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	<title>Zu Fuß &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Zu Fuß &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Wenn Marschieren zum Zwang wird</title>
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		<pubDate>Sat, 09 May 2026 09:00:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Hannes Zingerle Südtirol und der Faschismus Musikkapellen gehören fest zur Tradition in Österreich und insbesondere in Südtirol, wo sie tief in der Volkskultur, dem Brauchtum und der regionalen Identität verwurzelt sind, bei kirchlichen und weltlichen Festen, Prozessionen und Feiern auftreten und mit ihrer traditionellen Tracht das Dorfbild prägen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Hannes Zingerle</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Südtirol und der Faschismus</h2>



<p></p>



<p>Musikkapellen gehören fest zur Tradition in Österreich und insbesondere in Südtirol, wo sie tief in der Volkskultur, dem Brauchtum und der regionalen Identität verwurzelt sind, bei kirchlichen und weltlichen Festen, Prozessionen und Feiern auftreten und mit ihrer traditionellen Tracht das Dorfbild prägen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, pflegen das Erbe und verbinden Generationen, indem sie lokale Bräuche lebendig halten.<br>Zur umfangreichen Tätigkeit der Musikanten, welche ihren wertvollen Dienst ehrenamtlich ausüben, gehört auch das Marschieren. Auch wenn es für den ein und anderen nicht zu den Lieblingstätigkeiten innerhalb des Vereines gehört, so hinterläßt das Erscheinungsbild während des Marschierens beim Publikum eine prägende Erinnerung. Jene Bewohner des Ortes, welche nicht bei den verschiedenen Konzerten anwesend sind, registrieren die Musikkapelle spätestens dann, wenn bei einem geistlichen Fest aufmarschiert oder eine Prozession durchs Dorf durchgeführt wird. Für die meisten ist es wohl nicht vorstellbar oder gar undenkbar, daß bei der Fronleichnamsprozession keine Musikkapelle mitwirkte.</p>



<p>Ein alter Zeitungsausschnitt, der mir im abgelaufenen Jahr 2025 in die Hände kam, machte mich regelrecht sprachlos. Meist verbindet man die Musik im Zusammenhang mit einem Verein mit positiven Gedanken, doch dieser Artikel zeigte auf, daß es im Laufe der Geschichte auch Schattenseiten gab. Eine sehr dunkle Zeit war dabei jene des Faschismus’, wo Musikkapellen in Südtirol harte Zeiten durchleben mußten. So hielt dieser Artikel eine Episode aus dem Jahre 1925 fest, als die Musikkapelle Vintl – deren Mitglied ich bin – zum Marschieren gezwungen und so politisch mißbraucht wurde. An dieses Ereignis sollte genau 100 Jahre später mit einer kleinen Veranstaltung erinnert werden, um die schwere Zeit des Faschismus’ ins Gedächtnis zu rufen und die Menschen aufzurütteln.</p>



<p>1925 – wir befinden uns in der Zeit des Faschismus’ in Südtirol und blicken auf die Auswirkungen im kulturellen Bereich, speziell in jenem der Blasmusik mit ihren Musikkapellen. Der Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) hat dazu im Jahr 2021, gemeinsam mit dem Südtiroler Landesarchiv, einen Band herausgegeben mit dem Titel <em>In Treue fest durch die Systeme – Geschichte der Südtiroler Blasmusik 1918-1948</em>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Faschismus in Südtirol</h3>



<p></p>



<p>Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Südtirol ein Teil Italiens. Im Vertrag von St. Germain wurden am 10. September 1919 neue politische Grenzen fixiert. Dieser Vertrag trat ein Jahr später am 10. September 1920 inkraft, und somit wurden das ehemalige Welschtirol – das heutige Trentino – und Südtirol durch Italien annektiert. Mit der Machtergreifung Mussolinis Ende Oktober 1922 bestimmten Nationalismus und Zentralismus Südtirol, Faschisten besetzten fortan den Süden Tirols mit dem Ziel, das Land vollständig zu italianisieren. In den Schulen war Italienisch die einzige Unterrichtssprache, und auch die Familien- und Ortsnamen wurden ins Italienische übersetzt – um nur wenige Maßnahmen von vielen aufzuzählen. Die deutsche Sprache und Kultur sollten verbannt werden. Erst 1943 endete der Faschismus in Südtirol.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Italianisiertes Repertoire der Musikkapellen</h3>



<p></p>



<p>Mock schreibt im vorhin erwähnten Band: „Eines der ersten Begehren, mit dem sich Blasmusikvereine nun konfrontiert sahen, betraf das Spielen der Marcia Reale und der faschistischen Hymne Giovinezza. [&#8230;] In aller Regel waren es gewiß wohl lokale Faschisten oder Behördenvertreter, die ihre musikalischen Wünsche mit Nachdruck bei den Vereinen deponierten.“<br>Außerdem mußten die Konzertprogramme an staatliche Bearbeitungen angepaßt werden sollten. Grundsätzlich sollte das Kulturempfinden durch die Musikkapellen verändert werden, indem Werke aus italienischen Opern ins Programm aufgenommen würden. Im tirolerisch-österreichischen Repertoire mußten die Titel geändert und italianisiert werden. Beispielsweise wurde aus dem Marsch „Alte Kameraden“ die „Marcia Vecchi Compagni“ und aus dem Marsch „Hoch Heidecksburg“ die „Viva Castel Aidecchio“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein 100 Jahre alter Zeitungsartikel schockiert.</h3>



<p></p>



<p>Wie in vielen Gemeinden existiert auch in meiner Gemeinde Vintl ein Blatt, welches die Gemeindeverwaltung in unregelmäßigen Abständen herausgibt. Inhalt sind Berichte aus der Gemeinde, Artikel der verschiedenen Vereine und Nachrichten aus dem Bezirk sowie vom Land Südtirol. Im <em>Vintila Boten</em> vom August 2024 (Nr. 106) ist ein sehr interessanter Artikel veröffentlicht worden. Der Titel lautet „Beitrag zur Geschichte der Musikkapelle Vintl (1884-1947)“. Es wurden besondere Ereignisse zusammengefaßt, welche damals in den lokalen Zeitungen ihren Niederschlag gefunden haben. Ein Ereignis ist mir dabei besonders aufgefallen, nämlich ein Umzug am 4. Dezember im Jahre 1925, bei welchem die Musikkapelle Vintl gezwungen wurde mitzumarschieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mit Knüppeln auf die Straße getrieben</h3>



<p></p>



<p>Nachfolgend der vollständige Wortlaut in der Zeitung <em>Südtiroler Heimat</em> vom 1. Jänner 1926:<br><br><em>Umzug in Vintl.</em></p>



<p><em>Vintl, eine Ortschaft im Pustertal mit zirka 600-700 Seelen, dessen Häuser links und rechts der Reichsstraße liegen, hatte folgendes Erlebnis. Die wenigen Bahnfaschisten, Karabinieri und Finanzer von Vintl veranstalteten am 4. Dezember abends einen Umzug, zu welchem die Vintler Musikkapelle spielen mußte. Das Dorf, das nur eine Straße (Hauptstraße) hat, war mit Triumphbögen geziert usw. Als sich der Zug in Bewegung setzte, waren als Durchläufer nur obgenannte Herren zu verzeichnen. Da sich nun von der Bevölkerung, die dem Geschreie ruhig zusah, niemand anschloß, warfen sich die Faschisten mit Knüppeln bewaffnet auf die vor den Häusern stehenden Leute (Männer, Frauen und Kinder) und zwangen sie, am Umzug teilzunehmen. Sie drangen sogar in die Privathäuser bzw. Wohnungen und holten die Leute heraus. So stürzten sie sich zum Beispiel ins Gasthof „Stampfl“, 1. Stock, wo im Gastzimmer zwei Bauernknechte und ein Holzhändler aus Meran saßen, die sie zwangen mitzugehen. Als sie sich weigerten, wurden die zwei Knechte mit Gewalt von mehreren Faschisten hinter dem Tisch hervorgeholt, wobei einem das Hemd vom Leibe gerissen wurde. Die beiden Knechte entkamen ihnen aber. Wutentbrannt stürzten sie sich nun auf den Holzhändler, der sich ebenfalls weigerte mitzugehen, umsomehr er nicht von Vintl war, sondern nur als Gast dort weilte. Nun wurde er von den Faschisten bei den Ohren gepackt und so bis zur Haustür gezogen. Dorten protestierte der Holzhändler nochmals energisch gegen dieses Vorgehen, sodaß sie ihn schließlich freiließen. – Um 10 Uhr nach dem Umzug veranstalteten die „Herren“ im Gasthof „Rieper“ ein Mahl, zu welchem auch die Gemeindevorstehung eingeladen wurde, um so eine Rückendeckung zu haben. Das ganze Essen kostete 960 Lire, welcher Betrag von der Bevölkerung von Vintl, Pfunders, Terenten usw. gesammelt bzw. herausgepreßt wurde. Alle straßenseitigen Fenster mußten Lampions tragen, und hernach fand eine grandiose Illumination statt.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/21-rechts-678x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-11955" style="width:278px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Hannes Zingerle</figcaption></figure>



<p><br><br>Dieses besondere Ereignis ließ mich nicht mehr los. Im Gedanken bei den damaligen Musikanten der Musikkapelle Vintl, war mir schwer vorstellbar, wie ihnen dieser damalige Umzug wohl zugesetzt haben mochte. Aus Freude zur Musik Mitglied in einem Verein und dann für politische Zwecke mißbraucht zu werden – und diese Episode ist gerade einmal erst hundert Jahre her. Meist sind es erfreuliche Ereignisse, welche mit Jubiläumsveranstaltungen gefeiert werden, doch mir wurde bald klar, daß nach 100 Jahren an dieses dunkle Kapitel der Musikkapelle Vintl auch mit einer Veranstaltung erinnert werden müsse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erinnerungsveranstaltung 100 Jahre danach</h3>



<p></p>



<p>Am 4. Dezember 2025 – an jenem Tag jährte sich der Umzug der Faschisten in Vintl zum hundertsten Mal – lud die Musikkapelle Vintl zu einem besonderen Abend ein. Die Musikanten zogen zunächst mit einer „stillen Prozession“ durch das Dorf. Sie führten ihre Instrumente zwar mit, doch sie ließen sie nicht erklingen. Dabei wurde die Musikkapelle von Mitgliedern der örtlichen Schützenkompanie begleitet, welche mit brennenden Fackeln den Marschblock flankierten. Das Marschieren ohne Musik sollte als Zeichen des Gedenkens an das Ereignis von 1925 verstanden werden; ein Gedenkmarsch, bei dem die Stille die Ernsthaftigkeit des Anlasses unterstrich.<br>Im Anschluß daran gab es einen Informationsabend im Gemeindesaal. Dabei blickte die Historikerin Frau Dr. Margareth Lun in die Zeit des Faschismus’ zurück und erzählte von vielen bitteren Ereignissen, welche speziell die kulturellen Vereine Südtirols in dieser Zeit&nbsp; durchleben mußten. Dieser Informationsabend sollte die Geschichte kritisch reflektieren und die Bewahrung der kulturellen Identität festigen, ohne die dunklen Kapitel der Vergangenheit zu ignorieren.</p>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Barfußgehen als Herausforderung und Schule</title>
		<link>https://dereckart.at/barfussgehen-als-herausforderung-und-schule/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:44:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Zu Fuß]]></category>
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					<description><![CDATA[von Michael Scharfmüller Bloßfüßige“ war lange Zeit ein Schimpfwort für Leute, die man nicht für ganz voll nahm. Schließlich gehen im Regelfall nur äußerst arme Menschen und „unterentwickelte“ Völker ohne Schuhwerk. Gesellschaftlich ist es bei uns nur Kindern gestattet, außerhalb von Badewiesen barfuß herumzulaufen – wobei auch das mittlerweile nicht mehr gerne gesehen wird. Schließlich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Michael Scharfmüller</em></p>



<p></p>



<p>Bloßfüßige“ war lange Zeit ein Schimpfwort für Leute, die man nicht für ganz voll nahm. Schließlich gehen im Regelfall nur äußerst arme Menschen und „unterentwickelte“ Völker ohne Schuhwerk. Gesellschaftlich ist es bei uns nur Kindern gestattet, außerhalb von Badewiesen barfuß herumzulaufen – wobei auch das mittlerweile nicht mehr gerne gesehen wird. Schließlich könnte man ja auf eine Biene, eine Distel, eine Glasscherbe oder Ähnliches treten, was Schmerzen verursacht. Ich bin weder arm noch ein Kind, trotzdem bin ich in den halbwegs warmen Monaten relativ viel „blohappert“ unterwegs, wie man bei uns in Oberösterreich sagt. Bloßfüßig gehe ich im Ort einkaufen, außerdem spazieren, wandern und ab und zu sogar auf einen Berggipfel.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Es braucht eine gewisse Leidensfähigkeit, um auch auf schwierigem Terrain bestehen zu können.</h3>



<p></p>



<p>Aus meiner Sicht überwiegen die Vorteile der schuhlosen Fortbewegung ganz klar. Zum einen entschleunigt man dadurch, da man viel vorsichtiger und bedachter unterwegs sein muß, wenn Zehen und Fußsohlen der Umwelt schutzlos ausgeliefert sind. Dabei schärft sich die Wahrnehmung für den Untergrund: Man fühlt, was rauh oder glatt ist, was schnell kalt wird und was die Wärme des Tages noch lange hält. Zudem werden durch das Barfußgehen Muskeln im ganzen Körper gestärkt, da man anders geht als mit Schuhen. Was mir am Barfußgehen auch gut gefällt, ist, daß man dadurch mit vielen Leuten ins Gespräch kommt. Besonders kleine Kinder sind davon fasziniert, daß es Erwachsene gibt, die keine Schuhe tragen. Bei den Gesprächen, die dabei manchmal entstehen, wird mir immer wieder gesagt, daß man eine ordentliche Hornhaut brauche, um das auszuhalten. Das stimmt aber nicht, denn selbst die dickste Hornhaut ist wahrscheinlich nicht stärker als zwei Millimeter. In Wahrheit ist es keine dicke Haut, die das Barfußgehen leichter macht, sondern die Fähigkeit, mit leichten Schmerzen umgehen zu können. Es braucht eben eine gewisse Leidensfähigkeit, um auch auf schwierigem Terrain bestehen zu können. Aus meiner Sicht ist der bewußte Umgang mit Schmerzen in unserer verweichlichten Gesellschaft fast völlig verloren gegangen. Egal ob bei körperlichen oder seelischen Problemen – viele Ärzte verschreiben viel zu rasch Schmerzmittel und schwere Psychopharmaka. Und auch sonst wird versucht, den Anstrengungen des Lebens aus dem Weg zu gehen. Ich sehe den Menschen aber wie einen Muskel, der mental und körperlich trainiert werden muß. Nicht die größtmögliche Schonung macht uns zu starken und gesunden Menschen, sondern die Annahme von Herausforderungen.</p>



<p>Mit Barfußgehen kann man sich selbst herausfordern, übertreiben sollte man es freilich nicht: Wenn ich beispielsweise am Berg länger ohne Schuhe unterwegs bin, merke ich richtig, wie das an meinen körperlichen und mentalen Kräften zerrt. Zumindest für den Notfall sollte man deshalb immer ein paar Schuhe mithaben. Auf Schuhe sollte man auch nicht verzichten, wenn man Termine wahrzunehmen hat, bei denen man ernst genommen werden will. Auch zu feierlichen Anlässen sollte man – aus meiner Sicht – in passendem Schuhwerk erscheinen. Es mag zwar angenehm sein, auf einer sommerlichen Hochzeit barfuß herumzuspazieren, aus Respekt vor dem Anlaß und dem Brautpaar sollte man es aber trotzdem nicht tun. Ich persönlich verzichte aufs Barfußgehen auch immer dann, wenn es finster ist – die Gefahr, auf einen gefährlichen Gegenstand zu treten, ist einfach zu hoch. Besondere Vorsicht ist auch auf blühenden Wiesen geboten: Bienenstiche können nämlich richtig schmerzhaft sein. Im Wald hingegen habe ich bisher – abgesehen von einer stacheligen Schlingpflanze – noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.</p>



<p>Das Barfußgehen habe ich übrigens bei einem Alpenvereinskurs für mich entdeckt. Dort meinte der Kursleiter auf einem Gipfel in den Alpen plötzlich, wir sollten unsere Schuhe ausziehen und barfuß weitergehen. Als nach ein paar hundert Metern alle wieder ihre schweren Wanderschuhe anzogen, hatte ich mir längst in den Kopf gesetzt, den ganzen Berg barfuß hinunterzugehen – was angesichts vieler spitzer Steine und einiger Schneefelder eine besondere Herausforderung war. Vielleicht hat Goethe ja recht, wenn er schreibt: „Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht!“ Barfußgehen ist eine schöne Methode, um den eigenen Willen auf halbwegs sanfte Art und Weise zu trainieren. Viel Freude beim Ausprobieren! </p>



<p></p>
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		<title>Vom Marschieren im Krieg</title>
		<link>https://dereckart.at/vom-marschieren-im-krieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 12:18:16 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Zu Fuß]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Bittere „Königsdisziplin“ Der Sieg einer Armee liegt in ihren Beinen“, das war die feste Überzeugung Napoleon Bonapartes. Nur wenige Feldherren verlangten ihren Truppen derartige Marschleistungen ab wie der große Korse. Tagesstrecken von 40 bis 50 Kilometern Entfernung waren für die französische Infanterie unter ihrem Kaiser die Regel, nicht die Ausnahme. Einzigartig ist [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Bittere „Königsdisziplin“</h2>



<p></p>



<p>Der Sieg einer Armee liegt in ihren Beinen“, das war die feste Überzeugung Napoleon Bonapartes. Nur wenige Feldherren verlangten ihren Truppen derartige Marschleistungen ab wie der große Korse. Tagesstrecken von 40 bis 50 Kilometern Entfernung waren für die französische Infanterie unter ihrem Kaiser die Regel, nicht die Ausnahme. Einzigartig ist selbst für napoleonische Verhältnisse der Marschrekord der Division Friant des III. Korps von Marschall Davout. Diese bewältigte im tiefstem Winter 1805 die etwa 115 Kilometer lange Strecke von ihrem Standort bei Wien nach Austerlitz in nur zwei Tagen und rettete so dem französischen Kaiser den Sieg in der gleichnamigen Schlacht. Hervorragende Marschleistungen wie diese waren Garanten für die größten Triumphe Napoleons, doch mit der Zeit lernten die einst bezwungenen Feinde Frankreichs dazu.</p>



<p>Als Bonaparte am Abend seines Sieges bei Ligny am 16. Juni 1815 die Preußen des alten Feldherrn Blücher bereits vollends geschlagen wähnte, scharte dieser am nächsten Tag die geschlagenen Reste seiner Armee noch einmal um sich. In Eilmärschen zogen die Preußen dann am 18. Juni trotz widrigster Wetter- und Bodenverhältnisse nach Waterloo, wo sie im alles entscheidenden Augenblick die Franzosen in die Flanke faßten und sie zusammen mit Wellingtons Heerscharen in die Flucht schlugen. Wie so oft in der Kriegsgeschichte hatte ein klassischer Eilmarsch zur Entscheidung nicht nur einer Schlacht, sondern eines Krieges beigetragen.</p>



<p>Gewaltmärsche gehörten seit jeher zum Repertoire großer Feldherren und waren Ausdruck der Qualität und Disziplin eines Heeres. Den grandiosen Sieg des Prinzen Eugen über die Türken 1697 bei Zenta hatte ein kühner Flankenmarsch eingeleitet. Ebenso war dem Abwehrsieg, den Friedrich der Große bei Zorndorf 1758 über die russischen Truppen erstritt, ein zehntägiger Eilmarsch von der schlesischen Stadt Landeshut nach Küstrin an die Oder vorausgegangen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Schnallenschuh zum Knobelbecher mit Fußlappen</h3>



<p></p>



<p>Märsche wie diese setzten gutes Schuhwerk voraus, das damals nur bedingt in der preußischen Armee vorhanden war. Der preußische Infanterist trug in der friderizianischen Epoche lederne Schnallenschuhe mit Absatz und stumpfer Spitze, dazu an den Waden Ledergamaschen. Erst 1866 wurden in der preußischen Armee erstmals 31 Zentimeter hohe und genagelte Schaftstiefel eingeführt, welche sich in der Folgezeit robuster als die von den Österreichern genutzten Schnürschuhe erwiesen. Erstere hatten den Vorteil, daß sie fast gänzlich vor Nässe schützten und haltbarer waren. Letztere erwiesen sich im Gegensatz zu den klobigen preußischen Armeestiefeln als leichter und dadurch angenehmer zu tragen, jedoch auch feuchtigkeitsdurchlässiger. Zudem rissen die Schnürsenkel oft und gerieten beim Marsch Insekten oder Steinchen ins Schuhinnere. Scheinbare Lappalien wie diese konnten erheblichen Einfluß auf die Marschleistungen einer Armee haben. Beiden Schuharten gemein war, daß sie lange Zeit nur mit Fußlappen getragen wurden. Diese waren etwa 70 cm große, quadratische Lappen, die in einem bestimmten Verfahren um die Füße gewickelt wurden. Fußlappen waren billiger als Strümpfe und robuster. Sie scheuerten weniger durch und trockneten schneller. Außerdem konnten sie im Falle von Schadhaftigkeit leichter ersetzt werden und Paßungenauigkeiten der Stiefel besser ausgleichen.</p>



<p>Die Bewährungsprobe der Schaftstiefel oder „Knobelbecher“ ließ nicht lange auf sich warten. Als 1866 der Deutsche Krieg ausbrach, marschierte die Preußische Hauptarmee nach den präzisen Plänen ihres Generalstabschefs Helmuth von Moltke in Nordböhmen und Mähren ein, wo sie dank besserer Gefechtsführung und des neuen Zündnadelgewehrs fast jedes Gefecht gewann. Doch trotz ihrer gefechtstaktischen Überlegenheit war es vor allem eine bedeutende Marschleistung, die am 3. Juli 1866 die Schlacht von Königgrätz – und damit den Krieg – für Preußen entschied. Gemäß Moltkes Devise „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ hatte die 1. Preußische Armee die Österreichische Nordarmee unter Feldzeugmeister Ludwig von Benedek bei Sadowa so lange gefesselt, bis die 2. Preußische Armee nach einem kräftezehrenden Eilmarsch im Norden auftauchte und das österreichische Zentrum bei Chlum warf, was die Schlacht entschied.</p>



<p>Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, setzte die Oberste Heeresleitung des Deutschen Heeres alles auf Geschwindigkeit. In atemberaubendem Tempo durchbrachen die deutschen Heeressäulen zwecks Erfüllung des Schlieffen-Plans in blutigen, aber siegreichen Grenzschlachten erst den belgischen, dann den nordfranzösischen Festungsgürtel. Scheinbar unaufhaltsam wälzten sie sich auf Paris zu, was auch an der Zuverlässigkeit des deutschen Schuhwerkes lag. Doch dieses hatte auch eine Achillesferse. Die genagelten Sohlen machten die Fußbekleidung zwar robust, aber auch schwer. Je länger der Marsch auf Paris dauerte, desto erschöpfter war die Truppe, zumal sie bis dato keine Marschpausen gemacht hatte. Der Sommer 1914 war heiß und trocken. Die deutschen Marschsäulen erstickten in Staub, die Verpflegungskolonnen konnten mit der vorstürmenden Truppe kaum Schritt halten. Als die Franzosen an der Marne endlich mit frischen Kräften zum Gegenangriff schritten und den deutschen Angriffsschwung brachen, waren viele Landser bereits entkräftet von den Strapazen des Anmarsches und nur noch bedingt kampfbereit.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/04/19-neu.jpg" alt="" class="wp-image-11943"/><figcaption class="wp-element-caption">Rußland, 17.11.1941<br>Mit Schneehemden getarnte Infanteristen im Anmarsch auf die befohlene Ausgangsstellung.<br>Heeresfilmstelle-Bildarchiv/Neg.-Nr.: P.K.167/32<br>Bildberichter Vorphal. P.B.Z.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Die unendlichen Mühen der unendlichen russischen Ebene</h3>



<p></p>



<p>Daß schnelle Vormärsche tatsächlich nicht immer den Sieg bringen, mußte die Deutsche Wehrmacht auch 1941 beim Angriff auf die Sowjetunion erfahren. Noch heute hält sich in vielen Köpfen die irrige Vorstellung, daß die Streitmacht Hitlers eine hochmoderne, mobile Armee gewesen sei, was an der geschickten Inszenierung der deutschen Panzerwaffe durch die NS-Propaganda liegt. Das Gegenteil war der Fall. Von den 1941 für den Angriff bereitgestellten 120 Heeresdivisionen waren nur etwa 30 bis 35 Divisionen Panzer- oder motorisierte Infanteriedivisionen – der Rest bestand aus klassischen Infanteriedivisionen. Das verhieß der deutschen Infanterie nichts Gutes. Während Hitlers Panzerdivisionen und die motorisierte Infanterie im Rekordtempo eine Sowjetfront nach der anderen durchbrachen, „hinkte“ ihnen bereits ab dem ersten Angriffstag der Großteil der deutschen Infanteriedivisionen hinterher. Dabei war ihr Marschtempo beachtlich. Sofern es die Kämpfe mit den Sowjets zuließen, legten die meisten Divisionen tagtäglich im Minimum vierzig bis fünfzig Kilometer unter größten Entbehrungen zurück, wie sich der Landser Wilhelm Lübbecke erinnert: „Bei brütender Hitze und dichten Staubwolken schufteten wir unzählige Kilometer. Es gab nur wenige Marschpausen (…). Nach einiger Zeit stellte sich eine Art Hypnose ein, wenn man den gleichmäßigen Rhythmus der Stiefel des Mannes vor einem beobachtete. Völlig erschöpft fiel ich manchmal in einen Quasi-Schlafwandel. Ich setzte einen Fuß vor den anderen. Irgendwie schaffte ich es, Schritt zu halten und wachte nur kurz auf, wenn ich in den Körper vor mir stolperte.“</p>



<p>Es war ein Tempo, daß selbst hervorragend ausgebildete Truppen nur begrenzte Zeit aushielten. Die Landser litten unter Durst und den schlechten Anmarschwegen, die keine Straßen, sondern bestenfalls staubige Sandpisten waren. Außerdem zermürbten sie die unerträgliche Sommerhitze, Mücken- und Stechfliegenschwärme, die schlechten hygienischen Verhältnisse in den weißrussischen und ukrainischen Dörfern sowie der Mangel an genießbarem Trinkwasser. Die unerträgliche Weite der eintönigen Landschaft, die scheinbare Ziellosigkeit der Vorstöße sowie der zähe Widerstand der Sowjets, die sich trotz schwerster Niederlagen und Verluste immer wieder zum Kampf stellten, demoralisierten die deutsche Infanterie. Schweigend und schicksalsergeben stapfte sie dessen ungeachtet einem vermeintlichen Endsieg irgendwo hinter dem Horizont entgegen.</p>



<p>Aus dem Brief eines Zugführers der 7. Infanteriedivision geht bereits im Juli 1941 hervor, daß der Kampfgeist der Truppe in Relation zu den abgeleisteten Kilometern Meter für Meter abgenommen habe: „Marschieren, marschieren, 14 Tage lang (&#8230;) das gibt mir den Rest“. Die kräftezehrenden Märsche verschlissen auch das Schuhwerk. Im August wurden in Ermangelung von Socken 10.000 Beutefußlappen an die Division verteilt. Nahrung und Munition erreichten die Division nur in unzureichender Menge, die Pferde von Troß und Artillerie krepierten zu Hunderten. Immer öfter stockte der Nachschub. Es kam gegen den ausdrücklichen Befehl von Divisionskommandeur Gablenz zu ersten „wilden Beschaffungen“ und illegalen Viehschlachtungen durch die Truppe. Die Disziplin begann zu bröckeln. Die Division benötigte dringend eine Rast und bekam sie auch, allerdings nur, um wenige Wochen später in die Schlacht um Moskau getrieben zu werden.</p>



<p>Zu diesem Zeitpunkt war der innere Zusammenhalt der 7. Infanteriedivision fast verlorengegangen. Hunderte von Nachzüglern irrten ziellos hinter den Marschkolonnen umher und schlugen sich blindlings zu ihren Einheiten durch, die bereits Richtung Moskau weitermarschiert waren. Der folgende Zeitzeugenbericht eines Angehörigen der 7. Infanteriedivision verdeutlicht das Dilemma: „Niemand wußte, wo die Front sich befand. Wir marschierten ins Ungewisse hinein (&#8230;)“. Die Kraftanstrengung war vergebens. Die Wehrmacht wurde vor Moskau geschlagen, die 7. Infanteriedivision beinahe aufgerieben. Ihr desaströses Abschneiden in der Schlacht von Moskau erwies sich als pars pro toto jenes der Infanteriedivisionen des Ostheeres. Nichts offenbarte deutlicher, daß das „Unternehmen Barbarossa“ trotz anfänglich hervorragender Marschleistungen der deutschen Infanterie katastrophal gescheitert war.</p>



<p></p>
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