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	<title>Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Der Eckart</title>
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		<title>„‚Schwert und Schild‘ der Partei“</title>
		<link>https://dereckart.at/schwert-und-schild-der-partei/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 16:53:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Parteiisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Gespräch mit FPÖ-Generalsekretär Abg. z. NR Christian Hafenecker Konrad Markward Weiß: Wie ist Ihr Aufgabenbereich als Generalsekretär der FPÖ definiert? Christian Hafenecker: Im Maschinenraum der Partei, wo ich gemeinsam mit meinem Generalsekretärskollegen Michael Schnedlitz tätig sein darf. Die zentrale Aufgabe dort ist es, unseren Bundesparteiobmann Herbert Kickl beim Vorantreiben der politischen Wende in Richtung [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Ein Gespräch mit FPÖ-Generalsekretär Abg. z. NR Christian Hafenecker</h2>



<p></p>



<p><strong>Konrad Markward Weiß: Wie ist Ihr Aufgabenbereich als Generalsekretär der FPÖ definiert?</strong></p>



<p><strong>Christian Hafenecker:</strong> Im Maschinenraum der Partei, wo ich gemeinsam mit meinem Generalsekretärskollegen Michael Schnedlitz tätig sein darf. Die zentrale Aufgabe dort ist es, unseren Bundesparteiobmann Herbert Kickl beim Vorantreiben der politischen Wende in Richtung Volkskanzlerschaft für Österreich zu unterstützen. Konkret heißt das, bei der Planung von Kampagnen zur Verbreitung unserer freiheitlichen Ideen mitzuwirken, über Schwerpunktsetzungen&nbsp; mitzuentscheiden und natürlich auch das Wirken – oder besser gesagt das Versagen – der Systemparteien zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse abzuleiten. Dazu stehe ich auch in regelmäßigem Austausch mit unseren Funktionären und Mitgliedern. Als langjähriger Gemeindepolitiker ist mir das besonders wichtig, weil die „Basis“ quasi ein ganz genauer Seismograph dafür ist, wo die Menschen der Schuh drückt. Und natürlich gehört es auch zum Aufgabengebiet eines Generalsekretärs, manchmal als „Feuerwehr“ aktiv sein zu müssen.</p>



<p><strong>Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?</strong></p>



<p>Einen „typischen Arbeitstag“ gibt es für einen Politiker oder einen Generalsekretär nicht, der seine Aufgaben ernst nimmt, denn sie sind sehr vielfältig. Natürlich prägen meinen Tag Medienauftritte oder die Teilnahme an TV-Diskussionen; abseits dessen die Arbeit im Parlament, das Voranbringen unserer freiheitlichen Inhalte in Zusammenarbeit mit dem BPO und den Nationalratskollegen, Termine mit Funktionären oder Vorträge bei FPÖ-Stammtischen. Dazu kommt der aktuelle Pilnacek-Untersuchungsausschuß, in dem ich als Fraktionsführer an der Aufdeckung des von ÖVP-Netzwerken aufgebauten tiefen Staates mitwirken darf.</p>



<p><strong>Über welche Kanäle informieren Sie sich über das politische Geschehen?</strong></p>



<p>Auf der einen Seite die Mainstream-Medien, aber natürlich auch viele freie und alternative Medien sowie diverse Social-Media-Kanäle. Oder anders gesagt, mache ich das, was auch immer mehr Österreicher tun: Den Mainstream konsumiere ich, damit ich weiß, was die Regierenden wollen, daß die Menschen erfahren; und die Alternativen, um auch die andere Seite und leider oft auch das, was die Regierung der Bevölkerung verschweigt, zu lesen oder zu hören. Dazu kommen natürlich Gespräche und der Austausch mit Bürgern und Funktionären.</p>



<p><strong>Welches persönliche Rüstzeug braucht es, um ein guter Generalsekretär zu sein?</strong></p>



<p>Man sollte jedenfalls belastbar sein, ein dickes Fell haben und die Konfrontation mit dem politischen Gegner, aber auch den Medien nicht scheuen. Oder, wie es Herbert Kickl so treffend formuliert hat: Man muß bereit sein, auch Verwundungen in Kauf zu nehmen. Ganz besonders aber braucht man eine ehrliche Liebe, eine ganz enge Verbundenheit mit unserer Heimat und unserer Bevölkerung. Denn nur aus dieser patriotischen Perspektive heraus ist es möglich, die Probleme und Mißstände im Land zu erkennen und Maßnahmen zu deren Behebung auszuarbeiten. Und: Das Politikerdasein oder eine politische Funktion dürfen nie das Ziel sein, sondern das Instrument, durch das man für das Wohl der Bevölkerung wirkt.</p>



<p><strong>Generalsekretäre, gerade in der Opposition, erscheinen oft als die „Kettenhunde“ ihrer Parteien, von denen eine gewisse Aggressivität erwartet wird. Wie kommt man auf Dauer mit dieser Rolle zurecht?</strong></p>



<p>Die scharfe, aber auch feine Klinge ist für den politischen Diskurs aus meiner Sicht unerläßlich. Als Generalsekretär ist man ja auch quasi „Schwert und Schild“ der Partei. Dinge, vor allem die, die falsch laufen, müssen klar beim Namen genannt werden, genauso die Verantwortlichen dafür. Diese klare Benennung ist nämlich der erste Schritt zur Problemlösung. Das erwarten sich die Bürger,&nbsp; auch von ihren Vertretern, nämlich daß sie eine deutliche Sprache sprechen.</p>



<p><strong>Was macht es mit einem, wenn man immer strikt parteiisch sein muß?</strong></p>



<p>Es geht nicht darum, „parteiisch“ zu sein, sondern stabile Überzeugungen und Werte zu haben und diese auch nachhaltig in der politischen Auseinandersetzung zu vertreten. Daran wird man auch von den Bürgern gemessen, die sich kein X für ein U vormachen lassen. Nur wer sich kein Blatt vor den Mund nimmt und hinter seinen Inhalten steht, ist glaubwürdig, und nur wer glaubwürdig ist, dem vertrauen auch die Menschen.</p>



<p><strong>Wenn man die Stellungnahmen der Oppositionsgeneralsekretäre verfolgt, hat man den Eindruck, daß die Regierung wirklich alles falsch mache. Können Sie eine Maßnahme der Bundesregierung nennen, an der die FPÖ nicht beteiligt war, die Sie aber trotzdem gutheißen?</strong></p>



<p>Nun, das Agieren und Auftreten der Bundesregierung gibt genügend Stoff für diverse sehr amüsante Satireformate her. Das rechne ich ihr daher an. </p>
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			</item>
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		<title>Parteien und Proporz in Österreich</title>
		<link>https://dereckart.at/parteien-und-proporz-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 20:41:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Parteiisch]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Lothar Höbelt Cliquen und Seilschaften gab und gibt es, wo immer in irgendwelchen Gremien politische Entscheidungen gefällt werden sollen. Doch diese „Fraktionen“ blieben meist auf die Parlamente beschränkt. Selbst die sogenannten „Massenparteien“ verfügten lange Zeit über keinen hohen „Organisationsgrad“ – oder wenn schon, dann handelte es sich dabei in erster Linie um ökonomische Zweckverbände, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Lothar Höbelt</em></p>



<p></p>



<p>Cliquen und Seilschaften gab und gibt es, wo immer in irgendwelchen Gremien politische Entscheidungen gefällt werden sollen. Doch diese „Fraktionen“ blieben meist auf die Parlamente beschränkt. Selbst die sogenannten „Massenparteien“ verfügten lange Zeit über keinen hohen „Organisationsgrad“ – oder wenn schon, dann handelte es sich dabei in erster Linie um ökonomische Zweckverbände, um Gewerkschaften oder Bauernverbände. Führend war dabei übrigens die Landbevölkerung: Die Bauern waren im 20. Jh. nahezu flächendeckend organisiert. Die Gewerkschaften waren einer viel stärkeren Fluktuation unterworfen, die von der Konjunktur abhing – der wirtschaftlichen, aber auch der politischen: Ihre Glanzzeit stellten die Jahre unmittelbar nach 1918 dar, als beide Faktoren zusammenkamen. Die Inflation machte ständig neue Tarifverhandlungen notwendig, wo starke Gewerkschaften gefragt waren; und die halbhegemoniale Stellung der bisher oft marginalisierten Sozialdemokratie machte die Mitgliedschaft plötzlich weit attraktiver als zuvor.</p>



<p>Die bürgerliche Seite, zumindest in den Städten, hatte dieser festen Organisation nichts Gleichwertiges entgegenzustellen. Es gab Beamtenvereine und Gewerbebünde, die jedoch eine gewisse Distanz zu den Parteien pflegten. Bei den Wahlen in die Handelskammern vermied man nach 1918 ganz bewußt den Wettbewerb zwischen eindeutig punzierten Parteilisten. Die Beamten blieben – wie ihr höchstrangigster Vertreter, Polizeipräsident Johannes Schober – vielfach „Unabhängige mit der Kornblume“, mit einem Naheverhältnis zum nationalen Lager, aber bewußter Distanz zu den Parteien.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Vaterländische Front“ des Ständestaates mit fast zwei Millionen Karteileichen</h3>



<p></p>



<p>Eine ganz andere Form der Parteimitgliedschaft entwickelte sich dann im Zeichen der Ein-Parteien-Systeme. Die „Vaterländische Front“ des Ständestaates war ursprünglich nur als Notlösung gedacht für Anhänger der Regierung, die weder Christlichsoziale noch Heimwehrler waren. Sie entwickelte sich zu einer Massenbewegung, genau genommen eben nicht Bewegung, sondern vielmehr zu einem Koloß auf tönernen Füßen, mit fast zwei Millionen Karteileichen, dem niemand einen besonderen politischen Wert beimaß. Die NSDAP hingegen bestand auf der Regel, daß nicht mehr als 10&nbsp;% der Bevölkerung „Pg.“ werden durften – das ergab nach 1945 dann eine runde halbe Million „Ehemaliger“, die sich allerdings ungleichmäßig auf die Berufsgruppen verteilten: Staatsangestellte wie Bundesbahner und Lehrer waren sehr viel häufiger beigetreten als „Normalbürger“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Umbruch 1945: Ausgeweiteter staatlicher Einzugsbereich, Lücken im Apparat durch Entnazifizierung und Kriegsverluste</h3>



<p></p>



<p>Von Proporz konnte in Ein-Parteien-Systemen selbstverständlich keine Rede sein, allenfalls für ganz kurze Zeit im frühen Ständestaat, als die Posten in den Gremien annähernd im Verhältnis 50:50 zwischen Christlichsozialen und Heimwehr geteilt wurden. Die große Änderung kam nach 1945: Der Staat hatte seinen Einzugsbereich mit Bewirtschaftung und Verstaatlichter ausgeweitet. Entnazifizierung und Kriegsverluste hatten große Lücken im Apparat entstehen lassen. Allein schon die Volksgerichte waren nach dem Proporz der Parteien zusammengesetzt, anfangs eben noch dreier Parteien, unter Einschluß der Kommunisten. Auch die Rehabilitierung der „Ehemaligen“ im öffentlichen Dienst erfolgte auf diesem Wege über die Befürwortung durch eine der Regierungsparteien. In der Wirtschaft war es die ÖVP, die auf gnädige Behandlung der „Wald und Wiesen-Pg.“ drängte – die Entnazifizierung würde sonst zu einem Anschlag gegen die freie Wirtschaft geraten. In der Bürokratie wiederum entdeckten die SPÖ und Vizekanzler Schärf ihre Sympathien für die Nationalen. Wenn man sie alle in die Wüste schickte, wäre das Ergebnis eine „kulturelle Gegenreformation“: Zum Schluß hätte der CV alles in der Hand.</p>



<p>Die Synthese aus all diesen Strömungen war das Proporzsystem, das auf breiter Basis die Große Koalition trug. Der Volksmund spottete über den Proporz. Für jede Stelle brauche man drei Leute: einen Roten, einen Schwarzen – und einen, der auch wirklich die Arbeit erledige. Freilich: Gerade weil jetzt beide Großparteien über die Hälfte ihrer Wähler auch als Mitglieder rekrutierten, wurde das System gemildert. Nicht, daß es keine Karrieren von talentfreien Protektionskindern gegeben hätte. Aber der Normalfall war: Der Kandidat, der es werden sollte, trat einfach der Partei bei, die in diesem Fall am Zuge war. Anekdoten aus der Spätzeit erzählten, Lehrer würden gefragt, wo sie sich einreihen wollten. Dem Direktor sei es gleich, er müsse nur wissen, wo er sie abbuchen solle. Andere berichten, sie seien nach einem sehr freundlichen Vorstellungsgespräch gebeten worden, doch kurz im Vorzimmer zu warten – dort lag dann das Beitrittsformular auf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der „Vertrauensmann“ war der Kassier, der noch persönlich die Beiträge einsammelte.</h3>



<p></p>



<p>In Wien und Niederösterreich war die Parteibuchwirtschaft am dichtesten. Personalvertretungswahlen führten zu Resultaten, die selbst die KPdSU vor Neid erblassen ließen – aber schließlich waren das Rathaus und die niederösterreichische Landesregierung in der Herrengasse nur wenige hundert Meter voneinander entfernt: Bewerber um einschlägige Verwaltungskarrieren hatten insofern eine Wahl. In Wien und anderen Städten war es nicht allein der Posten, sondern die billige Gemeindewohnung, die als Vergünstigung für Genossen winkte. Der „Vertrauensmann“, der die Mitglieder betreute und sich ihre Sorgen anhörte, war der Kassier, der noch ganz persönlich die Beiträge einsammelte. Eine These besagt, das Ende der Partei als lebendiger Organismus habe mit der Einzahlung per Erlagschein begonnen; eine andere, gerade für die SPÖ, die nicht bloß materielle Benefizien, sondern ein Betreuungsangebot von der Wiege bis zur Bahre versprach, sei der Fernsehapparat im Wohnzimmer die übermächtige Konkurrenz gewesen, die Sektionsabende um Längen schlug.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Parteibuchwirtschaft nicht gleichzusetzen mit ideologischer Gleichschaltung</h3>



<p></p>



<p>Erwartet wurde praktische Unterstützung für die eigene Seite vor Ort, kein Bekehrungserlebnis und kein Glaubensbekenntnis. Oft entstanden geradezu Bündnisse der Gegensätze: In der VÖESt rekrutierte die SPÖ die Anhänger des VdU, die bei den Betriebsratswahlen von 1949 noch die Mehrheit errungen hatten; in der Alpine verbündete sich der alte Heimwehrdirektor Oberegger mit den Kommunisten gegen die SPÖ; selbst Margarethe Ottilinger, die nach ihrer Rückkehr aus der Sowjethaft die ÖMV übernahm, warb dort die Kommunisten – die mit den Sozialisten im Krieg lagen – für den ÖAAB an.</p>



<p>Wie die zwangsrekrutierten Mitglieder auf dieses Anreizsystem reagierten, wäre eine eigene Untersuchung wert, die bloß diverse methodische Probleme aufwirft. Es gab gefinkelte Untersuchungen, wie viele Mitglieder ihre eigene Partei justament nicht wählten. Eine Lesart besagte, der Bewerber habe sich im ersten Jahr noch über die Partei lustig gemacht, nach ein paar Jahren argumentiert, die anderen seien schließlich um keinen Deut besser – um schließlich frohgemut zu behaupten, man sei ja immer schon ein „gestandener“ Anhänger gewesen. Die ÖVP konnte allfällige Bedenken, doch kein „Schwarzer“ geworden zu sein, auf dem Weg über die Bünde beruhigen. Friedrich Peter erzählte gerne, seine ober­österreichischen Wirtschaftstreibenden hätten geschworen, doch nicht bei der ÖVP zu sein – bloß beim Wirtschaftsbund.</p>



<p>Proporz hieß freilich nicht bloß 50:50 zwischen Rot und Schwarz, sondern hatte eine innerparteiliche Dynamik. In der Verstaatlichten gab es die „Betriebskaiser“, die Vorsitzenden der Gewerkschaften; aber insgesamt war die Verstaatliche bekannt als „Königreich Waldbrunner“, benannt nach dem Minister, der über den BSA (Bund Sozialistischer Akademiker, Künstler und Intellektueller) sein Personal rekrutierte. Peter Kreisky erzählte gelegentlich, er habe bei Abstimmungen im BSA oft Niederlagen erlitten, aber selten so eindeutige wie bei seinen Anträgen, die Mitgliedschaft bei einer schlagenden Burschenschaft mit dem BSA für unvereinbar zu erklären. Auch die ÖVP pochte auf ihren Anteil an der Verstaatlichten. Doch da kam jetzt keineswegs immer der Wirtschaftsbund zum Zug, sondern der ÖAAB unter Alfred Maleta, der sehr viel auf Elitenbildung gab – und sich in der Ära Klaus dann zum Anführer der Opposition mauserte, der rot und blau zuweilen recht harmlos aussehen ließ. Innerhalb des ÖAAB wiederum gab es zwei Richtungen: die linkskatholische mit Erwin Altenburger als von der SPÖ kooptiertem Vizepräsidenten des ÖGB; oder die Managerschiene um Fritz König, der seinerseits als bester Mann der Industrie galt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Proporzsystem litt, sobald es in der nächsten Generation nichts mehr zu verteilen gab.</h3>



<p></p>



<p>Die Verstaatlichte war abverkauft, der Bund hatte den Aufnahmestop proklamiert und die Gemeindewohnungen waren teurer und knapper geworden. Die Masse der „Wald und Wiesen-Pg.“ wurde abgelöst von einer viel schmaleren Schicht von Überzeugungstätern – und Karrieristen. Eine breite Basis verkörpert vielleicht nur noch der Bauernbund, der seine ökonomische Basis längst verloren hat, aber über den Familiennachzug eine Massenmitgliedschaft bewahrt hat. Die SPÖ ist geschrumpft auf ein Fünftel ihrer Glanzzeit, mit 140.000 statt 700.000 Mitgliedern. Eine Folge ist freilich auch: Mit der Erosion der traditionellen Lager – aus welchen Gründen auch immer – ging ein gewisses Vakuum an Stimmungsmache einher, das von anderen Institutionen gefüllt wurde, „unabhängigen“ Medien, freilich keine „Unabhängigen mit der Kornblume“ mehr, sondern Unabhängige mit grüner Grundierung&#8230; </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Parteiisch leben</title>
		<link>https://dereckart.at/parteiisch-leben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 16:56:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Parteiisch]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Arbeitsteilung statt Bekenntniszwang Parteiisch leben und Partei ergreifen: Dafür bedarf es des Mutes, sich für ein bestimmtes Ziel einzusetzen. Und einer Gemeinschaft, die es wert ist, sich für diese zu betätigen. Antonio Gramsci, der Denker des Engagements, das über eine weltanschauliche Rückbindung verfügt, hat es vor einhundert Jahren zeitlos formuliert: „Ich bin [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Arbeitsteilung statt Bekenntniszwang</h2>



<p></p>



<p>Parteiisch leben und Partei ergreifen: Dafür bedarf es des Mutes, sich für ein bestimmtes Ziel einzusetzen. Und einer Gemeinschaft, die es wert ist, sich für diese zu betätigen. Antonio Gramsci, der Denker des Engagements, das über eine weltanschauliche Rückbindung verfügt, hat es vor einhundert Jahren zeitlos formuliert: „Ich bin parteiisch, ich lebe, ich spüre im lebendigen Bewußtsein derjenigen, die auf meiner Seite stehen, bereits das Pulsieren der Aktivität der zukünftigen Stadt, die wir am errichten sind“. Es ging ihm darum, das Parteiergreifen als Arbeiten im „Kollektiv“ (altmodisch) bzw. „Team“ (neumodisch) als etwas Positives aufzufassen. Grundlegend dafür sei eine gemeinsame Weltauffassung. Historisch-politisch heißt dies, daß jede parteiische Haltung inspiriert wird durch <em>Ideen, die sie tragen</em>. Erst die Idee, dann die Parteiergreifung für diese in einem „Wir“, das größer ist als man selbst und die Summe seiner Einzelteile. Akzeptiert man diese Ausgangsbasis, ist die Zielstellung folglich, Geist und Tatendrang zu mobilisieren, anstatt die Menschen zu „entpolitisieren“ und zu demobilisieren. François Bousquet, Denker der <em>Nouvelle Droite</em>, knüpft daher direkt an Gramscis Leitlinie an. In seinem Buch mit dem sprechenden Titel <em>Mut</em> (Antaios 2022) stellt er die politisch grundsätzliche Rechte in diesen Sinnzusammenhang: „Auch für uns heißt leben parteiisch sein; auch für uns heißt existieren kämpfen.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Prinzip „Ruhe“ vor das Prinzip „Parteilichkeit“ zu stellen, verhindert nicht, daß der Gegner dies anders handhabt.</h3>



<p></p>



<p>Zu kämpfen – das ist eine Absage an die Mentalitätsform, wonach Politik vor allem eines zu tun habe: die Individuen in Ruhe zu lassen. Man kann diese Haltung subjektiv verstehen. Aber sie ist objektiv schädlich. Denn sich einer Schlacht zu verweigern oder das Prinzip „Ruhe“ im politischen Ringen vor das Prinzip „Parteilichkeit“ zu stellen, verhindert nicht, daß der Gegner dies anders sieht und handhabt. Es verhindert damit auch nicht, daß man die metaphorische Schlacht, die man umschifft – etwa durch Rückzug in die innere Emigration oder auf die eigene „Scholle“ – verliert. Wer ein Ziel besitzt, wer weiß, wofür und warum er Partei ergreift, der hat einen mobilisierenden Vorteil, der jenen von vornherein in die Ecke drängt, der eine Flucht in vermeintlich sichere Rückzugsräume bevorzugt. Diese gibt es nicht. Besser gesagt: Es gibt sie, aber wie lange es sie gibt, hat man bei fehlendem Engagement noch weniger in der Hand als mit entsprechendem eigenen Zutun.</p>



<p>Man darf das nun nicht falsch verstehen: Die Absage an apolitische Weltenflucht und individuelle Selbst­rettung bedeutet nicht, daß man das krasse Gegenteil zu fordern und fördern habe. Die apokalyptisch anmutende These, wonach nur <em>jetzt</em> alle gemeinsam handeln müßten, weil man die „letzte Generation“ sei, die „es“ noch „drehen“ könne und dergleichen, führt potentiell in eine Spirale des Bekenntniszwanges. „Schafft tausende Märtyrer“ könnte das Axiom einer solchen Denkweise sein. Gemäß dieser Logik müßten sich immer mehr Menschen proaktiv bekennen, engagieren, Partei ergreifen – und <em>dann</em> ließe sich der Kippunkt der Politik erzielen, <em>dann</em> würde der politische Umschwung erfolgen. Durch den Willen jener, die bekennen. Aber eine solche voluntaristische Ansicht, also eine, die davon ausgeht, man müsse ohne Rücksicht auf rationale Realitäten Partei ergreifen und könne so gewissermaßen Entwicklungen <em>erzwingen</em>, bleibt falsch und wird vielleicht sogar gefährlich.</p>



<p>Denn man verleitet potentiell auch idealistisch gesonnene Personen, die besser in zweiter oder dritter Reihe ihr Werk verrichten würde, beispielsweise ob bestimmter Karriere- und Berufswege durch politisch-moralischen Druck dazu, sich zu „opfern“, also ebenjene Karriere- und Berufswege aufs Spiel zu setzen. Parteilichkeit heißt nicht Bekenntniszwang – das sind zwei Paar Stiefel. Für bestimmte Personen in bestimmten beruflichen und gesellschaftlichen Verhältnissen kann es ausdrücklich sinnvoller sein, sich bis zu bestimmten politisch-historischen Situationen nicht zu exponieren. Das heißt nicht, daß sie „unparteiisch“ leben sollen. Das heißt aber sehr wohl, nicht ins offene Messer des Gegners zu laufen, um das Bedürfnis bestimmter Akteure nach Märtyrerrollen und Selbstopferung zu befriedigen. Es bedarf einer ersten Reihe, die sich „verbrennt“ und vorausgeht – aber es bedarf der weiteren Absicherungsreihen, die nicht minder wertvolle Arbeit leisten und dafür „unverbrannt“ zu bleiben haben. Sie sind deswegen innerlich nicht weniger parteiisch und idealistisch. Sie verrichten nur ihren Dienst auf einem anderen, spezifischen Posten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schon Marx und Engels wußten: „Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten.“</h3>



<p></p>



<p>Klar ist auch, was Marx und Engels bereits im <em>Manifest der Kommunistischen Partei</em> (1848) formulierten: „Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten.“ Minderheiten „machen“ also parteiische Politik, aber ohne Verbindung zur Mehrheit, zu den „Massen“, kann diese nicht effektiv und nachhaltig durchgesetzt werden. Und für diese Verbindung bedarf es – neben zahllosen Bindegliedern in „zweiter“ und „dritter Reihe“ – auch Foren, in denen jene Ideen, die man vertritt, in die Breite vermittelt werden. Eine Partei ist ein solches Forum. Denn wenngleich Parteien Ideen und Weltbilder nicht selbst generieren, sondern entsprechende Impulse aus dem sogenannten Vorfeld, dem zugeneigten außerparlamentarischen Raum, aufgreifen, muß man – im Sinne und mit den Worten Gramscis – „die Bedeutung hervorheben, die in der modernen Welt die Parteien bei der Ausarbeitung und Verbreitung der Weltauffassungen haben“. Sie verbreiten diese über ihre mediale und gesellschaftliche Stellung und die daraus resultierende Dauerpräsenz in den Medien in einer Masse an Menschen, die rein ideologische Vorfeldprojekte nicht ansatzweise zu erreichen in der Lage wären: Eine Partei hat eine andere Wahrnehmungsgröße in einer parteienzentrierten Demokratie. Sie kann andere Dinge tun, sie kann andere Zahlenverhältnisse bespielen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Einer allein kann nichts machen, und wenn sein Kopf so voll ist wie der Bücherschrank auf dem Schloß.“</h3>



<p></p>



<p>Die Rolle der Partei ist demnach vorgezeichnet: Bei ihr handelt es sich um eine Formation in jenem Bereich, in dem als organisierte Kraft zu Wahlen angetreten wird. Auf diesen Ebenen ringt die organisierte Gruppe mit anderen Gruppen um Stimmen der Wahlberechtigen, um deren Belange in Parlamenten zu artikulieren. Danach strebt man, um diese Interessen im besten Falle durchzusetzen oder, im zweitbesten Falle, im Rahmen von Kompromissen, etwa bei Gesetzen, zur Geltung zu bringen, oder, im drittbesten Falle, konkret auch: im Falle der bundesdeutschen AfD, sie überhaupt auf die Tagesordnung zu hieven. Eine Partei übt also für bestimmte Milieus „die hegemoniale und somit ausgleichende Funktion für verschiedenartige Interessen aus“ (Gramsci). Vor allem aber bringt sie Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen, was die Voraussetzung für eine <em>gemeinschaftsorientierte</em> Politik ist. Der Schriftsteller Erwin Strittmatter brachte dies allgemeingültig auf den Punkt: „Einer allein kann nichts machen, und wenn sein Kopf so voll ist wie der Bücherschrank auf dem Schloß.“</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Parteilichkeit erzeugen und diese Parteilichkeit als Verbindendes begreifen</h3>



<p></p>



<p>Es geht demzufolge bei Parteilichkeit immer um <em>organisierte</em> Parteilichkeit, darum, Anhänger stärker an das eigene Projekt zu binden und in eigene Denkweisen sowie Milieus zu integrieren. Zu integrieren heißt hier: Parteilichkeit erzeugen und diese Parteilichkeit als Verbindendes zu begreifen. Erst wenn es eine politische Gemeinschaft gibt, die zentrale Ziele für ihr Projekt formulieren kann, kann in Krisenkonstellationen, in denen wir längst zu leben gewohnt sind, eine „Wende“ erfolgen. In Krisen wächst eben die Chance auf Beeinflussung der Lage. Im „Wesen der Krise“ liege es, so notierte Reinhart Koselleck in seiner Studie <em>Kritik und Krise</em> (1959), „daß eine Entscheidung fällig ist“, aber „offenbleibt, welche Entscheidung fällt“. Die Krise kann in die eine wie in die andere Richtung verlaufen, und das weist den parteiisch Handelnden eine höhere Relevanz zu als jene Annahmen, denen zufolge bestimmte Entwicklungen unumgänglich seien. Man ist nicht nur Verfügungsmasse geschichtlicher Prozesse, sondern ist selbst Teil der Geschichte.</p>



<p>Wer Teil sein will, muß sich engagieren – auf welchem Platz auch immer das zu seinen persönlichen Stärken, Neigungen und beruflichen Realitäten paßt. Wer gar nichts tut bzw. unparteiisch zu leben trachtet, der nimmt sich selbst aus einem Spiel, das nicht zu spielen den sicheren Untergang bedeutet, weil andere Kräfte handeln. Gram­sci war voller Zorn ob jener, die Dinge wissen, ahnen, spüren – aber sich dennoch gegen parteiische Lebensweise entscheiden: „Ich hasse die Gleichgültigen: Wie Friedrich Hebbel glaube ich, daß ‚leben heißt, parteiisch zu sein‘. […] Gleichgültigkeit ist Ohnmacht, sie ist Parasitismus, sie ist Feigheit, sie ist kein Leben. Deshalb hasse ich die Gleichgültigen.“ Man darf es mit dieser Unduldsamkeit nicht übertreiben. Aber das Gegenteil – die Passivität als Programm, als Einhegung jedweden idealistischen Überschusses – ist gefährlicher. Und überdies bequemer. Aber wir leben nicht in bequemen Zeiten. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Quer durch Südtirol vor 70 Jahren</title>
		<link>https://dereckart.at/quer-durch-suedtirol-vor-70-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 09:07:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Wolfgang Steffanides Zum Teil in bündischer Tradition, also auf „Schusters Rappen“, waren wir fünf etwa zwanzigjährige Wiener Turner unter Leitung des etwas älteren RiWi unterwegs: von Innichen nach Kaltern/Caldero. Er hatte alles organisiert&#160; und vermittelte uns sehr subtil und damit wirkungsvoll die Besonderheiten von eigenem Volkstum bzw. fremdem nach Peter Rosegger: das Fremde achten, [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Wolfgang Steffanides</em></p>



<p></p>



<p>Zum Teil in bündischer Tradition, also auf „Schusters Rappen“, waren wir fünf etwa zwanzigjährige Wiener Turner unter Leitung des etwas älteren RiWi unterwegs: von Innichen nach Kaltern/Caldero. Er hatte alles organisiert&nbsp; und vermittelte uns sehr subtil und damit wirkungsvoll die Besonderheiten von eigenem Volkstum bzw. fremdem nach Peter Rosegger: das Fremde achten, das Eigene lieben.</p>



<p>Schon Innichen, seit dem Pariser Vorortediktatfrieden nach dem Ersten Weltkrieg amtlich San Candido, hatte Prägendes zu bieten: zum einem als nunmehrige Grenzstadt, zum anderen mit dem ehemaligen Benediktinerkollegiatsstift als herausragendes Kulturgut. Für einige von uns war das die erste Begegnung sowohl mit jetzt Grenzlanddeutschen als auch mit der Hochkultur. Andeutungsweise war schon hier die Sprachproblematik spürbar. Der nächste Höhepunkt war – nicht zufällig am 15. August, dem hohen katholischen Feiertag –&nbsp; Sarntheim/Sorentino. In meiner Erinnerung waren alle rund 2.000 Einwohner in Tracht für uns und mich besonders prägend. Und dann Kaltern/Caldaro: Wir wußten nun bereits einiges Selbsterlebtes über Sprachtoleranz und Sprachprägungen, über Unterstützungsleistungen, die seit 1918 zum Erhalt des deutschen Südtirols beigetragen hatten und daß die ÖLM auch dieser Gemeinde Bücherpakete zur Verfügung gestellt hatte. Im Gemeindeamt wurden wir auch fündig: einige nicht ausgepackte Sendungen, also ein&nbsp; Hinweis auf den tatsächlichen Bedarf. Der beginnende Massenwohlstand, das teilweise Sich-gewöhnen an den italienischen Staat und ähnliches wurden wirksam. Da keiner von uns der italienischen Sprache kundig war, erlebten wir, etwa beim Einkauf und in Gasthäusern, die Sprachsituation doch anders als amtlich dargestellt. Gehässigkeit von italienischer Seite ist mir zwar nicht in Erinnerung – aber doch eine Abgrenzung zum wirklichen Staatsvolk. Gespräche mit einheimischen Deutschen haben das – besonders bzgl. Erfahrungen in der Schule – deutlich werden lassen; und von örtlichen Führungskräften der Dank für die offene bzw. stille Hilfe, durch die der Erhalt der deutschen Identität trotz der faschistischen Zeit möglich geworden war.</p>
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		<title>Einladung zur Sonnwendfeier</title>
		<link>https://dereckart.at/einladung-zur-sonnwendfeier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 07:23:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir laden Sie herzlich zu unserer traditionellen Sonnwendfeier ein.  Sonntag, 21. Juni 2026, ab 19.00 Uhr &#8211; bei guter Witterung!Windischhütte 30, 3400 Klosterneuburg Aus Wien gibt es einen kostenlosen Bustransfer zur Veranstaltung und zurück. Der Bus fährt um 18:00 vom Friedrich-Schmidt-Platz, 1080 Wien, ab.Für den Bustransfer ist aufgrund begrenzter Platzzahl eine Anmeldung mit Angabe einer [&#8230;]]]></description>
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<p>Wir laden Sie herzlich zu unserer traditionellen Sonnwendfeier ein. <br><br>Sonntag, 21. Juni 2026, ab 19.00 Uhr &#8211; bei guter Witterung!<br>Windischhütte 30, 3400 Klosterneuburg<br><br>Aus Wien gibt es einen kostenlosen Bustransfer zur Veranstaltung und zurück. Der Bus fährt um 18:00 vom Friedrich-Schmidt-Platz, 1080 Wien, ab.<br>Für den Bustransfer ist aufgrund begrenzter Platzzahl eine Anmeldung mit Angabe einer Telefonnummer unter info@oelm.at unbedingt erforderlich. <br><br>Die Feuerrede hält Reinhild Boßdorf. <br><br>Bitte kommen Sie in angemessener, feuersicherer Kleidung (Tracht), aber nicht uniformiert. Der offizielle Teil endet vor dem Feuerspringen (etwa 22.30 Uhr). Liedertexte und Fackeln sind am Feuerplatz erhältlich, ab 19 Uhr werden nebenan im Gasthof Windischhütte Getränke sowie kleine Speisen angeboten.</p>
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		<title>Ein deutsches Schicksal</title>
		<link>https://dereckart.at/ein-deutsches-schicksal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 14:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Hermann Attinghaus Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Hermann Attinghaus</em></p>



<p></p>



<p>Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. linke Lehrplanreformen, die darauf abzielten, möglichst viel bürgerlich-humanistisches Gedankengut von den Jugendlichen fernzuhalten. Und seither fehlen auch die großartigen Balladen und Revolutionsgedichte dieses Vorkämpfers der Republik. Die bürgerliche Fraktion war wieder einmal zu feige, den Genossen Paroli zu bieten, und selbst die Linken, die heutzutage die Revolution von 1848/49 so gerne für sich reklamieren und so tun, als ob sie die einzigen wahren Demokraten seien, verhielten sich still, obwohl sie lange Zeit versucht hatten, den Dichter für sich zu vereinnahmen. Als Folge davon gibt es in deutschen und österreichischen Städten unzählige Denkmäler für ihn, und zahllose Straßen, Gassen und Plätze wurden nach ihm benannt: Hermann Ferdinand Freiligrath. Ein typisches Beispiel findet sich in Donaufeld im 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort gibt es eine seltsame Parkanlage – eigentlich eine riesige Grube – , die bis zum Ende der Monarchie Kaiser-Josef-Platz hieß und seit 1919 – gewiß nicht zufällig – den Namen Freiligrath-Platz trägt.</p>



<p>Die Genossen aller Schattierungen leiten ihre dreiste Vereinnahmung des westfälischen Dichters u. a. auch davon ab, daß er Karl Marx und Friedrich Engels persönlich kannte, im Oktober 1848 in die Redaktion ihrer&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Rheinische_Zeitung"><em>Neuen Rheinischen Zeitung</em></a>&nbsp; eingetreten war&nbsp;und die Auslandsredaktion betreute. In einem Brief schrieb er am 18. November 1848, daß in dieser Zeitung „Außer den Gedichten… auch Prosa-Artikel von mir“ enthalten seien. „Großbritannien, Italien und Amerika, das ganze Ausland (mit Ausnahme Frankreichs) ist fast immer aus meiner Feder.“ &nbsp;Unter den in dieser Zeitung veröffentlichten Gedichten finden sich u. a. „Wien“, „Blum“, „Reveille“, „Ungarn“ und „Abschiedswort der ‚Neuen Rheinischen Zeitung‘“. Er war auch für kurze Zeit Mitglied des Bundes der Kommunisten, wurde deswegen sogar vor Gericht gestellt, bei dem Prozeß aber schließlich freigesprochen.</p>



<p>Freiligrath wurde 1810 in Detmold in eine Lehrerfamilie geboren; sein Werdegang war Zeit seines Lebens auf merkwürdige Weise eng mit dem Schicksal des deutschen Volkes verbunden. Da die Familie nur über geringe finanzielle Mittel verfügte, konnte er nicht studieren, sondern mußte eine kaufmännische Lehre absolvieren. Ab 1832 arbeitete er in Amsterdam für ein großes Bank- und Handelshaus. Während seiner fünfjährigen Lehrzeit lernte er Englisch, Französisch und Italienisch. Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse bildeten später die Grundlage für seine umfangreiche Übersetzungstätigkeit.</p>



<p>Grob können drei Phasen seines Schaffens unterschieden werden: der Exotismus der 1830er-Jahre, (<em>Gedichte </em>1838); die Revolutionsbegeisterung in den 1840er-Jahren (<em>Ein Glaubensbekenntnis</em>, 1844) und am Ende seines Lebens der patriotischee Abschnitt (<em>Neue Gedichte</em>, 1871), als er begeistert den Sieg der deutschen Waffen bei Sedan begrüßte und hoffte, daß nun ein Zeitalter des Friedens und der Freiheit anbrechen würde.</p>



<p>Man hat ihm mancherlei Beinamen wie z.B. „Trompeter der Revolution“ gegeben. In seiner ersten Phase wurde er oftmals auch als „liberaler Kosmopolit“ charakterisiert, danach wurde er „spätromantischer Nationalliberaler“, in seiner revolutionären Phase schließlich „konstitutioneller Liberaler“ genannt. Seit Mai 1842 war er Mitglied in der „gerechten und vollkommenen“ Loge „Zum wiedererbauten Tempel der brüderlichen Eintracht“ in Worms, der Kontakt dürfte aber nicht allzu eng gewesen sein. Als er sich in den frühen 1840er-Jahren für die Demokratie begeisterte, verzichtete er als Mann von Charakter auf die jährliche königliche Apanage von 300 Talern. Um einer Strafverfolgung wegen seiner republikanischen Ansichten zu entgehen, mußte er mehrmals ins Exil gehen, nach Brüssel, in die Schweiz und nach London. Als er dort seinen Posten verlor und&nbsp; mittellos dastand, wurde in Deutschland eine Sammlung für ihn veranstaltet, die den sensationellen Betrag von 60.000 Gulden einbrachte – ein Vermögen für diese Zeit –, was beweist, wie angesehen Freiligrath war. Er starb 1876 in Cannstatt, heute ein Stadtteil von Stuttgart – sehr beliebt, hoch geehrt und viel gelesen.</p>
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		<title>Namen sind nicht neutral.</title>
		<link>https://dereckart.at/namen-sind-nicht-neutral/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 16:02:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Cristian Kollmann Ein Tirol, mehrere Landesteile und ihre Bezeichnungen Der Südtiroler Landtag hat am 7. Mai 2025 dem von der italienischen Regierung vorgelegten Entwurf einer Reform des Autonomiestatutes zugestimmt. Die sehr wenigen Gegenstimmen kamen von den Fraktionen Süd-Tiroler Freiheit, Vita und Freie Fraktion. Kernpunkt des Reformentwurfes ist unter anderem die künftige deutsche Bezeichnung der [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Cristian Kollmann</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Tirol, mehrere Landesteile und ihre Bezeichnungen</h2>



<p></p>



<p>Der Südtiroler Landtag hat am 7. Mai 2025 dem von der italienischen Regierung vorgelegten Entwurf einer Reform des Autonomiestatutes zugestimmt. Die sehr wenigen Gegenstimmen kamen von den Fraktionen Süd-Tiroler Freiheit, Vita und Freie Fraktion. Kernpunkt des Reformentwurfes ist unter anderem die künftige deutsche Bezeichnung der Region, die von <em>Autonome Region Trentino-Südtirol</em> in <em>Autonome Region Trentino-Südtirol/Alto Adige</em> abgeändert werden soll. Italiens Absicht liegt auf der Hand: Man will im Deutschen eine Analogie zur italienischen Bezeichnung schaffen. Diese wurde mit der Verfassungsreform von 2001 von <em>Regione autonoma Trentino-Alto Adige </em>in <em>Regione autonoma Trentino-Alto Adige/Südtirol </em>abgeändert. Was auf den ersten Blick wie eine bloße Angleichung erscheint, bedeutet in Wirklichkeit einen Angriff auf den Minderheitenschutz.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Südtirol – Tirolo meridionale – Sudtirolo</h3>



<p></p>



<p>Vor seiner Zerreißung nach dem Ersten Weltkrieg war Tirol durchaus bereits in Nord- und Süd- oder Welschtirol unterteilt, doch handelte es sich dabei vor allem um geographische, kaum um administrative Begriffe. <em>Südtirol</em> bezeichnete meist das Gebiet südlich des Alpenhauptkammes, teilweise einschließlich des heutigen Osttirols. Auch im Italienischen existierten Äquivalente wie <em>Tirolo Settentrionale</em>, <em>Tirolo Meridionale </em>(erstmals 1722), später <em>Tirolo del Nord</em> (1892) oder <em>Sudtirolo </em>(erstmals 1874). Die Chronologie zeigt: Die Formen mit <em>settentrionale</em> und <em>meridionale</em> sind älter, jene mit <em>Nord</em> und <em>Sud</em> jünger.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erst Napoleon, dann Tolomei: Alto Adige kommt ins Spiel.</h3>



<p></p>



<p>1810 wurde unter Napoleon ein südlicher Teil Tirols – auf der Höhe nördlich von Gargazon und südlich von Kollmann – als <em>Dipartimento dell’Alto Adige</em> dem Königreich Italien zugeschlagen; der nördliche Teil kam zu Bayern. 1814 wurde Tirol wiederhergestellt und kehrte zurück zu Österreich. Damit verschwand auch Napoleons <em>Alto Adige</em> wieder. Rund 90 Jahre später griff Ettore Tolomei den napoleonischen Begriff wieder auf und übertrug ihn auf das im Einzugsgebiet der Etsch befindliche deutsche und ladinische Tirol, das es, neben dem italienischen Tirol, aufgrund der irredentistischen Idee der „natürlichen Grenze“ am Alpenhauptkamm von Italien zu annektieren galt. So kam es dann auch nach dem Ersten Weltkrieg. Nun mußten nur noch auch in Sachen Toponomastik Fakten geschaffen werden. Unter dem Faschismus wurden 1923 die Bezeichnungen <em>Südtirol</em> und <em>Tirol</em> verboten; zulässig war im Italienischen nur noch <em>Alto Adige</em> und im Deutschen <em>Oberetsch</em>. Der Begriff <em>Alto Adige</em> war damit endgültig imperialistisch intendiert.</p>



<p>Mit dem Zweiten Autonomiestatut von 1972 kehrte <em>Südtirol</em> als deutsche Bezeichnung zurück, jedoch nicht <em>Sudtirolo</em> als italienisches Äquivalent. Dies passierte auch nicht 2001, denn statt <em>Alto Adige</em> im Namen der Region mit <em>Sudtirolo</em> zu ersetzen, wurde an den italienischen Namen <em>Trentino-Alto Adige</em> lediglich der deutsche Name <em>Südtirol</em> angehängt. Aus der Sicht Italiens wird folglich heute argumentiert, daß aus der italienischen Dreigliedrigkeit zwingend auch eine deutsche folgen müsse. Damit würde der ideologisch aufgeladene und de facto bis heute manipulative Begriff <em>Alto Adige</em> dauerhaft in die deutsche Amtssprache übernommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gefahr für den Minderheitenschutz: Mit dem geistigen Erbe Ettore Tolomeis hat Südtirol immer weniger ein Problem.</h3>



<p></p>



<p>Namen sind nicht neutral. Sie prägen Identität und politische Wahrnehmung. Wird <em>Alto Adige</em> künftig auch im Deutschen verpflichtend, stellt sich die Frage nach den langfristigen Folgen für das Selbstverständnis der österreichischen Minderheit. Im Gegensatz zu früher scheint das heutige offizielle Südtirol kein Problem damit zu haben, sich von Italien vorschreiben zu lassen, wie dieser Landesteil in der Sprache der autochthonen Bevölkerung zu heißen habe. Wer sich in einer so zentralen Frage dreinreden läßt, wird dies auch in anderen Bereichen des Minderheitenschutzes tun. </p>



<p><em>Eine ausführliche Analyse zum selben Thema veröffentlichte der Autor unter dem Titel </em>Südtirol – Alto Adige – Sudtirolo. Historische, linguistische und namenspolitische Überlegungen anlässlich der Wiederbelebung des Namenstreits durch die Autonomiereform<em>. In: Europa Ethnica 1/2 2025, S. 35-44.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="934" height="768" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/1.-SCHERER_1860_Karte_von_Tirol-Gross-Mittel.png" alt="" class="wp-image-12027" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/1.-SCHERER_1860_Karte_von_Tirol-Gross-Mittel.png 934w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/1.-SCHERER_1860_Karte_von_Tirol-Gross-Mittel-300x247.png 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/1.-SCHERER_1860_Karte_von_Tirol-Gross-Mittel-768x632.png 768w" sizes="(max-width: 934px) 100vw, 934px" /></figure>



<p>Abbildung 1: Karte von Tirol in Augustin Scherers Lesebuch <em>Geographie und Geschichte von Tirol</em>, Innsbruck 1860. Das Land wird in Nordtirol, Südtirol (mit dem Gebiet um Lienz) und Wälschtirol unterteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="441" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-1024x441.jpg" alt="" class="wp-image-12028" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-1024x441.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-300x129.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-768x331.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-1536x662.jpg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-2048x883.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Abbildung 2: Amtlicher Briefkopf einer k.k. Notariatsurkunde aus Cles (Glös), 1865. Er führt die Bezeichnung <em>Tirolo Meridionale</em> und dokumentiert damit, daß diese Bezeichnung für den italienischen Teil Tirols auch amtlich in Gebrauch war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="616" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/3.-Alto_Adige_in_napoleonischer_Zeit.jpg" alt="" class="wp-image-12029" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/3.-Alto_Adige_in_napoleonischer_Zeit.jpg 750w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/3.-Alto_Adige_in_napoleonischer_Zeit-300x246.jpg 300w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /></figure>



<p>Abbildung 3 (Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Sajoch, Lizenz: CC BY-SA 3.0): Der Begriff <em>Alto Adige</em> wurde unter Napoleon geprägt und bezeichnete u.a. zwischen 1810 und 1814 jenen Tiroler Landesteil, der dem Königreich Italien zugeschlagen wurde und größtenteils das damalige Welschtirol umfaßte. Das von Ettore Tolomei rund 90 Jahre später wieder aufgegriffene <em>Alto Adige</em> sollte hingegen ein grundsätzlich anderes Gebiet bezeichnen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="526" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-1024x526.jpg" alt="" class="wp-image-12030" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-1024x526.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-300x154.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-768x395.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-1536x789.jpg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-2048x1053.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Abbildung 4: Karte von 1908 mit Ettore Tolomeis Konzeption eines „Alto Adige“. Die territoriale Zielvorstellung verwirklichte sich 1919 weitgehend. Das Münstertal blieb trotz seiner Zugehörigkeit zum Etsch-Einzugsgebiet außerhalb Italiens, während mit Sexten und Innichen auch Gebiete des Drau-Einzugsgebietes an Italien gelangten. Auffällig ist zudem, daß Tirol nicht einmal nördlich des Brenners als solches, sondern als „Innsbruck“ bezeichnet wird und östlich des Toblacher Feldes die Bezeichnung „Carinzia“ erscheint.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="810" height="381" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/5.-Dekret_1923_08_08_Verbot_Tirol_markiert.jpg" alt="" class="wp-image-12031" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/5.-Dekret_1923_08_08_Verbot_Tirol_markiert.jpg 810w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/5.-Dekret_1923_08_08_Verbot_Tirol_markiert-300x141.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/5.-Dekret_1923_08_08_Verbot_Tirol_markiert-768x361.jpg 768w" sizes="(max-width: 810px) 100vw, 810px" /></figure>



<p>Abbildung 5: Ausschnitt aus dem Dekret des Präfekten der Provinz Trient vom 8. August 1923. Verboten wurden die Bezeichnungen <em>Süd-Tirol, Deutsch-Südtirol, Tirol, Tiroler</em> sowie sämtliche Ableitungen; als zulässig galten ausschließlich <em>Alto Adige</em> und, vorläufig geduldet, <em>Oberetsch</em> sowie die Ableitung <em>Etschländer</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-12032" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-1024x768.jpeg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-300x225.jpeg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-768x576.jpeg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-1536x1152.jpeg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle.jpeg 1929w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Abbildung 6: Plakataktion des Südtiroler Heimatbundes im Jahr 2023 anläßlich des 100. Jahrestages der Einführung des Begriffes <em>Alto Adige</em>. Die darin mitschwingende faschistische Symbolik wird graphisch hervorgehoben, indem der Buchstabe „t“ durch ein Liktorenbündel dargestellt wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="749" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross-1024x749.jpg" alt="" class="wp-image-12033" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross-1024x749.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross-300x220.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross-768x562.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross.jpg 1476w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Abbildung 7: Willkommenstafel (Fotomontage), auf der in der italienischen Sprachfassung anstelle des Begriffes <em>Alto Adige</em> der bereits gegen Ende des 19. Jh. belegte italienische Name <em>Sudtirolo</em> verwendet wird.</p>
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		<item>
		<title>Buch des Monats</title>
		<link>https://dereckart.at/buch-des-monats-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 12:37:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Chronik Südtirol, herausgegeben vom renommierten Journalisten Reinhard Olt, hat das Potential, ein Standardwerk zu werden. Der ehemalige FAZ-Korrespondent hat hier auf die bereits 1996 erstmals erschienene, gleichnamige Chronik Südtirol zurückgegriffen, die damals vom ehemaligen NR-Abg. Otto Scrinzi herausgegeben worden war und in kaum einem Bücherschrank eines Südtirolfreundes fehlen dürfte. Darin enthalten war eine chronologische [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die <em>Chronik Südtirol</em>, herausgegeben vom renommierten Journalisten Reinhard Olt, hat das Potential, ein Standardwerk zu werden. Der ehemalige FAZ-Korrespondent hat hier auf die bereits 1996 erstmals erschienene, gleichnamige <em>Chronik Südtirol</em> zurückgegriffen, die damals vom ehemaligen NR-Abg. Otto Scrinzi herausgegeben worden war und in kaum einem Bücherschrank eines Südtirolfreundes fehlen dürfte. Darin enthalten war eine chronologische Dokumentation der „heißen Jahre“ 1959-1969, die im Freiheitskampf ab 1961 gipfelten. Diese Dokumentation wurde von zwei herausragenden Vertretern der Freiheitskämpfer, Peter Kienesberger und Univ.-Prof. Dr. med. Erhard Hartung von Hartungen, verfaßt und findet sich, im Wesentlichen unverändert, auch in der neuen <em>Chronik</em>. Es ist ein bewegendes Zeitdokument, das den Leser auch nach Jahrzehnten noch in seinen Bann schlägt und das langsame, unaufhaltsame Aufschaukeln der Ereignisse bis zur „Feuernacht“ von 1961 und den nachfolgenden Aktionen der Freiheitskämpfer zeigt, die, auch dies zeigt diese Dokumentation, angesichts eines unterdrückenden Staates wahrlich „alternativlos“ waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Stilistisch brillant führt Olt von den Anfängen des Südtirolproblems bis zur Gegenwart.</h3>



<p></p>



<p>Reinhard Olt bettet diese teilweise Tag für Tag schildernde Chronologie in einen Rahmen ein, der die ganze profunde Sachkenntnis des Herausgebers zeigt. Stilistisch brillant führt Olt den Leser von den Anfängen des Südtirolproblems bis zur Gegenwart, räumt dabei fundiert und quellengesättigt einige Mythen ab, die den Südtiroler Freiheitskampf beschmutzen sollten und weist am Ende auf Gefahren hin, die sich für die Deutschen in Südtirol aus der heutigen Situation ergeben könnten. Eine Fülle von teilweise unveröffentlichten Quellen, Sitzungsprotokollen, Zeitungsartikeln, Berichten aus Geheimdienstquellen, Zeitzeugenaussagen und persönlichen Erinnerungen zeigt die komplexe Gemengelage auf, in der sich die Südtiroler zu behaupten hatten. Ost-West-Konflikt, „Strategie der Spannung“, Geheimdienste: Stellenweise wird das gewichtige Werk zum Krimi, bleibt dabei aber stets, wie der Herausgeber in seinem Vorwort betont, „dem Ringen um Wahrheitsliebe (…), der Wahrheit verpflichtet“.</p>



<p>Reinhard Olt geht zudem über die rein Südtiroler Perspektive hinaus und beleuchtet profund die Situation im Vaterland Österreich und die Brüche, die es dort in der österreichischen Südtirolpolitik gegeben hat. Einzelne Episoden aus der Vergangenheit, wie etwa die Verhaftung der Südtiroler Demonstranten anläßlich der KSZE-Folgekonferenz 1987 in der Wiener Hofburg, die der Verfasser dieser Zeilen, damals noch nahezu im Kindesalter, als großen Aufreger bei der Elterngeneration wahrnahm, werden spannend und anschaulich geschildert. Die oben angesprochene „Entmythologisierung“ gewisser Anschläge, wie etwa jenen auf der Porzescharte, der in der von italienischer Seite behaupteten Art und Weise gar nicht stattfinden konnte, wird unter Rückgriff auf technische Gutachten und Dokumente wissenschaftlich einwandfrei vollzogen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Autonomie-„Gründungsmythos“ Freiheitskampf als Herzstück</h3>



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<p>Es sei abschließend noch ein Wort zum grundsätzlichen Ansatz des Herausgebers gesagt: Die Tatsache, daß nach profunder Schilderung der Vorgeschichte des Südtirolkonfliktes ab 1919 bis 1959 die von den Freiheitskämpfern Kienesberger und Hartung verfaßte chronologische Dokumentation sozusagen das „Herzstück“ des Werkes bildet, ist mit Sicherheit kein Zufall. Es ist Programm. Und zwar ein Programm, das wiederum „der Wahrheit verpflichtet“ ist: An der Wiege zum „Zweiten Autonomiestatut“, das die Grundlage der heutigen Südtirolautonomie bildet, stand nun einmal der Freiheitskampf. Ohne die Aktionen der Freiheitskämpfer hätte Italien niemals eingelenkt. Dieser Freiheitskampf kann somit als ein Gründungsmythos für die Südtirolautonomie aufgefaßt werden. Das Bemerkenswerte daran: Wo sonst haben Deutsche nach 1945 auch mit der Waffe in der Hand sich ihre Rechte gegen einen übermächtigen Unterdrückerstaat erstritten? Daß dieser Südtiroler Freiheitskampf bis heute seine Strahlkraft nicht verloren hat, bezeugen die jährlich stattfindenden Sepp-Kerschbaumer-Feiern in St. Pauls, wo Tausende, meist Jugendliche, der Freiheitskämpfer gedenken.</p>



<p>Insgesamt ein reich bebildertes, quellengesättigtes Kompendium der Entwicklung Südtirols seit der erzwungenen Annexion durch den italienischen Fremdstaat nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Eine Empfehlung für alle Freunde Südtirols und solche, die es noch werden wollen! </p>



<p><em>Florian von Ach</em></p>



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<p><strong>Reinhard Olt </strong>(Hrsg.)</p>



<p><strong><em>Chronik Südtirol</em></strong></p>



<p><em>Wegmarken, Weichenstellungen und Wendepunkte im Ringen um die Selbstbehauptung des Tiroler Landesteils an Eisack und Etsch</em></p>



<p>Stocker 2025, geb., 928 S., € 30</p>



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		<title>Das Alphorn – Signal der Hirten</title>
		<link>https://dereckart.at/das-alphorn-signal-der-hirten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 15:37:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brauchtum]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Reinhild Bauer Brauchtum (52) Das Alphorn gilt als Nationalsymbol der Schweiz und ist doch eigentlich in allen Alpenländern weit verbreitet. So kann man auch in Südtirol Alphornkonzerte&#160; hören, alle fünf Jahre das internationale Alphornbläserfest auf der Seiser Alm im Schlerngebiet besuchen oder bei verschiedenen öffentlichen Feiern, kulturellen Veranstaltungen oder Jubiläen den Alphornklängen lauschen. Hierbei [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Reinhild Bauer</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Brauchtum (52)</strong></h2>



<p><br>Das Alphorn gilt als Nationalsymbol der Schweiz und ist doch eigentlich in allen Alpenländern weit verbreitet. So kann man auch in Südtirol Alphornkonzerte&nbsp; hören, alle fünf Jahre das internationale Alphornbläserfest auf der Seiser Alm im Schlerngebiet besuchen oder bei verschiedenen öffentlichen Feiern, kulturellen Veranstaltungen oder Jubiläen den Alphornklängen lauschen. Hierbei wird dieses Instrument oft zur Steigerung der Feierlichkeit für die musikalische Umrahmung eingesetzt.</p>



<p>Das Alphorn wird zumeist aus Fichtenholz gebaut, ist ein zwei bis vier Meter langes, konisch zulaufendes Rohr, das in eine Biegung wie ein Kuhhorn übergeht und mit einem Schallbecher endet. Auf Grund der Blastechnik gilt es als Blechblasinstrument. Da es weder Löcher noch eine Möglichkeit zur Veränderung der Rohrlänge hat, ist es auf die Naturtonreihe beschränkt und gilt daher als Naturhorn.</p>



<p>Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer kirchlichen Aufzeichnung aus dem Oberaargau aus dem Jahre 1527. Weitere Schriftstücke aus dem 16. Jh. belegen, daß der Kühreihen – eine bestimmte Melodie, nur spielbar mit dem Alphorn – stundenlang von den Kuhhirten geblasen wurde. Bildlich dargestellt wurde das Alphorn, wie wir es heute kennen, zuerst auf einem Allgäuer Altarbild einer Bergkapelle um 1568. Erfunden wurde dieses mehrere Meter lange Blasinstrument als Verständigungsmöglichkeit zwischen den Kuhhirten auf den Almen. Zunächst nannte man auch noch das kürzere Hirtenhorn, das als Signal- und Rufhorn verwendet wurde, Alphorn. Im 17. Jh. verwendeten die verarmten Hirten das Instrument für Straßenmusik in den Städten und brachten es damit als Bettelhorn in Verruf, was dazu führte, daß es im 18. Jh. fast in Vergessenheit geriet. Erst mit dem aufkommenden Fremdenverkehr wurde es wiederbelebt. Im frühen 19. Jh. fanden sodann die ersten Hirtenfeste in der Schweiz statt. Seitdem ist das Alphorn wieder fester Bestandteil des gelebten Brauchtums und wird in Vereinen, Musikgruppen, Musikschulen und sogar am Konservatorium gelehrt. Schlussendlich fand das Alphorn sogar Berücksichtigung in einigen klassischen Kompositionen. Daher kann man es heute fern seines ursprünglichen Habitates auch in Konzertsälen hören und sogar in der Jazzmusik und in Ensembles mit elektronischer Musik finden.</p>



<p>Der interessierte Leser kann sich im Netz unter den Namen Kuhreihen oder „Ranz des Vaches“ die ältesten überlieferten Alphornmelodien anhören – und natürlich auch die neueren Kompositionen.<br><br><strong><em>Über die Autorin:</em></strong></p>



<p>Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.</p>



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		<title>Die Südtiroler Rückoption</title>
		<link>https://dereckart.at/die-suedtiroler-rueckoption/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 17:16:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Robert Rediger Der lange Schatten der Option Die Südtiroler Option, unmittelbare Folge der Berliner Vereinbarung vom Juni 1939 sowie des Hitler-Mussolini-Abkommens vom Oktober desselben Jahres, führte zu einem beispiellosen Aderlaß für Südtirol. Obgleich sich rund 86 % der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung für die Auswanderung entschieden hatten, verließen letztlich nur rund 75.000 Personen das [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Robert Rediger</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der lange Schatten der Option</h2>



<p></p>



<p>Die Südtiroler Option, unmittelbare Folge der Berliner Vereinbarung vom Juni 1939 sowie des Hitler-Mussolini-Abkommens vom Oktober desselben Jahres, führte zu einem beispiellosen Aderlaß für Südtirol. Obgleich sich rund 86 % der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung für die Auswanderung entschieden hatten, verließen letztlich nur rund 75.000 Personen das Land sowie einige weiter südlich liegende Sprachinseln. Die unter großem Druck erzwungene Entscheidungsfindung hinterließ tiefe Spaltungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen – von der Familie bis zur Volksgemeinschaft –, deren Reminiszenzen als Teil des kollektiven Gedächtnisses der Südtiroler fortlebten. Doch die Optionsgeschichte endet keinesfalls mit dem Massenexodus, sondern erst mit der nachfolgenden Phase von Entscheidungsfindung und Rückkehr, in der Forschung als „Rückoption“ bezeichnet. Diese läßt sich grundsätzlich in zwei Abschnitte unterteilen: eine rund dreijährige Periode der Illegalität sowie die daran anschließende legale Rücksiedelung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bei Nacht und über die grüne Grenze „illegal“ zurück in die Heimat</h3>



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<p>Als „illegal“ galten jene Rücksiedler, die zwischen Kriegsende und 1948 nach Südtirol zurückgekehrt waren – mangels einer rechtsverbindlich-politischen Lösung der Optantenfrage. Die Rückkehrer passierten überwiegend in Brennernähe, meist bei Nacht und durch unwegsames Gelände, die „grüne Grenze“. Diese entbehrungsreiche Überquerung forderte vereinzelt auch Todesopfer; zeitweilig etablierte sich zudem ein organisierter Menschenschmuggel. Vor allem jüngere Einzelpersonen nahmen die damit verbundenen Risiken in Kauf und fanden nach erfolgreicher Rückkehr oft bei Verwandten oder Bekannten Quartier. Das Heimkommen der illegalen Rücksiedler vollzog sich weitgehend abseits der Öffentlichkeit, zurückzuführen auf ihre dezentrale Streuung über das gesamte Land. Da die volkswirtschaftliche Ausgangslage in Südtirol nach Kriegsende verhältnismäßig gut war, blieben die illegalen Rücksiedler weitgehend von offenem Konkurrenzkampf um Wohnraum und Arbeit verschont. Ihre genaue Anzahl läßt sich heute nicht mehr rekonstruieren, mehrere Historiker nennen jedoch eine Zahl in der Größenordnung von rund 10.000 Personen.</p>



<p>Erst Anfang 1947 wurden bilaterale, großteils schwierige Verhandlungen zwischen Österreich und Italien zur Klärung der Situation aufgenommen. Das daraus resultierende Optantendekret vom Februar 1948 eröffnete ausgesiedelten Optanten die Möglichkeit, binnen eines Jahres ihre Optionsentscheidung zu revidieren und damit die italienische Staatsbürgerschaft – und mit ihr wesentliche Bürgerrechte – wiederzuerlangen. Die Entscheidungsfindung unterlag dabei einer Reihe externer Einflüsse: Österreich kombinierte Zwangsmaßnahmen mit Anreizen, die Südtiroler Volkspartei und der frisch gegründete Gesamtverband der Südtiroler warben aktiv für die Rückoption, während Italien aus sozioökonomischen wie ethnopolitischen Gründen die Zahl der Rücksiedler möglichst niedrig halten wollte und gezielt Rechts- und Planungsunsicherheit erzeugte. Die legale Rücksiedelung begann offiziell mit dem großangelegten Empfang des ersten Rücksiedelungstransportes im Juni 1949 am Bozener Bahnhof. Insgesamt kehrten zwischen 1949 und 1958 rund 9.600 Optanten legal nach Südtirol zurück, die überwiegende Mehrheit davon bis 1952. Danach nahm der Rücksiedelungsdruck rasch ab – nicht zuletzt deshalb, weil viele Optanten nach bis zu zehn Jahren in der neuen Heimat bereits sozial verwurzelt waren, die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten hatten und eine Rückkehr schlicht nicht mehr anstrebten.</p>



<p>Die gesellschaftliche Wiedereingliederung vieler Rücksiedler wurde durch strukturelle Faktoren erheblich erschwert. Industrie und öffentliche Verwaltung wurden nahezu vollständig von Italienern dominiert. Vertrauliche Regierungsdokumente belegen, daß diese Situation keineswegs dem Zufall geschuldet war, sondern auch in der Nachkriegszeit Teil einer bewußten „51-Prozent-Politik“ zur Herbeiführung einer italienischen Bevölkerungsmehrheit war. Staatliche Arbeitsbeschaffungs- und Wohnbauprogramme waren überdies ausschließlich für zugewanderte Italiener vorgesehen; die für Rücksiedler dringend benötigten Wohnungen wurden erst ab 1952 gebaut, als der Rücksiedelungsstrom bereits wieder abebbte. Diese anhaltende Repression gegenüber der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung sollte letztlich mit zu den Bombenanschlägen führen, die im Laufe der 1960er-Jahre ihren Höhepunkt fanden.</p>
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