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	<title>Schwerpunkt Benelux &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Schwerpunkt Benelux &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Totgeburt eines Sprachkonstruktes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 23:56:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Ulrike Raich Das Lëtzebuergesche 1984 &#160;erließ das luxemburgische Parlament das Sprachengesetz und hielt darin fest, daß die ,,Nationalsprache der Luxemburger das Luxemburgische“ sei – und zwar in französischer Sprache. Das zeigt, wie sehr das kleine Land mit seiner Identität kämpft. Immer noch ist das Französische die privilegierte Sprache. Trotz des Verlustes eines Großteiles der [&#8230;]]]></description>
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<div class="wp-block-math"><math display="block"></math></div>



<p><em>von Ulrike Raich</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Lëtzebuergesche</h2>



<p><br>1984 &nbsp;erließ das luxemburgische Parlament das Sprachengesetz und hielt darin fest, daß die ,,Nationalsprache der Luxemburger das Luxemburgische“ sei – und zwar in französischer Sprache. Das zeigt, wie sehr das kleine Land mit seiner Identität kämpft. Immer noch ist das Französische die privilegierte Sprache. Trotz des Verlustes eines Großteiles der französischsprachigen Gebiete des Großherzogtums an Belgien im Jahr 1839 blieb Französisch die Sprache, die im Parlament, in der Justiz und im Geschäftsleben verwendet wurde und wird. Die Verwaltungsakte werden auf Französisch verfaßt, und lediglich „das Französische ist maßgebend“ auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung. Alle touristischen Schilder sind nur in französischer Sprache beschriftet, obwohl deutsche Touristen die deutliche Mehrheit stellen. Ja, selbst beim Militär spricht man Französisch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weil man nach 1945 nicht mehr deutsch sein wollte, aber auch nicht französisch war, erhob man die Umgangssprache zur Staatssprache.</h3>



<p></p>



<p>Die Luxemburger sind aber keine Franzosen, sondern Franken und sprechen einen moselfränkischen Dialekt in der Mundart, Hochdeutsch beim Lesen und Schreiben. Weil man nach 1945 nicht mehr deutsch sein wollte, aber auch nicht französisch war, erhob man die Umgangssprache zur Staatssprache. 1946 wurde eine offiziell anerkannte Rechtschreibung eingeführt, zwischen 1950 und 1977 eine stärker standardisierte Schreibweise entwickelt. Und doch wurde von den Luxemburgern das <em>Lëtzebuergesche</em> noch lange als deutscher Dialekt angesehen, den man sprach, aber nicht schrieb und schon gar nicht überhöhte. Erst in den 1980er-Jahren ging die Saat gegen das Deutsche auf. 2023 wurde das „Lëtzebuergesche“ auch in der Verfassung verankert.</p>



<p>Dreißig Jahre nach der Proklamation stellte die <em>Neue Zürcher Zeitung </em>nüchtern fest, daß keine nachhaltigen Änderungen der Sprech- und Schreibgewohnheiten der Luxemburger eingetreten seien. Es bestehe schlicht kein Interesse an der Umgangssprache als Hochsprache. Zum 40. Geburtstag ist klar: Luxemburgisch ist de facto keine Amtssprache, auch wenn dies im Sprachengesetz von 1984 und in der Verfassung so festgehalten ist. Hinzu kommt, daß es im Großherzogtum in den verschiedenen Regionen des Landes Mundartvarianten gibt – wie überall unterscheiden sich die Dialekte von einem Tal ins nächste. Das heutige „Héich Lëtzebuergesch“ entspricht am ehesten dem Dialekt des Alzettetals und nicht dem Dialekt der Hauptstadt, der mehr hochdeutsche Wörter enthält.</p>



<p>Luxemburg empfindet sich als Teil der französischen Welt. Auch immer mehr Menschen gehen diesen Weg: Rund 70 Prozent der Luxemburger benutzen das Moselfränkische im Alltag – aber 90 Prozent aller Einwohner beherrschen heute Französisch. Laut „nationalem Bildungsbericht 2024“ spricht nur mehr ein Drittel der Schüler zu Hause Luxemburgisch oder Deutsch, ein weiteres Drittel Französisch oder Portugiesisch und das letzte Drittel eine andere Sprache. Der Anteil der echten Luxemburger an der Bevölkerung sinkt, da immer mehr Ausländer ins Land ziehen.</p>



<p>Womit klar ist, daß die Einwanderung das Sprachengefüge verändert. Sie gibt den Ausschlag für das Übergewicht der französischen Sprache. Luxemburg zählte im Jahr 2024 rund 673.000 Einwohner, eine Erhöhung um über 20 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Der Großteil der Einwanderer kommt sprachlich über die französische Schiene, zumal sie auch vom Staat her gefördert wird. Für die einheimische Bevölkerung heißt das aber, daß das Französische immer mehr mit dem Negativwort Migrantensprache assoziiert wird. Nicht nur das: Auch die „Bonzen“ parlieren auf Französisch.</p>



<p>2022 wurde ein „Aktionsplan der Luxemburger Sprache“ beschlossen. Mit 50 Maßnahmen will man dem Dialekt endlich zur staatstragenden Geltung verhelfen. An der Universität des Landes kann man jetzt einen Abschluß in Luxemburgisch erwerben. Mit dem kleinen Problem, daß es kaum Studenten gibt, die sich dafür interessieren. 2021 wurden die Durchsagen in <em>Lëtzebuergesch</em> am Flughafen Luxemburg eingestellt. Deutsch ist die Sprache der Kultur und die Sprache des wichtigsten Wirtschaftspartners Luxemburgs. Bei der jungen Generation scheint die deutsche Hochsprache an Bedeutung hinzuzugewinnen, die Propaganda gegen das Deutschsein verfängt immer weniger. Luxemburger gehen zum Studium überwiegend in die BRD, nach Österreich und in die Schweiz, dann erst kommt Frankreich. Der Versuch Luxemburgs, sich aus der deutschen Familie zu verabschieden, ist sprachlich jedenfalls gescheitert. Er war und ist eine Revolution von oben, der die Abstimmung mit den Füßen gegenübersteht. Und die sagt: nein – auf Hochdeutsch. </p>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Zwei ungleiche Brüder „von deutschem Blut“</title>
		<link>https://dereckart.at/zwei-ungleiche-brueder-von-deutschem-blut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jul 2026 23:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Benelux]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Michael Paul Die Niederlande und Deutschland Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van duitsen bloed &#8230;“ – bei jedem Fußballänderspiel, bei jedem Staatsakt intonieren Niederländer diesen Satz zum Beginn ihrer Hymne. Sie nimmt Bezug auf Wilhelm den Schweiger aus dem Hause Nassau-Dillenburg, einen gebürtigen Hessen und Reichsdeutschen, der im 16. Jh. zu einer zentralen Gründungsfigur [&#8230;]]]></description>
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<div class="wp-block-math"><math display="block"></math></div>



<p><em>von Michael Paul</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Niederlande und Deutschland</h2>



<p></p>



<p><em>Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van duitsen bloed &#8230;“</em> – bei jedem Fußballänderspiel, bei jedem Staatsakt intonieren Niederländer diesen Satz zum Beginn ihrer Hymne. Sie nimmt Bezug auf Wilhelm den Schweiger aus dem Hause Nassau-Dillenburg, einen gebürtigen Hessen und Reichsdeutschen, der im 16. Jh. zu einer zentralen Gründungsfigur der niederländischen Nation wurde. Als Statthalter von Habsburgs Gnaden lehnte er sich auf und wurde zur Speerspitze eines acht Jahrzehnte dauernden Befreiungskrieges. Das niederländische Königshaus sieht sich bis heute in direkter Linie mit ihm verbunden. Diese Textzeile ist nach wie vor ein Indiz für die tiefe Verwandtschaft und die gemeinsame Herkunft von Deutschen und Niederländern. Der niederländische Historiker Friso Wielenga leitete viele Jahre lang das Zentrum für Niederlandestudien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der renommierte Niederlandist prägte das Bild der „ungleichen Nachbarn“ oder auch „ungleichen Brüder“. Es besteht eine wechselhafte Asymmetrie, die sich insbesondere in der Geschichte des 20. Jh. auf vielen Feldern bemerkbar macht, wie noch zu beleuchten sein wird. Wie in einer Familie bedeutet große Nähe bzw. große Ähnlichkeit nicht immer automatisch auch große Verbundenheit und selbstverständliche Sympathie. Es ist eine Ambivalenz in diesem Verhältnis, die sich mit keinem anderen Nachbarvolk Deutschlands vergleichen läßt. Nicht mit den romanischen Franzosen, nicht mit den Skandinaviern, und auch keine der östlichen Anrainer sind uns in vergleichbarer Weise vertraut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jahrhundertelang waren die heutigen Niederlande Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.</h3>



<p></p>



<p>Für ein besseres Verständnis wollen wir zunächst den Blick auf den Aufstieg der Niederlande von einem Vasallen zu einer der führenden Seestreitkräfte ihrer Epoche beleuchten. Jahrhundertelang war das Territorium der heutigen Niederlande Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Unter dem Habsburgerkaiser Karl V. setzte eine schleichende Emanzipation ein, die mit der calvinistischen Reformation Fahrt aufnahm. Die erstrebte Unabhängigkeit war nicht nur eine theologische Frage, sondern zugleich Ausdruck ökonomischen Selbstbewußtseins dieser wirtschaftlich starken Peripherie eines zentralistischen Imperiums, welches zunehmend von der spanischen Linie des Hauses Habsburg dominiert wurde. Dieses ging mit brutaler Härte gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen vor, was sich vor allem in der Person von Fernando Alvarez de Toledo – auch bekannt als Herzog von Alba – manifestierte. Noch heute ist sein Andenken im kollektiven Gedächtnis der Niederlande mit vergleichbarem Schrecken verbunden wie Maximilien de Robespierre hinsichtlich der Französischen Revolution. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 endete auch der 80jährige Krieg der Niederländer mit deren Ausscheiden aus dem Reichsverbund.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entfremdung im goldenen Zeitalter der Niederlande</h3>



<p></p>



<p>Dies läutete das sogenannte Goldene Zeitalter ein – eine prosperierende Epoche, in der niederländische Handelsschiffe von der Karibik bis nach Ostasien den Welthandel dominierten. Amsterdam wurde zur Drehscheibe des internationalen Warenverkehrs und zum Zentrum einer Weltmacht. Die Niederlande waren eine Republik und auch in dieser Hinsicht ein Unikat im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Die deutschen Kernlande waren hingegen schwer gezeichnet von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und verharrten ein Jahrhundert lang in Vielstaaterei und Phlegma. Bis ins 19. Jh. schritt diese Entfremdung voran: Die Niederlande etablierten sich als liberale Seenation, als Hort freier Lehre mit Persönlichkeiten wie Erasmus von Rotterdam und kultivierten ein modernes Staatswesen in bewußter Abgrenzung zum „großen Bruder“, der erst in der Romantik sein Nationalbewußtsein entwickelte.</p>



<p>Dann kehrte sich diese Dynamik um. Der Stern der Niederlande war inzwischen gesunken. Aus den napoleonischen Kriegen ging mit dem Wiener Kongreß 1815 zwar für einige Jahre das Königreich der „Großniederlande“ hervor, das Belgien mit einschloß. Bereits 1830 rebellierten die Belgier aber gegen dieses Konstrukt und erkämpften sich ihre Unabhängigkeit. Nur wenige Jahrzehnte später bahnte sich bekanntlich langsam der Aufstieg des zweiten Deutschen Kaiserreiches an. Während des ersten Weltkrieges verhielten sich die Niederlande neutral. Sie boten dem abgesetzten letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. in Schloß Doorn ein Exil und verweigerten seine Auslieferung an die Siegermächte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zweiter Weltkrieg: Widerstand gegen das Deutsche Reich, aber auch Zehntausende in der Waffen-SS</h3>



<p></p>



<p>Mit dem deutschen Einmarsch im Mai 1940 löste sich die bis dahin gültige niederländische Staatsdoktrin der Neutralität in Luft auf. Tief saß und sitzt bis heute das Trauma über die schmerzhafte Einsicht, daß moralische Integrität und ökonomische Unabhängigkeit einem Staat im Weltenbrand keinen Schutz garantieren könnten. Militärisch war die Angelegenheit rasch entschieden, aber die niederländische Zivilbevölkerung verfiel in eine kollektive Haltung des grimmigen Boykotts. Noch heute werden in den niederländischen Familiengeschichten diejenigen als „fout“ – niederländisch für falsch – gebrandmarkt, die mit den Deutschen kollaborierten. Der Widerstand war deutlich vehementer als beispielsweise in Skandinavien, obwohl die Niederländer als Brudervolk eine privilegierte Behandlung erfuhren. Unerwähnt bleiben dürfen auch keinesfalls die 25.000 Freiwilligen in den beiden Waffen-SS-Divisionen „Niederlande“ und „Wiking“, die sich an der Ostfront im Kampf gegen den Bolschewismus ausgezeichnet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zäsur 1945: Antideutscher Chauvinismus inklusive Rauchbomben und „Lama“</h3>



<p></p>



<p>1945 stellt eine Zäsur in den deutsch-niederländischen Beziehungen dar. In kaum einem anderen Land fand eine so gründliche Abrechnung mit der Besatzungszeit statt, die in einem breiten antideutschen Chauvinismus gegen die verhaßten „Moffen“ resultierte. Symptomatisch dafür war die Hochzeit der späteren niederländischen Königin Beatrix mit dem deutschen Claus von Amsberg 1966, die einen landesweiten Aufruhr auslöste. Dabei ging das geflügelte Wort durchs Land „Gib mir mein Fahrrad zurück“ – eine Anspielung auf die angebliche Praxis der Wehrmacht, Fahrräder niederländischer Zivilisten zu requirieren. Der Unmut gipfelte schließlich in einem Anschlag mit einer Rauchbombe auf die Hochzeitskutsche; so unerträglich war auch zwanzig Jahre nach Kriegsende vielen Niederländern noch die Vorstellung eines Deutschen – zumal eines früheren Wehrmachtssoldaten – im niederländischen Königshaus. Das entbehrt natürlich mit Blick auf Oranien-Nassau nicht einer gewissen Ironie. Man denke hier auch an die Parallelen zum britischen Königshaus, daß bereits 1917 seinen Namen Sachsen-Coburg und Gotha in Windsor abänderte, um alle deutschen Wurzeln unkenntlich zu machen.</p>



<p>Noch in den 90er-Jahren brach sich der Deutschenhaß immer wieder Bahn. Unvergessen bleibt die „Lama-Affäre“ während der Fußballweltmeisterschaft 1990 in Italien, als im Achtelfinale Frank Rijkaard Rudi Völler mehrfach brutal foulte und anspuckte, was kurioserweise in einem Platzverweis für <em>beide</em> Spieler endete. Die Bilder gingen um die Welt. 1993 folgte dann ein weiterer Tiefpunkt in den deutsch-niederländischen Beziehungen. Nach den Brandanschlägen auf Asylunterkünfte in Solingen und Mölln sowie tagelangen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen war die niederländische Gesellschaft so empört, daß man eine Postkartenaktion startete. Auf diesen stand in schlichten Lettern „Ik ben woedend!“ (Ich bin wütend). Über 1,2 Millionen dieser Postkarten landeten im Kanzleramt von Helmut Kohl. Die deutsche Seite war reichlich irritiert, und die Niederländer verliehen einem Gefühl vermeintlicher moralischer Überlegenheit Ausdruck, das fest in ihrer Volksseele verankert war. Zugleich war diese Aktion aber auch der Wendepunkt, und die Verhältnisse begannen sich langsam zu entspannen. Sinnbild für diese Trendwende war 1996 eine TV-Werbung für Butter einer niederländischen Molkerei, welche die einstigen Rivalen Rijkaard und Völler friedlich an einem Frühstückstisch vereinte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aus den einstigen Rivalen sind Vertraute geworden.</h3>



<p></p>



<p>Inzwischen sind die Niederlande und die BRD nicht nur enge Handelspartner, sondern kooperieren auf vielen weiteren Feldern vertrauensvoll. So existieren beispiellos eng verzahnte, gemeinsame Militärstrukturen beider Staaten. Die jeweiligen Regierungskabinette konsultieren einander regelmäßig und treten in aller Regel in Brüssel und auf der Weltbühne mit einheitlichen Positionen auf. Landwirtschaft, Infrastruktur, Forschungsvorhaben, Energiepolitik, Technologietransfer – die deutsch-niederländische Partnerschaft ist flächendeckend eine selbstverständliche Realität geworden. Aus den einstigen Rivalen, den ungleichen Brüdern, sind Vertraute geworden, die sich nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Darin manifestiert sich eine enge Verwandtschaft, die seit Jahrhunderten auch in der sprachlichen Nähe Ausdruck findet. Noch heute sind die plattdeutschen Dialekte – wie etwa das westfälische oder das norddeutsche Platt – dem Niederländischen sprachlich näher als dem Hochdeutschen. Beide eint nicht nur die Sprache, es ist auch das gleiche deutsche Blut, das durch ihre Adern fließt. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Unterwegs im &#8222;Indianerreservat Ostbelgien&#8220;</title>
		<link>https://dereckart.at/unterwegs-im-indianerreservat-ostbelgien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 12:53:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Benelux]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Bernadette Conrads Spurensuche und „Nachhilfe“ von Prof. Dr. David Engels Als Österreicherin lebe ich nunmehr seit über einem Jahr in Belgien und soll über das Land schreiben, im Speziellen über seine Deutschen. Eine Herausforderung. Es wäre gelogen, wenn ich behauptete, schon zu wissen, was Belgien ausmacht. Für die Figur ist es nichts: Bier, Pralinen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Bernadette Conrads</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Spurensuche und „Nachhilfe“ von Prof. Dr. David Engels</h2>



<p></p>



<p>Als Österreicherin lebe ich nunmehr seit über einem Jahr in Belgien und soll über das Land schreiben, im Speziellen über seine Deutschen. Eine Herausforderung. Es wäre gelogen, wenn ich behauptete, schon zu wissen, was Belgien ausmacht. Für die Figur ist es nichts: Bier, Pralinen, Pommes, Waffeln – das können sie, die Belgier. Und auf jeden Fall ist Belgien so viel mehr als Dutroux, Manneken Pis, das Atomium und die EU. Vor allem wenn ich an Brüssel und den Grand Place denke, dessen strahlendes Gold mich begeistert. Das Rathaus ebendort, das für das Wiener Rathaus Modell stand. Daneben das edle Gasthaus zur Gans, in dem Karl Marx mit Friedrich Engels, in diesem hochherrschaftlichen Ambiente, das <em>Kommunistische Manifest</em> geschrieben hat. Ich wußte nicht einmal, daß die beiden im Rahmen der 1848er-Revolution in Brüssel – auf der Durchreise – im Exil waren. Genausowenig war mir bewußt, daß die berühmtesten Comics wie Lucky Luke, Tim und Struppi oder die Schlümpfe belgisch sind. Wie wunderschön Brüssel in seinem Jugendstil ist. Daß die Stadt die wohl schönsten Flohmärkte der Welt hat. Und wie kompliziert und zugleich einfach es sein kann, in einem Land zu leben, das durchgehend zwei völlig unterschiedliche Sprachen verwendet: Französisch und Flämisch. Und schließlich wußte ich auch nicht, daß die Deutschen eine eigene, verfassungsrechtlich anerkannte Sprachgemeinschaft in Belgien sind – mit großer Autonomie und vielen Sonderrechten. Die Geografie zeigt: Ihre Heimat liegt in Ostbelgien, in der Region Wallonien, also im französischsprachigen Teil. Ich befragte dazu den Historiker Prof. Dr. David Engels:</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Wir betrachten uns nicht als Deutsche, die in Belgien leben, sondern tatsächlich als Belgier deutscher Sprache“</h3>



<p>„Auch der Begriff Deutsch-Belgier ist etwas, das seit mindestens fünfzig Jahren kaum mehr benutzt wird.“ Engels wuchs in Eupen auf, 16 Kilometer südlich von Aachen. Trotz der geringen geographischen Distanz wollten die Ostbelgier auf keinen Fall nach Deutschland zurück, würde man ansonsten doch die eigene Autonomie aufgeben müssen, erklärt mir der Historiker: „Die deutschsprachigen Belgier sind bei sich so ziemlich Herr im eigenen Haus und können im Rahmen der föderalen Verfassung in vielerlei Hinsicht machen, was sie wollen. Wir haben als Nebenprodukt des Streites zwischen Flamen und Wallonen unsere eigene kulturelle und dann auch verwaltungsmäßige Autonomie erhalten.“</p>



<p>Eupen ist das Zentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Dort befinden sich der Sitz der Regierung mit vier Ministern und das Parlament mit 25 Abgeordneten. Zusätzlich stellt die DG einen Senator auf föderaler Ebene und einen EU-Abgeordneten. Dr. Engels erläutert die Größenordnungen: „Wir sind ja noch nicht mal 80.000 Menschen, und trotzdem haben wir ein eigenes Parlament und ein eigenes Ministerium. Würden wir eines Tages deutsche Bundesbürger, würde diese kleine Gruppe wie ein Tropfen im Regierungsbezirk Aachen aufgehen und würden sämtliche Möglichkeiten zur Selbstverwaltung aufgegeben werden müssen.“ Neben der geschätzten Autonomie sprechen weitere Gründe gegen ein Aufgehen in der großen Bundesrepublik: „Auf der einen Seite ist Deutschland natürlich kulturell ebenso der große Bruder wie Frankreich derjenige der Wallonie ist oder das Königreich der Niederlande derjenige Flanderns. Durch die deutsche Sprache sind wir unserem Nachbarn daher ganz eng verbunden. Aber auf der anderen Seite haben wir in den letzten hundert Jahren auch eine ziemlich eigene politische und kulturelle Identität entwickelt.“</p>



<p>Obwohl Engels die Region früh verlassen hat und somit eher die Situation vor einigen Jahren beurteilt, prägt diese Sichtweise das Bild. In meinen Vorgesprächen mit Deutschen aus dem Grenzgebiet auf NRW-Seite erklärten mir diese, daß sie Vorbehalte gegen die Ostbelgier hegen würden. Diese seien geschichtlich nicht zu den Bundesdeutschen gestanden, und man habe sich dadurch entfremdet. Prof. Dr. Engels schildert die von ihm beobachtete Sichtweise diesseits der Grenze: „Es mag an unseren eigenen Komplexen liegen, aber viele Ostbelgier hegen das Vorurteil, daß die Bundesdeutschen generell eher ein wenig allzu selbstsicher aufträten, während wir Belgier gerne zurückhaltend, sogar unsicher seien.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„In vielen Punkten ein ungebrocheneres Verhältnis zur deutschen Kultur als viele Bundesdeutsche“</h3>



<p>Zwischen den deutschsprachigen Belgiern und den Deutschen fanden im Laufe der Geschichte viele Brüche statt. Das heutige Ostbelgien gehörte fast das gesamte 18. Jh. lang zu Österreich. Erst nach der Besetzung durch Frankreich und Napoleon wurde das Gebiet beim Wiener Kongreß 1815 den Preußen zugeschlagen. Mit dem Versailler Vertrag wurde das Gebiet an Belgien abgetreten. „Wir sind als deutschsprachige Belgier ziemlich traumatisiert worden durch die unzähligen Kriegsgeschichten und das beständige Hin und Her: Deutsch bis 1918, belgisch bis 1940, deutsch bis 1945, dann wieder belgisch … Unsere Identität ist durch diese ganzen Auseinandersetzungen mehrmals gebrochen worden“, erklärt Prof. Dr. Engels. Andere Traumata bleiben den Ostbelgiern erspart: „Wir fühlen uns durch das Holocaust-Schuldtrauma nicht kollektiv belastet: Natürlich hat es in der Zwischenkriegszeit eine starke ‚Heim-ins-Reich‘-Bewegung gegeben; 1933 hat deren Attraktivität aber signifikant abgenommen, und ohnehin hat kein deutschsprachiger Belgier je für Hitler gestimmt oder überhaupt stimmen können, da wir Belgier waren. 1940 ist das Gebiet dann vom Reich annektiert worden, und erneut hat uns niemand nach unserer Meinung gefragt. Natürlich hat es auch, wie überall, vereinzelte Nazi-Sympathisanten gegeben; eine kollektive Holocaust- oder Kriegsschuld lehnen wir als Ostbelgier aber im Gegensatz zur deutschen Geschichtssicht aus evidenten historischen Gründen strikt ab. Eine Folge davon ist, daß wir in vielen Punkten ein ungebrocheneres Verhältnis zur deutschen Kultur haben als viele Bundesdeutsche.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Das Leben in Ostbelgien hat ein wenig die Vor- und Nachteile eines Indianerreservates.“</h3>



<p>Ihre Mentalität sei im Ganzen „dörflich solide“ und insgesamt „eher wertkonservativ“ – Extreme fänden sich in keine Richtung. Und: „Jeder kennt jeden quasi irgendwie über drei Ecken.“ Ob man sich in diesen Gebieten eingeschlossen fühlt? „Das Leben in Ostbelgien hat ein wenig die Vor- und Nachteile eines Indianerreservates. Man steigt sehr schnell in Kontrollfunktionen auf, blickt aber manchmal nur ungerne über den Tellerrand.“ Und wie steht es um die Zuwanderung? „Die deutschsprachige Gemeinschaft ist lange Zeit bevölkerungsmäßig ziemlich homogen geblieben. Allerdings ist es in den letzten Jahren vor allem in Eupen zu einer beginnenden Überfremdung gekommen, die aber erheblich weniger schlimm ausfällt als in den meisten französischsprachigen Landesteilen, etwa der Nachbarstadt Verviers – noch.“ In Verviers kam es 2015, kurz nach den Pariser „Charlie Hebdo“-Anschlägen, zu einem weitreichenden Anti-Terror-Einsatz der belgischen Polizei gegen eine dschihadistische Zelle.</p>



<p>Sieht man auf die Landkarte, ist dieser Grenzstreifen zudem durch wallonische Gebiete und das Hohe Venn, das höchste Hochmoor Europas, unterbrochen. Während der Süden eher ländlich geprägt ist, war der Norden berühmt für das Raerener Steinzeug des 16. und 17. Jh. und die Eupener Tuchmanufakturen, deren barocke Kaufmannshäuser heute noch von vergangenem Reichtum zeugen. Eine Insel der Seligen ist die deutschsprachige Gemeinschaft dennoch nicht: „Ostbelgien verfügt über keine echte, traditionell gewachsene regionale Identität wie etwa das Elsaß oder Luxemburg. Die neun Gemeinden sind geographisch ziemlich langgestreckt und bilden letztlich nur einen Grenzstreifen, der vor 1918 keine gemeinsame Identität besaß: Der Norden war dialektal wie kulturell eher an Aachen und Lüttich ausgerichtet, der Süden an Trier oder Luxemburg. Erst seit dem Anschluß an Belgien besteht eine immer stärkere Schicksalsgemeinschaft dieser Gebiete.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Am Ende bleibt der Eindruck, daß diese Gemeinschaft vieles sei, nur eines nicht: eindeutig.</h3>



<p>Neue Medien – beginnend mit dem deutschen Privatfernsehen – schlugen allerdings eine Brücke zu Deutschland: „Die generelle kulturelle Orientierung war in meiner Jugend in den 1980ern eher nach Belgien gerichtet, hat sich aber seit dem Siegeszug des Privatfernsehens stärker nach Deutschland gewandt. Heute konsumieren die Menschen in Ostbelgien aufgrund von sozialen Netzwerken und natürlich YouTube eigentlich fast nur noch deutsche Medien, sodaß die Kenntnis der französischen Sprache schrittweise zurückgeht, während in meiner Jugend fast alle zweisprachig waren.“</p>



<p>Am Ende bleibt der Eindruck, daß diese Gemeinschaft vieles sei, nur eines nicht: eindeutig. Vielleicht liegt gerade darin ihre Stabilität. In einem Europa, das immer stärker nach klaren Zugehörigkeiten verlangt, existiert hier ein schmaler Grenzstreifen, der sich diesem Zwang entzieht. Eine Gemeinschaft, die gelernt hat, mit Brüchen zu leben, statt sie zu glätten. Und während ich nach einem Jahr immer noch versuche zu verstehen, was Belgien sei, scheint es, als hätten die Belgier deutscher Sprache diese Frage längst für sich gelöst – indem sie sie gar nicht mehr stellen.</p>
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