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	<title>xStartseite &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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		<title>Grenzen im Kopf: Die Brenner-Fiktion</title>
		<link>https://dereckart.at/grenzen-im-kopf-die-brenner-fiktion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 14:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Andreas Raffeiner Die umstrittene Grenzziehung von Saint-Germain 1919 zeigt beispielhaft, wie die Politik die Geographie als Instrument staatlicher Macht mißbrauchte. Die „Brennergrenze“ und die einhergehende historische Zerreißung Tirols stehen für die Verwandlung einer analytischen Disziplin in eine ideologische Waffe zur Konstruktion nationaler Narrative. Geopolitik als Zweckwissenschaft Ursprünglich verstand sich die politische Geographie nach Otto [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Andreas Raffeiner</em></p>



<p></p>



<p>Die umstrittene Grenzziehung von Saint-Germain 1919 zeigt beispielhaft, wie die Politik die Geographie als Instrument staatlicher Macht mißbrauchte. Die „Brennergrenze“ und die einhergehende historische Zerreißung Tirols stehen für die Verwandlung einer analytischen Disziplin in eine ideologische Waffe zur Konstruktion nationaler Narrative.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geopolitik als Zweckwissenschaft</h3>



<p></p>



<p>Ursprünglich verstand sich die politische Geographie nach Otto Maull (1928) als kritische „Kunstlehre des politischen Raumes“. Sie sollte die räumlichen Strukturen von Staaten analytisch durchleuchten und Grenzansprüche rational hinterfragen, anstatt sie bloß blind zu legitimieren. In der Zwischenkriegszeit degenerierte sie zur Geopolitik – einer dezidiert zweckorientierten, imperialistischen Hilfswissenschaft der Machthaber. Diese neue Strömung unterlief die wissenschaftliche Neutralität systematisch, indem sie aggressive territoriale Expansionsansprüche mit ideologisch aufgeladenen Kategorien wie „Lebensraum“ oder „geopolitisches Schicksal“ rücksichtslos und pseudowissenschaftlich unterfütterte. Damit mutierte die Geographie von einer beschreibenden Disziplin zu einer gefährlichen, hochpolitischen Akteurin der Macht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Märchen der „natürlichen“ Grenze</h3>



<p></p>



<p>Zentrales Werkzeug dieser Epoche war der Geodeterminismus, welcher fälschlich postulierte, daß natürliche Gegebenheiten das menschliche Handeln und staatliche Räume unausweichlich vorherbestimmen würden. Italienische Nationalisten und chauvinistische Irredentisten deklarierten den Alpenhauptkamm unbarmherzig zur „natürlichen“ und gottgegebenen Nordgrenze des italienischen Kulturraumes, um den völkerrechtswidrigen Erwerb Südtirols im Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 ideologisch zu rechtfertigen. Die moderne kultur- und sozialgeographische Kritik entlarvt solche vermeintlich naturgegebenen Linien jedoch als reine, politisch motivierte Machtdiskurse. Diese Diskurse blenden historische Realitäten, jahrhundertelange Koexistenzen und gewachsene alpine Kulturräume gezielt aus, um künstliche Grenzen erst diskursiv zu erschaffen und bestehende Herrschaftsstrukturen dauerhaft zu stabilisieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tolomeis manipulative Kartographie</h3>



<p></p>



<p>Karten fungierten hierbei als primäre Medien der Macht, indem sie komplexe, lebendige Räume brutal auf scharfe Trennlinien und besetzbare Flächen reduzierten. Der folgenschwerste und rücksichtsloseste Akteur auf italienischer Seite war hierbei der nationalistische Grenzideologe Ettore Tolomei, Gründer des „Archivio per l’Alto Adige“. &nbsp;Durch systematische topographische Fälschungen, rücksichtslose, künstliche Umbenennungen der Orte und manipulative Kartierungen konstruierte er eine rein italienische Realität für das südliche Tirol. Der Londoner Geheimvertrag von 1915 besiegelte diesen geopolitischen Kuhhandel als imperiale Gegenleistung für Italiens Kriegseintritt, vom Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 schließlich völkerrechtlich zementiert. Eine demokratische Willensbildung der betroffenen Südtiroler Bevölkerung fand zu keinem Zeitpunkt statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Tiroler Gegenerzählung</h3>



<p></p>



<p>Österreichische Geographen wie Albrecht Penck oder Johann Sölch hielten mit dem Konzept des „Paßlandes“ vehement dagegen, das die historisch verbindende Funktion der Gebirge betonte. Sie beschrieben Tirol nicht als geteilten, sondern als funktional integrierten Kultur- und Wirtschaftsraum. Fachzeitschriften wurden in diesem Zuge zu primären Resonanzräumen konkurrierender nationaler Narrative und geopolitischer Machtstrategien. Bundeskanzler Bruno Kreisky brachte das bleibende historische Dilemma in seinen Memoiren auf den Punkt: Die Entstehung der Nationalstaaten bedeutete im wesentlichen das persönliche Unglück von Millionen Menschen innerhalb und außerhalb Europas. Die Wissenschaft trägt hierbei eine schwere Mitverantwortung, wenn sie ihre analytische Neutralität aufgibt und sich unkritisch zum ideologischen Handlanger politischer Machtvisionen machen läßt.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Make Colonia great again!</title>
		<link>https://dereckart.at/make-colonia-great-again/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Aug 2026 09:10:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Tief im Westen Julius Cäsar fackelte nie lange. Nachdem 55 vor Chr. ostrheinisch siedelnde Germanen in Gallien eingefallen waren, schlug der Julier mit seinen Legionen erst eine Brücke über den Rhein und dann den Germanen kräftig aufs Haupt. Unmittelbar darauf zog er sich wieder auf das rheinische Westufer zurück und ließ die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Tief im Westen</h2>



<p></p>



<p>Julius Cäsar fackelte nie lange. Nachdem 55 vor Chr. ostrheinisch siedelnde Germanen in Gallien eingefallen waren, schlug der Julier mit seinen Legionen erst eine Brücke über den Rhein und dann den Germanen kräftig aufs Haupt. Unmittelbar darauf zog er sich wieder auf das rheinische Westufer zurück und ließ die Rheinbrücke abbrechen. Bis heute ist es ein Rätsel, wo sie stand. Aber so viel ist klar: Es kann unmöglich in Köln gewesen sein, wo man sich lange Zeit im Brückenbau schwertat. Nach Cäsars Brückenschlag dauerte es nämlich über 350 Jahre, bis Kaiser Konstantin I. dort eine Brücke errichten ließ, die während der Völkerwanderung zerstört wurde. Nur den Preußen ist es zu verdanken, daß ab 1822 in Köln der Brückenbau wieder aufgenommen wurde. Heute zählt man in Köln sieben Rheinbrücken, die sanierungsbedürftig sind. Geht es nach dem Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester, soll ab 2026 die Sanierung dreier Rheinquerungen schrittweise beginnen und in den 2040er-Jahren abgeschlossen werden. Das Geld dazu kommt zum größten Teil aus Landes- und Bundesmitteln.</p>



<p>Doch wird der Bauträger seinen Kosten- und Zeitplan einhalten? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich drohen der Stadt Köln neue Dauerbaustellen und Milliardengräber. Denn gleichzeitig zur Sanierung der Rheinbrücken will sie auch noch zwei neue Rad- und Fußwegbrücken über den Rhein bauen und sich trotz leerer Kassen für die Olympischen und Paralympischen Spiele von 2036, 2040 und 2044 bewerben. Was für ein Wahnwitz! Kaiser Nero wäre beim Vernehmen dieser törichten Pläne zu Tränen gerührt gewesen. Großartiger kann man nicht untergehen! „Ave Cäsar! Make Colonia great again!“</p>



<p>Und wahrlich, Köln zeigt Mut zur Größe! 2028 will die Deutsche Bahn in der Kölner Innenstadt vier alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnbrücken der Hohenzollern-Ära durch neue Brücken ersetzen. Ihr Argument: Eine Brückensanierung sei im Gegensatz zum Brückenneubau aufgrund gestiegener technischer Anforderungen im Bahnverkehr nicht möglich. Dem widersprachen die Gegner des Brückenneubaus bis zuletzt vehement, aber erfolglos. Am 30. September 2025 hat das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluß erlassen, was ganz im Sinne der Deutschen Bahn ist. Totalerneuerungen werden gegenüber Instandsetzungen oder Sanierungen bundesweit fördertechnisch bevorzugt. Und deswegen müssen die alten Bahnbrücken in der Kölner Innenstadt weichen. So einfach ist das. </p>
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		<item>
		<title>Deutsche Vereine im Ausland</title>
		<link>https://dereckart.at/deutsche-vereine-im-ausland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 08:52:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Volkstum]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Christoph Bathelt Gelebter Bürgersinn und Freiwilligeneinsatz Kulturvereine, Sportclubs, Chöre, Schulinitiativen oder Hilfsgemeinschaften. Sie sind weit mehr als nostalgische Treffpunkte – sie verkörpern die Prinzipien bürgerschaftlichen Engagements über die Grenzen hinaus und schlagen Brücken zwischen Deutschland und den Gastländern. Der Verein ist ein Kernstück deutscher Alltagskultur, darum widmete sich der ECKART unlängst diesem Thema mit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Christoph Bathelt</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Gelebter Bürgersinn und Freiwilligeneinsatz</h2>



<p></p>



<p>Kulturvereine, Sportclubs, Chöre, Schulinitiativen oder Hilfsgemeinschaften. Sie sind weit mehr als nostalgische Treffpunkte – sie verkörpern die Prinzipien bürgerschaftlichen Engagements über die Grenzen hinaus und schlagen Brücken zwischen Deutschland und den Gastländern.</p>



<p>Der Verein ist ein Kernstück deutscher Alltagskultur, darum widmete sich der <em>ECKART</em> unlängst diesem Thema mit einer Schwerpunktausgabe. In kaum einem anderen Land ist die Organisationsform so tief verwurzelt. Sie steht für Selbstorganisation, Gemeinsinn und Verantwortungsbewußtsein – Grundpfeiler demokratischer Kultur. Wo Deutsche sich niederlassen, entstehen Vereinigungen mit vertrauter, mitunter belächelter, aber bewährter Struktur: Satzung, Vorstand, Mitgliederversammlung.</p>



<p>Schon im 19. Jh. gründeten Auswanderer in Nord- und Südamerika Turn- und Gesangsvereine oder Hilfsgesellschaften. Sie bewahrten Sprache und Bräuche, engagierten sich aber bald auch sozial: Sie errichteten Schulen, Theater, Bibliotheken oder Krankenhäuser, unterstützten Bedürftige und beteiligten sich an kommunalen Projekten – freiwillig, unentgeltlich und dauerhaft. Damit wurden sie zu Akteuren lokaler Zivilgesellschaften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun“</h3>



<p></p>



<p>Im Verein wird Solidarität praktisch, hier entsteht Vertrauen durch gemeinsames Tun. Das Prinzip der Freiwilligkeit, das dem Vereinswesen zugrunde liegt, spiegelt sich auch in anderen Formen bürgerschaftlichen Handelns. Ein frühes Symbol dieser Haltung war die preußische Lebensrettungsmedaille, die Menschen für selbstlosen Einsatz ehrte, und die Namen der Träger sagen einiges über die damalige Gesellschaft aus: Etwa Prinz Friedrich Karl von Preußen (rettete einen Jungen aus dem Rhein bei Bonn), Helmuth von Moltke, Otto von Bismarck, der Jagdflieger Oswald Boelcke, der ein französisches Kind aus einem Kanal ziehen konnte sowie der ostpreußische Unternehmer Victor Caillé, der sogar dreimal damit ausgezeichnet wurde. Diese Beispiele zeigen, wie tief Freiwilligkeit und Gemeinsinn in der deutschen Kultur verankert sind. Älteste noch existierende Organisation ist übrigens der sogenannte Baarverein mit Sitz in Donaueschingen, er wurde 1805 als „Gesellschaft der Freunde vaterländischer Geschichte und Naturgeschichte an den Quellen der Donau“ gegründet und gilt als älteste landeskundliche Vereinigung Deutschlands. Noch älter ist die „Leopoldina“, auch bekannt als Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e. V. – Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie wurde 1652 gegründet und ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum und die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.</p>



<p>In den USA wurde 1840 in New York der Orden der „Sons of Hermann“ gegründet – zunächst als Hilfsgesellschaft für deutsche Einwanderer mit Versicherungsschutz und sozialer Unterstützung. Heute steht er allen offen und fördert weiterhin deutsche Traditionen und soziale Programme. Ebenfalls 1840 entstand der Mainzer Carnevalsverein New York, einer von vielen Vereinen, die Geselligkeit, Theater, Musik und Bildung verbanden. Nach 1848 gründeten zahlreiche Immigranten – viele von ihnen politische Flüchtlinge – Turn-, Gesangs- und Unterstützungsvereine.</p>



<p>Landsmannschaften wie der Rheinpfälzer Volksfestverein New York, der Rheinpfälzische Unterstützungsverein Cincinnati und der Pfälzer Bund von St. Louis boten Neuankömmlingen Integration und Zusammenhalt. Ihre Feste, etwa der Dürkheimer Wurstmarkt und die Edesheimer Kerwe in Milwaukee, erfreuten sich großer Beliebtheit und förderten das deutsch-amerikanische Bewußtsein. Nicht umsonst wurde „German Gemutlichkeit“ zu einem Markenbegriff.</p>



<p>In all diesen Beispielen, von Lebensrettern über Hilfsgesellschaften bis zu geselligen Vereinen zeigt sich dieselbe Haltung: freiwilliges Engagement, Verantwortungsgefühl und Gemeinschaftssinn. Deutsche Vereine im Ausland sind daher weit mehr als kulturelle Inseln der Heimatpflege. Sie sind Orte des Miteinanders und sozialen Lernens. Indem sie Gemeinschaft stiften, Verantwortung fördern und über Grenzen hinweg wirken, verkörpern sie das Prinzip gelebter Zivilgesellschaft in seiner besten Form – als Zusammenspiel von Tradition, Engagement und Weltoffenheit.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Dr. Wolfgang Steffanides</title>
		<link>https://dereckart.at/dr-wolfgang-steffanides/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 09:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[In dankbarer Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[3. Juni 1938&#160;–&#160;16.&#160;August&#160;2026 Mit Dr. Wolfgang Steffanides verliert die Österreichische Landsmannschaft einen langjährigen Weggefährten und Freund, ein Vorstandsmitglied, das über Jahrzehnte das Vereinsleben mitgeprägt hat. Kaum jemand war außerdem in so vielen Vereinen unseres Lagers tätig und an so vielen Arbeitsbereichen interessiert wie er: Von A wie Alpenverein über V wie Volksliedwerk bis W wie [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">3. Juni 1938&nbsp;–&nbsp;16.&nbsp;August&nbsp;2026</h2>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="939" height="627" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/WolfgangSteffanides_edited-1.png" alt="" class="wp-image-12244" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/WolfgangSteffanides_edited-1.png 939w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/WolfgangSteffanides_edited-1-300x200.png 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/WolfgangSteffanides_edited-1-768x513.png 768w" sizes="(max-width: 939px) 100vw, 939px" /></figure>



<p>Mit Dr. Wolfgang Steffanides verliert die Österreichische Landsmannschaft einen langjährigen Weggefährten und Freund, ein Vorstandsmitglied, das über Jahrzehnte das Vereinsleben mitgeprägt hat. Kaum jemand war außerdem in so vielen Vereinen unseres Lagers tätig und an so vielen Arbeitsbereichen interessiert wie er: Von A wie Alpenverein über V wie Volksliedwerk bis W wie Witikobund war alles vertreten. Die Lücke, die sein Tod so plötzlich gerissen hat, kann nicht einfach wieder geschlossen werden. Der Tod ist ihm als schneller Freund entgegengetreten. Er folgt nun den vielen, für die er selbst in den vergangenen Jahren immer die richtigen und schönen Worte der Hochachtung, des Dankes und der Anerkennung für ihre Treue gefunden hat. Alles, was er anderen entgegengebracht hat, gilt nun in ganz besonderer Weise auch ihm.</p>



<p>Der gebürtige Wiener fühlte sich zeitlebens dem Erbe seiner Vorfahren verpflichtet. Die Familie stammte väterlicherseits aus dem Egerland, seine Mutter aus Mähren. Diese Herkunft war für ihn keine bloße Familiengeschichte, sondern ein lebendiger Teil seiner Identität und seines Engagements. So besuchte er die Volksschule in Unter-Tannowitz und erlebte die Vertreibung der Deutschen dort 1945 am eigenen Leib. Durch den frühen Tod des Vaters mußte er schon früh Verantwortung tragen, übernahm dessen Drogerie in der Simmeringer Hauptstraße und erlernte zunächst den Beruf des Drogisten. Später führte ihn sein Weg an die Hochschule für Welthandel, wo er im Abendstudium als Volkswirt abschloß und promoviert wurde. Sein Berufsleben brachte ihn weit über Österreich hinaus. Zu seinen Stationen gehörte unter anderem der Dudenverlag in Mannheim; berufliche Aufgaben führten ihn später bis nach Südafrika. Als Unternehmensprüfer lernte er zahlreiche österreichische Firmen und ihre Geschichte aus nächster Nähe kennen. Noch in späteren Jahren konnte er deshalb mit großem Wissen und zahlreichen persönlichen Erinnerungen über die österreichische Wirtschaft und ihre Entwicklung berichten.</p>



<p>Seine besondere Liebe aber galt der Volkstumsarbeit. Sie war für ihn keine abstrakte Aufgabe, sondern gelebte Verbundenheit. Viele deutsche Volksgruppen in aller Welt kannte er durch persönliche Begegnungen und eigene Reisen. Bis zuletzt nahm er Anteil an den Aktivitäten der Ungarn- und vor allem der Karpatendeutschen, aber auch der Schlesier und Siebenbürger. Als Obmann des Allgemeinen Deutschen Kulturverbandes fühlte er sich auch den Deutschen in Übersee verbunden. Seit 1963 führten ihn seine Reisen regelmäßig in die Slowakei. Dort besuchte er nicht nur Verwandte, sondern suchte immer auch den Kontakt zu den Menschen und Gemeinschaften der deutschen Minderheiten. Persönliche Freundschaften, etwa mit dem Tatra-Pionier Prof. Alfred Groß, waren ihm ebenso wichtig wie die Verbundenheit mit ganzen Gemeinden. Besonders eng war seine Beziehung zu dem Zipser Dorf Hopgarten, dessen Ehrenbürger er 1999 wurde. Die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen und die Überbringung von Grußworten in Hopgarten sowie beim alljährlichen Karpatendeutschen Begegnungsfest in Käsmark waren für ihn bis zuletzt eine selbstverständliche Ehrensache.</p>



<p>Der Bergfex, Turner und Volkstänzer war ein Mann der Begegnung. Sein großartiges Netzwerk reichte weit über die Grenzen einzelner Vereine und Verbände hinaus. Er brachte Menschen zusammen, bewahrte Verbindungen und pflegte Freundschaften über Jahrzehnte. Dabei waren es nicht nur sein enormes Wissen und seine Erfahrung, die ihn zu einem geschätzten Ratgeber machten: Es waren vor allem seine Güte, seine Bescheidenheit und seine stets wertschätzende Art. Wer seinen Rat suchte, konnte darauf vertrauen, ernst genommen zu werden und eine kenntnisreiche, wohlüberlegte Antwort zu erhalten.</p>



<p>Nun ist er selbst Teil jener Erinnerung geworden, die zu bewahren er sich sein Leben lang verpflichtet fühlte. Wir werden seine Stimme, seinen Rat, seine Geschichten und seine persönliche Anteilnahme vermissen. Vor allem aber wird uns ein Mensch fehlen, der anderen mit Respekt und Herzlichkeit begegnete und der die Treue zu seiner Herkunft, zu seinen Freunden und zu den vielen Gemeinschaften, denen er verbunden war, glaubwürdig gelebt hat. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin Senta und weiteren Angehörigen. Dr. Wolfgang „Steff“ Steffanides wird uns fehlen. Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren!</p>



<p><em>Christoph Bathelt</em></p>



<p></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Grimmelshausen zum 350. Todestag</title>
		<link>https://dereckart.at/grimmelshausen-zum-350-todestag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 13:56:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (79) 350 Jahre ist es her, daß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb: am 17. August 1676. Der eine Klassiker der Weltliteratur, den er schuf, hat ihn unsterblich gemacht und hält die grausame Realität des Dreißigjährigen Krieges lebendig. Geboren wurde Grimmelshausen 1621 oder 1622 in Gelnhausen nahe Frankfurt. Als sein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (79)</h2>



<p>350 Jahre ist es her, daß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb: am 17. August 1676. Der eine Klassiker der Weltliteratur, den er schuf, hat ihn unsterblich gemacht und hält die grausame Realität des Dreißigjährigen Krieges lebendig.</p>



<p>Geboren wurde Grimmelshausen 1621 oder 1622 in Gelnhausen nahe Frankfurt. Als sein Vater verstarb, nahm ihn der Großvater zu sich und schickte ihn für ein paar Jahre auf die Lateinschule im Ort. Nach der Schlacht von Nördlingen (5./6. September 1634) verloren die Schweden ihren Einfluß in Süddeutschland. Im selben Jahr 1634 wurde auch das lutherische Gelnhausen von den Kaiserlichen geplündert und in Brand gesteckt, und Grimmelshausen geriet unter die Soldaten, unter kroatische Reiter. Sein Lebensweg und der seiner berühmten literarischen Figur Simplicissimus überschneiden einander in manchen Punkten, doch das Los Grimmelshausens war eine weitere Gefangennahme: Hessische Soldaten überwältigten die Kroaten und setzten sie sowie Grimmelshausen in Kassel fest.</p>



<p>Nachdem dieser die Wechselfälle des Kriegsgeschehens fast sämtlich mitgemacht hatte, begann er nach dem Friedensschluß von 1648 ein neues Leben. Er heiratete, gründete eine Familie, verdiente sich seinen Unterhalt als Verwalter, Gastwirt und Bürgermeister in Renchen, zwanzig Kilometer östlich von Straßburg. Erst jetzt begann er mit dem Schreiben. Unter zahlreichen Pseudonymen verfaßte er ein Werk nach dem anderen. <em>Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch</em>, sein zweiter Roman, wurde gleich nach der Veröffentlichung 1668 zu einem großen Erfolg: In den nächsten vier Jahren erschienen sechs Auflagen, wovon eine ein Raubdruck war.</p>



<p>Gegen Ende seines Lebens wurde Grimmelshausen erneut Soldat: Denn als Ludwig XIV. die östliche Grenze Frankreichs bis an den Schwarzwald ausdehnen wollte, wurde die Region um Renchen zum Schlachtfeld. Auch der Bürgermeister Grimmelshausen mußte noch einmal in den Krieg ziehen. Vielleicht an den Folgen einer Verwundung oder an einer Krankheit starb er am 17. August 1676 mit etwa 55 Jahren im Kreis seiner Familie. Er war einer unter Hunderttausenden im Heer der namenlosen Kriegshandwerker gewesen, die in jenen dreißig Jahren schießend und stechend, raubend und mordend durch die deutschen Lande gezogen waren. Oft war es purer Zufall, wer auf der Seite des Kaisers und wer auf der Seite seiner Gegner ins Gefecht ging. Was sie antrieb, waren nur Not und Hunger, denn sie waren Söldner.</p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufstieg und Fall des Werner Bräunig</title>
		<link>https://dereckart.at/aufstieg-und-fall-des-werner-braeunig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone In der soeben erschienenen August-Ausgabe des ECKARTs führe ich eine Neuerscheinung von Carsten Gansel ein. Der Literaturwissenschaftler zeichnet die Prozesse der Entwertung des mittel- bzw. ostdeutschen Schriftgutes in seiner Studie Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand (Stuttgart 2026) nach. „Wer wissen will, was die DDR und wie der Alltag [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaisers Zone</h2>



<p>In der soeben erschienenen August-Ausgabe des <em>ECKARTs</em> führe ich eine Neuerscheinung von Carsten Gansel ein. Der Literaturwissenschaftler zeichnet die Prozesse der Entwertung des mittel- bzw. ostdeutschen Schriftgutes in seiner Studie <em>Ausradiert? Wie die Literatur der DDR</em> <em>verschwand</em> (Stuttgart 2026) nach. „Wer wissen will, was die DDR und wie der Alltag war“, so hält Gansel fest, „sollte die Literatur lesen, die in diesem Land entstand und die keineswegs eine Affirmation des Bestehenden betrieb.“ Gansel verweist dabei auf jene Autoren, die in der Nachwenderepublik der <em>damnatio memoriae</em> verfielen; man las DDR-Literatur nicht mehr, man warf sie sogar – in den Jahren nach 1990 ganz gegenständlich – auf die Müllhalde.</p>



<p>Diese Entsorgungsepoche des mittel- bzw. nun ostdeutschen Schrifttums war keine, in der man nach Geheimtips des verblichenen Teilstaates suchte, die es neu zu edieren gäbe. Erst 2007 hob daher der Aufbau Verlag einen besonderen Schatz, der auch bei Gansel Erwähnung findet: den <em>Rummelplatz</em> des Chemnitzer Arbeiters und Schriftstellers Werner Bräunig in der bis dato verborgenen Erstauflage. Es war im Osten der BRD ein literarisches Ereignis, das ich, damals frisch eingelebt in der altehrwürdigen Industriestadt, eher zufällig wahrnahm. Denn Bräunigs Hauptwerk war zwar direkt nominiert für den Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse, aber er selbst war mir kein Begriff. Das hatte mit einer anderen Form der <em>damnatio memoriae, </em>einer Art bewußten Entscheidung zum Vergessenwerden,zu tun. Denn die DDR-Kulturfunktionäre hatten zu Bräunig den Daumen gesenkt und zwar bereits ab 1965, also vier Jahrzehnte vor der Publikation des Hauptwerkes von Bräunig.</p>



<p>Das hatte natürlich mit der Lebensgeschichte des 1934 in Chemnitz geborenen Werner Bräunig zu tun. Eigentlich, möchte man meinen, wäre er im Zeichen von Bitterfelder Weg („Greif zur Feder, Kumpel!“) und Aufbau des Sozialismus ein ausgezeichneter Kandidat für die führende SED-Literaturproduktion gewesen: Arbeitersohn, proletarisch sozialisiert, Schlosserlehre, Verwurzelung im Sächsischen. Doch Bräunig war schon in dieser turbulenten Phase der DDR zu unbequem. 1953 ging er als Fördermann der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut (SDAG Wismut) aus Chemnitz ins angrenzende Erzgebirge. Dort, wo „die Wismut“, wie man das 1946 gegründete Bergbauunternehmen bis heute schlicht nennt, die Lebenswelt vieler zehntausender Deutscher bestimmte, lernte er nicht nur den harten Alltag der vom Sowjetbesatzer ausgebeuteten Malocher kennen, sondern auch die neue Halbwelt, die im Dunstkreis der Zechen und Gruben entstanden war. Bräunig selbst schmuggelte zu den Westbesatzern und wurde erwischt; nach kurzer Haftstrafe blieb er im „Arzgebirg“ und verdingte sich auf verschiedenen Stellen. Daneben versuchte er sich recht erfolgreich als Autor für die regionale Tageszeitung <em>Volksstimme</em> (heute: <em>Freie Presse</em>) und wurde von Kulturfunktionären als Talent entdeckt. Drei Jahre lang durfte der publizistische Aufsteiger deswegen am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig lernen, bevor er, seit 1958 SED-Mitglied, im Jahr des Mauerbaues 1961 sogar eine Anstellung in dieser renommierten Einrichtung erhielt, die er bis 1967 – allerdings zuletzt strafweise an die Zeitung <em>Freiheit</em> „abkommandiert“ – ausüben konnte. Vom Leipziger Umland zog er damals nach Halle/Saale, wo er am 14. August 1976 – schwer alkoholkrank und politisch-gesellschaftlich isoliert – verstarb.</p>



<p>Dieser tödliche Abstieg des einstmals so aufstrebenden Jungliteraten hatte mit dem eingangs erwähnten Epos <em>Rummelplatz</em> zu tun. Denn Bräunig wollte, wie er selbst formulierte, schriftstellerisch „teilhaben an der Veränderung der Welt“, die sich im besonderen in der SBZ bzw. frühen DDR vollzog. Er wollte den „Sozialistischen Realismus“ sehr plastisch, sehr konkret, sehr lebenswirklich darstellen und mußte so zwangsläufig den Propagandisten des SED-Apparates mit ihrer demonstrativen Verklärung der gesellschaftlichen Verhältnisse ins Gehege kommen. So sorgte schon der 25-Seiten-Vorabdruck des geplanten Werkes in der Zeitschrift <em>Neue deutsche Literatur</em> im Jahr 1964 für Bräunigs schrittweise Demontage. Bräunig selbst ahnte wohl vorher potentielle Unstimmigkeiten und stellte dem Auszug eine Bemerkung voran, wonach er, der damals 30jährige, explizit seiner Alterskohorte nachfühlen möge, die 1945 – in der vermeintlichen Stunde Null – elf bis dreizehn Jahre alt gewesen sei: „Es ist meine Generation, und aus Erlebnis und Beobachtung weiß ich, daß sie sich von den nur um fünf Jahre Älteren genauso merklich unterscheidet wie von den nur fünf Jahre Jüngeren.“ Es ging ihm also nicht um eine ideologische Kritik der jungen DDR, sondern um eine Analyse einer Generation im Wandel. Und Bräunig sah seine Generation – speziell im damals rasant wachsenden Wismut-Imperium zwischen Johanngeorgenstadt und Aue bis ins Thüringische hinein, das zum drittgrößten Uranproduzenten der Welt wurde – nun mal hin- und hergeworfen zwischen harter Arbeit, körperlichem Leid, sowjetischem Zwang und der Suche nach Müßiggang als temporärer Flucht aus der bleibenden Realität.</p>



<p>Prompt reagierten besonders parteitreue „Wismut-Kumpel“ per Eingabe an die <em>Neue deutsche Literatur </em>und warfen dem Autor vor, „Schmutz über unsere Bergarbeiter und deren Frauen“ zu kübeln. Es folgten weitere Verrisse, und insbesondere folgte die minutiöse Überwachung Bräunigs durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das sich in jener Stabilisierungsphase besonders aktiv darum bemühte, vermeintlich oder tatsächlich oppositionelle Regungen zu zersetzen. Die Parteiführung der SED gab dabei wie gewohnt die Generallinie vor: Mit dem „Kahlschlagplenum“ im Dezember 1965 wurde seitens des Zentralkomitees Gericht über mögliche Dissidenten im Schrifttum gehalten; vor allem Werner Bräunig kam unter die Räder, und sein geplanter Roman <em>Rummelplatz, </em>dessen Rohfassung mit verschiedenen Detailvariationen vorlag, direkt auf den Index. Davon erholte sich Bräunig nicht: Die Parteilenker zerstörten sein Werk, die Stasi zerstörte sein persönliches Umfeld, der Alkohol schließlich zerstörte Bräunig selbst.</p>



<p>Unabhängig von diesem Dreischritt konnten zumindest periphere Schriften erscheinen, darunter seine Essaysammlung <em>Prosa schreiben</em> (1968) und sein 2008 neu aufgelegter Erzählband <em>Gewöhnliche Leute</em> (1969/71), was ihn, der seit Frühling 1967 als freiberuflicher Autor ohne SED-Schutzschirm darbte, zumindest dank der Honorare des – ebenfalls in Halle/Saale ansässigen – Mitteldeutschen Verlages teilweise über Wasser hielt. Teilweise, denn längst hatte eingesetzt, was die Bräunig-Expertin und -Herausgeberin Angela Drescher als „eine lange Geschichte von Selbstzerstörung durch Alkohol, vom Verlust des Konzentrationsvermögens, der Arbeitsfähigkeit, der Selbsteinschätzung, von zunehmender Vereinsamung, von Abstürzen, Schwäche, Selbstbetrug, Realitätsverlust“ beschrieb. Nichts davon zu spüren ist freilich im posthum veröffentlichten 700-Seiten-Wälzer <em>Rummelplatz</em>, der zu den wichtigsten Büchern der DDR-Geschichte zu zählen ist, auch wenn es in Zeiten dieses deutschen Teilstaates eben gar nicht erscheinen konnte.</p>



<p>Die wohl bekannteste DDR-Schriftstellerin überhaupt, Christa Wolf, die beim gefürchteten 11. Plenum der SED 1965 die isolierte Stimme der Verteidigung für Bräunig geblieben war, schrieb im Vorwort der 2007er-Ausgabe, man müsse <em>Rummelplatz</em> zwingend lesen, gerade auch als Nichtostdeutscher. Denn man finde „in diesem Buch wie in wenigen anderen einen Zeugen der Lebensverhältnisse, der Denkweise von Personen, ihrer Hoffnungen und der Ziele ihrer oft übermäßigen Anstrengungen“. Wolf hat recht. Gerade weil Werner Bräunig so schonungslos wie derb, so realitätsgetreu wie möglich, die Jahre nach 1945 im westsächsischen Industriegebiet nachzeichnet und die Schattenseiten menschlicher Existenz im bleibenden Ausnahmezustand der fremdbestimmten Neuordnung verarbeitet, ist <em>Rummelplatz</em> noch heute historisch instruktiv und emotional packend zugleich.</p>



<p>Wenn der eingangs zitierte Carsten Gansel also dazu rät, daß jener, der den DDR-Alltag <em>ex post</em> nachzuempfinden versuche, jene Literatur zu lesen habe, „die in diesem Land entstand und die keineswegs eine Affirmation des Bestehenden betrieb“, dann kann man gar nicht anders, als zum <em>Rummelplatz</em> zu greifen. Der heutige 50. Todestag Werner Bräunigs ist dazu ein passender Anlaß.</p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Ich habe das gleiche Blut wie du!“</title>
		<link>https://dereckart.at/ich-habe-das-gleiche-blut-wie-du/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 09:52:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Daniel Fabian Bei den Deutschen in Chiles Süden Als jüngst ein neuer chilenischer Präsident gewählt wurde, kam die Berichterstattung um deutsche Namen nicht herum: Die Eltern des neuen Präsidenten José Antonio Kast waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Allgäu nach Chile ausgewandert; noch Kasts älterer Bruder Michael, der früh verstorbene Zentralbankpräsident unter Pinochet, [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Daniel Fabian</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Bei den Deutschen in Chiles Süden</h2>



<p></p>



<p>Als jüngst ein neuer chilenischer Präsident gewählt wurde, kam die Berichterstattung um deutsche Namen nicht herum: Die Eltern des neuen Präsidenten José Antonio Kast waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Allgäu nach Chile ausgewandert; noch Kasts älterer Bruder Michael, der früh verstorbene Zentralbankpräsident unter Pinochet, war in Deutschland geboren. Kasts jüngerer rechter Mitbewerber, der „libertär-reaktionäre“ Johannes Kaiser, stammt von allen vier Großeltern her von Deutschen ab, ist zweisprachig aufgewachsen und studierte in Heidelberg und Innsbruck. Viele trauen ihm nach einem Achtungserfolg bei der vergangenen Wahl in der Zukunft eine Präsidentschaft zu. Und mit Evelyn Matthei stammt auch eine dritte der fünf mit Erfolgsaussichten angetretenen Kandidaten aus der deutschen Minderheit.</p>



<p>Diese Häufung mag Zufall gewesen sein, doch sie lenkt den Blick auf die unter vielen europäischstämmigen Gruppen bis heute besonders bedeutende Gemeinschaft der Deutschen im Einwanderungsland Chile. Das Zentrum der deutschen Einwanderung liegt im Süden des Landes, südlich der Provinzhauptstadt Temuco bis zur Provinzhauptstadt Puerto Montt. Freilich beschränken sich die deutschen Spuren vielfach auf Nachnamen und historische Überbleibsel. Bis heute am stärksten sichtbar und lebendig ist der deutsche Einfluß jedoch im Süden des bezeichneten Gebietes, etwa ab der Stadt Osorno südwärts im Umkreis des riesigen Llanquihue-Sees. Dorthin zu reisen, geht weit über eine „Spurensuche“ hinaus, wie sie vielfach in geographisch viel näher gelegenen ehemals deutschen Gebieten leider nur noch möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kuchen, Würste, Schwarz-Rot-Gold</h3>



<p></p>



<p>Zunächst fallen die vielen deutschen Bundesflaggen auf. Die Kleinstädte am Westufer des Sees sind an einem normalen Werktag üppiger beflaggt als eine bundesdeutsche Kleinstadt am Tag der Deutschen Einheit. Nicht nur die chilenische Neigung zum Hissen ihrer Nationalflagge wird hier in abgrenzender Aneignung aufgenommen, auch der Tourismus spielt eine Rolle. Denn dieser ist in Frutillar, Llanquihue oder Puerto Varas stark auf das deutsche Erbe und deutsche Besucher ausgerichtet. Aber auch von Autoaufklebern und aus den Fenstern von Privathäusern grüßt unübersehbar vielfach der deutsche Dreifarb. Und nicht nur das: Zur Einkehr lockt etwa ein „Kuchenladen“, „El rincón de la Oma“ („Omas Ecke“ – „Oma“ ist hier statt der spanischen Bezeichnungen weit verbreitet), eine Bäckerei „Vollkornbrot“ (in kantiger Frakturschrift) oder, wenn es etwas gehobener sein soll, das Restaurant „Zur Wassermühle“.</p>



<p>Von dieser Überraschung erholt sich der Tourist am be­sten mit einer Bratwurst, einem „Kunstmann“-Bier von der beliebtesten chilenischen Brauerei oder einem „<em>Kuchen</em>“, denn so werden diese Süßspeisen auch hier genannt. Dann werden aber auch die Unterschiede zum heimisch Bekannten deutlich, denn eine gute Wurst nach deutschem Standard zu finden, ist hier schwer. Und „Kuchen“ ist die Bezeichnung für eine bestimmte Art als deutsch wahrgenommener Backwaren, die aber anders sind, als aus Mitteleuropa bekannt. Der Blick in ein Backbuch der deutschen Einwanderer belehrt: Ihre süße Küche hat sich von jener in der Heimat wegentwickelt. In Chile sind Quark/Topfen und Schmand unbekannt, weswegen oft Mischungen aus Maisstärke und Sahne verwendet wurden und werden. Die „Kuchen“ in Chile sehen anders aus und schmecken anders!</p>



<p>Dennoch gibt es wohl keine Weltgegend außerhalb Europas, in der sich – mitten in der spanischsprachigen Mehrheitsgesellschaft, ohne religiöse Abschottung – so viele deutsche Kulturelemente und deutsche Identität so lange gehalten haben. Wer deutsche Friedhöfe sehen will, auf denen auch über hundert Jahre alte Gräber nicht abgeräumt werden, wird im Süden Chiles eher fündig als in der BRD. Auf dem reizvoll direkt an einer Steilküste am Seeufer gelegenen, nahezu rein deutschen Friedhof von Totoral werden auch heute noch die neu hergestellten Grabsteine mit deutschen Grabsprüchen und zum Teil in Fraktur beschriftet. Ganz in der Nähe findet sich auf einer Anhöhe das Denkmal der deutschen Einwanderung, 1937 errichtet. „Unseren Ahnen“ steht in großen Lettern darauf, dazu sind die Namen der ersten 80 Einwanderer gesetzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Die Deutschen haben sich sehr aufgeopfert für dieses Land. Als sie kamen, war hier nur Urwald.“</h3>



<p></p>



<p>Die Landschaft, die die deutschen „Colonos“ hier vorfanden, war wild, unübersichtlich und von Urwald geprägt. Die einzigen Bewohner waren Nomaden. Heute erinnert die Landschaft an eine etwas wildere Version von Oberbayern. Die Deutschen glichen das Land an ihre alte Heimat an; Felder, Wiesen und die Ufer der vielen Seen bebauten, gestalteten und hegten sie so, wie sie es aus Deutschland kannten. Kaum irgendwo wird die landschaftsprägende Kraft einer Kultur so bewußt wie hier. Die nichtdeutsche Einwanderung folgte erst spät und langsam. Noch in den 1950er-Jahren waren die ländlichen Gegenden rein deutschsprachig, in einer Kleinstadt wie Llanquihue gab es in jener Zeit gerade einmal zehn aus Zentralchile zugewanderte „spanische“ Familien. Den heutigen Einheimischen jedweder Herkunft ist das sehr bewußt, und die Geschichte der Kolonisierung wird in etlichen größeren und kleineren Museen dargestellt. Der nicht deutschstämmige Ingenieur Claudio sagt voller Anerkennung: „Die Deutschen haben sich sehr aufgeopfert für dieses Land. Als sie kamen, war hier nur Urwald!“</p>



<p>Diese vielfach anzutreffende Zuneigung zur deutschen Herkunft treibt ungewohnte und manchmal kuriose Blüten. Wir sehen eine große, sehr auffällige Tätowierung mit dem Wappen des Deutschen Kaiserreiches auf dem Rücken eines halbnackten Mannes offensichtlich nicht in erster Linie deutscher Herkunft. Auf einer abgelegenen Landstraße werden wir von einem staubigen Pritschenwagen überholt – am Heck erkenne ich den Aufkleber einer der vier deutschen Burschenschaften in Chile mit dem typischen Zirkel. Ein schwarzhaariges Baby mit dunklem Teint heißt „Hans“, der Vater Pedro hat, wenn auch äußerlich nicht erkennbar, eine deutsche Großmutter und interessiert sich für deutsche Geschichte und die politische Lage ebenso wie für deutschen Fußball. Deutsche oder hispanisierte deutsche Namen wie Oswaldo, Rodolfo etc. sind weit verbreitet. Und mehrere Male äußern Einheimische ohne deutsche Vorfahren Meinungen über die deutsche Geschichte und Gegenwart, die ich hier nicht wiederholen kann, ohne die <em>ECKART</em>-Redaktion in Schwierigkeiten zu bringen …</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wirtschaftlicher Aufschwung, unsichere Zukunft?</h3>



<p></p>



<p>Die Region ist heute wirtschaftlich vergleichsweise stark, vor allem durch den immer noch weiter zunehmenden Tourismus. Dazu kommt die „Stadtflucht“ vieler, vor der Sicherheitslage in der Hauptstadt Santiago geradezu fliehender Wohlhabender, angezogen durch hervorragende Infrastruktur und die Naturschönheiten der Umgebung. Das Preisniveau ist relativ hoch, dies wiederum hält Armutseinwanderer ab. Doch gerade dieses Wachstum (Bauboom und Überfüllung inbegriffen) könnte das Ende der deutschen Minderheit einläuten. Schon eine Industrialisierungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg hatte erst die spanischsprachigen Chilenen als Arbeitskräfte in die Gegend gebracht und damit den Bedarf nach nichtdeutschen Schulen erzeugt. Heute ist Deutsch als Umgangssprache immer weiter auf dem Rückzug, trotz mehrerer deutscher Schulen in der Region. Trotz einer frisch aus Deutschland eingetroffenen jungen Pastorin gibt es rund um den See keinen deutschsprachigen Gottesdienst mehr. Auch wenn die Liste der Namen im Kirchenvorstand der lutherischen „Seegemeinde“ sich liest wie aus einer Pfarrei in der Bundesrepublik: Die Gottesdienstsprache ist Spanisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Ich bin aus der vierten Generation, aber wir haben immer nur untereinander geheiratet!“</h3>



<p></p>



<p>„Ihr beide würdet in Deutschland nicht auffallen!“, sage ich dem deutschstämmigen Bauern Patricio und erhalte als Antwort: „Ich bin aus der vierten Generation, aber wir haben immer nur untereinander geheiratet! Ich habe das gleiche Blut wie du!“ Deutsch spricht auch er nur noch wenig, obwohl seine Großmutter mit ihm immer Deutsch gesprochen hat. Er würde sein Kind gerne zu einem Schüleraustausch nach Deutschland schicken, ist aber besorgt um die Sicherheitslage in Europa: „Was wir hören über Deutschland heute, können Frauen dort nicht mehr sorglos auf die Straße gehen.“ Sein Cousin Walter äußert beim gemütlichen Lamm-Grillen ähnliche Bedenken. Auch seine Tochter soll nicht unbegleitet nach Deutschland gehen. Die Lage in Europa beobachten sie genau, sind sich ihrer Herkunft mehr als bewußt. Deutsch war für Walter sogar die erste und bis zum sechsten Lebensjahr einzige Sprache, doch der Schulbesuch und der Tod seiner Großeltern änderten das. Heute spricht er nur noch wenig Deutsch, versteht aber noch manches.</p>



<p>Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der deutschen Minderheit verstehen weitgehend noch Deutsch, wollen es aber oft nicht mehr sprechen, sondern lernen unter Einfluß der Globalkultur als Fremdsprache lieber Englisch. Deutsche Chöre und Tanzgruppen haben keinen oder nur wenig Nachwuchs. Mehrere deutsche Schulen sorgen für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur an die Jugend, können aber nicht deren Anwendung im Alltag sichern; und ein Direktorenwechsel kann das Ende von Volkstanz oder deutschem Lied an einer Schule bedeuten. Im Bereich des internationalen Austausches scheint es dagegen heute wieder mehr Interesse unter den Jüngeren zu geben, sodaß die deutsche Sprache mittelfristig zumindest als Zweit- und Fremdsprache in vielen Fällen erhalten bleiben wird.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="960" height="1024" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-960x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-12226" style="width:510px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-960x1024.jpeg 960w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-281x300.jpeg 281w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross-768x819.jpeg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/08/7-2-Gross.jpeg 1080w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Rathaus in Frutillar: Schwarz-Rot-Gold, anders als im Mutterland mit Palme, aber ohne Regenbogenfahne</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein deutsches Leben: Von Ostpreußen an den Llanquihue-See</h3>



<p></p>



<p>Um die ganze Entwicklung der letzten Jahrzehnte nachvollziehen zu können, fragen wir einen, der alles miterlebt hat: den ältesten Mann der deutschen Gemeinschaft, Heinz Schwarz. In Ostpreußen 1934 geboren, entkam er kurz vor Kriegsende nur knapp und unter dramatischen Bedingungen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern dem Tod und seinem Herkunftsland. Seinen Vater verschlang der Krieg spurlos. Nach eineinhalb Hungerjahren und weiteren Nachkriegsjahren voller harter Arbeit und Entbehrungen in Süddeutschland suchte seine Mutter mit ihren sechs Kindern ein besseres Leben unter Deutschen fern der Heimat am Ufer des Llanquihue-Sees. Herr Schwarz berichtet von der langsamen Entfernung von der Herkunftskultur: Anfangs bestanden noch enge Wirtschaftsbeziehungen, fast alle Gegenstände, von landwirtschaftlichen Maschinen bis zu Geschirr, wurden aus der BRD importiert. Dies wurde aber durch die deutschen Unternehmen selbst sabotiert, weil Lieferung nur noch gegen zunehmend höhere und in dieser Region unrealistische Abnahmezahlen geleistet wurde. Auch hier sprangen schließlich Chinesen in die Lücke, heute gibt es außer manchen Lebensmitteln im Supermarkt schon lange keine nennenswerten Deutschlandimporte mehr. Dadurch wurde der Bezug zu Deutschland in der Alltagskultur stark geschwächt.</p>



<p>Und wie ist das mit der Vermischung und Zusammenarbeit zwischen deutschen und nichtdeutschen Chilenen? Es fällt auf, daß die Landwirtschaft weitgehend und ein bedeutender Teil von Handel und Gewerbe/Handwerk in deutscher Hand sind. Keine Protektion, keine Struktur oder Organisation trennt deutsche von nichtdeutschen Bauern und anderen Fachleuten in der Region, sondern Mentalität und Vertrauen. Ob noch deutschsprachig oder nicht: Die Nachfahren der deutschen Einwanderer denken und handeln anders, erklärt der ehemalige Landwirt und Landmaschineneinkäufer Schwarz: „Deutsche sind: ja oder nein! Wenn ich sage, ich komme morgen um zehn, dann komme ich morgen um zehn!“ Und dann wechselt er ausnahmsweise auf Spanisch und zählt die Art von Ausreden auf, die vielen Ankündigungen der anderen Chilenen typischerweise folgen: „Ich konnte nicht, weil die Mutter des Nachbarn meines Cousins …“, „Ich habe mich nicht gut gefühlt“ usw. … Schalk, Spott und etwas Verbitterung mischen sich in seinem Gesicht. </p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Fliegende Holländer</title>
		<link>https://dereckart.at/der-fliegende-hollaender/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 16:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames von Alain Felkel Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers Fluch der Karibik kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mythen, Sagen, Wundersames </h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers <em>Fluch der Karibik</em> kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv des Geisterschiffes eng mit Benelux und der deutschen Romantik verflochten ist und erst durch die Sage vom Fliegenden Holländer populär wurde.</p>



<p>Grundlage der Legende ist allgemeiner Überlieferung nach ein Vorfall gegen Ende des 17. Jh., als die Niederlande den Ostindienhandel dominierten. Damals machte ein holländischer Kapitän namens Bernard Fokke von sich reden, weil er mit seinem Schiff, einem Dreimaster mit eisernen Rahen, selbst bei höchsten Windstärken noch durch die schwersten Stürme am Kap der Guten Hoffnung segelte. Für die lange Strecke zwischen den Niederlanden und der Gewürzinsel Java brauchte er im Jahr 1678 so nur drei Monate, seine Konkurrenz dagegen sechs. Derartiges konnte in den Augen seiner Zeitgenossen nicht mit rechten Dingen zugehen. Und so munkelte man bereits zu Fokkes Lebzeiten, er stehe mit dem Teufel im Bunde. Doch der angebliche Teufelspakt fand bald ein jähes Ende. Als Fokke wieder tollkühn in ein Sturmtief segelte, verschwand sein Schiff spurlos in den Weiten des Ozeans. Kaum verbreitete sich die Kenntnis von dem Unglück, setzte schon die Legendenbildung ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Geschehen so zur Sage vom „Fliegenden Holländer“. Dieser sei aufgrund seines gotteswidrigen Teufelsbundes bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, mit seiner Mannschaft und seinem Schiff die Weltmeere zu befahren, ohne je einen Hafen zu finden.</p>



<p>Bereichert wurde die Gruselgeschichte dadurch, daß sich das Erzählmotiv des Fliegenden Holländers – der Begriff umfaßt sowohl den Kapitän als auch seinen Dreimaster – sofort mit dem realen Phänomen der Geisterschiffe verband: Seefahrzeugen, die zuvor von ihren Mannschaften wegen einer Seuche oder aufgrund eines Sturmes aufgegeben worden waren. War dies schon in der Realität gespenstisch genug, so entwickelte sich der Fliegende Holländer im Laufe der Jahrhunderte zu einer wahren Ausgeburt der Hölle: Mal ist das Gespensterschiff so schnell, daß es über den Wellen zu fliegen scheint, mal kann es bei Flaute rückwärtsfahren. Oft taucht der Fliegende Holländer plötzlich vor einem Schiff aus den Wellen auf, was für die Lebenden nichts Gutes bedeutet. Wer dem unheilvollen Dreimaster mit seinen roten Segeln begegnet, dem widerfährt meist alsbald ein Unglück. Derartig mit schaurigen Zutaten ausgestattet dauerte es nicht lange, bis die Sage sich großer Lesergunst erfreute. Nach den Napoleonischen Kriegen riß eine Welle von Balladen, Gruselgeschichten und Schauerromanen über den Fliegenden Holländer die Leserschaft mit, die sich damals nach Übersinnlichem verzehrte.</p>



<p>Doch der Untote hatte einen Geburtsfehler: Er ließ keine Frauenherzen pochen und weckte wenig Anteilnahme. Erst der deutschen Romantik war es beschieden, den Verdammten zu einer beklagenswerten, tragischen Figur auszugestalten. An der Metamorphose hatten zwei deutsche Geisteshelden Anteil: Heinrich Heine und Richard Wagner. Ersterer entdeckte den Stoff in den Niederlanden, wo er ein Theaterstück über den Fliegenden Holländer sah. Der Theaterbesuch inspirierte Heine. Er verarbeitete die Sage 1826 in seiner Erzählung <em>Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski</em> und flocht das Erzählmotiv ein, daß der Holländer nur durch die Treue einer liebenden Frau erlöst werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wagner macht die Legende durch Ergänzung einer Liebesgeschichte zum Kassenschlager.</h3>



<p></p>



<p>Heines Kunstgriff wiederum beflügelte Wagner zur Verarbeitung des Stoffes zur Oper. Hierbei nahm er die alles entscheidenden Änderungen vor, welche die Sage zum Kassenschlager machen sollten: In seinem Opus läßt er den Fliegenden Holländer, der bei Wagner nur alle sieben Jahre erlöst werden kann und Vanderdecken heißt, um die schöne Senta freien. Des Weiteren ergänzte Wagner die Sage, indem er dem Unerlösten einen Rivalen gab: den jugendlichen Nebenbuhler Erik, der gleichfalls Senta begehrt. Doch Erik geht in der Oper leer aus. Nachdem Vanderdecken Senta vom schrecklichen Fluch erzählt hat, der auf ihm lastet, stürzt sich Senta ins Meer, um ihn zu erlösen. Unmittelbar darauf sinkt das Geisterschiff. Zu guter Letzt entsteigen Vanderdecken und Senta den Wellen und schweben gemeinsam zum Himmel. Nun endlich ist der Unglückliche erlöst. Was für ein Happy End! Was für ein Spektakel! Und was für ein Meilenstein der Opern- und Sagenwelt! </p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hollands Gusto auf Kölle</title>
		<link>https://dereckart.at/hollands-gusto-auf-koelle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 22:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erich Körner-Lakatos Den Haags Gebietsforderungen 1945 1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist. Am 10.&#160;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Erich Körner-Lakatos</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Den Haags Gebietsforderungen 1945</h2>



<p></p>



<p><strong>1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist.</strong></p>



<p>Am 10.&nbsp;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg und Saarburg ein. Das Gebiet ressortiert zwar zur französischen Besatzungszone, aber Paris gestattet den Letzeburgern eine symbolische Präsenz als Unter-Besatzer. Luxemburg beabsichtigt den Anschluß deutscher Gebiete an das Großherzogtum als Ausgleich für das zwischen 1940 und 1944 erlittene Ungemach. Zuerst fordert man die Annexion eines Gebietes von etwas mehr als 500&nbsp;qkm und 30.000 Einwohnern. Obwohl die großherzoglichen Soldaten bis 1955 auf deutschem Boden bleiben, kommt es mangels westalliierter Unterstützung zu keinem Gebietsgewinn. Aus ähnlichen Erwägungen fordert Belgien deutsches Gebiet östlich von Eupen und Malmedy, freilich nur in bescheidenem Umfang – Teile von Dörfern, Wälder. Infolge des belgisch-deutschen Grenzvertrages von 1956 fallen fast alle diese Gebiete zurück an die Bundesrepublik.</p>



<p>Von ganz anderer – man kann sagen: geradezu atemberaubender – Dimension sind die holländischen Gebietsforderungen gegenüber dem geschlagenen Deutschen Reich. Den Haag verlangt einen breiten, sich von Norden bis Süden ziehenden Streifen deutschen Territoriums. Federführend ist dabei Frits Bakker-Schut. Der 1903 in Rotterdam geborene Bauingenieur ist geradezu besessen vom Plan eines Groß-Niederländischen Staates, der mitnichten den flämischen Teil Belgiens, was an sich naheliegend wäre, sondern einen Großteil des späteren deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie einen Streifen des späteren Niedersachsens umfassen sollte. Bakker-Schut steht im Herbst 1945 einer Kommission vor, die in einigen Untergruppen darüber nachdenkt, was das landhungrige Holland dem Deutschen Reich so alles wegnehmen könne. Bodenschätze (Kohle, Eisenerz, Erdöl) spielen dabei eine Rolle, dann große Industriebetriebe sowie landwirtschaftlich genutztes Terrain. Der Schlußbericht ergeht Ende 1945 an Innenminister Eelco Nicolaas van Kleffens.&nbsp;</p>



<p>Bakker-Schut legt drei Varianten vor. Der favorisierte Plan&nbsp;A, sozusagen die Maximalvariante,&nbsp; umfaßt alles Land entlang der gedachten Linie von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmshaven">Wilhelmshaven</a>, dann südlich entlang der Weser, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osnabr%C3%BCck">Osnabrück</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamm">Hamm</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel">Wesel</a>, weiter dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein">Rhein</a> folgend bis in die Nähe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln">Kölns</a>, anschließend westwärts bis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen">Aachen</a>. Die Städte Aachen, Osnabrück, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnster">Münster</a>, Köln (!) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburg_(Oldenburg)">Oldenburg</a> sollten dadurch holländisch werden. Die neuen Bezeichnungen wären dann Keulen (Köln, dt. umgangssprachlich Kölle), Osnabrugge, Aken (Aachen), Monniken-Glaadbeek, Munster usw. &nbsp;Plan&nbsp;B ist eine flächenmäßig geringfügig abgespeckte Variante von A: Die dicht bevölkerte Gegend um die Städte Köln, Mönchengladbach, Bergheim und Neuss würde deutsch bleiben. Dann präsentiert Bakker-Schut noch eine Minimalvariante, den Plan C, sozusagen das, worauf seiner Meinung nach Holland jedenfalls zugreifen sollte. Es handelt sich um einen Streifen entlang der niederländischen Ostgrenze. Von Norden und Emden in Ostfriesland ganz im Norden bis Geldern – ungefähr auf der Höhe von Duisburg – im Süden.&nbsp;</p>



<p>Befürworter der Annexionspläne sind vor allem die betagte Königin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmina_(Niederlande)">Wilhelmina</a> – die Kalvinerin aus dem Hause Oranien-Nassau herrscht seit 1890 – und die katholische Partei, wobei sich letztere durch den Gebietsgewinn einen Überhang an Katholiken verspricht, sind doch die deutschen Bistümer Aachen und Münster mehrheitlich römisch-katholisch. Ähnliches gilt für das Erzbistum Köln. Genau deshalb sind die Kalvinisten-Parteien (Christelijk-Historische Unie sowie die streng altkonservative Anti-Revolutionaire Partij), aber auch die Liberalen (Liberale Staatspartij sowie Partij van de Vrijheid) sehr zurückhaltend, was eine Annexion angeht. Zur Ehre der Sozialisten (Sociaal Democratische Arbeiders Partij; ab Februar 1946 Partij von de Arbed) sei gesagt: Die Roten lehnen die Angelegenheit grundsätzlich ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vertreibung der Deutschen geplant</h3>



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<p>Wie sollte sich das Schicksal der deutschen Bewohner der in Augenschein genommenen Territorien gestalten? Nach Veröffentlichungen des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen (Nederlandsch Comité voor Gebiedsuitbreiding), zum Beispiel in der Broschüre: Oostland – Ons Land (dt.: Ostland – unser Land) sind Ausweisungen, konkret: die Vertreibung der Deutschen, geplant. Davon erfaßt wären alle Einwohner größerer Gemeinden (über 2.500 Bewohner), dazu alle NS-Belasteten sowie diejenigen, die nach 1933 dort ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Der Rest sollte optieren können, sofern er Plattdeutsch spräche und keine Verwandten im restlichen Deutschen Reich habe. Wer für Deutschland optiere, solle entschädigungslos enteignet und über die neue Grenze gebracht werden.</p>



<p>Zum Gebaren der Holländer vor und im Zweiten Weltkrieg schreibt das Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel</em> in seiner Ausgabe&nbsp;9/1994:</p>



<p><em>Die Holländer sind ganz gewiß keine schlimmeren Rassisten als andere Europäer. Sie haben, weil sie Kaufleute sind, ihr Menschenbild stets nur den jeweils vorherrschenden geschäftlichen Rahmenbedingungen angepaßt. So wie in den dreißiger Jahren, als sie scharfe Einwanderungsbestimmungen gegen deutsche Juden verhängten, um sich Erleichterung von dem erwarteten Druck von seiten der Hitleristen zu verschaffen. Das ist es wohl auch, was die Holländer dem dominanten Nachbarn im Osten so übelnehmen: daß sie sich von ihm so gründlich kompromittieren ließen. Von allen Völkern, die von der großdeutschen Dampfwalze im Zweiten Weltkrieg niedergewalzt wurden, haben die Niederländer die größten Probleme, sich pauschal als Opfer zu fühlen. Nach Kriegsende waren 450.000 Kollaborateure registriert, die sich im Umgang mit den Besatzern schmutzige Finger geholt hatten. Weil die Polizei den deutschen Judenmördern so wirkungsvoll zulieferte, konstatierte Adolf Eichmann zufrieden: „In Holland ging alles wie am Schnürchen“. Nach dem Krieg gab ein SD-Beamter namens Willy Lages zu Protokoll, die Jagd auf die Juden wäre ohne die holländische Unterstützung nur zu zehn Prozent durchführbar gewesen.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika.</em></h3>



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<p>Trotzdem können die Niederländer sich in der Nachkriegszeit in der moralisch überlegenen Position des einstigen Opfers einrichten. In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika </em>– dem Land der <em>Moffen</em> (wahrscheinlich abgeleitet von Muff), wie der Volksmund die Deutschen damals abschätzig nennt. Der deutschstämmige niederländische Historiker Hermann von der Dunk bezeichnete diesen <em>Moffenhaat</em> (Deutschenhaß) sogar als <a href="http://www.zeit.de/1995/18/Was_heisst_das_Versoehnen_/seite-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">niederländische Variante des Antisemitismus</a>.</p>



<p>Seit den 1990-Jahren zeigt die Fassade der niederländischen Selbstgerechtigkeit aber auch erste Risse. Die Medien bringen immer mehr Berichte über die Kollaboration der Niederländer in der Kriegszeit und stellen unangenehme Fragen. Warum konnten die Nazis so viel mehr Juden aus den Niederlanden deportieren als aus dem benachbarten Belgien? Warum war der Anteil jener, die freiwillig zur SS gingen, in Holland weit höher als anderswo?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie auch im Falle Luxemburgs lehnen die Westalliierten größere Annexionen ab, weil dadurch das Flüchtlingsproblem verschärft würde.</h3>



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<p>Anfang 1947 geben es die Holländer schon wesentlich billiger, beschränken sich auf 1.840&nbsp;qkm und 160.000 Bewohner, nämlich die Insel Borkum, die sogenannte Niedergrafschaft um Bentheim (dort befinden sich Erdölfelder) sowie auf einen schmalen Grenzstreifen. Selbst daraus wird nichts, weil auf der Londoner Deutschland-Konferenz im März 1949 nur marginale Änderungen des Grenzverlaufs beschlossen werden. Dadurch erhält Den Haag die Grenzgemeinde Elten, darüber hinaus ein paar Weiler, Äcker und Wälder. Die Besetzung durch die Niederländer beginnt am Sonntag, 23.&nbsp;April 1949 um zwölf&nbsp;Uhr mittags.</p>



<p>Deutschland – und damit das junge Bundesland Nordrhein-Westfalen – zählt auf einmal 3.500 Menschen und knapp 20&nbsp;Quadratkilometer Land weniger. Land und Leute werden am Mittag im Eltener Rathaus mit einem Federstrich den Niederlanden einverleibt.Bis zur Rückkehr in den deutschen Staatsverband bleiben die Menschen in und um Elten zwar Deutsche, bekommen aber einen holländischen Paß und müssen sich ausweisen, wenn sie über den neuen Grenzübergang nach Deutschland wollen. Sie haben kein Wahlrecht, weder hüben noch drüben. Selbiges in Selfkant, der westlichsten Ortschaft des Deutschen Reiches. Die Okkupation dauert fast vierzehn Jahre lang. Durch den Holland-Vertrag vom 1.&nbsp;August 1963 kommen fast alle Gebiete zurück zur Bundesrepublik Deutschland. Damit haben sich die Gebietsansprüche aller drei Benelux-Staaten in nichts aufgelöst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die gnadenlose Ausbeutung der niederländischen Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung.</h3>



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<p>Hollands unschöne Seite zeigt sich auch in Übersee. Das Hamburger Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel </em>charakterisiert die Niederländer in der Ausgabe&nbsp;9/1994 wie folgt:</p>



<p><em>… die Geschichte der niederländischen Toleranz hat auch schwarze Löcher: die Ausrottungsfeldzüge gegen südafrikanische Hottentotten und südamerikanische Indianer, die blutrünstigen Strafexpeditionen gegen vertragsbrüchige Gewürzinseln, die Massaker während des indonesischen Unabhängigkeitskrieges &#8230;</em></p>



<p>Denn 1945 will sich Den Haag erneut als Kolonialmacht in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien etablieren. Zwei sogenannte Polizeiaktionen und Massaker an Einheimischen nützen nichts: 1949 blasen die Holländer zum Rückzug, Sukarno hat gesiegt.</p>



<p>Die gnadenlose Ausbeutung der Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung. In der niederländischen Besitzung Guayana (Surinam) wurden Sklaven zur Abschreckung von Ochsen gevierteilt oder mit Haken in der Brust zum Austrocknen in die Sonne gehängt. 1863 wird dort die Sklaverei offiziell abgeschafft, an den tatsächlichen Verhältnissen ändert sich wenig. Holländische Sklavenbarone waren 200 Jahre lang Marktführer im transatlantischen Menschenhandel. Die Grundlage dafür lieferte der Kalvinismus mit seiner Prädestinationslehre. Aus den Negern, so predigte damals der kalvinistische Theologe Johan Picardt, müsse man „die Lendenfäulnis“ herauspeitschen, denn der Herr im Himmel habe sie erschaffen, daß nur die Knechtschaft ihnen zum Heil gereiche.</p>
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		<title>Holländisch und Deutsch – Falsche und richtig gute Freunde</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 22:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sprachkolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Caroline Sommerfeld Zwischen keinen zwei anderen Sprachen gibt es so viele „falsche Freunde“ wie zwischen Deutsch und Niederländisch. Bei diesem Phänomen handelt es sich um Wörter, die in zwei oder mehreren Sprachen die gleiche oder eine sehr ähnliche Form aufweisen, sodaß man fälschlicherweise annimmt, sie müßten dasselbe bedeuten. Deshalb erweist sich ein solches Wort [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Caroline Sommerfeld</em></p>



<p>Zwischen keinen zwei anderen Sprachen gibt es so viele „falsche Freunde“ wie zwischen Deutsch und Niederländisch. Bei diesem Phänomen handelt es sich um Wörter, die in zwei oder mehreren Sprachen die gleiche oder eine sehr ähnliche Form aufweisen, sodaß man fälschlicherweise annimmt, sie müßten dasselbe bedeuten. Deshalb erweist sich ein solches Wort als ein „falscher Freund“: Es scheint das Übersetzen zu erleichtern, erschwert es indes durch die von der Lautgestalt ausgehende, zum Irrtum verführende Wirkung.</p>



<p>Deutsch ist in den Niederlanden an vielen Schulen zweite oder dritte Fremdsprache. Wenn Schüler erst in der 8. Schulstufe Deutsch lernen, übertragen sie automatisch bereits gefestigte Gewohnheiten aus ihrer Muttersprache in das andere System. Das hat vielfach zur Folge, daß eine sprachliche Norm verletzt wird; Linguisten nennen dies einen „negativen Transfer“. Deutsch und Niederländisch sind zwei verschiedene rezente Sprachen – anders als Niederdeutsch, das einen deutschen Dialekt darstellt –, die sich wegen ihrer sehr langen gemeinsamen Sprachentwicklung so verflixt ähnlich sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Phänomen der „falschen Freunde“ wurde sprachwissenschaftlich erstmals Ende des 19. Jh. im Französischen beschrieben.</h3>



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<p>Das erste Buch über deutsch-niederländische „falsche Freunde“ erschien im Jahre 1919: <em>Deutsch-Holländisch: eine Zusammenfassung der wichtigsten, dem Holländer nicht ohne weiteres verständlichen deutschen Wörter. </em>Ein aktuelleres Buch ist 2006 in den Niederlanden veröffentlicht worden: <em>Als er gebellt wordt, blaffen de honden. Dwaalduiders en aanverwante woorden in het Duits</em> von Jan Lanneau, aus dem die unten folgenden Beispiele stammen, die sich in zwei Kategorien einordnen lassen:</p>



<p>Erstens Ausdrücke mit vollkommen abweichender Bedeutung, zum Beispiel <em>Enkel </em>(niederländisch: <em>kleinkind</em>) – <em>enkel </em>(deutsch: <em>Knöchel</em>), <em>liegen </em>(niederländisch: <em>liggen</em>) – <em>liegen </em>(deutsch: <em>lügen</em>).</p>



<p>„Falsche Freunde“, die zu dieser Kategorie gehören, verursachen die größten Mißverständnisse, weil sie auf der Bedeutungsebene so gut wie nichts mit einander zu tun haben.</p>



<p>Anders verhält es sich, und damit zu zweitens, bei Ausdrücken mit Bedeutungsüberschneidungen: Die Bedeutung eines Wortes im Niederländischen kann etwa deutlich umfangreicher sein als im Deutschen, zum Beispiel <em>wortel</em>, was sowohl <em>Wurzel</em> (allgemein einer Pflanze) als auch im engeren Sinne <em>Karotte </em>bedeuten kann. Oder es handelt sich um stilistische bzw. kulturelle Unterschiede. Ein gutes Beispiel für einen stilistischen Unterschied ist der Wortbestandteil <em>rond-</em>. Auf Deutsch sagt man hochsprachlich <em>herum</em>-, in der norddeutschen Umgangsspache aber <em>rum</em>-, im Niederländischen gibt es nur <em>rond-. </em>Ein kultureller Unterschied ließe sich bei dem Wort <em>Wohnung</em> erkennen – das niederländische <em>woning </em>steht meistens für ein <em>Haus</em>, eine <em>Wohnung </em>würde man im Niederländischen als <em>flat </em>oder <em>appartement </em>bezeichnen.</p>



<p>Die Liste solcher „falschen Freunde“ aufgrund von Überschneidungen ist wesentlich länger als die der oben aufgeführten „echten falschen Freunde“, ein paar typische Exemplare sind: Das Wort <em>belasting</em> bedeutet manchmal <em>Belastung</em> und manchmal <em>Steuer</em> – der Bedeutungsbestandteil „Last“ macht, daß Deutsche das niederländische Wort zwar sofort verstehen, Holländer aber im fiskalischen Zusammenhang womöglich von „mehr Belastung zahlen“ sprechen. Ähnlich verhält es sich bei <em>bureau</em> (<em>das Büro</em>, aber auch <em>der Schreibtisch</em>) oder bei <em>overwinnen</em> (<em>überwinden</em>, aber auch <em>jemanden besiegen</em> in einem Wettkampf).</p>



<p>Diese „falschen Freunde“ sind nicht immer falsche Freunde, da sie in manchen Situationen genau die richtigen Freunde sind. In vielen Fällen hat man im Deutschen mehrere Wörter dafür, was man im Niederländischen nur mit einem Wort bezeichnen kann. Und manchmal bezeichnet man ein und dasselbe mit völlig anders gebildeten Komposita. Ich litt einmal unter einem Bandscheibenvorfall. Ein sehr gut Deutsch sprechender holländischer Freund verstand das Wort überhaupt nicht, ein Blick in sein Wörterbuch förderte zutage: „uitpuilende tussenwervelschijven“, etwa: „herausquellende Zwischenwirbelscheiben“. Macht nichts bzw. „doet niks“ – man versteht einander ja unter Freunden! </p>



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