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	<title>Kaisers Zone &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Kaisers Zone &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Kommunaler Rechtsruck?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist. Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist.</p>



<p>Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen für die AfD abgegeben werden, sind es bei Landtagswahlen noch 30 bis 40, bei den unterschiedlichen Kommunalwahlen teils gar unter 30 Prozent. Dort, wo viele Bürger ihre Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte sowie ihre Bürger- und Oberbürgermeister wählen, tun sich widerständige Kandidaten auch 2026 noch schwer, was an einer volatilen Mischung aus fehlendem qualifiziertem Personal, etablierten Vor-Ort-Konkurrenten und schließlich in allfälligen Stichwahlen einem Alle-gegen-einen-Bündnis liegt, in dem dann freie Wählervereinigungen und Altparteien die Kräfte bündeln, um den AfD-Kandidaten zu verhindern. Konstellationen von 55 Prozent (Einheitsblock) versus 45 Prozent (AfD) sind keine Seltenheit im Osten, sondern bis dato ein erfolgreiches Schema.</p>



<p>Doch es kommen Dinge in Bewegung. Die Abstände werden geringer und mancherorts durch die fortgesetzte und unbewältigte Krisenkonvergenz in der BRD aufgehoben. Das sorgt für mediale Empörung und altparteiliches Entsetzen. Und das war der Fall am 10. Mai in Zehdenick, einer Kleinstadt in Brandenburg einige Kilometer nördlich von Berlin. René Stadtkewitz, einst CDU-Rebell und dann Parteichef der AfD-Vorgänger-Kleinstpartei „Die Freiheit“, gewann dort die Bürgermeisterwahl mit 58,4 Prozent bereits im ersten Wahlgang. Eine absolute Mehrheit, die ins Auge sticht, weil vielerorts von derartigen Ergebnissen weiterhin nur geträumt werden kann – andere Orte in Brandenburg wählten ihre altbekannten Vertreter ins Amt oder gehen, bisweilen mit einem drastischen Vorsprung vor den AfD-Herausforderern, in die Stichwahl.</p>



<p>Eine Stichwahl steht auch in einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte des Landes an: In Görlitz, der 55.000-Einwohnerstadt in jenem letzten nach 1945 deutsch gebliebenen Winkel Niederschlesiens, gewann der Amtsinhaber, ein CDU-Mann, die erste Runde vor seinem Herausforderer der AfD, wobei das eingangs skizzierte 55-45-Prozent-Szenario wieder einmal das naheliegende sein dürfte. Weil das, was passierte und passieren wird, zum gängigen Prozedere der letzten Jahre zählt, ist der mediale Fokus kaum auf die deutsch-polnische Grenzstadt gerichtet, sondern gut 200 Kilometer weiter westlich auf die größte Stadt des Erzgebirgskreises. Aue-Bad Schlema, deutschlandweit bekannt für Wismut-Bergbau und Sportbegeisterung, zählt weniger als die Hälfte der Einwohner von Görlitz, wird aber gerade durch die bundesweite Presse von der <em>FAZ</em> bis zum <em>Spiegel</em> gereicht.</p>



<p>Der Hintergrund ist, daß auch dort die Oberbürgermeisterwahl vom 10. Mai im ersten Wahlgang keinen direkten Sieger (mit 50-Prozent-plus) hervorbrachte, sondern einen zweiten Wahlgang Anfang Juni erforderlich macht. Dort lautet das Szenario nun nicht CDU versus AfD wie in Görlitz und wie so häufig, sondern Freie Sachsen (FS) versus CDU/Freie Wähler (FW). Stefan Hartung, regionaler Kopf der 2021 in Schwarzenberg im Erzgebirge gegründeten FS (siehe dazu den September-<em>ECKART </em>2022), gewann mit 29 Prozent den ersten Wahlgang. Das heterogene, graswurzelartig verankerte und erstaunlich resiliente FS-Milieu um den 37jährigen IT-Unternehmer&nbsp; speist sich insbesondere aus der in Sachsen weiterhin lebendigen Coronaprotestbewegung, Rechts-Regionalisten, Resten der früheren NPD (jetzt: DIE HEIMAT), neupolitisierten Bürgern und verschiedenen langjährigen Kadern nationaler Gruppen.</p>



<p>Bei der Landtagswahl 2024 erzielte diese teils schrill-populistische, teils ideologisch widersprüchliche, stets medienwirksame und verfassungsschutzbeobachtete Rechtspartei mit dynamischer PR-Arbeit trotz des großen Fokus auf die CDU-AfD-Polarisierung sachsenweit einen Achtungserfolg von 2,2 Prozent. In Aue-Bad Schlema, wo man als „Bürgerbewegung“ zwei Gaststätten mit dichtem Veranstaltungskalender etablieren konnte, hat man bereits bei vergangenen Wahlen für Furore gesorgt. So gelang es 2024, mit zwölf Prozent in den Stadtrat der Großen Kreisstadt einzuziehen (AfD: 21,8 Prozent), wobei Frontmann Stefan Hartung mit 2.700 die meisten Stimmen aller Kandidaten auf sich vereinte. Und ein Jahr später geriet Aue-Bad Schlema schon einmal in den bundesweiten Fokus, weil im April 2025 der Stadtrat einen „Asylnotstand“ angesichts außereuropäischer Konfliktgruppen im Stadtzentrum ausriefen ließ. Die geschichtsträchtige Stadt zwischen Zwickau, dem Fichtelberg (dem höchste Berg der ehemaligen „Zone“) und Chemnitz wurde medial auch deshalb massiv „angezählt“, weil kein einziger Stadtrat gegen die Initiative Hartungs votierte – selbst der Mandatar der Linkspartei nicht.</p>



<p>Der Anlauf der Freien Sachsen zur OB-Wahl im Mai 2026 dauerte demnach einige Jahre lang, und der Triumph war hausgemacht: Die Kandidaten von CDU, Freien Wählern und AfD erreichten dagegen jeweils nur 18 bis 23, der Vertreter der Linkspartei sogar nur knapp 6 %. Da es keine Stichwahl im klassischen Sinne – Platz 1 kandidiert gegen 2 – gibt, war nach dem Wahlabend offen, wer am 7. Juni gegeneinander antreten würde. CDU und Freie Wähler dürften sich zum zweiten Wahlgang, bei dem bereits eine relative (!) Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen für den Sieg ausreicht, auf einen Kandidaten einigen; der Linkspartei-Kommunalpolitiker hat zurückgezogen. Es hing also von der AfD ab, die unter die 20-Prozent-Marke fiel (18,5), ob ein „rechter“ Block gegen einen Block der (linken) „Mitte“ antreten würde. In der sächsischen AfD wurden Stimmen laut, „keine Experimente“ zu wagen, sprich: CDU oder FW zu unterstützen. Andere Blaue forderten, nicht mehr anzutreten. Diese, darunter der OB-Kandidat Lars Bochmann, setzten sich schließlich am Abend des 12. Mais durch: Damit ist nun für den zweiten Wahlgang alles offen. Ausgerechnet den Freien Sachsen kann Anfang Juni das gelingen, was der AfD noch nirgendwo in der BRD gelang: einen Oberbürgermeister – und nicht nur Bürgermeister – zu stellen.</p>



<p>Abseits regionaler Spezifika – traditionell starkes nationales Lager, Hartung als verankerter Lokalpolitiker usw. – sind es zwei Aspekte, die diese aktuelle Besonderheit für die Allgemeinheit brisant machen:</p>



<p>Erstens zeigt Aue-Bad Schlema auf, daß die AfD in den zugespitzten und emotionalisierten Krisenzeiten selbst in einem ihrer Stammländer nicht länger den als selbstverständlich erachteten Alleinvertretungsanspruch auf oppositionell-widerständige Stimmen geltend machen kann. Wird die AfD mancherorts als zu wenig präsent im Alltag oder gar als eine Art CDU 2.0 wahrgenommen – ob berechtigt oder nicht –, wandern Rechtswähler fortan weiter zu einem anderen, präsenteren oder aktiveren Alternativangebot. Das Erzgebirge scheint hier ein avantgardistisches Erstbeispiel des mancherorts Kommenden darzustellen. Die sächsische Landtagswahl 2024 war eine sehr kleine Warnung für die Blauen, die Auer Oberbürgermeisterwahl 2026 eine immer noch kleine. Daß indes auf sehr kleine und kleine Warnungen große oder sehr große Warnungen folgen könnten, ist angesichts der Aufbruchs- und Wendestimmung in markanten Teilen der mitteldeutschen Bevölkerung künftig nicht mehr auszuschließen. Derlei zu ignorieren, kann sich die AfD im Freistaat, auch im Hinblick auf das Ziel, 2029 den Ministerpräsidenten in Dresden zu stellen, nicht leisten. Die FS als „rechtsextremistisch“ zu verwerfen, wie es Teile der AfD-Mandatsträger praktizieren, baut Frust ab, aber wird nicht ausreichen: Diffamierungen helfen mitunter der diffamierten Kraft, was in den letzten Jahren die AfD selbst unter Beweis gestellt hat.</p>



<p>Zweitens zeigt das Beispiel Aue-Bad Schlema, daß sich in Sachsen und perspektivisch auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern für die AfD eine unbekannte Konstellation – zumindest als Gedankenexperiment – anbieten könnte. Getreu dem Motto „Koalitionspartner? Machen wir uns selbst!“ wäre eine wachsende Stimmung rechts von ihr die Voraussetzung dafür, aus der tradierten CDU-Falle („Wann sind die Schwarzen endlich gesprächsbereit?“) auszubrechen. Würden durch die Krisenlage ähnliche Formationen wie die FS entstehen und in einem relativen Rahmen auf landesweit 5,6 oder 7 % gedeihen, könnte eine „radikale Flanke“ die seit Jahrzehnten nach Mitte-Links driftenden politisch-parlamentarischen Verhältnisse wieder stärker nach „rechts“ ziehen. Als „radikale Flanke“ bezeichnet man Gruppen, die inhaltlich grundsätzlicher und offensiver in den Aktionen wirken und dadurch eine spezielle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Strategen der Linken sehen eine eigene Dialektik am Werk: Denn die Flanke setzt sich ins Verhältnis zu den maßvolleren Gruppen der eigenen Milieus. Entscheidend ist: Überdehnt man bei der „Flanke“ zu stark die Radikalitätsspanne, so verliert man die Bindung ans eigene „Norm“-Lager, das heißt: an die „Mitte“ des eigenen Kosmos. Das hat auch mit dem „Overton-Fenster“ zu tun, das nach dem Forscher Joseph P. Overton benannt wurde. Es stellt den Rahmen des Sag- und Tragbaren dar und erlaubt derzeit noch linken Formationen mehr Freiheiten als rechten.</p>



<p>Loel Zwecker hat dies in seiner Studie <em>Die Macht der Machtlosen</em> (Stuttgart 2024) so auf den Punkt gebracht: „Außerhalb des Fensterrahmens dessen, was im Mainstream sichtbar und akzeptiert ist, liegen zunächst Ideen, die der Mehrheit zu einem Zeitpunkt als ‚undenkbar‘ gelten, die sich aber immerhin langsam ins Sichtfeld der Allgemeinheit schieben. Dabei bewegen sie sich hin zu einer breiteren Akzeptanz: Hält die Mehrheit sie anfangs für verrückt, gelten sie irgendwann nur noch als ‚radikal‘, dann als ‚vernünftig, aber schwer umsetzbar‘, bis sie schließlich ‚allgemein akzeptiert‘ und ‚gar nicht anders denkbar‘ sind. Um diesen Prozess zu beschleunigen (…) müssen mutige Menschen Ideen, die anfangs unpopulär sind, beherzt gegen Widerstände oder die Unterstellung, verrückt zu sein, vertreten.“</p>



<p>Nähme man dieses Schema ernst, wäre die Aufgabe der Zukunft für die AfD – jedenfalls im Osten der BRD – womöglich die: als starkes Zentrum einer in sich vielfältigeren patriotischen Welt zu wirken, rechte Flanken nicht zu bekämpfen, sondern durch situative Kooperationen einzubinden wo möglich und einzuhegen wo nötig. Gewiß scheint das derzeit utopisch. Aber wer aus der langjährigen CDU-Sackgasse hinaustreten will, um vom Bittsteller zum Gestalter zu werden, muß prüfen, wo etwaige neue Konstellationen denkbar wären, die nicht mehr überwiegend in der Hand der Schwarzen, sondern eben auch in der Hand der Blauen lägen. Man würde selbstbewußter, weil man neben der angestrebten CDU-AfD-Allianz weitere Optionen hätte. Irrealer als eine nahende Selbstkorrektur der Christdemokratie ist eine wachsende Stimmung rechts der AfD mit eigener „Flanke“ ja längst nicht mehr: 2026 ist nicht 2016. „Am Ende muss dieses Land“, so formuliert es Simon Strauss in seinem Großessay <em>In der Nähe</em> (Stuttgart 2025), „vielleicht wirklich ein Praktikum in seinen ostdeutschen Kleinstädten machen, um seinen Mannschaftsgeist zu finden.“ Na: Wo denn auch sonst?</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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		<title>Oststolz – jetzt auch von links?</title>
		<link>https://dereckart.at/oststolz-jetzt-auch-von-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 15:28:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit Oststolz (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit <em>Oststolz</em> (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht hinterhertrauert. Als „Oststolz“ definiert er vielmehr das „Gefühl, das uns erfüllen sollte, wenn wir erkennen, was wir hier seit der Wende geschaffen haben, trotz widrigster Bedingungen und schlechter Startchancen“. Dieser Oststolz erfülle ihn und die Jugend des Ostens (der BRD) – und dieser Oststolz solle überhaupt erst zukunftsfähig machen, weil aus einem erneuerten Selbstvertrauen heraus das Bild des „Jammer-Ossis“ überwunden werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ hat längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht.</h3>



<p></p>



<p>Soweit die Theorie. In der Praxis ist der Stolz auf das heutige Ostdeutschland insbesondere unter jungen Menschen, die die DDR nie erlebten, längst massenkompatibel und muß nicht erst gestiftet werden. Ob in den Fußballstadien zwischen Dresden und Rostock oder bei Konzerten unterschiedlicher Interpreten: Leser dieser Kolumne wissen, daß das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht hat. Aber ist diese identitäre Standortbestimmung, wie Journalisten der Mainstreampresse nicht müde werden zu betonen, ausschließend, d.h. „exkludierend“, geradezu „rechts“? Oder ist es nicht vielmehr so, daß der Oststolz in den Kurven der Stadien und auf den Musikbühnen als metapolitisches Gefühl, das im Vogtland wie an der Ostseeküste vernehmbar ist, anschlußfähig in unterschiedliche Richtungen bleibt?</p>



<p>Gewiß: Politisch zahlt dieses Gefühl – derzeit – stark in Richtung volksverbundener Kräfte rechts der „Mitte“ ein. Die Generationenforscher Rüdiger Maas und Hartwin Maas behandeln das Thema in ihrer <em>Jugendwahlstudie Ostdeutschland</em> (Wiesbaden 2025). Dort ist zu lesen, daß der „sogenannte ‚Oststolz‘ und die Identifikation mit einer spezifischen ostdeutschen Kultur“, die als „ursprünglich“ und „authentisch“ dargestellt werde, die „politische Sozialisation“ nach rechts begünstige: „Dieser Stolz auf die ostdeutsche Herkunft wird von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD bewußt verstärkt, indem sie sich als Vertreter der ‚echten Ostdeutschen‘ positionieren und gegen den (aus dem Westen kommenden) ‚Mainstream‘ auftreten.“ Diese Erklärung ist stichhaltig – aber sie verkennt in ihrer Pauschalität, daß sowohl realpolitisch (Linkspartei-Zuwächse) als auch metapolitisch viele Ostjugendliche eine andere Richtung einschlagen.</p>



<p>Das hat, wie bei kulturellen Identitätsbildungsprozessen obligatorisch, neben nicht zu unterschätzenden Trotzreaktionen (vereinfacht dargestelltes Motiv: Wenn „die“ Ostjugend „rechts“ erscheint, werde ich „links“) auch mit musikalischen Polarisierungsträgern zu tun. Konkret: Immer mehr erfolgreiche Ostbands zwischen Rockmusik, Rap und Elektro schlagen einen linken Kurs ein, ohne dabei den Oststolz zu untergraben. Im Gegenteil: Erfolgsbands wie Kraftklub, die Hinterlandgang oder Feine Sahne Fischfilet (FSF) kokettieren mehr als nur ein bißchen mit ihrer Ostidentität, aber laden diese antifaschistisch auf und inszenieren sich als linke Inseln in einem rechten Meer. Daraus leiten sie dann ihre Rolle als Vertreter eines widerständigen und selbstbewußten Ostens ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben.</h3>



<p></p>



<p>„Provinz“ und ostdeutsche Peripherie werden nicht – wie von westdeutschen Platzhirschen – abschätzig begutachtet, sondern durchaus offen als „Heimat“ begriffen, womit sie in ein schwieriges Terrain geraten. Denn Akteure wie Feine Sahne Fischfilet, die seit 2004 hunderttausende Platten verkauften, bewegen sich einerseits im Antifa-Milieu, aber wissen andererseits realistisch, daß „die“ Jugend des Ostens auf ideologielastige „antideutsche“ Agitation abseits radikaler Blasen wie in den Universitätsstädten Jena und Leipzig wenig Wert zu legen scheint. Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben. So versuchen FSF wie andere Bands auch den Ritt auf der Rasierklinge: einerseits antifaschistischer Ideologietransfer in den Liedtexten, andererseits die Selbstverortung als oststolze Widerständler, die „ihre Provinz“ lieben – wodurch man in anderen linken Kreisen schon der „Heimattümelei“ geziehen wird).</p>



<p>Feine Sahne Fischfilet, um beim erfolgreichsten Beispiel einer linken Ostband im Jugendsegment zu bleiben, verbreitet tatsächlich ein positives Heimatgefühl. Den linken „Spin“ bekommen sie dadurch hin, daß sie – etwa im Lied „Zuhause“ – die ostdeutsche Heimat für alle zu öffnen bereit sind. Zwar werden die Vorzüge einer gesunden Heimatumgebung affirmiert (Vertrautheit, Gemeinschaft), sich inständig versichert wird aber: „Doch ich bleib dabei, für eine grenzenlose Welt“. Das geht über die obligatorische Ambivalenz, die das Leben für jeden einzelnen bereithält, weit hinaus. Wer einerseits Vertrauensräume und Gemeinschaftsbildung im ostdeutschen Raum als positiv empfindet und andererseits dieses tendenziell „exklusive“ Gefühl für alle (!) öffnet, wird in der Realität feststellen, daß dies bereits jetzt in der Praxis nicht funktioniert. Auch die ostdeutsche Provinz – von Feine Sahne Fischfilet, Kraftklub, der Hinterlandgang und vielen anderen linken Bands unter Beifall der Presse und maximaler Reichweite durch entsprechend inszenierte Bühnenbereitung bespielt –, wird derzeit multikulturell umgepflügt. Erste Kleinstädte der ostdeutschen Provinz haben bereits über Parteigrenzen hinweg den „Asylnotstand“ ausgerufen. Diesen erleben Ostjugendliche im Alltag am Bahnhof, am Marktplatz oder im Supermarkt live – gefällige Musikempfindungen hin oder her.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf.</h3>



<p></p>



<p>Das inhaltliche Problem für die klügeren unter den entwicklungsfähigen linken Bands wie Feine Sahne Fischfilet wird dementsprechend mittel- und langfristig darin liegen, daß ihre Form des heimatverbundenen Oststolzes durch ihre Refugees-Welcome- und Offene-Grenzen-Agenda (in einem Lied heißt es: „Reiß ihre Zäune ein, reiß <em>alle</em> Zäune ein“) unterlaufen wird. Heimat ist kein abstrakter Raum, sondern ein dichtes Geflecht aus gemeinsamen Erfahrungen, gemeinsamer Sprache und gemeinsamen Vertrauensverhältnissen. Intuitiv, nicht reflexiv-rational, folgt daraus eine „landsmännische Parteilichkeit“ (David Miller). Zugehörigkeit und Verwurzelung bestehen nun mal insbesondere im Organisch-Konkreten, nicht im Universellen. Heimat lebt von Vertrautheit und Vertrautheit setzt die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Prinzip der Differenz, voraus: Ohne das Fremde gibt es auch kein Eigenes, Identität ist immer „dialogisch“ (Henning Eichberg).</p>



<p>Würde man also, wie es die erfolgreichen linken Musikgruppen derzeit versuchen, die ostdeutsche Heimat universalisieren, verlöre sie ihre Spezifika und würde zur austauschbaren Kulisse. Anders gesagt: Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf. Und wer ausgerechnet aus dem derzeit höchst virulenten Oststolz ein linkes Weltbürgertum ableiten möchte, wird wohl früher oder später beim Versuch scheitern. „Oststolz von links“ bleibt ein Widerspruch in sich – wenngleich ein solcher, der sich einstweilen komfortabel vermarkten und monetarisieren läßt.</p>



<p></p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Superwahljahr beginnt</title>
		<link>https://dereckart.at/das-superwahljahr-beginnt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 23:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag. Aber die Leitmedien und politischen Gremien [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag.</p>



<p>Aber die Leitmedien und politischen Gremien des Landes diskutieren ohnehin stärker darüber, daß im Spätsommer in Sachsen-Anhalt das neue Landesparlament gewählt werde. Nur 2,15 Millionen Einwohner ergeben Platz 11 in der Bundeslandtabelle – zur Einordnung: Bayern hat über 13 Millionen, Sachsen vier Millionen Einwohner. Dennoch konzentriert sich die politisch-mediale Energie auf dieses artifizielle Bundesland, das so unterschiedliche Landstriche wie das Weinbaugebiet Saale-Unstrut rund um Naumburg, die „preußische“ Altmark um Stendal und den mythischen Harz um Wernigerode zusammenbringt.</p>



<p>Dieser Fokus ergibt sich aus dem Zusammenhang der Sache: In den Umfragen steht die AfD bei Spitzenwerten von bis zu 40 %; das entspräche einer Verdopplung des Landtagswahlergebnisses von 2021 (20,8 %). Scheitern Grüne und/oder das BSW und/oder die SPD – sie liegen bei 3 bis 7 % – an der Fünfprozenthürde, könnten 42 oder 43 % AfD-Stimmen reichen, um eine Mandatsmehrheit zu erlangen: Die AfD stünde vor der erstmaligen Herausforderung, ein Bundesland zu regieren, und zwar im Alleingang. Gleichwohl bleibt ein Triumph mit 40plus unwahrscheinlich, zumal die Landespartei pünktlich zum Wahljahr von Schlammschlachten geplagt wird; man bekämpft einander juristisch und per Medien-„Leaks“. Der Bundestagsabgeordnete, der alles ins Rollen brachte, wurde nun auch aus der Bundestagsfraktion und wird bald aus der Partei ausgeschlossen – aber nicht alle Probleme sind dadurch gelöst.</p>



<p>Angesichts der manifesten Schwäche der Altparteien ließe sich sagen: Die AfD droht stärker an sich selbst zu scheitern als an ihrer Konkurrenz. Denn die Medienberichte über vermeintliche, aber eben auch in Teilen tatsächliche „Vetternwirtschaft“ sind Legion. Klug wäre es gewesen, von vornherein den prominenten und landesweit beliebten Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu schützen, indem man legitime Anstellungsverhältnisse von illegitimen scheidet und symbol- wie personalpolitisch markante Konsequenzen zieht. Dann hätte man dem eigenen Sympathisantenfeld zeigen können: 85 Prozent sind absurde Anschuldigungen politischer Gegner im politmedialen Komplex, zehn Prozent untersuchen wir selbstkritisch, und die unzweifelhaften fünf Prozent Fehlverhalten ahnden wir schonungslos. Man entschied sich, dies explizit nicht zu tun, sondern alle Vorwürfe pauschal abzulehnen. Der 6. September wird zeigen, ob das belohnt oder bestraft wird.</p>



<p>Bauen kann die AfD in Sachsen-Anhalt einstweilen auf ihre Kernwählerschaft, die stetig zunimmt. Das hat neben akuten Krisengründen und dem volksverbundenen Grundrauschen im heutigen Osten auch mit der mangelnden Altparteibindung seit 1990 zu tun. Wahlforscher Ansgar Hudde: „In Ostdeutschland ist das Wahlverhalten in allen Jahrzehnten [!] stärker vom Bundestrend abgewichen als in Westdeutschland.“ Hinzu kommt, um beim „Land der Frühaufsteher“ zu bleiben, ein Vorteil, der oft ein Nachteil ist: Das Bundesland hat keine Metropolen. Mit Magdeburg und Halle/Saale gibt es sogar nur zwei Städte, die mit 240.000 bzw. 225.000 Einwohnern per definitionem als „Großstädte“ gelten. Die drittgrößte Stadt, die Fusionsstadt Dessau-Roßlau, firmiert mit 75.000 Einwohnern als „Mittelstadt“; ansonsten dominieren Kleinstädte (5.000 bis 20.000) – klassische Hochburgen der AfD. Beobachter erwarten diesbezügliche AfD-Werte von bis zu 50 Prozent.</p>



<p>Werden die Blauen dem beträchtlichen Vorschußvertrauen dort und anderswo gerecht? Das Superwahljahr wird auch in dieser Hinsicht aufschlußreich. Es beginnt jetzt, am Sonntag, dem 8. März, und es wird in der AfD so oder so zu dynamischen Debattensituationen führen. Das gilt insbesondere auch dann, wenn man im drittgrößten Bundesland der Republik, in Baden-Württemberg, dem Land der kriselnden Autoindustrie und des allmählich darbenden Mittelstandes, doch noch unter den allseits erwarteten 20 Prozent plus x bleiben sollte. Aber das ist kein Thema für „Kaisers Zone“, diese Kolumne für den nahen Osten der BRD.</p>



<p></p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Links gegen Links</title>
		<link>https://dereckart.at/links-gegen-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 13:57:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Wer sich nach Wahlen gleich welcher Art eine Sachsenkarte ansieht, wird neben einem blau-schwarzen Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Ausnahme entdecken können: Leipzig. Die 610.000-Einwohner-Stadt ist eine Art Hauptstadt Ostdeutschlands, die größte Stadt der alten DDR jenseits von Ostberlin, universitätsgeprägt, Flughafendrehkreuz (insbesondere für Bundeswehr und DHL), Messestandort, Kulturstätte von Völkerschlachtdenkmal bis Thomanerchor, Heimat des [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Wer sich nach Wahlen gleich welcher Art eine Sachsenkarte ansieht, wird neben einem blau-schwarzen Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Ausnahme entdecken können: Leipzig. Die 610.000-Einwohner-Stadt ist eine Art Hauptstadt Ostdeutschlands, die größte Stadt der alten DDR jenseits von Ostberlin, universitätsgeprägt, Flughafendrehkreuz (insbesondere für Bundeswehr und DHL), Messestandort, Kulturstätte von Völkerschlachtdenkmal bis Thomanerchor, Heimat des Fußballs mit gleich mehreren großen Clubs und noch vieles mehr. Politisch betrachtet ist Leipzig hingegen vor allem dies: ein blutroter Punkt im Freistaat, dominiert von der Linkspartei. Um genau zu sein, liegt das nicht am ganzen Stadtgebiet Leipzigs, sondern an dem, was man den roten Südgürtel nennen könnte: Alles, was unterhalb sowie links (bis nach Leutzsch) und rechts (bis nach Reudnitz) des Stadtkernes liegt, ist unstrittiges Antifa-Hoheitsgebiet, mit Connewitz in der südlichen Mitte als Epizentrum.</p>



<p>Das alles ist nicht neu: Die antifaschistische Szene „befreite“ insbesondere Connewitz bereits in der Umbruchszeit ab 1989 von Andersdenkenden jenseits linksoffener bis linker Lebenswelten. Die linksgrüne taz schreibt denn auch von „Jahrzehnten“, seit denen der Stadtteil „identitätsstiftend für die linke Szene“ sei. Der Soziologe Ansgar Hudde geht chronologisch noch weiter zurück und verweist darauf, daß bereits in den 1970er-Jahren Connewitz als „alternativ“ gegolten habe. Denn die DDR-Autoritäten ließen es nur hier zu, daß Hausbesetzer (SED-Jargon: „Schwarzwohner“) ganze Straßenzüge des klassischen Altbauviertels kaperten. Connewitz ist Antifa-Gebiet seit nunmehr über fünfzig Jahren – das ist wohl einmalig im deutschen Sprachraum. Vielleicht liegt es auch an dieser unangefochtenen und nachhaltigen Lokalautarkie über Generationen hinweg, daß Leipzigs linke XXL-Szene – in ihrem Kern israelsolidarisch und antideutsch – explizit zur Militanz neigt. Wer sich allein mit aktuellen Fällen des roten Terrors beschäftigen möchte, suche im Netz kurz nach „Hammerbande“ und „Antifa-Ost-Verfahren“.</p>



<p>Neu hieran ist lediglich, daß man diese linke Szene, die u.a. über zahllose Restaurants, Geschäfte, „NGOs“, Clubs, Kneipen, Hausprojekte, Anwaltskanzleien, Linkspartei-Mandatare, Sportvereine und Fußballfanszenen verfügt, herausfordert. Und zwar: von links. Das hat ironischerweise viel mit der Migrationsoffensive seit 2015 zu tun. Denn Leipzig ist in Sachen Zuwanderung längst auf westdeutschen Standard gesetzt worden, rund jeder vierte Leipziger ist Ausländer, in den vergangenen zehn Jahren ist die Einwohnerzahl vor allem durch Migration schneller angestiegen als in allen anderen BRD-Metropolen. Neben Ukrainern und Syrern wuchs zuletzt auch die Zahl palästinensischer Zuwanderer – entsprechende Milieus setzten sich insbesondere im Leipziger Osten fest, bevorzugt rund um die Eisenbahnstraße, die in der Bild-Zeitung als „Deutschlands Straße der Angst“ firmiert und wo mittlerweile mehr als 50 Prozent der Anwohner nichteuropäischer Herkunft sind. Das harte Urteil der Journalisten zog allerdings die allgegenwärtige Kriminalität nach sich, nicht die palästinensische Frage. Jene spielt aber insofern doch eine Rolle, weil in den Kiezen rund um die Eisenbahnstraße letzte Leipziger Residuen einer „antiimperialistischen“ und zunehmend auch migrantisch geprägten Linken vorlagen. Diese Szene wurde vor Jahrzehnten aus Connewitz, wo antideutsche Hardliner seit jeher den Ton angeben, in andere, weniger „szenige“ Viertel gedrängt. Sie lebte daher östlich des Zentrums über Jahre hinweg ihre geduldete Randexistenz zwischen „K-Gruppen“-Wiederbelebung, orthodoxem Marxismus und Palästinasolidarität. Letztere, und hier schließt sich der Kreis zur Migrationsoffensive, erfuhr erhebliche Verstärkung durch neue und alte palästinensische Aktivisten. Stück für Stück verschmolzen die Überbleibsel antiimperialistischen Linksradikalismus’ mit propalästinensischen Cliquen. Es entstanden aggressive Gruppen wie „Handala“ und „Lotta Antifascista“, die – verstärkt seit dem Hamas-Terror vom Oktober 2023 und der brutalen Gaza-Zerstörung durch Israels Armee – erstmals wieder selbstbewußt Leipzigs Straßen für Palästinasolidarität beanspruchten.</p>



<p>Das Aufbegehren israelkritischer Linker blieb nicht ohne Folgen: Antideutsche aller Couleur – und in Leipzig gibt es mehr Untergruppen als irgendwo sonst – machten Jagd auf ihre wachsende innerlinke Konkurrenz. Immer wieder wurden „Palis“, wie sie abschätzig genannt werden, körperlich attackiert und bekannte Treffpunkte der linksradikalen Israelkritiker angegriffen. Letztere wollten sich das auf Dauer nicht bieten lassen und riefen nun dazu auf, am 17. Januar nach Connewitz zu ziehen, um der antideutschen Hochburg, in der die Anzahl der Fußballaufkleber der beiden antifalastigen Fanszenen von Chemie und Roter Stern Leipzig nur von den Aufklebern mit positivem Israelbezug übertroffen werden, einen Besuch abzustatten. Der Rest ist wohl bekannt, ging jedenfalls durch die bundesdeutsche Öffentlichkeit: Boulevardblätter riefen den Endkampf um Leipzig aus, Antifa mobilisierte gegen Migrantifa, Israelfans gegen Palästinaaktivisten, Bewunderer des Merkava-Panzers gegen arabische Zwillenromantik.</p>



<p>Im Vorfeld der Palästina-Demo, die von der Linksparteispitze in Bund wie Land übrigens scharf kritisiert wurde, während man Solidarität mit der antideutsch geprägten Leipziger Mehrheitslinken rund um die Linkspartei-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel übte, gab es obligatorische Angriffe von antideutschen Militanten auf antiimperialistische Linke, was die Befürchtung ansteigen ließ, am 17. Januar eskaliere es mehr denn je. Das geschah nicht. Die Polizei, mit vierstelligem Personal angerückt, trennte die feindlichen Brüder voneinander. Antifafahnen auf beiden Seiten, „Alerta, Alerta, Antifascista“-Gebrüll auf beiden Seiten, Linksparteisymbolik auf beiden Seiten (bei den Antideutschen indes mehr), Haß auf beiden Seiten. Aber eben auch: weniger als 2.000 Aktive auf beiden Seiten in einer 610.000-Einwohner-Stadt. Selbst das Gros der Leipziger Linkssympathisanten hatte wohl auf die szeneinterne Großfehde keine Lust.</p>



<p>Ein in der antideutschen Szene gut vernetzter linker Journalist spottete derweil auf „X“ (ehemals „Twitter“) über die fehlende Gewaltorientierung der palästinafreundlichen Linken: Sie würden „lame“ (lahm, zahm) bleiben und „wie die Faschos froh sein, von Cops beschützt zu werden“. Ein Leipziger Genosse ergänzte: „Hab die von vorne bis hinten bepöbelt, keine Bullen wirklich bei mir, und die sind 50 cm vor mir vorbeigelaufen und haben mich nichtmal angerempelt.“ Vereinzelt berichteten Pro-Palästina-Linksradikale dann gar von Verfolgungsjagden durch israelsolidarische Antifa-Gewalttäter bei An- und Abreise; ansonsten blieb die Lage verhältnismäßig ruhig.</p>



<p>Der in Chemnitz beheimatete Linksextremismuskenner Michael Brück, selbst Aktivist der Freien Sachsen sowie Compact-Redakteur (und damit freilich nicht neutral), zieht denn auch ein durchwachsenes Fazit eines Demonstrationsgeschehens, das – jedenfalls gemessen an der medialen Reichweite und Panik – ganz Ostdeutschland in Atem gehalten hat. „Aus Sicht der autonomen Antifa“, womit Brück die hegemoniale antideutsche Flanke meint, „war der 17. Januar 2026 weder ein Mobilisierungserfolg noch Zeichen der Stärke. Trotz Unterstützung etablierter Parteien (Linke, SPD, Grüne) blieb die Teilnehmerzahl im niedrigen vierstelligen Bereich.“ Aber auch die „Feindbildmarkierung“ der antiimperialistischen Gegenseite habe nicht funktioniert; eine Dynamik sei nicht entstanden, beide Lager hätten jeweils nur zu den ohnehin Überzeugten gepredigt. Insgesamt, so fährt Brück fort, sei der Tag damit „friedlicher und weit unspektakulärer“ abgelaufen, als allseits – von linker, rechter, medialer und Polizeiseite – erwartet. „Die Gefahr“, mahnt Brück, der selbst schon Opfer antifaschistischer Täterstrukturen wurde, umgehend, „bleibt trotzdem hoch, auch wenn keine Massen auf der Straße mobilisiert werden können“. Er begründet dies damit, daß sich die in Sachsen operierenden „militanten Antifa-Zellen wie die sogenannte Hammerbande“ damals wie heute aus den vielfältigen antideutschen Milieus der Stadt Leipzig rekrutierten, die weit ins „bürgerlich“ Linksakademische hineinreichten und den Tätern effektiven Schutz und ein permanentes Gefühl der Sicherheit böten.</p>



<p>In der Tat entzogen denn auch nur die palästinasolidarischen Minderheitslinken in Sachsen der „Hammerbande“ ihre Solidarität. Doch geschah dies nicht, weil sie etwa die grassierende Gewalt gegen „Rechte“ abschreckte, sondern lediglich deshalb, weil die Schlüsselfiguren der linken Militanten aus Connewitz bekennende Antideutsche sind. Gegen „rechts“, und zumindest da sind sich die beiden verfeindeten Lager plötzlich wieder einig, bleibe eben alles erlaubt.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>OAZ statt FAZ</title>
		<link>https://dereckart.at/oaz-statt-faz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 08:05:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Ostdeutsche lesen nur sehr zurückhaltend die westdeutsche „Qualitätspresse“. Das heißt: Bürger Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens, also jener Bundesländer, die – einschließlich Ostberlins, aber dies ist durch Zustrom aus Westberlin und Schwaben ein Sonderfall – den Osten der BRD ausmachen, greifen nicht zur Frankfurter Allgemeinen, zur Süddeutschen, zur Zeit, zum Spiegel [&#8230;]]]></description>
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<p></p>



<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Ostdeutsche lesen nur sehr zurückhaltend die westdeutsche „Qualitätspresse“. Das heißt: Bürger Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens, also jener Bundesländer, die – einschließlich Ostberlins, aber dies ist durch Zustrom aus Westberlin und Schwaben ein Sonderfall – den Osten der BRD ausmachen, greifen nicht zur <em>Frankfurter Allgemeinen</em>, zur <em>Süddeutschen</em>, zur <em>Zeit</em>, zum <em>Spiegel</em> und zum <em>Stern</em>.</p>



<p>Ich erinnere mich diesbezüglich lebhaft an eine Vorlesung im Herbst 2007 hier in Chemnitz an der Technischen Universität, als meine damalige Professorin für Internationale Politik uns Jungstudenten den ständigen Konsum von Tageszeitungen anempfahl. Man sollte, so mahnte sie, mindestens eine bundesdeutsche Tageszeitung (je nach Neigung <em>FAZ</em> oder <em>SZ</em>, wobei im ostdeutschen Volksmund <em>SZ</em> die <em>Sächsische</em> meint), abonnieren, ferner mindestens eine internationale, entweder die <em>Neue Zürcher Zeitung</em> oder, besser noch, eine englischsprachige. Zu ihrem Bedauern, so stellte sie fest, könne man das aber nicht nur von Studenten kaum noch erwarten, sondern auch nicht mehr von geneigten „Normalbürgern“. In ihrem Chemnitzer Randstadtteil, berichtete sie aus ihrem Leben, bekäme sie alle Tageszeitungen, die sie hielte, mangels Ost-Vertriebsstrukturen der „Qualitätspresse“ erst mit der regulären Mittagspost zugestellt, und der Postbote habe ihr bestätigt, sie sei ohnehin die einzige Person in seinem Zustellungsbereich mit derlei publizistischen Vorlieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unabhängig von politischen Standpunkten besteht die Befürchtung, daß westdeutsche Konzernmedien „den Osten“ negativ darstellen würden.</h3>



<p></p>



<p>Jenseits dieser anekdotischen Evidenz und überdies jenseits der Tatsache, daß der Akademikerprozentsatz im Osten in vielen Regionen deutlich geringer ausfällt, womit statistisch tatsächlich auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, überregionale Tageszeitungen zu konsultieren: Auch diverse Studien zeigen, daß nur ein äußerst geringer Prozentsatz von <em>FAZ</em> bis <em>Zeit</em> nach Ostdeutschland geliefert wird. Grundlegend existiert unabhängig von politischen Standpunkten des jeweiligen Ostdeutschen die Befürchtung, daß westdeutsche Konzernmedien „den Osten“ negativ darstellen würden und aus schlechter Tradition heraus Klischees bedienen, was die Akzeptanz der Westpublikationen weiter erschwere. Selbst Mark Siemons vom <em>FAZ</em>-Feuilleton muß einräumen: „In der vom Westen dominierten gesamtdeutschen Öffentlichkeit kommen ostdeutsche Erfahrungen bloß als etwas Fremdartiges vor.“ Der Westen als Norm, der Osten als zu mißachtende <em>terra incognita</em>.</p>



<p>Das macht wichtige Spezifika des autochthonen Lesermarktes aus: Zum einen hat sich sechsunddreißig Jahre nach dem Anschluß der DDR-Gebiete an die BRD also die traditionelle Skepsis gegenüber überregionalen, westlich dominierten Zeitungen eher gefestigt denn abgeschwächt. Zum anderen gibt es eine stärkere Bindung von Zeitungslesern, oft älteren Semesters, an klassische regionale Medien wie die <em>Leipziger Volkszeitung</em>, die <em>Freie Presse</em> oder den <em>Nordkurier</em>. Aber auch diese verlieren seit 1990, als sie von SED-Bezirkszeitungen zu privatwirtschaftlich organisierten und oft SPD-nahen Firmen wurden, konstant an Auflage. Die größte von ihnen, die <em>Freie Presse</em> für Chemnitz, Zwickau, Erzgebirge usw. verkauft gerade mal noch über 160.000 Exemplare; das entspricht einem Minus von 61,4 Prozent seit 1998. Vor der „Wende“, Anfang 1990, waren noch 600.000 Stück gedruckt worden.</p>



<p>Das liegt, so meine ich, nicht am fehlenden Interesse der alternden Leserschaft an den Ereignissen in ihrer Heimat, sondern vielmehr an der Entkoppelung der meist linksliberal dominierten Redaktionen von der Mehrheitsempfindung großer Teile der Bevölkerung. Salopp formuliert: Wenn in Sachsens oder Thüringens ländlichen Räumen um die 50 Prozent „rechts“ wählen, die örtlichen Journalisten, die oft zudem aus dem Westen stammen, aber unbeeindruckt davon konstant rotgrüne „Narrative“ propagieren, dann wächst da etwas auseinander, das nicht zusammengehört. Diese Absage an den linken Belehrungsjournalismus auch bei den Regionalmedien darf man jedoch gerade nicht mit einer Absage an die Themen der Region verwechseln. Denn das Verlangen nach „Nähe“, nach Vertrauen und Zusammenhalt wächst im Osten selbst dort wieder, wo es nie fort war. Ein weiterer <em>FAZ</em>-Feuilletonist, Simon Strauß, macht dies auch für die anhaltenden Erfolge der Alternative für Deutschland im Osten der Republik verantwortlich. Es gehe vor allem „um das Paradigma der Gemeinschaft, die soziale Bindungsstärke“, schreibt er in seinem neuen Erfolgsbuch mit dem aussagekräftigen Titel <em>In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht</em> (Stuttgart 2025). Gegenüber dem hegemonialen Westen als „Gesellschaft der Beziehungslosen“, also der Vereinzelten, positionieren viele Ostdeutsche ihre „Sehnsucht nach mehr Nähe als Kennzeichen eines ostdeutschen Lebensgefühls“. Daraus erwüchsen ostdeutsches Sonderbewußtsein und ostdeutscher Trotz: Nähe als politischer Wert, als Identitätsbaustein. Es herrsche die Empfindung in weiten Teilen der ostdeutschen Gesellschaft vor, weiß der West-Ost-Grenzgänger Strauß, daß man sich dies gegen alle Tendenzen der Zeit habe bewahren können: „Der Osten besitzt damit ein ureigenes Mittel zur Verteidigung der Seele gegen die Zerschlagungstendenzen des westlichen Neoliberalismus.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die <em>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung</em> (OAZ) als Blatt für die gesamte ehemalige DDR</h3>



<p></p>



<p>Folgt man dieser Argumentation, und das Gros der Ostdeutschen dürfte dies intuitiv und lagerübergreifend tun, sprengt das nicht nur die realpolitische Links-Rechts-Dichotomie, sondern wirft auch die Frage auf, inwiefern sich das künftig metapolitisch-journalistisch äußern könnte. Genau diese markante Frage stellt sich auch Holger Friedrich, Jahrgang 1966, gelernter Schlosser, „umstrittener“ IT-Erfolgsunternehmer aus Ostberlin mit gewisser staatsnaher DDR-Vergangenheit, der als kreativer und „disruptiver“ Herausgeber der <em>Berliner Zeitung</em> und der neuen <em>Weltbühne</em> nun seinen nächsten Coup landen will: Er gründet derzeit die <em>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung</em> (OAZ), die nicht – wie seine <em>Berliner Zeitung</em>, die <em>Freie Presse</em>, die <em>Sächsische</em> usw. – ein Regionalblatt für einzelne Ostlandstriche sein soll. Nein: Friedrich will ein Blatt für die gesamte ehemalige DDR schaffen, <em>die</em> ostdeutsche Stimme, die bisher kaum jemand vernimmt, wenn sie denn überhaupt artikuliert wird. Er selbst spricht, gewohnt selbstbewußt, von einem „Leitmedium“, das er auf die Beine stelle.</p>



<p>Das ambitionierte Projekt startet im Februar: montags bis freitags als E-Paper, am Wochenende mit einer großen Druckausgabe, und Lokalredaktionen gebe es dann in allen ostdeutschen Landeshauptstädten. Die etablierte Konkurrenz schaut mit großem Argwohn auf diese <em>OAZ</em>-in-spe. Die einen stoßen sich an der Frakturtitelei – die freilich auch bei der <em>FAZ</em> unbeanstandet etabliert ist; andere mokieren sich über drohende Rußlandnähe, weil Friedrich neben guten Kontakten in westliche Nationen auch in Rußland und China Kontakte pflegt; wiederum andere werfen Friedrich entweder vor, bereits bei seiner Berliner Lokalzeitung zu coronamaßnahmenkritisch berichtet haben zu lassen oder aber gar zu AfD- sowie BSW-freundliche Standpunkte zuzulassen. Keiner dieser Punkte – und das ist eher der Beleg für eine enervierende Westhegemonie im etablierten Journalismus als der Gegenbeweis – läßt Friedrich in Ostdeutschland alt aussehen. Vielmehr ist es so, daß dort AfD- und BSW-Wähler zusammen etwa 50 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen; vielmehr ist es so, daß das Rußland- und Ukrainebild im Osten deutlich von dem vorgegebenen im Westen abweicht; vielmehr ist es schließlich so, daß auch die friedlichen Coronaproteste vor allem in Ostdeutschland auf fruchtbaren Boden gefallen sind und in weiten Teilen Sachsens noch heute, im Januar 2026, wöchentlich fortgesetzt werden usw. usf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schließt da jemand eine Lücke auf dem Markt der Meinungen, der Berichte und der Analysen?</h3>



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<p>Der ostdeutsche mediale Teilmarkt ist schwierig, neben Lokalzeitungen und der Boulevardikone <em>SuperIllu</em> behauptet sich bis dato niemand nachhaltig und nachdrücklich. Eben dies will Holger Friedrich mit seiner Mannschaft, den Mitarbeitern des neugegründeten Ostdeutschen Verlages in Dresden, ändern. Man werde im Februar das Debüt eines Mediums „mit klarem publizistischem Kompaß, sauberem Handwerk und einer selbstverständlichen ostdeutschen Perspektive“ erleben: „Ein Medium, das erklärt statt lenkt, einordnet statt polarisiert und Zukunft nicht behauptet, sondern sichtbar macht.“ Folgerichtig heißt es in den zehn „Publizistischen Leitlinien“ der künftigen Redaktion, man wolle „Kontext vor Kommentar“ bieten, keine „vorgefertigten Erzählungen“ reproduzieren, „Perspektivenvielfalt statt Scheinsicherheit“ offerieren, „ostdeutsche Realität als Normalität“ verstehen, „Nähe“ – da ist sie wieder, siehe Simon Strauß! – bieten, lokale und regionale Themen „ernst nehmen“, „ostdeutsche Zukunft sichtbar machen“, „Interessen benennen“, dabei aber „verständlich bleiben“ und „Vertrauen“ generieren.</p>



<p>Das sind viele Ansprüche, hehre zumal, die in ihrer bloßen Formulierung bereits implizit Kritik an den bisherigen Platzhirschen üben. Man darf folglich gespannt sein – und dem kühnen Projekt alles Gute wünschen.</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Alle waren in Halle! (Auch Österreicher!)</title>
		<link>https://dereckart.at/alle-waren-in-halle-auch-oesterreicher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 16:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im März und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale im November fortan ein weiterer Buchmessentermin auf dem Plan steht. Hier wurden die Gründe erklärt: https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/. Man darf vorwegnehmen: Die Debütveranstaltung, organisiert im wesentlichen durch Susanne Dagen [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im März und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale im November fortan ein weiterer Buchmessentermin auf dem Plan steht. Hier wurden die Gründe erklärt: <a href="https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/">https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/</a>.</p>



<p>Man darf vorwegnehmen: Die Debütveranstaltung, organisiert im wesentlichen durch Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden, war am 8. und 9. November mit über 6000 Besuchern und rund 90 Ausstellern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus Österreich ein voller Erfolg – am 7. und 8. November 2026 soll dieser wiederholt werden. Mit mehr Besuchern, mehr Ausstellern, mehr Messefläche, mehr Verpflegungsoptionen, mehr Programm. Schon jetzt empfiehlt es sich, dieses Wochenende freizuhalten: Halle/Saale ist aus Österreich gut per Flug (Wien–Leipzig/Halle) oder Bahn (ICE-Direktverbindung) erreichbar.</p>



<p>Aus Sicht der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) und der Zeitschrift <em>DER ECKART </em>sind natürlich folgende zwei Programmpunkte hervorzuheben:</p>



<p>Dr. Erik Lehnert, häufig im ECKART zu lesen, diskutierte bereits am ersten Messetag unter Moderation unseres Schriftleiters Konrad Markward Weiß mit <em>ECKART</em>-Autor Ronald Schwarzer über „Brandenburg, Preußen, Österreich und die besseren Deutschen“. Die rasch zum Erfolg gewordene Lehnertsche <em>Eckartschrift</em> gibt das Thema vor, das bereits – Wiener erinnern sich – an einem einmaligen „preußischen Abend“ in der Fuhrmannsgasse gut gelaunt und kenntnisreich ausgewalzt wurde. Wie schon in Wien wurde auch diesmal der Tagungspunkt im Anschluß harmonisch bei dem einen oder anderen „Stamperl“ beziehungsweise „Klaren“, wie man um Halle herum sagt, veredelt.</p>



<p>Ich selbst durfte mit Schriftleiter Weiß dann am Sonntag den Raum 1 mit Leben füllen. Ich glaube, ganz unbescheiden, wie es sich geziemt, daß uns dies sehr gut gelang: Etwa 150 Menschen, darunter – wie im Nachgang deutlich wurde – auch einige Journalisten, füllten den Saal; neugierige Gäste saßen gar auf dem Flur und in den Gängen. Wir sprachen heiter, aber mit dem nötigen Ernst über diese Kolumne, vor allem aber: weshalb sie nötig wurde, was den heutigen deutschen Osten ausmacht.</p>



<p>Anders gesagt: Wir debattierten über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstandspotentiale. Daß wir dies ausgerechnet in Halle/Saale taten, also in Sachsen-Anhalt, wo 2026 die AfD den ersten Ministerpräsidenten der Geschichte stellen könnte, da sie bereits jetzt in den Umfragen bei rund 40 (!) Prozent steht, verlieh dem Thema zudem die notwendige tagespolitische Brisanz; und zwar schon eine Woche bevor Ulrich Siegmund als AfD-Spitzenkandidat von Axel Springers Talkformat „Politico“ in politisch-historische Fallen gelockt werden sollte, die er aber mit Bravour vermied.</p>



<p>Brisant war auch die Fortsetzung am erfreulich stark frequentierten ÖLM/<em>ECKART</em>-Messestand – Weiß und ich waren uns herzlich einig, bei den „Stamperln“ unterschiedliche Geschmacksempfindungen zu hegen. Für mich besonders erfreulich war am Stand neben Gesprächen mit alten und neuen <em>ECKART</em>-Lesern ein lebhaftes Rendezvous mit dem „Impresario“ Ronald Friedrich Schwarzer. Das altbewährte Habsburg und das (gar nicht mal so) junge Ostdeutschland verstanden einander prächtig.</p>



<p>Apropos Ostdeutschland: Natürlich habe ich den Lesern dieser Kolumne zwei Fundstücke aus „Kaisers Zone“, also mit dezidiert mittelostdeutschem Bezug, aus Halle mitgebracht.</p>



<p>Zum einen handelt es sich dabei um eine Biographie Josef Kneifels. <em>Der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt</em> (Chemnitz 2025) ist dabei eine umfassend erweiterte und überarbeitete Neuausgabe eines bereits vor zwölf Jahren veröffentlichten Bandes, der damals als <em>Der Anschlag</em> (Chemnitz 2013) schnell ausverkauft war. Der Umfang ist verdoppelt, die damaligen Autoren Johannes Schüller und Erik Latz durch Arne Schimmer nicht ersetzt, sondern verstärkt. Latz, der Kneifel gut kannte, steuerte nun selbst ein aktuelles und durchaus persönliches Vorwort bei, das auch jenen hilft, die mit der Personalie Josef Kneifel (1942–2020) noch gar nichts anfangen können. Kurz: Der in Niederschlesien geborene und in Sachsen gestorbene Kneifel war Dissident in der DDR und ab 1990 in der BRD. <em>Der Spiegel</em> schrieb über ihn schaudernd, aber zugleich mit spürbarer Anerkennung: „Einen Gegner wie Josef Kneifel hatte die DDR nur einmal.“</p>



<p>Und man wird ohne Übertreibung sagen können: Arne Schimmer gelingt es, auf den Schultern seiner Co-Autoren stehend, aber deren Forschung weiterentwickelnd, das Leben dieses radikalen und durchaus streitbaren Oppositionellen spannend wie ein Kriminalroman darzulegen. Es dreht sich naturgemäß vieles um den 9. März 1980, als Josef Kneifel sich dazu entschied, in Karl-Marx-Stadt, dem vor- und nachmaligen Chemnitz, ein Sprengstoffattentat auf ein gewichtiges Symbol der Sowjetbesatzer – einen Panzer – zu begehen. Damit begann für Kneifel, der unter anderem im „Gelben Elend“ zu Bautzen geschändet wurde, eine Leidensgeschichte, die erst vier Jahrzehnte später mit seinem Tod enden sollte.</p>



<p>Denn Kneifel wurde auch in der BRD, die er einst noch im Vergleich zur DDR als positiveres Deutschland empfand, zum Fundamentaloppositionellen. Sein Engagement im Spannungsfeld von „nationalem Widerstand“, Chemnitzer Stadtgeschichte und sächsischem Sonderbewußtsein ließ erneut die Repressionsbehörden auf ihn aufmerksam werden. Bis kurz vor seinem Tod ging der Streit um den „Panzersprenger“ weiter: Pro Chemnitz, mittlerweile als Freie Sachsen (FS) eine regionalistische Bewegung im gesamten Freistaat, beantragte Anfang 2020 im Stadtrat – erfolglos und ohne Schützenhilfe durch die AfD –, den radikalen Dissidenten zum Ehrenbürger der altehrwürdigen Industriestadt zu machen. Das wurde mit Verweis auf Kneifels frühere Aktivität für die 2011 verbotene „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) vollumfänglich verweigert, wie im Nachwort des FS-Parteichefs Martin Kohlmann erläutert wird.</p>



<p>Heute wird man ohnehin sagen können, daß der eigenwillige Josef Kneifel der fleischgewordene Mythos ebenjener Freien Sachsen und ihres wachsenden Milieus bleibe. Nicht nur der Nachwortautor ist FS-Kader; auch das vorliegende Buch erscheint im parteinahen Interregnum-Verlag zu Chemnitz, und der in der „Alten“ wie „Neuen“ Rechten Deutschlands bekannte Autor des vorliegenden Werkes Arne Schimmer ist zugleich Chefredakteur des FS-Monatsmagazins <em>Aufgewacht</em>. Eine jede Bewegung benötigt wohl ihre stilisierten Ikonen, zumal eine solche Bewegung, die sich in permanentem Aufruhr befindet und deshalb in der Repressionsspirale festen Halt bei historisch widerständigen Vorläufern suchen muß.</p>



<p>Das zweite Fundstück aus Halle, das ich den ostinteressierten „Kaisers Zone“-Lesern mitgebracht habe, widmet sich denn auch explizit ebenjener Repressionsspirale. Es trägt den Titel <em>Juristische Mobilmachung in Zeiten zunehmender Repression</em> (Freiburg 2025) und erschien als Studie eines süddeutschen Anwaltkollektivs. Die einzelnen Kapitel sind aufeinander aufgebaut. Von einer „Kurzen Geschichte der Repression in Deutschland“ über verschiedene Analysen von politischen Strafverfahren führt der Weg direkt zur Gegenwart und den jüngsten Entwicklungen politischer Justiz, die seit der Ära der rot-gelb-grünen „Ampel“-Regierung mit Nancy Faeser (SPD) und dem zeitweisen <em>Compact</em>-Verbot einen Negativschub erhielten. Besonders lesenswert sind ferner die Ausführungen zum „drohenden Berufsverbot für patriotische Juristen“ und zur fatalen Reformation von Aufenthaltsrecht und Zuwanderungspolitik in der BRD.</p>



<p>Um mit Halle/Saale zu schließen, weil es mit Halle/Saale begann: Die letzten beiden Kapitel des Buches widmen sich der konkreten Realität einer nahenden AfD-Regierung, beispielsweise in Sachsen-Anhalt. Welche Gestaltungsmöglichkeiten wären vorhanden? Droht aus Berlin im Falle einer blauen „Wende“ eine Art „Reichsexekution“, neudeutsch „Bundeszwang“ (Art. 37 GG)? Wo liegen rechtliche Grenzen und Möglichkeiten einer grundsätzlich ausgerichteten Opposition, die zur Regierung kommt?</p>



<p>Deutlich wird im Fazit jenes Buches, das angesichts des Schlüsselwahljahres 2026 jedem AfD-Aktiven ans Herz gelegt werden muß: „Entscheidend ist am Ende nicht nur der juristische Rahmen, sondern vor allem das politische Wollen.“ Das Recht folgt nämlich längst der Politik, ob man das positiv bewertet oder nicht. Die Autoren scheinen sich jedenfalls einig: Daß es so sei, limitiere die Möglichkeiten in der (schwarz-roten) Gegenwart und biete neue Potentiale in der (blauen) Zukunft. Ein informatives Buch, und die „Zone“ bleibt spannend.</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Diskussion</title>
		<link>https://dereckart.at/diskussion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Nov 2025 20:45:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Sonntag, 15:15 Uhr,Raum 1 Benedikt Kaiser „Kaisers Zone“Der Osten ist „blau“, heimatverbunden, anti-woke. Ist die „Zone“, die man einst belächelte, heute einfach besser oder einfach nur anders? Ist sie „deutscher“? Benedikt Kaiser, bewährter Ost-Erklärer (Kolumne „Kaisers Zone“) der traditionsreichen Kultur-Zeitschrift Der Eckart (Wien), und Konrad Markward Weiß, Schriftleiter und Verleger, diskutieren über Mentalitäten und Metapolitik, [&#8230;]]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="267" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1024x267.webp" alt="" class="wp-image-11551" style="width:529px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1024x267.webp 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-300x78.webp 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-768x200.webp 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1536x401.webp 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-2048x534.webp 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-text-align-center"><strong>Sonntag, 15:15 Uhr,<br>Raum 1</strong></p>



<p class="has-text-align-center">Benedikt Kaiser „Kaisers Zone“<br>Der Osten ist „blau“, heimatverbunden, anti-woke. Ist die „Zone“, die man einst belächelte, heute einfach besser oder einfach nur anders? Ist sie „deutscher“? <br>Benedikt Kaiser, bewährter Ost-Erklärer (Kolumne „Kaisers Zone“) der traditionsreichen Kultur-Zeitschrift Der Eckart (Wien), und Konrad Markward Weiß, Schriftleiter und Verleger, diskutieren über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstand.<br>anschl. Umtrunk&nbsp;am&nbsp;Stand F9</p>



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<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Alle nach Halle! (Auch aus Österreich!)</title>
		<link>https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 16:21:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im Frühjahr und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale am 8. und 9. November ein weiterer Buchmessetermin auf dem Plan steht. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die klassischen Buchmessenformate in der BRD wurden zunehmend von antifaschistischer [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im Frühjahr und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale am 8. und 9. November ein weiterer Buchmessetermin auf dem Plan steht.</p>



<p>Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die klassischen Buchmessenformate in der BRD wurden zunehmend von antifaschistischer Hysterie und linksliberaler Ausgrenzungspolitik dominiert. Zuerst waren konservative und rechte Verlagshäuser – von Antaios (Schnellroda) und Jungeuropa (Dresden) bis zur <em>Jungen Freiheit</em> (Berlin) – in sogenannte „Sackgassen“ gesteckt worden; irgendwo, am Ende einer Messehalle, am Ende eines Ganges, dann nochmal links abbiegen, gen Nirvana, also dorthin, wo wirklich nur hartgesottene Leser dann auch vorbeikommen. Und dann verzichteten diese Verfemten – nicht alle, aber mehrheitlich – auf die kostspielige und zunehmend würdelose Teilnahme am linken Spektakel.</p>



<p>Susanne Dagen, jene populäre umtriebige Buchhändlerin aus Dresden vom Buchhaus Loschwitz, die neben diesem Juwel an Buchhandlung im wohl schönsten Stadtteil Elbflorenz’ auch einen eigenen Verlag betreibt, ertrug die Ausgrenzungspolitik nicht. Sie selbst ist dabei nicht „rechts“, sondern eher freisinnig und diskurswütig. Da zudem Jammern nicht ihr Metier ist, sondern – gut sächsisch – das Anpacken, organisierte sie in Kooperation mit <em>Tichy’s Einblick</em> und dem unabhängigen Radiosender <em>Kontrafunk</em> eine eigene Messe namens „Seitenwechsel“ mit der klaren Devise, daß freie Rede und freie Diskussion dort am Leben gehalten werden sollten. Deswegen also Halle/Saalle: zwei Tage, 70 Aussteller, keine politischen Hygienevorstellungen, dafür aber ein volles Programm, das keineswegs „nur“ rechtsorientierte Verlage, Zeitschriften, Zeitungen und „Influencer“ zusammenbringt, sondern auch linke Freigeister wie Dieter Dehm zu Lesungen verleitet.</p>



<p>Dagen stellt in zahlreichen Wortmeldungen – von YouTube bis Podcasts – klar: Willkommen sind alle in Halle, nur eben jene nicht, die sich der Diskussion, dem Austausch von sachlich-fachlichen Argumenten, grundlegend verweigern. Man – konkreter: ich – war erstaunt, als die Ankündigung über die Kanäle ging, und um ehrlich zu sein: Ich dachte nicht an eine erfolgreiche Realisierung dieses Vorhabens, das eine ebenso breite Palette an Ausstellern – von altliberalen Medien bis hin zu dezidiert „nationalen“ Organen – und eine so breite Palette an Vortragenden und Vorlesenden – von Uwe Tellkamp, Vera Lengsfeld und Röger Köppel bis Volker Zierke und Björn Clemens – zusammenbringt. Aber Dagen, erneut gut sächsisch, zog „ihr Ding“ einfach durch, ließ sich von internen wie externen Unkenrufen nicht beirren und bleibt selbst jetzt entspannt, wo Antifa-Gruppen aus Halle/Saale und dem nahegelegenen Leipzig ankündigen, die Buchmesse platzen zu lassen.</p>



<p>Klar ist für mich: Diese Messe, dieses Vorhaben, dieser Leuchtturm des freien Wortes und der Verständigung über politische Milieus hinweg – diese Sache muß unterstützt werden! Deswegen sei an dieser Stelle, in dieser 78. Kolumne „Kaisers Zone“, ausnahmsweise Werbung gestattet: Fahren bzw. fliegen Sie nach Halle/Saale, mit dem Auto, mit dem Zug (ICE-Direktverbindung ab Wien!), mit dem Flugzeug (nach Leipzig/Halle ab Wien mit Umstieg in Frankfurt!), mit dem Bus.</p>



<p>Es wird ein reiches Programm geboten, das hier eingesehen werden kann: <a href="https://www.messe-seitenwechsel.de/">https://www.messe-seitenwechsel.de/</a></p>



<p>Nicht nur aus Sicht der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) und der Zeitschrift <em>Der Eckart </em>sind folgende zwei Programmpunkte hervorzuheben:</p>



<p>1. Erik Lehnert, ein Preuße durch und durch, wird erst seine <em>Eckartschrift</em> über Brandenburg präsentieren, dann unter Moderation von ECKART-Schriftleiter Konrad Markward Weiß mit dem glühenden Österreicher und Katholiken Ronald F. Schwarzer über „Brandenburg, Preußen, Österreich und die besseren Deutschen“ diskutieren. Die bereits jetzt zum Erfolg gewordene Lehnertsche <em>Eckartschrift</em> gibt das Thema vor, das – Wiener erinnern sich – an einem einmaligen „preußischen Abend“ im ÖLM-Haus in der Fuhrmannsgasse gut gelaunt und kenntnisreich debattiert wurde. Samstag, den 8. November, um 16.15 Uhr, im Raum 2 der Messe! Weiterdebattiert werden kann dann beim einen oder anderen österreichischen Schnaps am Stand der ÖLM bzw. von ECKART und Eckartschriften (Halle 1 F-9).</p>



<p>2. Ich selbst darf mit Schriftleiter Weiß am Sonntag, dem 9. November ab 15.15 Uhr den Raum 1 mit Leben füllen, wiederum mit Ausklang am Stand. Wir sprechen über diese Kolumne, vor allem aber: weshalb sie nötig wurde, was den heutigen deutschen Osten ausmache. Anders gesagt: Wir debattieren über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstand. Daß wir dies ausgerechnet in Halle/Saale tun, also in Sachsen-Anhalt, wo 2026 die AfD den ersten Ministerpräsidenten der Geschichte stellen könnte, da sie bereits jetzt in den Umfragen bei rund 40 (!) Prozent steht, verleiht dem Thema zudem die notwendige tagespolitische Brisanz.</p>



<p>Also: Auf geht’s, nach Halle/Saale – wir sehen uns!</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Dortmund-Nordstadt ist überall</title>
		<link>https://dereckart.at/dortmund-nordstadt-ist-ueberall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 11:56:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Das journalistische Schema aus der heutigen Bundesrepublik, wenn es um innerdeutsche Gesellschaftsanalysen geht, ist bekannt: Reporter aus Westdeutschland, ob im staatsnahen Rundfunk oder in privaten Medienkonzernen tätig, fahren gen Osten und suchen mitteldeutsche Dörfer und ostdeutsche Städte auf – immer auf der Suche nach dem, was der gemeine Westler gewohnt ist, als [&#8230;]]]></description>
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<p></p>



<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Das journalistische Schema aus der heutigen Bundesrepublik, wenn es um innerdeutsche Gesellschaftsanalysen geht, ist bekannt: Reporter aus Westdeutschland, ob im staatsnahen Rundfunk oder in privaten Medienkonzernen tätig, fahren gen Osten und suchen mitteldeutsche Dörfer und ostdeutsche Städte auf – immer auf der Suche nach dem, was der gemeine Westler gewohnt ist, als Feldstudie via TV-Reportage, Zeitungsstück oder Radiodokumentation vermittelt zu bekommen: Retro-Skinheads, AfD-Wutbürger, zurückgebliebene Verbitterte, Abrißhäuser und vermeintliche sozialistische Altlasten. Garniert wird das dann mit einer meist aus dem bunt-urbanen Westen in den Osten zurückgekehrten oder übersiedelten Person oder Gruppe, die das „blaue“ (oder gar „blau-braune“) Land nicht aufgeben möchte, sondern gegen alle ostzonalen Widerstände und Widrigkeiten dafür kämpft, daß auch das Gebiet der ehemaligen DDR, fünfunddreißig Jahre nach der staatlichen Einheit zumal, vollumfänglich verwestlicht wird: Klimabewegt, multikulturell, „weltoffen“ soll es endlich zugehen zwischen Ostseestrand und Erzgebirgskamm. Da dieses mediale Schema zwar ungemein nach Klischee klingt, de facto aber seit vielen Jahren die publizistische Realität abbildet, scheint der „Markt“ für derlei Ostvoyeurismus durch westdeutsche Zuschauer allmählich kleiner zu werden. Zeit für etwas Neues.</p>



<p>Das Neue: Der Spieß wird umgedreht. Das dachte sich jedenfalls der ÖRR-nahe Journalist und Grimme-Preisträger Matthias Schmidt, der bereits durch zwei bundesweit beachtete Ost-Reportagen bekannt wurde – zuletzt präsentierte er im Sommer 2024 seine Doku „Wut. Eine Reise durch den zornigen Osten“. Trotz gewisser Nuancen blieb auch diese Sendung vom denkerischen Ansatz her klischeelastig. Nun soll also gegen den Trend geforscht und berichtet werden: Schmidt macht sich auf ins tiefste Westdeutschland; die Reportage, die den Erzählfaden der Vorgänger weiterspinnt, nur eben umgekehrt, nennt sich „Wut. Jetzt fahren wir in den Westen“ und kann seit dem 1. Oktober kostenfrei via <em>YouTube</em> und <a href="about:blank">ARD-Mediathek</a> nachbetrachtet werden.</p>



<p>Schmidt wählt sich dafür den Westen im Westen aus: Nordrhein-Westfalen. Dort, um diesmal ein anderes Klischee zu bemühen, stammen die Prototyp-Wessis her: bieder, bürgerlich, bonzig. Das mag stimmen, insbesondere im Rheinland und im Münsterland, wo die parlamentarische Vertretung des westdeutschen akademischen Bürgertums, die Grünen, Ende September im Zuge der Kommunalwahlen einige Traumergebnisse gegen den exakt gegenläufigen antigrünen Landes- und Bundestrend locker-lässig verfestigen konnten. Das stimmt aber schon weniger in der Herzkammer der deutschen Industrie, dem Ruhrgebiet. Wo einst Kohle und Stahl gefördert wurde und der Malocherkult gelebt und geliebt wurde wie sonst wohl nur in Oberschlesien, trifft der Journalist Schmidt auf Menschen aller Klassen – er möchte ein Panorama westdeutscher Transformationen bieten, das die Zuschauer kaum bis gar nicht auf dem Schirm haben.&nbsp;</p>



<p>Nicht auf dem Schirm haben viele Deutsche – ich meine allerdings: West- und Ostdeutsche gleichermaßen –, daß dort, wo einst die Zechen vierundzwanzig Stunden am Tag offengehalten wurden, heute alles geschlossen ist, was diesen Industriearbeitercharme einst groß machte. Der Bruch kam nicht wie im Osten über Nacht, und er kam nicht wie im Osten als <em>totaler</em> Bruch, sondern als langanhaltende Transformation einer ehemaligen Wirtschaftsbastion hin zu einer postindustriellen Brache mit mehr als fünf Millionen Bewohnern (NRW gesamt: 18 Mio.) – aber er kam. Die ostdeutsche Besonderheit gegenüber der westdeutschen Lage erfaßt der in Görlitz wirkende Sozialwissenschaftler Raj Kollmorgen perfekt, als er in der Sendung formuliert: „Die Besonderheit des Ostens liegt nicht darin, daß sich viel verändert hat, sondern daß sich viel in sehr kurzer Zeit verändert hat.“</p>



<p>Im Westen, im Ruhrgebiet zumal, dauerte dieser Wandel viele Jahre lang, und er dauert an. Das wird deutlich bei Gesprächen mit einer Kioskbesitzerin in Wattenscheid und mit einem Türken in Duisburg. Der Linkstendenz des Öffentlich-Rechtlichen entsprechend bleibt jedoch die in NRW überaus massive und konfliktbeladene Migrationsthematik stark unterrepräsentiert. Zwar werden Islamismus, Gewalt und Verwahrlosung angeschnitten – aber die wachsende Wut, die im Titel der Dokumentation genannt wird, und die nicht nur einheimische Deutsche, sondern auch langjährig integrierte Migranten aus Polen oder auch der Türkei ob der hunderttausenden Neuankömmlinge aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und insbesondere aus Sinti- und Roma-Clans längst erfaßt, kann nicht verstanden werden ohne die massive Überfremdungspolitik der letzten Jahrzehnte. Sie hat selbst dem traditionell migrationsfreundlichen Ruhrgebiet – neben der Deindustrialisierung als sozialer und wirtschaftlicher Frage – eine so ungewollte wie umfassende identitäre Neusortierung beschert.&nbsp;</p>



<p>Es ist dies eine Neusortierung, die selbst für westdeutsche Verhältnisse krasse Probleme der Verelendung ganzer Stadtgebiete hervorruft – und die im Osten dafür sorgt, sich entsprechende Verhältnisse der Marke Dortmund-Nordstadt, Duisburg-Marxloh, Essen-Altendorf und andere mehr denn je vom Hals halten zu wollen. Ob das gelingt, bleibt zweifelhaft. Denn die empfehlenswerte TV-Dokumentation Matthias Schmidts zeigt: Veränderungen dauern mitunter lange, aber wenn sie schließlich wirken, wirken sie nachhaltig und tiefgreifend, womöglich auch: irreparabel.</p>



<p>Wer für Ostdeutschland also derartige Zustände vermeiden will, muß sich nicht nur mehr denn je kulturell behaupten und politisch widersetzen. Er muß zuallererst gen Westen blicken – um zu sehen, wie man es nicht macht.&nbsp;</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Bodo und die Hymne</title>
		<link>https://dereckart.at/bodo-und-die-hymne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 07:26:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Bodo Ramelow (Die Linke) ist ein Westdeutscher, dem im heutigen&#160; Ostdeutschland nach 1990 eine große politische Karriere gelang. Der erfolgreiche Berufsgewerkschafter war zuletzt Ministerpräsident Thüringens – als Dunkelroter regierte er einen Freistaat, dessen blaue Werte mittlerweile die 40-Prozent-Marke erreicht haben. Nun, als Ministerpräsident abgewählt, sitzt er seit Frühjahr 2025 für seine Partei [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Bodo Ramelow (Die Linke) ist ein Westdeutscher, dem im heutigen&nbsp; Ostdeutschland nach 1990 eine große politische Karriere gelang. Der erfolgreiche Berufsgewerkschafter war zuletzt Ministerpräsident Thüringens – als Dunkelroter regierte er einen Freistaat, dessen blaue Werte mittlerweile die 40-Prozent-Marke erreicht haben. Nun, als Ministerpräsident abgewählt, sitzt er seit Frühjahr 2025 für seine Partei im Deutschen Bundestag, gewann in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt das Direktmandat gegen einen aufstrebenden AfD-Herausforderer. Er ist über seine Partei hinaus in Teilen der thüringischen Gesellschaft beliebt, trotz seiner frappierenden Arroganz, ungeachtet seines oftmals besserwisserischen und unduldsam wirkenden Ductus.</p>



<p>Nun hat Bodo Ramelow gegen Ende des Sommerlochs, das diesjährig in der BRD so recht gar keines war, für mediales Aufsehen gesorgt – in West, aber vor allem in Ost. In einem Zeitungsinterview, dessen zentrale Botschaften bald überall zirkulierten, behauptete er, daß viele heutige Ostdeutsche mit nationaler Symbolik fremdeln würden. Dazu gehöre nicht nur die Fahne der BRD, Schwarz-Rot-Gold, wie sie es in der DDR auch gewesen ist, sondern auch die Nationalhymne August Heinrich von Fallerslebens. Er plädiere daher für einen Neubeginn – mit einer anderen Hymne, die nicht den Geist des Gestern atme. Das würde, so meinte er wohl, Ostdeutsche wieder dem Gemeinwesen näherbringen.</p>



<p>René Nehring, Chefredakteur der <em>Preußischen Allgemeinen Zeitung</em>, traf einen Punkt, als er in einem kürzlich publizierten Leitartikel für sein Blatt Verwunderung darüber artikulierte, wie massiv sich Ramelow mit einem solch abwegigen Vorschlag Gehör schaffen konnte: „Dass sich praktisch alle großen Medien zu Wort melden, zeigt einmal mehr, wie wenig die zeitgenössischen Deutschen – vor allem die kulturellen Eliten unter ihnen – ihr Verhältnis zur Geschichte der eigenen Nation und zu dem Staat, in dem sie ‚gut und gerne leben‘ (Angela Merkel), geklärt haben. Ansonsten würde ein Politiker wie Ramelow für seine jüngsten Äußerungen allenfalls ein müdes Lächeln ernten.“</p>



<p>Doch zugleich verpaßt Nehring einen anderen Punkt: Wie andere pragmatische Liberalkonservative scheint auch er zu glauben, daß eine Gesundung der deutschen Lage <em>voluntaristisch</em>, mit viel gutem Willen lösbar wäre, würden alle sich nur individuell anstrengen, sich mit dem heutigen Deutschland zu identifizieren, im Osten wie im Westen. Insofern müsse man Ramelow dankbar sein, daß er dieses Thema angesprochen habe: „Jetzt fehlt nur noch, dass er und seine Genossen endlich akzeptieren, dass die breite Masse der Deutschen – wie auch die große Mehrheit der Zuwanderer – mit unserem Land, der Nationalhymne und der schwarz-rot-goldenen Flagge absolut im Reinen ist.“&nbsp;</p>



<p>Es ist nicht so, wie Ramelow meint, aber <em>so</em> ist es nun auch wieder nicht.&nbsp;</p>



<p>Denn Ramelow hat recht: Tatsächlich fremdeln viele im Osten der BRD mit derselbigen. Aber das tun sie nicht, wie er suggeriert, aus Mangel an Liebe zu Deutschland, sondern just <em>aufgrund</em> dieses Gefühls, das sich zwischen Vogtland und Ostseeküste besser konserviert hat. Wir benötigen also keine „Entdeutschung“ der Hymne, sondern eine grundsätzliche meta- und realpolitische Kehre in der deutschen Politik, die eine Identifikation und Vergemeinschaftung im Rahmen des <em>ganzen</em> Deutschlands, nicht nur des Ostens als Residuum des patriotischen Aufbegehrens, überhaupt erst wieder erstrebenswert erscheinen lassen.&nbsp;</p>



<p>Ein anderer westdeutscher Journalist, die ehemalige links-grüne Gallionsfigur Thomas Schmid, heute liberaler Transatlantiker wie viele seiner ehemaligen Genossen, ist ebenso wenig wie Ramelow deutscher Patriot. Der für die Axel-Springer-Tageszeitung <em>Die Welt</em> tätige Autor schreibt sogar: „Es geht auch ohne Hymne“. Er geht also noch weiter als Ramelow, der „nur“ eine andere ins Spiel bringt. Aber im Gegenzug zum gescheiterten Ministerpräsidenten „liest“ Schmid den durchaus speziellen „Nationalcharakter“ der Ostdeutschen besser. Schmid am 7. September (ausführlich, weil aufschlußreich):</p>



<p>„Die DDR war das deutschere Deutschland. Die Gesellschaft blieb traditioneller und der Wunsch nach Wiedervereinigung, also der nationale Wunsch war groß. Im Westen hörte man der Hymne eher kühlen Herzens zu – im Osten wurde sehr vielen warm ums Herz, wenn sie erklang. Sollte Ramelows Urteil stimmen, dass man im Osten heute mit dem ‚Lied der Deutschen‘ nur noch wenig anfangen könne, dann liegt das vermutlich nicht daran, dass das Lied von einer älteren Sprachtradition geprägt ist. Es liegt wohl eher daran, dass im Osten seit 1989 nach einer kurzen Phase fast altdeutscher Nationaleuphorie der deutsche Staat insgesamt für viele in Misskredit geraten ist: als eine letztlich fremde Westgründung, die dem Osten übergestülpt wurde. So wird heute im Osten vieles verworfen, was zum Kernbestand der Republik gehört. Womöglich auch die Nationalhymne. Fast könnte man sagen: Der untergründige DDR-Nationalismus, der erst nach dem Ende der DDR richtig erblüht ist, bewirkt die Distanz zum nationalen ‚Lied der Deutschen‘.“</p>



<p>Diese Analyse trifft deutlich eher zu als eine vermeintlich links-antinationale Haltung vieler Ostdeutschen, auf die Ramelow abzielt. Denn tatsächlich mußten viele Ostdeutsche nach dem ersten Taumel inmitten des neuen Konsumparadieses BRD, das neu aufklaffende soziale Fragen durch Produktreichtum und Genußmöglichkeiten verdeckte, im Bereich der nationalen Sphäre realisieren, daß die „deutsche Frage im Bewußtsein der Deutschen in der DDR stärker wachgehalten“ wurde, „als es in unserer Wohlstands-Demokratie der Fall ist“. Was Horst Ehmke, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramtes, hier ein Jahrzehnt vor der Einheit notierte, galt nach der „Wende“ um so mehr. Östlich der gefallenen Grenzanlagen hatten sich manch traditionelle Auffassungen und Standpunkte besser bewahrt als im Westen: „Die Ostdeutschen stellten sich 1990 als ‚deutscher‘ heraus als die Westdeutschen“, wie der ostdeutsch sozialisierte, aber heute radikal prowestlich verortete Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk – Leser von „Kaisers Zone“ kennen ihn längst – ergänzt. Eben diese Diagnose für die Post-Wende-Zeit wird in der öffentlichen Wahrnehmung aber erst heute Stück für Stück augenfälliger.</p>



<p>Sie hat viel mit dem zu tun, was man zu Zeiten der deutschen Teilung „Reeducation“ und „Self Reeducation“ der Westdeutschen nannte. Man könnte dieses US-verantwortete Projekt nach 1949 als eine Umerziehung weg von Preußentum und deutschem Sozialkonservatismus hin zu liberalkapitalistischer Individualisierung und dem <em>American Way of Life</em> bezeichnen, die dem Marsch durch die Institutionen des Linksliberalismus’ im Gefolge der „1968er“ dann erheblichen Vorschub leistete. Westbindung hieß immer auch Einbindung Deutschlands in den kollektiven Westen und Entnationalisierung.</p>



<p>Neben diesen geistigen Prozessen in den entsprechenden Hegemonialbastionen – Schulen, Universitäten, Medien etc. – wurde auch auf praktischeren Ebenen eine radikale Verwestlichung praktiziert, die sich sogar bis in den alltäglichen Sport hinein erstreckte, was selbst diesen Freizeitbereich im Westen sich anders entwickeln ließ als im Osten, wo es den dortigen Deutschen – in den Worten Thomas Schmids – regelrecht „warm ums Herz“ wurde, wenn sie beispielsweise bei Fußball-Länderspielen die Hymne vernahmen.</p>



<p>Ilko-Sascha Kowalczuk hat in seinem kürzlich erschienenen Gesprächsband <em>Die neue Mauer</em> (München 2025) – mit dem ebenfalls bereits erwähnten Bodo Ramelow – darauf verwiesen, daß es tatsächlich eine konservierende Funktion der DDR-Verhältnisse bezüglich deutsch-preußischer Tugenden gegeben habe. Es war dies ein Umstand, der in der BRD überwiegend verstört registriert wurde, wie Kowalczuk am Sportbeispiel weiter ausführt:</p>



<p>„Bundesdeutsche Trainer staunten 1990/91, als sie ostdeutsche Sportvereine übernahmen: Was herrschte dort für ein Drill und eine Uniformierung – jeder Sportunterricht in der DDR war davon geprägt. Vor diesem Hintergrund ist das, was die Amerikaner mit ihrer Reeducation vollbracht haben, eine Riesenleistung. Und später fand mit den „68ern“ noch einmal eine wichtige Selbstreinigung der Gesellschaft statt.“</p>



<p>Daran wird einerseits deutlich, daß auch Kowalczuk die Reeducation in Westdeutschland als <em>conditio sine qua non</em> für die diesen Urgrund benötigende linksliberale 68er-Revolte eingruppiert, und andererseits zeigt schon dieses kleine Beispiel, daß das Problem im Westen zu verorten ist, nicht im Osten. Denn im Osten des Landes hat man jene nationalkulturellen Kontinuitätslinien fortgeschrieben, die der Westen bereitwillig verworfen hatte. Brauchen wir also etwa keine neue Hymne, sondern nach der jahrzehntelangen Verwestlichung nun eine mentalitäts- und damit metapolitische „Verostung“ Westdeutschlands?</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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