<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>100Jahre &#8211; Der Eckart</title>
	<atom:link href="https://dereckart.at/tag/100jahre/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://dereckart.at</link>
	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 15 Apr 2022 21:28:30 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://dereckart.at/wp-content/uploads/2021/11/cropped-favicon-32x32.png</url>
	<title>100Jahre &#8211; Der Eckart</title>
	<link>https://dereckart.at</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Die Geschichte eines ganz besonderen Bundeslandes</title>
		<link>https://dereckart.at/die-geschichte-eines-ganz-besonderen-bundeslandes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Aug 2021 12:56:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neueste Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[100Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Trianon]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dereckart.49-12-166-91.plesk.page/?p=8695</guid>

					<description><![CDATA[Von der Zeit an, als dieser Landstrich von den Römern „Boierwüste“ genannt wurde, bis zur nicht unproblematischen Taufe in „Burgenland“ und dem Gefecht bei Kirchschlag vergehen über 2.100 Jahre. Nun wohnen in jener so lange umkämpften Landschaft des Ostalpenraums keine Kelten mehr (sie sind übrigens auch nicht die Stammväter der Bajuwaren, wie man lange geglaubt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Von der Zeit an, als dieser Landstrich von den Römern „Boierwüste“ genannt wurde, bis zur nicht unproblematischen Taufe in „Burgenland“ und dem Gefecht bei Kirchschlag vergehen über 2.100 Jahre. Nun wohnen in jener so lange umkämpften Landschaft des Ostalpenraums keine Kelten mehr (sie sind übrigens auch nicht die Stammväter der Bajuwaren, wie man lange geglaubt hat), sondern „Heanzen“, und sie bilden Österreichs östlichstes Bundesland</strong>.</p>



<p></p>



<p class="has-drop-cap">Bis zur Unterzeichnung des Venediger Protokolls im Oktober 1921 ist es jedoch für die deutschen Bewohner des westungarischen Gebietes ein langer und entbehrungsreicher Weg. In das in Marken organisierte Oberpannonien werden bereits im Frühmittelalter von adeligen und geistlichen Grundherren unter dem Oberbefehl des Markgrafen von Oberpannonien bayerische Bauern als Kolonisten angesiedelt. Im 9. Jahrhundert gab es eine Welle umfangreicher Landschenkungen durch die karolingischen Könige, die eine intensive deutsche Kolonisation bewirkten, die von der Oberschicht des Adels gefördert wurde, indem sie ihnen gewisse Freiheiten gewährte. Die Jobagionen genannten Grenzwächter trotzten Tartaren- und Türkeneinfällen sowie innerungarischen Adelskämpfen und hielten dem Boden ihrer Ahnen über Jahrhunderte die Treue. Sie bildeten den deutschen Grundstock, den auch die Wirren der mongolischen und ungarischen Einfälle nicht beirren konnte. <br><br>Eine weitere, stärkere Öffnung für Kolonisten hing schließlich mit der Veränderung des Grenzwächtersystems zusammen, das sich hin zum Ausbau von exponierten Burgen umwandelte, wobei sich vor allem die einheimische Grenzwächterfamilie Osl um die Kolonisierung mit deutschen Bauern<br>besonders bemühte. Aus dem fränkisch-deutschen Lehenswesen eingewandert und mit relativ großzügigen Freiheiten ausgestattet erfuhren die Jobagionen schon bald eine signifikante Verschlechterung der bäuerlichen Freiheiten. Spätestens im Verlauf des 17. Jahrhunderts wandelte sich die Erbuntertänigkeit der Grundhörigen in eine Form bäuerlicher Unfreiheit mit dominanten Elementen der persönlichen Abhängigkeit (Leibeigenschaft). Diese gesteigerte herrschaftliche Gewalt beschränkte die Rechtsfähigkeit der Bauern und erstreckte sich über Heirats-, Berufs- und Eigentumsfragen. Diese besonders ausgeprägte grundherrliche Willkür läßt sich bezeichnenderweise vor allem im habsburgisch kontrollierten West-, Oberungarn und Siebenbürgen feststellen, wo die untertänigen Bauern zu mehreren Frondiensten pro Woche herangezogen wurden und damit einer nahezu unmöglichen Belastung ausgesetzt wurden. Anstelle der Geldrente trat wieder die Naturalrente. Dieser rückständige und unerträgliche Zustand änderte sich erst mit den Josephinischen Reformen 1785, die bäuerliche Unfreiheit wiederum endete definitiv erst mit 1848. Doch die von Kaiser/König Ferdinand I. erlassenen Aprilgesetze ließen vor allem in Fragen der inneren Verwaltung und des Verhältnisses zu.</p>



<p><strong>Von der Revolution 1848 zum Dualismus von 1867</strong><br>Nachdem Ferdinand noch 1848 ausgerechnet den Ban von Kroatien zum bevollmächtigten Kommissär in Ungarn und damit zum Stellvertreter des Königs ernannte, kam es im Herbst zum bewaffneten Konflikt. Wenige Monate später, als Kaiser Franz Joseph den Reichstag zu Kremsier auflöste und mit der neuen Verfassung Ungarn zu einem Kronland degradierte, erklärte der ungarische Reichstag schließlich eine Unabhängigkeitserklärung. Nach der militärischen Niederwerfung mit der Hilfe Rußlands wurde Ungarn – mit der Einläutung des Neoabsolutismus – unter eine absolut regierende Verwaltung gestellt. Dies hatte zur Folge, daß Ungarn auf die 1860 (Oktoberdiplom) und 1861 (Februarpatent) eingeleiteten bzw. angekündigten Zugeständnisse mit anarchistischen Ausschreitungen antwortete. Der zehnjährige Absolutismus hatte einen zu großen Haß aufgestaut. Sechs Jahre später kam es daher zu Verhandlungen zwischen der Wiener Regierung und den ungarischen Ministern, die durch die Verabschiedung der neuen Verfassung und die Einführung der konstitutionellen Monarchie bekanntlich im sogenannten Dualismus endeten.<br><br><strong>Nationalitätenkonflikt auch in Deutsch-Westungarn</strong><br>Diesmal konnten damit die Ungarn ruhiggestellt werden, doch der bereits lange schwelende ethnische Konflikt („Nationalitätenkonflikt“) zwischen deutschen Westungarn und Magyaren begann mit der Jahrhundertwende in eine kritische Phase einzutreten. Grund dafür war die sogenannte Magyarisierung, der versuchte historische Prozeß der Umvolkung nichtmagyarischer Volksgruppen und ihrer Eingliederung in die magyarische Kultur- und Sprachgemeinschaft. In den ländlichen Gegenden waren die Versuche der sprachlichen und volklichen Angleichung jedoch kaum erfolgreich, so also vor allem im heute burgenländischen Gebiet. <br><br><strong>Das Nationalitätenproblem schuf einen permanenten Unruheherd.</strong><br>Der Zerfall der Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg ließ natürlich die Frage der zukünftigen Staatszugehörigkeit der vorwiegend von Deutschen besiedelten Landschaften Westungarns aufkommen. Bereits 1907 wurde in Wien der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn gegründet, doch sein Wirkbereich beschränkte sich auf Wien und konnte den burgenländisch-westungarischen Raum nicht erreichen. Die dort ansässigen Deutschen waren größtenteils Bauern, Landwirte, Gewerbe- und Industriearbeiter, die nicht die Zeit und die Muße hatten, sich für derlei politische Belange aus der Residenzstadt zu interessieren. Doch das änderte sich mit dem Desaster des Ersten Weltkrieges.<br><br><strong>„national zu Deutschösterreich“</strong><br>Nachdem am 16. 11. 1918 die ungarische Republik ausgerufen worden war, heißt es in der Staatserklärung der Republik Deutschösterreich zehn Tage später: „Die geschlossenen deutschen Siedlungsgebiete der Komitate Preßburg, Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg gehören geographisch, wirtschaftlich und national zu Deutschösterreich, (und) stehen seit Jahrhunderten in innigster wirtschaftlicher und geistiger Gemeinschaft mit Deutschösterreich“. Das hatten selbst die Deutschwestungarn gehört und veranstalteten die ersten proösterreichischen Kundgebungen.<br>Am 6. Dezember 1918 wird – nicht wenig zur Verwunderung der Kollegen in Wien – in Mattersburg durch den zuvor gegründeten „Deutschen Volksrat für Westungarn“ die Republik „Heinzenland“ gegründet. Der undurchdachte Versuch scheiterte jedoch durch militärische Intervention am nächsten Tag. Zugleich gab es im Süden heimliche Anschlußbestrebungen an die Steiermark, angeführt durch Karl Wollinger. Dazu muß festgehalten werden, daß die Beamten und der Klerus eine Lösung dieses Problems nur in einer Autonomie Deutschwestungarns sahen. Diese Idee nahm der Deutsche Volksrat für Westungarn auf und berief einen Deutschen Volkstag nach Ödenburg ein, auf welchem die ungarische Regierung per Beschluß aufgefordert wurde, ein Autonomiegesetz vorzulegen. Ansonsten würde Deutschwestungarn den Anschluß an Österreich vollziehen.<br>Dem Druck des Ultimatums mußte sich Ungarn schließlich beugen, erließ am 27. Jänner 1919 das „Volksgesetz über die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes des deutschen Volkes in Ungarn“ und richtete ein deutsches Gouvernement ein – Géza Zsombor wurde zum Gouverneur ernannt. Das Tribunal der Siegermächte sprach schließlich – aus rein machtpolitischen Überlegungen – Deutschwestungarn der Republik Deutschösterreich zu. Der am 10. September 1919 unterschriebene Friedensvertrag sah schließlich ein zugesprochenes Gebiet in einem Umfang von 4.320 km² mit 340.000 Einwohnern vor. Die neue ungarische Regierung unter Admiral Horthy empfand den Vertrag jedoch als Provokation und Erniedrigung. Doch allem Widerstand und Gesprächen mit anderen Ländern zum Trotz wurden am 26. 7. 1921 in Paris die Ratifikationsurkunden ausgetauscht, und das „Heinzenland“ wurde an Österreich übergeben.<br><br><strong>Militärische Scharmütze</strong>l<br>Die geordnete Übergabe am 28. wurde jedoch von zahlreichen Scharmützeln der österreichischen Militärs mit ungarischen Freischärlern gestört, was schließlich im Gefecht bei Kirchschlag am 5. September kulminierte. Die österreichischen Truppen siegten zwar, doch die Ungarn schlugen drei Tage später mit Unterstützung in Ödenburg zurück, woraufhin die österreichischen Kolonnen mitsamt ihrer neu eingerichteten Landesverwaltungsstelle flüchteten und schließlich von Wien zurückbeordert wurden. Abermals mußte ein diplomatisches Gremium den Vermittler spielen, und die neuen geopolitischen Voraussetzungen spielten diesmal Ungarn in die Hand. Bundeskanzler Schober mußte resignierend im „Venediger Protokoll“ am 13. Oktober 1921 einer Volksabstimmung in Ödenburg und acht benachbarten Landgemeinden zustimmen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Tauziehen um die Grenze in Pinkafeld</title>
		<link>https://dereckart.at/das-tauziehen-um-die-grenze-in-pinkafeld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jul 2021 14:24:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neueste Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[100Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Trianon]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dereckart.49-12-166-91.plesk.page/?p=8682</guid>

					<description><![CDATA[Heuer feiert das Burgenland seine 100jährige Zugehörigkeit zu Österreich. Nach der Volksabstimmung in Ödenburg samt Umgebung im Dezember 1921 scheinen die Grenzen des neuen Burgenlandes festzustehen. Zumindest nach allgemeiner Ansicht. Doch dem ist nicht so, weil im Süden des Landes, im Pinkatal, die endgültige Grenze erst 1923 gezogen wird, – und, ein paar Dörfer, die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Heuer feiert das Burgenland seine 100jährige Zugehörigkeit zu Österreich. Nach der Volksabstimmung in Ödenburg samt Umgebung im Dezember 1921 scheinen die Grenzen des neuen Burgenlandes festzustehen. Zumindest nach allgemeiner Ansicht. Doch dem ist nicht so, weil im Süden des Landes, im Pinkatal, die endgültige Grenze erst 1923 gezogen wird, – und, ein paar Dörfer, die anderthalb Jahre zu Österreich gehören, wieder an Ungarn zurückfallen.</strong></p>



<p></p>



<p class="has-drop-cap">Wenn wir uns die Ostgrenze des südlichen Burgenlandes vergegenwärtigen, so sticht uns der unregelmäßige, geradezu zerfranste Verlauf der Staatsgrenze vor allem im unteren Pinkatal ins Auge. Die Ursache hierfür ist keineswegs landschaftlich bedingt. Nein, es handelt sich vielmehr um das Ergebnis eines langen Gezerres zwischen Ungarn und Österreich in der deutsch-kroatisch-ungarischen Gemengelage. Ende Juli 1921 bildet sich ein Internationaler Grenzregelungsausschuß (Commission de délimitation de la frontière entre l’Autriche et la Hongrie), im folgenden Text kurz als Grenzkommission bezeichnet. Im Gremium sitzt je ein Mitglied aus Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan sowie – ohne Stimmrecht – je ein Vertreter Ungarns und Österreichs.<br><br><strong>Verspätete Grenzziehung als Folge der Friedensdiktate</strong><br>Vorsitzender ist Major André Jocard, der Franzose. Weitere Mitglieder der Grenzkommission sind Major Enrico Calma (Italien), Oberst Arthur Craven (Großbritannien), Oberst i.G. Graf Juhachi Yamagutchi (Japan), Ministerialrat Stefan Neugebauer (Österreich), Oberst Arthur Keresztes, später (ab 4. November 1921) Legationsrat Frigyes Baron Villani (Ungarn). <br><br><strong>Ein Japaner entscheidet mit</strong><br>Grundsätzliche Aufgabe der Kommission ist der Feinschliff des Grenzverlaufes, den der Oberste Rat der Entente am 11. Juli 1919 beschlossen hat und der Teil der Friedensdiktate von Saint Germain und Trianon ist. Bei den Sitzungen der Kommission zeigt sich die vorteilhafte Stellung Japans. Das fernöstliche Kaiserreich ist durch die Grenzziehung in Mitteleuropa in keiner Weise tangiert, und so kann sein Delegierter, der Generalstabsoberst Graf Yamagutchi, die bloßen Fakten sprechen lassen und sine ira et studio argumentieren. Und oft wird auf ihn gehört. Wir wenden uns nunmehr dem Tal der Pinka zu, dem Gebiet am Abhang des Eisenbergs. Hier – um das Ergebnis vorwegzunehmen – gelingt Ungarn eine doch bemerkenswerte Westverschiebung der in Saint Germain und Trianon festgelegten Linie.<br><br><strong>Ungarn will das ganze Pinkatal</strong><br>Ungarn fordert Rechnitz, Schachendorf, Schandorf und alle Gemeinden des Pinkatales. Einiges Gewicht für die Grenzkommission haben Petitionen der Stadt Steinamanger (Szombathely; in der Folge sind die ungarischen Ortsnamen jeweils in Klammern gesetzt) und der königlich-bayerischen Domänendirektion in Pernau (Pornóapáti). Das Haus Wittelsbach hat in Ungarn große Besitzungen. Das ist mit ein Grund dafür, daß Bayerns letzter Monarch, Ludwig III., sich im November 1918 nach Rotenturm an der Raab (Sárvár) im Burgkomitat Eisenburg zurückzieht, wo er am 18. Oktober 1921 für immer die Augen schließt.<br><br><strong>Proungarische Kundgebungen</strong><br>Die Mitglieder der Grenzkommission wünschen, sich ein persönliches Bild von der Situation im Pinkatal zu machen. Daher unternehmen sie Mitte März 1922 eine Inspektion an Ort und Stelle. Als die Kommission in Oberschilding (Felsőcsatár) auftaucht ist sie mit einer mächtigen  proungarischen Kundgebung konfrontiert. Die hier versammelten Bewohner von Schachendorf, Schandorf, Nahring (Narda) und Kroatisch-Schützen (Horvátlövő) fordern vehement die Rückgliederung nach Ungarn; dasselbe Bild bietet sich in Prostrum (Szentpéterfa).<br><br><strong>Das Raabtal will zu Österreich</strong><br>Die deutschen Orte des Pinkatales – Pernau und Deutsch-Großdorf (Vaskeresztes) – wollen hingegen bei Österreich verbleiben. Ähnliches gilt für das Raabtal: Die Dörfer Raabfidisch (Rábafüzes), Jakobshof (Jakabháza), Radling (Rönök) und Luising (Lovászad) bestürmen die Grenzkommission mit Abordnungen, die den Anschluß an Österreich fordern. Vergeblich! Denn diese Raabtaler Gemeinden liegen östlich der Trianon-Grenze. Einzig Luising gelingt das scheinbar Unmögliche: Die Gemeinde wird Teil des Burgenlandes. Derweilen mahnt die Pariser Botschafterkonferenz der Entente am April 1922 ihre Vorgabe ein, die endgültige Grenzziehung habe sich an den Friedensverträgen und, was Ödenburg anlangt, am Venediger Protokoll zu orientieren. Jetzt wartet auf die Kommission harte Arbeit. Zunächst erhält Österreich den Zuschlag, was Rechnitz angeht. Jedoch bleibt ab Schachendorf abwärts das gesamte untere Pinkatal umstritten.<br><br><strong>Kompromiß zugunsten Ungarns</strong><br>Die Grenzkommission schlägt schlußendlich einen Kompromiß vor, der eher einseitig zu sein scheint: Ungarn erhält danach fast das ganze untere Pinkatal einschließlich der deutschen Dörfer Pernau, Deutsch-Großdorf sowie Ober- und Unterbildein. Der Vorschlag ist für Österreich unannehmbar. Es erfolgt ein Rekurs an den neu installierten Rat des Völkerbundes. Der nimmt Schachendorf, Schandorf, Ober- wie Unterbildein sowie Prostrum aus dem Vorschlag der Grenzkommission heraus und schlägt die Dörfer zu Österreich. Schachendorf und Schandorf bleiben hauptsächlich wegen der Bahnlinie Pinkafeld–Rechnitz bei Österreich, Bildein wegen seiner deutschen Bewohner. Prostrum hingegen wird wegen seiner überwiegend proungarischen Haltung wenig später zum Tauschobjekt für die bei Österreich verbleibenden Gemeinden Rattersdorf und Liebing.<br><br><strong>Eine Handvoll Dörfer wird von Österreich abgetrennt</strong><br>Ergebnis: Eine Handvoll Dörfer kommt wieder zu Ungarn, trotzdem ist dies Labsal für die Seele der Magyaren, die im Friedensdiktat zwei Drittel des Landes an die Nachbarn verloren haben. Ungeachtet ihrer Kleinheit (die Einwohnerzahl ist in Klammern beigefügt) seien die Siedlungen genannt: Es sind dies die Kroatendörfer Oberschilding (611), Großnahring (479) sowie Kroatisch-Schützen (409); die drei ursprünglich magyarischen Kleinadelsdörfer Unterschilding (240; davon 212 Kroaten), Ungarisch-Großdorf (314; trotz der Ortsbezeichnung Ungarisch-Großdorf lebt dort bloß ein einziger Magyare neben 313 Deutschen) und Kleinnahring (217; davon 210 Kroaten); schließlich die deutschen Gemeinden Deutsch-Großdorf<br>(396) und Pernau (700).<br><br><strong>Luising komm doch zum Burgenland</strong><br> Am 10. Jänner 1923 übergibt die Grenzkommission in Oberschilding die Gemeinden Schilding, Nahring, Kroatisch-Schützen und Großdorf an den Vizegespan des Burgkomitats Eisenburg, Géza Herbst, der das Gebiet für Ungarn übernimmt. Stunden später übergibt die Kommission in Pernau diese Gemeinde an den genannten Vertreter Ungarns. Am selben Tag überantwortet die Kommission die Gemeinde Luising (184 Bewohner) an den Güssinger Bezirkshauptmann Ernst Mayerhofer.<br><br><strong>Die Akte Grenzziehung wird erst 1924 endgültig geschlossen </strong><br>Erst am 8. März 1923 räumt Österreich Bleigraben (Olmód), am Tag darauf als letzte Gemeinde Prostrum. Damit hat jedes der Länder auch die faktische Gewalt über die auf seinem Gebiet liegenden Ortschaften. Die Grenzkommission tagt letztmalig am 2. August 1924 in Ödenburg, dann sind alle offenen Fragen beantwortet. Japans Delegierter Juhachi Yamagutchi, der Mann, dessen Argumente dem Verlauf der Staatsgrenze maßgeblich ihren Stempel aufdrückten, ist bereits im Dezember 1922 ins Land der aufgehenden Sonne zurückgekehrt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Sautanz im Burgenland</title>
		<link>https://dereckart.at/der-sautanz-im-burgenland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2021 04:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neueste Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[100Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Brauchtum]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Körner-Lakatos]]></category>
		<category><![CDATA[Sautanz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dereckart.49-12-166-91.plesk.page/?p=8063</guid>

					<description><![CDATA[Vom Brauch, in der kalten Jahreszeit ein Schwein zu schlachten Miteinander arbeiten, miteinander feiern, das hält die Gemeinschaft im Dorf zusammen. Der noch vor einem halben Jahrhundert im Burgenland lebendige Brauch des häuslichen Sauabstechens ist ein Beispiel dafür. Ein Beitrag von Erich Körner-Lakatos Wobei das Wort Sautanz etwas irreführend ist: Im Regelfall tanzt weder die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Vom Brauch, in der kalten Jahreszeit ein Schwein zu schlachten</h2>



<p><strong>Miteinander arbeiten, miteinander feiern, das hält die Gemeinschaft im Dorf zusammen. Der noch vor einem halben Jahrhundert im Burgenland lebendige Brauch des häuslichen Sauabstechens ist ein Beispiel dafür.</strong></p>



<p><em>Ein Beitrag von Erich Körner-Lakatos</em></p>



<p class="has-drop-cap">Wobei das Wort Sautanz etwas irreführend ist: Im Regelfall tanzt weder die Sau – dazu bestünde für das Tier wahrlich kein Anlaß – noch tun es die Menschen, die nach getaner Schwerarbeit lieber an einem langen Tisch sitzen und sich an Speis’ und Trank gütlich tun.<br>Sautanz ist ganz einfach ein ruraler Dreiakter: Zuerst wird geschlachtet, daraufhin folgt die Verarbeitung der Fleischteile, den Schluß bildet der gemeinsame Schmaus, wobei hinsichtlich des dritten Aktes der Burgenländer seinen Hang zu deftiger Kost nicht verleugnet. Wer nimmt am Sautanz teil? Außer den Hausleuten, also dem Bauern, seiner Frau und den Kindern sind das Verwandte, Freunde und Nachbarn.<br>Denn viele fleißige Hände sind vonnöten, wenn es im Morgengrauen eines Wintertages losgeht.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein ruraler Dreiakter</h2>



<p>Übrigens: Die kleinbäuerliche Struktur infolge des ungarischen Erbrechts (Hofteilung unter allen Söhnen) ist Grund dafür, daß Dienstboten wie Mägde und Knechte im Burgenland praktisch nicht anzutreffen sind. Die Ausnahme von der Regel sind Erntehelfer, etwa die Taglöhner bei der Weinlese und das Gesinde auf den hochadeligen Meierhöfen. Das Abstechen eines Schmalzschweines mit einem Gewicht von bis zu dreihundert Kilo ist Vorrecht des starken Geschlechts, mehrere kräftige Mannsbilder müssen anpacken, denn das Tier wehrt sich um sein Leben. Anschließend fängt man in einem Kübel das Blut auf.<br>Ausdauernd gerührt, mit Speckstücken und Semmelwürfeln versehen, in den gesäuberten Naturdarm gestopft und im Rohr gebraten, steht dann am Abend eine deftige Blunzen auf dem Tisch. Das Reinigen der Därme ist eine heikle Sache, die erfahrenen Bäuerinnen vorbehalten bleibt, weil man den Darm vorsichtig mit einem Kochlöffel wenden und gründlich mit heißem Wasser reinigen muß. Nicht minder wichtig ist das Auslassen des Schmalzes. Man schneidet den Filz, so nennt man das Fett unter der Haut des Tieres, grobwürfelig, dreht es durch die Fleischmaschine, dann läßt die Bäuerin das Fett aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Grammeln und Pogatscherln</h2>



<p>Siebzig Kilo Schmalz müssen für das Jahr reichen. Die goldgelben Grammeln sind Grundlage für die traditionellen Pogatscherln. Die schönsten Fleischteile sind für das allseits bekannte Geselchte bestimmt. Das mit Salz, Knoblauch, Pfeffer und Koriander eingeriebene Fleisch beschwert man mit Steinen in einem Bottich. Nach vierzig Tagen wandert die Delikatesse zum Aufhängen in die Rauchfang-Selch. Die weniger edlen Teile des Schweines sind der Grundstock für allerlei Würste, die nach tagelanger Arbeit der Frauen als Brat-, Leber- oder Preßwurst auf dem Tisch stehen.<br>Rund um zehn Uhr erwacht bei den meisten der Appetit. Die Vormittagsjause besteht aus leicht verderblichen, freilich unglaublich köstlichen Sachen. Zum Beispiel aus gerösteter Leber, gebratenen Nierndln oder kurz überkochtem Speck. Feinspitze bevorzugen das Blut-Tommerl: Schweinsblut mit Mehl, geschnittener Zwiebel und zerdrücktem Knoblauch verrührt und in einem ausgefetteten Reindl im Ofen gebacken. Der Ofen ist selbstredend der traditionelle Sparherd, das heißt eine gemauerte Feuerstelle mit gußeiserner Platte, geschlossener Feuerung und Backrohr; daneben befindet sich das „Schiff“, die Wanne mit stets heißem Wasser.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Sauschädel als Zehent</h2>



<p>Das Mittagessen fällt am Schlachttag aus, dafür ist keine Zeit, außerdem brauchen die Menschen den Appetit für den Abend. Doch um eine Nachmittagsjause kommt die Bäuerin nicht umhin. Wer sich hier Kaffee und Gugelhupf vorstellt, liegt falsch. Die Frau des Hauses stellt das sogenannte Pfandlfleisch auf den Tisch, darunter versteht man das am Rücken des Schweines angewachsene Fleisch, den sogenannten Fisch, dazu reicht man das Herz des Tieres.<br>Das Schicksal des Saukopfes variiert von Dorf zu Dorf. Dort, wo es noch eine Obrigkeit in Gestalt eines adeligen Grundherrn gibt, erhält der Herr Graf den Sauschädel als symbolischen Zehent. Meist schneidet sich der hohe Herr nur ein Gustostückerl wie zum Beispiel eine Scheibe vom Goderlspeck herunter und schickt den Rest samt ein paar Liter Wein mit Dank zurück. Mancherorts kriegt der Pfarrer den Sauschädel, die Köchin serviert Hochwürden dann das schmackhafte Kopffleisch mit Kren, das übrige verarbeitet sie zur Haussulz. Anderswo wiederum versuchen die Burschen des Dorfes, den Schädel zu stehlen; wenn das Unterfangen gelingt, muß sie der Bauer zum abendlichen Mahl einladen. Gewinner am Schlachttag sind jedenfalls die Buben, sie erhalten die Saublase und basteln daraus einen Fußball. Nicht zu vergessen die Katzen, die sich mit dem Gekröse davonmachen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gesegneten Appetit!</h2>



<p>Am Abend dieses turbulenten Tages biegt sich der Tisch. Vor allem unterm Schweinsbraten mit knusprigen Schwarteln, den Stelzen und Blunzen, all das harrt seit dem späten Nachmittag im Backrohr der hungrigen Menschen. Dann der Augenblick, auf den alle warten: Nach dem Tischgebet wünscht der Bauer seinen Helfern einen gesegneten Appetit und bittet, auch dem Haustrunk tüchtig zuzusprechen. Was sich keiner zweimal sagen läßt…</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="384" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/11/Banner-Rundbrief-1024x384.png" alt="" class="wp-image-6155" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/11/Banner-Rundbrief-1024x384.png 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/11/Banner-Rundbrief-300x113.png 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/11/Banner-Rundbrief-768x288.png 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/11/Banner-Rundbrief.png 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
