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	<title>Mythen, Sagen, Wundersames &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Mythen, Sagen, Wundersames &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Sagenhafte Fahnen und Fahnenträger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Feb 2026 13:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames von Alain Felkel Die deutsche Sagenlandschaft ist reich an Heldenkämpfen, doch arm an Berichten über Fahnen. Eine der wenigen Volkssagen über eine deutsche Fahne ist durch den Historiker Werner Zimmermann überliefert. Sie handelt von der Erschaffung der Bundschuhfahne durch den Berufsrevolutionär Joss Fritz im 16. Jh.: „Joss Fritz wußte wohl aus Erfahrung, [&#8230;]]]></description>
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<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mythen, Sagen, Wundersames </h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Die deutsche Sagenlandschaft ist reich an Heldenkämpfen, doch arm an Berichten über Fahnen. Eine der wenigen Volkssagen über eine deutsche Fahne ist durch den Historiker Werner Zimmermann überliefert. Sie handelt von der Erschaffung der Bundschuhfahne durch den Berufsrevolutionär Joss Fritz im 16. Jh.: „Joss Fritz wußte wohl aus Erfahrung, mit welch religiöser Scheu und mit welch blindem Glauben der Kriegsknecht an dem Schutzheiligen in der Kriegsfahne hing, und er hoffte das Gleiche für den gemeinen Mann von seiner Bundschuhfahne. [&#8230;] Es war zu Heilbronn am Neckar, in des Reiches Stadt, wo er einen Maler mit seinem Begehren anging (…) Er bat nun den Maler, ihm ein solches Fähnlein zu malen, darin ein Kruzifix und daneben unserer lieben Frauen und St. Johannis des Täufers Bildnis wäre und darunter ein Bundschuh. An diesem Letzteren strauchelte auch der Heilbronner Maler und fragte, was er damit meine. Joß stellte sich ganz einfältiglich. Er sei eines Schuhmachers Sohn, sein Vater, sagte er, halte Wirtschaft zu Steint im Schweizerlande und führe, wie männiglich bekannt, einen Bundschuh in seinem Schilde; darum, damit man wissen möge, daß dieses Fähnlein von ihm sei, wollte er seines Vaters Zeichen darstellen lassen. Diese treuherzige Rede täuschte den Maler. Er malte, was Joss darein haben wollte, und bald war das Fähnlein fertig.“</p>



<p>In der Folgezeit wurde die Bundschuhfahne an allen Fronten geschwungen und zum Symbol der aufständischen Bauern, bis diese 1525 geschlagen wurden. Aber nicht nur Fahnen fanden Eingang in die Sage, sondern auch Fahnenträger.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Sendlinger Mordweihnacht</h3>



<p></p>



<p>1705 avancierte ein bis dahin unbekannter Schmied in der Sendlinger Mordweihnacht zum Sagenhelden der bayrischen Erhebung gegen die kaiserlichen Truppen, die im selben Jahr Bayern besetzt hatten. Truppenaushebungen, die Eintreibung von Kriegskontributionen und die Grausamkeiten der Besatzungsmacht hatten den Aufstand der bayrischen Bauern verursacht, die nach einigen Anfangserfolgen vor München nicht nur schwer geschlagen, sondern nach ihrer Kapitulation zu Hunderten von den Kaiserlichen niedergemetzelt wurden. Wer dem Massaker nicht entfliehen konnte, den töteten entweder die Infanteristen mit ihren Hirschfängern oder die Reiter mit ihren Sarrassen. Trotzdem gelang es über hundert Mann, dem grausamen Morden zu entrinnen und sich in den Häusern, Scheunen, Höfen, ja sogar in der Kirche von Sendling zu verstecken. Es half alles nichts. Die Kaiserlichen folgten ihnen dicht auf den Fersen und töteten bis auf 36 Mann alle. Ein letzter verzweifelter Kampf fand auf dem Kirchhof statt. Hier verkauften die Rebellen ihr Leben teuer, bis sie alle niedergemacht wurden. Ob sie mit der bayrischen Fahne in der Hand fielen, ist ungewiß. Was die Sage daraus machte, ist jedoch klar überliefert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Schmiedbalthes“ Balthasar Riesenhuber</h3>



<p></p>



<p>Denn angeblich befand sich der Legende nach unter den letzten Aufrechten der 70 Jahre alte Schmied Balthasar Riesenhuber, der kurz zuvor dank seiner übermenschlichen Kraft und Körpergröße zum Träger des bayrischen Löwenbanners ernannt worden war. Der „Schmiedbalthes” – so sein vermeintlicher Spitzname – hatte einst der Legende nach während der Türkenkriege viele Heldentaten verrichtet. Unter anderem hatte er ein Stadttor aus den Angeln gehoben und in verschiedenen Gefechten Dutzende von Türken erschlagen. In der Sage<em> Der Schmied von Kochel</em> verteidigte der Fahnenträger wie ein Löwe das bayrische Rautenbanner, indem er mit nur einem Arm seine fünfzig Kilo schwere Stachelkeule auf die Häupter der Feinde niedersausen ließ. So kämpfte er, bis keiner der Seinen mehr lebte und er selbst tödlich verletzt als Letzter zusammenbrach.</p>



<p>Der glorreiche Akt tröstete die Geschlagenen über die schwere Niederlage hinweg. Eigenartig ist jedoch, daß die Heroisierung des Kampfes um die Fahne erst in den Dreißiger Jahren des 19. Jh. massiv einsetzte. 1830 erschuf der Maler Wilhelm Lindenschmit der Ältere in der Sendlinger Kirche das Fresko der Bauernschlacht. Wenig später folgten weitere Historiengemälde, die den Schmied von Kochel heroisierten. Als wesentlich für die Sagenbildung entpuppten sich jedoch die vermeintlich historischen Studien von F.J. Gruber, die dieser 1828 erstmals publiziert hatte. Wie der Archivar und Historiker August Schäffler bereits 1861 nachwies, erwiesen sich Grubers historische Referenzen sämtlich als Fälschungen und der Schmied von Kochel als pure Erfindung Grubers. Doch wer fragt heute noch danach? Mythen erweisen sich stets stärker als historische Wahrheiten und erschaffen ihre eigene Wirklichkeit&#8230; </p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kudrun – ein deutsches Heldinnenepos</title>
		<link>https://dereckart.at/kudrun-ein-deutsches-heldinnenepos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Sep 2024 19:49:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (V) von Alain Felkel Was Jason, dem Argonauten, das goldene Fell des Opferwidders Chrysomallos war, das waren dem Amsbacher Zollschreiber Hans Ried Anfang des 16. Jahrhunderts die aus 122 Schafshäuten gefertigten Pergamentblätter des Amsbacher Heldenbuches: ein Schatz, wertvoller als Gold. Zwischen 1504-1517 schrieb Ried im Auftrag Kaiser Maximilians I. von [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (V)</h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Was Jason, dem Argonauten, das goldene Fell des Opferwidders Chrysomallos war, das waren dem Amsbacher Zollschreiber Hans Ried Anfang des 16. Jahrhunderts die aus 122 Schafshäuten gefertigten Pergamentblätter des <em>Amsbacher Heldenbuches</em>: ein Schatz, wertvoller als Gold. Zwischen 1504-1517 schrieb Ried im Auftrag Kaiser Maximilians I. von Habsburg mehrere Epen des Hochmittelalters nieder, die er von älteren Handschriften kopierte. Eines von ihnen war das wahrscheinlich um 1230/40 entstandene Heldenepos <em>Kudrun</em>, das einzig und allein durch die Abschrift Rieds der Nachwelt überliefert ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Genese der Heldin</h3>



<p></p>



<p>Der Inhalt des Heldenliedes gliedert sich in drei Teile: Im ersten Sagenkreis raubt ein Greif den Königssohn Hagen von Irland, als er noch ein Kind ist. Das Fabelwesen verschleppt Hagen auf eine Insel, um ihn an seine Jungen zu verfüttern, doch Hagen entkommt. Auf seiner Flucht trifft der Königssohn auf drei ebenfalls geraubte Prinzessinnen. Zusammen verbergen sie sich in einer Höhle, bis Hagen zum Mann heranreift und die Greifenfamilie tötet. Anschließend gelingt ihm mit den Prinzessinnen dank eines an der Insel vorbeifahrenden Schiffes die Flucht nach Irland.</p>



<p>Im zweiten Teil des Epos’ heiratet Hagen eine der Prinzessinnen und zeugt seine Tochter Hilde, die einige Jahre später von vielen Recken umworben wird. Die Brautwerber rennen Hagen die Tür ein, aber der läßt jeden töten. Nur mithilfe einer List gelingt es König Hetel von Hegelingen, Hilde zu entführen und sie zu ehelichen. Kurz darauf wird Kudrun geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Brautraub</h3>



<p></p>



<p>Im dritten Teil werben Hartmut von Ormanie (Normandie), Sigfrit von Morlant und der Däne Herwig von Seelant um die Schöne, die sich letztendlich für Herwig entscheidet. Die beiden verloben sich, leben jedoch noch getrennt voneinander. Kudrun bleibt in Hegelingen-Land. Als Sigfrit von Morlant dies erfährt, wird er eifersüchtig auf Herwig und überfällt Seelant. König Hetel eilt darauf seinem „Schwiegersohn“ mit einem Heer zu Hilfe, was Hartmut ausnutzt. Der Normanne erobert Matelane, die Hauptstadt der Hegelingen und raubt Kudrun. Als König Hetel darauf den Normannen mit seinem Heer nachsetzt, kommt es zur Schlacht. Die Hegelingen werden geschlagen, König Hetel fällt. Die Normannen entkommen und verschleppen Kudrun zu Hartmuts Burg Kassiane.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Befreiung</h3>



<p></p>



<p>Aber Kudrun läßt sich durch die Gefangenschaft nicht brechen und bleibt Herwig treu. Sie weist Hartmut ab, auch wenn dessen Mutter Gerlind ihren Willen durch Sklavenarbeit zu brechen versucht. 13 Jahre lang hält Kudrun ihrem Verlobten Herwig die Treue, bis die Hegelingen sie nach einer Schlacht mit den Normannen befreien. Kudrun zeigt sich im Moment ihrer Befreiung barmherzig. Sie rettet Hartmut das Leben, kann jedoch die Ermordung Gerlinds durch seinen Gefolgsmann Wate nicht verhindern. Die Erzählung schließt mit einem „Happy End“: Kudrun heiratet Herwig und stiftet weitere Hochzeitsbündnisse mit dem ursprünglichen Gegner.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Dem Epos auf der Spur</h3>



<p></p>



<p>So weit der Inhalt, dessen einfache Handlungsstränge durch das Brautraubmotiv geklammert werden. Die Stoffgeschichte erweist sich da schon als deutlich schwieriger. Hier führt eine Spur zu einer isländischen Hildesage, eine andere zum Nibelungenlied.</p>



<p>Der von der Germanistik favorisierte intertextuelle Vergleich mit dem Nibelungenlied überzeugt abgesehen von einigen formalistischen Gemeinsamkeiten wie Strophenaufbau und Versmaß nicht. Auch scheint die These von der <em>Kudrun</em> als Anti-Nibelungenlied stark konstruiert. <em>Kudrun</em> ist im Vergleich zum Nibelungenlied zu episodisch und zu redundant auf den Brautraub und dessen Ahndung fokussiert. Form sowie Inhalt sind eher dem höfischen Roman oder der Spielmannsepik als dem Heldenepos verpflichtet.</p>



<p>Im zweiten Teil des Nibelungenliedes wird die selbstzerstörerische Rache Kriemhilds erzählt, die alles verzehrt. Im Kudrun-Epos dominiert dagegen christliche Barmherzigkeit: So verzeiht Kudrun zum Beispiel nach ihrer Befreiung ihrem Entführer Hartmut, was im Nibelungenlied undenkbar wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Christliche Botschaft des Heldinnenliedes</h3>



<p></p>



<p>Dieser versöhnliche Aspekt erklärt vielleicht auch die wenigen Abschriften des Heldenliedes. Das Werk ist zwar abenteuerlich, aber für den Geschmack der Zeitgenossen nicht heroisch genug. Stattdessen punktet die <em>Kudrun</em> seit jeher im moralischen Bereich. Im 19. Jahrhundert wurde die Heldin aufgrund ihrer Treue von der älteren Forschung zum Ebenbild der deutschen Frau erkoren. Im 20. Jahrhundert erfolgte die Wertung ihrer Selbstbestimmtheit als Ausdruck gelungener Emanzipation.</p>



<p>Wer aber war der anonyme Verfasser des Epos’? Ein Vagant, adeliger Spielmann oder schriftstellender Mönch? War gar eine Frau die Autorin? Wo spielt die Handlung? Auch hier gibt es viele Hypothesen. Während die ersten beiden Teile des Kudrunliedes zumeist in Skandinavien angesiedelt werden, verortet man die Schauplätze des dritten Teiles mal an den Gestaden der Nordsee, mal am Schwarzen Meer, obwohl Handlungselemente wie das Auftauchen von Kreuzfahrerflotten eindeutig auf den Mittelmeerraum verweisen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bisher unentdeckte historische Indikatoren der Kudrun-Handlung</h3>



<p></p>



<p>Denn ausgerechnet vierzig Jahre vor dem Entstehungszeitpunkt von <em>Kudrun</em> gibt es in Unteritalien und Sizilien ein normannisches Königreich. Des weiteren freit Sigfrit von Morland, ein schwarzhäutiger Maurenherrscher, um Kudrun, was auf den Orient oder Nordafrika verweist. Auch beschlagnahmen die Hegelingen sogar Schiffe einer Kreuzfahrerflotte, um mit diesen die räuberischen Normannen zu verfolgen, die Kudrun entführt haben.</p>



<p>Das Besondere ist folgender Umstand: Ende des 12. Jahrhunderts tobt zwischen Normannen und Staufern ein mörderischer Machtkampf um die Vormacht in Sizilien, bei dem die deutsche Kaiserin Konstanze von Sizilien 1189 vom Normannen Richard von Acerra im Auftrag des Normannenherrschers Tankred von Lecce entführt wird – ein ungeheuerlicher Rechtsbruch und frevelhafter Akt! Die Kaiserin wird monatelang unter strenger Aufsicht von Tankreds Ehefrau Sybilla von Acerra gefangengehalten, die sogar in der Kammer der Gefangenen schläft und ihren Mann zur Tötung der Kaiserin auffordert. Zum Glück für Konstanze läßt sich Tankred nicht darauf ein. Durch Vermittlung des Papstes wird Konstanze nach Rom überführt und auf dem Weg von kaiserlichen Reitern befreit. Aber Kaiser Heinrich VI. rächt die Schmach und läßt Konstanzes Entführer Richard von Acerra gefangen nehmen und hinrichten. Tankred von Lecce entgeht der kaiserlichen Rache nur dadurch, daß er bereits 1194 einer Seuche erliegt.</p>



<p>Diese Erzählmotive – die Entführung, die Gefangenschaft, die böse Wächterin bei Hofe sowie der Aufruf Sybillas, die Gefangene zu ermorden – finden sich eigenartigerweise alle im Kudrunlied wieder. Es sollte verwundern, wäre dies nur ein Zufall, zumal sich all diese Ereignisse ungefähr 40 Jahre vor der Entstehungszeit des Heldenliedes abgespielt haben. Aber zugegeben: Dies ist nur eine weitere Hypothese über den möglichen Werdegang von <em>Kudrun</em>. Die Suche nach der „DNS“ des Epos’ gleicht einer Entdeckungsfahrt ins Nirgendwo, ohne große Aussicht, jene Terra Incognita jemals sicher zu entdecken.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Prinz Eugen im Banat – vom Feldherren zur Sagenfigur</title>
		<link>https://dereckart.at/prinz-eugen-im-banat-vom-feldherren-zur-sagenfigur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2024 17:54:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (IV) von Alain Felkel Als Mensch war er von kleiner Statur, als Feldherr ein Titan: Prinz Eugen von Savoyen. Erst seinem strategischen Können ist es zu verdanken, daß das Banat Anfang des 18. Jh. von den Türken befreit und gegen osmanische Rückeroberungsversuche behauptet werden konnte. Eugens Siege waren so legendär, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (IV)</h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Als Mensch war er von kleiner Statur, als Feldherr ein Titan: Prinz Eugen von Savoyen. Erst seinem strategischen Können ist es zu verdanken, daß das Banat Anfang des 18. Jh. von den Türken befreit und gegen osmanische Rückeroberungsversuche behauptet werden konnte. Eugens Siege waren so legendär, daß er im Banat zur Sagenfigur wurde.</p>



<p>Einen kleinen Mann sollte man niemals unterschätzen. Diese Erkenntnis muß König Ludwig XIV. von Frankreich innerlich zerfressen haben, wenn er in späten Jahren an Prinz Eugen von Savoyen-Carignan dachte. Der Sonnenkönig hatte dem kurzbeinigen Gnom mit den hängenden Schultern, Hasenzähnen sowie der Stupsnase eine Offizierslaufbahn in der französischen Armee verweigert und stattdessen eine Stelle als Abbé zugewiesen. Der junge Savoyarde war daraufhin in Frauenkleidern aus Versailles entflohen und nach Wien geeilt, wo Kaiser Karl VI. von Habsburg ihn mit offenen Armen empfangen und in seiner Armee aufgenommen hat.</p>



<p>Seit seinem Eintritt in die kaiserliche Streitmacht hatte Prinz Eugen von Savoyen sich im Großen Türkenkrieg von 1683-1699 vom einfachen Kavalier zum Feldmarschall Österreichs hochgedient und die Türken im Banat, bei Zenta an der Theiß, am 11. September 1697 vernichtend geschlagen. Bei nur 429 Mann eigenen Verlusten hatten die Kaiserlichen an die 25.000 Osmanen getötet, verwundet oder gefangengenommen. Kein Wunder, daß ein so gewaltiger Sieg Eingang in die Volkssagen des Banats fand.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von gruseligen Leichenbergen und erdolchten Haremsdamen</h3>



<p></p>



<p>Denn der Sage nach sind die Hügel, die bei Zenta zwischen Tschoka und Sanad liegen, in Wahrheit nicht natürlichen Ursprunges, sondern türkische Grabhügel, weswegen sie im Volksmund auch „Türkengräber“ genannt werden. Ein Hügel wurde jedoch in der Sage noch einmal besonders dramatisch erhöht: der Wujana-Hügel. Hier habe sich der Legende nach Unglaubliches zugetragen, hier soll der flüchtige Sultan Mustapha seine Lieblingsfrau Wujana auf der Flucht erstochen haben, worauf jeder von den vorbeifliehenden Türken eine Handvoll Erde auf die Tote geworfen habe. Der auf diese Weise entstandene Hügel wurde daraufhin zum Wallfahrtsort für türkische Pilger, die das Schicksal der Erdolchten mitsamt der türkischen Gefallenen betrauerten.</p>



<p>Bei der Sage fällt eine Ungereimtheit ins Auge: Nicht der türkische Sultan Mustapha II. war bei der Schlacht anwesend, sondern sein Großwesir Damat Ali, der zum Zeitpunkt der Flucht des Osmanischen Heeres bereits gefallen war. Doch dieser Umstand schmälert nicht den Unterhaltungswert und Wesensgehalt der Sage.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Sage von der Breuner-Eiche und der Patronin der Maria Schnee</h3>



<p></p>



<p>Der Sieg von Zenta war nur eine Zwischenstation auf dem Weg Eugens zum Türkenschreck. Seine größte Bewährungsprobe kam, als das Habsburgerreich 1716 auf venezianischer Seite in den Krieg gegen die Osmanen eintrat und nun selbst wieder zum Ziel der Türken wurde. Wiewohl die folgenden Ereignisse nicht im Banat selbst spielen, sind sie doch untrennbar mit dessen Geschichte verknüpft, da sie zur Eroberung des Banats führten und sagenhaft überliefert wurden.</p>



<p>Die Hohe Pforte jedenfalls setzte im Sommer 1716 sofort ein 150.000 Mann starkes Heer in Marsch, das auf die von den Kaiserlichen gehaltene Festung Peterwardein zumarschierte. Eugen konzentrierte 70.000 Mann nahe der Festung und schlug dort sein Lager auf. Bei einem Gefecht der kaiserlichen Vorhut gegen die Türken wurde Feldmarschalleutnant Wenzel Siegfried von Breuner von den Osmanen am 2. August 1716 gefangengenommen.</p>



<p>Als der Prinz die Türken nur drei Tage später bei Peterwardein vernichtend schlug, folterten und enthaupteten sie Breuner auf grausamste Weise, wie Eugen am 11. August 1716 in einem Brief an den Grafen von Sinzendorf unterstrich:„ (&#8230;) der Verlust zweier Offiziere, nämlich des Generaladjutanten Graf Palffy und des Feldmarschalleutnants Breuner, wird in der ganzen Armee bedauert. Der Letztere ist auf die unmenschlichste Art niedergemetzelt worden. Sein Körper lag mit Ketten an Hals und Füßen beladen, noch warm im Blute bei dem Zelte des Großwesirs, und sein Kopf befand sich mit andern an einem Pfahle aufgesteckt. Dieses Schicksal war auch uns, wenn wir unterlegen wären, vorbestimmt.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Literarische Bearbeitung in Sage und Ballade</h3>



<p></p>



<p>Der Sieg von Peterwardein und der Mord an Feldmarschall Breuner fanden nicht nur den Weg in die Geschichtsbücher, sondern auch in die Sage. Die Legende vermeint, den Ort von Breuners Hinrichtung genau verorten zu können und deutet die Eiche neben der Peterwardeiner Wallfahrtskirche Maria Schnee als Marterpfahl des Gequälten. Drei Tage und drei Nächte soll Breuner an dieser Stelle verbracht haben, bevor der Großwesir ihn enthaupten ließ. Obwohl diese Version nicht absolut verifizierbar ist, klingt sie zumindest plausibel.</p>



<p>Einer weiteren Legende nach schenkte Prinz Eugen der Kirche neben der Breuner-Eiche ein Bild der Helferin und Patronin der Maria Schnee, der Gottesmutter mit Kind. Das Bild wurde zum Gegenstand großer Verehrung, weil ihm eine wundertätige Macht zugeschrieben wurde, und die Kirche somit zum Wallfahrtsort der Wundergläubigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Brunnen von Temeswar</h3>



<p></p>



<p>Wunder wirkte der Prinz der Sage nach auch weiterhin während des anschließenden Feldzuges im Banat. Dieser endete noch im Laufe des Jahres mit der Eroberung von Temeswar und bescherte dem Reich das Banat. Die Temeswarer wußten es dem Prinzen zu danken. Noch heute trägt ein Brunnen im Ort Jahrmarkt (Giarmata) bei Temeswar seinen Namen, was mit einer Sage verbunden ist:</p>



<p>Bei der Belagerung von Temeswar soll Prinz Eugen hier mit seinem Heer gelagert haben, das fürchterlich unter der Sommerhitze litt und kein Wasser zur Verfügung hatte. Eugen wußte Abhilfe. Festen Glaubens richtete er seine Gebete zum Himmel und flehte um das erquickende Naß. Der göttliche Rat ließ nicht lange auf sich warten und wies Eugen den rechten Weg zu einem Weidenbaum. Mit traumwandlerischer Sicherheit bohrte der Prinz seine Säbelspitze in den Baum, aus dem plötzlich klares Wasser zu sprudeln begann. Das kaiserliche Heer war gerettet. Der Quell stärkte der Sage nach Roß und Reiter, sodaß die Festung doch noch erobert werden konnte. Der Baum aber wurde gerodet, die Quelle als Brunnen gefaßt und zur Wasserversorgung der Gegend eingesetzt.</p>



<p>Die Sage greift einen wichtigen Aspekt der Belagerung von Temeswar auf. Historisch gesichert ist nämlich, daß das Belagerungsheer durch Wassermangel und Krankheiten schwer dezimiert wurde und Prinz Eugen drauf und dran war, die Belagerung der Stadt abzubrechen. Zum Glück kapitulierte die türkische Besatzung, noch bevor der Prinz mit seinem Heer abzog, wodurch das Banat endgültig österreichisch wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Schlacht von Belgrad</h3>



<p></p>



<p>Im Frühjahr 1717 wurde der Türkenkrieg fortgesetzt. Das kaiserliche Heer unter Prinz Eugen von Savoyen belagerte das von den Türken besetzte Belgrad. Was jedoch mit einem spektakulären Donauübergang in der Nähe Belgrads begonnen hatte, drohte zum Fiasko zu werden. Wider Erwarten war der türkische Oberbefehlshaber, Großwesir Chalil Pascha, mit 150.000 Mann den Belagerten zu Hilfe geeilt, um die Stadt zu entsetzen. Gleichzeitig versuchte ein türkisches Korps, das Banat zurückzuerobern.</p>



<p>Wochenlang belauerten einander die kaiserliche Belagerungsarmee und das osmanische Entsatzheer, das den kaiserlichen Truppen haushoch überlegen war. Dann griff Prinz Eugen die Osmanen am 16. August 1717 völlig überraschend an und schlug sie nach hartem Kampf. Die Türken mussten 15.000 Tote und Verwundete hinnehmen, 5.000 Mann ergaben sich. Kurz darauf kapitulierte Belgrad. Die Niederlage hatte schwerwiegende Konsequenzen für die Türken. Sie zog ihren Abzug aus dem Banat nach sich und bewog die Hohe Pforte dazu, den Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg 1718 zu beenden. Eugen hatte das Banat davor bewahrt, wieder unter türkische Herrschaft zu geraten – und dem Wiener Hof dessen Beherrschung gesichert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Prinz Eugen, der edle Ritter</h3>



<p></p>



<p>Der Sieg von Belgrad bedeutete für den Prinzen nicht nur die Krönung seiner militärischen Laufbahn, er machte ihn zum Mythos. Anteil daran hatte nicht der Prinz, sondern ein anonym gebliebener Textdichter. Der unbekannte Poet dichtete das bereits 1683 nach der Schlacht am Kahlenberg entstandene Volkslied <em>Als Chursachsen das vernommen</em> auf den Prinzen um und erschuf mit <em>Prinz Eugen, der edle Ritter</em> einen bis heute geläufigen „Hit“. Weder Friedrich der Große, noch Napoleon, Wellington oder Moltke sind über die Jahrhunderte hinweg so besungen worden wie Prinz Eugen von Savoyen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sleepy Hollow – die Sage von der schläfrigen Schlucht</title>
		<link>https://dereckart.at/sleepy-hollow-die-sage-von-der-schlaefrigen-schlucht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jul 2024 11:49:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (III) von Alain Felkel Der Horrorfilm Sleepy Hollow sprengt 1999 sämtliche Kinokassen. Er beruht angeblich auf einer US-amerikanischen Sage, die Washington Irving 1820 in Worte faßte. Doch Irvings Geschichte hat ein dunkles Geheimnis: Sie beruht in Wahrheit auf Erzählmotiven der deutschen Sage, was der Erfolgsautor zu Lebzeiten dezent verschwieg. Der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (III)</h2>



<p></p>



<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Der Horrorfilm <em>Sleepy Hollow</em> sprengt 1999 sämtliche Kinokassen. Er beruht angeblich auf einer US-amerikanischen Sage, die Washington Irving 1820 in Worte faßte. Doch Irvings Geschichte hat ein dunkles Geheimnis: Sie beruht in Wahrheit auf Erzählmotiven der deutschen Sage, was der Erfolgsautor zu Lebzeiten dezent verschwieg.</p>



<p>Der US-amerikanische Autor Washington Irving gilt als Erfinder der amerikanischen Kurzgeschichte. Eine seiner berühmtesten „Short stories“ ist die Sage von Sleepy Hollow, die 1999 sogar von Tim Burton verfilmt wurde. In Burtons Film klärt der Polizist Ichabod Crane im entlegenen Marktflecken Sleepy Hollow eine rätselhafte Mordserie auf. Als Täter entpuppt sich der sogenannte „Hessische Reiter“, ein kopfloses Gespenst, das seine Opfer mit einem Schwertstreich enthauptet. Nach weiteren Tötungsdelikten entschlüsselt Crane das Geheimnis des kopflosen Wiedergängers, was die Mordserie beendet. Der Film hat sofort Erfolg und wird zum Kassenmagneten. Wer jedoch eine werkgetreue Verfilmung der gleichnamigen literarischen Vorlage erwartet hat, wird enttäuscht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Geist wird zur Chimäre</h3>



<p></p>



<p>In Irvings <em>Sleepy Hollow </em>ist die Hauptfigur Ichabod Crane nämlich gar kein Polizeiermittler, sondern ein Schulmeister, der im malerischen Tarrytown am Hudson River lebt. Obwohl Crane arm wie eine Kirchenmaus ist, freit er um Katrina van Tassel, die ihn letztendlich auf einem Fest abweist. Auf dem Rückweg begegnet Crane um Mitternacht dem Hessischen Reiter, einem kopflosen Gespenst, das die Gegend um Tarrytown zur Geisterstunde tyrannisiert. Crane erschrickt zu Tode: Der Geist thront auf einem riesigen Pferd, sein abgeschlagenes Haupt prangt am Sattelknopf. Der Anblick ist zu viel für Cranes schwache Nerven, er ergreift die Flucht. Doch der kopflose Reiter läßt sich nicht abschütteln und schleudert ihm sein abgeschlagenes Haupt ins Gesicht. Crane stürzt vom Pferd. Der Geist läßt von ihm ab und verschwindet.</p>



<p>Am nächsten Tag ist Crane wie vom Erdboden verschluckt. Am Tatort finden die Bewohner Tarrytowns nur noch seinen Hut und einen zerschmetterten Kürbis vor. Hat der kopflose Reiter Ichabod Crane vertrieben, ja gar getötet? Diese Frage bleibt offen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hessische Hilfssoldaten als Schreckgespenster</h3>



<p></p>



<p>Der Erfolg von Irvings <em>Sleepy Hollow </em>besteht aus einer geschickten Verknüpfung von Zeitgeschichte und dem uralten Sagenmotiv des kopflosen Reiters, das kelto-germanischen Ursprungs ist, jedoch besonders in Deutschland tradiert wurde. Während des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kämpften an die 30.000 hessische Hilfstruppen auf britischer Seite gegen die amerikanischen Freiheitskämpfer. Die Hessen waren bei den Kolonisten als grausame Barbaren verschrieen, was Irving wohl zur Erfindung des Hessischen Reiters inspirierte. Als zweite Inspirationsquelle für die Erzählung gilt die Behauptung Irvings, die Sage von Sleepy Hollow durch die Erzählungen eines schwarzen Müllers erfahren zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Auf den Spuren eines Plagiats</h3>



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<p>Heute gilt es als gesichert, daß dies nicht stimmt. Bereits 1930 wies der deutschstämmige US-amerikanische Literaturwissenschaftler Henry A. Pochmann in seiner Untersuchung <em>Irving’s German Sources</em> klar nach, daß Irvings <em>Sleepy Hollow </em>ein Plagiat sei. Nach Pochmann fußt Irvings Sage in weiten Teilen auf einer Rübezahlerzählung des deutschen Schriftstellers und Literaturkritikers Johann Karl August Musäus. Dieser erzählt in seiner Sammlung <em>Volksmärchen der Deutschen</em> die Geschichte einer Gestalt, die nachts, als kopfloser Reiter verkleidet, Reisende überfällt – ein Frevel, den der Wald- und Berggeist Rübezahl selbst später an dem Täter rächt. Auch ist es wahrscheinlich, daß Irving noch anderswo literarische Anleihen im deutschen Sagenschatz getätigt hat. Bekannt ist nämlich, daß der Bestsellerautor zu diesem Zweck sogar Deutsch lernte, wie er seinem Freund Brevort gegenüber in einem Brief gestand. Zu plündern gab es nämlich schon damals reichlich in deutschen Gefilden. So findet sich das Sagenmotiv des kopflosen Reiters seit dem Mittelalter oft in Deutschland und zwar besonders im Rheinland. Hier tötet der kopflose Wiedergänger die Menschen allerdings schon durch bloße Berührung. Des Weiteren gibt es die Sagenvariante, daß der Enthauptete Menschen den nahen Tod anzeige oder sie vor Gefahren warne.</p>



<p>Trotz des Plagiats ist Irvings&nbsp; <em>Sleepy Hollow</em> das Beispiel einer gelungenen Sagenadaption. Durch die Verquickung der Geschichte Ichabod Cranes mit dem Motiv des kopflosen Reiters hat Irving einen Mythos erschaffen, der noch heute für ein Millionenpublikum Strahlkraft besitzt.</p>
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		<title>Rußland und der Lügenbaron</title>
		<link>https://dereckart.at/russland-und-der-luegenbaron/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jan 2024 13:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (II) von Alain Felkel Vor achtzig Jahren feierte die UFA-Film in Berlin ihr 25jähriges Bestehen mit der Premiere des Kostümdramas Münchhausen. Die Abenteuer des Lügenbarons sollten die Deutschen von der Niederlage in Stalingrad ablenken, erinnerten jedoch erst recht wieder an die eisigen Gefilde der Sowjetunion. Denn kaum ein Werk der [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (II)</h2>



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<p><em>von Alain Felkel</em></p>



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<p><strong>Vor achtzig Jahren feierte die UFA-Film in Berlin ihr 25jähriges Bestehen mit der Premiere des Kostümdramas <em>Münchhausen</em>. Die Abenteuer des Lügenbarons sollten die Deutschen von der Niederlage in Stalingrad ablenken, erinnerten jedoch erst recht wieder an die eisigen Gefilde der Sowjetunion. Denn kaum ein Werk der deutschen Literatur ist hinsichtlich seiner Entstehung so eng mit Rußland verbunden wie Münchhausens Lügenmärchen.</strong></p>



<p>Im November 1737 bot sich dem jungen Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen aus Bodenwerder bei Hameln die Chance seines Lebens. Im Alter von nur 17 Jahren reiste er nach St. Petersburg, wo er im Februar 1738 als Page in die Dienste von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel eintrat. Herzog Anton Ulrich war Kommandeur eines Kürassierregimentes und diente Zarin Anna von Rußland im Österreichisch-Russisch-Türkischen Krieg, der bereits 1736 entbrannt war.</p>



<p>Die Kämpfe gegen die Türken waren zwar von Erfolg gekrönt, aber verlustreich. Zwei Pagen des Prinzen waren bereits im Juni 1737 beim Sturm auf die Festung Otschakow am Schwarzen Meer gefallen. Auf Münchhausen wartete also eine heikle Aufgabe. Doch der junge Niedersachse war ihr gewachsen. Bald erhielt Münchhausen seine Feuertaufe, die er bestand. Er scheint sich im Gefecht so gut bewährt zu haben, daß ihm Prinz Anton Ulrich drei Pferde, Schabracken und zwei Pistolen schenkte. Der Krieg verlief auch insgesamt günstig für die Russen, was an der umsichtigen und energischen Führung des deutschstämmigen Generalfeldmarschalls Burkhard von Münnich lag. Wie es schien, hatte Münchhausen auf das richtige Pferd gesetzt. Er machte Karriere und stieg 1740 erst zum Fähnrich, dann zum Leutnant im Kürassierregiment seines Dienstherren auf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Staatsstreich mit Folgen</h3>



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<p>Zu diesem Zeitpunkt schien das Zarenreich fest in deutscher Hand. Nach dem Tode Zarin Annas von Rußland wurde ihr Günstling Ernst Johann von Biron, Herzog von Kurland und Semgallen, zum Regenten Rußlands, da der designierte Thronfolger, Zar Iwan VI., erst ein Jahr alt war. Doch dessen Mutter, Großfürstin Anna Leopoldowna, duldete die Tyrannei Birons nicht und stürzte ihn mit Hilfe Münnichs noch im November 1740. Der Umsturz sollte sich bald rächen. Die unerfahrene Fürstin verstand nichts von Politik und zerstritt sich mit Münnich, der im März 1741 sein Amt niederlegte. Nur ein Jahr nach ihrem Regierungsantritt putschte wiederum Elizabeth Petrowna, die Tochter Peters des Großen, gegen die Regentin und verbannte diese zusammen mit deren Ehemann Prinz Anton Ulrich nach Sibirien. Der einjährige Zar kam in die Festung Schlüsselburg, wo er 1764 unter ungeklärten Umständen verstarb.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politisches Überleben in Rußland</h3>



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<p>Münchhausen hatte mehr Glück. Der junge Leutnant kämpfte gerade im Russisch-Schwedischen Krieg in Livland und mußte seinem Dienstherrn nicht in die Gefangenschaft folgen. Trotzdem hatte der Sturz des Prinzen auch für ihn schwerwiegende Konsequenzen. Seine Karriere kam ins Stocken. Sie nahm erst wieder Fahrt auf, als er 1744 mit einer kleinen Eskorte von 20 Kürassieren die deutsche Prinzessin Sophia von Anhalt-Zerbst, die spätere Zarin „Katharina die Große“, auf dem Weg zu ihrer Hochzeit mit dem russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch – dem zukünftigen Zaren Peter III. – durch Litauen geleitete. Dennoch dauerte es weitere sechs Jahre, bis Münchhausen zum kaiserlich-russischen Rittmeister befördert wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Münchhausens Rückkehr in die Heimat</h3>



<p></p>



<p>Münchhausen gab sich mit dem Erreichten zufrieden und nahm 1750 Urlaub von seinem Regiment, nachdem seine Mutter verstorben war. Zusammen mit seiner Ehefrau Jacobine von Dunten reiste er in seine Heimatstadt Bodenwerder, um den Nachlaß zu regeln. In der Heimat angekommen schied er aus dem russischen Militärdienst aus. In Bodenwerder kümmerte sich Münchhausen um die Verwaltung seiner Güter. Nebenbei entwickelte er eine derartige Fabulierlust, daß er zur lokalen Berühmtheit wurde. Mit seinen Erzählungen zog er nicht nur Einheimische, sondern auch viele Durchreisende und Fremde in den Bann. Doch so gefeiert der weltgewandte Erzähler auch war, so wußte er doch nicht Kapital aus seinen Geschichten zu schlagen. Dies taten dann andere.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geschichte eines Weltbestsellers</h3>



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<p>Im Jahr 1761 publizierte Graf Rochus Friedrich zu Lynar drei Erzählungen, die eindeutig auf den Freiherrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen anspielten. Zwanzig Jahre später veröffentlichte ein anonymer Erzähler in der Zeitschrift „Vademecum für lustige Leute“ 16 Geschichten „des Herrn M-h-s-n“. Diesen folgten 1783 noch zwei weitere Lügenmärchen, die 1785 ins Englische übersetzt wurden und den Titel <em>Baron Munchhausen’s Narrative of his marvelous Travels and Campaigns in Russia</em> erhielten.</p>



<p>Der anonyme Verfasser war Rudolf Erich Raspe, ein einst gefeierter Universalgelehrter, der aufgrund eines Münzdiebstahls 1775 dazu gezwungen gewesen war, Deutschland zu verlassen. Raspe, der den Freiherrn offenbar kannte, veröffentlichte bis zu vier weitere Bände mit Lügengeschichten unter Münchhausens Namen, weil er dringend Geld brauchte. 1786 übersetzte Gottfried August Bürger Raspes anonym verfaßte Abenteuer erstmals ins Deutsche und verhalf damit dem Werk hierzulande zum Durchbruch. Später folgte eine zweite Übersetzung von ausgewählten Geschichten aus Raspes Erzählungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Münchhausen-Geschichten als prägendes Sittenbild Rußlands</h3>



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<p>Der erste Erzählzyklus in Bürgers Volksbuch trug den Titel <em>Münchhausens Reise nach Rußland und St. Petersburg</em> und prägte für Jahrzehnte das Bild der Deutschen vom Zarenreich. Mit Münchhausens Abenteuern kam Rußland überhaupt erst in die deutschen Wohnstuben. Geschichten wie vom Pferd an der Kirchturmspitze, dem Schlittenwolf, dem halbierten Pferd oder dem betrunkenen russischen General, aus dessen Kopf beim Lüften des Hutes Alkoholwolken aufsteigen, haben ein klischeehaftes Bild Rußlands gezeichnet. Zu guter Letzt findet sich auch Münchhausens berühmtestes Abenteuer – der Ritt auf der Kanonenkugel – in Bürgers Übersetzung, obwohl es nicht in Raspes Originalwerk vorkommt. Bürger selbst hat diesen zu Raspes „Münchhausen“ hinzugefügt und damit den Phantasten Münchhausen für immer in das große Buch der grotesken Lügengeschichte eingeschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das traurige Ende des echten Münchhausens</h3>



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<p>Münchhausens Lügenmärchen trafen den Geschmack nicht nur der deutschen Leserschaft, sondern waren auch in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Rußland populär, was dem echten Münchhausen zutiefst zuwider war. Der Freiherr fühlte sich seines guten Namens beraubt und zur Witzfigur degradiert. Zumal der literarische Münchhausen in immer neuen Erzählvarianten mit neuen Abenteuern verlegt wurde. Vollends vom Schicksal geschlagen wurde Münchhausen, als er im Alter von 73 Jahren nochmal heiratete. Bereits in der Hochzeitsnacht betrog ihn seine blutjunge Braut Bernhardine Brunsig von Brunn, später ruinierte sie ihn finanziell, weswegen Münchhausen die Scheidung verlangte. Doch seine Gattin hatte gute Anwälte. Diese diffamierten Münchhausen aufgrund seiner vermeintlichen Lügengeschichten als „Lügenbaron“, sodaß der Richter ihm keinen Glauben schenkte. Erst nach einem dreijährigen Prozeß, der ihn endgültig ruinierte, wurde Münchhausen von seiner zweiten Frau geschieden und verstarb am 22. Februar 1797. Zu diesem Zeitpunkt war sein literarischer Doppelgänger bereits unsterblich geworden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Münchhausen auf der Kinoleinwand</h3>



<p></p>



<p>Bis heute sind unzählige Münchhausiaden geschrieben und Filme gedreht worden, wovon der erfolgreichste der von Josef Goebbels in Auftrag gegebene <em>Münchhausen</em> ist. Der in Agfa-Color gedrehte Streifen wurde zum Kassenschlager des Dritten Reiches und spielte 25 Millionen Reichsmark ein. Daß der Film tricktechnisch neue Maßstäbe setzte, lag übrigens auch an Konstantin Tschet, einem Russen. Gekonnt setzte der erfahrene Kameramann mit für die damalige Zeit erstaunlichen Tricks die Abenteuer Münchhausens um, sodaß der Film in dieser Hinsicht keinen Vergleich mit damals üblichen Hollywoodproduktionen zu scheuen brauchte.</p>
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		<title>Mythos Vampir</title>
		<link>https://dereckart.at/mythos-vampir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Dec 2023 15:41:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (I) von Alain Felkel Vampire gehören zu den bekanntesten Mythenwesen der westlichen Welt. Als ihre Heimat gilt Transsylvanien, seit Bram Stoker sie mit seinem Roman Dracula 1896 weltberühmt machte. Weniger bekannt ist dagegen die entscheidende Rolle des Habsburgerreiches und des deutschen Kinos hinsichtlich der Entstehung des modernen Vampirmythos’ in Literatur [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Neue Serie: Mythen, Sagen, Wundersames (I)</h2>



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<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p><strong>Vampire gehören zu den bekanntesten Mythenwesen der westlichen Welt. Als ihre Heimat gilt Transsylvanien, seit Bram Stoker sie mit seinem Roman <em>Dracula</em> 1896 weltberühmt machte. Weniger bekannt ist dagegen die entscheidende Rolle des Habsburgerreiches und des deutschen Kinos hinsichtlich der Entstehung des modernen Vampirmythos’ in Literatur und Film.</strong></p>



<p>In vielen Kulturen ist der Glaube an die Wiederkehr Verstorbener tief verwurzelt. Nicht immer sind die Toten gute Geister, es gibt auch böse Verstorbene, die den Lebenden Schaden zufügen. Dazu gehören Vampire und Wiedergänger. Beide zählen zu den sogenannten Untoten, die im Grab keine Ruhe finden. Während der Vampir vom Blut der Lebenden zehrt, irrt der Wiedergänger meist zur Buße eines Frevels ruhelos umher, wobei er viel Unheil anrichtet. Oft jedoch verschmelzen beide Arten, wie folgender Fall beweist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein unruhiger Geist im Zipser Land</h3>



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<p>Im Juli 1719 berichtete das Nürnberger Journal „Der Europäische Niemand“ die unglaubliche Geschichte des polnischen Weinhändlers Michael Kasparek aus Lublau in der Zips, der angeblich als Wiedergänger sein Unwesen getrieben hatte. Kasparek war nach einer Handelsreise nach Warschau am 28. Februar 1718 verstorben, wenig später jedoch seiner Umgebung als Wiedergänger erschienen. Als Untoter hatte er diverse Dorfbewohner körperlich mißhandelt, seine Frau und deren Mägde geschwängert und später zu allem Überfluß auch noch Brandstiftung begangen. Vergeblich hatten die Behörden daraufhin seine Leiche aus dem Sarg genommen, sein Herz vergraben, den Toten geköpft und verbrannt. Der Spuk war weitergegangen und hatte erst aufgehört, nachdem Kaspareks Herz wieder ausgegraben und im Rathaus von Lublau den Flammen übergeben worden war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erste Vampirismen</h3>



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<p>Was von der Obrigkeit und der Kirche als Ende des Untoten angedacht war, erweckte ihn fiktional zu neuem Leben. In der Folgezeit wurde der Fall des Wiedergängers Kasparek zur Sage überhöht und der einstige Wiedergänger nachträglich sogar zum Vampir erklärt, nachdem in den serbischen Dörfern Kisilova und Medvegya in den Jahren 1725 und 1731 regelrechte Vampirepidemien stattgefunden hatten. Der Verlauf war dabei immer der gleiche: Stand ein Verstorbener im Verdacht, ein Vampir zu sein, wurde der Sarg nach 40 Tagen geöffnet. Zeigte sich der Leichnam dann kaum verwest oder beleibter als zuvor, und floß ihm Blut aus Nase oder Mund, galt er als Vampir. Jetzt war es an der Zeit, den Untoten zügig zu exekutieren. Hierbei gab es verschiedene Varianten der Vampirhinrichtung: Herzpfählung, Enthauptung oder die Einäscherung des gesamten Leichnams beziehungsweise die gesonderte Verbrennung seines Herzens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Vorfall von Freihermersdorf</h3>



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<p>Erzherzogin Maria Theresia von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen, ängstigte die Ausweitung des Vampirismus’ als gefährliche Form des Aberglaubens, der durch kirchliche Würdenträger immer wieder befeuert wurde. Wie beunruhigend diese Entwicklung war, zeigte sich 1755 in Freihermersdorf in Mähren. Als dort 30 Menschen infolge einer unbekannten Seuche starben, war der Vampirverdacht schnell zur Hand. Angeblich hatte eine der zuerst Verstorbenen nach ihrem Tod einige Dorfbewohner als Vampir heimgesucht, ihnen jegliche Lebenskraft genommen und sie zu Blutsaugern gemacht. Daraufhin identifizierte die örtliche Geistlichkeit 19 Erwachsene und ein Kind – allesamt bereits verstorben – als Vampire und richtete diese postmortal hin. Nun wurde es Maria Theresia zu bunt. Sie mußte energisch durchgreifen, bevor der Vampirismus andere Orte erfassen konnte und entsandte zur Untersuchung der Vorfälle einen Arzt und Anatomen nach Freihermersdorf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Ende der Vampirepidemie</h3>



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<p>Die beiden Mediziner examinierten die Vorfälle akribisch und schickten ihre Ergebnisse an Gerhard van Swieten, den Leibarzt Maria Theresias, der ihre Resultate in einem Bericht zusammenfaßte. Dabei kam der Niederländer zum Schluß, daß alle Toten eines natürlichen Todes gestorben seien. Des weiteren führte er aus, daß gewisse Temperatur-, Luft- und Bodenverhältnisse die geringe Leichenverwesung der Toten begünstigen und Leichengase die toten Körper „schmatzen“ lassen würden. Gleichzeitig führte er scharfe Klage gegen den Aberglauben der lokalen Behörden und der&nbsp; Kirche und empfahl deswegen, die Existenz der Untoten als Aberglauben zu kategorisieren. Maria Theresia folgte seinem Rat und verbot in der <em>Aberglaubens-Abstellung</em> von 1755 jegliche Form von Vampirhinrichtung. In Zukunft waren nur noch weltliche Behörden für solcherlei Fälle zuständig. Ein Zuwiderhandeln wurde gerichtlich geahndet. Die Maßnahme hatte Erfolg und beendete die „Vampirepidemie“ im Habsburgerreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lenores Höllenritt</h3>



<p></p>



<p>Dennoch starb der Vampir- und Wiedergängerglaube in Mittel- und Osteuropa nicht aus. Zu stark war die menschliche Lust an übernatürlichen, grauenerregenden Vorgängen, zu groß die Versuchung der Literaten, den Stoff endlich in ein formvollendetes fiktionales Gewand zu kleiden. Bereits 1773 griff Gottfried August Bürgers Schauerballade <em>Lenore</em> das Wiedergängermotiv erneut auf. Die Handlung des 32-Strophen-Gedichtes spielt vor einer historischen Kulisse. Lenores Verlobter Wilhelm zieht in den Krieg und fällt 1756 in der Schlacht von Prag, was Lenore nicht erfährt. Ahnungslos wartet sie auf Wilhelms Rückkehr und lästert Gott. Warnend mahnt Lenores Mutter, daß sie in die Hölle käme, wenn sie so weitermache. Lenore verwirft die Einwände. Sollte Gott sie doch bestrafen, Hauptsache Wilhelm käme wieder! Ihr Wunsch wird erhört. Kaum ausgesprochen erscheint Lenores toter Verlobter plötzlich in seiner einstigen Gestalt auf einem riesigen Rappen. Unter dem Vorwand, sie zum Hochzeitsbett zu bringen, reitet er mit ihr zu seinem Grab, wo sein Leib skelettiert und er Lenore ins Totenreich entführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Blutspur Draculas</h3>



<p></p>



<p>Das Gedicht beeinflußte viele westliche Vampirdichtungen und Blutsaugererzählungen, unter anderem <em>Vampirismus</em> von E.T.A. Hoffmann, <em>Carmilla </em>von Joseph Sheridan Le Fanu und <em>Dracula</em> von Bram Stoker, der die Sagengestalt des Vampirs endgültig zum Mythos erhob. Graf Dracula wurde zum Sinnbild des Vampirs. Gleichzeitig avancierte die Handlung seines Romans zum Erzählkanon des Vampirstoffes. Seitdem warten ganze Generationen von Draculas in einem Schloß in Transsylvanien auf den Einbruch der Nacht, um kurz darauf dem Grab zu entsteigen und ihre Vampirzähne gierig in die Halsader ihrer Opfer zu schlagen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nosferatu – Symphonie des Grauens</h3>



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<p>Noch größere Wirkung erzielte Dracula im Kino, das sich seit Beginn des 20. Jh. langsam zur „Mythenmaschine“ mauserte. Der deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau adaptierte Stokers Roman im Auftrag der Prana-Film filmisch und erschuf 1922 mit <em>Nosferatu – Symphonie des Grauens</em> ein epochales Meisterwerk, das dem Vampir auf der Kinoleinwand zum Durchbruch verhalf. Murnaus gekonnte Inszenierung sowie die eindringliche Spielweise des Hauptdarstellers Max Schreck als Graf Dracula setzten einen neuen Maßstab des Horrors und sind bis heute richtungsweisend für jede weitere Verfilmung des Stoffes. Um Geld für teure Studiobauten zu sparen und dem Film eine authentische Atmosphäre zu verleihen, drehte Murnau an Originalschauplätzen, darunter die Burg Arwa in der Slowakei. Der Film fesselte das Publikum, ruinierte indes die Produzenten Albin Grau und Enrico Diekmann. Die Ufa weigerte sich, Murnaus Werk abzuspielen, der Film konnte nur in kleinen, unabhängigen Kinos laufen. Zudem hatten die Produzenten finanziell schlecht gewirtschaftet und den Fehler begangen, Stokers Roman zu verfilmen, ohne die Buchrechte erworben zu haben. Das rächte sich jetzt. Die Witwe Bram Stokers verklagte die Prana-Film auf Schadensersatz. Nachdem ein Vergleich zwischen ihr und der Prana-Film gescheitert war, wurde der Streifen gepfändet und die Prana-Film dazu verpflichtet, alle Kopien des Meisterwerks zu vernichten. Der Film verschwand aus den Kinos, kaum daß er angelaufen war. Doch die Nachwelt hatte Glück: Trotz des Vernichtungsfeldzuges gegen den Nosferatu-Film wurde ausgerechnet Murnaus Werk unsterblich und zur Blaupause aller Vampirfilme des Horrorgenres. Nun war der Vampir auch im Kino zum Mythos geworden.</p>
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