Monatszeitschrift für Politik, Volkstum und Kultur.

Wikimedia Commons, Deutsches Historisches Museum Berlin

160 Jahre Königgrätz

von Mario Kandil

Kalendarium Kandili (76)

160 Jahre liegt der als „Deutscher Krieg“ in die Geschichte eingegangene Bruderkampf zwischen den beiden deutschen Großmächten Preußen und Österreich zurück. Der Ausgang dieses Krieges stellte die Weichen dafür, daß innerhalb Deutschlands Preußen zum Hegemon, Österreich aber aus Deutschland verdrängt wurde.

Es soll hier nicht darum gehen, gerafft die Ereignisse aufzuzählen, die zu Preußens Sieg von Königgrätz (3. Juli 1866) führten, der beileibe noch nicht das Ende dieses Krieges hätte sein müssen – denn Österreich hätte noch weiterkämpfen können, was Kaiser Franz Joseph I. jedoch nicht wollte. Vielmehr wollen wir hier bewerten und einordnen. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Veröffentlichung von Akten und einer Befreiung des Bismarck-Bildes von nationalstaatlichen Klischeevorstellungen brach sich diese Ansicht Bahn: Zwischen 1864 und 1866 habe Otto von Bismarck erwogen, gemeinsam mit Österreich eine Alternative zum Krieg um die Führung in Deutschland zu verfolgen. Doch trifft das die Realität?

Aus Sicht eines gesamtdeutsch denkenden Patrioten darf nicht übersehen werden: Mit dem Sieg Preußens über dessen deutschen Widersacher Österreich im Krieg von 1866 war für die Schaffung eines deutschen Nationalstaates die „großdeutsche“ Variante obsolet geworden. Der Hohenzollernstaat hatte mittels der von Bismarck betriebenen Politik von „Eisen und Blut“ die nationalstaatliche Einigung Deutschlands in die Tat umgesetzt. Doch das war eine Einigung unter der Führung Preußens und unter dem Ausschluß Österreichs – ergo nur die „kleindeutsche“ Variante.

Österreich ging notgedrungen einen anderen Weg, sodaß erst nach der Auflösung der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg die Frage nach der „kleindeutschen“ oder der „großdeutschen“ Lösung nochmals akut wurde. Die Pariser Vorortverträge von Versailles und Saint-Germain-en-Laye schlossen eine deutsch-österreichische Vereinigung kategorisch aus, und so scheiterte 1931 auch eine Zollunion zwischen dem Deutschen Reich und Österreich. Als es im März 1938 zum „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich kam, dauerte das Zusammengehen ganze sieben Jahre lang. Das „Großdeutsche Reich“ brach 1945 auseinander, und seitdem gehen Deutsche und Österreicher erneut getrennte Wege. Daran, daß es dazu kam, hat der Ausgang des Deutschen Krieges von 1866 einen maßgeblichen Anteil. Und hinter all dem steht als treibende Kraft Bismarcks deutsche Politik.

Über den Autor:

Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.

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