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	<title>Autorenporträt &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Autorenporträt &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Wilhelm Frankes ukrainisches Tagebuch</title>
		<link>https://dereckart.at/wilhelm-frankes-ukrainisches-tagebuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 20:06:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
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					<description><![CDATA[von Christoph Fackelmann „Uralte Bilder des Krieges …“ Als der Schriftsteller Wilhelm Franke im Herbst 1942 zur Wehrmacht eingezogen und auf den ukrainischen Kriegsschauplatz abkommandiert wird, ist er kein Unbekannter mehr. Zwar führte er im bürgerlichen Leben das verborgene Dasein eines Dorfschullehrers im Norden des niederösterreichischen Waldviertels. Aber er trat bereits während der Dreißigerjahre mit [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Christoph Fackelmann</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">„Uralte Bilder des Krieges …“</h2>



<p></p>



<p>Als der Schriftsteller Wilhelm Franke im Herbst 1942 zur Wehrmacht eingezogen und auf den ukrainischen Kriegsschauplatz abkommandiert wird, ist er kein Unbekannter mehr. Zwar führte er im bürgerlichen Leben das verborgene Dasein eines Dorfschullehrers im Norden des niederösterreichischen Waldviertels. Aber er trat bereits während der Dreißigerjahre mit drei bedeutsamen Sammlungen seiner lyrischen Kunst an die Öffentlichkeit. Ein weiterer Lyrikband liegt abgeschlossen vor, angesehene Zeitschriften und Anthologien haben begonnen, sich seiner Werke anzunehmen, ein großer Verlag hat sich ihm aufgetan.</p>



<p>Der 1901 geborene, 1979 verstorbene Dichter ist das, was man einen modernen Regionalisten nennen kann: Er weiß sich durch die Schule Rilkes, der Expressionisten und vor allem Georg Trakls gegangen, knüpft aber das ihm daraus erwachsene Kunstwollen aufs engste an die Erfahrung der eigentümlichen Landschaft, in die ihn das Schicksal gestellt hat: „Ohne dich, Land, wie wär’ ich ein Bettler in Wüsten von Worten / wesenlos, tödlich verirrt.“ In Wien aufgewachsen, die Eltern sudetendeutscher Abstammung, ist er zunächst durchaus kein eingeschworener Gegner des Feldzugs gegen die Sowjetunion, noch nicht einmal des neuen Regimes. Als er in den Krieg zieht, kämpft er schon länger mit tiefen Selbstzweifeln. Umso gewaltiger gerät die Erschütterung, die er im Osten erfährt. Die schwere menschliche Prüfung seiner Soldatenjahre bedeutet auch einen Prüfstein für seinen künftigen Weg als Schriftsteller. Nach dem Krieg wird Franke kaum noch neue Lyrik schreiben. Stattdessen rückt das Erzählerische in den Vordergrund, im künstlerischen Anspruch zurückgenommen, thematisch auf die Welt der kleinen Leute begrenzt. „Schließlich haben wir als Soldaten in den Karpathen die größten und schönsten Autobusse in die Klüfte geschmissen, wenn sie nicht weiterkamen“, so erklärt er einmal sarkastisch, weshalb er zu seinen Versen nun „eher die Stellung eines Rabenvaters“ einnehme.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="999" height="1024" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2025/08/31-999x1024.webp" alt="" class="wp-image-11434" style="width:427px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2025/08/31-999x1024.webp 999w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2025/08/31-293x300.webp 293w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2025/08/31-768x787.webp 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2025/08/31.webp 1228w" sizes="(max-width: 999px) 100vw, 999px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nachlaß Wilhelm Franke, Privatbesitz Wien</figcaption></figure>



<p>Wegen seines fortgeschrittenen Alters wird Franke nicht an die Front beordert, die gerade bei Stalingrad und Kursk der Katastrophe entgegenschlittert, sondern als Gefreiter einer Wachkompanie eingesetzt. Sie hat Orte und Einrichtungen zu schützen, die für die militärische Infrastruktur wichtig sind. Während des ersten Jahres, bis zum Zusammenbruch der Ukrainefront im Herbst 1943, ist das vor allem die Talsperre Dnjeprostroj mit ihrer Industrieanlage, nahe der alten Mennonitenkolonie Chortitza und der Stadt Saporoshje. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung, 1927–32, war dies das größte und modernste Wasserkraftwerk Europas; seine strategische Bedeutung für den Krieg im Osten liegt auf der Hand. So erlebt Franke hier, aber auch auf dem Rückzug, der seine Einheit in entbehrungsvollen Etappen bis an die mährisch-österreichische Grenze treibt, gleichwohl Situationen, in denen er dem Tod nur mit äußerster Not entrinnt. Er wird auch Zeuge der himmelschreienden Zerrüttung, die diese osteuropäischen Regionen seit der bolschewistischen Revolution erfaßt hält und deren späte Reflexe wir in unseren Tagen erneut gewärtigen. „Gärten des Todes“ nennt Franke sie in Anspielung auf die erhaben schönen Landschaften, in denen sich das Grauen zuträgt. Am Ende der im Folgenden wiedergegebenen Passagen sieht er sich auf die Unheilsworte gestoßen, die Trakl 1914, nach der Schlacht von Grodek und kurz vor seinem Selbstmord, schrieb: „Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.“ Franke widersteht, aber der apokalyptische Untrost, der ihm auf der gegnerischen wie auch auf der eigenen Seite begegnet, wirft ihn in einen elementaren Aufruhr.</p>



<p>Das Tagebuch, das Franke während seines gesamten, knapp dreijährigen Einsatzes führte, blieb unveröffentlicht. Aber es ist bei aller Unfertigkeit nicht ohne poetischen Anspruch geschrieben, kein bloßes Register der Ereignisse. Im Gegenteil, der mitreißende, teils berückende, teils bestürzende Duktus seiner Schilderungen läßt es eigentümlich und ebenbürtig neben andere bedeutende Zeugnisse dieser Art, etwa die Protokolle Jochen Kleppers und Horst Langes, treten. Die wenigen Auszüge, die wir hier mitteilen können, mögen davon einen ersten Eindruck geben. </p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die genialen Wahrträume Jean Raspails</title>
		<link>https://dereckart.at/die-genialen-wahrtraeume-jean-raspails/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 17:47:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Magdalena S. Gmehling Er ahnte es längst. Die Mischung aus europäischem Selbsthaß, einem Amalgam aus Christentum und linken Ideen, aus rassistischen Selbstbezichtigungen und einem nie erlebten Werteverfall werden endgültig zur Abschaffung der vaterländischen Kultur führen. Jean Raspail, vielleicht der letzte wirklich katholische Romancier, der wußte, was Ahnenstolz und Ehre sind, verstarb am 13. Juni [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Magdalena S. Gmehling</em></p>



<p>Er ahnte es längst. Die Mischung aus europäischem Selbsthaß, einem Amalgam aus Christentum und linken Ideen, aus rassistischen Selbstbezichtigungen und einem nie erlebten Werteverfall werden endgültig zur Abschaffung der vaterländischen Kultur führen. Jean Raspail, vielleicht der letzte wirklich katholische Romancier, der wußte, was Ahnenstolz und Ehre sind, verstarb am 13. Juni 2020 in Paris. Werfen wir einen Blick auf jene Werke, die in deutscher Sprache erschienen sind und durch aktuelle Ereignisse bestätigt wurden – zum 100. Geburtstag des am 5. Juli 1925 geborenen Schriftstellers.</p>



<p>Ein investigatives Kamerateam brachte es vor einiger Zeit an den Tag. „NGO“-Schiffe verfrachten schwarzafrikanische Migranten. Die NGO-Schlepper werden entsprechend bezahlt. Die Gelder für die „Umvolkung“ fließen aus Stiftungen. Warum kolportiere ich diese Meldung? Sie verifiziert die Visionen Jean Raspails. Geboren vor 100 Jahren in Chemillé-sur-Dême im französischen Departement Indre-et-Loire und einer großbürgerlichen Familie entstammend ist er nicht nur ein meisterhafter Reiseschriftsteller, sondern auch ein souveräner Vertreter des grotesk-apokalyptischen Romans. Der Romancier ist glühender Monarchist, fröhlicher Pessimist und traditionsverbundener Katholik. Wie kein anderer ist er berufen, den ungeheuren Kampf irregeleiteter Humanität und verweichlichten Gutmenschentums, dem von ihm so genannten „Big Other“, darzustellen. Distanz zum Zeitgeist befähigte ihn zu einer hellsichtigen Vorhersage künftiger Probleme.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Europa und das christliche Abendland kapitulieren</h3>



<p></p>



<p>Es ist informativ, die Umstände kennenzulernen, unter welchen der prophetische Zukunftsroman <strong><em>Das Heerlager der Heiligen</em> </strong>(<em>Le Camp des Saints</em>) bereits 1971/72 entstand. Der Autor schrieb das Buch in Boulouris an der Mittelmeerküste in der monumentalen Villa „Le Castelet“. Sie war ihm samt großer Bibliothek zur Nutzung überlassen. In einem visionären Schreibrausch gestaltet er das Szenarium einer gewaltfreien Invasion durch eine Million verelendeter Inder. Ausgelöst durch eine Hungersnot sticht die Armada des Elends in See. Interventionen, humanitäre Hilfsangebote und die heuchlerische Einmischung der Kirchenfunktionäre scheitern. Die Barmherzigkeitsdebatte entartet zur Groteske. Noch bevor die menschliche Flutwelle in den Ostertagen an der südfranzösischen Küste strandet, hat sich die marode Gesellschaft dort selbst zersetzt. Die Bevölkerung flieht. Das restliche Europa und somit das christliche Abendland kapitulieren.</p>



<p>Die große Kunst des Autors besteht darin, das Geschehen aus der Perspektive sehr verschiedener archetypischer Personen zu schildern. Der Leser erlebt die dramatische Aktualität globaler Unfähigkeit, mit Migrantenströmen umzugehen. Calguès, ein emeritierter Literaturprofessor, erwartet in seinem vornehmen alten Haus an der Küste die Horden bei Kaviar und Champagner. Mit einem Teleskop verfolgt er die Landung. Der Journalist Clement Dio und seine eurasische Freundin&nbsp; propagieren Solidarität. Die Frau wird allerdings von farbigen Gesinnungsgenossen vergewaltigt und bestialisch ermordet. Flugzeuge des Vatikans und des Ökumenischen Rates der protestantischen Kirche stürzen ab. Der Präsident im Élysée-Palast, die Stabschefs, Polizeiführer und regionalen Präfekten müssen erleben, daß ihre Truppen desertieren, verführt von linken Agitatoren. Eine chaotische Massenflucht setzt ein. Schließlich übernehmen die Einwanderer vom Ganges den Süden Frankreichs. Das Buch endet mit dem Gerücht, daß auch in Indonesien und Südamerika wilde Horden aufbrechen würden, um nach Europa zu reisen &#8230;</p>



<p>Ein weiterer auf Deutsch erschienener Roman kann als Komplementärstück zu dem royalistischen&nbsp; <strong><em>Sire</em> </strong>(1991)gelten<strong>,</strong> welcher die heimliche Königsweihe des Bourbonenprinzens Pharamond thematisiert: <strong><em>Der Ring des Fischers.</em></strong> Erzeichnet die Geschichte des zweiten Papsttums von Avignon zur Zeit des Großen Abendländischen Schismas nach. In Raspails Deutung ist die Papstlinie aus Avignon nie erloschen, sondern wird, „von einem Benedikt auf den nächsten“, im Geheimen weitergereicht. Die Handlung beginnt im Jahre 1378 in Rom. Gregor XI. ist gestorben und der Pöbel erzwingt die Wahl Bartolomeo Prignanos. Als Urban VI. besteigt er den päpstlichen Thron. Von Gewissensängsten getrieben opponieren einige Kardinäle und werden mit brutalen Mitteln zur Räson gebracht. In Fondi wählen sie mit Robert von Genf einen weiteren Papst, Clemens VII. Dieser residiert unter dem Schutz des französischen Königs Karl V. in Avignon. Da sich weder ein Schiedsspruch noch eine Abdankung erreichen lässt, wird 1409 das Konzil von Pisa einberufen. Dieses setzt die inzwischen gewählten Nachfolger Benedikt XIII. (Avignon) und Gregor XII. (Rom) ab und beruft Alexander V. Eine endgültige Schlichtung kann jedoch erst auf dem Konzil von Konstanz (1414-18) mit der Wahl Martins V. erreicht werden.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Aus den historischen Fakten zaubert Raspail ein kunstvolles Gewebe sich durchdringender Ereignisse und Ebenen.</h3>



<p></p>



<p>Benedikt XIII. – mit bürgerlichem Namen Pedro de Luna – trotzt 93jährig in dem Felsennest Peniscola allen Versuchen, ihn zur Abdankung zu zwingen. Dort stirbt er schließlich, nicht ohne vorher vier Kardinäle ernannt zu haben, welche die Sukzession garantieren. So formiert sich im Geheimen eine Reihe von Nachfolgern, welche, alle mit dem Namen Benedikt belegt, bis in unsere Zeit ein bewegendes Alternativpapsttum verkörpern. Jener Bettler Benedikt, der dann zu Beginn von der <em>Ring des Fischers </em>am Weihnachtsabend 1993 in Rodez um Brot bittet, der in verlassenen Kathedralen geheime Messen feiert, ein müder alter Mann, der per Anhalter fährt und milde Gaben mit unnachahmlicher Würde entgegennimmt – er also ist nicht nur Priester, sondern Papst. Und er will nach Rom. Raspail gelingt es, durch Rückblenden und zeitliche Verknüpfungen das Geschehen allmählich transparent zu machen. Natürlich interessiert sich das offizielle Rom des 21. Jahrhunderts für dieses apokryphe Schattenpapsttum. In heikler Mission und im Auftrag seiner Heiligkeit beauftragt der mit geheimen Spezialfällen vertraute Bischof Cassini den litauischen Pater Wladimir Nykas. Wladimir spürt den alten Mann schließlich am Monte San Savino auf.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Jean Raspail sucht das Verborgene, eine im höchsten Sinne fruchtbare Geheimlehre ewig verknüpfter Mysterien.</h3>



<p></p>



<p>Der Roman <strong><em>Sieben Reiter verließen die Stadt </em></strong>ist eine weiterer Meilenstein in seinem Werk. Das im Roman zentrale fiktive franko-germanische Adelsgeschlecht der Pikkendorffs, über ganz Europa verzweigt, ist eine Verkörperung der Idee Raspails vom Abendland, die dem Schriftsteller im Heute&nbsp; schmerzlich abhandengekommen zu sein scheint. Um die Ursachen des Niederganges ihres&nbsp; Kleinfürstentums zu ergründen, brechen unter Führung des jungen Silve von Pikkendorff sieben Reiter auf. Sie wollen das Ende nicht untätig abwarten. Sie fliehen nicht, sie verraten nichts, sie hoffen nichts, sie erlauben sich keine Illusionen, sie bejahen einen verlorenen Kampf auf verlorenem Posten für eine verlorene Sache – auch literarisch eines der eindrucksvollsten Werke Raspails.</p>



<p>Ähnlich hartnäckig trotzt ein blutjunger Widerständler in <strong><em>Die Blaue Insel</em></strong> der mangelhaften französischen Wehrbereitschaft im Zweiten Weltkrieg und verteidigt ohne jede Aussicht auf Erfolg Verlorenes. Im Roman <strong><em>Der König jenseits des Meeres </em></strong>beziehen Nachkommen rechtmäßiger Herrscher ebenfalls verlorene Posten. Die Realpolitik kann damit nicht umgehen. So entfaltet der König jenseits des Meeres seine Wirkung, alles andere als im Verborgenen, bis es zum dramatischen finalen Kampf zwischen dem wurzellosen Jetzt und der tiefverwurzelten Vergangenheit kommt.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer das Eigene aufgibt, so warnt Raspail, hört bald auf zu existieren.</h3>



<p></p>



<p>Im November 2019 brachte der rührige Karolinger Verlag aus Wien literarische Reiseberichte von Jean Raspail unter dem Titel <strong><em>Die Axt aus der Steppe</em></strong> heraus. Schilderungen von untergehenden Minderheiten, beispielsweise der letzten Ainus, der Ureinwohner Japans, wechseln mit weltweit aufgespürten ethnischen „Kuriositäten“. So begegnen versprengte französische Kämpfer auf deutscher Seite an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges tief in den russischen Wäldern den späten Nachfahren auf dem Rückzug von Napoleons Grande Armee ebenfalls versprengter Landsleute. Verirrtes, Erloschenes und Erlöschendes, die letzten ihrer Art, bereits gezeichnet mit dem Todessiegel – das&nbsp; ist auch in der <em>Axt </em>&nbsp;Raspails Thema, das er indes nicht nur mit Liebe, sondern auch mit viel Humor ausbreitet. Wer das Eigene aufgibt, so warnt der Schriftsteller, der so viele Ethnien kurz vor ihrem Ende aufgesucht und kennengelernt hat, hört auf zu existieren. Ohne Vorfahren gibt es keine Nachfahren. In diesen Essays durchlebt Raspail „erneut den nomadischen Teil“ seines Daseins, das ihn rund um den Erdball geführt hat.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Seltene Liebe zu den deutschen Landen und den Deutschen an sich</h3>



<p></p>



<p>Zu fragen bleibt, was den Franzosen Raspail mit deutschen Landen gedanklich verbindet? Wir sehen es in dem expliziten und alle Nationen übergreifenden Wissen um den hohen Wert einer Volks- und Kulturgemeinschaft. Auch Vertriebene und Gescheiterte haben das Recht, gemäß ihrer jeweils eigentümlichen kulturellen Prägung und ihrer Ideale zu leben. Raspail hatte eine gerade unter rechten Franzosen vom alten Schlag seltene Liebe zu den deutschen Landen und den Deutschen an sich, wie er immer wieder bekannte. Die titelgebende autobiographische Episode der <em>Axt</em>, die&nbsp; Übergabe eines Familienerbstückes, einer imposanten uralten Waffe an Jean Raspail, verdeutlicht seine Treue zur Tradition, zur Schönheit und Erhabenheit der Geschichte.</p>



<p>Dem verdienstvollen Übersetzer Konrad Markward Weiß ist es zu verdanken, daß den Lesern deutscher Zunge diese meisterhaften Essays in kongenialer Sprache dargeboten werden – ebenso wie <em>Die Blaue Insel</em> und <em>Der König jenseits des Meeres</em>. Der Schriftleiter des <em>ECKARTs </em>schätzt sich glücklich, gegen Ende des langen Lebens Jean Raspails dem großen Schriftsteller und Visionär etliche Male persönlich begegnet zu sein und bis zu dessen Tod mit ihm in freundschaftlicher Verbindung gestanden zu sein.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Zu deutscher Seele hin ist mein Sinn“ –Johann Friedrich Perkonig</title>
		<link>https://dereckart.at/zu-deutscher-seele-hinist-mein-sinn-johann-friedrich-perkonig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2025 08:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Peter Wassertheurer Johann Friedrich Perkonig zählt zweifelsohne zu den schillerndsten Schriftstellern und Sprachkünstlern Kärntens. Aus seiner Feder entstammten Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Hörspiele und eine impressionistische, von einem tiefen Heimatpathos getragene Lyrik. Perkonigs sprachliche Schaffenskraft war seiner Herkunft geschuldet. Geboren wurde er am 3. August 1890 in Ferlach im Rosental. Das Rosental in Südkärnten verfügte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Peter Wassertheurer</em></p>



<p></p>



<p>Johann Friedrich Perkonig zählt zweifelsohne zu den schillerndsten Schriftstellern und Sprachkünstlern Kärntens. Aus seiner Feder entstammten Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Hörspiele und eine impressionistische, von einem tiefen Heimatpathos getragene Lyrik. Perkonigs sprachliche Schaffenskraft war seiner Herkunft geschuldet. Geboren wurde er am 3. August 1890 in Ferlach im Rosental. Das Rosental in Südkärnten verfügte damals wie das Jauntal, das Mießtal oder das Lavanttal über eine slowenischsprachige bzw. windische Bevölkerungsmehrheit. Lediglich in den urbanen Zentren dieser Täler waren die Wirtschaft und das kulturelle Leben von einer deutschen Hegemonie geprägt. Ferlach war im ausgehenden 19. Jh. eine prosperierende Industriestadt mit einem politisch aktiven, gemischtsprachigen Proletariat, unter dem sozialistische Ideen schnell Fuß fassen konnten. Seit 1620 wird in Ferlach das Büchsenmacherhandwerk gepflegt, Mitte des 19. Jh. erfolgte die Umstellung der Produktion auf Jagdwaffen. Bei der Volkszählung von 1910 gab es im Bezirk Ferlach eine slowenischsprachige Mehrheit von 59,6 Prozent, in der Stadt Ferlach hingegen hielt das Deutschtum 89,8 Prozent.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Ich höre den Kelten in mir rumoren, spüre den Germanen grübeln und den Slawen träumen.“</h3>



<p></p>



<p>Perkonig wuchs zweisprachig in einer von der Industrie bestimmten Umwelt auf, zu der ideologische Auseinandersetzungen ebenso gehörten wie ethnisch-sprachliche Nationalitätenkonflikte, die jedoch, wenn überhaupt, nur auf der politischen Bühne Platz hatten. Diese interethnische Linie zog sich auch durch Perkonigs Elternhaus. Sein Vater Michael gehörte als Rosentaler zur windischen Volksgruppe, seine Mutter Franziska war eine Deutsch-Kärntnerin aus dem Glantal. Zeitlebens sah Perkonig darin eine Bereicherung. Nahezu leidenschaftlich definierte er einmal seine kulturelle Herkunft wie folgt: „Ich höre den Kelten in mir rumoren, spüre den Germanen grübeln und den Slawen träumen.“ Perkonig schöpfte hier aus der Kärntner Mythenwelt und sieht seine Herkunft an der Schnittstelle der drei großen europäischen Kulturkreise. Perkonig bekennt sich in seinem literarischen Werk an zahlreichen Stellen zu seiner sprachlichen Mehrkulturalität. In seiner Erzählung <em>Der Schindelhannes zieht übers Gebirg </em>heißt es dazu: „Zu deutscher Seele hin ist mein Sinn gerichtet, slawischer Seele aber weiß ich nachzuspüren.“ Zeitlebens sah sich Perkonig, wie er es selbst einmal so trefflich formulierte, als einen Vermittler „zwischen drüben und herüben.“</p>



<p>Nach der Pflichtschulzeit in Ferlach zog Perkonig in die Landeshauptstadt Klagenfurt, wo er sich 1905 an der Lehrerbildungsanstalt einschreiben ließ. Damals trat er sechzehnjährig der Pennalen Burschenschaft Normannia bei, die damals verboten war. Aus Perkonigs Feder stammt übrigens deren Farbenlied, bis zu seinem Tod blieb Perkonig seiner Normannia treu. Daß er trotz gemischter Abstammung ausgerechnet bei einer deutschnationalen Verbindung einsprang, entsprach seinem kulturellen Verständnis, da für Perkonig das Deutschtum keinen Gegensatz zum Slawentum darstellte. Der junge Perkonig suchte vielmehr den Zugang zur geistigen Elite. Die fand er in Kärnten des beginnenden 20. Jh. im Kreis des urbanen, großdeutsch gesinnten Bildungsbürgertums, wie er es nur in Klagenfurt vorfand.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Perkonig als Kärntner Abwehrkämpfer</h3>



<p></p>



<p>Perkonig litt unter einer starken Kurzsichtigkeit, was ihn vor einem Einsatz im Ersten Weltkrieg bewahrte. Im Kärntner Abwehrkampf wurde er von Hans Steinacher in die Landesagitationsstelle geholt, wo unter Steinachers Geschäftsführung der geistige Abwehrkampf organisiert wurde. Nachdem sich die Entente in Saint Germain für eine Volksabstimmung entschieden hatte, stand Südkärnten bis zum 10. Oktober 1920 unter slowenischer Verwaltung. Bis zum Abstimmungstag entflammte auf beiden Seiten eine wahre Propagandaschlacht. Das Land Kärnten beauftragte sechs Druckereien mit der Herstellung von Broschüren, Flugzetteln und Plakaten. Die Bundesregierung stellte dafür einen Kredit von zehn Millionen Kronen zur Verfügung.</p>



<p>Perkonigs literarische Arbeit war 1919 noch weitgehend unbekannt, der Abwehrkampf sollte ihm aber die Möglichkeit bieten, sich unter dem Namen „Carinthiacus“ als Schriftsteller zu etablieren. Wie intensiv sich Perkonigs Auseinandersetzung mit dem Kärntner Abwehrkampf gestaltete, verrät die Fülle an Literatur, die zu diesem Thema in den 1920er-Jahren aus seiner Feder entstand: <em>Heimat in Not</em>, <em>Kärnten Deutscher Süden</em> oder das Theaterstück <em>Die Heimsuchung</em>, das im Klagenfurter Stadttheater aufgeführt wurde. Es stellt das Leid der Kärntner Bevölkerung unter slowenischer Besatzung dar. Der Grund für Perkonigs persönliches Engagement im Abwehrkampf war einer familiären Tragödie geschuldet. Sein Vater war im Dezember 1918 im besetzten Ferlach von SHS-Soldaten verhaftet und nach Laibach verschleppt worden. Nach der Rückkehr 1920 erlag er einem Herzschlag. Gegenüber seinem späteren Biographen Erich Nussbaumer charakterisierte Perkonig dieses Unglück als tiefen Einschnitt in seiner Persönlichkeit: „Sie können sich denken, welchen Eindruck dieses entsetzliche Ereignis auf mich machte, der ich stets allen Grund hatte, mit Verehrung an meinem Vater zu hängen.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Perkonig im Ständestaat und während der NS-Zeit</h3>



<p></p>



<p>Im Ständestaat konnte Perkonig nicht nur seine literarische Laufbahn fortsetzten, er begann sich auch als Landtagsabgeordneter mit der Tagespolitik zu beschäftigen. Perkonig stand hier in einer Tradition, der auch andere bekannte Kärntner Schriftsteller gefolgt waren. Zu nennen ist hier der Lyriker Guido Zernatto, zu dem er während dessen Tätigkeit als Staatssekretär enge Kontakte unterhielt. Bis zum Anschlußjahr 1938 steigerte Perkonig seine literarische Produktivität. Es entstand eine Reihe von Romanen: <em>Mensch wie du und ich</em>, <em>Auf dem Berge leben</em>, <em>Honigraub</em>, <em>Nikolaus Tschinderle, Räuberhauptmann </em>und <em>Lopud, Insel der Helden</em>. Kulturpolitisch hielt Perkonig, wie viele seiner Zeitgenossen, am Anschlußgedanken fest. Nach 1938 bekannte er freimütig: „Größeres Vaterland: Den Beharrlichen ein Lohn! Den Greisen ein spätes Glück! Dem Jüngling eine süße Pflicht! Gebet, Gesang, Gedanke: ewig Deutschland!“</p>



<p>Aufgrund solcher Bekenntnisse wird Perkonig heute als Schriftsteller mit NS-Sympathien dargestellt, der, folgt man Claudia Kuretsidis-Haider, schon früh mit Vertretern der illegalen NSDAP in Kontakt kam und sich später für „zahlreiche literaturpolitische Manifestationen auf NS-Seite“ verantwortlich zeigte. Als Beleg zitiert man dazu Perkonigs Vorwort in einem 1942 erschienenen Lesebuch für die Jugend, in dem er schrieb: <em>Einmal deutscher Knabe, deutsches Mädchen, wirst du erwachsen sein und deinen Platz im deutschen Volk einnehmen. (…) Denke immer daran, daß du auf der Welt bist, um deinem Volke zu dienen, nicht aber, um ein bequemes Leben zu haben. Du hast das Glück, einem herrlichen Volke anzugehören. (…) Als es in Not und Schmach geriet, da schenkte ihm Gott einen Führer, der es wieder in das Licht führte. Ihm mußt du in Leben und Tod ergeben sein. (…) Gib für Deutschland Glück und Gut dahin und, wenn es sein muß, auch das Leben.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Hohe politische Anpassungsfähigkeit, aber auch mutige öffentliche Parteinahme für die Slowenen im Jahr 1942</h3>



<p></p>



<p>Der ehemalige Leiter des Kärntner Landesarchivs, Wilhelm Wadl, attestiert Perkonig eine „erhebliche Flexibilität“, die Perkonig sowohl im Ständestaat wie später im Dritten Reich literarisch reüssieren ließ. Perkonig war, den Umständen der Zeit geschuldet, ein politischer Opportunist, der um der eigenen Karriere willen eine hohe Anpassungsfähigkeit bewies – aber kein Einzelfall. Man denke hier nur an Karl Renner, SPÖ-Staatskanzler der Ersten Republik und nach 1945 Bundespräsident. Auch Renner galt als glühender Anhänger des Anschlusses, legendär wurde sein „Ja“ in der Arbeiterzeitung. In den 1920er-Jahren war Renner mit antisemitischen Äußerungen negativ aufgefallen, 1945 diente er sich dann ausgerechnet Josef Stalin an. Wer Perkonigs persönliches Verhalten in der NS-Zeit beurteilt, was aus der gesicherten Wohlstandsposition von heute immer sehr fragwürdig ist, darf sich nicht nur auf dessen sprachlich übersteigerte NS-Lobeshymnen beschränken, von denen er sich später deutlich distanzierte, sondern muß sein mutiges Eintreten für die slowenische Volksgruppe von 1942 mitberücksichtigen. Perkonig gehörte zu den wenigen Künstlern, die damals die Courage aufbrachten, gegen die zwangsweise Aussiedelung von Slowenen aus Kärnten öffentlich zu protestieren.</p>



<p>Ähnlich kritisch wird Perkonigs journalistischer Einsatz beim Abwehrkampf gesehen, wofür er in den 1920er-Jahren zahlreiche Ehrungen erhielt. Für Perkonig war das Ringen um Kärnten ein Kampf, bei dem „uralte deutsche Erde bewahrt wurde.“ Solche Aussagen nützen Perkonigs Widersachern, um ihn zum Vertreter einer Blut-und-Boden-Ideologie zu machen. Er soll daher als Namensgeber für Schulen und Straßen verschwinden. Wieder urteilt man mit zweierlei Maß: Die slowenische Feindpropaganda von 1918 bezeichnete Kärnten ihrerseits als uralten slawischen Boden, den es zurückzuerobern galt&#8230; </p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Siegfried von Vegesack</title>
		<link>https://dereckart.at/siegfried-von-vegesack/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2024 16:10:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lehnert Es ist selten geworden, daß man einen Dichter ausschließlich mit einer bestimmten Landschaft verbindet. Das hat nicht nur damit zu tun, daß „Heimat“ zu einer umstrittenen Vokabel geworden ist, sondern auch damit, daß sich das Unverwechselbare der deutschen Landschaften in der Massengesellschaft abgeschliffen hat. Es entsteht der Eindruck, überall lebten die gleichen [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erik Lehnert</em></p>



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<p>Es ist selten geworden, daß man einen Dichter ausschließlich mit einer bestimmten Landschaft verbindet. Das hat nicht nur damit zu tun, daß „Heimat“ zu einer umstrittenen Vokabel geworden ist, sondern auch damit, daß sich das Unverwechselbare der deutschen Landschaften in der Massengesellschaft abgeschliffen hat. Es entsteht der Eindruck, überall lebten die gleichen Menschen, nur vor einer anderen Kulisse. Doch gerade die Menschen, die seit ewigen Zeiten in ihrer Landschaft leben, machen das Unverwechselbare aus. Und davon gibt es immer weniger. Was ein Fritz Reuter für Mecklenburg, ein Theodor Fontane für Brandenburg oder ein Ernst Wiechert für Masuren, das südliche Ostpreußen war, wird man heute nur noch selten ­finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Keinem ist es wie Vegesack gelungen, das Schicksal der Baltendeutschen in eine Romanform zu bannen, die bis heute Leser findet.</h3>



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<p>Das gilt in gewisser Weise auch für Siegfried von Vegesack, den man, so der Name überhaupt noch eine Assoziation auslöst, immer mit dem Baltikum in Verbindung bringen wird. Das ist einerseits eine Reduzierung seines wesentlich umfangreicheren Schaffens auf die Baltische Tragödie, andererseits zeigt es aber auch, welchen Stellenwert dieser Roman hat. Es gibt zwar viele andere baltendeutsche Dichter – vor allem Werner Bergengruen und Otto von Taube, aber auch Else Hueck-Dehio wären hier zu nennen – aber keinem ist es wie Vegesack gelungen, das Schicksal der Baltendeutschen in eine gültige Romanform zu bannen, die bis heute Leser findet und damit den Namen Vegesack vor dem Vergessen bewahrt hat.</p>



<p>Die „baltischen Provinzen“, wie Estland, Kurland und Livland – das heutige Estland und Lettland – in Deutschland genannt wurden, gehörten seit Ende des 18. Jh. zu Rußland. Sie standen aber seit dem Mittelalter unter deutschem Einfluß, der sich einerseits aus der Herrschaft des Deutschen Ordens und andererseits aus dem Erfolg der Hanse erklärt. Die Deutschen, Adel und Bürgertum, stellten daher die Oberschicht der Länder. Mit der russischen Herrschaft konnten sich die Deutschen zunächst gut arrangieren, nicht zuletzt, weil schon lange gute Handelsbeziehungen nach Rußland existierten und der baltendeutsche Adel seit der Zeit Ivans des Schrecklichen in russischen Diensten stand.</p>



<p>Ende des 19. Jh. setzte eine scharfe Russifizierungskampagne ein, mit der die kulturelle Macht der Deutschen gebrochen werden sollte. Russisch wurde zur Amts- und Lehrsprache, traditionelle Formen der baltischen Gerichtsbarkeit wurden verboten. Der Druck der Russifizierung verschärfte die sozialen Konflikte, indem der Haß der Unterschichten gegen die Deutschen gelenkt wurde. Die Bevölkerungszahlen zeigen das Problem: 1887 lebten in den baltischen Provinzen 165.000 Deutsche, 1.070.300 Letten, 885.200 Esten und 128.900 Russen. Der Großgrundbesitz befand sich zu 80 bis 90&nbsp;Prozent in deutschem Besitz.</p>



<p>Das ist die Situation, in der Siegfried von Vegesack 1888 als sechster Sohn von insgesamt sieben Kindern eines Ordnungsrichters auf dem Familiengut Blumenbergshof in Livland zur Welt kam. Der Ordnungsrichter wurde aus dem Kreise der adeligen Gutbesitzer gewählt und war für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständig. Diese Form der Selbstverwaltung wurde im Zuge der Russifizierung abgeschafft. Der Vater starb bereits 1900, und Vegesack wuchs in Riga auf, wo er das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur studierte er zwischen 1907 und 1914 in Dorpat, Heidelberg, München und Berlin Geschichte und Kunstgeschichte, nebenbei arbeitete er als Journalist. Während des Krieges hielt er sich zunächst in Schweden auf, wo er auch heiratete. Er zog schließlich nach Bayern, wo die Familie 1918 ein Wirtschaftsgebäude der Burgruine Weißenstein bezog. Die mühevolle und kostspielige Instandsetzung des Turmes beschrieb Vegesack 1932 in dem Roman Das fressende Haus.<br>Insbesondere am Ende des Ersten Weltkrieges fielen viele Baltendeutsche bolschewistisch und nationalistisch motivierten Mordtaten, dem „roten Terror“, zum Opfer. Der Versuch der Baltischen Landwehr, die deutschen Interessen im Baltikum zu wahren und die Baltendeutschen zu schützen, mißlang. Darin war Vegesack selbst nicht involviert, allerdings wurde sein ältester Bruder, der den Blumenbergshof geerbt hatte, im März 1919 von lettischen Bolschewisten ermordet. Vegesack lebte als freier Schriftsteller zunächst von Übersetzungen aus dem Russischen. Neben Gogol, Turgenjew und Leskow übersetzte er 1930 den zweiten Roman von Vladimir Nabokov, König Bube Dame.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zweierlei Welten, getrennt durch eine „gläserne Wand“</h3>



<p>Sein Großwerk, die Familiensaga Die baltische Tragödie, entstand 1933/34. Der erste Band des bereits als Trilogie angekündigten Werkes erschien 1933 unter dem Titel Blumenbergshof. In ihm schildert Vegesack seine Kindheit, die mit dem frühen Tod des Vaters und dem Umzug nach Riga endet. Vegesack erzählt aus der Perspektive des heranwachsenden Jungen, der sich die Welt erschließt und für den noch viele Dinge, die für Erwachsene selbstverständlich sind, der Erklärung bedürfen. Es sind im Grunde zwei Welten, in denen der Junge sich bewegt: die Welt der deutschen Oberschicht, in der es gesittet und geruhsam zugeht, und die Welt der einfachen Leute, der Unterschicht, die größtenteils aus Letten besteht und die derber, aber lebendiger ist. Durch den Blick des kleinen Aurels von Heidenkamp auf die Welt gelingt es Vegesack, diese zu schildern, ohne sie zu verdammen oder zu verherrlichen, sodaß ein differenziertes Bild entsteht.</p>



<p>Vegesack bezeichnet die Grenze zwischen den beiden Welten als „gläserne Wand“, die immer dünner wird, bis sie schließlich ganz zerbricht. Das ist das Thema des zweiten Bandes, Herren ohne Heer (1934), der den Zeitraum bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschreibt. Hier geht es um das Gymnasium, wo das verhaßte Russisch gelernt werden muß, weil Deutschunterricht verboten ist und nur im Hinterzimmer gegeben werden kann. Es geht aber auch darum, daß die Verhältnisse außer Kontrolle geraten, der russische und der lettische Nationalismus zunehmen, die sozialen Spannungen steigen und sich in ersten Gewaltexzessen entladen. Aurel steht immer etwas abseits, beobachtet und macht sich Gedanken. Am Ende muß der Student, der sich viel auf sein Deutschtum zugute hält, erfahren, daß er im Reich als Deutsch-Russe begrüßt und für seine hervorragenden Deutschkenntnisse bestaunt wird.</p>



<p>Hier deutet sich an, was am Anfang des dritten Bandes, Totentanz in Livland (1935), steht, als einer der Brüder in den Krieg und als russischer Staatsbürger gegen sein eigenes Volk kämpfen muß. Was bis dahin nie ein Problem war, weil man sich einbildete, lediglich in einem besonderen Treueverhältnis zum Zaren zu stehen, wird im Zeitalter des Nationalismus’ zur tödlichen Falle. Vegesack hat diesen Band „dem Andenken der Männer, die für ihre Heimat starben“ gewidmet und die Informationen aus Erlebnisberichten bezogen. Bezogen auf die Hauptfigur, die in die bürgerkriegs­ähnlichen Kämpfe verwickelt wird und schließlich nach Deutschland ausreist, ist es jetzt ein wirklicher Roman. Aber Aurel bleibt weiterhin der Sonderling, der er immer war.</p>



<p>Mit der Trilogie, die in der einbändigen Ausgabe weite Verbreitung fand, stieß Vegesack auf große Resonanz, sodaß sich die Frage nach seiner Haltung zum Nationalsozialismus stellte, in dem er seine größten Erfolge feiern konnte. Günter Scholdt ist dieser Frage in einem Aufsatz nachgegangen und zu dem Schluß gekommen, daß Vegesack gerade durch seine Prägung als Baltendeutscher ein distanziertes Verhältnis zum Dritten Reich gehabt hatte. Er wußte, welch verheerende Wirkungen die totalitären Ideologien hatten, zog daraus aber andere Schlüsse als beispielsweise der Baltendeutsche Alfred Rosenberg. Seine Distanz wird nicht zuletzt in seinen weiteren Veröffentlichungen aus der NS-Zeit deutlich. Der Spitzpudeldachs und andere Tiergeschichten aus dem Bayrischen Wald (1936) und Das Kritzelbuch (1939) enthalten zahlreiche, ziemlich deutliche Satiren auf Rassedünkel und Konformismus. Unter fremden Sternen (1938) schildert mit großem Einfühlungsvermögen die Verhältnisse in Südamerika, insbesondere die des bedrohten Deutschtums, aber auch die der Eingeborenen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die baltendeutsche „Heimkehr ins Reich“ bedeutete für Vegesack den Untergang einer ganzen Kultur.</h3>



<p>Aber auch an Vegesack ging diese Zeit nicht spurlos vorbei. Er war als Übersetzer im rückwärtigen Gebiet der Ostfront im Einsatz (Soldaten hinterm Pflug, 1944) und mußte den Soldatentod seines einzigen Sohnes (Mein Junge, 1948) hinnehmen. Das Baltikum ließ ihn jedoch nicht los. Er schilderte in Der letzte Akt (1941 als Fortsetzungsroman erschienen, 1957 als Buch) das Ende der Deutschen im Baltikum, das mit der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes eingeläutet worden war. In einem Zusatzprotokoll war die Umsiedlung der Baltendeutschen vereinbart worden, die Ende 1939 in das gerade eroberte Warthegau erfolgte. Vegesack stand dieser „Heimkehr ins Reich“ kritisch gegenüber, weil sie den endgültigen Untergang einer ganzen Kultur bedeutete. Für seine Familie erwies es sich als Glücksfall, daß er schon frühzeitig neue Wurzeln in Bayern geschlagen hatte. Er konnte seinen drei Brüdern im „Fressenden Haus“ Unterschlupf bieten. In diesem Haus ist Vegesack 1974 gestorben. Man entsprach seinem Wunsch und begrub ihn an seiner Lieblingsstelle im Wald, wo noch heute ein Totenbrett an ihn erinnert. </p>
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		<title>Agnes Miegel – ein deutsches Frauenschicksal</title>
		<link>https://dereckart.at/agnes-miegel-ein-deutsches-frauenschicksal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jul 2024 16:05:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
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					<description><![CDATA[von Hermann Attinghaus Bei näherer, unvoreingenommener Betrachtung ist die bei Linken und anderen politisch korrekten Zeitgenossen umstrittene Agnes Miegel viel moderner, als die haßerfüllten, selbsternannten Hüter der Demokratie wahrhaben wollen. Die große Dichterin paßt so wenig in die Gegenwart wie zu der Blut-und-Boden-Ideologie des NS-Regimes. Allein durch die frühzeitige Ablehnung von Ehe und Mutterschaft wie [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Hermann Attinghaus</em></p>



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<p>Bei näherer, unvoreingenommener Betrachtung ist die bei Linken und anderen politisch korrekten Zeitgenossen umstrittene Agnes Miegel viel moderner, als die haßerfüllten, selbsternannten Hüter der Demokratie wahrhaben wollen. Die große Dichterin paßt so wenig in die Gegenwart wie zu der Blut-und-Boden-Ideologie des NS-Regimes. Allein durch die frühzeitige Ablehnung von Ehe und Mutterschaft wie auch durch die Hinwendung zum eigenen Geschlecht war sie – ungeachtet vieler Ehrungen im Dritten Reich – eine Außenseiterin und Einzelgängerin, damals wie heute.</p>



<p>Den Irrtum, im „Führer“ den lange erhofften deutschen Messias gefunden zu haben, teilte sie mit Millionen anderer Menschen, durchaus nicht nur mit Deutschen. Analysiert man die immer wieder inkriminierten Gedichte auf den „Führer“, wird man rasch den grundlegenden Unterschied zu den Erzeugnissen Baldur von Schirachs oder Heinrich Anackers erkennen. „Ich traue auf Gott und den Führer, nicht so kindlich und bequem, wie viele es tun, sondern so, wie man als Deutscher und Ostgermane seinem Schicksal vertraut.“ Dieses Vertrauen auf den Führer hat sich nur zu bald als ein grundlegender Irrtum herausgestellt. Das Vertrauen auf Gott blieb.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Mutter Ostpreußens“ mit Salzburger Wurzeln und dem „zweiten Gesicht“</h3>



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<p>Die oftmals als „Mutter Ostpreußens“ bezeichnete Dichterin Agnes Miegel wurde am 9. März 1879 in Königsberg geboren. Der Vater Gustav Adolf Miegel entstammte einer Kaufmannsfamilie, die seit mehreren Generationen in Königsberg und Umgebung ansässig war. Mütterlicherseits stammt die Dichterin von Salzburger Protestanten ab, die vom Oberhofgut in Filzmoos im Pongau kamen. Im Zuge der Gegenreformation wurden sie im Jahre 1731 vertrieben. Agnes blieb das einzige Kind. Zwar schildert sie ihre frühe Jugend stets als heiter und harmonisch, aber aus dem erheblichen Altersunterschied der Eltern und der labilen Gesundheit der Mutter haben sich zwangsläufig Konflikte ergeben. Das Leben im gutbürgerlichen Hause Miegel war von bescheidenem Wohlstand und preußischer Lebensart geprägt. Die Tochter erhielt schon früh viele geistige Anregungen durch Vorlesen, anspruchsvolle Lektüre und Erzählungen des Vaters über Königsberg und die preußische Geschichte.</p>



<p>Der erste schwere Schicksalsschlag trifft das Kind, noch ehe es zur Schule geht: Ein Onkel, der Bruder der Mutter, bringt sich um. Dadurch verschlimmert sich der Gemütszustand der Mutter dramatisch, und auch der Vater ist tief betroffen. Zum ersten Mal wird Agnes Miegel mit dem Tod und einer beängstigenden Atmosphäre konfrontiert, ihr Hang zum Unerklärlichen und Geheimnisvollen tritt verstärkt hervor. Von ihrem Urgroßvater väterlicherseits hat sie offenbar die Gabe des „zweiten Gesichtes“ geerbt. Tatsächlich hat Agnes Miegel die Zerstörung Königsbergs durch britische Bomber im August 1944 und die Verwüstung Ostpreußens durch die Rote Armee vorhergesehen. Diese außerordentliche Begabung beunruhigt das Kind in keiner Weise, erklärt aber die Bedeutung des Gespenstischen und Magischen in Miegels Werk.</p>



<p>Nach der privaten Grundschule und der Höheren Mädchenschule in Königsberg kommt Agnes Miegel in eine Pension in Weimar, wo ihre Bildung fortgeführt wird. Die Zeit in Thüringen – gekennzeichnet von einem reichen kulturellen Leben mit Theater- und Konzertbesuchen – ist einer der glücklichsten Abschnitte ihres Lebens: Hier spürt sie noch den Geist der Klassiker Goethe und Schiller, hier entstehen ihre ersten Gedichte und führt sie ein Tagebuch.</p>



<p>Daheim in Königsberg wird 1896 ihre erste Ballade gedruckt, für die sie zwei Goldstücke als Honorar erhält. Im Frühjahr 1898 verbringt sie drei Monate in Paris, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Anschließend macht sie in Berlin eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester, übt aber den Beruf nie aus, denn dazu ist ihre Gesundheit nicht stark genug. Mit einer Freundin geht sie im Herbst 1902 nach England, wo sie bis April 1904 in der Clifton High School in Bristol junge Engländerinnen betreut. Dieser Aufenthalt begründet ihre enge Beziehung zur englischen Geschichte und Landschaft. Dann wechselt sie nach Berlin, um Lehrerin zu werden, muß aber die Ausbildung abbrechen, weil sie den Anstrengungen nicht gewachsen ist. Miegel hat erste Erfolge als Dichterin. Auf Vorschlag Börries von Münchhausens, mit dem sie eine vorübergehende Liebesbeziehung eingeht, erscheint 1901 ihr erster Gedichtband. Aus einer Begegnung mit Lulu von Strauß und Torney, die den Verleger Diederichs heiratet, wird eine lebenslange Freundschaft. In seinem Verlag erscheint ihr zweiter Gedichtband.</p>



<p>Im Oktober 1906 ändert sich ihr Leben grundlegend: Sie muß zurück zur Familie, da sich der Zustand der Mutter dramatisch verschlechtert hat und überdies ihr Vater erblindet. Während der nächsten zehn Jahre bis zum Tod des Vaters 1917 schreibt sie nur wenige Gedichte, liest aber viel, um sich weiterzubilden. Angeregt durch die Erzählungen des Vaters wird sie zur überzeugten Ostpreußin, was deutliche Spuren in ihrem Werk hinterläßt.</p>



<p>Nach dem Ersten Weltkrieg steht Agnes Miegel vor dem Nichts. Sie hat keinen Beruf, kein Einkommen, kein Vermögen, aber Freunde vermitteln ihr einen Posten bei einer Zeitung. In den kommenden Jahren schreibt sie hunderte Artikel zu verschiedensten Themen, 1926 dann ihre legendären <em>Geschichten aus Alt-Preußen</em>, die sie als Schriftstellerin bekannt machen. Seit ihrem 50. Geburtstag 1929 erhält sie von der Provinz Ostpreußen einen Ehrensold. Schon 1916 hatte sie gemeinsam mit dem Arbeiterdichter Heinrich Lersch den Kleist-Preis bekommen. Bei der Königsberger Kant-Feier 1924 wird ihr das Ehrendoktorat verliehen, 1932 erhält sie die Goethe-Medaille von Präsident Hindenburg. Sie wird also schon lange vor der NS-Machtübernahme gebührend geehrt und erhält auch nach Kriegsende den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 1962 den Westpreußischen Kulturpreis. 1961 besucht sie sogar der Berliner Bürgermeister Willy Brandt. Daß sie während der NS-Zeit vereinnahmt und geehrt wurde und daher auch manchen Gefälligkeitstext abliefern mußte, wird ihr heute besonders angekreidet.</p>



<p>Im Februar 1945 flieht Agnes Miegel über die Ostsee nach Dänemark, wo sie bis November 1946 im Lager Oksbøl interniert wird, ehe sie nach Deutschland zurückkehren darf. Von Mai 1948 bis zu ihrem Tod am 26. Oktober 1964 wohnt sie in Bad Nenndorf in Niedersachsen. An ihrem Begräbnis nehmen unzählige Trauergäste, darunter auch etliche Vertreter der Ministerien, der Verbände, von Schulen und Universitäten teil.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Bei der Hetzjagd auf die bedeutendste Dichterin Ostpreußens geht es nur vordergründig um tatsächliche oder auch nur behauptete Verstrickungen der Poetin in das NS-Regime.</h3>



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<p>Sie war keine Parteigenossin der ersten Stunde, trat erst 1940 der Partei bei. In ihrem Werk finden sich jedenfalls keinerlei antisemitische, rassistische oder sonstige nationalsozialistische Passagen. Ja, sie hat einige nicht sehr bedeutende Gedichte auf den „Führer“ geschrieben, die freilich, wie schon oben angedeutet, ganz anderer Art sind, als die der „Sänger der Bewegung“. Das sind keine oberflächlichen Huldigungen einer Verblendeten, sie sind vielmehr der Ausdruck einer verzweifelten Hoffnung wider besseres Wissen, daß Deutschland doch noch gerettet werden könne. Ihr „zweites Gesicht“ hat ihr lange vor Hitlers Machtergreifung gezeigt, daß der Weltenbrand in absehbarer Zeit kommen müsse und daß niemand imstande sein würde, ihn zu verhindern. Der Gang der Geschichte schien – kurzfristig – ihrer Vision zuwider zu laufen.</p>



<p>Agnes Miegel ist freilich nicht das einzige Opfer der politisch korrekten Hetzjagd auf nichtlinke Künstlerinnen und Künstler in den vergangenen Jahren. Darin spiegelt sich auch die Veränderung in der politischen Landschaft der Bundesrepublik und der Alpenrepublik. Künstler und Wissenschaftler, die das Andenken an den deutschen Osten bewahren, werden auch Jahrzehnte nach ihrem Tod noch verfemt, nicht zuletzt, weil sie damit das Konzept der Umerziehung unterlaufen.</p>



<p>Agnes Miegel hat seit dem Tod des Vaters 1917 bis ins hohe Alter zahlreiche Werke verfaßt. Neben vielen Gedichten hat sie auch etliche Prosatexte hinterlassen, in denen sie immer wieder Themen aus der preußischen Geschichte behandelt. Objektiv betrachtet bleibt sie als die bedeutendste deutsche Dichterin des 20. Jahrhunderts in Erinnerung, die konsequent wie keine andere das Schicksal von Frauen in den Mittelpunkt ihres Schaffens gestellt hat.</p>
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		<title>Rudolf Alexander Schröder</title>
		<link>https://dereckart.at/rudolf-alexander-schroeder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 May 2024 09:29:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
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					<description><![CDATA[von Till Kinzel Einst war der Bremer Dichter weithin bekannt und beliebt – seine Gesammelten Werke erschienen in mehreren Bänden bei Suhrkamp, und er war Träger namhafter Literaturpreise. Doch auch über Rudolf Alexander Schröder ist eine Vergessenheit gekommen, die er nicht verdient hat. Sie ist einem Zeitgeist geschuldet, der von der Tradition in Kunst und [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Till Kinzel</em></p>



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<p>Einst war der Bremer Dichter weithin bekannt und beliebt – seine Gesammelten Werke erschienen in mehreren Bänden bei Suhrkamp, und er war Träger namhafter Literaturpreise. Doch auch über Rudolf Alexander Schröder ist eine Vergessenheit gekommen, die er nicht verdient hat. Sie ist einem Zeitgeist geschuldet, der von der Tradition in Kunst und Dichtung nicht mehr viel wissen möchte. Und daher auch mit einem Dichter nichts mehr anfangen kann, der nicht den Anspruch erhob, originell zu sein. Schröder verstand sich als Erbe einer Tradition, die er als Dichter weitertragen wollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Norddeutschland – „Eine Landschaft, die wir kennen und lieben, weil sie die unsre ist“</h3>



<p></p>



<p>Er war aber ebenso der Erbe einer Landschaft, der norddeutschen Tiefebene, die dem von Süden kommenden Reisenden als einförmig und langweilig erscheinen mag. Denn was könne man hier Landschaft nennen? Man sehe „einen Kiefernwald, einen Heiderücken, eintönige Wellen angebauten oder wüsten Landes, hier und da einen Bach, einen Flußlauf, da und dort ein einzelnes Haus“ – alles andere als die Gedrängtheit des Berglandes, auf dem Schlösser und Burgen thronen. Und doch ist es eine Landschaft, so Schröder, „die wir kennen und lieben, weil sie die unsre ist“ und die nur für das uneingeweihte Auge hinter einem Schleier verborgen scheint. Schröder widerspricht mit Schwung dem abschätzigen Urteil Schillers über die Weser, die dem Dichter nicht den geringsten Stoff zu bieten habe. Aber eine Landschaft ist nicht nur ein geographischer Raum, der sich präzise abgrenzen ließe. Die norddeutsche ist die niederdeutsche Landschaft – jener Raum, in dem die niederdeutsche Mundart gesprochen wird oder doch bis vor einiger Zeit gesprochen wurde. Eine Landschaft ist zudem der Raum der Geschichte, die in Städten ebenso wie in wilden Schlachten ihren Ausdruck fand. Der deutsche Norden umfaßt Magdeburg und Goslar nicht weniger als Königsberg – und die Hansestädte Hamburg und Lübeck sowie Schröders eigene Heimatstadt Bremen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Patriotischer Künstler und Bohemien</h3>



<p></p>



<p>Schröders prägende Bremer Herkunft verdichtet sich in dem Wort „Tagenbaren“ – damit bezeichnet man diejenigen, die von in Bremen geborenen Eltern selbst in Bremen geboren wurden. Und für diese alteingesessenen Bremer aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg lagen, so Schröder, die Paradiesfelder ihrer Jugend rund um das alte Rathaus, in dem neben Kaiserbildern und Schiffsmodellen auch das Marmorstandbild des Bürgermeisters Johann Smidt stand, dessen Sohn mit Schröders eigenem Vater eine Firma gegründet hatte. Eben dieses Standbild gab Schröder erstmals das „Gefühl des eigenen Verknüpftseins mit der Vergangenheit seiner Vaterstadt“.<br>Der Junge wuchs dort in einer frommen Kaufmannsfamilie auf und absolvierte das humanistische Gymnasium; aber ein Studium, für das er nach München ging, schloß er nicht ab; er zog das Leben als Künstler und Bohemien vor. Von der Ästhetik des Jugendstils um die Jahrhundertwende beeindruckt verdiente sich Schröder seinen Lebensunterhalt sehr erfolgreich als ein Architekt, Innenarchitekt und Designer in Bremen, der eindrucksvolle Raumkunst entwarf – besonders gelungen z. B. im Falle des Rauchsalons für den Schnelldampfer „Bremen“ des Norddeutschen Llyod.</p>



<p>Wie viele seiner Zeitgenossen stand Schröder als Jugendlicher unter dem Einfluß nicht nur Goethes und der Romantiker, sondern vor allem von Schopenhauer und Nietzsche. Erst später, im Zuge einer Wiederannäherung an den christlichen Glauben, ging er zu diesen auf Distanz – und wurde selbst zu einem populären Dichter von Kirchenliedern, nicht zuletzt geprägt durch Paul Gerhardt. Einige dieser Kirchenlieder fanden später sogar Aufnahme im Evangelischen Kirchengesangbuch.</p>



<p>Zu den engsten Freunden Schröders gehörten seit der Jahrhundertwende Rudolf Borchardt und Hugo von Hofmannsthal, Repräsentanten einer konservativen Revolution in der Dichtung, mit denen er in ständigem Austausch stand. Distanziert bis ablehnend war dagegen Schröders Verhältnis zu Stefan George, für dessen Anspruch eines dichterischen „Priesterkönigtums“ er keinerlei Verständnis aufbrachte. Mit seinem Vetter Alfred Walter Heymel und Otto Julius Bierbaum gab er die dem Jugendstil verbundenen Zeitschrift Insel (1899) heraus, die Keimzelle des späteren gleichnamigen Verlages, wo lange auch Schröders eigene Bücher erschienen. Ebenso spielte er eine programmatische Rolle bei der 1910 gegründeten Bremer Presse, die Werke der Weltliteratur in schönen Handpressendrucken verlegte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wertschätzung eher des Fortsetzens und Wiederholens als des Neubeginnens</h3>



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<p>Im Ersten Weltkrieg wurde Schröder gleich im August 1914 zur Marineartillerie auf die Insel Wangerooge eingezogen und 1915 nach Brüssel versetzt. Noch 1914 erscheint im Insel-Verlag jener Gedichtband Heilig Vaterland, dessen Gedichte nachhaltig zu Schröders Ruf als patriotischer Dichter beitrugen. Dazu gehörte vor allem das Gedicht „Deutscher Schwur“, das mit großem Pathos die Gefahr der Umkreisung Deutschlands, den Wehrwillen und die Opferbereitschaft der Söhne des Vaterlandes beschwor. Schröder empfand als Dichter das „Gefühl des Eingegliedertseins in einen jahrtausendealten Zusammenhang“, woraus für ihn die Wertschätzung eher des Fortsetzens und Wiederholens als des Neubeginnens auch in dichterischer Hinsicht folgte. Er stand der künstlerischen Avantgarde mit ihren Sprachexperimenten kritisch gegenüber. Vielmehr zeugen seine Dichtungen von einer Beherrschung der traditionellen lyrischen Formsprache, in der auch Reime noch selbstverständliche Elemente darstellen – es findet sich bei Schröder kein „Stottern der Gefühligkeiten“, so ein Wort von Franz Blei. Vor allem das Kirchenlied verkörperte für Schröder sein Traditionsverständnis, weil nicht „das Neue oder Überraschende, sondern das Gewohnte und Bewahrte“ sein Gesetz bilde und damit als einzige zeitgenössische Lyrikform das antike Erbe angetreten habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Pflicht als der deutscheste aller Begriffe</h3>



<p></p>



<p>Obwohl selbst „Nicht-Preuße“, schätzte Schröder Preußen als den einzigen europäischen Staat, der seinen heimlichsten und höchsten Auftrag „vom Geiste her“ erhalten habe. 1934 publiziert er eine Rede über Das deutsche politische Weltbild im Werk und Leben Goethes, in der er gegen die These vom unpolitischen Goethe argumentiert und den Deutschen zuschreibt, ein Rechtsvolk wie wenige andere zu sein: Persönlicher Anspruch und persönliche Verpflichtung stünden im Dienst einer allseitigen Gerechtigkeit. „Pflicht“ war für Schröder nichts Geringeres als „der deutscheste aller Begriffe“.</p>



<p>Als Mitglied der „Bekennenden Kirche“ war Schröder mit der „Inneren Emigration“ verbunden. Vor allem seine 1935 geschriebene Ballade vom Wandersmann (1937), ein Gedichtzy­klus mit klassischem Reimschema, legt davon Zeugnis ab. Eine politische Lesart der Ballade als verschlüsselte Opposition liegt nahe: Die Zeilen „Ich schau gebannt, / Im fremden Schandgesicht / Die eigne Schand“ weisen gedanklich voraus auf Schröders spätere protestantisch geprägte Reflexionen und Bekenntnisse zur Mitschuld an der NS-Diktatur, die seit Mitte der 1940er-Jahre seine nationalkonservative Haltung überlagern. Für Jochen Klepper war Schröder ein „durch und durch nationaler Mann“ und der protestantisch geprägte „letzte Europäer“. Die nationale Ausrichtung Schröders zeigt sich nicht nur in seiner Lyrik, sondern auch in einer skeptischen Frage angesichts der Resultate von NS-Diktatur und Zweitem Weltkrieg, ob man nicht das Kind mit dem Bade ausschütte, wenn man nun auf Begriffe wie „Volksgeist“ verzichte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="992" height="823" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2024/05/27.jpg" alt="" class="wp-image-10781" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2024/05/27.jpg 992w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2024/05/27-300x249.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2024/05/27-768x637.jpg 768w" sizes="(max-width: 992px) 100vw, 992px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die „Bremen“ bei Bremerhaven, Gustav Lüttgens, 1933; für weite Teile der Innenausstattung der „Bremen“ zeichnete Rudolf Alexander Schröder verantwortlich.<br>Wikimedia Commons, Dan-Erik</figcaption></figure>



<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt er in Altenbeuern die programmatische Rede Vom Beruf des Dichters in der Zeit. Hier bezeichnete er sich gemeinsam mit Borchardt und Hofmannsthal als „Diener und Treuhänder“ der abendländischen Überlieferung in der Kunst, als deren gleichsam geheime Quintessenz zwei Punkte zu nennen seien: Erstens könne das „innerste Wesen aller Kunst“ damit bestimmt werden, „Trost über die Vergänglichkeit des Daseins“ zu sein. Daraus folge zweitens die Aufgabe aller Kunst, nämlich „Rettung des Vergänglichen ins Unvergängliche, ins Bleibende“. Auch unter politisch schwierigen Verhältnissen, die drängende Aufgaben auf die Tagesordnung setzten, verteidigte Schröder so mit großer Entschiedenheit die Beschäftigung mit Literatur als notwendige „geistige Ausweichstelle“. Das macht ihn als Dichter und Essayist aktuell. </p>
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		<title>Ernst Jünger</title>
		<link>https://dereckart.at/ernst-juenger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2023 09:07:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lehnert Der Tod Ernst Jüngers vor 25 Jahren, am 17. Februar 1998, war ein internationales Ereignis. Kaum eine größere Zeitung oder Zeitschrift, die nicht wenig-stens eine kleine Notiz gebracht hätte. Was bei einem Nobelpreisträger oder Bestsellerautor selbstverständlich wäre, muß bei Jünger andere Gründe gehabt haben, denn Jünger war keines von beiden. Aber er [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-black-color has-text-color"><em>von Erik Lehnert</em></p>



<p>Der Tod Ernst Jüngers vor 25 Jahren, am 17. Februar 1998, war ein internationales Ereignis. Kaum eine größere Zeitung oder Zeitschrift, die nicht wenig-stens eine kleine Notiz gebracht hätte. Was bei einem Nobelpreisträger oder Bestsellerautor selbstverständlich wäre, muß bei Jünger andere Gründe gehabt haben, denn Jünger war keines von beiden. Aber er war schon zu Lebzeiten eine Legende, was, je mehr er sich der magischen Zahl des 100. Geburtstags näherte, Züge eines förmlichen Jünger-Kults annahm. Selbst das Satire-Magazin Titanic feierte ihn wegen seiner Drogenexperimente auf einem Titelbild als LSD-Gott, zu dem aufzublicken all jene jungen Leute Grund hätten, die sich selbst den bewußtseinserweiternden Mitteln verschrieben hätten – was zu Hochzeiten der „Raves“ nicht wenige gewesen sein dürften.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jüngers Leben stand wie kein zweites für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.</h3>



<p><br>Es war diese Aura des Unangepaßten, des Umstrittenen und des Selbständigen, die Jünger schließlich auch in die Popkultur eingehen ließ. Diese Aura hat ihren Ursprung aber nicht in der liberalen Spaßgesellschaft, die sich früher oder später alles zu eigen macht, sondern im Leben Jüngers selbst, das wie kein zweites für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts stand, die der Schriftsteller nicht nur durchlitten, sondern vor allem kommentiert hatte. Er war nicht nur dabei, sondern bei entscheidenden Weichenstellungen aktiv am Geschehen beteiligt. So wurde Jünger, je älter er wurde, irgendwann auch zu einer Erinnerung daran, was Deutschland vor Schuldkult, Westbindung und Konsum einmal gewesen war: ein Feld, auf dem es um alles ging. Diesem Faszinosum können sich nur wenige entziehen, selbst wenn sie politisch ganz woanders stehen.</p>



<p>Jünger, am 29. März 1895 in Heidelberg als ältestes Kind in gutbürgerliche Verhältnisse hineingeboren, gehörte zu den Freiwilligen des Augusts 1914. Der Kriegsausbruch kam seinem abenteuerlustigen Wesen entgegen, aber der Krieg, in den er kam, war ganz anders als gedacht. Die Materialschlachten und der Stellungskrieg ließen wenig Platz für persönliches Heldentum. Am ehe-sten gab es dieses noch bei der Fliegertruppe, aber Jünger mußte sich als Infanterist bewähren, was ihm glänzend gelang: Nach zwölf Verwundungen und unzähligen Stoßtruppunternehmungen erhielt er 1918 die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, den Orden Pour le Mérite, der im gesamten Ersten Weltkrieg mit seinen Millionen Teilnehmern auf deutscher Seite nur 687 mal verliehen wurde. Ein Kriegsheld also, der es in die Annalen der preußischen Kriegsgeschichte geschafft hatte.</p>



<p>Entscheidend ist aber, daß Jünger durch den Krieg zum Autor wurde. Denn nicht der Kriegsheld ist noch heute Gegenstand der Diskussionen, sondern der Deuter des Krieges. Aus seinem Tagebuch formte er sein bis heute bekanntestes Buch In Stahlgewittern (1920), das bis heute als eindringlichste und ehrlichste Darstellung des Geschehens an der Westfront gilt. Zum Erlebnisbericht trat die Sinndeutung des Krieges, denn der Sinn des Krieges war durch die Niederlage von 1918 verdunkelt. Die Opfer und das Leid mußten angesichts dessen sinnlos erscheinen; jedoch nur für denjenigen, der alles am Erfolg zu messen gewohnt war. Für Jünger beschränkt sich der Krieg nicht auf die Frage von Sieg oder Niederlage, sondern er sieht in dem Erlebnis selbst die Wurzel zu einer anderen Weltanschauung, die den Herausforderungen der Zukunft eher gewachsen ist als die Selbstgefälligkeit der Sieger.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Offizier, Schriftsteller, konservativer Revolutionär</h3>



<p><br>Jüngers Weg führt daher in die Politik, in der er dem soldatischen Nationalismus zur Geltung verhelfen will. Er ist, nachdem er 1923 seinen Abschied von der Reichswehr genommen hat, Teil dessen, was man seit Armin Mohler die Konservative Revolution nennt. Jünger publiziert in den Zeitschriften der Nationalrevolutionäre, ist selbst Herausgeber von Zeitschriften und Sammelbänden, die nicht nur die Erinnerung an den Weltkrieg wachhalten, sondern auch politisch Bekenntnis ablegen. Die daraus erwachsenen Schriften hat Jünger als untergeordneten Bestandteil seines Werkes gesehen, der ihm zeitweise nicht ganz geheuer war. Er maß ihm nicht die Gültigkeit zu, die er für seine Bücher beanspruchte. Aber auch hier war er ständig dabei, die Texte zu schleifen und zu verändern, um den Kern des Ganzen, unverstellt von den Zugaben der Zeit, besser zur Geltung kommen zu lassen. Von den Stahlgewittern gibt es daher sieben Fassungen, wobei zwischen der Erstausgabe und der Ausgabe letzter Hand fast 60 Jahre liegen.</p>



<p>Seine Karriere als politischer Publizist beendete Jünger Ende der 1920er-Jahre recht abrupt. Mit Das abenteuerliche Herz (1929) erfolgte die Absage an kollektive Bemühungen, politisch Einfluß zu nehmen. Allerdings nicht, ohne diesen Kollektivismen drei Jahre später noch einmal seine Stimme zu leihen und in Der Arbeiter (1932) das Ende der bürgerlichen Welt und die Geburt einer neuen zu beschreiben. Inwiefern er darin als Seismograph oder doch als Apologet sprach, ist bis heute umstritten. Sein konsequentes Handeln im Jahr 1933 spricht allerdings dafür, daß er sich schon damals eher als Beobachter verstand: Jünger schlug alle Angebote, sich an hervorragender Stelle am Dritten Reich zu beteiligen aus und kehrte Berlin den Rücken, um auf dem Land unbehelligt arbeiten zu können.<br><br>Resultat und Rechtfertigung dieses Rückzugs ist die Erzählung Auf den Marmorklippen (1939), die kurz nach Kriegsausbruch erschien. Die darin geschilderten Begebenheiten sind in einer mythischen Umgebung angesiedelt, unschwer aber als eine Anklage totalitärer Gesinnung und deren Folgen zu verstehen. Nicht nur Jüngers Nimbus als Weltkriegsheld und -autor rettete ihn vor unangenehmen Nachfragen, sondern auch die Tatsache, daß er seit 1939 wieder Uniform trug und dadurch dem Einfluß von Parteistellen entzogen war. Den Zweiten Weltkrieg erlebte Jünger vor allem in einer Stabsverwendung in Paris, wovon er in seinen Tagebüchern Zeugnis ablegte; ein Band konnte sogar noch während des Krieges erscheinen. In Paris stand er auch in Verbindung zum militärischen Widerstand, was 1944 schließlich zu seiner Entlassung und zu einer etwas prekären Lage führte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Neuerlicher Paukenschlag mit Tagebüchern aus dem Zweiten Weltkrieg und der Absage an die Massengesellschaft</h3>



<p><br>Die totale Kapitulation änderte daran zunächst wenig. Jünger wurde von den Besatzern mit Publikationsverbot belegt, weil er sich weigerte, den Entnazifizierungsfragebogen auszufüllen. Dafür gelang ihm 1949 mit der Publikation der Strahlungen, des Tagebuchs der Jahre 1941 bis 1945, ein Paukenschlag, der für langjährige Debatten in den Feuilletons sorgte. Jüngers Popularität blieb ungebrochen, er spielte für das Selbstverständnis der Konservativen in der frühen Bundesrepublik eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auch wenn Jünger sich politischer Aussagen weitgehend enthielt, ließen seine Essays, insbesondere Der Waldgang (1951), seine Vorbehalte gegenüber der demokratisch formierten Massengesellschaft doch deutlich werden.<br>Die zweite Lebenshälfte Jüngers verlief in weit ruhigeren Bahnen als die erste. Er publizierte unermüdlich bis kurz vor seinen Tod weiter. Essays zu verschiedensten Themen, Aphorismensammlungen, Prosa und nicht zuletzt Tagebücher sind die Frucht dieser Jahre. Schon zu Lebzeiten erschienen zwei Werkausgaben, womit er die Kanonisierung seines Werkes in bestimmte Bahnen zu lenken gedachte. Das Interesse an seinem Werk riß mit seinem Tod nicht ab, im Gegenteil, es bekam Gelegenheit, diese Bahnen zu verlassen. Nicht nur, daß seine politischen Schriften der 1920er-Jahre endlich ediert werden konnten, auch die maßgeblichen Werke, die Tagebücher der beiden Weltkriege und seine Deutungen des Krieges liegen mittlerweile in historisch-kritischen Ausgaben vor, was ganz neue Möglichkeiten der Aneignung dieses großen Schriftstellers und Zeitzeugen eröffnet. </p>



<p><em>Über den Autor:<br>Dr. Erik Lehnert, Philosoph und Historiker, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik, das die Zeitschrift „Sezession“ herausgibt. Veröffentlichungen zuletzt: Das andere Deutschland. Neun Typen (2. Auflage 2019), Oliveira Salazar: Nationale Revolution und autoritärer Staat (als Hrsg., 2020).</em></p>



<p></p>
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		<title>Karl May</title>
		<link>https://dereckart.at/karl-may/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2022 08:59:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Erfolgsschriftsteller mit Hindernissen von Wilhelm Brauneder Heuer jährte sich am 25. Februar zum 180. Mal Karl Mays Geburtstag, zudem war am 30. März sein 110. Todestag – Anlaß genug, sein Leben und Werk in manchen Punkten zu überdenken, und zwar anhand der Fakten. Diesen widerspricht bereits das eingefahrene Bild eines bloßen Wild-West-Autors: Unter den ursprünglich [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Erfolgsschriftsteller mit Hindernissen</h2>



<p></p>



<p><em>von Wilhelm Brauneder</em></p>



<p></p>



<p>Heuer jährte sich am 25. Februar zum 180. Mal Karl Mays Geburtstag, zudem war am 30. März sein 110. Todestag – Anlaß genug, sein Leben und Werk in manchen Punkten zu überdenken, und zwar anhand der Fakten. Diesen widerspricht bereits das eingefahrene Bild eines bloßen Wild-West-Autors: Unter den ursprünglich dreiunddreißig Titeln der Reiseerzählungen finden sich einundzwanzig Orient- und zwei Südamerika-Bände; nur zehn sind im Wilden Westen angesiedelt. Außerdem umfaßt Mays Schaffen alle damals gängigen Erzählkategorien.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Lehrerseminar ins Zuchthaus</h3>



<p>Seinen Geburtsort Ernstthal in Sachsen prägten die in dürftigsten Verhältnissen lebenden Weber. Seine Familie zählte als Hausbesitzer zu den etwas besser Situierten und ermöglichte dem durch Wissensdurst und Intelligenz auffallenden Karl die Absolvierung eines Lehrerseminars. Die vielleicht irrtümliche Benützung der Uhr eines Zimmerkollegen aber führte 1862 zu gerichtlicher Verurteilung und Verlust des Lehramtes. Ein angemessener Beruf ließ sich danach nicht finden, und May begann im Juli 1864 mit Betrugsdelikten. Nach Verbüßung einer etwa vierjährigen Haftstrafe setzte er seine Kleinkriminalität fort, was ihm vier weitere Jahre Gefängnis eintrug. Sein Verteidiger charakterisierte May treffend: Er mache den „Eindruck eines komischen Menschen, der gewissermaßen aus Übermut auf der Anklagebank zu sitzen kam“. Man hat den Eindruck, daß May der unmittelbaren Umwelt seine intellektuelle Überlegenheit und Pfiffigkeit beweisen wollte, ähnlich dem berühmten Hauptmann von Köpenick. Fern der engeren Heimat beging er keinerlei Delikte mehr. Seine erste Haftzeit wertete May wegen seiner Arbeit in den Gefängnisbibliotheken als „Studienzeit“; er verfaßte unter anderem einige Skizzen und Fragmente zu Romanen, Sachbüchern und Gedichten. Die zweite Haftzeit ließ sich nicht derart nutzen, aber die psychologische Betreuung durch den katholischen Anstaltsgeistlichen fiel auf fruchtbaren Boden – vor allem dessen Ermunterung, die Schriftstellerei zum Beruf zu machen. Tatsächlich gelang May die Rückkehr in die Gesellschaft: Ein Jahr nach der Haftentlassung stellte ihn der Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer 1875 als Redakteur an; zunehmend hatte er aber auch als Schriftsteller Erfolg mit vielfältigen Erzählungen, darunter Dorfromanzen, historische Humoresken, Schmugglergeschichten, Orientabenteuer, Indianererzählungen oder sachbuchartige „Geographische Predigten“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Durchbruch als Schriftsteller</h3>



<p>Besonders reüssierte May jedoch ab 1880 mit seinem Orient-Balkan-Zyklus in der Zeitschrift Deutscher Hausschatz, wo er für ein katholisches Publikum schrieb. Das Duo aus dem Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi sowie Hadschi Halef Omar wird zum Markenzeichen seiner Orienterzählungen. Allerdings geriet dieser Zyklus ins Stocken, als er ab 1882 wegen entsprechender finanzieller Verlockungen für Münchmeyer Kolportageromane verfaßte. Kolportage stand damals als Synonym für seichte oder gar Schundliteratur; May schrieb daher unter einem Pseudonym. In wahrer Fronarbeit schuf er bis 1888 acht derartige Lieferungsromane im Umfang von fast 15.000 Seiten. Sie wandten sich an einfache Leserschichten, für die May bewußt – im Unterschied zur Masse der Kolportageromane – Patriotismus, honorigen Lebenswandel und Familienschicksale als Vorbilder thematisierte. May stellte die Kolportageproduktion ein, als er Angebote seriöser Verlage erhielt. Ab 1887 erschienen in der Jugendzeitschrift Der gute Kamerad acht Jugenderzählungen, später dann auch in Buchform. Sie vermitteln didaktisch geschickt Sachkenntnisse, unter anderem über Landschaften (Der Geist des Llano estacado) und Völker, Sitten, Religionen, Sklaverei und Tierwelt im Sudan (Die Sklavenkarawane). Betont wird immer wieder der Wert des Bücher- und Landkartenlesens; dazu kommt regelmäßig die Freundschaft zwischen den Völkern, etwa am Beispiel von Häuptlingssohn und jungem Deutschen.<br>Mays eigentlicher Ruhm beruhte letztlich aber darauf, daß der Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld die bisher vereinzelt erschienenen Reiseerzählungen ab 1892 in den „Grünen Bänden“ als Reihe herausgab. Auf den Balkan-Orient-Zyklus folgte die Winnetou-Trilogie – sie wurde zur markantesten der Buchreihe, die Titelfigur zu einem Idol.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Endlich auf Reisen – und zurück in den Gerichtssaal</h3>



<p>Als May 1900 von einer fast anderthalbjährigen Reise durch den Vorderen Orient und den Fernen Osten heimkehrte, traten entscheidende Veränderungen ein: Von nun an kennzeichnete sein Schaffen eine symbolisch-allegorische Schreibweise – wenngleich im äußeren Gewand der bisherigen Reiseerzählungen –, was die meisten seiner Leser verstörte. Die Auflagen sanken drastisch. Außerdem zerbrach seine Ehe, unter wenig erfreulichen Begleitumständen, an denen May seinen Anteil hatte. Auf die Scheidung folgte unmittelbar die zweite Eheschließung mit Klara, die ihm stets verständnisvoll zur Seite stand, vor allem hinsichtlich der dritten Veränderung, nämlich der 1902 anhebenden Prozeßlawine. Sie sollte ihn bis zu seinem Tod begleiten. Ineinander verschlungen gesellte sich zu üblichen Verlagsstreitigkeiten inhaltliche Kritik an seinen Werken, die sich ins nahezu Maßlose steigerte, als seine Kolportageromane bekannt und als unsittlich angeprangert wurden. Dazu kamen Erpressungsversuche, die seine Vorstrafen ans Licht brachten. Diese „Karl-May-Hetze“ wurde 1910 noch einmal durch ein Fehlurteil angefacht, das es erlaubte, May in die Kategorie „geborener Verbrecher“ einzureihen. Ein neuerliches Urteil hob es 1911 auf.<br>Seine Reiseerzählungen hatte May noch geschrieben, ohne je gereist zu sein. Er verwob höchst geschickt Belletristik und Reisebeschreibungen mit Erlebtem aus seiner Heimat und natürlich seiner dichterischen Imagination. Das taten auch andere, wie etwa Lewis Wallace in seinem Erfolgsroman Ben Hur. So konnte auch bei May der Eindruck des Selbsterlebten entstehen, besonders in Bezug auf Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Bei den Reiseerzählungen vermochte sich wegen des Ich-Erzählers noch der Glaube an eine Deckungsgleichheit mit dem Erzähler Karl May einschleichen. Diesen Effekt stützte auch sein Forterzählen von Abenteuern bei Veranstaltungen oder auf Bildpostkarten in den Kostümen seiner Helden. Mays Gegner interpretierten dies aber als wahrheitswidrige Erlebnisbehauptungen, dies tat zum Teil auch die Forschung: Er habe eine „Old-Shatterhand-Legende“ konstruiert. Tatsächlich identifizierte er das reisende Ich erst in seinem allegorischen Alterswerk mit sich selbst – in dem Selbstverständnis, er sei die personifizierte Menschheitsseele.<br>Im März 1912 folgte Karl May einer Einladung nach Wien und hielt am 22. März im übervollen Sophiensaal einen lebhaft akklamierten Vortrag zu seinem Friedensthema, unter anderem vor Bertha von Suttner. Kurz darauf, am 30. März, starb er in Radebeul bei Dresden an Herzschwäche.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Karl-May-Hetze“ unter neuen Vorzeichen</h3>



<p>Mays Werk begleiten bis heute Fehlinterpretationen aufgrund schlichter Unkenntnis. Er hat in seinen klassischen Reiseromanen, wie erwähnt, jedoch nie behauptet, mit der Ich-Figur identisch zu sein. Im Gegensatz zum 1,66 Meter großen, schmächtigen, fahlblonden, sächsischen Lehrerseminaristen, der sich selbst bloß als „Vielgelesenen“ bezeichnete, sind seine Ich-Helden groß, schwarzbärtig, keine Sachsen, sondern etwa Franzosen, Gymnasiasten und „Vielgereiste“. Unkenntnis oder sogar Bosheit verschweigt Mays betonte Wertschätzung fremder Völker: Seine Helden läßt er unter Schwarzen, Arabern oder Indianern wertvolleren Menschen begegnen als unter Weißen, ganz besonders bekanntlich im Fall von Hadschi Halef und Winnetou. <br><br>Die Eckartschrift zum Thema &#8222;Karl May&#8220; finden Sie <a href="https://marktplatz.oelm.at/produkt/eckartschrift-249-karl-may-abenteuer-im-kopf/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier.</a> </p>



<p><em>Über den Autor<br>Geboren am 8. Jänner 1943 in Mödling; in Wien Studium der Rechtswissenschaften, Promotion 1965, und der Wirtschaftswissenschaften, Magisterium 1975; Universitätslaufbahn ab 1967, Ordentlicher Universitätsprofessor 1980 Universität Wien, emeritiert 2011, Honorarprofesssor Universität Budapest, Gastprofessuren. <br>Rechts- und Verfassungshistoriker, Beiträge zum Verfassungsrecht, zum Bürgerlichen Recht, zur Literaturgeschichte. Abgeordneter zum Nationalrat 1994 bis 2000, 1996 bis 2000 dessen III. Präsident. Zahlreiche Publikationen zu Karl May, Vorsitzender der Österreichischen Karl May-Gesellschaft.</em></p>
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		<title>Hans Bergel</title>
		<link>https://dereckart.at/hans-bergel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 23:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorenporträt]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lehnert Im September 2019 führte die Journalistin Christine Chiriac ein Interview mit Hans Bergel, in dem der damals fast 95jährige Schriftsteller seine ungebrochene Lust am Schreiben zum Ausdruck brachte, allerdings im Hinblick auf sein wichtigstes Buchprojekt eine Einschränkung machte. Als „Folge der Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen ringsum, die ja nicht nur mir Sorge bereiten“ [&#8230;]]]></description>
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<p><br><strong>von Erik Lehnert</strong></p>



<p></p>



<p>Im September 2019 führte die Journalistin Christine Chiriac ein Interview mit Hans Bergel, in dem der damals fast 95jährige Schriftsteller seine ungebrochene Lust am Schreiben zum Ausdruck brachte, allerdings im Hinblick auf sein wichtigstes Buchprojekt eine Einschränkung machte. Als „Folge der Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen ringsum, die ja nicht nur mir Sorge bereiten“ berichtete er von einer Schreibblockade, die sein Projekt gefährde. Die Maßlosigkeit der gegenwärtigen Kultur lasse vergessen, daß „zum Kernbestand vitaler Kulturen immer schon das Ethos des Verzichts gehörte“. Mehr wolle er dazu nicht sagen.<br><br>Die Blockade bezog sich auf den dritten Band seiner Trilogie Finale. Die beiden vorliegende Bände, Wenn die Adler kommen (1996) und Die Wiederkehr der Wölfe (2006), lassen erahnen, was wir damit vermissen werden, gelingt es Bergel darin doch, die Geschichte Siebenbürgens am Beispiel einer weitverzweigten Familie über einen Zeitraum von fast 30 Jahren – beginnend zwischen den beiden Weltkriegen – zu schildern und dabei der ganzen Weite und Verschlungenheit dieser historisch so bedeutenden deutschen Minderheit ein Denkmal zu setzen. Nicht nur, daß das Buch spannend geschrieben ist, es macht auch fühlbar, was mit dem Untergang dieser Welt im Zeitalter der Ideologien verlorenging. Ein Epos!<br><br>Was zum Zeitpunkt des erwähnten Gesprächs laut Bergel vorlag, ließ aufhorchen: „Umfangreiche Vorarbeiten – Auswahl der historischen Eckdaten, an denen sich die Romanerzählung bzw. die Romanerzählungen zu orientieren haben, und anderes – sind abgeschlossen. Wesentliche Erzählblöcke liegen ausgearbeitet vor, darunter mit Sicherheit die stärksten Prosapartien, die ich je schrieb.“ Durch Bergels Tod am 26. Februar 2022 wird der dritte Band unvollendet bleiben. Es ist zu hoffen, daß wenigstens die ausgearbeiteten Passagen veröffentlicht werden.<br><br>Wer die ersten beiden Romane kennt, weiß, daß Bergels Art zu erzählen stark von dem verblüffenden Moment lebt, in den er seine Figuren hineinstellt. Seine Romane waren insofern, auch wenn sie einen großen Bogen spannten, eine Aneinanderreihung unerhörter Begebenheiten, die ohne weiteres auch für sich stehen konnten. Daß Bescheidenheit nicht zu den hervorstechendsten Eigenschaften Bergels zählte, wird man ihm angesichts seines Lebens und seines umfangreichen Werkes nachsehen. Zuviel hatte er überlebt, zu viel gesehen, als daß er nicht davon überzeugt gewesen sein könnte, als Schriftsteller einer Berufung zu folgen.<br><br>Hans Bergel wurde am 26. Juli 1925 als Lehrerssohn in Rosenau/Siebenbürgen, genauer im Burzenland, in eine Welt geboren, die sich im Umbruch befand. Der Untergang des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn hatte dafür gesorgt, daß der noch junge Staat Rumänien sein Gebiet fast verdoppeln konnte – vor allem das deutsch dominierte Siebenbürgen mußte dazu beitragen. Nationalismus und ethnisch motivierte Politik sorgten dafür, daß das Zusammenleben der verschiedenen Völker schwieriger wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs folgte die finale Eskalation, als alle männlichen Deutschen nach Rußland deportiert wurden und in Rumänien die Kommunisten die Macht übernahmen.<br>Bergel, der schon als Schüler seinen eigenen Kopf hatte, wurde 1942 wegen Verächtlichmachung der nationalsozialistischen Grundsätze relegiert. Nach dem Seitenwechsel der Rumänen schloß er sich 1944 den Partisanen an, bis er 1947 zum ersten Mal verhaftet und zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Es sollte nicht die letzte Haftstrafe bleiben. Bergel, der ein ausgezeichneter Sportler war, konnte seinen Wehrdienst beim „Zentralen Heeressportclub“ ableisten. Er studierte Musik und Kunstgeschichte, wurde neuerlich verhaftet und 1955, nach einem Jahr Haft wieder entlassen.<br><br>Sein 1957 erschienener Erstling, die Novelle Fürst und Lautenschläger, zählt zu den wichtigsten Widerstandsbüchern, die unter kommunistischer Herrschaft verfaßt wurden. Bergel hat selbst davon gesprochen, daß diese Novelle den Lauf seines Lebens bestimmt habe. Er verfaßte sie zwischen Herbst 1945 und Februar 1946 unter widrigsten Umständen, als er sich in den Südkarpaten der antikommunistischen Widerstandsbewegung angeschlossen hatte. Das beispielhafte Leben der Mitkämpfer und die zunehmenden Repressionen, denen sie ausgesetzt waren, gaben den Anstoß zu der Novelle, bei der es ihm um eines ging: „Meinen Zorn auf die Tyrannei in Worte zu fassen, um nicht an ihr zu ersticken, meiner Wut auf die Unterdrücker Ausdruck zu verleihen, um nicht moralisch zugrunde zu gehen.“ Zunächst blieb die Geschichte ungedruckt, erst 1956 eröffnete sich eine Möglichkeit, als er aufgefordert wurde, am Literaturwettbewerb der deutschsprachigen Tageszeitung Neuer Weg teilzunehmen und dort für Fürst und Lautenschläger prämiert wurde.<br><br>Bergel arbeitete bis Ende 1958 als Kulturredakteur bei der Volkszeitung in Kronstadt (das bis 1960 Stalinstadt hieß), mußte nach der politisch motivierten Entlassung seinen Unterhalt als Cellist verdienen und veröffentlichte mit Die Straße der Verwegenen (1957) und dem Jugendroman Die Abenteuer des Japps (1958) noch zwei weitere Bücher, bevor er am 22. Mai 1959 von der Geheimpolizei Securitate wegen „Untergrabung der sozialistischen Staatsordnung“ verhaftet wurde. Bergel war damit einer von insgesamt fünf Schriftstellern, deren Festnahme zwischen Juli 1958 und Mai 1959 erfolgte und die im sogenannten Kronstädter Schriftstellerprozeß gemeinsam verurteilt wurden.<br><br>Zwischen Mai und August mußte Bergel 14 Verhöre über sich ergehen lassen, die sich vor allem um die Deutung der Erzählung Fürst und Lautenschläger drehten. Zentraler Vorwurf waren dabei die beiden unverhohlenen Sätze des Lautenschlägers: „Ich bin keine käufliche Hure, meine Kunst ebensowenig. Und ich bin frei, auch wenn ich in Ketten gelegt und eingesperrt werde.“ Bergel wurde am 19. September 1959 zu 15 Jahren Zwangsarbeit und fünf Jahren Aberkennung der Bürgerrechte verurteilt. 1964 kam Bergel im Zuge einer Amnestie frei und konnte Rumänien 1968 in Richtung München verlassen.<br>Hier und in Italien wirkte Bergel seitdem als Schriftsteller und veröffentlichte vor allem zu zwei Themen. Gleich 1969 erschien Rumänien. Porträt einer Nation, dem im Laufe der Jahre weitere Gesamtdarstellungen zu Siebenbürgen folgten. Ein besonderes Augenmerk legte Bergel immer wieder auf die Persönlichkeiten, die dieses Land hervorgebracht hatte. In zahlreichen Büchern zeigt er die vielfältigen Begabungen, die hierzulande zwar bekannte Namen waren, die man aber nicht mit Siebenbürgen in Zusammenhang gebracht hat. Ein herausragendes Beispiel ist der aus Hermannstadt stammende Hermann Oberth, der im 20. Jahrhundert die wissenschaftliche Raketentechnik begründete, ohne zu wissen, daß er dabei auf den in Siebenbürgen wirkenden Conrad Haas aufbauen konnte, der bereits im 16. Jahrhundert in dieser Richtung geforscht hatte (was erst 1961 entdeckt wurde). Beiden hat Bergel Essays gewidmet.</p>



<p>Ein weiterer Zweig war die Literatur, die bei Bergel immer autobiographisch geprägt war. Neben zahlreichen Erzählungen legte er 1977 mit Tanz in Ketten einen romanhaft verfremdeten Lebensbericht über seine Leidenszeit vor, der den Bundesdeutschen die rumänische Wirklichkeit unter den Kommunisten erstmals drastisch vor Augen führte. Vor allem aber ist hier die eingangs erwähnte, unvollendet gebliebene Trilogie zu nennen. Mit ihr hat Bergel nicht nur den Siebenbürger Sachsen, sondern allen Rumäniendeutschen ein Denkmal gesetzt, das zum ewigen Kanon der deutschen Literatur des Ostens zählt. </p>



<p><em>Über den Autor:<br>Dr. Erik Lehnert, geb. 1975 in Berlin, Philosoph und Historiker, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik, das die Zeitschrift Sezession<br>herausgibt.<br>Veröffentlichungen (Auswahl): Staatspolitisches Handbuch, 5 Bände (als Hrsg., 2010-2017); Das andere Deutschland. Neun Typen (2. Auflage 2019); Oliveira Salazar: Nationale Revolution und autoritärer Staat<br>(als Hrsg., 2020).</em></p>
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