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	<title>Wissenschaft &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Wissenschaft &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Die Graugans und der tote Affe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Nov 2023 12:12:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum 120. Geburtstag von Konrad Lorenz von Roman Steiner Am 7. November jährt sich zum 120. Mal der Geburtstag von Konrad Lorenz, einem der herausragenden deutschsprachigen Naturwissenschaftler und Nobelpreisträger des 20. Jh., der mit seinen bahn-brechenden Arbeiten auf den Gebieten der Verhaltensforschung, aber auch mit seinem schriftstellerischen Talent einen bleibenden Eindruck hinterließ – dessen Ruhm [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading">Zum 120. Geburtstag von Konrad Lorenz</h1>



<p></p>



<p><em>von Roman Steiner</em></p>



<p></p>



<p>Am 7. November jährt sich zum 120. Mal der Geburtstag von Konrad Lorenz, einem der herausragenden deutschsprachigen Naturwissenschaftler und Nobelpreisträger des 20. Jh., der mit seinen bahn-brechenden Arbeiten auf den Gebieten der Verhaltensforschung, aber auch mit seinem schriftstellerischen Talent einen bleibenden Eindruck hinterließ – dessen Ruhm aber, so muß man 34 Jahre nach seinem Tod leider feststellen, mittlerweile zunehmend verblaßt. Sein leidenschaftliches Streben, mithilfe der Evolutionstheorie das Verhalten von Tieren und schlußendlich auch die Entwicklung des menschlichen Geistes zu verstehen, machte Lorenz in seinem späteren Leben zunehmend zu einem scharfen Kritiker der modernen Zivilisation, die seiner Meinung nach eine Gefahr für das Ökosystem Erde und damit auch für sich selbst darstellen würde. Hochbetagt setzte er sich da-her sowohl in der Anti-Atomkraft-Bewegung als auch im Kampf gegen das Wasserkraftwerk Hainburg ein, der schlußendlich in das erfolgreiche „Konrad-Lorenz-Volksbegehren“ mündete. Er wurde damit auch ein wichtiger Mitbegründer der grünen Bewegung in Österreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Am Anfang stand Nils Holgersson</h3>



<p></p>



<p>Geboren am 7. November 1903 in Wien als Sohn von Adolf und Emma Lorenz war Konrads frühes Leben von einer Umgebung geprägt, die seine Neugierde an der Natur und sein frühes Interesse an Tieren förderte. So bekam er bereits in seiner frühen Jugend aus Begeisterung für das Buch Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen Entenküken geschenkt. Wie Lorenz später erzählte, wollte er ursprünglich Graugänse, allerdings erlaubte seine Mutter dies aus Sorge um den Gartensalat nicht. Somit verbrachte Konrad bereits als Kind viele Stunden damit, Tiere zu beobachten und zu skizzieren. Auf Wunsch des Vaters studierte er zunächst trotzdem Medizin, zuerst in den Vereinigten Staaten, dann in Österreich und schloß hier 1928 auch sein Studium ab. Seine große Leidenschaft für die Zoologie veranlaßte ihn jedoch bald, neben seiner Stelle als Universitätsassistent bei Ferdinand Hochstetter auch ethnologische Forschung an einer eigenen Forschungsstation zu betreiben und schlußendlich das Fach zu wechseln.</p>



<p>In den 1930er-Jahren begann Lorenz seine wegweisende Verhaltensforschung und setzte die Studien fort, die er in seiner Kindheit begonnen hatte, nun aber tatsächlich an Graugänsen. Dabei konzentrierte er sich besonders auf die angeborenen Verhaltensweisen von Tieren. Anhand von Martina, einem 1935 geborenen Graugansküken, beobachtete er, daß Tiere eine angeborene Tendenz haben, sich nach der Geburt an bestimmte Objekte zu binden, ein Phänomen, das als Prägung bekannt ist.</p>



<p>Lorenz promovierte bereits 1933 an der Universität Wien in Zoologie. Seine Dissertation, die sich mit dem komplexen Balztanz der Graugans befaßte, läutete nicht nur den Beginn seiner Karriere ein, sondern legte auch den Grundstein für einen ganz neuen Zweig der Biologie, die Tierpsychologie, und später die vergleichende Verhaltensforschung. Trotz der Tatsache, daß Lorenz ein vehementer Vertreter der Ideen Darwins war, konnte er sich 1936 in Wien habilitieren und eine Lehrbefugnis für „Vergleichen-de Anatomie und Tierpsychologie“ erhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Urknall der vergleichenden Verhaltensforschung</h3>



<p></p>



<p>Wie Rupert Riedl, ein Schüler Konrad Lorenz’, später betonte, war gerade die medizinische Ausbildung von Lorenz ein wichtiger Faktor, denn er wandte die ihm bekannte Homologietheorie, ursprünglich in der Wiener Schule der Anatomie für die Morphologie von Gewebe entwickelt, direkt auf das Verhalten von Tieren an. Die Erkenntnis, daß man eine vergleichende Morphologie von Verhaltens-weisen aufstellen könne, wurde so zum Urknall der vergleichenden Verhaltensforschung.</p>



<p>Hier ist eine kurze Erklärung notwendig, was die Verhaltensforschung eigentlich sei. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte ein späterer Lehrer von Konrad Lorenz, Oskar Heinroth, daß gewisse Bewegungsweisen, zum Bei-spiel bei der Balz oder der Brutpflege, bei Tieren einer Art immer gleich abliefen. Dieses Instinktverhalten sei fix im Erbgut verankert und werde durch sogenannte Schlüsselreize ausgelöst. Sie glichen damit einem Programm, das durch einen externen Reiz immer ablaufe und eine körperliche Reaktion hervorrufe. Lorenz wählte hier ursprünglich einen sehr mechanistischen Ansatz und beschrieb den Vorgang mithilfe des psychohydraulischen Modells. Darin wird beschrieben, daß eine Instinkthandlung sowohl von internen als auch von externen Faktoren abhänge. Werde dann eine gewisse Reizschwelle überschritten, laufte die Handlung ab; unterhalb dieser Schwelle erfolge keine Reaktion. Mittlerweile wird diese Theorie allerdings als veraltet angesehen, wobei interessanterweise Klaus Taschwer in seiner gemeinsam mit Benedikt Föger verfaßten Lorenz-Biographie lapidar anmerkte, die Lorenzschen Untersuchungsmethoden seien „auch deshalb rar geworden, weil sie viel zu aufwendig sind, ehe sie Ergebnisse zeitigen. Das Verhaltensrepertoire eines Tieres zu beschreiben, nimmt Jahre in Anspruch – im Forschungsbetrieb des 21. Jh. mit seiner Maxime des ‚publish or perish‘, also des ‚Publizierens oder Verlierens‘, ein schieres Ding der Unmöglichkeit.“</p>



<p>Schlußendlich wechselte Konrad Lorenz allerdings ins Deutsche Reich, da man hier seiner Verhaltensforschung wesentlich aufgeschlossener gegenüberstand. 1938 erhielt er ein Forschungsstipendium für seine Arbeit über Störungen des Instinktverhaltens bei Hausgänsen. Ein Thema, das ihn für den Rest seines Lebens beschäftigen sollte, denn es führte ihn zum kulturpessimistischen Gedanken, daß ein ähnlicher Effekt, den er „Verhausschweinung“ nannte, aufgrund des Wegfalls „natürlicher“ Selektionsmechanismen in der zivilisierten Gesellschaft auch beim Menschen wirk-sam sein könnte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Letzter Nachfolger von Immanuel Kant und Nobelpreisträger</h3>



<p></p>



<p>1940 übernahm Konrad Lorenz die Professur für vergleichende Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Königsberg und wurde so zum letzten Nachfolger von Immanuel Kant. Die hier entstandenen Arbeiten und die Beschäftigung mit Kant führten direkt zur Evolutionären Erkenntnistheorie, die er erstmals während seiner sowjetischen Kriegsgefangenschaft auszuarbeiten begann.</p>



<p>Nach dem Krieg setzte Lorenz in Österreich und später am Max-Planck-Institut in seiner eigenen Forschungs-stelle seine wissenschaftliche Tätigkeit fort, die schließlich 1973 in der Verleihung des Nobelpreises gipfelte, den er gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen Karl von Frisch und mit Nikolaas Tinbergen erhielt. Ebenfalls 1973 erschien sein philosophisches Hauptwerk Die Rückseite des Spiegels: Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens, in dem er seine Gedanken zur evolutionären Erkenntnistheorie erläuterte, dem Zusammenspiel von genetischen und zivilisatorischen Einflüssen auf das Erkenntnisvermögen des Menschen.</p>



<p>Darin erklärt er, wie sich kognitive Prozesse und der Erwerb von Wissen entwickelt hätten. George Gaylord Simpson beschrieb den Vorgang so: „Um es grob, aber bildhaft auszudrücken: Der Affe, der keine realistische Wahrnehmung von dem Ast hatte, nach dem er sprang, war bald ein toter Affe und gehört daher nicht zu unseren Urahnen“. Lorenz war dabei von der Idee fasziniert, daß der menschliche Geist und seine Fähigkeit zum Wissen durch evolutionäre Kräfte geformt worden seien und vertrat die Ansicht, daß die Struktur des menschlichen Geistes unser Verständnis der Welt sowohl erhellen als auch begrenzen könne.<br>Entscheidend dabei sei, so Lorenz, daß der menschliche Geist eine neue Art des Lebens darstelle. Der evolutionäre Vorteil sei dabei, daß das rein genetische System nur lang-sam, über Jahrtausende über die Selektion von Mutationen reagieren könne – wohingegen das neue geistige System Adaptionen innerhalb von Sekunden durchführe. Die Mechanismen dahinter blieben gleich, nur die Geschwindigkeit nehme zu.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vernichtende Kritik an der modernen Zivilisation</h3>



<p></p>



<p>In dem ursprünglich als Kapitel von Die Rückseite des Spiegels geplant gewesenen Buch Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit übte Lorenz dann vernichtende Kritik an der Haltung der modernen Zivilisation gegenüber der Natur. Er identifizierte Tendenzen wie Überbevölkerung, die Zerstörung natürlicher Lebensräume und Umweltverschmutzung als Bedrohung für Natur und Menschheit und plädierte für ein harmonischeres Zusammenleben mit der Natur, bei der der technische Fortschritt nicht auf Kosten des ökologischen Gleichgewichts gehe.</p>



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<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von Mendel zum Neandertaler</title>
		<link>https://dereckart.at/von-mendel-zum-neandertaler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jul 2022 03:53:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Gibt es Menschenrassen? Am 20. Juli jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Gregor Mendel, dem zu Lebzeiten unbedankt gebliebenen Vater der Genetik. von Roman Steiner Biologie ist die unschärfste Naturwissenschaft, da sie Regeln, aber keine Gesetze kennt. Auch Mendel stellte Regeln auf, die heute jedoch alle durch Ausnahmen widerlegt werden können. Letztlich war [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Gibt es Menschenrassen?</h2>



<p></p>



<p><strong>Am 20. Juli jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Gregor Mendel, dem zu Lebzeiten unbedankt gebliebenen Vater der Genetik.</strong></p>



<p><em>von Roman Steiner</em></p>



<p></p>



<p>Biologie ist die unschärfste Naturwissenschaft, da sie Regeln, aber keine Gesetze kennt. Auch Mendel stellte Regeln auf, die heute jedoch alle durch Ausnahmen widerlegt werden können. Letztlich war es ein glücklicher Zufall, daß gerade er die Eigenschaften von Erbsen beobachtete, die diesen Regeln folgten. Außerdem, so vermutet man heute, half ein unbekannter Assistent bei der Interpretation dieser Beobachtungen. Es stellt sich daher die Frage:</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist die Erkenntnis, das Einmalige an der Forschung Gregor Mendels?</h3>



<p>Mendel brachte die Statistik ins Spiel. Er führte Aufzeichnungen über seine Beobachtungen und ging systematisch ans Werk; er zeigte, daß Vererbung nicht beliebig abläuft, sondern Regeln folgt; er stellte fest, daß Gene Eigenschaften in sich tragen, die in einer geordneten Abfolge an die Nachkommen weitergegeben werden. Das war seine Erkenntnis, die – weil es sich bei ihm in Wirklichkeit um keinen Wissenschaftler im eigentlichen Sinne handelte – auch von seinen Zeitgenossen weitgehend ignoriert wurde. Trotzdem stieg er zum Mitbegründer der Genetik auf, wenn auch zu einem wenig geliebten, zumindest unter Studenten: Denn für diese gibt es nichts Trockeneres und Langweiligeres, als seine drei Regeln auswendig zu lernen und während der Prüfung anhand einer Zeichnung graphisch darzulegen. Kurzum, Gregor Mendel brachte Systematik in die Vererbung und damit in die seinerzeit noch junge Evolutionstheorie.</p>



<p>Das Grundprinzip der modernen westlichen Wissenschaft sind Ordnung und Systematik – ein Weg, der basierend auf dem antiken Wissen, welches seit dem Mittelalter zunehmend verfeinert wurde, zur wirtschaftlichen und politischen Dominanz Europas führte. Erst die Vermessung der Realität in Wissenschaft und Kunst (Alfred W. Crosby) führte zur modernen Wissenschaft; die krämerhafte Lust am Zählen führte zur modernen Mathematik und Physik; die Lust am Experimentieren bereitete den Weg von der Alchemie zur Chemie und letztendlich zur heutigen Biologie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das 19. Jahrhundert war eine goldene Zeit für fast alle Wissenschaftszweige</h3>



<p>Bahnbrechende Erkenntnisse und Erfindungen in Physik und Chemie standen an der Tagesordnung, alles war möglich, alles erreichbar. Man brachte Ordnung ins Chaos, denn spätestens mit Mendel war selbst der abstrakte Vorgang der Vermehrung meßbar. Die Geschöpfe der Erde wurden gesammelt und katalogisiert, Verwandtschaften geklärt und Zusammenhänge aufgezeigt, die sich der jungen modernen Wissenschaft bisher nicht erschlossen hatten. Übrig blieb der Mensch – die nach der gängigen religiösen Lehre ewige, jetzt im Lichte neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ehemalige Krone der Schöpfung. Tief war die Bestürzung, als zuerst Carl von Linné und dann Charles Darwin den Menschen in eine Reihe mit den Tieren stellte: Er sei ebenfalls „nur“ ein Teil der Natur, ein Trockennasenaffe, verwandt mit Schimpansen und Gorillas.<br>Wenn der Mensch also ein Tier ist und wir Verhalten, Zusammensetzung und Funktion des Tieres studieren können, wie sieht es dann damit bei uns selbst aus? Was unterscheidet die Menschen voneinander, den Europäer vom Afrikaner oder diesen vom Asiaten? Kurz gesagt:</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn es systematische Unterschiede bei Tieren gibt, warum dann nicht auch beim Menschen?</h3>



<p>Seit Jahrhunderten wissen wir von den unterschiedlichen Hautfarben, Augenformen und abweichenden körperlichen Konstitutionen verschiedener Menschengruppen. Was ist der Grund dafür, und was ist typisch? Und wie systematisiert man diese Unterschiede?<br>Da der Mensch nun als Objekt der biologischen Forschung erkannt und erklärbar war, konnte man Kopfform, Haut- und Augenfarbe als statistisch erfaßbare Daten katalogisiert ordnen. Wenn man das Ergebnis in Pflanzen- und Tierzüchtung statistisch ableiten und vorhersagen konnte, so war es nicht abwegig, diese Methode auch beim Menschen anzuwenden. Das unmittelbare Ergebnis waren die Eugenik und ein kruder Sozialdarwinismus, welcher eher von Fabriksbesitzern und ideologisch motivierten Laien erdacht wurde als von Biologen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Heute ist außerhalb des angloamerikanischen Raums die Frage nach der Rasse nicht mehr opportun. Es wird nur mehr nach deren Negation gefragt, dem „Antirassismus“</h3>



<p><br>Da man davon ausgeht, daß es „Rassen“ per se nicht gebe, führt dies zur paradoxen Situation, Rassist oder Antirassist ohne Rasse zu sein, wobei es sogar passieren kann, daß Religionen zu Rassen an deren statt erklärt werden. Ohne auf diese verqueren gedanklichen Bocksprünge näher einzugehen, ist es an der Zeit zu klären, wie es sich mit den menschlichen „Rassen“ tatsächlich verhalte. Gibt es sie, oder gibt es sie nicht?<br>Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Biologie eine unscharfe Wissenschaft; es gibt daher keine Gesetze, dafür aber bestimmte Regeln. Die Grundlage des alten Rassenkonzeptes war der Drang nach Ordnung. Eine Unterscheidung nach physiologischen Merkmalen wurde seit der Antike getroffen. Im 18. Jhdt. führte Carl von Linné in seinem bahnbrechenden Werk Systema Naturae vier Rassen von Menschen ein: Afrikaner, Europäer, Amerikaner und Asiaten. Diese Unterscheidung erscheint uns bis heute als logisch und wird durch die Definition von Unterart (Subspezies, Rasse) untermauert:<br>Eine Subspezies ist die Zusammenfassung phänotypisch ähnlicher Populationen einer Art, die ein geographisches Teilgebiet des Areals der Art bewohnen und sich taxonomisch von anderen Populationen der Art unterscheiden (nach Ernst Mayr).<br>Dieser Definition nach würde man instinktiv alle Bedingungen hier erfüllt sehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was stimmt also mit dem Rassebegriff nicht?</h3>



<p>Ein kurzer Exkurs in die trockene Materie der Systematik. Wie bereits ausgeführt waren das 18. und 19. Jhdt. die Hochzeit der Systematik. Linné legte neben dem Grundstein der biologischen Systematik unter anderem auch den der binären Nomenklatur. So kam der Mensch zur Bezeichnung „Homo sapiens“, später „Homo sapiens sapiens“. Diese Einteilung erfolgt nach dem Schema Reich > Stamm > Klasse > Ordnung > Familie > Gattung . Offensichtlich fehlt hier nun etwas, nämlich die zugehörige Art. Der moderne Mensch gehört zur Gattung „Homo“, übrigens als deren einziger Vertreter, sowie zur Art „Sapiens“. Eine Unterart oder Subspezies (ssp.) wäre beispielsweise „Homo sapiens sapiens ssp. afrikanus“, eine Einteilung, die interessanterweise nie wirklich in Betracht gezogen wurde, da Unterarten systematisch generell auf schwachen Beinen stehen, nicht nur beim Menschen. Im 19. und 20. Jhdt. wurde eine Vielzahl an Merkmalen gesammelt, um die verschiedenen Rassen zu unterscheiden – doch je mehr Merkmale gesammelt wurden, desto mehr Rassen mußten definiert werden. Deren Anzahl stieg inflationär an, bis man bei über sechzig angelangt war und dann auch noch versuchte, „Mischlinge“ zwischen diesen Rassen zu definieren. Gleichzeitig verwarf man aber, gerade im deutschsprachigen Raum und in der Sowjetunion, die ersten Ansätze der Genetik.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ende der Menschenrassen im wissenschaftlichen Betrieb begann nach 1945</h3>



<p>Im deutschsprachigen Raum geschah dies zum Teil aus politischen und ideologischen Überlegungen, zu denen aber auch fachliche Gründe traten. Es folgte die Zeit der phylogenetischen Systematik (Kladistik), die keinen Platz für Subspezien beim Menschen ließ. In den 1950er Jahren wurde die Struktur der DNS (Desoxyribonucleinsäure) geklärt und mit den „diskreten vererbbaren Einheiten“, den Genen, in Verbindung gebracht, die bereits Mendel vorhergesagt hat. Es sollte nun bis in die 1970er Jahre dauern, bis die ersten Gene sequenziert, also ihre Struktur oder Basenabfolge aufgeklärt wurde. In den folgenden Jahrzehnten ging es Schlag auf Schlag: Zuerst wurde das Replizieren, dann das Sequenzieren der DNA einfacher. Daraus folgte, daß man Populationen, die man davor anhand von Blutgruppen oder Proteinen zu unterscheiden versucht hatte, nun auf genetischer Ebene untersuchen konnte.</p>



<p>Die Ergebnisse dieser Untersuchungen führten zu einem erbitterten Streit, der bis heute anhält. Wurden Populationen aus unterschiedlichen geographischen Regionen untersucht, so konnte man belegen, daß man verschiedene Individuen gemeinsamen Populationen zuordnen konnte. Zusätzlich deckten sich diese „Cluster“ genannten Populationen teilweise auch noch mit den früher etablierten und angenommenen Rassen.<br>Bereits in den 1970er Jahren, als solche Ergebnisse aus den Blutgruppenuntersuchungen absehbar waren, machte der Genetiker Richard Lewontin, ein bekennenden Marxist, dagegen mobil und versuchte zu zeigen, daß die Unterschiede innerhalb einer Population größer seien (ca. 85 %) als zwischen Populationen (ca. 15 %). Dieses Argument wurde in den USA umgehend von der „American An-<br>thropological Association“ als verbindliches Argument gegen Rassen aufgenommen und wird bis heute gerne verwendet.<br>Erst in den frühen 2000er Jahren konnte gezeigt werden, daß es sich dabei um „Lewontins Trugschluß“ gehandelt habe, da die Fehlerquote, bei welcher eine Person einer falschen Population zugeordnet wird, bei einem größeren genetischen Datensatz gegen Null geht. Vereinfacht gesagt: Man konnte mit quantitativ oder qualitativ spezifischeren genetischen Daten ohne Vorwissen eine Person einer Population exakt zuordnen. Heute wird dies gerne für die vor allem in den USA sehr beliebte genetische Genealogie genutzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Obwohl die Kritik am Rassenbegriff aus wissenschaftlicher Sicht teilweise nachvollziehbar ist, folgte die Rache der Biologie ab 2010 auf dem Fuße</h3>



<p>Gerne wird argumentiert, daß Menschen untereinander zu 99,9 % genetisch identisch seien; was dabei allerdings meist unerwähnt bleibt, ist, daß wir mit dem Schwein zu 90 % und mit Meereswürmern zu 70 % genetisch ident sind. Die Gesamtheit der gemeinsamen Gene sagt deshalb nur wenig aus, und es ist erwartbar, daß sie beim Menschen hoch ist, da alle Populationen außerhalb Afrikas erst vor 70.000 Jahren durch einen sogenannten „genetischen Flaschenhals“ gingen und von einer Gruppe von wahrscheinlich nur 1.000 Individuen abstammen. Diese Zeitspanne ist relativ kurz und reichte beim Menschen nicht aus, um unterschiedliche Spezies auszubilden. Zusätzlich sind Menschen von Natur aus mobil und waren besonders in der Vergangenheit nomadisch organisiert, wie man bei den Ureinwohnern Australiens nachvollziehen kann, deren Vorfahren für einen Wanderung von Afrika bis Australien weniger als 10.000 Jahre benötigten. Diese Mobilität führte immer wieder zu Vermischungen von Populationen, welche man bis heute als genetische Gradienten zwischen angrenzenden Populationen erkennt.<br>Das bisher bekannte Bild verkomplizierte sich aufgrund neuer Erkenntnis der Paläogenetik ab 2010 weiter. Seit den 1990er Jahren versucht man, DNS aus Fossilien oder Bernstein zu isolieren. Da DNS unter normalen Bedingungen relativ instabil ist, waren diese Versuche von bestenfalls zweifelhaftem Erfolg. Als Faustregel gilt: Je kühler und trockener die Bodenbedingungen, desto besser der Informationsgehalt der isolierten DNS. Es ist daher nicht verwunderlich, daß man die älteste isolierte DNS (ca. 1,2 Millionen Jahre) aus dem Backenzahn eines im sibirischen Permafrost eingefrorenen Mammuts gewann. Was aber bei Tierknochen gelingt, ist auch bei (vor)menschlichen Knochen möglich. Ausgehend von den ersten Versuchen Mitte der 1990er Jahre konnte daher nicht nur die DNS des „Homo neanderthalensis“ isoliert, sondern auch zu 60 % sequenziert werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Anwendung der Genetik als Hilfswissenschaft in der Paläontologie und Archäologie führte endgültig zur Revolution</h3>



<p>Nun konnte man nicht nur die Verwandtschaft von „Hominiden“ (der Gesamtheit der Gattungen „Homo“, also des modernen Menschen und seiner ausgestorbenen Vorfahren wie beispielsweise dem Neandertaler) auf DNS-Ebene nachvollziehen, sondern auch den Genfluß unterschiedlicher menschlicher Populationen.</p>



<p>Dieses Wissen – wir sprechen hier von Erkenntnissen der letzten zehn Jahre – zeigt zweierlei: Einerseits, daß der Rassebegriff zu kurz greift, da die Spezies „Homo sapiens“, also wir, nicht monophyletisch sind. Es gab in den letzten 300.000 Jahren mehrfach sexuellen Kontakt zwischen Menschen und vormenschlichen Spezies, Neandertaler und Denisova. Diese Kontakte sind bis heute nachweisbar, waren also beträchtlich. Man geht davon aus, daß 2-4 % des Erbguts der Europäer und Asiaten vom Neandertaler stammen. Noch höher ist der Anteil der DNS des Denisova-Menschen, immerhin über 6 %, bei den Bewohnern Papua-Neuguineas und den „Negritos“ auf den Philippinen.</p>



<p>Bei den Afrikanern zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei der schwarze Kontinent genetisch wesentlich schlechter erforscht ist als andere Gebiete. Feststellen kann man jedenfalls, daß Afrika wahrlich genetisch divers ist, da der moderne Mensch sich laut aktueller Lehrmeinung höchstwahrscheinlich dort entwickelte und sich dann, seine Heimat verlassend, über den ganzen Planeten ausbreitete. Deshalb ist es auch logisch, daß man in Afrikanern so gut wie keine DNS von Neandertalern und Denisova-Menschen findet, da diese Spezien in Europa und Asien entstanden sind. Was man aber findet, sind noch viel ältere Spuren, sogenannte „Geisterpopulationen“ – besonders auffällig bei der Population, die früher „Buschmänner“ genannt wurde. Dort zeigen sich Gene, die wahrscheinlich auf den gemeinsamen Vorfahren aller hier erwähnten Hominiden zurück gehen, den „Homo errectus“. Erstaunlich ist das insbesonders, weil der Kontakt mit diesem Frühmenschen erst vor 40.000 Jahren stattgefunden hat, einem Zeitpunkt, von dem man bisher annahm, daß der „Homo errectus“ damals längst ausgestorben gewesen sei.<br>Was bedeutet das nun für die früher angenommenen Menschenrassen?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Rassebegriff ist nicht haltbar, da er aus biologisch-systematischer Sicht keine passende Einteilung der Menschen darstellt</h3>



<p>Dies hängt allerdings auch mit der Schwäche der systematischen Nomenklatur zusammen, da gerade die Erkenntnisse der modernen Genetik aufzeigen, daß dieses fast 200 Jahre alte System nicht mehr adäquat ist. Ein Festhalten am Begriff „Rasse“ ist daher sowohl aus biologischen als auch historischen Gründen nicht zu empfehlen. Eines ist allerdings klar erkennbar: Der Mensch ist weder genetisch noch physiologisch gleich. Die Entfernung, beispielsweise zwischen einem Buschmann und einem Aborigine, ist sehr groß, da es hier abgesehen von der geographischen auch eine zeitliche<br>Distanz gibt, die durch den genetischen Eintrag anderer Spezies mehrere hunderttausend Jahre beträgt. Auch wenn es dem Zeitgeist widersprechen mag – die passende Bezeichnung für diese Entfernung muß erst noch gefunden werden. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Johann Gregor Mendel</title>
		<link>https://dereckart.at/johann-gregor-mendel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jul 2022 19:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Augustinerabt und Naturforscher, Vater der Genetik von Magdalena S. Gmehling Über Jahrhunderte gehörte die Markgrafschaft Mähren zur Habsburgermonarchie. Dort wurde in Heinzendorf (Hyncice) bei Odrau am 22. Juli 1822 der Bauernsohn Johann Mendel geboren. Sehr früh weiht sein Vater den begabten Knaben in die Geheimnisse der Obstbaumkultur ein; dieser besucht ab 1834 das Gymnasium in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Augustinerabt und Naturforscher, Vater der Genetik</h2>



<p><em>von Magdalena S. Gmehling</em></p>



<p></p>



<p class="has-text-align-left">Über Jahrhunderte gehörte die Markgrafschaft Mähren zur Habsburgermonarchie. Dort wurde in Heinzendorf (Hyncice) bei Odrau am 22. Juli 1822 der Bauernsohn Johann Mendel geboren. Sehr früh weiht sein Vater den begabten Knaben in die Geheimnisse der Obstbaumkultur ein; dieser besucht ab 1834 das Gymnasium in Troppau und absolviert 1840 als einer der Klassenbesten. Im selben Jahr beginnt er ein Philosophiestudium in Olmütz, muß dieses aber wegen Geldmangels abbrechen. Auf Wunsch seiner Mutter tritt er ins Priesterseminar ein, 1843 ins Augustiner-Eremiten-Kloster St. Thomas in Altbrünn und erhält den Ordensnamen Gregorius; 1847 folgt die Priesterweihe. Früh hat der Autodidakt Vorlesungen über Landwirtschaft, Obst- und Weinbau bei Diebel gehört, der zusammen mit dem Abt einen Versuchsgarten betreibt, den Mendel 1848 übernimmt. Seine Oberen bemerken die Wissenschaftsbegeisterung des jungen Mannes und gestatten ihm ein Studium in Wien, wo er 1851-1853 Mathematik, Physik, Chemie, Botanik, Zoologie und Paläontologie studiert. Der Priester beginnt nach seiner Rückkehr 1856 Kreuzungsversuche an Erbsenpflanzen, die sich durch bestimmte Merkmalspaare unterschieden. So kreuzt er hoch-und zwergwüchsige Pflanzen, Exemplare mit grünen oder gelben, kantigen oder glatten Samen. Mendel erkennt, daß sich die Merkmale nach bestimmten Zahlenverhältnissen vererben, über die er akribisch Buch führt – bis zu 28.000 Pflanzen soll er so beschrieben haben. Der Augustinerpater stellt drei Regeln auf:</p>



<h3 class="wp-block-heading">Uniformitätsregel</h3>



<p>Kreuzt man hoch- und zwergwüchsige Pflanzen, so entstehen in der nächsten Generation F1 nur hochwüchsige Pflanzen. Die Eigenschaft der Hochwüchsigkeit ist also „dominant“ über die Zwergwüchsigkeit, letztere „rezessiv“. Erste Mendelsche Regel: Kreuzt man zwei reinerbige (homozygote) Eltern, die sich in einem Merkmal unterscheiden, sind alle Nachkommen genotypisch und phänotypisch gleich (uniform).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Spaltungsregel</h3>



<p>Durch Selbstbestäubung der so erhaltenen Pflanzen entstehen in der nächsten Generation hoch- und zwergwüchsige Pflanzen in einem Verhältnis von 75:25. Die Zwergwüchsigkeit (rezessive Form) tritt also bei einem Viertel der Nachkommen wieder auf. Zweite Mendelsche Regel: Kreuzt man die heterozygoten Individuen der F1-Generation, spalten sich die Nachkommen (F2) sowohl im Genotyp als auch im Phänotyp auf. Die Nachkommen sind also nicht mehr gleich (uniform).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unabhängigkeitsregel</h3>



<p>Nach Selbstbestäubung der Spaltungsgeneration entstehen in der F3-Generation aus zwergwüchsigen Pflanzen ausschließlich zwergwüchsige Nachkommen. Diese ergeben (mit sich selbst befruchtet) immer wieder Zwergwuchs. Aus den 75 % der hochwüchsigen F2-Pflanzen entsteht bei Selbstbefruchtung Hochwuchs. Die Nachkommen der Restlichen sind wieder zu 75 % hochwüchsig und zu 25 % zwergwüchsig. Dritte Mendelsche Regel: Unterschiedliche Merkmale werden unabhängig voneinander vererbt. Diese Erbanlagen können sich neu kombinieren.</p>



<p>1866 wagt Mendel die Veröffentlichung seiner minutiösen Forschungen unter dem Titel Versuche über Pflanzen-Hybriden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die angemessene Würdigung bleibt zunächst aus</h4>



<p>Bedenkt man, daß Darwin noch 1859 schrieb, die Gesetze der Vererbung seien vollkommen unbekannt, so ist die Bedeutung des schlichten Mönches nicht hoch genug einzuschätzen. Mendel selbst war überzeugt, daß seine Zeit noch kommen würde. Er legte nicht nur den Grundstein für die moderne Genetik, sondern trug damit auch maßgebend zur modernen Landwirtschaft bei.<br>1867 wird Gregor Mendel zum Abt gewählt. Ein zermürbender Steuerstreit mit der Regierung überschattet sein letztes Lebensjahrzehnt; die klösterlichen Pflichten hindern ihn an weiteren Forschungen. Er stirbt am 6. Jänner 1884.<br>Es sollte noch 15 Jahre lang dauern, bis um 1900 die Bedeutung des bescheidenen Mannes allmählich erkannt wurde. Die Stadt Brünn im heute tschechischen Mähren würdigte ihren großen Sohn inzwischen: Auf dem Areal von dessen Kloster finden sich eine Gedenktafel, eine Porträtskulptur und ein Granitdenkmal sowie das Mendel-Museum. Die Mendel-Universität in Brünn wurde 1919 als landwirtschaftliche Hochschule gegründet und ist bekannt für wissenschaftliche Spitzenleistungen. </p>



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