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	<title>Kaisers Zone &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Kaisers Zone &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Der Osten ist Avantgarde!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 12:10:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaisers Zone</h2>



<p>Philip Manow wurde in Hamburg geboren, lehrte in Konstanz am Bodensee, in der Neckarstadt Heidelberg und seit 2024 in Siegen im Sauerland: Er ist damit unverdächtig, Mittel- oder Ostdeutscher zu sein. Und doch ist der Politikwissenschaftler und Analyst zweifellos Experte für die ostdeutsche Sondersituation – und darüber hinaus. Als Solitär in seiner mittlerweile zu homogenen Zunft eckt er regelmäßig an, und das geht schnell: Er ist nicht linksliberal, argumentiert nicht moralisierend, folgt den Trends der identitätspolitischen Neujustierung nicht. In der 121. <em>Sezession</em> (August 2024) rezensierte ich Manows damalige neue Schrift <em>Unter Beobachtung</em> (Berlin 2024) und lobte, „daß er Fragen beantwortet, die seine Kollegen nicht mal stellen“. Das trifft es wohl auch zwei Jahre später gut.</p>



<p>In seinem neuen Großessay <em>Spaltungslinien</em> nimmt er sich nun <em>Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats </em>(München 2026) vor. Der Text ist in Gänze wichtig für das Verständnis der politisch-ökonomisch-kulturellen Konstellation, in der wir leben. Für die Zwecke dieser Kolumne, die sich explizit auf die Situation in der einstigen „Zone“, dem ehemaligen Mitteldeutschland und heutigen Ostdeutschland, zu fokussieren hat, blicken wir indes auf jene Aspekte, die ausdrücklich in unseren Beritt gehören. Und da fiel mir bei der Lektüre Manows jener Schlußsatz meiner Kolumne – eine pro Monat erscheint gedruckt, eine online – im Mai-Heft des <em>ECKARTs</em> mit dem Themenschwerpunkt „Parteiisch“ ein, der wie folgt lautet: „Der Ostdeutsche im Jahr 2026 bevorzugt, parteifrei zu bleiben, selbst dann, wenn er stark parteiisch ist.“ Philip Manow nun erläutert die aktuelle Debatte um die Neusortierung von Wählerschaften und Parteien, die man „De-Alignment“ – Abwendung von einer Partei bzw. Parteien – und „Re-Alignment“ – langfristige Verschiebung und Neusortierung – nennt. Wenn heutzutage im politischen Kontext etwas „ostdeutsch“ ist, dann dies: die Skepsis gegenüber Parteiengagement, die Bereitschaft, neu zu denken und neu zu wählen. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) urteilt treffend: „Die fehlende Parteibindung [im Osten; B.K.] spiegelt sich sowohl in vergleichsweise niedrigen Parteimitgliederzahlen als auch einer hohen Anzahl an Wechselwählern […] wider.“</p>



<p>Folgt daraus mangelndes Interesse „der“ Ostdeutschen an ihrem Gemeinwesen und an „der“ Politik? Mitnichten. „Typisch“ ostdeutsch ist vielmehr die „neuartige Verbindung aus ideologischen Positionen“ (Manow), die – ob im AfD- oder, schwächer, im BSW-Kontext – immer häufiger darin zu bestehen scheint, daß man dazu übergeht, die „gesellschaftspolitisch prononciert rechten mit wirtschafts- und sozialpolitisch eher linken Positionen“ zu vermählen. Doch Ostdeutschland ist hier kein freischwebender Planet: Vielmehr, erklärt Manow, sei das vielerorts in Europa zu beobachten, insbesondere bei „rechtspopulistischen“ Formationen. Diese starten oftmals als liberale oder gar neoliberale Projekte und werden, aufgrund ihrer zunehmenden Verankerung im breiten Volk und einer entsprechenden realistischen Selbstschau, zunehmend „linker“ im ökonomischen Bereich, d.h. sozialer und solidarischer, weniger liberal und marktradikal. Als Beispiele nennt Manow u.a. den Rassemblement National in Frankreich, die PiS in Polen, Fidesz in Ungarn oder auch die PVV in den Niederlanden, die einst neoliberal und islamkritisch begann und mittlerweile sozialen Wohnungsbau und öffentliche Gesundheitsversorgung protegiert, ohne dabei den islamkritischen Markenkern zu negieren.</p>



<p>Die Verschmelzung gesellschaftspolitisch rechter mit wirtschafts- und sozialpolitisch linken Themen sorge, so leitet Manow historisch-politisch her, eher im Westen für Aufsehen. Im Osten, und dazu zählt auch die ehemalige DDR, sei das eben gerade nicht neu: Es gebe seit jeher „markante Unterschiede zwischen Ost und West in der grundsätzlichen Ausrichtung des politischen Raums“. Betrachtet man das dergestalt, holt das rechte Lager im „Westen“ aktuell eine Entwicklung nach, die im „Osten“ schon vollzogen wurde: Philip Manow nennt diese Links-rechts-Synthese die neue „Erfolgsformel“ der Parteienpolitik, wobei man ihn hier daran erinnern darf, daß dies einige Jahre vor ihm bereits der Politikwissenschaftler Timo Lochocki im Polit-Magazin <em>Cicero</em> tat, der – mit denselben Inhalten und in ähnlichen Worten – von der neuen „Gewinnerformel“ der Zukunft sprach, doch in Manows Literaturapparat gar nicht erst auftaucht. Geschenkt – denn Manow besitzt den Vorteil, daß wir die Ergebnisse dieser Erfolgs- bzw. Gewinnerformel 2026 insbesondere in Sachsen-Anhalt, Thüringen und anderswo anhand von Wahlabsichtserklärungen in Form von Wahlumfragen der 40-Prozent-Ost-AfD immer greifbarer vor uns sehen.</p>



<p>Abseits dieser Parteifragen ist ein weiterer Ost-Fakt augenfällig, wenn Manow eine „deutlich erhöhte Volatilität politischer Mobilisierung“ diagnostiziert, die von einem „stärker in den Vordergrund tretenden Bewegungscharakter von Politik“ begleitet wird: Ebendies vollzieht sich beispielsweise in Sachsen, wo nicht nur die AfD wächst und wächst, sondern auch der graswurzelartige vorpolitische Raum – durch „Freie Sachsen“ und zahllose Bürgerinitiativen in den Bereichen Windkraftkritik bis Lebensschutz – belebter denn je erscheint. Wir erleben die Rückkehr einer Politik der Nähe, in der jenseits der „großen Fragen“ die lokale und regionale Verankerung zunehmend Gewicht erhält. Eine Politik der Nähe, organischer Gemeinschaft und Vor-Ort-Verantwortlichkeit, die man in der politischen Wissenschaft seit geraumer Zeit als „Postliberalismus“ beschreibt.</p>



<p>Das, was Philip Manow <em>beschreibend</em> (deskriptiv) und Patrick J. Deneen oder Philip Pilkington <em>bekräftigend</em> (affirmativ) als einen solchen Postliberalismus fassen – d.h. als gemeinwohlorientierte Weltanschauung, in der das solidarische Miteinander, die klassische Familie, Traditionen und, ganz entscheidend, lokale sowie regionale Verbundenheit „von unten“ her gegen die wirtschafts- und linksliberalen Eliten „da oben“ gestärkt werden soll –, ist im Osten also längst konkret greifbar, wo anderswo darüber noch fachlich-abstrakt debattiert wird. „Die Nähe wird als ein Wert empfunden“, weiß der Essayist Simon Strauss, und der neue „Topos“ laute, daß der „Osten damit ein ureigenes Mittel zur Verteidigung der Seele gegen die Zerschlagungstendenzen des westlichen Neoliberalismus“ besitze. Das ist, was Philip Manow meint, wenn er die postliberale Synthese „linker“ (sozialer, solidarischer) und „rechter“ (konservativer, volksverbundener) als künftige „Erfolgsformel“ skizziert.</p>



<p>Pathetisch gesprochen: Der Osten hinkt nicht hinterher, er ist Avantgarde! Als Gegenbewegung zur Entortung und Entgrenzung der globalistischen Epoche sucht er die „Neugeburt des Politischen aus dem Geist der Nachbarschaft, aus der Sehnsucht nach Nähe“ (Strauss), und ebendies läßt die Manowsche Spaltungslinie zwischen den als urban, kosmopolitisch und „abgehoben“ wirkenden „Westlern“ größer werden. &nbsp;Die wesentliche Frage bleibt, ob das einst wieder zu kitten sei. Am ehesten wohl dann, wenn der Westen beim Osten konstruktiv und neugierig in die Lehre ginge. Die kommenden Krisenschübe dürften diese Tendenz zumindest verstärken.</p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rechter Ostfußball?</title>
		<link>https://dereckart.at/rechter-ostfussball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 17:03:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone Ende Mai wurde in der ARD eine typische TV-Reportage im linkslastigen Format „Monitor“ ausgestrahlt. Entlang der Leitthese „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ wurde in westdeutsche, vor allem aber auch in ostdeutsche Stadien und Vortragsräume geblickt. Auch ich wurde mehrfach zitiert: einmal aus dem populären Podcast Von rechts gelesen des [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p><a></a><strong>Kaisers Zone</strong></p>



<p>Ende Mai wurde in der ARD eine typische TV-Reportage im linkslastigen Format „Monitor“ ausgestrahlt. Entlang der Leitthese „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ wurde in westdeutsche, vor allem aber auch in ostdeutsche Stadien und Vortragsräume geblickt. Auch ich wurde mehrfach zitiert: einmal aus dem populären Podcast <em>Von rechts gelesen</em> des Dresdner Jungeuropa Verlages; einmal wurde „Undercover“ während einer öffentlichen Veranstaltung der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf mit dem neuen AfD-Jugendchef Jean-Pascal Hohm und mir gefilmt.</p>



<p>Es ging in der effekthascherischen Linksdoku – neben einzelnen unschönen Entgleisungen rechtsorientierter Fußballfans – ganz grundsätzlich um die vermeintliche rechte „Unterwanderung“ von Fankurven im bundesdeutschen Fußball durch patriotische Kreise. Summa summarum ist die Doku (frei auf <em>YouTube</em> und anderswo verfügbar) für mich ein Lehrstück propagandistisch motivierter Realitätsverdrehung. Nicht, weil die Macher der Sendung es nicht besser wüßten, sondern weil sie die alte „Kampf gegen rechts“-Stimmung neu aufdrehen wollen. Ihre bisherigen Anstrengungen diesbezüglich reichen ihnen selbst offenbar nicht mehr aus.</p>



<p>Es ist derweil so: Während ein je nach Stadt und Region verschiedenartiges Geflecht aus Antifas, Sozialarbeitern, Journalisten und Fußballfunktionären von der Bundesliga bis in den Amateurbereich hinunter über viele Jahre hinweg einigermaßen deutschlandweit eine feingliedrige linksorientierte Hegemonie errichtete – von Bremen bis München, von Potsdam bis Bochum –, werden einzelne Rechte im Fußball, die sich ungern verdrängen lassen, sondern sich zu behaupten wagen, als Bedrohung nach einem dunklem Masterplan inszeniert. Die Art der massiv überzeichneten, unverhohlen diffamierenden, wenn nicht sogar teils hysterischen Berichterstattung über solche einzelnen Fälle, beispielsweise in der brandenburgischen Fußballhochburg Cottbus, spricht für die Angst vor einem nahenden Hegemonieverlust der linken Lebenswelten im Sport. Man hat sich nach den erfolgreichen Kämpfen längst eingerichtet, mitunter lukrative, jedenfalls meinungsprägende und einflußnehmende Posten besetzt und Andersdenkende – das sind meistens einfach Nicht-Linke – ausgegrenzt oder gar vollkommen aus den Kurven verdrängt.</p>



<p>Daß diese Situation der linken Hegemoniesicherung in einzelnen Gegenden der BRD aufgebrochen wird, ist ein Ausdruck sich derzeit wandelnder gesamtgesellschaftlicher Realitäten: Links ist nicht vorbei, aber eben nicht mehr selbstverständlich! Und bereits das läßt die vielfältige linke Szene im Zeichen ihrer ätzenden Platzhirschattitüde wütend werden, begleitet von ihren journalistischen Assistenten und Hofberichterstattern. Dabei ist mindestens in bezug auf unsere politischen Zusammenhänge schon der Terminus „Unterwanderung“ absurd. Denn eine solche – und das diskutiere ich in meinem neuen Buch <em>Der Hegemonie entgegen</em> (2. Aufl., Dresden 2026) genauso wie die linke Sportstrategie ausführlich, was den „Monitor“-Journalisten entging – funktioniert nie. Entweder korrigiert und beeinflußt man etwas „organisch“ – d.h. durch Leute, die den Sport und das Fandasein in dieser Sphäre leben, und zwar authentisch, glaubwürdig und unverstellt –, oder man läßt es sein. Von außen als politischer Akteur zu „Szenen“ und „Subkulturen“ zu predigen, ist nicht nur peinlich, sondern, wie vor allem die realexistierende Situation in der BRD unter Beweis stellt, auch chancenlos.</p>



<p>Die erfolgreiche Prägung ganzer Sportwelten in der BRD durch linke Strukturen aller Art kam so erfolgreich, wie sie ist, eben von innen, nicht von außen, und just dies garantiert die Nachhaltigkeit ihres Tuns. Unterstützt werden linke Kräfte dabei vielerorts durch sogenannte Fanprojekte in Trägerschaften durch bestimmte linksoffene Sozialverbände. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hat passenderweise Anfang Mai 2026 einen Antrag eingereicht, in dem sie mehr Förderungen, mehr Geld, mehr Arbeitsplätze, mehr Befugnisse usf. für die Fanprojekte verlangt. Die Autoren des Antrags, kundig im Jargon und in den Lebenswelten des Sports, vermengen hierbei kluge und berechtigte Anliegen zum Schutz der bedrohten Fankultur mit explizit ideologiemotivierten Bestrebungen zugunsten ihnen zugeneigter „sozialarbeiterischer Fanprojekte“, wie es im Antragstext heißt.</p>



<p>Wer sich mit diesem „rechts der Mitte“ seit Jahrzehnten (!) unterschätzten Thema beschäftigen möchte, sollte sich die eingangs vorgestellte „Monitor“-Reportage sparen – und beim alternativen Sender AUF1 den kurzen „Input“ mit dem in Österreich lebenden mitteldeutschen Fußballexperten Steve Henschke ansehen (<a href="https://auf1.tv/nachrichten-auf1/nachrichten-auf1-vom-19-mai-2026">https://auf1.tv/nachrichten-auf1/nachrichten-auf1-vom-19-mai-2026</a>). Denn es ist wichtig und richtig, die linken Domänen auch im Fußball aufzubrechen – wenn etablierte Journalisten schäumen, scheinen sich mindestens erste Risse in deren linksliberalem Hegemonieapparat abzuzeichnen. Der Sommer wird heiß!</p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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<p></p>
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		<item>
		<title>Kommunaler Rechtsruck?</title>
		<link>https://dereckart.at/kommunaler-rechtsruck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist. Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist.</p>



<p>Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen für die AfD abgegeben werden, sind es bei Landtagswahlen noch 30 bis 40, bei den unterschiedlichen Kommunalwahlen teils gar unter 30 Prozent. Dort, wo viele Bürger ihre Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte sowie ihre Bürger- und Oberbürgermeister wählen, tun sich widerständige Kandidaten auch 2026 noch schwer, was an einer volatilen Mischung aus fehlendem qualifiziertem Personal, etablierten Vor-Ort-Konkurrenten und schließlich in allfälligen Stichwahlen einem Alle-gegen-einen-Bündnis liegt, in dem dann freie Wählervereinigungen und Altparteien die Kräfte bündeln, um den AfD-Kandidaten zu verhindern. Konstellationen von 55 Prozent (Einheitsblock) versus 45 Prozent (AfD) sind keine Seltenheit im Osten, sondern bis dato ein erfolgreiches Schema.</p>



<p>Doch es kommen Dinge in Bewegung. Die Abstände werden geringer und mancherorts durch die fortgesetzte und unbewältigte Krisenkonvergenz in der BRD aufgehoben. Das sorgt für mediale Empörung und altparteiliches Entsetzen. Und das war der Fall am 10. Mai in Zehdenick, einer Kleinstadt in Brandenburg einige Kilometer nördlich von Berlin. René Stadtkewitz, einst CDU-Rebell und dann Parteichef der AfD-Vorgänger-Kleinstpartei „Die Freiheit“, gewann dort die Bürgermeisterwahl mit 58,4 Prozent bereits im ersten Wahlgang. Eine absolute Mehrheit, die ins Auge sticht, weil vielerorts von derartigen Ergebnissen weiterhin nur geträumt werden kann – andere Orte in Brandenburg wählten ihre altbekannten Vertreter ins Amt oder gehen, bisweilen mit einem drastischen Vorsprung vor den AfD-Herausforderern, in die Stichwahl.</p>



<p>Eine Stichwahl steht auch in einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte des Landes an: In Görlitz, der 55.000-Einwohnerstadt in jenem letzten nach 1945 deutsch gebliebenen Winkel Niederschlesiens, gewann der Amtsinhaber, ein CDU-Mann, die erste Runde vor seinem Herausforderer der AfD, wobei das eingangs skizzierte 55-45-Prozent-Szenario wieder einmal das naheliegende sein dürfte. Weil das, was passierte und passieren wird, zum gängigen Prozedere der letzten Jahre zählt, ist der mediale Fokus kaum auf die deutsch-polnische Grenzstadt gerichtet, sondern gut 200 Kilometer weiter westlich auf die größte Stadt des Erzgebirgskreises. Aue-Bad Schlema, deutschlandweit bekannt für Wismut-Bergbau und Sportbegeisterung, zählt weniger als die Hälfte der Einwohner von Görlitz, wird aber gerade durch die bundesweite Presse von der <em>FAZ</em> bis zum <em>Spiegel</em> gereicht.</p>



<p>Der Hintergrund ist, daß auch dort die Oberbürgermeisterwahl vom 10. Mai im ersten Wahlgang keinen direkten Sieger (mit 50-Prozent-plus) hervorbrachte, sondern einen zweiten Wahlgang Anfang Juni erforderlich macht. Dort lautet das Szenario nun nicht CDU versus AfD wie in Görlitz und wie so häufig, sondern Freie Sachsen (FS) versus CDU/Freie Wähler (FW). Stefan Hartung, regionaler Kopf der 2021 in Schwarzenberg im Erzgebirge gegründeten FS (siehe dazu den September-<em>ECKART </em>2022), gewann mit 29 Prozent den ersten Wahlgang. Das heterogene, graswurzelartig verankerte und erstaunlich resiliente FS-Milieu um den 37jährigen IT-Unternehmer&nbsp; speist sich insbesondere aus der in Sachsen weiterhin lebendigen Coronaprotestbewegung, Rechts-Regionalisten, Resten der früheren NPD (jetzt: DIE HEIMAT), neupolitisierten Bürgern und verschiedenen langjährigen Kadern nationaler Gruppen.</p>



<p>Bei der Landtagswahl 2024 erzielte diese teils schrill-populistische, teils ideologisch widersprüchliche, stets medienwirksame und verfassungsschutzbeobachtete Rechtspartei mit dynamischer PR-Arbeit trotz des großen Fokus auf die CDU-AfD-Polarisierung sachsenweit einen Achtungserfolg von 2,2 Prozent. In Aue-Bad Schlema, wo man als „Bürgerbewegung“ zwei Gaststätten mit dichtem Veranstaltungskalender etablieren konnte, hat man bereits bei vergangenen Wahlen für Furore gesorgt. So gelang es 2024, mit zwölf Prozent in den Stadtrat der Großen Kreisstadt einzuziehen (AfD: 21,8 Prozent), wobei Frontmann Stefan Hartung mit 2.700 die meisten Stimmen aller Kandidaten auf sich vereinte. Und ein Jahr später geriet Aue-Bad Schlema schon einmal in den bundesweiten Fokus, weil im April 2025 der Stadtrat einen „Asylnotstand“ angesichts außereuropäischer Konfliktgruppen im Stadtzentrum ausriefen ließ. Die geschichtsträchtige Stadt zwischen Zwickau, dem Fichtelberg (dem höchste Berg der ehemaligen „Zone“) und Chemnitz wurde medial auch deshalb massiv „angezählt“, weil kein einziger Stadtrat gegen die Initiative Hartungs votierte – selbst der Mandatar der Linkspartei nicht.</p>



<p>Der Anlauf der Freien Sachsen zur OB-Wahl im Mai 2026 dauerte demnach einige Jahre lang, und der Triumph war hausgemacht: Die Kandidaten von CDU, Freien Wählern und AfD erreichten dagegen jeweils nur 18 bis 23, der Vertreter der Linkspartei sogar nur knapp 6 %. Da es keine Stichwahl im klassischen Sinne – Platz 1 kandidiert gegen 2 – gibt, war nach dem Wahlabend offen, wer am 7. Juni gegeneinander antreten würde. CDU und Freie Wähler dürften sich zum zweiten Wahlgang, bei dem bereits eine relative (!) Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen für den Sieg ausreicht, auf einen Kandidaten einigen; der Linkspartei-Kommunalpolitiker hat zurückgezogen. Es hing also von der AfD ab, die unter die 20-Prozent-Marke fiel (18,5), ob ein „rechter“ Block gegen einen Block der (linken) „Mitte“ antreten würde. In der sächsischen AfD wurden Stimmen laut, „keine Experimente“ zu wagen, sprich: CDU oder FW zu unterstützen. Andere Blaue forderten, nicht mehr anzutreten. Diese, darunter der OB-Kandidat Lars Bochmann, setzten sich schließlich am Abend des 12. Mais durch: Damit ist nun für den zweiten Wahlgang alles offen. Ausgerechnet den Freien Sachsen kann Anfang Juni das gelingen, was der AfD noch nirgendwo in der BRD mit einem eigenen Parteimitglied gelang: einen Oberbürgermeister – und nicht nur Bürgermeister – zu stellen.</p>



<p>Abseits regionaler Spezifika – traditionell starkes nationales Lager, Hartung als verankerter Lokalpolitiker usw. – sind es zwei Aspekte, die diese aktuelle Besonderheit für die Allgemeinheit brisant machen:</p>



<p>Erstens zeigt Aue-Bad Schlema auf, daß die AfD in den zugespitzten und emotionalisierten Krisenzeiten selbst in einem ihrer Stammländer nicht länger den als selbstverständlich erachteten Alleinvertretungsanspruch auf oppositionell-widerständige Stimmen geltend machen kann. Wird die AfD mancherorts als zu wenig präsent im Alltag oder gar als eine Art CDU 2.0 wahrgenommen – ob berechtigt oder nicht –, wandern Rechtswähler fortan weiter zu einem anderen, präsenteren oder aktiveren Alternativangebot. Das Erzgebirge scheint hier ein avantgardistisches Erstbeispiel des mancherorts Kommenden darzustellen. Die sächsische Landtagswahl 2024 war eine sehr kleine Warnung für die Blauen, die Auer Oberbürgermeisterwahl 2026 eine immer noch kleine. Daß indes auf sehr kleine und kleine Warnungen große oder sehr große Warnungen folgen könnten, ist angesichts der Aufbruchs- und Wendestimmung in markanten Teilen der mitteldeutschen Bevölkerung künftig nicht mehr auszuschließen. Derlei zu ignorieren, kann sich die AfD im Freistaat, auch im Hinblick auf das Ziel, 2029 den Ministerpräsidenten in Dresden zu stellen, nicht leisten. Die FS als „rechtsextremistisch“ zu verwerfen, wie es Teile der AfD-Mandatsträger praktizieren, baut Frust ab, aber wird nicht ausreichen: Diffamierungen helfen mitunter der diffamierten Kraft, was in den letzten Jahren die AfD selbst unter Beweis gestellt hat.</p>



<p>Zweitens zeigt das Beispiel Aue-Bad Schlema, daß sich in Sachsen und perspektivisch auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern für die AfD eine unbekannte Konstellation – zumindest als Gedankenexperiment – anbieten könnte. Getreu dem Motto „Koalitionspartner? Machen wir uns selbst!“ wäre eine wachsende Stimmung rechts von ihr die Voraussetzung dafür, aus der tradierten CDU-Falle („Wann sind die Schwarzen endlich gesprächsbereit?“) auszubrechen. Würden durch die Krisenlage ähnliche Formationen wie die FS entstehen und in einem relativen Rahmen auf landesweit 5,6 oder 7 % gedeihen, könnte eine „radikale Flanke“ die seit Jahrzehnten nach Mitte-Links driftenden politisch-parlamentarischen Verhältnisse wieder stärker nach „rechts“ ziehen. Als „radikale Flanke“ bezeichnet man Gruppen, die inhaltlich grundsätzlicher und offensiver in den Aktionen wirken und dadurch eine spezielle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Strategen der Linken sehen eine eigene Dialektik am Werk: Denn die Flanke setzt sich ins Verhältnis zu den maßvolleren Gruppen der eigenen Milieus. Entscheidend ist: Überdehnt man bei der „Flanke“ zu stark die Radikalitätsspanne, so verliert man die Bindung ans eigene „Norm“-Lager, das heißt: an die „Mitte“ des eigenen Kosmos. Das hat auch mit dem „Overton-Fenster“ zu tun, das nach dem Forscher Joseph P. Overton benannt wurde. Es stellt den Rahmen des Sag- und Tragbaren dar und erlaubt derzeit noch linken Formationen mehr Freiheiten als rechten.</p>



<p>Loel Zwecker hat dies in seiner Studie <em>Die Macht der Machtlosen</em> (Stuttgart 2024) so auf den Punkt gebracht: „Außerhalb des Fensterrahmens dessen, was im Mainstream sichtbar und akzeptiert ist, liegen zunächst Ideen, die der Mehrheit zu einem Zeitpunkt als ‚undenkbar‘ gelten, die sich aber immerhin langsam ins Sichtfeld der Allgemeinheit schieben. Dabei bewegen sie sich hin zu einer breiteren Akzeptanz: Hält die Mehrheit sie anfangs für verrückt, gelten sie irgendwann nur noch als ‚radikal‘, dann als ‚vernünftig, aber schwer umsetzbar‘, bis sie schließlich ‚allgemein akzeptiert‘ und ‚gar nicht anders denkbar‘ sind. Um diesen Prozess zu beschleunigen (…) müssen mutige Menschen Ideen, die anfangs unpopulär sind, beherzt gegen Widerstände oder die Unterstellung, verrückt zu sein, vertreten.“</p>



<p>Nähme man dieses Schema ernst, wäre die Aufgabe der Zukunft für die AfD – jedenfalls im Osten der BRD – womöglich die: als starkes Zentrum einer in sich vielfältigeren patriotischen Welt zu wirken, rechte Flanken nicht zu bekämpfen, sondern durch situative Kooperationen einzubinden wo möglich und einzuhegen wo nötig. Gewiß scheint das derzeit utopisch. Aber wer aus der langjährigen CDU-Sackgasse hinaustreten will, um vom Bittsteller zum Gestalter zu werden, muß prüfen, wo etwaige neue Konstellationen denkbar wären, die nicht mehr überwiegend in der Hand der Schwarzen, sondern eben auch in der Hand der Blauen lägen. Man würde selbstbewußter, weil man neben der angestrebten CDU-AfD-Allianz weitere Optionen hätte. Irrealer als eine nahende Selbstkorrektur der Christdemokratie ist eine wachsende Stimmung rechts der AfD mit eigener „Flanke“ ja längst nicht mehr: 2026 ist nicht 2016. „Am Ende muss dieses Land“, so formuliert es Simon Strauss in seinem Großessay <em>In der Nähe</em> (Stuttgart 2025), „vielleicht wirklich ein Praktikum in seinen ostdeutschen Kleinstädten machen, um seinen Mannschaftsgeist zu finden.“ Na: Wo denn auch sonst?</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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		<title>Oststolz – jetzt auch von links?</title>
		<link>https://dereckart.at/oststolz-jetzt-auch-von-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 15:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit Oststolz (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit <em>Oststolz</em> (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht hinterhertrauert. Als „Oststolz“ definiert er vielmehr das „Gefühl, das uns erfüllen sollte, wenn wir erkennen, was wir hier seit der Wende geschaffen haben, trotz widrigster Bedingungen und schlechter Startchancen“. Dieser Oststolz erfülle ihn und die Jugend des Ostens (der BRD) – und dieser Oststolz solle überhaupt erst zukunftsfähig machen, weil aus einem erneuerten Selbstvertrauen heraus das Bild des „Jammer-Ossis“ überwunden werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ hat längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht.</h3>



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<p>Soweit die Theorie. In der Praxis ist der Stolz auf das heutige Ostdeutschland insbesondere unter jungen Menschen, die die DDR nie erlebten, längst massenkompatibel und muß nicht erst gestiftet werden. Ob in den Fußballstadien zwischen Dresden und Rostock oder bei Konzerten unterschiedlicher Interpreten: Leser dieser Kolumne wissen, daß das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht hat. Aber ist diese identitäre Standortbestimmung, wie Journalisten der Mainstreampresse nicht müde werden zu betonen, ausschließend, d.h. „exkludierend“, geradezu „rechts“? Oder ist es nicht vielmehr so, daß der Oststolz in den Kurven der Stadien und auf den Musikbühnen als metapolitisches Gefühl, das im Vogtland wie an der Ostseeküste vernehmbar ist, anschlußfähig in unterschiedliche Richtungen bleibt?</p>



<p>Gewiß: Politisch zahlt dieses Gefühl – derzeit – stark in Richtung volksverbundener Kräfte rechts der „Mitte“ ein. Die Generationenforscher Rüdiger Maas und Hartwin Maas behandeln das Thema in ihrer <em>Jugendwahlstudie Ostdeutschland</em> (Wiesbaden 2025). Dort ist zu lesen, daß der „sogenannte ‚Oststolz‘ und die Identifikation mit einer spezifischen ostdeutschen Kultur“, die als „ursprünglich“ und „authentisch“ dargestellt werde, die „politische Sozialisation“ nach rechts begünstige: „Dieser Stolz auf die ostdeutsche Herkunft wird von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD bewußt verstärkt, indem sie sich als Vertreter der ‚echten Ostdeutschen‘ positionieren und gegen den (aus dem Westen kommenden) ‚Mainstream‘ auftreten.“ Diese Erklärung ist stichhaltig – aber sie verkennt in ihrer Pauschalität, daß sowohl realpolitisch (Linkspartei-Zuwächse) als auch metapolitisch viele Ostjugendliche eine andere Richtung einschlagen.</p>



<p>Das hat, wie bei kulturellen Identitätsbildungsprozessen obligatorisch, neben nicht zu unterschätzenden Trotzreaktionen (vereinfacht dargestelltes Motiv: Wenn „die“ Ostjugend „rechts“ erscheint, werde ich „links“) auch mit musikalischen Polarisierungsträgern zu tun. Konkret: Immer mehr erfolgreiche Ostbands zwischen Rockmusik, Rap und Elektro schlagen einen linken Kurs ein, ohne dabei den Oststolz zu untergraben. Im Gegenteil: Erfolgsbands wie Kraftklub, die Hinterlandgang oder Feine Sahne Fischfilet (FSF) kokettieren mehr als nur ein bißchen mit ihrer Ostidentität, aber laden diese antifaschistisch auf und inszenieren sich als linke Inseln in einem rechten Meer. Daraus leiten sie dann ihre Rolle als Vertreter eines widerständigen und selbstbewußten Ostens ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben.</h3>



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<p>„Provinz“ und ostdeutsche Peripherie werden nicht – wie von westdeutschen Platzhirschen – abschätzig begutachtet, sondern durchaus offen als „Heimat“ begriffen, womit sie in ein schwieriges Terrain geraten. Denn Akteure wie Feine Sahne Fischfilet, die seit 2004 hunderttausende Platten verkauften, bewegen sich einerseits im Antifa-Milieu, aber wissen andererseits realistisch, daß „die“ Jugend des Ostens auf ideologielastige „antideutsche“ Agitation abseits radikaler Blasen wie in den Universitätsstädten Jena und Leipzig wenig Wert zu legen scheint. Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben. So versuchen FSF wie andere Bands auch den Ritt auf der Rasierklinge: einerseits antifaschistischer Ideologietransfer in den Liedtexten, andererseits die Selbstverortung als oststolze Widerständler, die „ihre Provinz“ lieben – wodurch man in anderen linken Kreisen schon der „Heimattümelei“ geziehen wird).</p>



<p>Feine Sahne Fischfilet, um beim erfolgreichsten Beispiel einer linken Ostband im Jugendsegment zu bleiben, verbreitet tatsächlich ein positives Heimatgefühl. Den linken „Spin“ bekommen sie dadurch hin, daß sie – etwa im Lied „Zuhause“ – die ostdeutsche Heimat für alle zu öffnen bereit sind. Zwar werden die Vorzüge einer gesunden Heimatumgebung affirmiert (Vertrautheit, Gemeinschaft), sich inständig versichert wird aber: „Doch ich bleib dabei, für eine grenzenlose Welt“. Das geht über die obligatorische Ambivalenz, die das Leben für jeden einzelnen bereithält, weit hinaus. Wer einerseits Vertrauensräume und Gemeinschaftsbildung im ostdeutschen Raum als positiv empfindet und andererseits dieses tendenziell „exklusive“ Gefühl für alle (!) öffnet, wird in der Realität feststellen, daß dies bereits jetzt in der Praxis nicht funktioniert. Auch die ostdeutsche Provinz – von Feine Sahne Fischfilet, Kraftklub, der Hinterlandgang und vielen anderen linken Bands unter Beifall der Presse und maximaler Reichweite durch entsprechend inszenierte Bühnenbereitung bespielt –, wird derzeit multikulturell umgepflügt. Erste Kleinstädte der ostdeutschen Provinz haben bereits über Parteigrenzen hinweg den „Asylnotstand“ ausgerufen. Diesen erleben Ostjugendliche im Alltag am Bahnhof, am Marktplatz oder im Supermarkt live – gefällige Musikempfindungen hin oder her.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf.</h3>



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<p>Das inhaltliche Problem für die klügeren unter den entwicklungsfähigen linken Bands wie Feine Sahne Fischfilet wird dementsprechend mittel- und langfristig darin liegen, daß ihre Form des heimatverbundenen Oststolzes durch ihre Refugees-Welcome- und Offene-Grenzen-Agenda (in einem Lied heißt es: „Reiß ihre Zäune ein, reiß <em>alle</em> Zäune ein“) unterlaufen wird. Heimat ist kein abstrakter Raum, sondern ein dichtes Geflecht aus gemeinsamen Erfahrungen, gemeinsamer Sprache und gemeinsamen Vertrauensverhältnissen. Intuitiv, nicht reflexiv-rational, folgt daraus eine „landsmännische Parteilichkeit“ (David Miller). Zugehörigkeit und Verwurzelung bestehen nun mal insbesondere im Organisch-Konkreten, nicht im Universellen. Heimat lebt von Vertrautheit und Vertrautheit setzt die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Prinzip der Differenz, voraus: Ohne das Fremde gibt es auch kein Eigenes, Identität ist immer „dialogisch“ (Henning Eichberg).</p>



<p>Würde man also, wie es die erfolgreichen linken Musikgruppen derzeit versuchen, die ostdeutsche Heimat universalisieren, verlöre sie ihre Spezifika und würde zur austauschbaren Kulisse. Anders gesagt: Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf. Und wer ausgerechnet aus dem derzeit höchst virulenten Oststolz ein linkes Weltbürgertum ableiten möchte, wird wohl früher oder später beim Versuch scheitern. „Oststolz von links“ bleibt ein Widerspruch in sich – wenngleich ein solcher, der sich einstweilen komfortabel vermarkten und monetarisieren läßt.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<item>
		<title>Das Superwahljahr beginnt</title>
		<link>https://dereckart.at/das-superwahljahr-beginnt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 23:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag. Aber die Leitmedien und politischen Gremien [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag.</p>



<p>Aber die Leitmedien und politischen Gremien des Landes diskutieren ohnehin stärker darüber, daß im Spätsommer in Sachsen-Anhalt das neue Landesparlament gewählt werde. Nur 2,15 Millionen Einwohner ergeben Platz 11 in der Bundeslandtabelle – zur Einordnung: Bayern hat über 13 Millionen, Sachsen vier Millionen Einwohner. Dennoch konzentriert sich die politisch-mediale Energie auf dieses artifizielle Bundesland, das so unterschiedliche Landstriche wie das Weinbaugebiet Saale-Unstrut rund um Naumburg, die „preußische“ Altmark um Stendal und den mythischen Harz um Wernigerode zusammenbringt.</p>



<p>Dieser Fokus ergibt sich aus dem Zusammenhang der Sache: In den Umfragen steht die AfD bei Spitzenwerten von bis zu 40 %; das entspräche einer Verdopplung des Landtagswahlergebnisses von 2021 (20,8 %). Scheitern Grüne und/oder das BSW und/oder die SPD – sie liegen bei 3 bis 7 % – an der Fünfprozenthürde, könnten 42 oder 43 % AfD-Stimmen reichen, um eine Mandatsmehrheit zu erlangen: Die AfD stünde vor der erstmaligen Herausforderung, ein Bundesland zu regieren, und zwar im Alleingang. Gleichwohl bleibt ein Triumph mit 40plus unwahrscheinlich, zumal die Landespartei pünktlich zum Wahljahr von Schlammschlachten geplagt wird; man bekämpft einander juristisch und per Medien-„Leaks“. Der Bundestagsabgeordnete, der alles ins Rollen brachte, wurde nun auch aus der Bundestagsfraktion und wird bald aus der Partei ausgeschlossen – aber nicht alle Probleme sind dadurch gelöst.</p>



<p>Angesichts der manifesten Schwäche der Altparteien ließe sich sagen: Die AfD droht stärker an sich selbst zu scheitern als an ihrer Konkurrenz. Denn die Medienberichte über vermeintliche, aber eben auch in Teilen tatsächliche „Vetternwirtschaft“ sind Legion. Klug wäre es gewesen, von vornherein den prominenten und landesweit beliebten Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu schützen, indem man legitime Anstellungsverhältnisse von illegitimen scheidet und symbol- wie personalpolitisch markante Konsequenzen zieht. Dann hätte man dem eigenen Sympathisantenfeld zeigen können: 85 Prozent sind absurde Anschuldigungen politischer Gegner im politmedialen Komplex, zehn Prozent untersuchen wir selbstkritisch, und die unzweifelhaften fünf Prozent Fehlverhalten ahnden wir schonungslos. Man entschied sich, dies explizit nicht zu tun, sondern alle Vorwürfe pauschal abzulehnen. Der 6. September wird zeigen, ob das belohnt oder bestraft wird.</p>



<p>Bauen kann die AfD in Sachsen-Anhalt einstweilen auf ihre Kernwählerschaft, die stetig zunimmt. Das hat neben akuten Krisengründen und dem volksverbundenen Grundrauschen im heutigen Osten auch mit der mangelnden Altparteibindung seit 1990 zu tun. Wahlforscher Ansgar Hudde: „In Ostdeutschland ist das Wahlverhalten in allen Jahrzehnten [!] stärker vom Bundestrend abgewichen als in Westdeutschland.“ Hinzu kommt, um beim „Land der Frühaufsteher“ zu bleiben, ein Vorteil, der oft ein Nachteil ist: Das Bundesland hat keine Metropolen. Mit Magdeburg und Halle/Saale gibt es sogar nur zwei Städte, die mit 240.000 bzw. 225.000 Einwohnern per definitionem als „Großstädte“ gelten. Die drittgrößte Stadt, die Fusionsstadt Dessau-Roßlau, firmiert mit 75.000 Einwohnern als „Mittelstadt“; ansonsten dominieren Kleinstädte (5.000 bis 20.000) – klassische Hochburgen der AfD. Beobachter erwarten diesbezügliche AfD-Werte von bis zu 50 Prozent.</p>



<p>Werden die Blauen dem beträchtlichen Vorschußvertrauen dort und anderswo gerecht? Das Superwahljahr wird auch in dieser Hinsicht aufschlußreich. Es beginnt jetzt, am Sonntag, dem 8. März, und es wird in der AfD so oder so zu dynamischen Debattensituationen führen. Das gilt insbesondere auch dann, wenn man im drittgrößten Bundesland der Republik, in Baden-Württemberg, dem Land der kriselnden Autoindustrie und des allmählich darbenden Mittelstandes, doch noch unter den allseits erwarteten 20 Prozent plus x bleiben sollte. Aber das ist kein Thema für „Kaisers Zone“, diese Kolumne für den nahen Osten der BRD.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<item>
		<title>Links gegen Links</title>
		<link>https://dereckart.at/links-gegen-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 13:57:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Wer sich nach Wahlen gleich welcher Art eine Sachsenkarte ansieht, wird neben einem blau-schwarzen Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Ausnahme entdecken können: Leipzig. Die 610.000-Einwohner-Stadt ist eine Art Hauptstadt Ostdeutschlands, die größte Stadt der alten DDR jenseits von Ostberlin, universitätsgeprägt, Flughafendrehkreuz (insbesondere für Bundeswehr und DHL), Messestandort, Kulturstätte von Völkerschlachtdenkmal bis Thomanerchor, Heimat des [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Wer sich nach Wahlen gleich welcher Art eine Sachsenkarte ansieht, wird neben einem blau-schwarzen Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Ausnahme entdecken können: Leipzig. Die 610.000-Einwohner-Stadt ist eine Art Hauptstadt Ostdeutschlands, die größte Stadt der alten DDR jenseits von Ostberlin, universitätsgeprägt, Flughafendrehkreuz (insbesondere für Bundeswehr und DHL), Messestandort, Kulturstätte von Völkerschlachtdenkmal bis Thomanerchor, Heimat des Fußballs mit gleich mehreren großen Clubs und noch vieles mehr. Politisch betrachtet ist Leipzig hingegen vor allem dies: ein blutroter Punkt im Freistaat, dominiert von der Linkspartei. Um genau zu sein, liegt das nicht am ganzen Stadtgebiet Leipzigs, sondern an dem, was man den roten Südgürtel nennen könnte: Alles, was unterhalb sowie links (bis nach Leutzsch) und rechts (bis nach Reudnitz) des Stadtkernes liegt, ist unstrittiges Antifa-Hoheitsgebiet, mit Connewitz in der südlichen Mitte als Epizentrum.</p>



<p>Das alles ist nicht neu: Die antifaschistische Szene „befreite“ insbesondere Connewitz bereits in der Umbruchszeit ab 1989 von Andersdenkenden jenseits linksoffener bis linker Lebenswelten. Die linksgrüne taz schreibt denn auch von „Jahrzehnten“, seit denen der Stadtteil „identitätsstiftend für die linke Szene“ sei. Der Soziologe Ansgar Hudde geht chronologisch noch weiter zurück und verweist darauf, daß bereits in den 1970er-Jahren Connewitz als „alternativ“ gegolten habe. Denn die DDR-Autoritäten ließen es nur hier zu, daß Hausbesetzer (SED-Jargon: „Schwarzwohner“) ganze Straßenzüge des klassischen Altbauviertels kaperten. Connewitz ist Antifa-Gebiet seit nunmehr über fünfzig Jahren – das ist wohl einmalig im deutschen Sprachraum. Vielleicht liegt es auch an dieser unangefochtenen und nachhaltigen Lokalautarkie über Generationen hinweg, daß Leipzigs linke XXL-Szene – in ihrem Kern israelsolidarisch und antideutsch – explizit zur Militanz neigt. Wer sich allein mit aktuellen Fällen des roten Terrors beschäftigen möchte, suche im Netz kurz nach „Hammerbande“ und „Antifa-Ost-Verfahren“.</p>



<p>Neu hieran ist lediglich, daß man diese linke Szene, die u.a. über zahllose Restaurants, Geschäfte, „NGOs“, Clubs, Kneipen, Hausprojekte, Anwaltskanzleien, Linkspartei-Mandatare, Sportvereine und Fußballfanszenen verfügt, herausfordert. Und zwar: von links. Das hat ironischerweise viel mit der Migrationsoffensive seit 2015 zu tun. Denn Leipzig ist in Sachen Zuwanderung längst auf westdeutschen Standard gesetzt worden, rund jeder vierte Leipziger ist Ausländer, in den vergangenen zehn Jahren ist die Einwohnerzahl vor allem durch Migration schneller angestiegen als in allen anderen BRD-Metropolen. Neben Ukrainern und Syrern wuchs zuletzt auch die Zahl palästinensischer Zuwanderer – entsprechende Milieus setzten sich insbesondere im Leipziger Osten fest, bevorzugt rund um die Eisenbahnstraße, die in der Bild-Zeitung als „Deutschlands Straße der Angst“ firmiert und wo mittlerweile mehr als 50 Prozent der Anwohner nichteuropäischer Herkunft sind. Das harte Urteil der Journalisten zog allerdings die allgegenwärtige Kriminalität nach sich, nicht die palästinensische Frage. Jene spielt aber insofern doch eine Rolle, weil in den Kiezen rund um die Eisenbahnstraße letzte Leipziger Residuen einer „antiimperialistischen“ und zunehmend auch migrantisch geprägten Linken vorlagen. Diese Szene wurde vor Jahrzehnten aus Connewitz, wo antideutsche Hardliner seit jeher den Ton angeben, in andere, weniger „szenige“ Viertel gedrängt. Sie lebte daher östlich des Zentrums über Jahre hinweg ihre geduldete Randexistenz zwischen „K-Gruppen“-Wiederbelebung, orthodoxem Marxismus und Palästinasolidarität. Letztere, und hier schließt sich der Kreis zur Migrationsoffensive, erfuhr erhebliche Verstärkung durch neue und alte palästinensische Aktivisten. Stück für Stück verschmolzen die Überbleibsel antiimperialistischen Linksradikalismus’ mit propalästinensischen Cliquen. Es entstanden aggressive Gruppen wie „Handala“ und „Lotta Antifascista“, die – verstärkt seit dem Hamas-Terror vom Oktober 2023 und der brutalen Gaza-Zerstörung durch Israels Armee – erstmals wieder selbstbewußt Leipzigs Straßen für Palästinasolidarität beanspruchten.</p>



<p>Das Aufbegehren israelkritischer Linker blieb nicht ohne Folgen: Antideutsche aller Couleur – und in Leipzig gibt es mehr Untergruppen als irgendwo sonst – machten Jagd auf ihre wachsende innerlinke Konkurrenz. Immer wieder wurden „Palis“, wie sie abschätzig genannt werden, körperlich attackiert und bekannte Treffpunkte der linksradikalen Israelkritiker angegriffen. Letztere wollten sich das auf Dauer nicht bieten lassen und riefen nun dazu auf, am 17. Januar nach Connewitz zu ziehen, um der antideutschen Hochburg, in der die Anzahl der Fußballaufkleber der beiden antifalastigen Fanszenen von Chemie und Roter Stern Leipzig nur von den Aufklebern mit positivem Israelbezug übertroffen werden, einen Besuch abzustatten. Der Rest ist wohl bekannt, ging jedenfalls durch die bundesdeutsche Öffentlichkeit: Boulevardblätter riefen den Endkampf um Leipzig aus, Antifa mobilisierte gegen Migrantifa, Israelfans gegen Palästinaaktivisten, Bewunderer des Merkava-Panzers gegen arabische Zwillenromantik.</p>



<p>Im Vorfeld der Palästina-Demo, die von der Linksparteispitze in Bund wie Land übrigens scharf kritisiert wurde, während man Solidarität mit der antideutsch geprägten Leipziger Mehrheitslinken rund um die Linkspartei-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel übte, gab es obligatorische Angriffe von antideutschen Militanten auf antiimperialistische Linke, was die Befürchtung ansteigen ließ, am 17. Januar eskaliere es mehr denn je. Das geschah nicht. Die Polizei, mit vierstelligem Personal angerückt, trennte die feindlichen Brüder voneinander. Antifafahnen auf beiden Seiten, „Alerta, Alerta, Antifascista“-Gebrüll auf beiden Seiten, Linksparteisymbolik auf beiden Seiten (bei den Antideutschen indes mehr), Haß auf beiden Seiten. Aber eben auch: weniger als 2.000 Aktive auf beiden Seiten in einer 610.000-Einwohner-Stadt. Selbst das Gros der Leipziger Linkssympathisanten hatte wohl auf die szeneinterne Großfehde keine Lust.</p>



<p>Ein in der antideutschen Szene gut vernetzter linker Journalist spottete derweil auf „X“ (ehemals „Twitter“) über die fehlende Gewaltorientierung der palästinafreundlichen Linken: Sie würden „lame“ (lahm, zahm) bleiben und „wie die Faschos froh sein, von Cops beschützt zu werden“. Ein Leipziger Genosse ergänzte: „Hab die von vorne bis hinten bepöbelt, keine Bullen wirklich bei mir, und die sind 50 cm vor mir vorbeigelaufen und haben mich nichtmal angerempelt.“ Vereinzelt berichteten Pro-Palästina-Linksradikale dann gar von Verfolgungsjagden durch israelsolidarische Antifa-Gewalttäter bei An- und Abreise; ansonsten blieb die Lage verhältnismäßig ruhig.</p>



<p>Der in Chemnitz beheimatete Linksextremismuskenner Michael Brück, selbst Aktivist der Freien Sachsen sowie Compact-Redakteur (und damit freilich nicht neutral), zieht denn auch ein durchwachsenes Fazit eines Demonstrationsgeschehens, das – jedenfalls gemessen an der medialen Reichweite und Panik – ganz Ostdeutschland in Atem gehalten hat. „Aus Sicht der autonomen Antifa“, womit Brück die hegemoniale antideutsche Flanke meint, „war der 17. Januar 2026 weder ein Mobilisierungserfolg noch Zeichen der Stärke. Trotz Unterstützung etablierter Parteien (Linke, SPD, Grüne) blieb die Teilnehmerzahl im niedrigen vierstelligen Bereich.“ Aber auch die „Feindbildmarkierung“ der antiimperialistischen Gegenseite habe nicht funktioniert; eine Dynamik sei nicht entstanden, beide Lager hätten jeweils nur zu den ohnehin Überzeugten gepredigt. Insgesamt, so fährt Brück fort, sei der Tag damit „friedlicher und weit unspektakulärer“ abgelaufen, als allseits – von linker, rechter, medialer und Polizeiseite – erwartet. „Die Gefahr“, mahnt Brück, der selbst schon Opfer antifaschistischer Täterstrukturen wurde, umgehend, „bleibt trotzdem hoch, auch wenn keine Massen auf der Straße mobilisiert werden können“. Er begründet dies damit, daß sich die in Sachsen operierenden „militanten Antifa-Zellen wie die sogenannte Hammerbande“ damals wie heute aus den vielfältigen antideutschen Milieus der Stadt Leipzig rekrutierten, die weit ins „bürgerlich“ Linksakademische hineinreichten und den Tätern effektiven Schutz und ein permanentes Gefühl der Sicherheit böten.</p>



<p>In der Tat entzogen denn auch nur die palästinasolidarischen Minderheitslinken in Sachsen der „Hammerbande“ ihre Solidarität. Doch geschah dies nicht, weil sie etwa die grassierende Gewalt gegen „Rechte“ abschreckte, sondern lediglich deshalb, weil die Schlüsselfiguren der linken Militanten aus Connewitz bekennende Antideutsche sind. Gegen „rechts“, und zumindest da sind sich die beiden verfeindeten Lager plötzlich wieder einig, bleibe eben alles erlaubt.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



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			</item>
		<item>
		<title>OAZ statt FAZ</title>
		<link>https://dereckart.at/oaz-statt-faz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 08:05:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Ostdeutsche lesen nur sehr zurückhaltend die westdeutsche „Qualitätspresse“. Das heißt: Bürger Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens, also jener Bundesländer, die – einschließlich Ostberlins, aber dies ist durch Zustrom aus Westberlin und Schwaben ein Sonderfall – den Osten der BRD ausmachen, greifen nicht zur Frankfurter Allgemeinen, zur Süddeutschen, zur Zeit, zum Spiegel [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Ostdeutsche lesen nur sehr zurückhaltend die westdeutsche „Qualitätspresse“. Das heißt: Bürger Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens, also jener Bundesländer, die – einschließlich Ostberlins, aber dies ist durch Zustrom aus Westberlin und Schwaben ein Sonderfall – den Osten der BRD ausmachen, greifen nicht zur <em>Frankfurter Allgemeinen</em>, zur <em>Süddeutschen</em>, zur <em>Zeit</em>, zum <em>Spiegel</em> und zum <em>Stern</em>.</p>



<p>Ich erinnere mich diesbezüglich lebhaft an eine Vorlesung im Herbst 2007 hier in Chemnitz an der Technischen Universität, als meine damalige Professorin für Internationale Politik uns Jungstudenten den ständigen Konsum von Tageszeitungen anempfahl. Man sollte, so mahnte sie, mindestens eine bundesdeutsche Tageszeitung (je nach Neigung <em>FAZ</em> oder <em>SZ</em>, wobei im ostdeutschen Volksmund <em>SZ</em> die <em>Sächsische</em> meint), abonnieren, ferner mindestens eine internationale, entweder die <em>Neue Zürcher Zeitung</em> oder, besser noch, eine englischsprachige. Zu ihrem Bedauern, so stellte sie fest, könne man das aber nicht nur von Studenten kaum noch erwarten, sondern auch nicht mehr von geneigten „Normalbürgern“. In ihrem Chemnitzer Randstadtteil, berichtete sie aus ihrem Leben, bekäme sie alle Tageszeitungen, die sie hielte, mangels Ost-Vertriebsstrukturen der „Qualitätspresse“ erst mit der regulären Mittagspost zugestellt, und der Postbote habe ihr bestätigt, sie sei ohnehin die einzige Person in seinem Zustellungsbereich mit derlei publizistischen Vorlieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unabhängig von politischen Standpunkten besteht die Befürchtung, daß westdeutsche Konzernmedien „den Osten“ negativ darstellen würden.</h3>



<p></p>



<p>Jenseits dieser anekdotischen Evidenz und überdies jenseits der Tatsache, daß der Akademikerprozentsatz im Osten in vielen Regionen deutlich geringer ausfällt, womit statistisch tatsächlich auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, überregionale Tageszeitungen zu konsultieren: Auch diverse Studien zeigen, daß nur ein äußerst geringer Prozentsatz von <em>FAZ</em> bis <em>Zeit</em> nach Ostdeutschland geliefert wird. Grundlegend existiert unabhängig von politischen Standpunkten des jeweiligen Ostdeutschen die Befürchtung, daß westdeutsche Konzernmedien „den Osten“ negativ darstellen würden und aus schlechter Tradition heraus Klischees bedienen, was die Akzeptanz der Westpublikationen weiter erschwere. Selbst Mark Siemons vom <em>FAZ</em>-Feuilleton muß einräumen: „In der vom Westen dominierten gesamtdeutschen Öffentlichkeit kommen ostdeutsche Erfahrungen bloß als etwas Fremdartiges vor.“ Der Westen als Norm, der Osten als zu mißachtende <em>terra incognita</em>.</p>



<p>Das macht wichtige Spezifika des autochthonen Lesermarktes aus: Zum einen hat sich sechsunddreißig Jahre nach dem Anschluß der DDR-Gebiete an die BRD also die traditionelle Skepsis gegenüber überregionalen, westlich dominierten Zeitungen eher gefestigt denn abgeschwächt. Zum anderen gibt es eine stärkere Bindung von Zeitungslesern, oft älteren Semesters, an klassische regionale Medien wie die <em>Leipziger Volkszeitung</em>, die <em>Freie Presse</em> oder den <em>Nordkurier</em>. Aber auch diese verlieren seit 1990, als sie von SED-Bezirkszeitungen zu privatwirtschaftlich organisierten und oft SPD-nahen Firmen wurden, konstant an Auflage. Die größte von ihnen, die <em>Freie Presse</em> für Chemnitz, Zwickau, Erzgebirge usw. verkauft gerade mal noch über 160.000 Exemplare; das entspricht einem Minus von 61,4 Prozent seit 1998. Vor der „Wende“, Anfang 1990, waren noch 600.000 Stück gedruckt worden.</p>



<p>Das liegt, so meine ich, nicht am fehlenden Interesse der alternden Leserschaft an den Ereignissen in ihrer Heimat, sondern vielmehr an der Entkoppelung der meist linksliberal dominierten Redaktionen von der Mehrheitsempfindung großer Teile der Bevölkerung. Salopp formuliert: Wenn in Sachsens oder Thüringens ländlichen Räumen um die 50 Prozent „rechts“ wählen, die örtlichen Journalisten, die oft zudem aus dem Westen stammen, aber unbeeindruckt davon konstant rotgrüne „Narrative“ propagieren, dann wächst da etwas auseinander, das nicht zusammengehört. Diese Absage an den linken Belehrungsjournalismus auch bei den Regionalmedien darf man jedoch gerade nicht mit einer Absage an die Themen der Region verwechseln. Denn das Verlangen nach „Nähe“, nach Vertrauen und Zusammenhalt wächst im Osten selbst dort wieder, wo es nie fort war. Ein weiterer <em>FAZ</em>-Feuilletonist, Simon Strauß, macht dies auch für die anhaltenden Erfolge der Alternative für Deutschland im Osten der Republik verantwortlich. Es gehe vor allem „um das Paradigma der Gemeinschaft, die soziale Bindungsstärke“, schreibt er in seinem neuen Erfolgsbuch mit dem aussagekräftigen Titel <em>In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht</em> (Stuttgart 2025). Gegenüber dem hegemonialen Westen als „Gesellschaft der Beziehungslosen“, also der Vereinzelten, positionieren viele Ostdeutsche ihre „Sehnsucht nach mehr Nähe als Kennzeichen eines ostdeutschen Lebensgefühls“. Daraus erwüchsen ostdeutsches Sonderbewußtsein und ostdeutscher Trotz: Nähe als politischer Wert, als Identitätsbaustein. Es herrsche die Empfindung in weiten Teilen der ostdeutschen Gesellschaft vor, weiß der West-Ost-Grenzgänger Strauß, daß man sich dies gegen alle Tendenzen der Zeit habe bewahren können: „Der Osten besitzt damit ein ureigenes Mittel zur Verteidigung der Seele gegen die Zerschlagungstendenzen des westlichen Neoliberalismus.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die <em>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung</em> (OAZ) als Blatt für die gesamte ehemalige DDR</h3>



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<p>Folgt man dieser Argumentation, und das Gros der Ostdeutschen dürfte dies intuitiv und lagerübergreifend tun, sprengt das nicht nur die realpolitische Links-Rechts-Dichotomie, sondern wirft auch die Frage auf, inwiefern sich das künftig metapolitisch-journalistisch äußern könnte. Genau diese markante Frage stellt sich auch Holger Friedrich, Jahrgang 1966, gelernter Schlosser, „umstrittener“ IT-Erfolgsunternehmer aus Ostberlin mit gewisser staatsnaher DDR-Vergangenheit, der als kreativer und „disruptiver“ Herausgeber der <em>Berliner Zeitung</em> und der neuen <em>Weltbühne</em> nun seinen nächsten Coup landen will: Er gründet derzeit die <em>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung</em> (OAZ), die nicht – wie seine <em>Berliner Zeitung</em>, die <em>Freie Presse</em>, die <em>Sächsische</em> usw. – ein Regionalblatt für einzelne Ostlandstriche sein soll. Nein: Friedrich will ein Blatt für die gesamte ehemalige DDR schaffen, <em>die</em> ostdeutsche Stimme, die bisher kaum jemand vernimmt, wenn sie denn überhaupt artikuliert wird. Er selbst spricht, gewohnt selbstbewußt, von einem „Leitmedium“, das er auf die Beine stelle.</p>



<p>Das ambitionierte Projekt startet im Februar: montags bis freitags als E-Paper, am Wochenende mit einer großen Druckausgabe, und Lokalredaktionen gebe es dann in allen ostdeutschen Landeshauptstädten. Die etablierte Konkurrenz schaut mit großem Argwohn auf diese <em>OAZ</em>-in-spe. Die einen stoßen sich an der Frakturtitelei – die freilich auch bei der <em>FAZ</em> unbeanstandet etabliert ist; andere mokieren sich über drohende Rußlandnähe, weil Friedrich neben guten Kontakten in westliche Nationen auch in Rußland und China Kontakte pflegt; wiederum andere werfen Friedrich entweder vor, bereits bei seiner Berliner Lokalzeitung zu coronamaßnahmenkritisch berichtet haben zu lassen oder aber gar zu AfD- sowie BSW-freundliche Standpunkte zuzulassen. Keiner dieser Punkte – und das ist eher der Beleg für eine enervierende Westhegemonie im etablierten Journalismus als der Gegenbeweis – läßt Friedrich in Ostdeutschland alt aussehen. Vielmehr ist es so, daß dort AfD- und BSW-Wähler zusammen etwa 50 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen; vielmehr ist es so, daß das Rußland- und Ukrainebild im Osten deutlich von dem vorgegebenen im Westen abweicht; vielmehr ist es schließlich so, daß auch die friedlichen Coronaproteste vor allem in Ostdeutschland auf fruchtbaren Boden gefallen sind und in weiten Teilen Sachsens noch heute, im Januar 2026, wöchentlich fortgesetzt werden usw. usf.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schließt da jemand eine Lücke auf dem Markt der Meinungen, der Berichte und der Analysen?</h3>



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<p>Der ostdeutsche mediale Teilmarkt ist schwierig, neben Lokalzeitungen und der Boulevardikone <em>SuperIllu</em> behauptet sich bis dato niemand nachhaltig und nachdrücklich. Eben dies will Holger Friedrich mit seiner Mannschaft, den Mitarbeitern des neugegründeten Ostdeutschen Verlages in Dresden, ändern. Man werde im Februar das Debüt eines Mediums „mit klarem publizistischem Kompaß, sauberem Handwerk und einer selbstverständlichen ostdeutschen Perspektive“ erleben: „Ein Medium, das erklärt statt lenkt, einordnet statt polarisiert und Zukunft nicht behauptet, sondern sichtbar macht.“ Folgerichtig heißt es in den zehn „Publizistischen Leitlinien“ der künftigen Redaktion, man wolle „Kontext vor Kommentar“ bieten, keine „vorgefertigten Erzählungen“ reproduzieren, „Perspektivenvielfalt statt Scheinsicherheit“ offerieren, „ostdeutsche Realität als Normalität“ verstehen, „Nähe“ – da ist sie wieder, siehe Simon Strauß! – bieten, lokale und regionale Themen „ernst nehmen“, „ostdeutsche Zukunft sichtbar machen“, „Interessen benennen“, dabei aber „verständlich bleiben“ und „Vertrauen“ generieren.</p>



<p>Das sind viele Ansprüche, hehre zumal, die in ihrer bloßen Formulierung bereits implizit Kritik an den bisherigen Platzhirschen üben. Man darf folglich gespannt sein – und dem kühnen Projekt alles Gute wünschen.</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



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		<title>Alle waren in Halle! (Auch Österreicher!)</title>
		<link>https://dereckart.at/alle-waren-in-halle-auch-oesterreicher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 16:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im März und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale im November fortan ein weiterer Buchmessentermin auf dem Plan steht. Hier wurden die Gründe erklärt: https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/. Man darf vorwegnehmen: Die Debütveranstaltung, organisiert im wesentlichen durch Susanne Dagen [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im März und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale im November fortan ein weiterer Buchmessentermin auf dem Plan steht. Hier wurden die Gründe erklärt: <a href="https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/">https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/</a>.</p>



<p>Man darf vorwegnehmen: Die Debütveranstaltung, organisiert im wesentlichen durch Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden, war am 8. und 9. November mit über 6000 Besuchern und rund 90 Ausstellern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus Österreich ein voller Erfolg – am 7. und 8. November 2026 soll dieser wiederholt werden. Mit mehr Besuchern, mehr Ausstellern, mehr Messefläche, mehr Verpflegungsoptionen, mehr Programm. Schon jetzt empfiehlt es sich, dieses Wochenende freizuhalten: Halle/Saale ist aus Österreich gut per Flug (Wien–Leipzig/Halle) oder Bahn (ICE-Direktverbindung) erreichbar.</p>



<p>Aus Sicht der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) und der Zeitschrift <em>DER ECKART </em>sind natürlich folgende zwei Programmpunkte hervorzuheben:</p>



<p>Dr. Erik Lehnert, häufig im ECKART zu lesen, diskutierte bereits am ersten Messetag unter Moderation unseres Schriftleiters Konrad Markward Weiß mit <em>ECKART</em>-Autor Ronald Schwarzer über „Brandenburg, Preußen, Österreich und die besseren Deutschen“. Die rasch zum Erfolg gewordene Lehnertsche <em>Eckartschrift</em> gibt das Thema vor, das bereits – Wiener erinnern sich – an einem einmaligen „preußischen Abend“ in der Fuhrmannsgasse gut gelaunt und kenntnisreich ausgewalzt wurde. Wie schon in Wien wurde auch diesmal der Tagungspunkt im Anschluß harmonisch bei dem einen oder anderen „Stamperl“ beziehungsweise „Klaren“, wie man um Halle herum sagt, veredelt.</p>



<p>Ich selbst durfte mit Schriftleiter Weiß dann am Sonntag den Raum 1 mit Leben füllen. Ich glaube, ganz unbescheiden, wie es sich geziemt, daß uns dies sehr gut gelang: Etwa 150 Menschen, darunter – wie im Nachgang deutlich wurde – auch einige Journalisten, füllten den Saal; neugierige Gäste saßen gar auf dem Flur und in den Gängen. Wir sprachen heiter, aber mit dem nötigen Ernst über diese Kolumne, vor allem aber: weshalb sie nötig wurde, was den heutigen deutschen Osten ausmacht.</p>



<p>Anders gesagt: Wir debattierten über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstandspotentiale. Daß wir dies ausgerechnet in Halle/Saale taten, also in Sachsen-Anhalt, wo 2026 die AfD den ersten Ministerpräsidenten der Geschichte stellen könnte, da sie bereits jetzt in den Umfragen bei rund 40 (!) Prozent steht, verlieh dem Thema zudem die notwendige tagespolitische Brisanz; und zwar schon eine Woche bevor Ulrich Siegmund als AfD-Spitzenkandidat von Axel Springers Talkformat „Politico“ in politisch-historische Fallen gelockt werden sollte, die er aber mit Bravour vermied.</p>



<p>Brisant war auch die Fortsetzung am erfreulich stark frequentierten ÖLM/<em>ECKART</em>-Messestand – Weiß und ich waren uns herzlich einig, bei den „Stamperln“ unterschiedliche Geschmacksempfindungen zu hegen. Für mich besonders erfreulich war am Stand neben Gesprächen mit alten und neuen <em>ECKART</em>-Lesern ein lebhaftes Rendezvous mit dem „Impresario“ Ronald Friedrich Schwarzer. Das altbewährte Habsburg und das (gar nicht mal so) junge Ostdeutschland verstanden einander prächtig.</p>



<p>Apropos Ostdeutschland: Natürlich habe ich den Lesern dieser Kolumne zwei Fundstücke aus „Kaisers Zone“, also mit dezidiert mittelostdeutschem Bezug, aus Halle mitgebracht.</p>



<p>Zum einen handelt es sich dabei um eine Biographie Josef Kneifels. <em>Der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt</em> (Chemnitz 2025) ist dabei eine umfassend erweiterte und überarbeitete Neuausgabe eines bereits vor zwölf Jahren veröffentlichten Bandes, der damals als <em>Der Anschlag</em> (Chemnitz 2013) schnell ausverkauft war. Der Umfang ist verdoppelt, die damaligen Autoren Johannes Schüller und Erik Latz durch Arne Schimmer nicht ersetzt, sondern verstärkt. Latz, der Kneifel gut kannte, steuerte nun selbst ein aktuelles und durchaus persönliches Vorwort bei, das auch jenen hilft, die mit der Personalie Josef Kneifel (1942–2020) noch gar nichts anfangen können. Kurz: Der in Niederschlesien geborene und in Sachsen gestorbene Kneifel war Dissident in der DDR und ab 1990 in der BRD. <em>Der Spiegel</em> schrieb über ihn schaudernd, aber zugleich mit spürbarer Anerkennung: „Einen Gegner wie Josef Kneifel hatte die DDR nur einmal.“</p>



<p>Und man wird ohne Übertreibung sagen können: Arne Schimmer gelingt es, auf den Schultern seiner Co-Autoren stehend, aber deren Forschung weiterentwickelnd, das Leben dieses radikalen und durchaus streitbaren Oppositionellen spannend wie ein Kriminalroman darzulegen. Es dreht sich naturgemäß vieles um den 9. März 1980, als Josef Kneifel sich dazu entschied, in Karl-Marx-Stadt, dem vor- und nachmaligen Chemnitz, ein Sprengstoffattentat auf ein gewichtiges Symbol der Sowjetbesatzer – einen Panzer – zu begehen. Damit begann für Kneifel, der unter anderem im „Gelben Elend“ zu Bautzen geschändet wurde, eine Leidensgeschichte, die erst vier Jahrzehnte später mit seinem Tod enden sollte.</p>



<p>Denn Kneifel wurde auch in der BRD, die er einst noch im Vergleich zur DDR als positiveres Deutschland empfand, zum Fundamentaloppositionellen. Sein Engagement im Spannungsfeld von „nationalem Widerstand“, Chemnitzer Stadtgeschichte und sächsischem Sonderbewußtsein ließ erneut die Repressionsbehörden auf ihn aufmerksam werden. Bis kurz vor seinem Tod ging der Streit um den „Panzersprenger“ weiter: Pro Chemnitz, mittlerweile als Freie Sachsen (FS) eine regionalistische Bewegung im gesamten Freistaat, beantragte Anfang 2020 im Stadtrat – erfolglos und ohne Schützenhilfe durch die AfD –, den radikalen Dissidenten zum Ehrenbürger der altehrwürdigen Industriestadt zu machen. Das wurde mit Verweis auf Kneifels frühere Aktivität für die 2011 verbotene „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) vollumfänglich verweigert, wie im Nachwort des FS-Parteichefs Martin Kohlmann erläutert wird.</p>



<p>Heute wird man ohnehin sagen können, daß der eigenwillige Josef Kneifel der fleischgewordene Mythos ebenjener Freien Sachsen und ihres wachsenden Milieus bleibe. Nicht nur der Nachwortautor ist FS-Kader; auch das vorliegende Buch erscheint im parteinahen Interregnum-Verlag zu Chemnitz, und der in der „Alten“ wie „Neuen“ Rechten Deutschlands bekannte Autor des vorliegenden Werkes Arne Schimmer ist zugleich Chefredakteur des FS-Monatsmagazins <em>Aufgewacht</em>. Eine jede Bewegung benötigt wohl ihre stilisierten Ikonen, zumal eine solche Bewegung, die sich in permanentem Aufruhr befindet und deshalb in der Repressionsspirale festen Halt bei historisch widerständigen Vorläufern suchen muß.</p>



<p>Das zweite Fundstück aus Halle, das ich den ostinteressierten „Kaisers Zone“-Lesern mitgebracht habe, widmet sich denn auch explizit ebenjener Repressionsspirale. Es trägt den Titel <em>Juristische Mobilmachung in Zeiten zunehmender Repression</em> (Freiburg 2025) und erschien als Studie eines süddeutschen Anwaltkollektivs. Die einzelnen Kapitel sind aufeinander aufgebaut. Von einer „Kurzen Geschichte der Repression in Deutschland“ über verschiedene Analysen von politischen Strafverfahren führt der Weg direkt zur Gegenwart und den jüngsten Entwicklungen politischer Justiz, die seit der Ära der rot-gelb-grünen „Ampel“-Regierung mit Nancy Faeser (SPD) und dem zeitweisen <em>Compact</em>-Verbot einen Negativschub erhielten. Besonders lesenswert sind ferner die Ausführungen zum „drohenden Berufsverbot für patriotische Juristen“ und zur fatalen Reformation von Aufenthaltsrecht und Zuwanderungspolitik in der BRD.</p>



<p>Um mit Halle/Saale zu schließen, weil es mit Halle/Saale begann: Die letzten beiden Kapitel des Buches widmen sich der konkreten Realität einer nahenden AfD-Regierung, beispielsweise in Sachsen-Anhalt. Welche Gestaltungsmöglichkeiten wären vorhanden? Droht aus Berlin im Falle einer blauen „Wende“ eine Art „Reichsexekution“, neudeutsch „Bundeszwang“ (Art. 37 GG)? Wo liegen rechtliche Grenzen und Möglichkeiten einer grundsätzlich ausgerichteten Opposition, die zur Regierung kommt?</p>



<p>Deutlich wird im Fazit jenes Buches, das angesichts des Schlüsselwahljahres 2026 jedem AfD-Aktiven ans Herz gelegt werden muß: „Entscheidend ist am Ende nicht nur der juristische Rahmen, sondern vor allem das politische Wollen.“ Das Recht folgt nämlich längst der Politik, ob man das positiv bewertet oder nicht. Die Autoren scheinen sich jedenfalls einig: Daß es so sei, limitiere die Möglichkeiten in der (schwarz-roten) Gegenwart und biete neue Potentiale in der (blauen) Zukunft. Ein informatives Buch, und die „Zone“ bleibt spannend.</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



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		<title>Diskussion</title>
		<link>https://dereckart.at/diskussion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Nov 2025 20:45:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Sonntag, 15:15 Uhr,Raum 1 Benedikt Kaiser „Kaisers Zone“Der Osten ist „blau“, heimatverbunden, anti-woke. Ist die „Zone“, die man einst belächelte, heute einfach besser oder einfach nur anders? Ist sie „deutscher“? Benedikt Kaiser, bewährter Ost-Erklärer (Kolumne „Kaisers Zone“) der traditionsreichen Kultur-Zeitschrift Der Eckart (Wien), und Konrad Markward Weiß, Schriftleiter und Verleger, diskutieren über Mentalitäten und Metapolitik, [&#8230;]]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="267" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1024x267.webp" alt="" class="wp-image-11551" style="width:529px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1024x267.webp 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-300x78.webp 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-768x200.webp 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-1536x401.webp 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2020/09/Unbenannt-1-2048x534.webp 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-text-align-center"><strong>Sonntag, 15:15 Uhr,<br>Raum 1</strong></p>



<p class="has-text-align-center">Benedikt Kaiser „Kaisers Zone“<br>Der Osten ist „blau“, heimatverbunden, anti-woke. Ist die „Zone“, die man einst belächelte, heute einfach besser oder einfach nur anders? Ist sie „deutscher“? <br>Benedikt Kaiser, bewährter Ost-Erklärer (Kolumne „Kaisers Zone“) der traditionsreichen Kultur-Zeitschrift Der Eckart (Wien), und Konrad Markward Weiß, Schriftleiter und Verleger, diskutieren über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstand.<br>anschl. Umtrunk&nbsp;am&nbsp;Stand F9</p>



<p class="has-text-align-center"></p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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<p></p>
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		<title>Alle nach Halle! (Auch aus Österreich!)</title>
		<link>https://dereckart.at/alle-nach-halle-auch-aus-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 16:21:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im Frühjahr und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale am 8. und 9. November ein weiterer Buchmessetermin auf dem Plan steht. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die klassischen Buchmessenformate in der BRD wurden zunehmend von antifaschistischer [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Die traditionellen bundesdeutschen Buchmessen finden statt in Leipzig im Frühjahr und in Frankfurt am Main im Oktober. Politische Gründe haben dafür gesorgt, daß mit Halle/Saale am 8. und 9. November ein weiterer Buchmessetermin auf dem Plan steht.</p>



<p>Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die klassischen Buchmessenformate in der BRD wurden zunehmend von antifaschistischer Hysterie und linksliberaler Ausgrenzungspolitik dominiert. Zuerst waren konservative und rechte Verlagshäuser – von Antaios (Schnellroda) und Jungeuropa (Dresden) bis zur <em>Jungen Freiheit</em> (Berlin) – in sogenannte „Sackgassen“ gesteckt worden; irgendwo, am Ende einer Messehalle, am Ende eines Ganges, dann nochmal links abbiegen, gen Nirvana, also dorthin, wo wirklich nur hartgesottene Leser dann auch vorbeikommen. Und dann verzichteten diese Verfemten – nicht alle, aber mehrheitlich – auf die kostspielige und zunehmend würdelose Teilnahme am linken Spektakel.</p>



<p>Susanne Dagen, jene populäre umtriebige Buchhändlerin aus Dresden vom Buchhaus Loschwitz, die neben diesem Juwel an Buchhandlung im wohl schönsten Stadtteil Elbflorenz’ auch einen eigenen Verlag betreibt, ertrug die Ausgrenzungspolitik nicht. Sie selbst ist dabei nicht „rechts“, sondern eher freisinnig und diskurswütig. Da zudem Jammern nicht ihr Metier ist, sondern – gut sächsisch – das Anpacken, organisierte sie in Kooperation mit <em>Tichy’s Einblick</em> und dem unabhängigen Radiosender <em>Kontrafunk</em> eine eigene Messe namens „Seitenwechsel“ mit der klaren Devise, daß freie Rede und freie Diskussion dort am Leben gehalten werden sollten. Deswegen also Halle/Saalle: zwei Tage, 70 Aussteller, keine politischen Hygienevorstellungen, dafür aber ein volles Programm, das keineswegs „nur“ rechtsorientierte Verlage, Zeitschriften, Zeitungen und „Influencer“ zusammenbringt, sondern auch linke Freigeister wie Dieter Dehm zu Lesungen verleitet.</p>



<p>Dagen stellt in zahlreichen Wortmeldungen – von YouTube bis Podcasts – klar: Willkommen sind alle in Halle, nur eben jene nicht, die sich der Diskussion, dem Austausch von sachlich-fachlichen Argumenten, grundlegend verweigern. Man – konkreter: ich – war erstaunt, als die Ankündigung über die Kanäle ging, und um ehrlich zu sein: Ich dachte nicht an eine erfolgreiche Realisierung dieses Vorhabens, das eine ebenso breite Palette an Ausstellern – von altliberalen Medien bis hin zu dezidiert „nationalen“ Organen – und eine so breite Palette an Vortragenden und Vorlesenden – von Uwe Tellkamp, Vera Lengsfeld und Röger Köppel bis Volker Zierke und Björn Clemens – zusammenbringt. Aber Dagen, erneut gut sächsisch, zog „ihr Ding“ einfach durch, ließ sich von internen wie externen Unkenrufen nicht beirren und bleibt selbst jetzt entspannt, wo Antifa-Gruppen aus Halle/Saale und dem nahegelegenen Leipzig ankündigen, die Buchmesse platzen zu lassen.</p>



<p>Klar ist für mich: Diese Messe, dieses Vorhaben, dieser Leuchtturm des freien Wortes und der Verständigung über politische Milieus hinweg – diese Sache muß unterstützt werden! Deswegen sei an dieser Stelle, in dieser 78. Kolumne „Kaisers Zone“, ausnahmsweise Werbung gestattet: Fahren bzw. fliegen Sie nach Halle/Saale, mit dem Auto, mit dem Zug (ICE-Direktverbindung ab Wien!), mit dem Flugzeug (nach Leipzig/Halle ab Wien mit Umstieg in Frankfurt!), mit dem Bus.</p>



<p>Es wird ein reiches Programm geboten, das hier eingesehen werden kann: <a href="https://www.messe-seitenwechsel.de/">https://www.messe-seitenwechsel.de/</a></p>



<p>Nicht nur aus Sicht der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) und der Zeitschrift <em>Der Eckart </em>sind folgende zwei Programmpunkte hervorzuheben:</p>



<p>1. Erik Lehnert, ein Preuße durch und durch, wird erst seine <em>Eckartschrift</em> über Brandenburg präsentieren, dann unter Moderation von ECKART-Schriftleiter Konrad Markward Weiß mit dem glühenden Österreicher und Katholiken Ronald F. Schwarzer über „Brandenburg, Preußen, Österreich und die besseren Deutschen“ diskutieren. Die bereits jetzt zum Erfolg gewordene Lehnertsche <em>Eckartschrift</em> gibt das Thema vor, das – Wiener erinnern sich – an einem einmaligen „preußischen Abend“ im ÖLM-Haus in der Fuhrmannsgasse gut gelaunt und kenntnisreich debattiert wurde. Samstag, den 8. November, um 16.15 Uhr, im Raum 2 der Messe! Weiterdebattiert werden kann dann beim einen oder anderen österreichischen Schnaps am Stand der ÖLM bzw. von ECKART und Eckartschriften (Halle 1 F-9).</p>



<p>2. Ich selbst darf mit Schriftleiter Weiß am Sonntag, dem 9. November ab 15.15 Uhr den Raum 1 mit Leben füllen, wiederum mit Ausklang am Stand. Wir sprechen über diese Kolumne, vor allem aber: weshalb sie nötig wurde, was den heutigen deutschen Osten ausmache. Anders gesagt: Wir debattieren über Mentalitäten und Metapolitik, Wendepunkte und Widerstand. Daß wir dies ausgerechnet in Halle/Saale tun, also in Sachsen-Anhalt, wo 2026 die AfD den ersten Ministerpräsidenten der Geschichte stellen könnte, da sie bereits jetzt in den Umfragen bei rund 40 (!) Prozent steht, verleiht dem Thema zudem die notwendige tagespolitische Brisanz.</p>



<p>Also: Auf geht’s, nach Halle/Saale – wir sehen uns!</p>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



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