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	<title>Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Der Eckart</title>
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		<title>„Ich habe das gleiche Blut wie du!“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 09:52:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Daniel Fabian Bei den Deutschen in Chiles Süden Als jüngst ein neuer chilenischer Präsident gewählt wurde, kam die Berichterstattung um deutsche Namen nicht herum: Die Eltern des neuen Präsidenten José Antonio Kast waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Allgäu nach Chile ausgewandert; noch Kasts älterer Bruder Michael, der früh verstorbene Zentralbankpräsident unter Pinochet, [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Daniel Fabian</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei den Deutschen in Chiles Süden</h2>



<p></p>



<p>Als jüngst ein neuer chilenischer Präsident gewählt wurde, kam die Berichterstattung um deutsche Namen nicht herum: Die Eltern des neuen Präsidenten José Antonio Kast waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Allgäu nach Chile ausgewandert; noch Kasts älterer Bruder Michael, der früh verstorbene Zentralbankpräsident unter Pinochet, war in Deutschland geboren. Kasts jüngerer rechter Mitbewerber, der „libertär-reaktionäre“ Johannes Kaiser, stammt von allen vier Großeltern her von Deutschen ab, ist zweisprachig aufgewachsen und studierte in Heidelberg und Innsbruck. Viele trauen ihm nach einem Achtungserfolg bei der vergangenen Wahl in der Zukunft eine Präsidentschaft zu. Und mit Evelyn Matthei stammt auch eine dritte der fünf mit Erfolgsaussichten angetretenen Kandidaten aus der deutschen Minderheit.</p>



<p>Diese Häufung mag Zufall gewesen sein, doch sie lenkt den Blick auf die unter vielen europäischstämmigen Gruppen bis heute besonders bedeutende Gemeinschaft der Deutschen im Einwanderungsland Chile. Das Zentrum der deutschen Einwanderung liegt im Süden des Landes, südlich der Provinzhauptstadt Temuco bis zur Provinzhauptstadt Puerto Montt. Freilich beschränken sich die deutschen Spuren vielfach auf Nachnamen und historische Überbleibsel. Bis heute am stärksten sichtbar und lebendig ist der deutsche Einfluß jedoch im Süden des bezeichneten Gebietes, etwa ab der Stadt Osorno südwärts im Umkreis des riesigen Llanquihue-Sees. Dorthin zu reisen, geht weit über eine „Spurensuche“ hinaus, wie sie vielfach in geographisch viel näher gelegenen ehemals deutschen Gebieten leider nur noch möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kuchen, Würste, Schwarz-Rot-Gold</h3>



<p></p>



<p>Zunächst fallen die vielen deutschen Bundesflaggen auf. Die Kleinstädte am Westufer des Sees sind an einem normalen Werktag üppiger beflaggt als eine bundesdeutsche Kleinstadt am Tag der Deutschen Einheit. Nicht nur die chilenische Neigung zum Hissen ihrer Nationalflagge wird hier in abgrenzender Aneignung aufgenommen, auch der Tourismus spielt eine Rolle. Denn dieser ist in Frutillar, Llanquihue oder Puerto Varas stark auf das deutsche Erbe und deutsche Besucher ausgerichtet. Aber auch von Autoaufklebern und aus den Fenstern von Privathäusern grüßt unübersehbar vielfach der deutsche Dreifarb. Und nicht nur das: Zur Einkehr lockt etwa ein „Kuchenladen“, „El rincón de la Oma“ („Omas Ecke“ – „Oma“ ist hier statt der spanischen Bezeichnungen weit verbreitet), eine Bäckerei „Vollkornbrot“ (in kantiger Frakturschrift) oder, wenn es etwas gehobener sein soll, das Restaurant „Zur Wassermühle“.</p>



<p>Von dieser Überraschung erholt sich der Tourist am be­sten mit einer Bratwurst, einem „Kunstmann“-Bier von der beliebtesten chilenischen Brauerei oder einem „<em>Kuchen</em>“, denn so werden diese Süßspeisen auch hier genannt. Dann werden aber auch die Unterschiede zum heimisch Bekannten deutlich, denn eine gute Wurst nach deutschem Standard zu finden, ist hier schwer. Und „Kuchen“ ist die Bezeichnung für eine bestimmte Art als deutsch wahrgenommener Backwaren, die aber anders sind, als aus Mitteleuropa bekannt. Der Blick in ein Backbuch der deutschen Einwanderer belehrt: Ihre süße Küche hat sich von jener in der Heimat wegentwickelt. In Chile sind Quark/Topfen und Schmand unbekannt, weswegen oft Mischungen aus Maisstärke und Sahne verwendet wurden und werden. Die „Kuchen“ in Chile sehen anders aus und schmecken anders!</p>



<p>Dennoch gibt es wohl keine Weltgegend außerhalb Europas, in der sich – mitten in der spanischsprachigen Mehrheitsgesellschaft, ohne religiöse Abschottung – so viele deutsche Kulturelemente und deutsche Identität so lange gehalten haben. Wer deutsche Friedhöfe sehen will, auf denen auch über hundert Jahre alte Gräber nicht abgeräumt werden, wird im Süden Chiles eher fündig als in der BRD. Auf dem reizvoll direkt an einer Steilküste am Seeufer gelegenen, nahezu rein deutschen Friedhof von Totoral werden auch heute noch die neu hergestellten Grabsteine mit deutschen Grabsprüchen und zum Teil in Fraktur beschriftet. Ganz in der Nähe findet sich auf einer Anhöhe das Denkmal der deutschen Einwanderung, 1937 errichtet. „Unseren Ahnen“ steht in großen Lettern darauf, dazu sind die Namen der ersten 80 Einwanderer gesetzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Die Deutschen haben sich sehr aufgeopfert für dieses Land. Als sie kamen, war hier nur Urwald.“</h3>



<p></p>



<p>Die Landschaft, die die deutschen „Colonos“ hier vorfanden, war wild, unübersichtlich und von Urwald geprägt. Die einzigen Bewohner waren Nomaden. Heute erinnert die Landschaft an eine etwas wildere Version von Oberbayern. Die Deutschen glichen das Land an ihre alte Heimat an; Felder, Wiesen und die Ufer der vielen Seen bebauten, gestalteten und hegten sie so, wie sie es aus Deutschland kannten. Kaum irgendwo wird die landschaftsprägende Kraft einer Kultur so bewußt wie hier. Die nichtdeutsche Einwanderung folgte erst spät und langsam. Noch in den 1950er-Jahren waren die ländlichen Gegenden rein deutschsprachig, in einer Kleinstadt wie Llanquihue gab es in jener Zeit gerade einmal zehn aus Zentralchile zugewanderte „spanische“ Familien. Den heutigen Einheimischen jedweder Herkunft ist das sehr bewußt, und die Geschichte der Kolonisierung wird in etlichen größeren und kleineren Museen dargestellt. Der nicht deutschstämmige Ingenieur Claudio sagt voller Anerkennung: „Die Deutschen haben sich sehr aufgeopfert für dieses Land. Als sie kamen, war hier nur Urwald!“</p>



<p>Diese vielfach anzutreffende Zuneigung zur deutschen Herkunft treibt ungewohnte und manchmal kuriose Blüten. Wir sehen eine große, sehr auffällige Tätowierung mit dem Wappen des Deutschen Kaiserreiches auf dem Rücken eines halbnackten Mannes offensichtlich nicht in erster Linie deutscher Herkunft. Auf einer abgelegenen Landstraße werden wir von einem staubigen Pritschenwagen überholt – am Heck erkenne ich den Aufkleber einer der vier deutschen Burschenschaften in Chile mit dem typischen Zirkel. Ein schwarzhaariges Baby mit dunklem Teint heißt „Hans“, der Vater Pedro hat, wenn auch äußerlich nicht erkennbar, eine deutsche Großmutter und interessiert sich für deutsche Geschichte und die politische Lage ebenso wie für deutschen Fußball. Deutsche oder hispanisierte deutsche Namen wie Oswaldo, Rodolfo etc. sind weit verbreitet. Und mehrere Male äußern Einheimische ohne deutsche Vorfahren Meinungen über die deutsche Geschichte und Gegenwart, die ich hier nicht wiederholen kann, ohne die <em>ECKART</em>-Redaktion in Schwierigkeiten zu bringen …</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wirtschaftlicher Aufschwung, unsichere Zukunft?</h3>



<p></p>



<p>Die Region ist heute wirtschaftlich vergleichsweise stark, vor allem durch den immer noch weiter zunehmenden Tourismus. Dazu kommt die „Stadtflucht“ vieler, vor der Sicherheitslage in der Hauptstadt Santiago geradezu fliehender Wohlhabender, angezogen durch hervorragende Infrastruktur und die Naturschönheiten der Umgebung. Das Preisniveau ist relativ hoch, dies wiederum hält Armutseinwanderer ab. Doch gerade dieses Wachstum (Bauboom und Überfüllung inbegriffen) könnte das Ende der deutschen Minderheit einläuten. Schon eine Industrialisierungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg hatte erst die spanischsprachigen Chilenen als Arbeitskräfte in die Gegend gebracht und damit den Bedarf nach nichtdeutschen Schulen erzeugt. Heute ist Deutsch als Umgangssprache immer weiter auf dem Rückzug, trotz mehrerer deutscher Schulen in der Region. Trotz einer frisch aus Deutschland eingetroffenen jungen Pastorin gibt es rund um den See keinen deutschsprachigen Gottesdienst mehr. Auch wenn die Liste der Namen im Kirchenvorstand der lutherischen „Seegemeinde“ sich liest wie aus einer Pfarrei in der Bundesrepublik: Die Gottesdienstsprache ist Spanisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Ich bin aus der vierten Generation, aber wir haben immer nur untereinander geheiratet!“</h3>



<p></p>



<p>„Ihr beide würdet in Deutschland nicht auffallen!“, sage ich dem deutschstämmigen Bauern Patricio und erhalte als Antwort: „Ich bin aus der vierten Generation, aber wir haben immer nur untereinander geheiratet! Ich habe das gleiche Blut wie du!“ Deutsch spricht auch er nur noch wenig, obwohl seine Großmutter mit ihm immer Deutsch gesprochen hat. Er würde sein Kind gerne zu einem Schüleraustausch nach Deutschland schicken, ist aber besorgt um die Sicherheitslage in Europa: „Was wir hören über Deutschland heute, können Frauen dort nicht mehr sorglos auf die Straße gehen.“ Sein Cousin Walter äußert beim gemütlichen Lamm-Grillen ähnliche Bedenken. Auch seine Tochter soll nicht unbegleitet nach Deutschland gehen. Die Lage in Europa beobachten sie genau, sind sich ihrer Herkunft mehr als bewußt. Deutsch war für Walter sogar die erste und bis zum sechsten Lebensjahr einzige Sprache, doch der Schulbesuch und der Tod seiner Großeltern änderten das. Heute spricht er nur noch wenig Deutsch, versteht aber noch manches.</p>



<p>Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der deutschen Minderheit verstehen weitgehend noch Deutsch, wollen es aber oft nicht mehr sprechen, sondern lernen unter Einfluß der Globalkultur als Fremdsprache lieber Englisch. Deutsche Chöre und Tanzgruppen haben keinen oder nur wenig Nachwuchs. Mehrere deutsche Schulen sorgen für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur an die Jugend, können aber nicht deren Anwendung im Alltag sichern; und ein Direktorenwechsel kann das Ende von Volkstanz oder deutschem Lied an einer Schule bedeuten. Im Bereich des internationalen Austausches scheint es dagegen heute wieder mehr Interesse unter den Jüngeren zu geben, sodaß die deutsche Sprache mittelfristig zumindest als Zweit- und Fremdsprache in vielen Fällen erhalten bleiben wird.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="960" height="1024" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-960x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-12226" style="width:510px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-960x1024.jpeg 960w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-281x300.jpeg 281w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-768x819.jpeg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross.jpeg 1080w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Rathaus in Frutillar: Schwarz-Rot-Gold, anders als im Mutterland mit Palme, aber ohne Regenbogenfahne</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein deutsches Leben: Von Ostpreußen an den Llanquihue-See</h3>



<p></p>



<p>Um die ganze Entwicklung der letzten Jahrzehnte nachvollziehen zu können, fragen wir einen, der alles miterlebt hat: den ältesten Mann der deutschen Gemeinschaft, Heinz Schwarz. In Ostpreußen 1934 geboren, entkam er kurz vor Kriegsende nur knapp und unter dramatischen Bedingungen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern dem Tod und seinem Herkunftsland. Seinen Vater verschlang der Krieg spurlos. Nach eineinhalb Hungerjahren und weiteren Nachkriegsjahren voller harter Arbeit und Entbehrungen in Süddeutschland suchte seine Mutter mit ihren sechs Kindern ein besseres Leben unter Deutschen fern der Heimat am Ufer des Llanquihue-Sees. Herr Schwarz berichtet von der langsamen Entfernung von der Herkunftskultur: Anfangs bestanden noch enge Wirtschaftsbeziehungen, fast alle Gegenstände, von landwirtschaftlichen Maschinen bis zu Geschirr, wurden aus der BRD importiert. Dies wurde aber durch die deutschen Unternehmen selbst sabotiert, weil Lieferung nur noch gegen zunehmend höhere und in dieser Region unrealistische Abnahmezahlen geleistet wurde. Auch hier sprangen schließlich Chinesen in die Lücke, heute gibt es außer manchen Lebensmitteln im Supermarkt schon lange keine nennenswerten Deutschlandimporte mehr. Dadurch wurde der Bezug zu Deutschland in der Alltagskultur stark geschwächt.</p>



<p>Und wie ist das mit der Vermischung und Zusammenarbeit zwischen deutschen und nichtdeutschen Chilenen? Es fällt auf, daß die Landwirtschaft weitgehend und ein bedeutender Teil von Handel und Gewerbe/Handwerk in deutscher Hand sind. Keine Protektion, keine Struktur oder Organisation trennt deutsche von nichtdeutschen Bauern und anderen Fachleuten in der Region, sondern Mentalität und Vertrauen. Ob noch deutschsprachig oder nicht: Die Nachfahren der deutschen Einwanderer denken und handeln anders, erklärt der ehemalige Landwirt und Landmaschineneinkäufer Schwarz: „Deutsche sind: ja oder nein! Wenn ich sage, ich komme morgen um zehn, dann komme ich morgen um zehn!“ Und dann wechselt er ausnahmsweise auf Spanisch und zählt die Art von Ausreden auf, die vielen Ankündigungen der anderen Chilenen typischerweise folgen: „Ich konnte nicht, weil die Mutter des Nachbarn meines Cousins …“, „Ich habe mich nicht gut gefühlt“ usw. … Schalk, Spott und etwas Verbitterung mischen sich in seinem Gesicht. </p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Fliegende Holländer</title>
		<link>https://dereckart.at/der-fliegende-hollaender/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 16:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames von Alain Felkel Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers Fluch der Karibik kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv [&#8230;]]]></description>
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<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mythen, Sagen, Wundersames </h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers <em>Fluch der Karibik</em> kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv des Geisterschiffes eng mit Benelux und der deutschen Romantik verflochten ist und erst durch die Sage vom Fliegenden Holländer populär wurde.</p>



<p>Grundlage der Legende ist allgemeiner Überlieferung nach ein Vorfall gegen Ende des 17. Jh., als die Niederlande den Ostindienhandel dominierten. Damals machte ein holländischer Kapitän namens Bernard Fokke von sich reden, weil er mit seinem Schiff, einem Dreimaster mit eisernen Rahen, selbst bei höchsten Windstärken noch durch die schwersten Stürme am Kap der Guten Hoffnung segelte. Für die lange Strecke zwischen den Niederlanden und der Gewürzinsel Java brauchte er im Jahr 1678 so nur drei Monate, seine Konkurrenz dagegen sechs. Derartiges konnte in den Augen seiner Zeitgenossen nicht mit rechten Dingen zugehen. Und so munkelte man bereits zu Fokkes Lebzeiten, er stehe mit dem Teufel im Bunde. Doch der angebliche Teufelspakt fand bald ein jähes Ende. Als Fokke wieder tollkühn in ein Sturmtief segelte, verschwand sein Schiff spurlos in den Weiten des Ozeans. Kaum verbreitete sich die Kenntnis von dem Unglück, setzte schon die Legendenbildung ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Geschehen so zur Sage vom „Fliegenden Holländer“. Dieser sei aufgrund seines gotteswidrigen Teufelsbundes bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, mit seiner Mannschaft und seinem Schiff die Weltmeere zu befahren, ohne je einen Hafen zu finden.</p>



<p>Bereichert wurde die Gruselgeschichte dadurch, daß sich das Erzählmotiv des Fliegenden Holländers – der Begriff umfaßt sowohl den Kapitän als auch seinen Dreimaster – sofort mit dem realen Phänomen der Geisterschiffe verband: Seefahrzeugen, die zuvor von ihren Mannschaften wegen einer Seuche oder aufgrund eines Sturmes aufgegeben worden waren. War dies schon in der Realität gespenstisch genug, so entwickelte sich der Fliegende Holländer im Laufe der Jahrhunderte zu einer wahren Ausgeburt der Hölle: Mal ist das Gespensterschiff so schnell, daß es über den Wellen zu fliegen scheint, mal kann es bei Flaute rückwärtsfahren. Oft taucht der Fliegende Holländer plötzlich vor einem Schiff aus den Wellen auf, was für die Lebenden nichts Gutes bedeutet. Wer dem unheilvollen Dreimaster mit seinen roten Segeln begegnet, dem widerfährt meist alsbald ein Unglück. Derartig mit schaurigen Zutaten ausgestattet dauerte es nicht lange, bis die Sage sich großer Lesergunst erfreute. Nach den Napoleonischen Kriegen riß eine Welle von Balladen, Gruselgeschichten und Schauerromanen über den Fliegenden Holländer die Leserschaft mit, die sich damals nach Übersinnlichem verzehrte.</p>



<p>Doch der Untote hatte einen Geburtsfehler: Er ließ keine Frauenherzen pochen und weckte wenig Anteilnahme. Erst der deutschen Romantik war es beschieden, den Verdammten zu einer beklagenswerten, tragischen Figur auszugestalten. An der Metamorphose hatten zwei deutsche Geisteshelden Anteil: Heinrich Heine und Richard Wagner. Ersterer entdeckte den Stoff in den Niederlanden, wo er ein Theaterstück über den Fliegenden Holländer sah. Der Theaterbesuch inspirierte Heine. Er verarbeitete die Sage 1826 in seiner Erzählung <em>Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski</em> und flocht das Erzählmotiv ein, daß der Holländer nur durch die Treue einer liebenden Frau erlöst werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wagner macht die Legende durch Ergänzung einer Liebesgeschichte zum Kassenschlager.</h3>



<p></p>



<p>Heines Kunstgriff wiederum beflügelte Wagner zur Verarbeitung des Stoffes zur Oper. Hierbei nahm er die alles entscheidenden Änderungen vor, welche die Sage zum Kassenschlager machen sollten: In seinem Opus läßt er den Fliegenden Holländer, der bei Wagner nur alle sieben Jahre erlöst werden kann und Vanderdecken heißt, um die schöne Senta freien. Des Weiteren ergänzte Wagner die Sage, indem er dem Unerlösten einen Rivalen gab: den jugendlichen Nebenbuhler Erik, der gleichfalls Senta begehrt. Doch Erik geht in der Oper leer aus. Nachdem Vanderdecken Senta vom schrecklichen Fluch erzählt hat, der auf ihm lastet, stürzt sich Senta ins Meer, um ihn zu erlösen. Unmittelbar darauf sinkt das Geisterschiff. Zu guter Letzt entsteigen Vanderdecken und Senta den Wellen und schweben gemeinsam zum Himmel. Nun endlich ist der Unglückliche erlöst. Was für ein Happy End! Was für ein Spektakel! Und was für ein Meilenstein der Opern- und Sagenwelt! </p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hollands Gusto auf Kölle</title>
		<link>https://dereckart.at/hollands-gusto-auf-koelle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 22:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erich Körner-Lakatos Den Haags Gebietsforderungen 1945 1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist. Am 10.&#160;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Erich Körner-Lakatos</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Den Haags Gebietsforderungen 1945</h2>



<p></p>



<p><strong>1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist.</strong></p>



<p>Am 10.&nbsp;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg und Saarburg ein. Das Gebiet ressortiert zwar zur französischen Besatzungszone, aber Paris gestattet den Letzeburgern eine symbolische Präsenz als Unter-Besatzer. Luxemburg beabsichtigt den Anschluß deutscher Gebiete an das Großherzogtum als Ausgleich für das zwischen 1940 und 1944 erlittene Ungemach. Zuerst fordert man die Annexion eines Gebietes von etwas mehr als 500&nbsp;qkm und 30.000 Einwohnern. Obwohl die großherzoglichen Soldaten bis 1955 auf deutschem Boden bleiben, kommt es mangels westalliierter Unterstützung zu keinem Gebietsgewinn. Aus ähnlichen Erwägungen fordert Belgien deutsches Gebiet östlich von Eupen und Malmedy, freilich nur in bescheidenem Umfang – Teile von Dörfern, Wälder. Infolge des belgisch-deutschen Grenzvertrages von 1956 fallen fast alle diese Gebiete zurück an die Bundesrepublik.</p>



<p>Von ganz anderer – man kann sagen: geradezu atemberaubender – Dimension sind die holländischen Gebietsforderungen gegenüber dem geschlagenen Deutschen Reich. Den Haag verlangt einen breiten, sich von Norden bis Süden ziehenden Streifen deutschen Territoriums. Federführend ist dabei Frits Bakker-Schut. Der 1903 in Rotterdam geborene Bauingenieur ist geradezu besessen vom Plan eines Groß-Niederländischen Staates, der mitnichten den flämischen Teil Belgiens, was an sich naheliegend wäre, sondern einen Großteil des späteren deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie einen Streifen des späteren Niedersachsens umfassen sollte. Bakker-Schut steht im Herbst 1945 einer Kommission vor, die in einigen Untergruppen darüber nachdenkt, was das landhungrige Holland dem Deutschen Reich so alles wegnehmen könne. Bodenschätze (Kohle, Eisenerz, Erdöl) spielen dabei eine Rolle, dann große Industriebetriebe sowie landwirtschaftlich genutztes Terrain. Der Schlußbericht ergeht Ende 1945 an Innenminister Eelco Nicolaas van Kleffens.&nbsp;</p>



<p>Bakker-Schut legt drei Varianten vor. Der favorisierte Plan&nbsp;A, sozusagen die Maximalvariante,&nbsp; umfaßt alles Land entlang der gedachten Linie von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmshaven">Wilhelmshaven</a>, dann südlich entlang der Weser, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osnabr%C3%BCck">Osnabrück</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamm">Hamm</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel">Wesel</a>, weiter dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein">Rhein</a> folgend bis in die Nähe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln">Kölns</a>, anschließend westwärts bis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen">Aachen</a>. Die Städte Aachen, Osnabrück, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnster">Münster</a>, Köln (!) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburg_(Oldenburg)">Oldenburg</a> sollten dadurch holländisch werden. Die neuen Bezeichnungen wären dann Keulen (Köln, dt. umgangssprachlich Kölle), Osnabrugge, Aken (Aachen), Monniken-Glaadbeek, Munster usw. &nbsp;Plan&nbsp;B ist eine flächenmäßig geringfügig abgespeckte Variante von A: Die dicht bevölkerte Gegend um die Städte Köln, Mönchengladbach, Bergheim und Neuss würde deutsch bleiben. Dann präsentiert Bakker-Schut noch eine Minimalvariante, den Plan C, sozusagen das, worauf seiner Meinung nach Holland jedenfalls zugreifen sollte. Es handelt sich um einen Streifen entlang der niederländischen Ostgrenze. Von Norden und Emden in Ostfriesland ganz im Norden bis Geldern – ungefähr auf der Höhe von Duisburg – im Süden.&nbsp;</p>



<p>Befürworter der Annexionspläne sind vor allem die betagte Königin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmina_(Niederlande)">Wilhelmina</a> – die Kalvinerin aus dem Hause Oranien-Nassau herrscht seit 1890 – und die katholische Partei, wobei sich letztere durch den Gebietsgewinn einen Überhang an Katholiken verspricht, sind doch die deutschen Bistümer Aachen und Münster mehrheitlich römisch-katholisch. Ähnliches gilt für das Erzbistum Köln. Genau deshalb sind die Kalvinisten-Parteien (Christelijk-Historische Unie sowie die streng altkonservative Anti-Revolutionaire Partij), aber auch die Liberalen (Liberale Staatspartij sowie Partij van de Vrijheid) sehr zurückhaltend, was eine Annexion angeht. Zur Ehre der Sozialisten (Sociaal Democratische Arbeiders Partij; ab Februar 1946 Partij von de Arbed) sei gesagt: Die Roten lehnen die Angelegenheit grundsätzlich ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vertreibung der Deutschen geplant</h3>



<p></p>



<p>Wie sollte sich das Schicksal der deutschen Bewohner der in Augenschein genommenen Territorien gestalten? Nach Veröffentlichungen des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen (Nederlandsch Comité voor Gebiedsuitbreiding), zum Beispiel in der Broschüre: Oostland – Ons Land (dt.: Ostland – unser Land) sind Ausweisungen, konkret: die Vertreibung der Deutschen, geplant. Davon erfaßt wären alle Einwohner größerer Gemeinden (über 2.500 Bewohner), dazu alle NS-Belasteten sowie diejenigen, die nach 1933 dort ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Der Rest sollte optieren können, sofern er Plattdeutsch spräche und keine Verwandten im restlichen Deutschen Reich habe. Wer für Deutschland optiere, solle entschädigungslos enteignet und über die neue Grenze gebracht werden.</p>



<p>Zum Gebaren der Holländer vor und im Zweiten Weltkrieg schreibt das Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel</em> in seiner Ausgabe&nbsp;9/1994:</p>



<p><em>Die Holländer sind ganz gewiß keine schlimmeren Rassisten als andere Europäer. Sie haben, weil sie Kaufleute sind, ihr Menschenbild stets nur den jeweils vorherrschenden geschäftlichen Rahmenbedingungen angepaßt. So wie in den dreißiger Jahren, als sie scharfe Einwanderungsbestimmungen gegen deutsche Juden verhängten, um sich Erleichterung von dem erwarteten Druck von seiten der Hitleristen zu verschaffen. Das ist es wohl auch, was die Holländer dem dominanten Nachbarn im Osten so übelnehmen: daß sie sich von ihm so gründlich kompromittieren ließen. Von allen Völkern, die von der großdeutschen Dampfwalze im Zweiten Weltkrieg niedergewalzt wurden, haben die Niederländer die größten Probleme, sich pauschal als Opfer zu fühlen. Nach Kriegsende waren 450.000 Kollaborateure registriert, die sich im Umgang mit den Besatzern schmutzige Finger geholt hatten. Weil die Polizei den deutschen Judenmördern so wirkungsvoll zulieferte, konstatierte Adolf Eichmann zufrieden: „In Holland ging alles wie am Schnürchen“. Nach dem Krieg gab ein SD-Beamter namens Willy Lages zu Protokoll, die Jagd auf die Juden wäre ohne die holländische Unterstützung nur zu zehn Prozent durchführbar gewesen.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika.</em></h3>



<p></p>



<p>Trotzdem können die Niederländer sich in der Nachkriegszeit in der moralisch überlegenen Position des einstigen Opfers einrichten. In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika </em>– dem Land der <em>Moffen</em> (wahrscheinlich abgeleitet von Muff), wie der Volksmund die Deutschen damals abschätzig nennt. Der deutschstämmige niederländische Historiker Hermann von der Dunk bezeichnete diesen <em>Moffenhaat</em> (Deutschenhaß) sogar als <a href="http://www.zeit.de/1995/18/Was_heisst_das_Versoehnen_/seite-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">niederländische Variante des Antisemitismus</a>.</p>



<p>Seit den 1990-Jahren zeigt die Fassade der niederländischen Selbstgerechtigkeit aber auch erste Risse. Die Medien bringen immer mehr Berichte über die Kollaboration der Niederländer in der Kriegszeit und stellen unangenehme Fragen. Warum konnten die Nazis so viel mehr Juden aus den Niederlanden deportieren als aus dem benachbarten Belgien? Warum war der Anteil jener, die freiwillig zur SS gingen, in Holland weit höher als anderswo?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie auch im Falle Luxemburgs lehnen die Westalliierten größere Annexionen ab, weil dadurch das Flüchtlingsproblem verschärft würde.</h3>



<p></p>



<p>Anfang 1947 geben es die Holländer schon wesentlich billiger, beschränken sich auf 1.840&nbsp;qkm und 160.000 Bewohner, nämlich die Insel Borkum, die sogenannte Niedergrafschaft um Bentheim (dort befinden sich Erdölfelder) sowie auf einen schmalen Grenzstreifen. Selbst daraus wird nichts, weil auf der Londoner Deutschland-Konferenz im März 1949 nur marginale Änderungen des Grenzverlaufs beschlossen werden. Dadurch erhält Den Haag die Grenzgemeinde Elten, darüber hinaus ein paar Weiler, Äcker und Wälder. Die Besetzung durch die Niederländer beginnt am Sonntag, 23.&nbsp;April 1949 um zwölf&nbsp;Uhr mittags.</p>



<p>Deutschland – und damit das junge Bundesland Nordrhein-Westfalen – zählt auf einmal 3.500 Menschen und knapp 20&nbsp;Quadratkilometer Land weniger. Land und Leute werden am Mittag im Eltener Rathaus mit einem Federstrich den Niederlanden einverleibt.Bis zur Rückkehr in den deutschen Staatsverband bleiben die Menschen in und um Elten zwar Deutsche, bekommen aber einen holländischen Paß und müssen sich ausweisen, wenn sie über den neuen Grenzübergang nach Deutschland wollen. Sie haben kein Wahlrecht, weder hüben noch drüben. Selbiges in Selfkant, der westlichsten Ortschaft des Deutschen Reiches. Die Okkupation dauert fast vierzehn Jahre lang. Durch den Holland-Vertrag vom 1.&nbsp;August 1963 kommen fast alle Gebiete zurück zur Bundesrepublik Deutschland. Damit haben sich die Gebietsansprüche aller drei Benelux-Staaten in nichts aufgelöst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die gnadenlose Ausbeutung der niederländischen Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung.</h3>



<p></p>



<p>Hollands unschöne Seite zeigt sich auch in Übersee. Das Hamburger Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel </em>charakterisiert die Niederländer in der Ausgabe&nbsp;9/1994 wie folgt:</p>



<p><em>… die Geschichte der niederländischen Toleranz hat auch schwarze Löcher: die Ausrottungsfeldzüge gegen südafrikanische Hottentotten und südamerikanische Indianer, die blutrünstigen Strafexpeditionen gegen vertragsbrüchige Gewürzinseln, die Massaker während des indonesischen Unabhängigkeitskrieges &#8230;</em></p>



<p>Denn 1945 will sich Den Haag erneut als Kolonialmacht in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien etablieren. Zwei sogenannte Polizeiaktionen und Massaker an Einheimischen nützen nichts: 1949 blasen die Holländer zum Rückzug, Sukarno hat gesiegt.</p>



<p>Die gnadenlose Ausbeutung der Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung. In der niederländischen Besitzung Guayana (Surinam) wurden Sklaven zur Abschreckung von Ochsen gevierteilt oder mit Haken in der Brust zum Austrocknen in die Sonne gehängt. 1863 wird dort die Sklaverei offiziell abgeschafft, an den tatsächlichen Verhältnissen ändert sich wenig. Holländische Sklavenbarone waren 200 Jahre lang Marktführer im transatlantischen Menschenhandel. Die Grundlage dafür lieferte der Kalvinismus mit seiner Prädestinationslehre. Aus den Negern, so predigte damals der kalvinistische Theologe Johan Picardt, müsse man „die Lendenfäulnis“ herauspeitschen, denn der Herr im Himmel habe sie erschaffen, daß nur die Knechtschaft ihnen zum Heil gereiche.</p>
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		<title>Holländisch und Deutsch – Falsche und richtig gute Freunde</title>
		<link>https://dereckart.at/hollaendisch-und-deutsch-falsche-und-richtig-gute-freunde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 22:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sprachkolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Caroline Sommerfeld Zwischen keinen zwei anderen Sprachen gibt es so viele „falsche Freunde“ wie zwischen Deutsch und Niederländisch. Bei diesem Phänomen handelt es sich um Wörter, die in zwei oder mehreren Sprachen die gleiche oder eine sehr ähnliche Form aufweisen, sodaß man fälschlicherweise annimmt, sie müßten dasselbe bedeuten. Deshalb erweist sich ein solches Wort [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Caroline Sommerfeld</em></p>



<p>Zwischen keinen zwei anderen Sprachen gibt es so viele „falsche Freunde“ wie zwischen Deutsch und Niederländisch. Bei diesem Phänomen handelt es sich um Wörter, die in zwei oder mehreren Sprachen die gleiche oder eine sehr ähnliche Form aufweisen, sodaß man fälschlicherweise annimmt, sie müßten dasselbe bedeuten. Deshalb erweist sich ein solches Wort als ein „falscher Freund“: Es scheint das Übersetzen zu erleichtern, erschwert es indes durch die von der Lautgestalt ausgehende, zum Irrtum verführende Wirkung.</p>



<p>Deutsch ist in den Niederlanden an vielen Schulen zweite oder dritte Fremdsprache. Wenn Schüler erst in der 8. Schulstufe Deutsch lernen, übertragen sie automatisch bereits gefestigte Gewohnheiten aus ihrer Muttersprache in das andere System. Das hat vielfach zur Folge, daß eine sprachliche Norm verletzt wird; Linguisten nennen dies einen „negativen Transfer“. Deutsch und Niederländisch sind zwei verschiedene rezente Sprachen – anders als Niederdeutsch, das einen deutschen Dialekt darstellt –, die sich wegen ihrer sehr langen gemeinsamen Sprachentwicklung so verflixt ähnlich sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Phänomen der „falschen Freunde“ wurde sprachwissenschaftlich erstmals Ende des 19. Jh. im Französischen beschrieben.</h3>



<p></p>



<p>Das erste Buch über deutsch-niederländische „falsche Freunde“ erschien im Jahre 1919: <em>Deutsch-Holländisch: eine Zusammenfassung der wichtigsten, dem Holländer nicht ohne weiteres verständlichen deutschen Wörter. </em>Ein aktuelleres Buch ist 2006 in den Niederlanden veröffentlicht worden: <em>Als er gebellt wordt, blaffen de honden. Dwaalduiders en aanverwante woorden in het Duits</em> von Jan Lanneau, aus dem die unten folgenden Beispiele stammen, die sich in zwei Kategorien einordnen lassen:</p>



<p>Erstens Ausdrücke mit vollkommen abweichender Bedeutung, zum Beispiel <em>Enkel </em>(niederländisch: <em>kleinkind</em>) – <em>enkel </em>(deutsch: <em>Knöchel</em>), <em>liegen </em>(niederländisch: <em>liggen</em>) – <em>liegen </em>(deutsch: <em>lügen</em>).</p>



<p>„Falsche Freunde“, die zu dieser Kategorie gehören, verursachen die größten Mißverständnisse, weil sie auf der Bedeutungsebene so gut wie nichts mit einander zu tun haben.</p>



<p>Anders verhält es sich, und damit zu zweitens, bei Ausdrücken mit Bedeutungsüberschneidungen: Die Bedeutung eines Wortes im Niederländischen kann etwa deutlich umfangreicher sein als im Deutschen, zum Beispiel <em>wortel</em>, was sowohl <em>Wurzel</em> (allgemein einer Pflanze) als auch im engeren Sinne <em>Karotte </em>bedeuten kann. Oder es handelt sich um stilistische bzw. kulturelle Unterschiede. Ein gutes Beispiel für einen stilistischen Unterschied ist der Wortbestandteil <em>rond-</em>. Auf Deutsch sagt man hochsprachlich <em>herum</em>-, in der norddeutschen Umgangsspache aber <em>rum</em>-, im Niederländischen gibt es nur <em>rond-. </em>Ein kultureller Unterschied ließe sich bei dem Wort <em>Wohnung</em> erkennen – das niederländische <em>woning </em>steht meistens für ein <em>Haus</em>, eine <em>Wohnung </em>würde man im Niederländischen als <em>flat </em>oder <em>appartement </em>bezeichnen.</p>



<p>Die Liste solcher „falschen Freunde“ aufgrund von Überschneidungen ist wesentlich länger als die der oben aufgeführten „echten falschen Freunde“, ein paar typische Exemplare sind: Das Wort <em>belasting</em> bedeutet manchmal <em>Belastung</em> und manchmal <em>Steuer</em> – der Bedeutungsbestandteil „Last“ macht, daß Deutsche das niederländische Wort zwar sofort verstehen, Holländer aber im fiskalischen Zusammenhang womöglich von „mehr Belastung zahlen“ sprechen. Ähnlich verhält es sich bei <em>bureau</em> (<em>das Büro</em>, aber auch <em>der Schreibtisch</em>) oder bei <em>overwinnen</em> (<em>überwinden</em>, aber auch <em>jemanden besiegen</em> in einem Wettkampf).</p>



<p>Diese „falschen Freunde“ sind nicht immer falsche Freunde, da sie in manchen Situationen genau die richtigen Freunde sind. In vielen Fällen hat man im Deutschen mehrere Wörter dafür, was man im Niederländischen nur mit einem Wort bezeichnen kann. Und manchmal bezeichnet man ein und dasselbe mit völlig anders gebildeten Komposita. Ich litt einmal unter einem Bandscheibenvorfall. Ein sehr gut Deutsch sprechender holländischer Freund verstand das Wort überhaupt nicht, ein Blick in sein Wörterbuch förderte zutage: „uitpuilende tussenwervelschijven“, etwa: „herausquellende Zwischenwirbelscheiben“. Macht nichts bzw. „doet niks“ – man versteht einander ja unter Freunden! </p>



<p></p>
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		<title>12. Österreich-Tag in Budapest</title>
		<link>https://dereckart.at/12-oesterreich-tag-in-budapest/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 12:31:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Volkstum]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor einigen Wochen fand der 12. Österreich-Tag in Budapest statt, organisiert vom BUSCH in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum Budapest, dem Österreich-Institut und dem OeAD-Programm „Kultur und Sprache“. Die 40 Teilnehmern kamen aus verschiedenen ungarischen Regionen sowie von Bildungsinstitutionen wie der Österreichischen Schule Budapest und mehreren Hochschulen. Thematisch zeigt sich seit 2011 eine Entwicklung: Anfangs [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p>Vor einigen Wochen fand der 12. Österreich-Tag in Budapest statt, organisiert vom BUSCH in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum Budapest, dem Österreich-Institut und dem OeAD-Programm „Kultur und Sprache“. Die 40 Teilnehmern kamen aus verschiedenen ungarischen Regionen sowie von Bildungsinstitutionen wie der Österreichischen Schule Budapest und mehreren Hochschulen.</p>



<p>Thematisch zeigt sich seit 2011 eine Entwicklung: Anfangs unter Gründer Dr. Heinz Bernart standen Unterrichtshilfen und landeskundliche Inhalte im Fokus, später historische Themen zur österreichischen Identität. In den letzten Jahren rückten Literatur, Dramapädagogik, digitale Kompetenzen und KI stärker in den Mittelpunkt. Nach der Eröffnung durch BUSCH-Vorsitzenden Robert Wild und den neuen Kulturforumsdirektor Fabian Ortner wurde die OeAD-Materialplattform vorgestellt: Sie bietet moderne Unterrichtsmaterialien für Deutschlehrer weltweit, hilft bei der Vernetzung und basiert auf Prinzipien wie modularem Aufbau, DACH-Bezug und kulturreflexiver Didaktik. Zudem informiert sie über Förderungsangebote.</p>



<p>Judit Klein vom Goethe-Institut Budapest referierte über die Bedeutung von Minderheitenmedien für Identität und Sprach­erhalt. Vorgestellt wurden u.a. die <em>Neue Zeitung</em>, deutschsprachige Radio- und TV-Formate sowie soziale Medien der deutschen Minderheit in Ungarn. Der ORF-Journalist Philipp Maschl behandelte das Thema Desinformation. Er warnte vor der Gefahr von Desinformation durch Sozialen Medien für Jugendliche, die für viele mittlerweile als wichtigste Nachrichtenquelle gelten, zudem sinke das Vertrauen in Journalismus und KI-generierte Inhalte nähmen zu. Sonja Winklbauer präsentierte Dramapädagogik als effektive Methode im Sprachunterricht. Durch Rollenspiele, Improvisation und Theaterarbeit soll Sprache praxisnäher vermittelt werden. Am Nachmittag fanden Workshops statt. Im Workshop von Philipp Maschl wurden Strategien zur Erkennung von Desinformation erarbeitet.</p>



<p><em>Cornelius von der Mühlen</em></p>
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		<title>Schulvereinstag 2026</title>
		<link>https://dereckart.at/schulvereinstag-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Ulrike Raich Alle zwei Jahre lädt die Österreichische Landsmannschaft Mitglieder, Freunde und Gönner zum Gründungsfest ein. Auch heuer kamen Interessierte aus nah und fern Ende April zum Schulvereinstag in den Wiener Rathauskeller. Musikalisch umrahmt von einem Bläserquartett wurden zunächst die zahlreichen Ehrengäste begrüßt, es wurde der Toten gedacht, dann Bericht über die Arbeit der [&#8230;]]]></description>
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<div class="wp-block-math"><math display="block"></math></div>



<p><em>von Ulrike Raich</em></p>



<p>Alle zwei Jahre lädt die Österreichische Landsmannschaft Mitglieder, Freunde und Gönner zum Gründungsfest ein. Auch heuer kamen Interessierte aus nah und fern Ende April zum Schulvereinstag in den Wiener Rathauskeller. Musikalisch umrahmt von einem Bläserquartett wurden zunächst die zahlreichen Ehrengäste begrüßt, es wurde der Toten gedacht, dann Bericht über die Arbeit der ÖLM gegeben.</p>



<p>Höhepunkt war jedoch die Festrede von Stephan Rauhut, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien. Der Unternehmer aus Görlitz klärte über den Generationenwechsel auf, den alle Vertriebenenvereine vollziehen müßten. Drei verschiedene Gruppen an Deutschen aus Schlesien gab es: jene Vertriebenen in Westdeutschland, die lange von der Politik in ihrer Identität bestärkt worden waren, ohne zu merken, wie sie von derselben Politik ins gesellschaftliche Abseits gedrängt wurden; jene Vertriebenen in der DDR, die den gewaltsamen Verlust der Heimat nicht artikulieren durften; und die Heimatverbliebenen, die zu einem Leben als Fremde in der eigenen Heimat verurteilt waren. Sie alle trafen nach der Wende wieder aufeinander; sie alle haben in der Zwischenzeit an die nächste Generation übergeben, die wieder ein neues Bekenntnis zur Herkunft hat. Rauhut gelang es, diesen großen Bogen nicht nur versöhnlich, sondern zuversichtlich zu spannen. Herkunft gewinnt in der jüngeren Generation wieder an Bedeutung, sodaß vielerorts eine Tendenzumkehr wahrnehmbar ist und wesentlich mehr Junge als früher auch zum Verband stoßen. Schon bei der Veranstaltung selbst wurden Kontakte von jungen Gästen in Wien zu Jugendgruppen der Heimatvertriebenen hergestellt.</p>



<p>Am zweiten Tag fand das traditionelle Volksgruppenseminar mit Vertretern aus deutschen Vereinen in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien und Slowenien statt. Es war heuer der Arbeit mit und in den Sozialen Medien gewidmet. Ein professioneller Trainer zeigte, daß Sichtbarkeit in der virtuellen Welt kein Zufall sei und gab praktische, sofort einsetzbare Tips:</p>



<p>auf TikTok erreicht man vor allem junge Menschen, auf Facebook und Telegram eher ältere.<br>Geschichten, Emotionen und persönliche Eindrücke sind deutlich wirkungsvoller als reine Fakten.<br>die Botschaft eines Posts in den Sozialen Medien sollte in zehn Wörtern erklärbar sein.<br>80 % der Beiträge sollen Mehrwert bringen, nur 20 % direkte Werbung für den Verein sein.<br>Regelmäßigkeit ist wichtig; ein bis zwei Beiträge pro Woche sind für Vereine ideal.</p>



<p>Zu guter Letzt erhielten die Teilnehmer einen „Masterprompt“ für die Nutzung der Künstlichen Intelligenz, um schnellere, optimierte und reichenweitenstarke Posts generieren zu können. Dabei blieb auch noch genügend Zeit zum Üben. Ein lehrreiches, spannendes und zukunftsorientiertes Seminar!<br>Doch was wäre ein Wienbesuch ohne Kultur und Geselligkeit? Also spazierten die Volksgruppenvertreter bei wunderschönem Wetter vom Schulvereinshaus in der Josefstadt zum Schottenstift in der Innenstadt, wo ihnen ein Benediktinerpater aus Südtirol die Kostbarkeiten des Hauses näherbrachte. Danach ging es in den Gastgarten zum wohlverdienten Ausklang. Und tags darauf erreichten uns viele glückliche Rückmeldungen wie diese: „Für das tolle und hochinteressante Programm sowie für die Einladung bedanke ich mich bei den lieben Freunden der ÖLM recht herzlich, und ich darf ferner in der Hoffnung verbleiben, daß wir unsere frisch geknüpften Bekanntschaften auch in Zukunft für die Sache der altösterreichischen deutschen Volksgruppen weiterführen können. Bis zum nächsten Treffen!“ von Stefan Pleyer aus Ungarn oder: „Ich bedanke mich auch. Sowohl das festliche Programm am Freitag als auch der social media-Workshop waren eine tolle Innovation“ von Richard Neugebauer, dem neuen Präsidenten der Landesversammlung, dem obersten Gremium der Deutschen in der Tschechischen Republik.</p>



<p>Neben dem wichtigen praktischen Mehrwert des Schulvereinstages steht aber der große Nutzen für alle im Vordergrund, für die Volksgruppenvertreter, die Gäste aus Wien und Umgebung und natürlich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Österreichischen Landsmannschaft: Die tiefe Verbundenheit, die starke Gemeinschaft und das große Gefühl eines wichtigen Auftrages schaffen Motivation, ja Begeisterung für die Volkstumsarbeit! </p>



<p></p>
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		<title>Böllerverbot bei „Rhein in Flammen‘‘</title>
		<link>https://dereckart.at/rhein-rein-tot-warum-ist-es-im-rhein-nicht-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2026 23:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Tief im Westen Der Düsseldorfer Tierschützer Stefan Bröckling von tiernotruf.de liebt wie so viele Aktivisten der linksgrün dominierten Tierschutzszene die Pose des Chefanklägers. Kaum ist das auf der Bonner Rheinaue stattfindende Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen‘‘ beendet, findet er am nächsten Morgen am Straßenrand der Konrad-Adenauer-Brücke nach kurzer Suche den Kadaver einer Kanadagans. [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Tief im Westen</h2>



<p></p>



<p>Der Düsseldorfer Tierschützer Stefan Bröckling von <em>tiernotruf.de</em> liebt wie so viele Aktivisten der linksgrün dominierten Tierschutzszene die Pose des Chefanklägers. Kaum ist das auf der Bonner Rheinaue stattfindende Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen‘‘ beendet, findet er am nächsten Morgen am Straßenrand der Konrad-Adenauer-Brücke nach kurzer Suche den Kadaver einer Kanadagans. Für Bröckling ist der Fall sofort klar. Alljährlich findet „Rhein in Flammen‘‘ zur Vogelbrutzeit auf der Bonner Rheinaue statt. Inmitten des Parks befindet sich ein See, an dessen Ufern Enten, Schwäne und Kanadagänse nisten. Und diese werden durch das Feuerwerk so verängstigt, daß sie panisch aufflattern und gegen Brücken oder Starkstromleitungen fliegen. Bröckling benennt daher vor laufender Kamera sofort die Organisatoren von „Rhein in Flammen‘‘ als Täter: „Das wart ihr mit eurem beknackten Feuerwerk! Ihr habt dieses Tier getötet!‘‘.</p>



<p>Doch ist die Gans wirklich aufgrund von „Rhein in Flammen‘‘ zu Tode gekommen? Zweifel sind angebracht. Von der Stadtverwaltung beauftragte Ornithologen haben die Vögel der Rheinaue die ganze Zeit während des Feuerwerks mit Argusaugen von der Brücke aus beobachtet und die Gans nicht herunterstürzen sehen.&nbsp; Auch ist folgender Umstand eigenartig: Genau vor einem Jahr fand Spröckling schon einmal an derselben Stelle einen toten Schwan. Bereits damals erhob er Anklage gegen die Stadt Bonn. Zudem entfachte er mit Erfolg eine Politkampagne gegen „Rhein in Flammen“. Gemeinsam mit der Linken und den Grünen forderten verschiedene Tierschutzorganisationen nicht nur die Abschaffung der ihrer Meinung nach idiotischen Tradition des Höhenfeuerwerks, sondern auch ein generelles Böllerverbot sowie die Verlegung des Festes von der Rheinaue weg.</p>



<p>Die Stadt Bonn nahm die Beschwerden der Tierschützer ernst und beugte sich damals der Diktatur der Gutmenschen. Sie verlagerte dieses Jahr die Feuerwerksabschußrampen etwas von den Brutstätten weg und verkürzte die Feuerwerksdauer – mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. &nbsp;Das Fest war längst nicht so gut besucht wie in den vergangenen Jahren und fällt nächstes Jahr sogar aus. Erst 2028 wird&nbsp; im Innenstadtbereich wohl ein Lichterspektakel mit einer „Drohnen-Lightshow“ stattfinden. Dies mag im Sinne diverser, lustfeindlicher Tierschutzorganisationen ein Erfolg sein. Die Allgemeinheit wird das allseits beliebte Feuerwerksspektakel am Rhein jedoch schmerzlich vermissen.&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Totgeburt eines Sprachkonstruktes</title>
		<link>https://dereckart.at/totgeburt-eines-sprachkonstruktes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 23:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Benelux]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Ulrike Raich Das Lëtzebuergesche 1984 &#160;erließ das luxemburgische Parlament das Sprachengesetz und hielt darin fest, daß die ,,Nationalsprache der Luxemburger das Luxemburgische“ sei – und zwar in französischer Sprache. Das zeigt, wie sehr das kleine Land mit seiner Identität kämpft. Immer noch ist das Französische die privilegierte Sprache. Trotz des Verlustes eines Großteiles der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-math"><math display="block"></math></div>



<p><em>von Ulrike Raich</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Lëtzebuergesche</h2>



<p><br>1984 &nbsp;erließ das luxemburgische Parlament das Sprachengesetz und hielt darin fest, daß die ,,Nationalsprache der Luxemburger das Luxemburgische“ sei – und zwar in französischer Sprache. Das zeigt, wie sehr das kleine Land mit seiner Identität kämpft. Immer noch ist das Französische die privilegierte Sprache. Trotz des Verlustes eines Großteiles der französischsprachigen Gebiete des Großherzogtums an Belgien im Jahr 1839 blieb Französisch die Sprache, die im Parlament, in der Justiz und im Geschäftsleben verwendet wurde und wird. Die Verwaltungsakte werden auf Französisch verfaßt, und lediglich „das Französische ist maßgebend“ auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung. Alle touristischen Schilder sind nur in französischer Sprache beschriftet, obwohl deutsche Touristen die deutliche Mehrheit stellen. Ja, selbst beim Militär spricht man Französisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weil man nach 1945 nicht mehr deutsch sein wollte, aber auch nicht französisch war, erhob man die Umgangssprache zur Staatssprache.</h3>



<p></p>



<p>Die Luxemburger sind aber keine Franzosen, sondern Franken und sprechen einen moselfränkischen Dialekt in der Mundart, Hochdeutsch beim Lesen und Schreiben. Weil man nach 1945 nicht mehr deutsch sein wollte, aber auch nicht französisch war, erhob man die Umgangssprache zur Staatssprache. 1946 wurde eine offiziell anerkannte Rechtschreibung eingeführt, zwischen 1950 und 1977 eine stärker standardisierte Schreibweise entwickelt. Und doch wurde von den Luxemburgern das <em>Lëtzebuergesche</em> noch lange als deutscher Dialekt angesehen, den man sprach, aber nicht schrieb und schon gar nicht überhöhte. Erst in den 1980er-Jahren ging die Saat gegen das Deutsche auf. 2023 wurde das „Lëtzebuergesche“ auch in der Verfassung verankert.</p>



<p>Dreißig Jahre nach der Proklamation stellte die <em>Neue Zürcher Zeitung </em>nüchtern fest, daß keine nachhaltigen Änderungen der Sprech- und Schreibgewohnheiten der Luxemburger eingetreten seien. Es bestehe schlicht kein Interesse an der Umgangssprache als Hochsprache. Zum 40. Geburtstag ist klar: Luxemburgisch ist de facto keine Amtssprache, auch wenn dies im Sprachengesetz von 1984 und in der Verfassung so festgehalten ist. Hinzu kommt, daß es im Großherzogtum in den verschiedenen Regionen des Landes Mundartvarianten gibt – wie überall unterscheiden sich die Dialekte von einem Tal ins nächste. Das heutige „Héich Lëtzebuergesch“ entspricht am ehesten dem Dialekt des Alzettetals und nicht dem Dialekt der Hauptstadt, der mehr hochdeutsche Wörter enthält.</p>



<p>Luxemburg empfindet sich als Teil der französischen Welt. Auch immer mehr Menschen gehen diesen Weg: Rund 70 Prozent der Luxemburger benutzen das Moselfränkische im Alltag – aber 90 Prozent aller Einwohner beherrschen heute Französisch. Laut „nationalem Bildungsbericht 2024“ spricht nur mehr ein Drittel der Schüler zu Hause Luxemburgisch oder Deutsch, ein weiteres Drittel Französisch oder Portugiesisch und das letzte Drittel eine andere Sprache. Der Anteil der echten Luxemburger an der Bevölkerung sinkt, da immer mehr Ausländer ins Land ziehen.</p>



<p>Womit klar ist, daß die Einwanderung das Sprachengefüge verändert. Sie gibt den Ausschlag für das Übergewicht der französischen Sprache. Luxemburg zählte im Jahr 2024 rund 673.000 Einwohner, eine Erhöhung um über 20 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Der Großteil der Einwanderer kommt sprachlich über die französische Schiene, zumal sie auch vom Staat her gefördert wird. Für die einheimische Bevölkerung heißt das aber, daß das Französische immer mehr mit dem Negativwort Migrantensprache assoziiert wird. Nicht nur das: Auch die „Bonzen“ parlieren auf Französisch.</p>



<p>2022 wurde ein „Aktionsplan der Luxemburger Sprache“ beschlossen. Mit 50 Maßnahmen will man dem Dialekt endlich zur staatstragenden Geltung verhelfen. An der Universität des Landes kann man jetzt einen Abschluß in Luxemburgisch erwerben. Mit dem kleinen Problem, daß es kaum Studenten gibt, die sich dafür interessieren. 2021 wurden die Durchsagen in <em>Lëtzebuergesch</em> am Flughafen Luxemburg eingestellt. Deutsch ist die Sprache der Kultur und die Sprache des wichtigsten Wirtschaftspartners Luxemburgs. Bei der jungen Generation scheint die deutsche Hochsprache an Bedeutung hinzuzugewinnen, die Propaganda gegen das Deutschsein verfängt immer weniger. Luxemburger gehen zum Studium überwiegend in die BRD, nach Österreich und in die Schweiz, dann erst kommt Frankreich. Der Versuch Luxemburgs, sich aus der deutschen Familie zu verabschieden, ist sprachlich jedenfalls gescheitert. Er war und ist eine Revolution von oben, der die Abstimmung mit den Füßen gegenübersteht. Und die sagt: nein – auf Hochdeutsch. </p>



<p></p>
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		<item>
		<title>Zwei ungleiche Brüder „von deutschem Blut“</title>
		<link>https://dereckart.at/zwei-ungleiche-brueder-von-deutschem-blut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jul 2026 23:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Benelux]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Michael Paul Die Niederlande und Deutschland Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van duitsen bloed &#8230;“ – bei jedem Fußballänderspiel, bei jedem Staatsakt intonieren Niederländer diesen Satz zum Beginn ihrer Hymne. Sie nimmt Bezug auf Wilhelm den Schweiger aus dem Hause Nassau-Dillenburg, einen gebürtigen Hessen und Reichsdeutschen, der im 16. Jh. zu einer zentralen Gründungsfigur [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-math"><math display="block"></math></div>



<p><em>von Michael Paul</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Niederlande und Deutschland</h2>



<p></p>



<p><em>Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van duitsen bloed &#8230;“</em> – bei jedem Fußballänderspiel, bei jedem Staatsakt intonieren Niederländer diesen Satz zum Beginn ihrer Hymne. Sie nimmt Bezug auf Wilhelm den Schweiger aus dem Hause Nassau-Dillenburg, einen gebürtigen Hessen und Reichsdeutschen, der im 16. Jh. zu einer zentralen Gründungsfigur der niederländischen Nation wurde. Als Statthalter von Habsburgs Gnaden lehnte er sich auf und wurde zur Speerspitze eines acht Jahrzehnte dauernden Befreiungskrieges. Das niederländische Königshaus sieht sich bis heute in direkter Linie mit ihm verbunden. Diese Textzeile ist nach wie vor ein Indiz für die tiefe Verwandtschaft und die gemeinsame Herkunft von Deutschen und Niederländern. Der niederländische Historiker Friso Wielenga leitete viele Jahre lang das Zentrum für Niederlandestudien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der renommierte Niederlandist prägte das Bild der „ungleichen Nachbarn“ oder auch „ungleichen Brüder“. Es besteht eine wechselhafte Asymmetrie, die sich insbesondere in der Geschichte des 20. Jh. auf vielen Feldern bemerkbar macht, wie noch zu beleuchten sein wird. Wie in einer Familie bedeutet große Nähe bzw. große Ähnlichkeit nicht immer automatisch auch große Verbundenheit und selbstverständliche Sympathie. Es ist eine Ambivalenz in diesem Verhältnis, die sich mit keinem anderen Nachbarvolk Deutschlands vergleichen läßt. Nicht mit den romanischen Franzosen, nicht mit den Skandinaviern, und auch keine der östlichen Anrainer sind uns in vergleichbarer Weise vertraut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jahrhundertelang waren die heutigen Niederlande Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.</h3>



<p></p>



<p>Für ein besseres Verständnis wollen wir zunächst den Blick auf den Aufstieg der Niederlande von einem Vasallen zu einer der führenden Seestreitkräfte ihrer Epoche beleuchten. Jahrhundertelang war das Territorium der heutigen Niederlande Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Unter dem Habsburgerkaiser Karl V. setzte eine schleichende Emanzipation ein, die mit der calvinistischen Reformation Fahrt aufnahm. Die erstrebte Unabhängigkeit war nicht nur eine theologische Frage, sondern zugleich Ausdruck ökonomischen Selbstbewußtseins dieser wirtschaftlich starken Peripherie eines zentralistischen Imperiums, welches zunehmend von der spanischen Linie des Hauses Habsburg dominiert wurde. Dieses ging mit brutaler Härte gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen vor, was sich vor allem in der Person von Fernando Alvarez de Toledo – auch bekannt als Herzog von Alba – manifestierte. Noch heute ist sein Andenken im kollektiven Gedächtnis der Niederlande mit vergleichbarem Schrecken verbunden wie Maximilien de Robespierre hinsichtlich der Französischen Revolution. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 endete auch der 80jährige Krieg der Niederländer mit deren Ausscheiden aus dem Reichsverbund.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entfremdung im goldenen Zeitalter der Niederlande</h3>



<p></p>



<p>Dies läutete das sogenannte Goldene Zeitalter ein – eine prosperierende Epoche, in der niederländische Handelsschiffe von der Karibik bis nach Ostasien den Welthandel dominierten. Amsterdam wurde zur Drehscheibe des internationalen Warenverkehrs und zum Zentrum einer Weltmacht. Die Niederlande waren eine Republik und auch in dieser Hinsicht ein Unikat im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Die deutschen Kernlande waren hingegen schwer gezeichnet von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und verharrten ein Jahrhundert lang in Vielstaaterei und Phlegma. Bis ins 19. Jh. schritt diese Entfremdung voran: Die Niederlande etablierten sich als liberale Seenation, als Hort freier Lehre mit Persönlichkeiten wie Erasmus von Rotterdam und kultivierten ein modernes Staatswesen in bewußter Abgrenzung zum „großen Bruder“, der erst in der Romantik sein Nationalbewußtsein entwickelte.</p>



<p>Dann kehrte sich diese Dynamik um. Der Stern der Niederlande war inzwischen gesunken. Aus den napoleonischen Kriegen ging mit dem Wiener Kongreß 1815 zwar für einige Jahre das Königreich der „Großniederlande“ hervor, das Belgien mit einschloß. Bereits 1830 rebellierten die Belgier aber gegen dieses Konstrukt und erkämpften sich ihre Unabhängigkeit. Nur wenige Jahrzehnte später bahnte sich bekanntlich langsam der Aufstieg des zweiten Deutschen Kaiserreiches an. Während des ersten Weltkrieges verhielten sich die Niederlande neutral. Sie boten dem abgesetzten letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. in Schloß Doorn ein Exil und verweigerten seine Auslieferung an die Siegermächte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zweiter Weltkrieg: Widerstand gegen das Deutsche Reich, aber auch Zehntausende in der Waffen-SS</h3>



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<p>Mit dem deutschen Einmarsch im Mai 1940 löste sich die bis dahin gültige niederländische Staatsdoktrin der Neutralität in Luft auf. Tief saß und sitzt bis heute das Trauma über die schmerzhafte Einsicht, daß moralische Integrität und ökonomische Unabhängigkeit einem Staat im Weltenbrand keinen Schutz garantieren könnten. Militärisch war die Angelegenheit rasch entschieden, aber die niederländische Zivilbevölkerung verfiel in eine kollektive Haltung des grimmigen Boykotts. Noch heute werden in den niederländischen Familiengeschichten diejenigen als „fout“ – niederländisch für falsch – gebrandmarkt, die mit den Deutschen kollaborierten. Der Widerstand war deutlich vehementer als beispielsweise in Skandinavien, obwohl die Niederländer als Brudervolk eine privilegierte Behandlung erfuhren. Unerwähnt bleiben dürfen auch keinesfalls die 25.000 Freiwilligen in den beiden Waffen-SS-Divisionen „Niederlande“ und „Wiking“, die sich an der Ostfront im Kampf gegen den Bolschewismus ausgezeichnet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zäsur 1945: Antideutscher Chauvinismus inklusive Rauchbomben und „Lama“</h3>



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<p>1945 stellt eine Zäsur in den deutsch-niederländischen Beziehungen dar. In kaum einem anderen Land fand eine so gründliche Abrechnung mit der Besatzungszeit statt, die in einem breiten antideutschen Chauvinismus gegen die verhaßten „Moffen“ resultierte. Symptomatisch dafür war die Hochzeit der späteren niederländischen Königin Beatrix mit dem deutschen Claus von Amsberg 1966, die einen landesweiten Aufruhr auslöste. Dabei ging das geflügelte Wort durchs Land „Gib mir mein Fahrrad zurück“ – eine Anspielung auf die angebliche Praxis der Wehrmacht, Fahrräder niederländischer Zivilisten zu requirieren. Der Unmut gipfelte schließlich in einem Anschlag mit einer Rauchbombe auf die Hochzeitskutsche; so unerträglich war auch zwanzig Jahre nach Kriegsende vielen Niederländern noch die Vorstellung eines Deutschen – zumal eines früheren Wehrmachtssoldaten – im niederländischen Königshaus. Das entbehrt natürlich mit Blick auf Oranien-Nassau nicht einer gewissen Ironie. Man denke hier auch an die Parallelen zum britischen Königshaus, daß bereits 1917 seinen Namen Sachsen-Coburg und Gotha in Windsor abänderte, um alle deutschen Wurzeln unkenntlich zu machen.</p>



<p>Noch in den 90er-Jahren brach sich der Deutschenhaß immer wieder Bahn. Unvergessen bleibt die „Lama-Affäre“ während der Fußballweltmeisterschaft 1990 in Italien, als im Achtelfinale Frank Rijkaard Rudi Völler mehrfach brutal foulte und anspuckte, was kurioserweise in einem Platzverweis für <em>beide</em> Spieler endete. Die Bilder gingen um die Welt. 1993 folgte dann ein weiterer Tiefpunkt in den deutsch-niederländischen Beziehungen. Nach den Brandanschlägen auf Asylunterkünfte in Solingen und Mölln sowie tagelangen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen war die niederländische Gesellschaft so empört, daß man eine Postkartenaktion startete. Auf diesen stand in schlichten Lettern „Ik ben woedend!“ (Ich bin wütend). Über 1,2 Millionen dieser Postkarten landeten im Kanzleramt von Helmut Kohl. Die deutsche Seite war reichlich irritiert, und die Niederländer verliehen einem Gefühl vermeintlicher moralischer Überlegenheit Ausdruck, das fest in ihrer Volksseele verankert war. Zugleich war diese Aktion aber auch der Wendepunkt, und die Verhältnisse begannen sich langsam zu entspannen. Sinnbild für diese Trendwende war 1996 eine TV-Werbung für Butter einer niederländischen Molkerei, welche die einstigen Rivalen Rijkaard und Völler friedlich an einem Frühstückstisch vereinte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aus den einstigen Rivalen sind Vertraute geworden.</h3>



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<p>Inzwischen sind die Niederlande und die BRD nicht nur enge Handelspartner, sondern kooperieren auf vielen weiteren Feldern vertrauensvoll. So existieren beispiellos eng verzahnte, gemeinsame Militärstrukturen beider Staaten. Die jeweiligen Regierungskabinette konsultieren einander regelmäßig und treten in aller Regel in Brüssel und auf der Weltbühne mit einheitlichen Positionen auf. Landwirtschaft, Infrastruktur, Forschungsvorhaben, Energiepolitik, Technologietransfer – die deutsch-niederländische Partnerschaft ist flächendeckend eine selbstverständliche Realität geworden. Aus den einstigen Rivalen, den ungleichen Brüdern, sind Vertraute geworden, die sich nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Darin manifestiert sich eine enge Verwandtschaft, die seit Jahrhunderten auch in der sprachlichen Nähe Ausdruck findet. Noch heute sind die plattdeutschen Dialekte – wie etwa das westfälische oder das norddeutsche Platt – dem Niederländischen sprachlich näher als dem Hochdeutschen. Beide eint nicht nur die Sprache, es ist auch das gleiche deutsche Blut, das durch ihre Adern fließt. </p>
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		<title>25. Todestag von Peter von Zahn</title>
		<link>https://dereckart.at/25-todestag-von-peter-von-zahn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 12:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (78) Vor einem Vierteljahrhundert, am 26. Juli 2001, starb Peter von Zahn, einer der großen deutschen Hörfunk- und Fernsehjournalisten der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Älteren als einer der Reporter der „Windrose“ bekannt, machte von Zahn auch durch seine einprägsame Sprechweise auf sich aufmerksam. Doch das war beileibe nicht [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (78)</h2>



<p>Vor einem Vierteljahrhundert, am 26. Juli 2001, starb Peter von Zahn, einer der großen deutschen Hörfunk- und Fernsehjournalisten der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Älteren als einer der Reporter der „Windrose“ bekannt, machte von Zahn auch durch seine einprägsame Sprechweise auf sich aufmerksam. Doch das war beileibe nicht alles, was der humanistisch gebildete Journalist zu bieten hatte.</p>



<p>Es darf bei allem Lob für den am 29. Januar 1913 in Chemnitz geborenen und im Zweiten Weltkrieg als Dolmetscher und Kriegsberichterstatter eingesetzten von Zahn nicht vergessen werden, daß er von den britischen Besatzern für den Nordwestdeutschen Rundfunk – 1956 aufgegliedert in Norddeutscher Rundfunk (NDR) und Westdeutscher Rundfunk (WDR) – für den Sender der alliierten Militärregierung engagiert wurde. Er machte Journalismus, wie die Besatzer ihn sehen wollten. Es ist daher nur beschönigend, wenn heute gesagt wird, er habe den Rundfunk in Westdeutschland „nach britischem Vorbild“ gestaltet, die britischen Besatzer hätten den Sender zwar kontrolliert, jedoch „den deutschen Journalisten viele Freiheiten“ gewährt.</p>



<p>1948 wechselte Peter von Zahn, der Jura, Geschichte und Zeitungswissenschaften studiert und 1939 promoviert hatte, ins Studio Düsseldorf, dessen Leitung er 1949 übernahm. Doch wegen Differenzen mit Generaldirektor Adolf Grimme blieb von Zahn nicht lange am Rhein: 1951 machte er den Sprung über den großen Teich und wurde in den USA zu einem Pionier der Auslandsberichterstattung. Seine 15minütige Radiosendung „Aus der neuen Welt“ erklärte den Deutschen Gesellschaft und Politik der US-Besatzungsmacht – was natürlich keinesfalls unabhängiger Journalismus war. Das gleiche Format führte Peter von Zahn ab 1955 auch im TV zum Erfolg. Legendär sind seine „Windrose“-Reportagen. Nach langen Jahren beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk verließ von Zahn den NDR und gründete 1961 seine eigene Produktionsfirma, die Windrose Film- und Fernsehproduktions-GmbH. Seine Reportagen liefen z. B. im WDR, der daraus die Reihe&nbsp;„Weltspiegel“ machte, die es heute noch gibt.</p>



<p>Aus den USA zurück, veröffentlichte von Zahn 1991 seine Autobiographie <em>Stimme der ersten Stunde</em>. Sein imposantes Gesamtwerk umschließt rund 3.000 Hörfunk- und mehr als 1.000 Fernsehbeiträge, und es ist trotz aller erwähnten Einschränkungen nicht übertrieben, ihn als einen wahren Pionier des Journalismus zu ehren.</p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



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