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	<title>Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Der Eckart</title>
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		<title>Leuchtfeuer wider die Beipackzettelkunst</title>
		<link>https://dereckart.at/leuchtfeuer-wider-die-beipackzettelkunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 20:08:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[von Anna Rieger Der deutsche Autor Wolfgang Asholt schrieb über den Dadaismus, er habe „das höchstmögliche Maß des Verlassens der Institution Kunst mit teilweise künstlerischen Mitteln realisiert“. Asholt faßt in einem Satz über eine mittlerweile über hundert Jahre alte Avantgarde-Strömung das Grundproblem des heutigen Kunstbetriebes zusammen. Denn was als Revolution gegen die Institution Kunst begann, [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Anna Rieger</em></p>



<p></p>



<p>Der deutsche Autor Wolfgang Asholt schrieb über den Dadaismus, er habe „das höchstmögliche Maß des Verlassens der Institution Kunst mit teilweise künstlerischen Mitteln realisiert“. Asholt faßt in einem Satz über eine mittlerweile über hundert Jahre alte Avantgarde-Strömung das Grundproblem des heutigen Kunstbetriebes zusammen. Denn was als Revolution gegen die Institution Kunst begann, ist selbst zu ihrer tragenden Logik geworden. Das Ansinnen der Avantgarde, Kunst und Leben wieder zusammenzuführen und den abgeschotteten bürgerlichen Kunstbegriff zu zerschlagen, wurde vom Kunstbetrieb absorbiert und in symbolisches Kapital verwandelt: Wer permanent mit den eigenen Voraussetzungen der Kunst breche, mache gute Kunst. Das bedeutet auch: Wer sich, um mit Asholt zu sprechen, nur noch teilweise künstlerischer Mittel bediene, wessen Werke also eines erklärenden Beipackzettels bedürften, wessen Werke eine politische Aussage träfen, eine Performance seien oder sich nicht verdächtig machten, dem öden Credo anzugehören, wonach Kunst von Können komme, der mache gute Kunst. Es ist dies das paradoxe Selbstverständnis neuer Kunst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die neue Kunst verweigert künstlerische Maßstäbe bei gleichzeitiger Überbetonung ihrer Autonomie.</h3>



<p></p>



<p>Die Kunst seit der Avantgarde ist demzufolge ein seltsames Mischwesen. Anders als die bürgerliche Institution Kunst des 19. Jh., die ganz nach ihren eigenen Regeln lebte, und anders als die präautonome Kunst, die sich nicht so sehr als eigene Institution begriff, sondern viel eher als Handwerk vollständig in Bezugsrahmen wie Religion, Adel oder Mythos eingebettet war und deren Botschaften zum Ausdruck bringen wollte, verweigert die neue Kunst jegliche künstlerischen Maßstäbe bei gleichzeitiger Überbetonung ihrer eigenen Autonomie: Sie ist ihre eigene Institution, ohne eigene Regeln. Künstler, die sich außerhalb des neuen Kunstbegriffes bewegen, arbeiten beinahe im luftleeren Raum. Verbindliche Bezugsrahmen, die der Kunst über Jahrtausende Ikonographie, Auftraggeber und Umfeld gaben, entfallen. Zugleich haben auch kunstimmanente Maßstäbe, etwa der gekonnte Umgang mit Material oder anspruchsvolle Bildkompositionen, an Bedeutung verloren.</p>



<p>Dennoch gibt es zeitgenössische Künstler, deren Werke sich entweder an diesen Maßstäben messen lassen oder zumindest durch ihre Motive den Eindruck vermitteln, etwas künstlerisch zum Ausdruck zu bringen, das über sie selbst hinausweist. Sie wollen nicht zuallererst nur „Kunst“ sein, sondern den Betrachter erschüttern oder verzücken, etwas bejubeln oder verdammen. Diese Bilder sind versinnbildlichte Gedanken, haben Symbolcharakter, in ihnen fallen Idee und Werk zusammen – nachfolgend eine persönliche und nicht repräsentative Auswahl.</p>



<p>Immer wieder sind es Maler aus dem Osten, die sich hervortun. Olga Suvorova entwirft opulente Gemälde, die an Barockgärten erinnern, aber dennoch keinen Anklang fader Historisierung zeigen. Ähnlich auch die Gemälde von Andrey Remnev. Ganz anders, aber ebenso faszinierend sind die Bilder Igor Kravtsovs oder Alexander Jurjewitsch Novoselovs. Beide malen düster, ernst und sehr russisch. Weite Landschaften, Personen, die nicht gefällig in den Raum lächeln, und klare, prägnante Formen dominieren. Daß sie dabei in der Tradition des sozialistischen Realismus stehen, ist nicht zu übersehen. Aber auch das zeichnet ehrgeizige Malerei aus: in einer Tradition stehen zu wollen, ohne ewig Gleiches zu wiederholen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der diesjährige deutsche Pavillon auf der Biennale stand unter dem Titel „Ruin“. Eine wohl unfreiwillig selbstironische Namenswahl.</h3>



<p></p>



<p>In der deutschen Malerei schaffen bekannte Namen wie Neo Rauch und Xenia Hausner immerhin Bilder mit eigenem Stil. Neben einem – allerdings bereits verstorbenen – Meister wie Werner Tübke wirken ihre Werke dennoch weniger stark im künstlerischen Charakter. Geschmacksfrage? Natürlich. Womöglich ist dies aber auch eine Frage der Förderungspolitik an deutschen Kunsthochschulen, deren Ausrichtung weit aggressiver ist als anderswo. Auch abseits der Malerei birgt die zeitgenössische heimische bildende Kunst Schönes. So schnitzt der Südtiroler Bruno Walpoth Holzstatuen, deren Ausdruck ernst, nachdenklich und anziehend ist. Mit Farbe überzogen gewinnt das Holz an Tiefe und betont die feinen, schlanken Körper seiner Figuren.</p>



<p>Die genannten Beispiele sind kleine, interessante Leuchtfeuer. Programmatisch sind sie aber nicht. Geld und Aufmerksamkeit liegen anderswo. In Venedig etwa. Der diesjährige deutsche Pavillon auf der Biennale stand unter dem Titel „Ruin“. Eine wohl unfreiwillig selbstironische Namenswahl. </p>
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		<title>Buch des Monats</title>
		<link>https://dereckart.at/buch-des-monats-4/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 15:47:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Martin HobekDer Humor stirbt zu allerletztEckartschrift Selten wird am Beginn eines Buches der Autor hingerichtet – was sich als durchaus diskussionswürdig für den heutigen Literaturbetrieb erweist. Die Exekutionsszenerie ist der Botschaft Hobeks geschuldet, daß „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ nicht zutreffe und der Humor – wenn überhaupt –, dann auf jeden Fall nach der Hoffnung sterbe. [&#8230;]]]></description>
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<p><strong>Martin Hobek</strong><br><strong><em>Der Humor stirbt zu allerletzt</em></strong><br>Eckartschrift</p>



<p>Selten wird am Beginn eines Buches der Autor hingerichtet – was sich als durchaus diskussionswürdig für den heutigen Literaturbetrieb erweist. Die Exekutionsszenerie ist der Botschaft Hobeks geschuldet, daß „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ nicht zutreffe und der Humor – wenn überhaupt –, dann auf jeden Fall nach der Hoffnung sterbe. Auch das Titelbild lehnt sich daran an. Man sieht die drei Grabsteine des Hütchenspielers Tino, und hinter jedem steht ein großer Humorist deutscher Zunge, prostet dem Betrachter zu und hält einen Hund in seiner Linken: Loriot mit Sektflöte und Mops („Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“), der mittelalterliche norddeutsche Volksschalk Till Eulenspiegel mit Bierhumpen und jenem Vierbeiner, der einem seiner Scherze zum Opfer fiel, sowie der Wiener Karl Farkas mit Weinglas und dem „Simpl“-Symbol, einem Pitbull namens Bulli. Auf den zweiten Blick hat also alles Hand und Fuß.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weder kommentarlose Witzesammlung noch trockenes wissenschaftliches Elaborat</h3>



<p></p>



<p>Das zieht sich durch die ganze Eckartschrift, die weder eine kommentarlose Witzesammlung noch ein trockenes wissenschaftliches Elaborat ist. Hobek behandelt unterschiedlichste Aspekte; er stellt die Gelotologie vor, die die Auswirkungen des Lachens auf den Menschen untersucht, geht aber auch der Frage nach, wie sehr Deutschtum und Humor zueinander passen würden. Er läßt prominente selbstkritische Stimmen zu Wort kommen, um letztlich nachzuweisen, daß es auch nördlich des Weißwurstäquators, östlich von Oder und Neiße sowie zwischen Bodensee und Genfer See Humor gibt und gab. Eine Stärke dieser Humorschrift ist das Zeitgemäße, das sie in Antiquariaten künftiger Generationen zur Fundgrube machen könnte. Da sind einerseits die Migrantenwitze, aber auch, wenn Hobek einarbeitet, was die Künstliche Intelligenz beim Googeln des Begriffes „Antek-und-Franzek-Witze“ aus Oberschlesien beisteuert: Sie leugnet deren Existenz vehement&#8230;</p>



<p>Der Verfasser geht auch der Frage nach, mit welchen Witzen man im Dritten Reich buchstäblich seinen Kopf riskiert habe und wie wahrscheinlich das gewesen sei. Die Nationalsozialisten sorgten auch für die eigentümliche Sparte des „lachenden Frontsoldaten“. Hobek zieht bei solchen Themen eine breite Palette von Fachliteratur heran, ohne sich zu sehr in ihr zu verlieren. Er scheut sich auch nicht, ungewöhnliche Wege einzuschlagen. Für einen „Schnellsiedekurs“ zu jüdischem Humor zieht er Friedrich Torberg heran, aber keines seiner Bücher, sondern dessen vernichtende Rezension zu Salcia Landmanns Buch über jüdische Witze, das als Standardwerk gilt. Generell darf der Leser in Sachen Neuigkeitswert hohe Erwartungen haben. Das liegt daran, daß sich Hobek nicht nur kaum bekannter Literatur bedient, sondern auch für Eigenkreationen sorgt. Im Kapitel über die Kraft des gereimten Humors „schüttelt“ er die bayrische Stadt Rosenheim und läßt die „Hosenreim-Cops“ einen Fall in Gedichtform lösen. Für Freunde der meistgesehenen Fernsehserie im deutschen Sprachraum ist dieser Cartoon ein Leckerbissen zwischendurch.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Ansonsten sorgt Heinrich Zille für einige Illustrationen, auch außerhalb des Kapitels zu ihm, das man sich länger gewünscht hätte. Wie der Autor richtigerweise anmerkt verlangt der visuelle Sinn nicht nur nach Geschriebenem. Das „Gezeichnete Berlin“ entführt den Betrachter voller Esprit in die Zeit des wilhelminischen Deutschlands. Historische Reminiszenzen gibt es auch für Friederike Kempner, die durch ihre lyrischen Stilblüten zur Legende wurde. Man findet sie im Kapitel über unfreiwilligen Humor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Humor ist unsterblich, Witze sind vergänglich.</h3>



<p></p>



<p>Eine besonders interessante Facette stellt die Tatsache dar, daß der Humor zwar unsterblich ist, jedoch Witze – auch gute Witze – durchaus vergänglich sein können. Bei den untergehenden Witzesparten hätte man hinsichtlich eines Deutschtumbezuges zwar eher die DDR-Witze erwartet und nicht „Radio Eriwan“, aber Hobek gibt auch abseits davon ein konkretes Beispiel für einen Witz, den in wenigen Jahrzehnten keiner mehr erzählen wird und den auch niemand mehr verstehen würde. Er ersucht daher die Leserschaft bei Kenntnis solcher vom Vergessen bedrohter Witze um Zuschriften. Und er spricht sogar jene an, die Deutschbewußten mit Antipathie gegenüberstehen, und schickt ihnen in Form einer Zeichnung einen „Gruß aus der Küche“ – die perfekte Pointe zum Schluß, die hier natürlich nicht verraten wird.</p>



<p><em>Gerulf Grüner</em></p>



<p>Hier bestellen: <a href="https://marktplatz.oelm.at/produkt/eckartschrift-265-martin-hobek-der-humor-stirbt-zu-allerletzt/">https://marktplatz.oelm.at/produkt/eckartschrift-265-martin-hobek-der-humor-stirbt-zu-allerletzt/</a></p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Deutschsprachiges Ferienlager in der Vojvodina</title>
		<link>https://dereckart.at/deutschsprachiges-ferienlager-in-der-vojvodina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 16:20:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Volkstum]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Gabriella Koppi Juhasz &#38; Valeria Loci Das Sommerferienlager 2026 wurde vom 22. bis 25. Juni 2026 in Großbetschkerek/Zrenjanin durchgeführt. Unser Plan war, daß die Teilnehmer nicht nur ihre Deutschkenntnisse weiterentwickeln, sondern auch Kultur, Sitten und Bräuche der Deutschen in der Vojvodina noch besser kennenlernen sollten. Die Teilnehmer waren im Alter von 12 bis 15 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Gabriella Koppi Juhasz &amp; Valeria Loci</em><br><br>Das Sommerferienlager 2026 wurde vom 22. bis 25. Juni 2026 in Großbetschkerek/Zrenjanin durchgeführt. Unser Plan war, daß die Teilnehmer nicht nur ihre Deutschkenntnisse weiterentwickeln, sondern auch Kultur, Sitten und Bräuche der Deutschen in der Vojvodina noch besser kennenlernen sollten. Die Teilnehmer waren im Alter von 12 bis 15 Jahren.</p>



<p>Der erste Tag begann mit kleinen Spielen zum Kennenlernen. Danach folgten Aufgaben, die sich mit der Landeskunde befaßten. Dieses Jahr waren die österreichischen Bundesländer das Thema. Am Dienstag sind wir nach Subotica/Maria Theresiopel gereist, wo wir den Deutschverein <em>Theresiopolis</em> besucht haben. Es war eine sehr schöne Gelegenheit, sich mit einigen Mitgliedern zu treffen und etwas über ihr Leben und ihre Kindheit zu erfahren. Die Kinder konnten auch Fragen stellen, es wurde für sie zudem ein kleines Quiz im Zentrum organisiert. Anschließend gab es Eis und einen Nachmittag im Freibad. Am nächsten Tag folgten nach „Eisbrecherspielen“ Theaterstücke: Die Teilnehmer sollten ein Märchen vorspielen, mußten davor aber alle Requisiten selbst vorbereiten. Am Nachmittag haben alle Gruppen dann ihr Märchen vor den anderen aufgeführt. Der Donnerstag war der letzte Tag des Lagers. An diesem Tag sind wir ins Zentrum von Großbetschkerek gefahren und waren Gäste des hiesigen Deutschvereines. Dieser Verein zeigt zurzeit zwei Ausstellungen, und zu beiden konnten wir auch einen Vortrag hören. Es ging um die Deutschen im Banat. Nach dem Mittagessen waren noch verschiedene Aktivitäten geplant, wie zum Beispiel grammatikalische Spiele.</p>



<p>Das diesjährige Ferienlager endete mit einer Evaluation. Nach dem Lesen der Evaluationsbögen waren wir sehr zufrieden, weil es fast 100 % positive Rückmeldungen gab. Wir hatten auch viele Teilnehmer, die jedes Jahr wiederkommen; wir hoffen, daß auch diejenigen, die das erste Mal dabei waren, in den kommenden Jahren wieder teilnehmen. Einen riesengroßen Dank an die ÖLM, weil wir dieses Lager ohne ihre Unterstützung nicht hätten verwirklichen können! </p>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Berchtesgaden</title>
		<link>https://dereckart.at/berchtesgaden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2026 06:59:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Streifzüge]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Ronald Friedrich&#160;Schwarzer , Impresario, Waldgänger und Partisan der Schönheit Land zwischen Bayern und Österreich Wenn am Pfingstsonntagmorgen um vier Uhr früh die Böllerschüsse der Berchtesgadener Weihnachtsschützen die Bürgersleut’ höchst unsanft wecken, weiß kaum einer, warum. In den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts war das noch anders. Man erhob sich, ging ums Haus und betete dann [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Ronald Friedrich&nbsp;Schwarzer , Impresario, Waldgänger und Partisan der Schönheit</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Land zwischen Bayern und Österreich</h2>



<p>Wenn am Pfingstsonntagmorgen um vier Uhr früh die Böllerschüsse der Berchtesgadener Weihnachtsschützen die Bürgersleut’ höchst unsanft wecken, weiß kaum einer, warum. In den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts war das noch anders. Man erhob sich, ging ums Haus und betete dann kniend sieben Vaterunser um die Gaben des Heiligen Geistes. Den braucht’s heute nicht mehr, haben wir nun doch den Geist des Konziles, und der Brauch ist abgekommen. &nbsp;Sein Ursprung war schon lange in Vergessenheit geraten. Als nämlich einst noch ein Fürstpropst Berchtesgaden regierte, durften seine Untertanen am Pfingstsonntag das päpstliche Privileg eines vollkommenen Ablasses zum Pfingstfest genießen, gespendet mit dem Segen des Souveränes höchstselbst, nach dem Chorgebet der Matutin, und die war eben um vier Uhr früh zu Ende.</p>



<p>Seit dem 12. Jh. war die Landschaft zwischen Untersberg, Watzmann und den Loferer Steinbergen unter geistlicher Herrschaft. 1156 hatte der Propst des Kollegialstiftes Berchtesgaden die Forsthoheit erlangt, die mit dem Schürf- und Salzrecht verbunden war, dem weißen Gold der Alpen. Ab 1380 Reichsprälatur erhob sie Kaiser Ferdinand I. 1559 zur Fürstpropstei mit einer Virilstimme auf der Prälatenbank im Reichstag – und das war viel!</p>



<p>Neben Berchtesgaden gab es bloß zwei Fürstpropsteien im Reich, Ellwangen und Weißenburg, die waren aber dem nächsten Bistum inkorporiert, während der Fürstpropst von Berchtesgaden seine rund 10.000 Untertanen vor Ort und unabhängig regierte. Nur 132 Jahre lang geriet die Fürstpropstei unter die Fuchtel der Wittelsbacher von Kurköln, um den Begehrlichkeiten des fürsterzbischöflichen Salzburger Nachbarn zu entgehen. 1723 hat es den Chorherren dann gereicht, und Julius Heinrich von Rehlingen-Radau machte sich als neuer Fürstpropst frei vom bayerischen Einfluß. Man folge nun dem Heiligen Geist und nicht mehr dem Geist des bayerischen Hofes, ließ er verlauten. Tatsächlich setzte sogleich – gewiß mit gewaltiger Verspätung – das segensreiche Wirken der Gegenreformation ein. Kirchliche Zucht und Ordnung werden im Stift wie in der Landschaft wiederhergestellt, drei neue Wallfahrtskirchen werden gebaut, und die vielleicht schönste von ihnen, Maria Himmelfahrt oberhalb von Ramsau, feiert in ihrem Deckenfresko von Innozenz Anton Warathy den Auszug der Protestanten. „Auf Fürbitte der unbefleckten Jungfrau und Mutter ist der verderbende Irrglaube hier von dieser Kirche ausgetrieben worden“, steht in lateinischer Schrift auf einer Kartusche darunter zu lesen. 1732, ein Jahr nach Salzburg, hatte der Fürstpropst das „Emigrationspatent“ erlassen und rund 1.100 Lutherische verabschiedet. Planmäßig hätten sie nach Ungarn gehen sollen, jedenfalls nicht nach Nürnberg, letzteres hatten sie auch formell zu beschwören.</p>



<p>Eidbrechern verdankt Nürnberg also den Aufschwung seiner Spielwarenindustrie! Denn neben dem Salzbergbau, der Holz- und Viehwirtschaft und dem ob des Klimas und der Topographie kargen Feldbau waren es vor allem die Kunsthandwerker, deren liebliche Holzprodukte bis weit hinaus ins Reich verkauft wurden. Zeitweilig lebte jeder vierte Berchtesgadener vom Schnitzen, Leimen und Färbeln. 150 Meister nebst Gesellen und Lehrlingen waren in verschiedene Zünfte aufgeteilt. Da gab es die Kleinschachtelmacher für Pillen- und Gewürzbehälter, Gadlmacher für Butterdosen, Großschachtelmacher für Hutschachteln, Filigrandrechsler, Flötenmacher und natürlich Herrgottsschnitzer, die neben Andachtsfiguren auch allerlei Spielsachen herstellten, und die fanden seit je in Nürnberg reißenden Absatz. Was auf der „Kraxen“ über die Berge ins Reich getragen wurde, war zollfrei, und die Berchtesgadener Hausierer zogen bis weit nach Preußen und Ungarn.</p>



<p>Der berühmteste von ihnen war wohl Anton Adner. Mit 113 Jahren marschierte er noch nach München, um sich als „Apostel“ vom bayerischen König bei der Gründonnerstagszeremonie die Füße waschen zu lassen. Von nun an kümmerte sich König Maximilian persönlich um ihn und setzte ihm eine Rente aus. 117jährig ist er dann 1822 gestorben, die unabhängige Fürstpropstei schon 19 Jahre zuvor. 1803 war sie gemeinsam mit Salzburg dem Reichsdeputationshauptbeschiß – pardon, dem Reichsdeputationshauptschluß – zum Opfer gefallen und zeitweilig mit dem neuen Kurfürstentum Salzburg vereinigt. Das ging als Entschädigung an den kürzlich abgesetzten Großherzog der Toskana, Ferdinand III., 1805 dann als Herzogtum an Österreich, und so gehörte Berchtesgaden auch eine Zeit lang zu Habsburgs Landen. 1809 war es dann für ein Jahr französisch, bis es Bayern endgültig schluckte. So ganz verdaut hat es Berchtesgaden bis heute nicht, sagte doch einst Franz Josef Strauß: „So wie Bayern in Deutschland liegt, liegt Berchtesgaden in Bayern.“ Man hat sich hier den Stolz auf das Eigene bewahrt. Auch im Dialekt zeigt sich die besondere Identität der Berchtesgadener. Wärend man draußen, in Bad Reichenhall, „Muich“ zur Milch sagt, heißt es hier „Mili“, „spuin“ ist „spien“, und das bayerische „vui“ nennt man hier „vie“. Salzburg ist halt doch viel näher als München, und mit der dortigen Schwabinger Schickeria kann man hier rein gar nichts anfangen.</p>



<p>Wie ein skandinavischer Fjord zwängt sich der Königssee langgestreckt zwischen das Watzmannmassiv und das Hagengebirge. Mit dem bayerischen König von Napoleons Gnaden hat sein Name nichts zu tun. Die Gelehrten sind sich nicht einig, ob die Bezeichnung vom keltischen Ausdruck „Kunisa“ für klares Gewässer oder von Kuno von Horburg stammt, auf den die „Basilica Chunigesse“ zurückgeht, das Bartholomäuskirchlein, geweiht am Bartholomäustag, dem 24. August 1134. Das heutige Gotteshaus aus dem Barock ist eine Miniaturausgabe des Salzburger Doms und gewiß das beliebteste Photomotiv des Berchtesgadener Landes. Bequem gelangt man an den Felswänden vorbei nur mit dem Schiff nach St.&nbsp; Bartholomä, und das fährt schon seit 1909 elektrisch. Da wußte man noch nichts von der Klimakatastrophe – das Wild sollte nicht verscheucht werden. Schon die Fürstpröpste liebten dieses Jagdrevier und errichteten gleich neben der Kirche ein Jagdschloß, so abgelegen, daß es auch für&nbsp; kurze Zeit zum Rückzugsort des letzten bayerischen Königs wurde.</p>



<p>Am 7. November 1918 war Ludwig III. noch seelenruhig im Englischen Garten in München spazierengegangen, als eine von den Kommunisten gekaperte Friedensdemonstration auszuarten drohte. Ein Arbeiter war es schließlich, charakteristischerweise kein Minister oder vertrauter Berater, der ihn warnte: „Majestät, gengan S’ hoam und bleiben S’ in der Residenz, sonst passiert Ihnen was, d’Revolution is ausbrocha!“. Noch in der Nacht auf den 8. November begab sich die königliche Familie mit unbeleuchteten Kutschen in halsbrecherischer Fahrt zum Chiemsee, am 12. November entband der Monarch, kurz beim Grafen Moy in Schloß Anif in Österreich untergekommen, Beamte und Militär von ihrer Eidespflicht, weigerte sich aber standhaft zurückzutreten. Am 13. November erreichte er endlich das Jagdschloß bei St. Bartholomä und blieb zwei Wochen.</p>



<p>Vielleicht wäre alles anders gekommen, wäre Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand nicht am 27. August 1913 auf die Pirsch gegangen. Der Hohe Göll, gerade hier zwischen Berchtesgaden und Golling im Salzburgischen gelegen, war sein bevorzugtes Gamsrevier. Einen Felsen hatte er wegsprengen lassen, um freie Schußbahn zu haben und einmal erlegte der vielleicht beste Schütze seiner Zeit in einer Stunde hier 54 Gemsen. An jenem vermaledeiten Tag im August stieg der Erzherzog fröhlich vom Blunautal auf, und dann stand sie da, die weiße Gams. Der Waidmann konnte nicht widerstehen, und über Kimme und Korn nahm er sie ins Visier. Den gläubigen Katholiken focht jagdlicher Aberglaube nicht an. Dabei, vielleicht ist doch was dran an den Tabus der Ahnen? Die weiße Gams steht heute ausgestopft im Salzburger Haus der Natur. Der Thronfolger liegt begraben zu Artstetten – und mit ihm die ganze schöne Welt von gestern.</p>



<p></p>
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		<title>ESN</title>
		<link>https://dereckart.at/esn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 06:32:45 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Europa der souveränen Nationen (ESN-Partei) ist eine europäische politische Partei, die von nationalen Parteien gegründet wurde, die in der politischen Gruppe „Europa der souveränen Nationen“ des Europäischen Parlaments vertreten sind. Im April 2024 trafen sich souveränistische Parteien aus neun Ländern auf Einladung der Bulgarischen Erweckungspartei in Sofia (Bulgarien). In der sogenannten „Sofia-Erklärung“ forderten diese Parteien [&#8230;]]]></description>
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<p><strong>Europa der souveränen Nationen (ESN-Partei)</strong> ist eine europäische politische Partei, die von nationalen Parteien gegründet wurde, die in der politischen Gruppe „Europa der souveränen Nationen“ des Europäischen Parlaments vertreten sind.</p>



<p>Im April 2024 trafen sich souveränistische Parteien aus neun Ländern auf Einladung der Bulgarischen Erweckungspartei in Sofia (Bulgarien). In der sogenannten „Sofia-Erklärung“ forderten diese Parteien den Erhalt der nationalen Grenzen und die Souveränität der einzelnen europäischen Staaten. Nach den Europawahlen 2024 traten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments der souveränistischen Parteien in das Europäische Parlament ein, gründeten die Gruppe „Europa der souveränen Nationen“ und am 14. August 2024 gründeten die an der ESN-Gruppe beteiligten Parteien die ESN-Partei.<br><br>Weitere Informationen unter <a href="https://esn-party.eu/">https://esn-party.eu/ </a></p>



<p><a href="https://dereckart.at/transparenz04/" data-type="link" data-id="https://dereckart.at/transparenz04/">Transparenzbekanntmachung</a></p>



<p></p>
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		<item>
		<title>Über das Schöne bei Kant</title>
		<link>https://dereckart.at/ueber-das-schoene-bei-kant/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 14:13:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wegwarte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Caroline Sommerfeld „Futternde Irokesen auf den Champs Elysées“ Wer sich Gedanken darüber macht, ob auch moderne Kunst schön sein könne, muß wissen, was „schön“ bedeutet. Immanuel Kant hat in seiner berühmten Kritik der Urteilskraft (1793) das Schöne umfassend erörtert. Hierbei argumentiert er vor allem ex negativo: Was ist das Schöne nicht? Womit darf es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Caroline Sommerfeld</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">„Futternde Irokesen auf den Champs Elysées“</h2>



<p></p>



<p>Wer sich Gedanken darüber macht, ob auch moderne Kunst schön sein könne, muß wissen, was „schön“ bedeutet. Immanuel Kant hat in seiner berühmten Kritik der Urteilskraft (1793) das Schöne umfassend erörtert. Hierbei argumentiert er vor allem ex negativo: Was ist das Schöne nicht? Womit darf es nicht verwechselt werden? Diese Abgrenzungsstrategie ist meines Erachtens solange zielführend, wie er Verwechslungsmöglichkeiten namhaft macht, verrät hingegen seine eigene subjektphilosophische Position, wenn er jegliche objektive Schönheit eines Gegenstandes ausschließt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Interesselosigkeit und Verallgemeinerbarkeit, Zweck und Vollkommenheit als Kriterien</h3>



<p>„Wenn mich jemand fragt, ob ich den Palast, den ich vor mir sehe, schön fände, so mag ich zwar sagen: Ich liebe dergleichen Dinge nicht, die bloß für das Angaffen gemacht sind, oder wie jener irokesische Sachen, ihm gefalle in Paris nichts besser als die Garküchen (…)“, meint Kant, mische sich in das Urteil ein Interesse am betrachteten Gegenstand. Wer „für die Existenz einer Sache eingenommen“ sei, wer zum Beispiel den Palast gern bewohnen würde, der verfehle das Thema. Wenn der Irokese nur futtern wolle und kein Auge für die Schönheit der Champs Elysées habe, fehlt ihm das „interesselose Wohlgefallen“, das ein ästhetisches Urteil kennzeichnet. Etwas ist schön, wenn es ohne Interesse gefällt, konstatiert Kant. Nun könnte jemand allerdings rein persönlich, aus seinen Gefühlen oder Perversionen heraus, etwas für schön halten, das niemand anders schön findet. Einer meiner Söhne sah als Erstkläßler in der Straßenbahn einen Punk, der auf seinen Fingerknöcheln die Buchstaben HASS eintätowiert hatte. Er entzifferte sie und stellte dann kenntnisreich fest: „Das findet der Mann schön.“ Kant würde entgegnen: Nein, das ist unmöglich, man muß beim Schönfinden „glauben, Grund zu haben, jedermann ein ähnliches Wohlgefallen zuzumuten“. Das Schöne ist also etwas, das als Gegenstand eines allgemeinen Wohlgefallens vorgestellt wird. Wer etwas schön findet, muß dabei „jedermann ansinnen“ können, dieselbe Erscheinung schön zu finden. Auch wer nur einer oder einem ausgewählten Kreis anderer Personen die vermeintliche Schönheit zum Beispiel seines nackten Körpers ansinnen will, verfehlt den Begriff der Schönheit.</p>



<p></p>



<p>Weiters ist für Kant aus dem Begriff des Schönen der Zweck auszuschließen. Hierbei handele es sich nicht um, das bereits ausgeschlossene Interesse, denn ein Interesse sei immer subjektiv, während der Zweck eines Gebäudes, Artefaktes oder bestimmten Menschen immer objektiv sei. Sehr hübsch formuliert er: „Man würde vieles unmittelbar in der Anschauung Gefallende an einem Gebäude anbringen können, wenn es nur nicht eine Kirche sein sollte; eine Gestalt mit allerlei Schnörkeln und leichten, doch regelmäßigen Zügen, wie die Neuseeländer mit ihrem tätowieren tun, verschönern können, wenn es nur nicht ein Mensch wäre; und dieser könnte viel feinere Züge und einen gefälligeren, sanfteren Umriß der Gesichtsbildung haben, wenn er nur nicht einen Mann, oder gar einen kriegerischen, vorstellen sollte.“ Liegt dieses eindeutige Urteil daran, daß der Zweck das objektive Kriterium für das Schöne ist? Kant ist damit nicht zufrieden, denn ein Zweckurteil wäre nicht „rein“, d.h. nicht wirklich objektiv, denn immer mische sich das hinein, was er – der Ausdruck klingt schon sehr nach modernistischer Ästhetik – ein „Normideal“ nennt: Der Mensch habe je nach Kultur und Zeit ganz unterschiedliche „Normideale“, wie eine Kirche, ein Kleid oder ein Mann auszusehen hätten. Kann schließlich nur dasjenige „schön“ genannt werden, welches vollkommen ist? Hier erweist sich der Denker als Subjektivist: Er lehnt das Schönheitskriterium der Vollkommenheit ab, weil auch diese stets eine bestimmte „Behaglichkeit“ im Betrachter voraussetze. Ein griechischer Athlet erscheine uns bloß deshalb „vollkommen“, weil wir schauen, „ob alles Erforderliche an ihm sei“ und danach entscheiden: ja, paßt, alles dran, oder daran mäkeln. Dem ließe sich allerdings entgegenhalten, daß Kant selbst keine im Gegenstand liegende Vollkommenheit gelten läßt, weil er von vornherein die Schönheit ins Auge des Betrachters legt. Sind, hiermit fasse ich Kant zusammen, Interesselosigkeit und Verallgemeinerbarkeit des Urteils zwei brauchbare Kriterien für das Schöne, schließt er die beiden Kriterien Zweckmäßigkeit und Vollkommenheit meines Erachtens zu Unrecht aus. Ohne Objektivitätsmaßstab ist der Weg frei zu einer Ästhetik der Beliebigkeit, gegen die Kant ja eigentlich das Schöne verteidigen will.</p>



<p></p>
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		<title>Magyatlantis</title>
		<link>https://dereckart.at/magyatlantis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 14:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek Manche Landstriche unterscheiden sich von ihrer gleichsprachigen Umgebung durch ein Geheimnis, das über lange Zeit so gut gehütet wurde, daß es – wie man in Österreich zu sagen pflegt – „gar nicht mehr wahr ist“&#8230; Manchmal wird solch ein Geheimnis erst nach Jahrhunderten durch die Wissenschaft wieder ans Tageslicht gebracht. Laa an [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p>Manche Landstriche unterscheiden sich von ihrer gleichsprachigen Umgebung durch ein Geheimnis, das über lange Zeit so gut gehütet wurde, daß es – wie man in Österreich zu sagen pflegt – „gar nicht mehr wahr ist“&#8230; Manchmal wird solch ein Geheimnis erst nach Jahrhunderten durch die Wissenschaft wieder ans Tageslicht gebracht.</p>



<p>Laa an der Thaya im äußersten Norden des niederösterreichischen Weinviertels ist ein adrettes Städtchen mit einem der schönsten Rathäuser Österreichs. Wenige Meter nördlich hinter dem bewohnten Gebiet liegt seit 1919 die tschechische Staatsgrenze. In südlicher Nachbarschaft zu Laa/Thaya gibt es auf einem ungefähr 50 km² großen Landflecken einige Dörfer, an denen sich Ortsnamenforscher bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Zähne ausbissen. Im Falle von Fallbach denkt man zwangsläufig an eine reißende Gebirgsache. Aber in dieser Gegend, in der sich Ebene und sanftes Hügelland abwechseln, sind die Fließgewässer (bis auf die Thaya) bessere Rinnsale. Und sie nehmen natürlich auch keinen Umweg über den Berg, den es in Fallbach sogar gibt und auf dem eine sehenswerte spätgotische Kirche thront. Daher herrschte lange Zeit kollegiale Einigkeit über einen „fahlen Bach“, also über trübes Wasser als Namensgeber.</p>



<p>Im Wikipedia-Eintrag zu Fallbach beschränkt sich die Rubrik „Geschichte“ auf die Jahre 1938-45 und endet hochdramatisch mit heftigen Kämpfen: „Mehrere Zivilisten wurden dabei getötet und zahlreiche Gebäude zerstört oder zumindest beschädigt. Am 21. April 1945 wurde Fallbach von der Roten Armee besetzt. Auf der Ruine Hanselburg konnte sich eine kleine Einheit der Waffen-SS jedoch bis zur Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 halten.“</p>



<p>Historisch nicht minder interessant wäre aber die Herkunft der Gründer Fallbachs. Wir kommen daher zurück zum Ortsnamen: Der erwähnte, allgemein akzeptierte „fahle Bach“ sorgte trotzdem für Bauchweh, denn Toponomastiker begutachten gerne alte Urkunden, und da fanden sie in früheren Jahrhunderten die Bezeichnung „Fallwa“. Bei unseren ungarndeutschen Leserinnen und Lesern „klingelt“ es jetzt, und andere werden sich vielleicht erinnern, daß ihnen bei ihren Fahrten durch Ungarn öfter Ortschaften unterkamen, die auf -falva endeten – das madjarische Wort für Dorf. Und so kommt es zu dem Kuriosum, daß bei jenem Wegweiser in Laa, der auf Fallbach und Ungerndorf hinweist, zwei Ortsnamen aufscheinen, die im Grunde dasselbe bedeuten: ungarisches Dorf.</p>



<p>Aber wie kam es dazu? In der Schlacht von Preßburg im Jahre 907 besiegte das asiatische Reitervolk der Madjaren ein ostfränkisches Heer, was die „Landnahme“ in der Pannonischen Tiefebene ermöglichte. Die Madjaren sahen ihre neue Heimat aber vorerst als eine Art „Basislager“ für ausgedehnte Raubzüge, die sie bis auf die Iberische Halbinsel führten. Der ostfränkische König Otto besiegte die Ungarn 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld im heutigen Bayern, das besonders unter den Invasionen gelitten hatte. Für Otto bedeutete dieser Triumph eine Beendigung der innerfamiliären Querelen, und da er auch die ebenfalls noch heidnischen Slawen besiegte, avancierte er zum „Retter der Christenheit“, sodaß er 962 zum römisch-deutschen Kaiser Otto I. gekrönt wurde.</p>



<p>Die Madjaren zogen sich aus Westeuropa zurück und beschäftigten sich in der Pannonischen Tiefebene mit Seßhaftwerdung. 985 ließ sich Thronfolger Vajk taufen und wurde als István (Stephan) I. im Jahr 1000 zum ersten christlichen König Ungarns. Er heiratete die bayrische Prinzessin Gisela und ließ seine Untertanen durch das Bistum Passau missionieren. Damit verhinderte er, daß die Madjaren wie zuvor die Hunnen und Awaren zu einer Fußnote in der Geschichte wurden.</p>



<p>Aber nicht alle überlebenden Madjaren, die 955 nach Ungarn zurückströmten, gelangten dorthin. Einige gründeten eben bei Laa einige Dörfer und sozusagen ihren eigenen Staat. Da traf es sich gut, daß ein ungarischer Historiker in der Jetztzeit das Rätselraten um Ober- und Unterschoderlee (bis in die 1960er-Jahre Schotterlee) löste: Satorlé (lautmalerisch Schåtorlee) ist eine alte madjarische Bezeichnung für eine Festungsanlage. Daß sich dort eine kurze, aber schroffe Hügelkette findet, paßt perfekt. Die letzte Geheimnislüftung steht noch bevor: Das Nachbardorf Gaubitsch wird von einem <em>kawatsch</em>, einem slawischen Schmied, abgeleitet. Das vor über 1000 Jahren ins Madjarische entlehnte Kovács (Kowatsch) ist jedoch wesentlich näher als das slawische Original, das ein r beinhaltet (Kowarsch).</p>
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		<title>Bauen heute</title>
		<link>https://dereckart.at/bauen-heute/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 14:10:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Michael Demanega In der Architektur das Tradierte zu kopieren, könnte ein probates Mittel sein. Aber: Das 20. Jh. vollzieht einen radikalen Bruch. Das tektonische Prinzip, wonach das Dach oben und das Fundament unten ist, wurde aufgehoben. Moderne Hochleistungsmaterialien sprengen die Ra­ster. Spannweiten werden extrem. Formen werden willkürlich. Digitale Planungsmethoden machen Unvorstellbares möglich. Das Ergebnis [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Michael Demanega</em></p>



<p></p>



<p>In der Architektur das Tradierte zu kopieren, könnte ein probates Mittel sein. Aber: Das 20. Jh. vollzieht einen radikalen Bruch. Das tektonische Prinzip, wonach das Dach oben und das Fundament unten ist, wurde aufgehoben. Moderne Hochleistungsmaterialien sprengen die Ra­ster. Spannweiten werden extrem. Formen werden willkürlich. Digitale Planungsmethoden machen Unvorstellbares möglich. Das Ergebnis sind – vielfach – unverständliche Entwürfe, die mehr abstrakte Kunst als Bauwerk sind und die ein Unbehagen in uns auslösen, weil das innere Bedürfnis nach Harmonie und Ordnung verworfen wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Moderne, Revolte gegen die Moderne – es muß einen dritten Weg geben, der an das Wahre anknüpft.</h3>



<p></p>



<p>Im weltweiten Netz und in sozialen Medien kursieren Gegenprogramme zur baulichen Moderne, die, ausgehend von einer inneren Revolte gegen die Moderne, Stil propagieren: Modernistische Stadtfassaden werden anschaulich rückgebaut und erhalten einen historischen Aufputz. Das kann gefallen, gefällt auch, ist aber letztlich eine hübsche Fassade für einen andersartigen Kern und in diesem Sinne eine Fälschung. Gebäude des späten 20. Jh., die eine Fassade bekommen, die die Illusion erzeugt, es handle sich um ein Gebäude des 19. Jh., sind Trugbilder, die zwar schöner sind als der modernistische Entwurf, aber dennoch eine Kluft eröffnen. Das Äußere bewahrheitet sich nach der Prüfung nicht. Inneres und Äußeres stehen in keinem Verhältnis zueinander, sondern widersprechen einander. Das erzeugt wiederum Unbehagen. Es muß einen dritten Weg geben, der an das Wahre anknüpft. Wir sind doch mehr oder weniger alle Lebensreformer, die die Widersprüche aufheben und ein Gleichgewicht der Dinge finden wollen. Wieso nicht auch beim Bauwerk?</p>



<p>An das Alte anzuknüpfen, ist der falsche Weg. Dazu ist im 20. Jh. zu viel passiert. Wir bauen keine Fahrzeuge, die wie vom letzten Jahrhundert aussehen. Es stimmt zwar, daß das Fahrzeug eine Maschine ist und die Behausung die bauliche Heimat; dennoch, wir bauen massiv Technologie in unsere Bauwerke ein und begnügen uns nicht mit Technik der Vor-Moderne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwei Schweizer, die dem Bauen Nietzsche und Spengler zugrunde legen wollen</h3>



<p></p>



<p>Der Schweizer Architekturtheoretiker Markus Breitschmid, der in Virginia in den Vereinigten Staaten lehrt, hat mit dem Schweizer Architekten Valerio Olgiati das Buch <em>Nicht-referenzielle Architektur</em> geschrieben. Die beiden beziehen sich in ihren Gedanken zum Bauen auf Friedrich Nietzsche und Oswald Spengler und wollen ein Bauen, das von historischer Imitation losgelöst ist und das Heroische wiederfindet: „Räume machen den Sieg über die Materie erfahrbar. Aus diesem Sieg über die Materie des Materials bezieht das Gebäude seine sinnstiftende Funktion.“</p>



<p>Die Formel für ein Bauen, das seinen Namen verdient, ist für Olgiati und Breitschmid: Idee – Ordnung – Bauwerk. Von der prinzipiellen Möglichkeit der konstruktiven Freiheit der Form ist in der Gegenwart, in der Moderne, auszugehen. Freiheit findet allerdings erst dann ihren Sinn, wenn sie nicht in Willkür endet, sondern zu Ordnung, Symmetrie und Klarheit führt. Bauwerke sind nicht (nur) Kunst, sondern menschliche Umgebungen, die Schutz, Geborgenheit und Heimat stiften bzw. stiften sollen. Darin besteht ihr evolutionärer Sinn. Daneben drücken Bauwerke sozialen Status und kulturelle Werte aus, dienen der Repräsentation, sagen etwas aus, sind Form und Ästhetik.</p>



<p>Bauwerke sind nicht nur Natur, stehen aber bestenfalls in einem Verhältnis zur Natur. Sie sind in ihren Bestandteilen aus der Natur entnommen, in die Natur gesetzt und werten, wenn der Entwurf glückt, die Natur auf. Ganz am Ende werden die Bauwerke bestenfalls wieder an die Natur zurückgegeben, sind natürlich abbaubar. Zuletzt soll das Bauwerk das Geistige fördern und fordern. Strukturierung, Sachlichkeit und Klarheit fördern die freien Gedanken. Der Minimalismus, den wir bei Gebrauchsgegenständen schätzen – denken wir an den Elek­tronikhersteller „Braun“ und in der Braunschen Tradition an „Apple“ – reduziert Komplexität. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, finden innere Ruhe. Was bei Gebrauchsgegenständen gilt, gilt umso mehr für Bauwerke. Gerade in stressigen und komplizierten Zeiten wie heute.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Komplexe Anforderungen an Bauwerke, die zeitgemäß sind, aber keinekünstliche Anmaßung</h3>



<p></p>



<p>Verlangt werden: menschliche Kultur, Naturbezug, kreative Freiheit. Der Architekt Heinrich Tessenow meinte, die Natur sei am schönsten, wenn gar nicht erst gebaut werde. Das stimmt, ist aber auch keine Lösung. Wir wollen ja weder in Waldhütten noch in Höhlen leben, zumindest nicht das ganze Jahr über. Denken wir Tessenow weiter, dann könnte die Lösung, bezogen auf das heutige Bauen, darin bestehen, in die Natur hineinzubauen. Das Bauwerk wird in das Erdreich hineingebaut und überschüttet. Das Bauwerk ist: Natur plus x. Gottfried Benn meinte jedoch auch, mit der Antike habe eine Erhöhung der Erde stattgefunden. Die Erde sei zwar noch Erde, strebe jedoch nach oben. Das ist das, was wir Kultur nennen, der Gegenentwurf zur Natur, das Kultivierte, das Erhöhte und Überhöhte. Nach Peter Sloterdjik ist es die Vertikale, die wirkt, wenn sich in uns ein Anspruch nach Größe und Höhe entwickelt. Manche würden vom Göttlichen sprechen. Aus diesen philosophischen Gedanken ergibt sich der kühne Hochbauentwurf. Ja, wir wollen nicht nur in Erdhöhlen leben. Städte, die pulsieren, verlangen nach anderen Konzepten. Gewissermaßen sind wir ja nicht nur Naturwesen, sondern Kulturwesen, streben nach Gemeinschaft und organisiertem Gemeinwesen. Wie könnte ein Bauen aussehen, das zeitgemäß ist – und gefällt?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Stahlbeton, Stahl und Glas sind im modernen Bauen nicht wegzudenken, aber auch problematisch.</h3>



<p></p>



<p>Stahlbeton erzeugt die Illusion einer amorphen und beliebig modellierbaren Masse. Bauherren und Architekten glauben an diese Illusion. Haustechniker glauben hingegen, in die Betonkörper könnten unzählige Leitungen hineingepackt werden. Hinzu kommen dann allerlei Dämmmaterialien, weil Beton zwar gut trägt, aber schlecht dämmt. Sind diese Dämmmaterialien synthetisch, verbauen wir quasi Müll. Man fragt sich besser nicht, was nach dem Ablauf der Nutzungsdauer passieren werde. Weitaus problematischer ist, daß Entwürfe, die modernistisch und nicht zeitlos sind, eine sehr geringe Halbwertszeit haben und somit nach 30 oder 50 Jahren über einen Ersatzneubau nachgedacht wird, weil der Entwurf niemandem mehr gefällt. Und weil ihn auch niemand vermissen würde. Nicht viel besser verhält es sich dann, wenn wir moderne Glas-Stahl-Türme in die Höhe ragen lassen. Der Glaskörper heizt sich unnötig auf, ist im Sommer der Hitze und im Winter der Kälte ausgesetzt. Nichts funktioniert ohne übermäßige Technik. Schön ist es vielfach auch nicht. Das Glas vergilbt, und emotional „warm“ werden wir mit dem vielen Glas auch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Holz bringt den Wald in die Stadt und die Seele ins Bauwerk.</h3>



<p></p>



<p>Eine Lösung besteht im Holzbau. Das Holz bringt nicht nur den Wald in die Stadt, sondern bestenfalls die Seele ins Bauwerk. Kein Baustoff ist so intim wie Holz. Holz altert wie Menschen. Holz kann, mit der richtigen Pflege, alt werden. Holz hinterläßt Spuren. Und erzeugt Atmosphären. Kaum ein Werkstoff ist so menschlich wie Holz.</p>



<p>Holz erfordert aber ein hohes Maß an planerischen Fertigkeiten. Brandschutz, Schallschutz, Schwingungen und Feuchteschutz machen ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit notwendig. Es zählt also wieder Qualität statt Masse. Wichtig ist, daß der Rohstoff Holz aus lokalen und regionalen Netzwerken stammt. Fichtenmonokulturen gehören zunehmend der Vergangenheit an. Wir werden uns notgedrungen an Mischwälder gewöhnen müssen. Das bringt gleichzeitig auch mehr Vielfalt bei Holzprodukten ins Bauen: nicht mehr nur Nadelholz, sondern vermehrt Laubholz. Holz ist im Normalfall ehrlich und konstruktiv konsequent. Spielereien spielt Holz nicht mit. Amorphe Formen sind in Holz schwer herstellbar. Klarheit, Struktur und Stringenz der Konstruktion sind beim Holzbau vorteilhaft. Der Holzbau ist, auch wenn er modern ist, notgedrungen – mehr oder weniger – symmetrisch, geordnet und strukturiert. Die Eleganz kommt ins Bauwerk zurück und dadurch die Schönheit, die wir vermissen. Zwar nicht immer, aber im Holzbau tendenziell öfter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Flachdach nur, wenn intensiv begrünt!</h3>



<p></p>



<p>Unseren Städten fehlt aber auch noch etwas anderes: Der triste, graue Alltag erfordert zunehmend ein Umdenken. Parkende Fahrzeuge auf Asphalt, dazu Fassaden aus Stein oder Stahl machen unsere Städte kaum lebenswert, besonders nicht im Sommer. Neben der Begrünung der Straßen geht es dabei auch um die Begrünung der Gebäude selbst. Fassadenbegrünungen geben manchem modernen Bauwerk nicht nur den Naturbezug zurück, sondern machen unsere Städte spürbar behaglicher – und schöner. Eine sinnvolle Formel wäre: Flachdach nur, wenn es intensiv begrünt wird! </p>
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		<title>Ein Tirol, mehrere Landesteile, viele Bezeichnungen</title>
		<link>https://dereckart.at/ein-tirol-mehrere-landesteile-viele-bezeichnungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 15:15:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Cristian Kollmann Namen sind nicht neutral Zur Aktualität der Thematik Der Südtiroler Landtag hat am 7. Mai 2025 mit großer Mehrheit dem von der italienischen Regierung vorgelegten Entwurf einer Reform des Autonomiestatutes für die Region Trentino-Südtirol zugestimmt. Die sehr wenigen Gegenstimmen kamen von den Fraktionen Süd-Tiroler Freiheit, Vita und Freie Fraktion. Der Reformentwurf ist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Cristian Kollmann</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Namen sind nicht neutral</h2>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Zur Aktualität der Thematik</h3>



<p></p>



<p>Der Südtiroler Landtag hat am 7. Mai 2025 mit großer Mehrheit dem von der italienischen Regierung vorgelegten Entwurf einer Reform des Autonomiestatutes für die Region Trentino-Südtirol zugestimmt. Die sehr wenigen Gegenstimmen kamen von den Fraktionen Süd-Tiroler Freiheit, Vita und Freie Fraktion. Der Reformentwurf ist mittlerweile als Verfassungsgesetz Nr. 2 vom 18. Mai 2026 endgültig verabschiedet und im Amtsblatt der Italienischen Republik (Gazzetta Ufficiale della Repubblica Italiana) Nr. 130 vom 8. Juni 2026 veröffentlicht worden. Dies bedeutet eine Reihe von Nachteilen für die deutsche und die ladinische Volksgruppe in Südtirol.</p>



<p>In der vorliegenden Analyse wollen wir einen nur scheinbar marginalen, doch für den Minderheitenschutz zentralen Aspekt des Reformentwurfes herausgreifen: den Namen für die Region. Seit der italienischen Verfassungsreform von 2001 heißt die Region im Italienischen <em>Regione autonoma Trentino-Alto Adige/Südtirol</em> – die deutsche Teilbezeichnung <em>Südtirol</em> war neu dazu gekommen. Im Deutschen hingegen hieß die Region auch noch nach der Verfassungsreform von 2001 unverändert <em>Autonome Region Trentino-Südtirol</em>. Genau das wurde nun mit dem Verfassungsgesetz Nr. 2 vom 18. Mai 2026 geändert: Analog zum italienischen Namen wurde auch der deutsche Name dreigliedrig, indem dieser durch die Teilbezeichnung <em>Alto Adige</em> ergänzt wurde. Die Region heißt im Deutschen nun<em> Autonome Region Trentino-Südtirol/Alto Adige</em>. Der Unterschied zwischen dem italienischen und dem deutschen Namen besteht nun nur mehr in der Reihung des Zweit- bzw. Drittgliedes: italienisch <em>Alto Adige/Südtirol</em>, deutsch <em>Südtirol/Alto Adige</em>.</p>



<p>Was für das Deutsche mit Blick auf die bereits im Italienischen seit 2001 existierende italienische Dreigliedrigkeit des Namens im ersten Moment konsequent und schlüssig erscheinen mag, entpuppt sich im zweiten Moment aus sprachhistorischer und grammatikalischer Sicht als falsch sowie aus minderheitenpolitischer Sicht als kurzsichtig und gefährlich. Der Südtiroler Landtag hat mit seinem Ja zu jenem Entwurf, der inzwischen als Verfassungsgesetz Nr. 2/2026 verabschiedet wurde, einen Präzedenzfall zum Schaden des Minderheitenschutzes geschaffen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><em>Südtirol – Tirolo meridionale – Sudtirolo</em>: Kurzer historischer Abriß über die Tiroler Landesteilbezeichnungen</h3>



<p></p>



<p>Die linguistische Komplexität und politische Problematik rund um den Namen für die Region wird erst verständlich, wenn wir einen Blick in die Geschichte der Bezeichnungen für die Tiroler Landesteile werfen. Dies soll nachfolgend kurz geschehen und am Schluß ein kurzes politisches Fazit gezogen werden.&nbsp;</p>



<p>Grundsätzlich gilt festzuhalten, daß Tirol vor seiner Zerreißung nach dem Ersten Weltkrieg zwar durchaus in <em>Nordtirol, Südtirol, Deutschsüdtirol</em> oder <em>Welschtirol </em>sowie, seltener, <em>Osttirol</em> unterteilt wurde. Allerdings war für diese Landesteilbezeichnungen kaum die politisch-administrative, sondern in erster Linie die geographische Komponente entscheidend. Speziell unter <em>Südtirol</em> verstand man überwiegend das südlich des Alpenhauptkammes befindliche Tiroler Gebiet, meist inklusive jenes des späteren Osttirols. War auf Anhieb nicht klar, von welchem Südtirol gerade die Rede war, bestand die Möglichkeit, nach dem Kriterium der Ethnizität und/oder Bezirkszugehörigkeit präziser von <em>Deutschsüdtirol, Italienisch-Tirol</em> oder <em>Welschtirol</em> zu sprechen. Auch war <em>Deutschtirol</em> in Gebrauch, wobei dieser Begriff zusätzlich ganz Gröden, das Gadertal und den ebenso ladinischen Bezirk Haiden (Ampezzo) inkludierte. Die im Italienischen am häufigsten anzutreffenden entsprechenden Äquivalente zu den deutschen Landesteilbezeichnungen lauteten <em>Tirolo Settentrionale, Tirolo Meridionale </em>(beides erstmals 1722), <em>Tirolo Tedesco, Tirolo Italiano</em> (beides erstmals 1780), <em>Tirolo del Nord</em> (erstmals 1892), <em>Tirolo del sud</em> (erstmals 1843), <em>Sud-Tirolo</em> (erstmals 1874), <em>Sud Tirolo</em> (erstmals 1894). Die Chronologie der italienischen Belege zeigt: Jene mit <em>settentrionale </em>und <em>meridionale </em>sind älter, jene mit <em>Nord </em>und <em>Sud </em>sind jünger.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Napoleon: <em>Alto Adige </em>kommt ins Spiel.</h3>



<p>In der italienischen Sprache trat, zusätzlich zu den bereits gängigen Landesteilbezeichnungen, die allesamt <em>Tirolo</em> enthielten, eine weitere Bezeichnung in Erscheinung. Unter der Herrschaft Napoleons war Tirol vier Jahre lang, von 1810 bis 1814, zwischen Bayern und Italien aufgeteilt. Die Grenzlinie zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil verlief auf der Höhe nördlich von Gargazon und südlich von Kollmann. Der südliche Teil hieß auf Italienisch <em>Dipartimento dell’Alto Adige</em> und auf Deutsch <em>Oberetsch-Department. </em>Mit dem Wiener Kongreß im Jahr 1814 wurde Tirol als Ganzes wiederhergestellt und kehrte zurück zu Österreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tolomei: Ein obsoletes Alto Adige wird geographisch verschoben und ideologisch aufgeladen.</h3>



<p></p>



<p>Nachdem das napoleonische <em>Alto Adige</em> seit rund 90 Jahren von der Bildfläche verschwunden war, griff der Welschtiroler Irredentist und spätere Faschist Ettore Tolomei im Jahr 1905 diesen Begriff wieder auf und übertrug ihn auf das im Einzugsgebiet der Etsch befindliche deutsche und ladinische Tirol, das es auf Grund der „natürlichen Grenze“ am Alpenhauptkamm von Italien zu annektieren galt. So kam es dann auch nach dem Ersten Weltkrieg. Die Annexion Tirols südlich des Brenners und westlich von Arnbach durch Italien sowie das Aufkommen des Faschismus markierten eine Sternstunde für Ettore Tolomei. Der Begriff <em>Alto Adige</em> paßte perfekt ins Konzept der faschistischen Politik der Entnationalisierung der Südtiroler, zumal er nach Süden weist und jeden Bezug zu Tirol in Abrede stellt. Es galt nur noch, die neu geschaffenen Fakten gesetzlich festzuschreiben. Am 12. März 1923 beschloß der Großrat des Faschismus „Provvedimenti per l’Alto Adige, intesi ad una azione ordinata, pronta ed efficace di assimilazione italiana“, also „Maßnahmen für das Oberetsch zum Zwecke einer geordneten, schnellen und wirksamen Assimilierung und Italianisierung“. Noch im selben Jahr, am 8. August 1923, wurden die Namen <em>Süd-Tirol</em>, <em>Deutschsüdtirol</em>, <em>Tirol</em> und Ableitungen davon verboten. Für einzig zulässig erklärt wurden im Italienischen die „Subregional-Bezeichnung“ <em>Alto Adige</em> mit der Ableitung <em>Atesino</em> sowie im Deutschen die Rückübersetzung <em>Oberetsch</em> mit der Ableitung <em>Etschländer</em>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Südtirol im Italienischen ist kein reguläres italienisches Äquivalent; systematisch korrekt wäre Sudtirolo</h3>



<p></p>



<p>Das Verbot eines offiziellen Namens <em>Südtirol </em>überdauerte den Faschismus um ein Vierteljahrhundert – galt somit in der Summe über ein halbes Jahrhundert lang. Erst im Jahr 1972 wurde es, mit dem Inkrafttreten des 2. Autonomiestatutes, faktisch aufgehoben. Seither gilt der Name <em>Südtirol</em> im Deutschen als Teilbezeichnung für die Region, nicht jedoch für die Provinz, die strenggenommen <em>Autonome Provinz Bozen</em> – ohne <em>Südtirol </em>– heißt. Auch die Verfassungsreform von 2001 hat daran nichts geändert, weil mit dieser <em>Südtirol</em> lediglich als Teilbezeichnung in <em>Trentino-Alto Adige</em>, den italienischen Namen für die Region, eingefügt wurde. Dies mag zwar als Aufwertung intendiert gewesen sein, tatsächlich jedoch war es ein linguistischer und politischer Fehler. Statt das korrekte und seit dem Ende des 19. Jh. belegte italienische Äquivalent <em>Sudtirolo</em> festzuschreiben, übernahm man den deutschen Namen <em>Südtirol</em> unverändert – dies zudem, obwohl <em>Sudtirolo</em> seit den 1970er-Jahren wieder verstärkt verwendet wurde. Kurzum: Im Jahr 2001 mag die Zeit noch nicht reif gewesen sein, den ideologisch aufgeladenen Begriff <em>Alto Adige</em> zu ersetzen. Doch statt ihn mit <em>Südtirol </em>zu kombinieren, hätte man ihn zumindest mit <em>Sudtirolo</em> ergänzen können. Da dies unterblieb, konnte von italienischer Seite argumentiert werden: Wenn die Region im Italienischen <em>Trentino-Alto Adige/Südtirol</em> heiße, müsse sie im Deutschen folgerichtig <em>Trentino-Südtirol/Alto Adige</em> heißen. Genau diese Logik wurde mit dem Verfassungsgesetz Nr. 2/2026 nun verankert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gefahr für den Minderheitenschutz: Mit dem geistigen Erbe Ettore Tolomeis hat Südtirol immer weniger ein Problem.</h3>



<p></p>



<p>Was nicht einmal Ettore Tolomei, der nicht nur als Totengräber Südtirols, sondern nach den Worten Maurizio Ferrandis zu Recht auch als Erfinder des „Alto Adige“ bezeichnet wird, schaffte, ist heute greifbarer denn je: <em>Alto Adige </em>erobert weiteres Terrain – auch im Deutschen! Ein Südtirol ohne <em>Alto Adige</em> gibt es im deutschen Namen für die Region nicht mehr. Es ist somit nur noch eine Frage der Zeit, bis es heißen könnte: Auch die Autonome Provinz Bozen muß künftig im Deutschen (!) als Kurzform <em>Südtirol/Alto Adige </em>führen. Folglich wird es auch keine Südtiroler mehr geben, sondern nur noch „Südtiroler/Altoatesini“. Unweigerlich wird sich dann die Frage aufdrängen: Wer sind die „Südtiroler/Altoatesini“? Ist das eine noch zu schützende Minderheit? Diese Fragen und die historisch-linguistische Sicht auf die Tiroler Landesbezeichnungen sowie die bis heute existierende imperialistische und manipulative Funktion des Begriffes <em>Alto Adige</em> spielten für die Landtagsabgeordneten, die dem Reformentwurf sorglos zustimmten, keine Rolle. Dabei sind gerade Namen wesentlicher Bestandteil der Identitätspolitik. Autoritäre Regierungen wußten immer schon, dies in ihrem Sinn zu nutzen. Italien, obwohl offiziell eine Demokratie, tut dies bis heute. Im Gegensatz zu früher scheint das heutige offizielle Südtirol kein Problem damit zu haben, sich von Italien vorschreiben zu lassen, wie dieser Tiroler Landesteil in der Sprache der autochthonen Bevölkerung zu heißen habe – vom Italienischen ganz zu schweigen. Wenn Südtirol sich in einem so wichtigen Bereich von Italien dreinreden läßt, wird es dies in Zukunft auch in anderen Bereichen, die den Minderheitenschutz betreffen, akzeptieren (müssen).</p>



<p><em>Eine ausführliche Analyse zum selben Thema veröffentlichte der Autor unter dem Titel Südtirol – Alto Adige – Sudtirolo. Historische, linguistische und namenspolitische Überlegungen anlässlich der Wiederbelebung des Namenstreits durch die Autonomiereform. In: Europa Ethnica 1/2 2025, S. 35-44. Aktualisierung: Der im Beitrag behandelte Reformentwurf wurde mittlerweile als Verfassungsgesetz Nr. 2 vom 18. Mai 2026 verabschiedet und im Amtsblatt der Italienischen Republik (Gazzetta Ufficiale) Nr. 130 vom 8. Juni 2026 veröffentlicht.</em></p>



<p><br></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/1.-SCHERER_1860_Karte_von_Tirol-Gross-Mittel.png" alt="" class="wp-image-12027"/></figure>



<p>Abbildung 1: Karte von Tirol in Augustin Scherers Lesebuch <em>Geographie und Geschichte von Tirol</em>, Innsbruck 1860. Das Land wird in Nordtirol, Südtirol (mit dem Gebiet um Lienz) und Wälschtirol unterteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/2.-1865-12-23_Cles_Tirolo_Meridionale_Seite_1-1024x441.jpg" alt="" class="wp-image-12028"/></figure>



<p>Abbildung 2: Amtlicher Briefkopf einer k.k. Notariatsurkunde aus Cles (Glös), 1865. Er führt die Bezeichnung <em>Tirolo Meridionale</em> und dokumentiert damit, daß diese Bezeichnung für den italienischen Teil Tirols auch amtlich in Gebrauch war.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/3.-Alto_Adige_in_napoleonischer_Zeit.jpg" alt="" class="wp-image-12029"/></figure>



<p>Abbildung 3 (Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Sajoch, Lizenz: CC BY-SA 3.0): Der Begriff <em>Alto Adige</em> wurde unter Napoleon geprägt und bezeichnete u.a. zwischen 1810 und 1814 jenen Tiroler Landesteil, der dem Königreich Italien zugeschlagen wurde und größtenteils das damalige Welschtirol umfaßte. Das von Ettore Tolomei rund 90 Jahre später wieder aufgegriffene <em>Alto Adige</em> sollte hingegen ein grundsätzlich anderes Gebiet bezeichnen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/4.-LAlto_Adige_di_Tolomei_1908-1024x526.jpg" alt="" class="wp-image-12030"/></figure>



<p>Abbildung 4: Karte von 1908 mit Ettore Tolomeis Konzeption eines „Alto Adige“. Die territoriale Zielvorstellung verwirklichte sich 1919 weitgehend. Das Münstertal blieb trotz seiner Zugehörigkeit zum Etsch-Einzugsgebiet außerhalb Italiens, während mit Sexten und Innichen auch Gebiete des Drau-Einzugsgebietes an Italien gelangten. Auffällig ist zudem, daß Tirol nicht einmal nördlich des Brenners als solches, sondern als „Innsbruck“ bezeichnet wird und östlich des Toblacher Feldes die Bezeichnung „Carinzia“ erscheint.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/5.-Dekret_1923_08_08_Verbot_Tirol_markiert.jpg" alt="" class="wp-image-12031"/></figure>



<p>Abbildung 5: Ausschnitt aus dem Dekret des Präfekten der Provinz Trient vom 8. August 1923. Verboten wurden die Bezeichnungen <em>Süd-Tirol, Deutsch-Südtirol, Tirol, Tiroler</em> sowie sämtliche Ableitungen; als zulässig galten ausschließlich <em>Alto Adige</em> und, vorläufig geduldet, <em>Oberetsch</em> sowie die Ableitung <em>Etschländer</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/6.-Plakat_100_Jahre_AA_Bushaltestelle-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-12032"/></figure>



<p>Abbildung 6: Plakataktion des Südtiroler Heimatbundes im Jahr 2023 anläßlich des 100. Jahrestages der Einführung des Begriffes <em>Alto Adige</em>. Die darin mitschwingende faschistische Symbolik wird graphisch hervorgehoben, indem der Buchstabe „t“ durch ein Liktorenbündel dargestellt wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/06/7.-Benvenuti_Sudtirolo-Gross-1024x749.jpg" alt="" class="wp-image-12033"/></figure>



<p>Abbildung 7: Willkommenstafel (Fotomontage), auf der in der italienischen Sprachfassung anstelle des Begriffes <em>Alto Adige</em> der bereits gegen Ende des 19. Jh. belegte italienische Name <em>Sudtirolo</em> verwendet wird.</p>
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		<title>Käthe Kollwitz und Lovis Corinth</title>
		<link>https://dereckart.at/kaethe-kollwitz-und-lovis-corinth/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 20:49:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lehnert Zwei Ostpreußen als Aushängeschilder der deutschen Moderne Die Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „Gothic Modern“, die im letzten Herbst in der Albertina zu sehen war, entpuppte sich als echter Augenöffner. Es ging um die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Kunst durch die Moderne im ausgehenden 19. Jh. Im Gegensatz zum Historismus ging es den [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erik Lehnert</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei Ostpreußen als Aushängeschilder der deutschen Moderne</h2>



<p></p>



<p>Die Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „Gothic Modern“, die im letzten Herbst in der Albertina zu sehen war, entpuppte sich als echter Augenöffner. Es ging um die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Kunst durch die Moderne im ausgehenden 19. Jh. Im Gegensatz zum Historismus ging es den Modernen nicht um Nachahmung, sondern darum, die ästhetische Qualität der mittelalterlichen Kunst als Orientierung zu nutzen, um den Gefühlslagen des modernen Menschen einen eigenen Ausdruck zu verleihen. Diese unterschieden sich grundsätzlich nicht von denen des Mittelalters: Es geht um Liebe, Tod, Schmerz und Glück. Unter den gezeigten Künstlern waren auch zwei gebürtige Ostpreußen: Käthe Kollwitz und Lovis Corinth. Ihre Geburtsorte liegen im heute zu Rußland gehörenden Teil Ostpreußens: Corinth wurde 1858 in Tapiau, Kollwitz 1867 in Königsberg geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zu Lebzeiten umstritten, heute kanonisiert</h3>



<p>Auch wenn der Name Kollwitz bei dem einen oder anderen eine Abwehrreaktion auslöst, weil ihm ihre Elendsgestalten nicht gefallen, konnte man sich in der Ausstellung davon überzeugen, wie stark auch Kollwitz, besonders bei ihren bekannten Zyklen, durch die religiösen Themen der Gotik geprägt wurde. Und bei Corinth, dessen Porträts von Künstlern, Gelehrten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sich durch ein besonderes Einfühlungsvermögen auszeichnen, mag der überzeichnete Naturalismus überraschen, mit dem er die klassischen Themen Kreuzigung und Kreuzabnahme in die Gegenwart zurückholt. Beiden gemeinsam ist, daß ihr Werk zu Lebzeiten sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen hat und daß beide heute in ihren Fächern, bei Corinth vor allem der Malerei, bei Kollwitz der Druckgraphik und Bildhauerei, zu den wichtigsten modernen Künstlern Deutschlands gehören. Da beide gegenständlich arbeiteten, erfahren sie mittlerweile auch bei denjenigen Wertschätzung, die mit moderner Kunst sonst nicht viel anfangen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Schön war für mich der Königsberger Lastenträger,…“ – Käthe Kollwitz als Bildchronistin des Proletariates</h3>



<p>Kollwitz wurde als Käthe Schmidt in eine Familie hineingeboren, die sich zur dissidentischen „Freien Gemeinde“, einer freireligiösen, evangelischen Vereinigung, bekannte. Ihr Vater, Jurist, mußte den Staatsdienst verlassen, war dann Bauunternehmer und folgte seinem Schwiegervater im Predigtamt. Er förderte die Begabung seiner Tochter in jeder Hinsicht. Neben dem Elternhaus war Königsberg prägend: „Wenn meine späteren Arbeiten durch eine ganze Periode nur aus der Arbeitswelt schöpften, so liegt der Grund dazu in jenen Streifereien durch die enge, arbeiterreiche Handelsstadt.“ Ab dem 14. Lebensjahr erhielt Käthe Mal- und Zeichenunterricht in Königsberg, noch ganz im klassischen Sinne, der heroisierenden Kunst des 19. Jh. Mit den modernen Kunstströmungen kam sie über den Kreis um Gerhart Hauptmann in Verbindung, Rubens entdeckte sie für sich, als sie an der Berliner Künstlerinnenschule ihre Ausbildung fortsetzte, wo sie auch zum ersten Mal von Max Klinger hörte. Dessen Radierungsfolge <em>Ein Leben</em> war „das erste, was ich von ihm sah, und es erregte mich ungeheuer“. Klinger ist es auch, der Kollwitz, die sich noch vorwiegend als Malerin verstand, durch seine Schrift <em>Malerei und Zeichnung</em> (1891) bewußt werden läßt, daß sie eigentlich Graphikerin sei. Denn Klinger weist in seiner Schrift der Malerei den Auftrag zu, die Schönheit der Welt zu zeigen. Die Zeichner hingegen betonen in ihrem Werk die Schwächen und das Schlechte: „Aus ihren Werken bricht fast überall als Grundton hervor: So sollte die Welt nicht sein!“ Das hat Kollwitz als Fingerzeig und Auftrag verstanden.</p>



<p>Hinzu kam, daß sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt Karl Kollwitz, in den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, gezogen war, wo jener dem damals durchaus noch vorhandenen Proletarierelend ganz bewußt Abhilfe leisten wollte. Allerdings darf man daraus nicht schlußfolgern, daß Kollwitz ihr Sujet aus politischen Gründen wählte. Wie bei der gesamten Naturalistengeneration war auch bei ihr die Ästhetik entscheidend: „Schön war für mich der Königsberger Lastenträger, […] schön war die Großzügigkeit der Bewegungen im Volke. Ohne jeden Reiz waren mir Menschen aus dem bürgerlichen Leben. Das ganze bürgerliche Leben erschien mir pedantisch. Dagegen einen großen Wurf hatte das Proletariat.“</p>



<p>Ihre ersten Erfolge waren die Radierungsfolgen <em>Ein Weberaufstand</em> (1898) und <em>Bauernkrieg</em> (1908). Die Not des Volkes wird hier in drastischen Bildern dargestellt, was ihr Anerkennung in Künstlerkreisen und Ablehnung von offizieller Seite einbrachte. Neben ihr graphisches Werk tritt zunehmend das bildhauerische, angeregt vor allem durch das Vorbild Auguste Rodins. Daß der jüngere ihrer beiden Söhne gleich am Anfang des Krieges fiel, war für Kollwitz „der Bruch“ in ihrem Leben. An dem Denkmal arbeitete sie mit Unterbrechungen fast 18 Jahre lang: das „Trauernde Elternpaar“ steht heute auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Vladslo. Auch die „Mutter mit totem Sohn“, heute in der Neuen Wache in Berlin, ist dem gefallenen Sohn gewidmet. In der Weimarer Republik gab es keinen Zweifel, wo Kollwitz politisch stand. Sie hatte Sympathien für den Kommunismus, den sie zur Friedensideologie verklärte. Sie wurde dennoch in die Akademie der Künste aufgenommen. Nach 1933 mußte sie sich zurückziehen. Bis zum Schluß verteidigte sie ihre Kunst. Aus dem ästhetischen Interesse am Proletariat sei durch Erfahrung ein „Verpflichtungsgefühl“ entstanden, „ihnen mit meiner Kunst zu dienen. Das ist jedoch – wohlverstanden – nicht tendenziöse Kunst.“ Kollwitz starb am 22. April 1945 in Moritzburg, wohin sie der Kunstsammler Prinz Heinrich von Sachsen eingeladen hatte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="514" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1024x514.jpg" alt="" class="wp-image-12296" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1024x514.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-300x151.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-768x386.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1536x771.jpg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-585x295.jpg 585w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wikimedia Commons, invaluable.com<br>Liegender weiblicher Akt von Lovis Corinth, 1915</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Lovis Corinth feierte das pralle Leben.</h3>



<p>Er galt als jemand, der Kunst lebte, der begeisterungsfähig war, der über eine erstaunliche Lebens- und Erlebniskraft verfügte. Dieses Naturell wurde zwiespältig beurteilt: „Pariser Virtuosentum, Münchener Fasching, saucige Historienmalerei, wildes Genre und daneben und darin Griffe von erstaunlicher Kraft“, so der Kunstkritiker Julius Meier-Graefe. Malen war bei Corinth keine Passion, sondern Obsession, ein künstlerischer Zeugungsakt. Seine Frau, die ihm oft Modell stand, berichtete, daß er sich beim Malen in Ekstase befand.</p>



<p>Corinth war das einzige gemeinsame Kind seiner Eltern, die eine Gerberei und viel Ackerland bewirtschafteten, hatte mütterlicherseits allerdings fünf Halbgeschwister, was die Jugend konfliktreich gestaltete. Der Vater förderte seinen Sohn, der das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg besuchte und anschließend in Königsberg das Akademiestudium bei einem Historienmaler aufnahm. Er setzte es in München fort, leistete dort seinen Militärdienst, unternahm dann Reisen nach Antwerpen und Paris, versuchte zunächst erfolglos, in Berlin künstlerisch Fuß zu fassen und ließ sich schließlich für fast zehn Jahre in München nieder. Nach kleineren Anfangserfolgen gestaltete sich der weitere Weg zäh.</p>



<p>Erst Anfang der 1890er-Jahre entstanden in München Gemälde, die Aufsehen erregten. Sie zeigen sein handwerkliches Können ebenso wie den Versuch, über die Tradition der Figurenmalerei hinauszukommen, es den Alten Meistern gleichzutun und trotzdem eine ganz eigene Bildsprache zu entwickeln. Aber nicht alle Bilder blieben dem Kanon verpflichtet, seine Schlachthausszenen aus dieser Zeit fanden erst später Anerkennung bei den Kritikern. Die 1895 entstandene <em>Kreuzabnahme</em> wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und ist das erste Bild, das Corinth verkaufen konnte. Er begann, die Schriftsteller Schwabings zu porträtieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„… sodaß uns auch noch der Glanz der Märtyrerkrone umstrahlte.“</h3>



<p>Sein Bild <em>Salome</em> (1900) wurde von der Münchner Jury der Sezession zurückgewiesen und entwickelte sich zu einem Skandal, der Corinth bekannt machte. Salome beugt sich darauf nackt über das Haupt des Täufers, was der Szene eine erotische Aufladung gibt, die damals anstößig wirken mußte. Corinth ging auf Empfehlung seines Kollegen Walter Leistikow nach Berlin und hatte dort endlich den ersehnten Erfolg. Auch hier entstanden zahlreiche Porträts u.a. von Peter Hille, Gerhart Hauptmann und Admiral Tirpitz, er eröffnete eine Malschule, die ein wirtschaftlicher Erfolg wurde. Der unbändige Ehrgeiz Corinths wurde hier gestillt: „Wie konnte es auch anders sein, da der Handel und Wandel in Berlin glänzend war, die Kaufleute intelligent und nach neuer Kunst begierig waren, außerdem der junge Kaiser gegen alles Neue eine Aversion hatte, sodaß uns auch noch der Glanz der Märtyrerkrone umstrahlte.“ Als figürlicher Maler war er einer der hervorragenden Vertreter der klassischen Moderne.</p>



<p>1911 hatte Corinth einen Schlaganfall, der seine manisch-depressive Natur, die zwischen Schwermut und Enthusiasmus schwankte, verstärkte. Gleichzeitig begann er seinen Malstil zu verändern. Die Farbigkeit der Bilder, besonders der Landschaften am Walchensee, wo er seit 1919 einen Sommersitz hatte, und der heftige Pinselstrich, der die Formen auflöste, führten dazu, daß man sein Spätwerk dem Expressionismus zuschlägt – was nach 1933 den Vorwurf der „Entarteten Kunst“ nach sich zog. Seine Heimat besuchte Corinth immer wieder, malte dort die <em>Ratsherren von Tapiau</em> und wurde Ehrenbürger seine Heimatstadt. 1921 folgte der Titel Ehrendoktor der Universität Königsberg, 1924 eine große Retrospektive in Königsberg. Auf einer Reise nach Amsterdam, wo er noch einmal Rembrandt und Hals sehen wollte, starb er am 17. Juli 1925. </p>



<p></p>
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