen Hosen einpacken. Man spart aber nicht nur Gepäck, sondern auch Hirnschmalz, weil man nie überlegen muß, welches Beinkleid man heute anlegen wolle. Der Rest der Kleidung ist auch rasch abgestimmt, zu einer kurzen Lederhose kann man einfach so gut wie alles tragen. Nur eines paßt zu keiner Tracht: Turnschuhe, neuerdings „Sneakers“ genannt.

Ein unbequemer Eisbrecher

Man sagt, der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen sei ein Lächeln. Aus meiner Sicht ist der kürzeste Weg eine Lederhose – sie ist ein wahrer Eisbrecher. Immer wieder sprechen mich Menschen auf meine Lederhose an. Oft haben sich dadurch schon interessante Gespräche ergeben. Eines muß man jedoch auch sagen: Aus Bequemlichkeit trage ich die Lederhose nicht. Wenn eine Lederhose ordentlich sitzt, ist sie nämlich nicht wirklich bequem. Zudem kann es darin ordentlich warm werden.

Damit sind wir bei den Nachteilen: Eine gut passende Lederhose ist gar nicht so leicht zu bekommen. Man muß dafür schon ein paar Stunden Zeit und ein paar hundert Euro Budget einplanen. Außerdem muß man sich bewußt sein, daß man damit auffällt – und das nicht nur positiv. Traditionelle Kleidung bringen einige Menschen nämlich mit rückständigem Denken in Verbindung. Sie verbinden Männer in Lederhosen mit Schuhplattlergruppen, Oktoberfestbesäufnissen, Hinterwäldlern oder alten Schmuddelfilmen. Besonders im beruflichen Kontext muß man sich gut überlegen, ob man sich diesen Vorurteilen aussetzen will. Ich kann mit den Nachtteilen gut leben, wobei ich mir meinen Kleidungsstil nicht zur Bürde mache. Es gibt auch Anlässe, zu denen ich auf meine Lederhose verzichte, beispielsweise wenn es darum geht, keine unnötige Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

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