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	<title>Kolumne &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Kolumne &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Das Alphorn – Signal der Hirten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 15:37:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brauchtum]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Reinhild Bauer Brauchtum (52) Das Alphorn gilt als Nationalsymbol der Schweiz und ist doch eigentlich in allen Alpenländern weit verbreitet. So kann man auch in Südtirol Alphornkonzerte&#160; hören, alle fünf Jahre das internationale Alphornbläserfest auf der Seiser Alm im Schlerngebiet besuchen oder bei verschiedenen öffentlichen Feiern, kulturellen Veranstaltungen oder Jubiläen den Alphornklängen lauschen. Hierbei [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Reinhild Bauer</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Brauchtum (52)</strong></h2>



<p><br>Das Alphorn gilt als Nationalsymbol der Schweiz und ist doch eigentlich in allen Alpenländern weit verbreitet. So kann man auch in Südtirol Alphornkonzerte&nbsp; hören, alle fünf Jahre das internationale Alphornbläserfest auf der Seiser Alm im Schlerngebiet besuchen oder bei verschiedenen öffentlichen Feiern, kulturellen Veranstaltungen oder Jubiläen den Alphornklängen lauschen. Hierbei wird dieses Instrument oft zur Steigerung der Feierlichkeit für die musikalische Umrahmung eingesetzt.</p>



<p>Das Alphorn wird zumeist aus Fichtenholz gebaut, ist ein zwei bis vier Meter langes, konisch zulaufendes Rohr, das in eine Biegung wie ein Kuhhorn übergeht und mit einem Schallbecher endet. Auf Grund der Blastechnik gilt es als Blechblasinstrument. Da es weder Löcher noch eine Möglichkeit zur Veränderung der Rohrlänge hat, ist es auf die Naturtonreihe beschränkt und gilt daher als Naturhorn.</p>



<p>Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer kirchlichen Aufzeichnung aus dem Oberaargau aus dem Jahre 1527. Weitere Schriftstücke aus dem 16. Jh. belegen, daß der Kühreihen – eine bestimmte Melodie, nur spielbar mit dem Alphorn – stundenlang von den Kuhhirten geblasen wurde. Bildlich dargestellt wurde das Alphorn, wie wir es heute kennen, zuerst auf einem Allgäuer Altarbild einer Bergkapelle um 1568. Erfunden wurde dieses mehrere Meter lange Blasinstrument als Verständigungsmöglichkeit zwischen den Kuhhirten auf den Almen. Zunächst nannte man auch noch das kürzere Hirtenhorn, das als Signal- und Rufhorn verwendet wurde, Alphorn. Im 17. Jh. verwendeten die verarmten Hirten das Instrument für Straßenmusik in den Städten und brachten es damit als Bettelhorn in Verruf, was dazu führte, daß es im 18. Jh. fast in Vergessenheit geriet. Erst mit dem aufkommenden Fremdenverkehr wurde es wiederbelebt. Im frühen 19. Jh. fanden sodann die ersten Hirtenfeste in der Schweiz statt. Seitdem ist das Alphorn wieder fester Bestandteil des gelebten Brauchtums und wird in Vereinen, Musikgruppen, Musikschulen und sogar am Konservatorium gelehrt. Schlussendlich fand das Alphorn sogar Berücksichtigung in einigen klassischen Kompositionen. Daher kann man es heute fern seines ursprünglichen Habitates auch in Konzertsälen hören und sogar in der Jazzmusik und in Ensembles mit elektronischer Musik finden.</p>



<p>Der interessierte Leser kann sich im Netz unter den Namen Kuhreihen oder „Ranz des Vaches“ die ältesten überlieferten Alphornmelodien anhören – und natürlich auch die neueren Kompositionen.<br><br><strong><em>Über die Autorin:</em></strong></p>



<p>Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rechter Ostfußball?</title>
		<link>https://dereckart.at/rechter-ostfussball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 17:03:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone Ende Mai wurde in der ARD eine typische TV-Reportage im linkslastigen Format „Monitor“ ausgestrahlt. Entlang der Leitthese „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ wurde in westdeutsche, vor allem aber auch in ostdeutsche Stadien und Vortragsräume geblickt. Auch ich wurde mehrfach zitiert: einmal aus dem populären Podcast Von rechts gelesen des [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p><a></a><strong>Kaisers Zone</strong></p>



<p>Ende Mai wurde in der ARD eine typische TV-Reportage im linkslastigen Format „Monitor“ ausgestrahlt. Entlang der Leitthese „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ wurde in westdeutsche, vor allem aber auch in ostdeutsche Stadien und Vortragsräume geblickt. Auch ich wurde mehrfach zitiert: einmal aus dem populären Podcast <em>Von rechts gelesen</em> des Dresdner Jungeuropa Verlages; einmal wurde „Undercover“ während einer öffentlichen Veranstaltung der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf mit dem neuen AfD-Jugendchef Jean-Pascal Hohm und mir gefilmt.</p>



<p>Es ging in der effekthascherischen Linksdoku – neben einzelnen unschönen Entgleisungen rechtsorientierter Fußballfans – ganz grundsätzlich um die vermeintliche rechte „Unterwanderung“ von Fankurven im bundesdeutschen Fußball durch patriotische Kreise. Summa summarum ist die Doku (frei auf <em>YouTube</em> und anderswo verfügbar) für mich ein Lehrstück propagandistisch motivierter Realitätsverdrehung. Nicht, weil die Macher der Sendung es nicht besser wüßten, sondern weil sie die alte „Kampf gegen rechts“-Stimmung neu aufdrehen wollen. Ihre bisherigen Anstrengungen diesbezüglich reichen ihnen selbst offenbar nicht mehr aus.</p>



<p>Es ist derweil so: Während ein je nach Stadt und Region verschiedenartiges Geflecht aus Antifas, Sozialarbeitern, Journalisten und Fußballfunktionären von der Bundesliga bis in den Amateurbereich hinunter über viele Jahre hinweg einigermaßen deutschlandweit eine feingliedrige linksorientierte Hegemonie errichtete – von Bremen bis München, von Potsdam bis Bochum –, werden einzelne Rechte im Fußball, die sich ungern verdrängen lassen, sondern sich zu behaupten wagen, als Bedrohung nach einem dunklem Masterplan inszeniert. Die Art der massiv überzeichneten, unverhohlen diffamierenden, wenn nicht sogar teils hysterischen Berichterstattung über solche einzelnen Fälle, beispielsweise in der brandenburgischen Fußballhochburg Cottbus, spricht für die Angst vor einem nahenden Hegemonieverlust der linken Lebenswelten im Sport. Man hat sich nach den erfolgreichen Kämpfen längst eingerichtet, mitunter lukrative, jedenfalls meinungsprägende und einflußnehmende Posten besetzt und Andersdenkende – das sind meistens einfach Nicht-Linke – ausgegrenzt oder gar vollkommen aus den Kurven verdrängt.</p>



<p>Daß diese Situation der linken Hegemoniesicherung in einzelnen Gegenden der BRD aufgebrochen wird, ist ein Ausdruck sich derzeit wandelnder gesamtgesellschaftlicher Realitäten: Links ist nicht vorbei, aber eben nicht mehr selbstverständlich! Und bereits das läßt die vielfältige linke Szene im Zeichen ihrer ätzenden Platzhirschattitüde wütend werden, begleitet von ihren journalistischen Assistenten und Hofberichterstattern. Dabei ist mindestens in bezug auf unsere politischen Zusammenhänge schon der Terminus „Unterwanderung“ absurd. Denn eine solche – und das diskutiere ich in meinem neuen Buch <em>Der Hegemonie entgegen</em> (2. Aufl., Dresden 2026) genauso wie die linke Sportstrategie ausführlich, was den „Monitor“-Journalisten entging – funktioniert nie. Entweder korrigiert und beeinflußt man etwas „organisch“ – d.h. durch Leute, die den Sport und das Fandasein in dieser Sphäre leben, und zwar authentisch, glaubwürdig und unverstellt –, oder man läßt es sein. Von außen als politischer Akteur zu „Szenen“ und „Subkulturen“ zu predigen, ist nicht nur peinlich, sondern, wie vor allem die realexistierende Situation in der BRD unter Beweis stellt, auch chancenlos.</p>



<p>Die erfolgreiche Prägung ganzer Sportwelten in der BRD durch linke Strukturen aller Art kam so erfolgreich, wie sie ist, eben von innen, nicht von außen, und just dies garantiert die Nachhaltigkeit ihres Tuns. Unterstützt werden linke Kräfte dabei vielerorts durch sogenannte Fanprojekte in Trägerschaften durch bestimmte linksoffene Sozialverbände. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hat passenderweise Anfang Mai 2026 einen Antrag eingereicht, in dem sie mehr Förderungen, mehr Geld, mehr Arbeitsplätze, mehr Befugnisse usf. für die Fanprojekte verlangt. Die Autoren des Antrags, kundig im Jargon und in den Lebenswelten des Sports, vermengen hierbei kluge und berechtigte Anliegen zum Schutz der bedrohten Fankultur mit explizit ideologiemotivierten Bestrebungen zugunsten ihnen zugeneigter „sozialarbeiterischer Fanprojekte“, wie es im Antragstext heißt.</p>



<p>Wer sich mit diesem „rechts der Mitte“ seit Jahrzehnten (!) unterschätzten Thema beschäftigen möchte, sollte sich die eingangs vorgestellte „Monitor“-Reportage sparen – und beim alternativen Sender AUF1 den kurzen „Input“ mit dem in Österreich lebenden mitteldeutschen Fußballexperten Steve Henschke ansehen (<a href="https://auf1.tv/nachrichten-auf1/nachrichten-auf1-vom-19-mai-2026">https://auf1.tv/nachrichten-auf1/nachrichten-auf1-vom-19-mai-2026</a>). Denn es ist wichtig und richtig, die linken Domänen auch im Fußball aufzubrechen – wenn etablierte Journalisten schäumen, scheinen sich mindestens erste Risse in deren linksliberalem Hegemonieapparat abzuzeichnen. Der Sommer wird heiß!</p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Paul Gerhardt – widerständiger Kirchenmann</title>
		<link>https://dereckart.at/paul-gerhardt-widerstaendiger-kirchenmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 16:25:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (74) Paul Gerhardt gehört in Deutschland zu den wichtigsten Kirchenlieddichtern, und zwar für Protestanten wie auch für Katholiken. Sein Todestag jährt sich 2026 zum 350. Mal. Geboren wurde er am 12. März 1607 nach julianischem Kalender (22. März 1607 nach gregorianischem) in Gräfenhainichen, das im April 1637 schwedische Soldaten zerstörten. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (74)</h2>



<p>Paul Gerhardt gehört in Deutschland zu den wichtigsten Kirchenlieddichtern, und zwar für Protestanten wie auch für Katholiken. Sein Todestag jährt sich 2026 zum 350. Mal.</p>



<p>Geboren wurde er am 12. März 1607 nach julianischem Kalender (22. März 1607 nach gregorianischem) in Gräfenhainichen, das im April 1637 schwedische Soldaten zerstörten. Gerhardt besuchte die Fürstenschule St. Augustin in Grimma und studierte ab 1628 in Wittenberg Theologie. Dort lernte er auch das Werk des Poeten August Buchner, der in Wittenberg dozierte, kennen und dazu weitere Personen, die Gerhardts spätere Verbindung von Frömmigkeit und Dichtkunst prägten.</p>



<p>1643 ging Gerhardt nach Berlin und arbeitete zunächst als Hauslehrer. 1657-67 war er als Pfarrer an der Berliner Nikolaikirche tätig. Seine Kriegserlebnisse verarbeitete Gerhardt in weiteren Liedtexten, in die er auch theologische Themen einarbeitete. 1651 wurde Gerhardt Pfarrer in der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde im heutigen Brandenburg. In dieser Zeit verfaßte er u. a. das bekannte Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“. Anfang 1655 heiratete Paul Gerhardt, aus seiner Ehe überlebte am Ende nur ein Kind die Eltern.</p>



<p>Als Brandenburgs Kurfürst Friedrich Wilhelm das Berliner Religionsgespräch einberief, um das reformierte und das lutherische Bekenntnis miteinander zu versöhnen, nahm Gerhardt als ein lutherischer Vertreter daran teil. Der reformiert gläubige Kurfürst erließ 1664 ein Toleranzedikt, das der Lehre der Reformierten Vorschub leistete und das auch die Lutheraner unterzeichnen sollten. Gerhardt verweigerte seine Unterschrift, was dazu führte, daß er als Pfarrer entlassen wurde. Nach Protesten einiger Bürger und märkischer Landstände setzte der Kurfürst Gerhardt zwar wieder ein, doch lehnte der eine Rückkehr ins Amt aus Glaubens- und Gewissensgründen ab. Ab 1668 übernahm Gerhardt in Lübben (Spreewald) geistliche sowie seelsorgerische Tätigkeiten.</p>



<p>Paul Gerhardt verstarb am 27. Mai 1676 nach julianischem Kalender (6. Juni 1676 nach gregorianischem) in Lübben, wo seit 1930 die Kirche nach ihm benannt ist. Im seinem tätigen Leben zeigte er nicht nur große Spiritualität, sondern auch Mut vor den Mächtigen: Immerhin nahm er seine Wiedereinsetzung als Pfarrer durch den Kurfürsten nicht an. Eigener Glaube und eigenes Gewissen besaßen für diesen Theologen und Kirchenlieddichter einen höheren Stellenwert als die Macht eines Fürsten.</p>



<p></p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kommunaler Rechtsruck?</title>
		<link>https://dereckart.at/kommunaler-rechtsruck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist. Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Es ist bekannt, daß sich die freiheitlichen und patriotischen Kräfte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um so schwerer mit Wahlerfolgen tun, desto niedriger die jeweilige Ebene der Wahl ist.</p>



<p>Das heißt heruntergebrochen: Wo in vielen Regionen des Ostens der Republik bei der EU- und der Bundestagswahl 40 bis knapp über 50 % Stimmen für die AfD abgegeben werden, sind es bei Landtagswahlen noch 30 bis 40, bei den unterschiedlichen Kommunalwahlen teils gar unter 30 Prozent. Dort, wo viele Bürger ihre Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte sowie ihre Bürger- und Oberbürgermeister wählen, tun sich widerständige Kandidaten auch 2026 noch schwer, was an einer volatilen Mischung aus fehlendem qualifiziertem Personal, etablierten Vor-Ort-Konkurrenten und schließlich in allfälligen Stichwahlen einem Alle-gegen-einen-Bündnis liegt, in dem dann freie Wählervereinigungen und Altparteien die Kräfte bündeln, um den AfD-Kandidaten zu verhindern. Konstellationen von 55 Prozent (Einheitsblock) versus 45 Prozent (AfD) sind keine Seltenheit im Osten, sondern bis dato ein erfolgreiches Schema.</p>



<p>Doch es kommen Dinge in Bewegung. Die Abstände werden geringer und mancherorts durch die fortgesetzte und unbewältigte Krisenkonvergenz in der BRD aufgehoben. Das sorgt für mediale Empörung und altparteiliches Entsetzen. Und das war der Fall am 10. Mai in Zehdenick, einer Kleinstadt in Brandenburg einige Kilometer nördlich von Berlin. René Stadtkewitz, einst CDU-Rebell und dann Parteichef der AfD-Vorgänger-Kleinstpartei „Die Freiheit“, gewann dort die Bürgermeisterwahl mit 58,4 Prozent bereits im ersten Wahlgang. Eine absolute Mehrheit, die ins Auge sticht, weil vielerorts von derartigen Ergebnissen weiterhin nur geträumt werden kann – andere Orte in Brandenburg wählten ihre altbekannten Vertreter ins Amt oder gehen, bisweilen mit einem drastischen Vorsprung vor den AfD-Herausforderern, in die Stichwahl.</p>



<p>Eine Stichwahl steht auch in einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte des Landes an: In Görlitz, der 55.000-Einwohnerstadt in jenem letzten nach 1945 deutsch gebliebenen Winkel Niederschlesiens, gewann der Amtsinhaber, ein CDU-Mann, die erste Runde vor seinem Herausforderer der AfD, wobei das eingangs skizzierte 55-45-Prozent-Szenario wieder einmal das naheliegende sein dürfte. Weil das, was passierte und passieren wird, zum gängigen Prozedere der letzten Jahre zählt, ist der mediale Fokus kaum auf die deutsch-polnische Grenzstadt gerichtet, sondern gut 200 Kilometer weiter westlich auf die größte Stadt des Erzgebirgskreises. Aue-Bad Schlema, deutschlandweit bekannt für Wismut-Bergbau und Sportbegeisterung, zählt weniger als die Hälfte der Einwohner von Görlitz, wird aber gerade durch die bundesweite Presse von der <em>FAZ</em> bis zum <em>Spiegel</em> gereicht.</p>



<p>Der Hintergrund ist, daß auch dort die Oberbürgermeisterwahl vom 10. Mai im ersten Wahlgang keinen direkten Sieger (mit 50-Prozent-plus) hervorbrachte, sondern einen zweiten Wahlgang Anfang Juni erforderlich macht. Dort lautet das Szenario nun nicht CDU versus AfD wie in Görlitz und wie so häufig, sondern Freie Sachsen (FS) versus CDU/Freie Wähler (FW). Stefan Hartung, regionaler Kopf der 2021 in Schwarzenberg im Erzgebirge gegründeten FS (siehe dazu den September-<em>ECKART </em>2022), gewann mit 29 Prozent den ersten Wahlgang. Das heterogene, graswurzelartig verankerte und erstaunlich resiliente FS-Milieu um den 37jährigen IT-Unternehmer&nbsp; speist sich insbesondere aus der in Sachsen weiterhin lebendigen Coronaprotestbewegung, Rechts-Regionalisten, Resten der früheren NPD (jetzt: DIE HEIMAT), neupolitisierten Bürgern und verschiedenen langjährigen Kadern nationaler Gruppen.</p>



<p>Bei der Landtagswahl 2024 erzielte diese teils schrill-populistische, teils ideologisch widersprüchliche, stets medienwirksame und verfassungsschutzbeobachtete Rechtspartei mit dynamischer PR-Arbeit trotz des großen Fokus auf die CDU-AfD-Polarisierung sachsenweit einen Achtungserfolg von 2,2 Prozent. In Aue-Bad Schlema, wo man als „Bürgerbewegung“ zwei Gaststätten mit dichtem Veranstaltungskalender etablieren konnte, hat man bereits bei vergangenen Wahlen für Furore gesorgt. So gelang es 2024, mit zwölf Prozent in den Stadtrat der Großen Kreisstadt einzuziehen (AfD: 21,8 Prozent), wobei Frontmann Stefan Hartung mit 2.700 die meisten Stimmen aller Kandidaten auf sich vereinte. Und ein Jahr später geriet Aue-Bad Schlema schon einmal in den bundesweiten Fokus, weil im April 2025 der Stadtrat einen „Asylnotstand“ angesichts außereuropäischer Konfliktgruppen im Stadtzentrum ausriefen ließ. Die geschichtsträchtige Stadt zwischen Zwickau, dem Fichtelberg (dem höchste Berg der ehemaligen „Zone“) und Chemnitz wurde medial auch deshalb massiv „angezählt“, weil kein einziger Stadtrat gegen die Initiative Hartungs votierte – selbst der Mandatar der Linkspartei nicht.</p>



<p>Der Anlauf der Freien Sachsen zur OB-Wahl im Mai 2026 dauerte demnach einige Jahre lang, und der Triumph war hausgemacht: Die Kandidaten von CDU, Freien Wählern und AfD erreichten dagegen jeweils nur 18 bis 23, der Vertreter der Linkspartei sogar nur knapp 6 %. Da es keine Stichwahl im klassischen Sinne – Platz 1 kandidiert gegen 2 – gibt, war nach dem Wahlabend offen, wer am 7. Juni gegeneinander antreten würde. CDU und Freie Wähler dürften sich zum zweiten Wahlgang, bei dem bereits eine relative (!) Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen für den Sieg ausreicht, auf einen Kandidaten einigen; der Linkspartei-Kommunalpolitiker hat zurückgezogen. Es hing also von der AfD ab, die unter die 20-Prozent-Marke fiel (18,5), ob ein „rechter“ Block gegen einen Block der (linken) „Mitte“ antreten würde. In der sächsischen AfD wurden Stimmen laut, „keine Experimente“ zu wagen, sprich: CDU oder FW zu unterstützen. Andere Blaue forderten, nicht mehr anzutreten. Diese, darunter der OB-Kandidat Lars Bochmann, setzten sich schließlich am Abend des 12. Mais durch: Damit ist nun für den zweiten Wahlgang alles offen. Ausgerechnet den Freien Sachsen kann Anfang Juni das gelingen, was der AfD noch nirgendwo in der BRD mit einem eigenen Parteimitglied gelang: einen Oberbürgermeister – und nicht nur Bürgermeister – zu stellen.</p>



<p>Abseits regionaler Spezifika – traditionell starkes nationales Lager, Hartung als verankerter Lokalpolitiker usw. – sind es zwei Aspekte, die diese aktuelle Besonderheit für die Allgemeinheit brisant machen:</p>



<p>Erstens zeigt Aue-Bad Schlema auf, daß die AfD in den zugespitzten und emotionalisierten Krisenzeiten selbst in einem ihrer Stammländer nicht länger den als selbstverständlich erachteten Alleinvertretungsanspruch auf oppositionell-widerständige Stimmen geltend machen kann. Wird die AfD mancherorts als zu wenig präsent im Alltag oder gar als eine Art CDU 2.0 wahrgenommen – ob berechtigt oder nicht –, wandern Rechtswähler fortan weiter zu einem anderen, präsenteren oder aktiveren Alternativangebot. Das Erzgebirge scheint hier ein avantgardistisches Erstbeispiel des mancherorts Kommenden darzustellen. Die sächsische Landtagswahl 2024 war eine sehr kleine Warnung für die Blauen, die Auer Oberbürgermeisterwahl 2026 eine immer noch kleine. Daß indes auf sehr kleine und kleine Warnungen große oder sehr große Warnungen folgen könnten, ist angesichts der Aufbruchs- und Wendestimmung in markanten Teilen der mitteldeutschen Bevölkerung künftig nicht mehr auszuschließen. Derlei zu ignorieren, kann sich die AfD im Freistaat, auch im Hinblick auf das Ziel, 2029 den Ministerpräsidenten in Dresden zu stellen, nicht leisten. Die FS als „rechtsextremistisch“ zu verwerfen, wie es Teile der AfD-Mandatsträger praktizieren, baut Frust ab, aber wird nicht ausreichen: Diffamierungen helfen mitunter der diffamierten Kraft, was in den letzten Jahren die AfD selbst unter Beweis gestellt hat.</p>



<p>Zweitens zeigt das Beispiel Aue-Bad Schlema, daß sich in Sachsen und perspektivisch auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern für die AfD eine unbekannte Konstellation – zumindest als Gedankenexperiment – anbieten könnte. Getreu dem Motto „Koalitionspartner? Machen wir uns selbst!“ wäre eine wachsende Stimmung rechts von ihr die Voraussetzung dafür, aus der tradierten CDU-Falle („Wann sind die Schwarzen endlich gesprächsbereit?“) auszubrechen. Würden durch die Krisenlage ähnliche Formationen wie die FS entstehen und in einem relativen Rahmen auf landesweit 5,6 oder 7 % gedeihen, könnte eine „radikale Flanke“ die seit Jahrzehnten nach Mitte-Links driftenden politisch-parlamentarischen Verhältnisse wieder stärker nach „rechts“ ziehen. Als „radikale Flanke“ bezeichnet man Gruppen, die inhaltlich grundsätzlicher und offensiver in den Aktionen wirken und dadurch eine spezielle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Strategen der Linken sehen eine eigene Dialektik am Werk: Denn die Flanke setzt sich ins Verhältnis zu den maßvolleren Gruppen der eigenen Milieus. Entscheidend ist: Überdehnt man bei der „Flanke“ zu stark die Radikalitätsspanne, so verliert man die Bindung ans eigene „Norm“-Lager, das heißt: an die „Mitte“ des eigenen Kosmos. Das hat auch mit dem „Overton-Fenster“ zu tun, das nach dem Forscher Joseph P. Overton benannt wurde. Es stellt den Rahmen des Sag- und Tragbaren dar und erlaubt derzeit noch linken Formationen mehr Freiheiten als rechten.</p>



<p>Loel Zwecker hat dies in seiner Studie <em>Die Macht der Machtlosen</em> (Stuttgart 2024) so auf den Punkt gebracht: „Außerhalb des Fensterrahmens dessen, was im Mainstream sichtbar und akzeptiert ist, liegen zunächst Ideen, die der Mehrheit zu einem Zeitpunkt als ‚undenkbar‘ gelten, die sich aber immerhin langsam ins Sichtfeld der Allgemeinheit schieben. Dabei bewegen sie sich hin zu einer breiteren Akzeptanz: Hält die Mehrheit sie anfangs für verrückt, gelten sie irgendwann nur noch als ‚radikal‘, dann als ‚vernünftig, aber schwer umsetzbar‘, bis sie schließlich ‚allgemein akzeptiert‘ und ‚gar nicht anders denkbar‘ sind. Um diesen Prozess zu beschleunigen (…) müssen mutige Menschen Ideen, die anfangs unpopulär sind, beherzt gegen Widerstände oder die Unterstellung, verrückt zu sein, vertreten.“</p>



<p>Nähme man dieses Schema ernst, wäre die Aufgabe der Zukunft für die AfD – jedenfalls im Osten der BRD – womöglich die: als starkes Zentrum einer in sich vielfältigeren patriotischen Welt zu wirken, rechte Flanken nicht zu bekämpfen, sondern durch situative Kooperationen einzubinden wo möglich und einzuhegen wo nötig. Gewiß scheint das derzeit utopisch. Aber wer aus der langjährigen CDU-Sackgasse hinaustreten will, um vom Bittsteller zum Gestalter zu werden, muß prüfen, wo etwaige neue Konstellationen denkbar wären, die nicht mehr überwiegend in der Hand der Schwarzen, sondern eben auch in der Hand der Blauen lägen. Man würde selbstbewußter, weil man neben der angestrebten CDU-AfD-Allianz weitere Optionen hätte. Irrealer als eine nahende Selbstkorrektur der Christdemokratie ist eine wachsende Stimmung rechts der AfD mit eigener „Flanke“ ja längst nicht mehr: 2026 ist nicht 2016. „Am Ende muss dieses Land“, so formuliert es Simon Strauss in seinem Großessay <em>In der Nähe</em> (Stuttgart 2025), „vielleicht wirklich ein Praktikum in seinen ostdeutschen Kleinstädten machen, um seinen Mannschaftsgeist zu finden.“ Na: Wo denn auch sonst?</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Berufsinformation und Deutschkompetenz</title>
		<link>https://dereckart.at/berufsinformation-und-deutschkompetenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 07:19:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Im Osten viel Neues]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Georg Fritsche Im Osten viel Neues Mit dem eigenen Broterwerb werden die Unabhängigkeit und das Gestalten eines eigenen Lebensweges realistisch. Viele Netzseiten geben kluge Ratschläge dafür, aber ist das wirklich das, was umfassend informiert? Wie sieht die Realität eines Berufes dann im Büro oder in der Werkhalle aus? Diese und zahlreiche weitere Fragen haben [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Georg Fritsche</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Im Osten viel Neues</h2>



<p></p>



<p>Mit dem eigenen Broterwerb werden die Unabhängigkeit und das Gestalten eines eigenen Lebensweges realistisch. Viele Netzseiten geben kluge Ratschläge dafür, aber ist das wirklich das, was umfassend informiert? Wie sieht die Realität eines Berufes dann im Büro oder in der Werkhalle aus? Diese und zahlreiche weitere Fragen haben sich auch den Jugendlichen in Niederschlesien gestellt. Aber Angebote von Firmen verschiedener Branchen dazu gab es bisher nur punktuell. Es ist das hier bisher praktizierte Ausbildungsschema, das eine umfassende Angebotspalette verhindert hat. Denn es wird nach dem Besuch der Volksschule bis zur 8. Klasse nach Notendurchschnitt entschieden, ob der Jugendliche eine gymnasiale oder eine gewerbliche Ausbildung erhält. Die gewerbliche Ausbildung ist eine fachtheoretische Ausbildung mit einer Ausbildungsdauer von drei Jahren. Dann erst wählt der Jugendliche einen Betrieb aus, wo er seine praktischen Fähigkeiten erwirbt. Das ist ein Problem. Denn vieles müßte so erst während der regulären Berufsausübung praktisch gelernt werden. Bisher gab es von der Warschauer Regierung nur Bekenntnisse, dies im Sinne einer dualen Ausbildung ändern zu wollen – außer Einzelangeboten von Firmen tat sich bisher konkret aber wenig.</p>



<p>Deshalb gründen sich in den Regionen immer häufiger Privatinitiativen, die Kontakte zwischen Berufsschulen und Firmen in die eigene Regie nehmen. So auch in Niederschlesien: Die Stiftung „Entdecke deine Talente“ wurde zu diesem Zweck gegründet. Neben dem Hauptzweck, die Praxisnähe zu fördern, haben sich die Initiatoren zum Ziel gesetzt, den Schülern besonders die Vermittlung der deutschen Sprache nahe zu bringen. Mit dem Nachbarmarkt Sachsen und Brandenburg/Berlin ist das ein gewichtiger Teil zukünftiger Berufsfähigkeiten. Aber auch Partner aus anderen deutschsprachigen Regionen in Europa sollen Kooperation anbieten. Die Stiftung ist dankbar für die Unterstützung durch Projekte, aber auch für Praktikumsplätze.</p>



<p>Eine Möglichkeit ist, daß Firmen und Verbände durch diese Zusammenarbeit einen neuen Markt erschließen und so z.B. einen Technologieaustausch durch einen Mitarbeiteraustausch bewerkstelligen könnten. Die Förderprogramme für Berufspraktika der EU unterstützen dies. Das Sprachangebot Deutsch sollte nach Maßgabe der Förderrichtlinie der ÖLM zugänglich werden – also besonders dann, wenn Schüler aus Oberschlesien, die der deutschen Volksgruppe angehören, in den Genuß der Förderung kommen.</p>



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		<title>Steinerne Zeugen: Arbeit am Schloß Oderbeltsch</title>
		<link>https://dereckart.at/steinerne-zeugen-arbeit-am-schloss-oderbeltsch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 11:30:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Im Osten viel Neues]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Georg Fritsche Im Osten viel Neues Im Ort Oderbeltsch (Belcz Wielkie) im Landkreis Guhrau in Niederschlesien steht das imposante Schloß der Familie von Gilka-Bötzow. Die Familie war um die Jahrhundertwende durch ihre Sprit-, Rum- und Destillationsfabrik in Berlin zu ihrem Vermögen gekommen. Der „Kaiser-Kümmel“ wurde sogar am Wiener Hofe konsumiert, die Familie zu Hoflieferanten [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Georg Fritsche</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Im Osten viel Neues</h2>



<p></p>



<p>Im Ort Oderbeltsch (Belcz Wielkie) im Landkreis Guhrau in Niederschlesien steht das imposante Schloß der Familie von Gilka-Bötzow. Die Familie war um die Jahrhundertwende durch ihre Sprit-, Rum- und Destillationsfabrik in Berlin zu ihrem Vermögen gekommen. Der „Kaiser-Kümmel“ wurde sogar am Wiener Hofe konsumiert, die Familie zu Hoflieferanten der Habsburger ernannt. In Theodor Fontanes Roman <em>Frau Jenny Treibel</em> wird der Schnaps allerdings eher als Getränk für eine kleine Hausschneiderin erwähnt. Auch in Joachim Ringelnatz’ „Lied aus einem Berliner Droschkenfenster“ wird der Genuß von Gilka eher den unteren Volksschichten zugeschrieben. Die Inhaber der Likörfabrik, Theodor und Hermann Gilka, hatten im Laufe der Zeit zahlreiche Rittergüter in der Region Guhrau erworben und wurden schließlich durch Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Im Schloß in Oderbeltsch waren später durch Brandstiftung die Ausstattung und das Dachgeschoß zerstört worden. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern; nicht aber die Plünderung, die dem Schloß danach noch zusetzte.</p>



<p>Vor zwei Jahren ging es von der Landwirtschaftsagentur in Liegnitz an eine junge ortsansässige Familie, die historisch auch verwandtschaftliche Verbindungen zur deutschen Bevölkerung des Posener Landes&nbsp; hat. Für ein&nbsp; Wochenende hatten die neuen Besitzer einen Aufruf für ehrenamtliche Hilfe beim Beräumen gestartet. Zur großen allgemeinen Überraschung kamen etwa fünfzig Personen aus der Region. Besondere Aufmerksamkeit verdient, daß auch der Gemeindebürgermeister persönlich erschien.</p>



<p>Nach dem Zusammenstellen von Arbeitsgruppen ging es ans Werk. Die Vertreter der Landsmannschaft Schlesien im Freistaat Sachsen bekamen die verantwortungsvolle Aufgabe, die Dachreste der Orangerie abzureißen. Am Ende des Tages waren die Helfer der Landsmannschaft ziemlich erschöpft, doch auch glücklich, wieder etwas Gutes in der Heimat Schlesien getan zu haben. Die Verständigung mit den Ortsansässigen und anderen Helfern machte allen Spaß und war auch gar nicht kompliziert, denn die meisten Beteiligten konnten durch ihre Berufstätigkeit in Bayern oder Österreich Deutsch – und die Deutschschüler aus der Gemeinde hatten die Gelegenheit, ihre Kenntnisse praktisch anzuwenden.</p>



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		<title>Ludwig Wittgenstein zum 75. Todestag</title>
		<link>https://dereckart.at/ludwig-wittgenstein-zum-75-todestag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 12:19:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (73) Abgesehen von Kennern der Philosophie dürfte der Kreis jener arg geschrumpft sein, die noch etwas mit dem österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein verbinden, der gleichwohl einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts war. Sein Tod jährt sich nun zum 75. Mal. Der am 26. April 1889 in Wien geborene Ludwig [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (73)</h2>



<p>Abgesehen von Kennern der Philosophie dürfte der Kreis jener arg geschrumpft sein, die noch etwas mit dem österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein verbinden, der gleichwohl einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts war. Sein Tod jährt sich nun zum 75. Mal.</p>



<p>Der am 26. April 1889 in Wien geborene Ludwig Wittgenstein kam aus einer wohlhabenden Familie; sein Vater betätigte sich als Unternehmer in der Stahlindustrie. Zunächst ab 1906 Ingenieurwissenschaften in Berlin-Charlottenburg und danach in Cambridge studierend traf Ludwig Wittgenstein mit Bertrand Russell zusammen. Aus dem Ersten Weltkrieg zurück in Wien verzichtete Wittgenstein auf sein Erbe, wurde Lehrer, reüssierte dabei aber nicht. Nach einer Depression kehrte er in den 1930er-Jahren ins Universitätsleben zurück.</p>



<p>Auf die Frage, ob die menschliche Sprache alles sagen könne, gibt Wittgenstein zwei quasi entgegengesetzte Antworten. Die erste, im <em>Tractatus logico-philosophicus</em> (1921) enthalten, sagt, daß sie es nicht könne. Die gewöhnliche Sprache sei unvollkommen und könne die volle Komplexität der Realität nicht erfassen. Die zweite, die aus Wittgensteins <em>Philosophischen Untersuchungen</em> (1953 posthum publiziert) stammt, formuliert das Problem auf andere Art neu: Indem man Sprache in ihren relativen und bewegenden Aspekten analysiere, lasse sich ihr ganzes Potential erkennen. Daher ist es Usus, von einem „ersten“ und „zweiten“ Wittgenstein zu reden.</p>



<p>Für den „ersten“ Wittgenstein ist die logische Form von Sprache unzugänglich. Er urteilt, nur eine perfekte Sprache würde es ermöglichen, die für sie geltenden Regeln offenzulegen. Dieses Modell einer perfekten Sprache verläßt der „zweite“ Wittgenstein und interessiert sich für die Sprache, wie sie konkret praktiziert wird: Die logische Analyse sei die Analyse der Sätze so, wie sie seien. Denn es wäre ja seltsam, wenn die menschliche Gesellschaft bisher gesprochen hätte, ohne einen richtigen Satz konstruieren zu können. Eine Idee verbindet die „zwei Wittgensteins“ dennoch: Philosophie sei eine von innen heraus voranschreitende, von der Sprache ausgehende Tätigkeit begrifflicher Klärung – und keine abstrakte Begriffsspekulation.</p>



<p>Der am 29. April 1951 in Cambridge verstorbene Ludwig Wittgenstein besitzt nicht nur als Philosoph der Sprache und des Bewußtseins, sondern auch der Logik große Bedeutung. Sein philosophischer Nachlaß umfaßt ca. 20.000 Seiten Geschriebenes.</p>



<p></p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



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		<title>Zu Fuß gehen</title>
		<link>https://dereckart.at/zu-fuss-gehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 09:33:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wegwarte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Caroline Sommerfeld Eine kleine Philosophie des Minderen Wer zu Fuß geht, fährt nicht. Wer barfuß geht, trägt keine Schuhe. Diese Feststellungen klingen zunächst banal. Es steckt im Begriff des Fußgängers, daß er nicht fährt, andernfalls er eben kein Fußgänger wäre, sondern ein Autofahrer, Bahnfahrer, Radfahrer oder sonst ein mit fahrbarem Untersatz Bestückter. Das Wort [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Caroline Sommerfeld</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine kleine Philosophie des Minderen </h2>



<p></p>



<p>Wer zu Fuß geht, fährt nicht. Wer barfuß geht, trägt keine Schuhe. Diese Feststellungen klingen zunächst banal. Es steckt im Begriff des Fußgängers, daß er nicht fährt, andernfalls er eben kein Fußgänger wäre, sondern ein Autofahrer, Bahnfahrer, Radfahrer oder sonst ein mit fahrbarem Untersatz Bestückter. Das Wort „barfuß“ ist definiert als das Fehlen von Fußbekleidung, egal ob es sich um ordentliches Schuhwerk, Socken oder bloße Lumpen handelt. Offensichtlich fehlt dem Fußgänger etwas, dem Barfüßigen, Bloßfüßigen, Unbeschuhten ebenfalls. Die „Unbeschuhten Karmeliten“, ein Mönchsorden, heißen tatsächlich so, weil sie als Zeichen ihrer strengeren Askese und Armut keine geschlossenen Lederschuhe mehr trugen, sondern einfache Sandalen.</p>



<p>Die längste Zeit der menschlichen Kulturentwicklung hindurch sind die allermeisten Menschen zu Fuß gegangen, obwohl das Rad schon erfunden war, ebenso wie die allermeisten Menschen barfuß gegangen sind, obwohl der Schuh schon erfunden war. Die wenigen, die reiten konnten, in einem Wagen mit Ochsen- oder Pferdegespann oder einer Rikscha fuhren oder auf einer Sänfte getragen wurden, unterschieden sich im Rang durch ihre Fortbewegungsweise von den einfachen Leuten. Militärisches Fußvolk trug keineswegs von Anfang an Stiefel: Die Sandalen der römischen Legionäre ermöglichten als ein Element erst die Eroberung eines Riesenreiches durch Märsche mit Gepäck. Zu Fuß gehen zu müssen war also Selbstverständlichkeit und Not zugleich. Denn der Fuß des „Mängelwesens Mensch“ (Arnold Gehlen) verfügt weder über Hufe, Klauen oder Krallen wie mancher Tierfuß, noch daß der Mensch sich anderer Körperteile zur Fortbewegung bedienen könnte, etwa Flügel, Flossen oder Ringmuskeln wie die Schlange. Ein nackter Fuß ist kälte- und druckempfindlich, ohne Fell, hat beim Säugling überhaupt keine und beim vielgewanderten Greis eines Ur- oder Naturvolkes zwar durchaus hornige Schwielen, macht aber dennoch das Zurücklegen weiter Strecken oft zur Qual.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Mindere absichtlich zu wählen, bedeutet Selbsterziehung des Menschen.</h3>



<p></p>



<p>Heutzutage und seit dem Mittelalter ist das Zufußgehen, wenn dasselbe Individuum die Möglichkeit der fahrenden Fortbewegung hätte, eine bewußte Entscheidung. Daß in derselben Gesellschaft Gefährte in Gebrauch sind, während andere aus Armut kein solches Hilfsmittel haben, ist dementsprechend keine bewußte Entscheidung dieser Leute, sondern geschieht zwangsläufig. Diesen Unterschied gilt es festzuhalten, denn oft wird gegen die „Verhausschweinung des Menschen“ (Konrad Lorenz) die frühere Härte des Lebens als gesund und natürlich hingestellt. Das Mindere absichtlich zu wählen, also auf etwas zu verzichten, worauf man nicht zu verzichten gezwungen ist – das bedeutet Askese, und Askese ist Selbsterziehung des Menschen.</p>



<p>Barfuß zu gehen auf Wanderungen und im Schnee dient der Abhärtung. Pfarrer Kneipps Kaltwassertreten befördert die körperliche und geistige Gesundheit gleichermaßen. Alpenüberquerungen auf Schusters Rappen, Wallfahrten, Wanderungen auf den Spuren berühmter Männer oder Marathonläufe werden seit jeher mit der Absicht angetreten, das Unbequemere zu wählen. Im Kontrast zur Postkutsche oder zur noch viel bequemeren Autofahrt <em>per pedes apostolorum</em> unterwegs zu sein, ist ein asketischer Akt, wozu im allerweitesten Sinne auch sportliches Training gehört. Der Fußgänger wählt das Mindere. Er tut, was er nicht muß. Er gleicht sich in einem Aspekt den Minderbemittelten an. Das tut er allerdings in aller Regel nicht lebenslang, sondern nur für einen ebenfalls ausgewählten Orts- und Zeitraum: den Spaziergang, die Wanderung, die Pilgerreise, die Laufstrecke.</p>



<p>Auf diese Weise kann ein Stückchen Askese selbst dem Verhausschweintesten entweder aufhelfen, weil er mal sieht, wie es ist, oder aber ihn in seiner dekadenten Lebensweise nur bestätigen: Man denke an <em>boot camps</em> für Manager oder das Lastenfahrrad der Klimabewegten. Der Mensch als Mängelwesen schafft sich technische Entlastung, selbstverständlich auch auch für seine empfindlichen Füße. Der Anthropologe Arnold Gehlen sieht darin allerdings keineswegs nur Bequemlichkeit, sondern ganz im Gegenteil überhaupt erst die Möglichkeit der bewußten Wahl des Minderen zur Höherentwicklung. In seinem Hauptwerk <em>Der Mensch</em> (1940) schreibt er, und damit will ich meinen Spaziergang beenden: „Wesen der Zucht: Selbstzucht, Erziehung, Züchtung als In-Form-Kommen und In-Form-Bleiben gehören zu den Existenzbedingungen eines nicht festgestellten Wesens.“ </p>



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		<title>Oststolz – jetzt auch von links?</title>
		<link>https://dereckart.at/oststolz-jetzt-auch-von-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 15:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit Oststolz (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Alexander Prinz ist ein Nachwendekind. 1994 in Sachsen-Anhalt geboren wurde er über die Jahre hinweg zum erfolgreichsten „Content Creator“ der Metal-Szene und gefragten Experten. Als Buchautor hat er vor wenigen Wochen mit <em>Oststolz</em> (München 2025) einen Bestseller in einem Westverlag vorgelegt. Es geht ihm dabei nicht um die DDR, der er nicht hinterhertrauert. Als „Oststolz“ definiert er vielmehr das „Gefühl, das uns erfüllen sollte, wenn wir erkennen, was wir hier seit der Wende geschaffen haben, trotz widrigster Bedingungen und schlechter Startchancen“. Dieser Oststolz erfülle ihn und die Jugend des Ostens (der BRD) – und dieser Oststolz solle überhaupt erst zukunftsfähig machen, weil aus einem erneuerten Selbstvertrauen heraus das Bild des „Jammer-Ossis“ überwunden werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ hat längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht.</h3>



<p></p>



<p>Soweit die Theorie. In der Praxis ist der Stolz auf das heutige Ostdeutschland insbesondere unter jungen Menschen, die die DDR nie erlebten, längst massenkompatibel und muß nicht erst gestiftet werden. Ob in den Fußballstadien zwischen Dresden und Rostock oder bei Konzerten unterschiedlicher Interpreten: Leser dieser Kolumne wissen, daß das trotzig-selbstbewußte Credo „Ostdeutschland!“ längst eine relative Mehrheit der Nachwendegenerationen erreicht hat. Aber ist diese identitäre Standortbestimmung, wie Journalisten der Mainstreampresse nicht müde werden zu betonen, ausschließend, d.h. „exkludierend“, geradezu „rechts“? Oder ist es nicht vielmehr so, daß der Oststolz in den Kurven der Stadien und auf den Musikbühnen als metapolitisches Gefühl, das im Vogtland wie an der Ostseeküste vernehmbar ist, anschlußfähig in unterschiedliche Richtungen bleibt?</p>



<p>Gewiß: Politisch zahlt dieses Gefühl – derzeit – stark in Richtung volksverbundener Kräfte rechts der „Mitte“ ein. Die Generationenforscher Rüdiger Maas und Hartwin Maas behandeln das Thema in ihrer <em>Jugendwahlstudie Ostdeutschland</em> (Wiesbaden 2025). Dort ist zu lesen, daß der „sogenannte ‚Oststolz‘ und die Identifikation mit einer spezifischen ostdeutschen Kultur“, die als „ursprünglich“ und „authentisch“ dargestellt werde, die „politische Sozialisation“ nach rechts begünstige: „Dieser Stolz auf die ostdeutsche Herkunft wird von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD bewußt verstärkt, indem sie sich als Vertreter der ‚echten Ostdeutschen‘ positionieren und gegen den (aus dem Westen kommenden) ‚Mainstream‘ auftreten.“ Diese Erklärung ist stichhaltig – aber sie verkennt in ihrer Pauschalität, daß sowohl realpolitisch (Linkspartei-Zuwächse) als auch metapolitisch viele Ostjugendliche eine andere Richtung einschlagen.</p>



<p>Das hat, wie bei kulturellen Identitätsbildungsprozessen obligatorisch, neben nicht zu unterschätzenden Trotzreaktionen (vereinfacht dargestelltes Motiv: Wenn „die“ Ostjugend „rechts“ erscheint, werde ich „links“) auch mit musikalischen Polarisierungsträgern zu tun. Konkret: Immer mehr erfolgreiche Ostbands zwischen Rockmusik, Rap und Elektro schlagen einen linken Kurs ein, ohne dabei den Oststolz zu untergraben. Im Gegenteil: Erfolgsbands wie Kraftklub, die Hinterlandgang oder Feine Sahne Fischfilet (FSF) kokettieren mehr als nur ein bißchen mit ihrer Ostidentität, aber laden diese antifaschistisch auf und inszenieren sich als linke Inseln in einem rechten Meer. Daraus leiten sie dann ihre Rolle als Vertreter eines widerständigen und selbstbewußten Ostens ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben.</h3>



<p></p>



<p>„Provinz“ und ostdeutsche Peripherie werden nicht – wie von westdeutschen Platzhirschen – abschätzig begutachtet, sondern durchaus offen als „Heimat“ begriffen, womit sie in ein schwieriges Terrain geraten. Denn Akteure wie Feine Sahne Fischfilet, die seit 2004 hunderttausende Platten verkauften, bewegen sich einerseits im Antifa-Milieu, aber wissen andererseits realistisch, daß „die“ Jugend des Ostens auf ideologielastige „antideutsche“ Agitation abseits radikaler Blasen wie in den Universitätsstädten Jena und Leipzig wenig Wert zu legen scheint. Wer in die ostdeutsche Breite wirken möchte, muß über seinen Antifa-Stamm hinaus anschlußfähig bleiben. So versuchen FSF wie andere Bands auch den Ritt auf der Rasierklinge: einerseits antifaschistischer Ideologietransfer in den Liedtexten, andererseits die Selbstverortung als oststolze Widerständler, die „ihre Provinz“ lieben – wodurch man in anderen linken Kreisen schon der „Heimattümelei“ geziehen wird).</p>



<p>Feine Sahne Fischfilet, um beim erfolgreichsten Beispiel einer linken Ostband im Jugendsegment zu bleiben, verbreitet tatsächlich ein positives Heimatgefühl. Den linken „Spin“ bekommen sie dadurch hin, daß sie – etwa im Lied „Zuhause“ – die ostdeutsche Heimat für alle zu öffnen bereit sind. Zwar werden die Vorzüge einer gesunden Heimatumgebung affirmiert (Vertrautheit, Gemeinschaft), sich inständig versichert wird aber: „Doch ich bleib dabei, für eine grenzenlose Welt“. Das geht über die obligatorische Ambivalenz, die das Leben für jeden einzelnen bereithält, weit hinaus. Wer einerseits Vertrauensräume und Gemeinschaftsbildung im ostdeutschen Raum als positiv empfindet und andererseits dieses tendenziell „exklusive“ Gefühl für alle (!) öffnet, wird in der Realität feststellen, daß dies bereits jetzt in der Praxis nicht funktioniert. Auch die ostdeutsche Provinz – von Feine Sahne Fischfilet, Kraftklub, der Hinterlandgang und vielen anderen linken Bands unter Beifall der Presse und maximaler Reichweite durch entsprechend inszenierte Bühnenbereitung bespielt –, wird derzeit multikulturell umgepflügt. Erste Kleinstädte der ostdeutschen Provinz haben bereits über Parteigrenzen hinweg den „Asylnotstand“ ausgerufen. Diesen erleben Ostjugendliche im Alltag am Bahnhof, am Marktplatz oder im Supermarkt live – gefällige Musikempfindungen hin oder her.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf.</h3>



<p></p>



<p>Das inhaltliche Problem für die klügeren unter den entwicklungsfähigen linken Bands wie Feine Sahne Fischfilet wird dementsprechend mittel- und langfristig darin liegen, daß ihre Form des heimatverbundenen Oststolzes durch ihre Refugees-Welcome- und Offene-Grenzen-Agenda (in einem Lied heißt es: „Reiß ihre Zäune ein, reiß <em>alle</em> Zäune ein“) unterlaufen wird. Heimat ist kein abstrakter Raum, sondern ein dichtes Geflecht aus gemeinsamen Erfahrungen, gemeinsamer Sprache und gemeinsamen Vertrauensverhältnissen. Intuitiv, nicht reflexiv-rational, folgt daraus eine „landsmännische Parteilichkeit“ (David Miller). Zugehörigkeit und Verwurzelung bestehen nun mal insbesondere im Organisch-Konkreten, nicht im Universellen. Heimat lebt von Vertrautheit und Vertrautheit setzt die Fähigkeit zur Unterscheidung, zum Prinzip der Differenz, voraus: Ohne das Fremde gibt es auch kein Eigenes, Identität ist immer „dialogisch“ (Henning Eichberg).</p>



<p>Würde man also, wie es die erfolgreichen linken Musikgruppen derzeit versuchen, die ostdeutsche Heimat universalisieren, verlöre sie ihre Spezifika und würde zur austauschbaren Kulisse. Anders gesagt: Wer Heimat verallgemeinert, hebt sie auf. Und wer ausgerechnet aus dem derzeit höchst virulenten Oststolz ein linkes Weltbürgertum ableiten möchte, wird wohl früher oder später beim Versuch scheitern. „Oststolz von links“ bleibt ein Widerspruch in sich – wenngleich ein solcher, der sich einstweilen komfortabel vermarkten und monetarisieren läßt.</p>



<p></p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Beneš-Dekrete Nr. 5</title>
		<link>https://dereckart.at/benes-dekrete-nr-5/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 07:32:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (72) Am 28. März 1946 billigte die provisorische tschechoslowakische Nationalversammlung die 1940-45 erlassenen 143 Beneš-Dekrete – und damit auch das fünfte Dekret dieser unsäglichen Reihe: das vom 19. Juni 1945. Auf ihm basierte scheinjuristisch die vor nunmehr achtzig Jahren begonnene Heimatvertreibung der Sudetendeutschen, von denen viele im damals in der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (72)</h2>



<p>Am 28. März 1946 billigte die provisorische tschechoslowakische Nationalversammlung die 1940-45 erlassenen 143 Beneš-Dekrete – und damit auch das fünfte Dekret dieser unsäglichen Reihe: das vom 19. Juni 1945. Auf ihm basierte scheinjuristisch die vor nunmehr achtzig Jahren begonnene Heimatvertreibung der Sudetendeutschen, von denen viele im damals in der US-Besatzungszone liegenden Bayern eine neue Bleibe fanden.</p>



<p>Edvard Beneš, Präsident der Tschechoslowakischen Republik, hatte in jenem Dekret „über die Ungültigkeit einiger vermögensrechtlicher Handlungen aus der Zeit der Unfreiheit […]“ massive vermögensrechtliche Einschränkungen für Deutsche und Ungarn, angeblich „staatlich unzuverlässige Personen“, verfügt. Eine Folge dessen war die organisierte Deportation von über drei Millionen Sudetendeutschen aus ihren jahrhundertealten Siedlungsgebieten, die jetzt von der Tschechoslowakei beansprucht wurden.</p>



<p>Am 25. Januar 1946 traf im bayerischen Grenzbahnhof Furth im Wald der erste der Züge mit Sudetendeutschen ein, die diese beklagenswerten Menschen abschoben. Die erste „Fuhre“ brachte 1.205 Sudetendeutsche aus Budweis fort, wobei der Zug 40 Waggons umfaßte. Nur 40 Kilogramm Gepäck durften die oft schlechter als Vieh traktierten Vertriebenen aus ihren Häusern mit auf die Reise ins Ungewisse nehmen – und hatten dafür nicht einmal 60 Minuten Zeit. In aller Regel verkündete ihnen ein Tscheche ihr Los, und dann mußten sie von jetzt auf gleich ihr altes Daheim aufgeben. Bei Beginn dieser Austreibung waren aber bereits 800.000 Deutsche Opfer der „wilden Vertreibungen“ geworden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern.“&#8230;</h3>



<p></p>



<p>Um den von der Tschechoslowakei per Zug aus der Heimat geschafften Sudetendeutschen einen Namen zu geben und so das dahinter stehende grausame Schicksal persönlich zu machen, bereitet das Sudetendeutsche Museum in der ersten Hälfte dieses Jahres die Möglichkeit vor, in den Digitalisaten der in Tschechien überlieferten ca. 1.000 Transportlisten der Vertreibung von 1946 zu recherchieren. Diese Listen beziehen sich auf 55 Prozent aller Transporte. Ab August 2026 sollen die Digitalisate im Sudetendeutschen Museum in München in einer Medienstation einzusehen sein.</p>



<p>Erinnern wir die heutige SPD angesichts dessen an ihren auch von Willy Brandt – ehe er die Oder-Neiße-Linie anerkannte – getragenen Aufruf von 1963, in dem es heißt: „Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern.“ Noch bekannt?</p>



<p></p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p></p>
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