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	<title>Kolumne &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Kolumne &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Wilder Westen NRW</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 16:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Tief im Westen Glaubt man den Veranstaltern der ­– ja, wie soll man sie nennen?&#160; – „Pro-Brandmauer-Anti-AFD-Demo“ in Köln, waren es etwa 20.000 Demonstranten, die zwei Tage nach dem Wahlsieg der AFD in Sachsen-Anhalt zum Kölner Heumarkt pilgerten. Die Wahrheit sieht anders aus. Laut Polizeiangaben fanden nur 9.000 Demonstranten dorthin. Aber was [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Tief im Westen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubt man den Veranstaltern der ­– ja, wie soll man sie nennen?&nbsp; – „Pro-Brandmauer-Anti-AFD-Demo“ in Köln, waren es etwa 20.000 Demonstranten, die zwei Tage nach dem Wahlsieg der AFD in Sachsen-Anhalt zum Kölner Heumarkt pilgerten. Die Wahrheit sieht anders aus. Laut Polizeiangaben fanden nur 9.000 Demonstranten dorthin. Aber was schert es die Verblendeten, die sich an jenem Tag in bester Gutmenschenherrlichkeit als aufrechte Demokraten abfeierten? Wie immer in solchen Fällen fehlte es nicht an abgedroschenen Politparolen: „Haltung zeigen!“, „Keine Macht den Faschisten!“ oder „Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputtmachen!“. Welch seltsames Demokratieverständnis! Mit ihrer Kundgebung, die nach Schema F auch in anderen Städten Deutschlands stattfand, bewiesen die vermeintlich aufrechten Demokraten geradezu in eklatanter Weise ihr fehlendes Demokratieverständnis.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich kam es, wie es kommen mußte. Kaum strahlte Wahlsieger Ulrich Siegmund wie ein Honigkuchenpferd von den Bildschirmen der Nation, kriegten seine geschlagenen Gegner Schnappatmung. Da drohte Bundeskanzler Friedrich Merz einer etwaigen AFD-Regierung im Fall mangelnder Bundeskonformität mit dem „Bundeszwang“ und forderte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst sofort ein AFD-Verbot. Das erstaunt, ist doch Wüst eher ein Mann, der sich auf Bundesebene sonst sorgsam im Hintergrund hält. Wetzt da etwa bereits ein Brutus seinen Dolch, um Merz als Bundeskanzler zu beerben? Wenn ja, gleicht die Attacke politischem Selbstmord. Besser kann man sich nicht als schlechter Verlierer inszenieren. Aber vielleicht hat ja Wüst einfach nur nicht den Schuß gehört?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das könnte sein. Wie es aussieht, ist Nordrhein-Westfalen nämlich mittlerweile zum Wilden Westen der Berliner Republik geworden. Abgesehen von den mittlerweile obligatorischen Messerattacken rauchen in Köln, Duisburg, Essen oder Dortmund wöchentlich die Colts. Ihre Geschosse schlagen in Schaufenster, Autos oder Menschenleiber ein – letzteres sogar manchmal mit Todesfolge. Die mutmaßlichen Täter sind fast immer Migranten nahöstlicher Herkunft, deutsch-türkische Rocker oder Roma aus dem Balkan, Tendenz steigend. Wo bleiben da die Demos? Wieso erklingt hier kein „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“, angesichts eines dysfunktionalen Einwanderungssystemes, das migrantische Straftäter eher zu beschützen als zu bestrafen scheint?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Westalgie als Sackgasse</title>
		<link>https://dereckart.at/westalgie-als-sackgasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone Es gibt im bürgerlich-liberalen Flügel der AfD sowie dessen Vorfeld neuerdings eine verstärkte Sehnsucht nach einem Land, das es nicht mehr gibt. Bonn! Kohl! Alter Westen! Man strebt ausweislich seiner Statements in den sozialen Medien, in TV-Formaten und anderswo im Zeichen einer habituellen Westalgie zurück in eine Bundesrepublik, in der [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaisers Zone</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt im bürgerlich-liberalen Flügel der AfD sowie dessen Vorfeld neuerdings eine verstärkte Sehnsucht nach einem Land, das es nicht mehr gibt. Bonn! Kohl! Alter Westen! Man strebt ausweislich seiner Statements in den sozialen Medien, in TV-Formaten und anderswo im Zeichen einer habituellen Westalgie zurück in eine Bundesrepublik, in der die politischen Fronten übersichtlich (Schwarz/Gelb vs. Rot/Grün), die gesellschaftlichen Milieus sortiert und die eigene, betont gutbürgerliche Biographie noch als Modell für das Ganze mißverstanden werden konnte, in dem „Radikalismen“ von links und rechts nicht vorgesehen waren. Man kann diese Westalgiker in die Schublade des „Cold War Liberalism“ einfügen, einer antikommunistischen und antinationalen Spielart des US-orientierten Konservatismus des 20. Jahrhunderts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bonn“ ist für diese Leute nicht nur eine Stadt, es ist ihr Leben, das sie überaus komfortabel und konfliktarm lebten und aus dessen Bahnen sie irgendwie und irgendwann – durch die Wiedervereinigung, deren Folgen bzw. Langzeitfolgen, spätestens durch Merkel –&nbsp;hinauskatapultiert wurden, um am Ende bei der AfD, meist mit Mandat, zu landen. Sie bilden keine Mehrheit, aber sie sind medial gern gesehene Gäste und anhand markanter Positionen wahrnehmbar. Denn sie begreifen „ihre“ Partei nicht als <em>Alternative für Deutschland</em>, die sie sein muß und als die sie gewählt wird, sondern als <em>Korrektiv für die Union</em>. Ein Korrektiv, das die so nachhaltig linksgerückte Union wieder auf ihren (vermeintlich) natürlichen Platz zu setzen hätte: bürgerlich, konservativ, westorientiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur: Diese Union von 1978 oder 1982 führte zur Union von 1998, diese zu Merkel, dann zu Merz, wird später vielleicht zu Wüst führen. Es ist dies eine für unser Land folgenschwere, aber doch eine parteilich durchaus kohärente Entwicklung, wenn man den Zusammenhang der Sache rational und analytisch und nicht irrational und sentimental betrachtet. Es ist faszinierend: Jede Generation von Westalgikern in der rechten Mitte sieht in der je vor ihr wirkenden CDU-Generation das letzte „vernünftige“ Politikangebot. 2026 will man zurück in die CDU-Zeit „vor Merkel“, 1998 wollte man zurück zu 1982, und damals, unter Kohl, wollten die „Stahlhelmer“ innerhalb der Union zurück zu Adenauer oder Erhard. Schon bald dürfte es dann gutbürgerliche Konservative geben, die zurück zu Merkel wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens seit 1982, das heißt dem Ausbleiben der „geistig-moralischen Wende“ unter Kanzler Kohl, obwohl die Union bei der Bundestagswahl fast 50 Prozent der Wählerstimmen erzielte und damit „CDU pur“&nbsp; liefern konnte, verfällt man immer wieder den gleichen Illusionen: Diesmal werde es schon funktionieren, diesmal müsse man der „konservativen“ Neuorientierung der Christdemokratie einen Vertrauensvorschuß gewähren, diesmal müsse man sich selbst verändern, um CDU und CSU keine Gründe für polithygienische Distanz zu bieten usf. Man wußte zwar schon damals, nach Kohls Finten zur Domestizierung der eigenen rechten Flanke, daß die „geistige Führung der Republik von den grünen und alternativen Bewegungen übernommen worden“ war, wie Günter Rohrmoser in <em>Das Debakel. Wo bleibt die Wende? Fragen an die CDU</em> (Krefeld 1984) bilanzierte, ohne daß die Union – damals angeblich intrinsisch konservativ – Widerstand geleistet hätte. Doch zog man keine Konsequenzen, sondern wartete auf den Aufstand der christdemokratischen Basis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgten serienmäßig hilflos-naive Appelle an die Union, es doch <em>endlich</em> zu verstehen, sich <em>endlich</em> zu besinnen und in der Bundespolitik <em>endlich</em> eine „konservative“ Neuorientierung hin zum Gestern (dem wichtigsten Wesensmerkmal der Westalgie) hinzubekommen; doch der Aufstand blieb aus, die lukrative Arbeitsteilung – CDU verwaltet Realpolitik, Linksgrün dominiert Metapolitik – war zu verlockend für die Parteiapparate. So entsprechen die heutigen Aufrufe „Was die CDU jetzt tun muß!“ seitens prominenter Konservativer rund um die AfD längst einer altbekannten und ritualisierten Farce. Ob 1984, bei Rohrmoser, oder 2026, bei uns – es hat sich nicht viel geändert. Denn man wußte (und weiß) weder, weshalb die Übernahme der Hegemonie durch linksgrüne Kräfte unter Duldung bis Unterstützung der Christdemokratie folgerichtig war, noch bzw. geschweige denn, was dem entgegenzusetzen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das liegt an der eigenen Herkunft und den individuellen Lebenswegen der Protagonisten. Hinter der Westalgie verbirgt sich oft großbürgerliche Selbstgewißheit, die bis zur Arroganz gereicht; eine gewisse Geringschätzung nicht-bürgerlicher Lebenswelten bei Abwertung der Arbeitermilieus und des „Kleinbürgertums“ (Angestellte, Kleinunternehmer usw.); sowie mitunter die erstaunliche Vorstellung, der Osten der BRD, wo Arbeiter und „Kleinbürger“ die Bevölkerungsmehrheit stellen, sei im Grunde ein mißglückter, respektive verspäteter Westen, den man nur wieder auf den Normkurs, d.h.: in Westspuren, bringen müsse, der aber ansonsten in keiner Weise und auf keinem Feld als Vorbild tauge. Wer so denkt, kann viel über Kohl und die alte Union wissen und trotzdem wenig über Deutschland. Es ist eine bestimmte Traditionslinie des rheinischen und zum Teil hanseatischen Bürgertums, über das der geborene Schlesier und spätere Wahlsachse Ernst Niekisch bereits zwischen den Kriegen barsch urteilte, daß sein typischer Verfechter, „während er nach Osten drohend die Faust ballt, nach Westen in braver knechtseliger Erfüllungspolitik erstickt“. Das ist (zu?) hart, aber da ist schon etwas dran: Das Frappierende ist ja eben, daß ausgerechnet in einer Partei, die rund 23 Jahre <em>nach</em> der „Einheit“ geboren wurde und die – zuallererst: dank der <em>Ost</em>-Erfolge – den etablierten politischen Stillstand der Altparteien aufbricht, die Prä-Wende-BRD mit ihrem westalgischen Mief für manche ihrer Mandatsträger zum geistig-habituellen Sehnsuchtsort wird. „Disruptive“ Pose trifft auf Bonner Nostalgie, seichte Kritik der heutigen Union ohne echte politische Konsequenzen stößt auf die Verklärung der alten. Man will die Republik verändern, aber alles, was einem einfällt, weist in die Vergangenheit, die aber wie gesagt zur heutigen Realität führte, die also heutige substantielle Veränderungen doch überhaupt erst erforderlich macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indes: Diese politische Generation läuft aus. Für die nachrückenden Konservativen, Freiheitlichen und Rechten ist Bonn kein verlorenes Zuhause und die CDU kein Fixierpunkt der eigenen Lebensgeschichte und Lebensweisheit. Bonn ist für sie nahe oder sogar ferne Geschichte. Die Ära Kohl ist für sie kein verheißungsvolles Programm für das 21. Jahrhundert, sondern ein wohlverdient abgeschlossenes Kapitel des 20. Jahrhunderts. Die Westalgie wird, in logischer Konsequenz, als unpolitische Sackgasse erkannt und verworfen. Hier liegt eine interessante Verschiebung: Die Zukunft wird nicht denen gehören, die am schönsten vom Köln, Hamburg oder München der 1980er-Jahre erzählen können. Sie wird dort entstehen, wo jüngere, vorwärtsschreitende Generationen eigene Antworten suchen; auf Basis ihrer eigenen Werte, ihres eigenen Wissens, ihrer eigenen Weltanschauung und mit einem völlig anderen, d.h. unverkrampften und historisch unbelasteten Verhältnis bezüglich Ost und West.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die damit einhergehende Überwindung der „Westalgie“ findet sich übrigens nicht in ihrem wohl sympathischeren, aber ebenfalls wenig zukunftsträchtigen Antipoden namens „Ostalgie“. Die Überwindung wäre etwas viel Anspruchsvolleres und besteht zuallererst – aber nicht nur – darin, aufzuhören, die Zukunft eines alternativen deutschen Aufbruchs aus dem Rückspiegel zu denken: „Geschichte wird gemacht, es geht voran!“, sang die Band<em> Fehlfarben</em> 1982 – just in dem Jahr, in dem Kanzler Kohl stellvertretend für die gesamte Union das zaghaft gestartete Projekt aufgab, die politische und kulturelle Hegemonie der Linken zu beenden. 44 Jahre später ist es nun an der Zeit, das Projekt „Westalgie“ zu überwinden. Es hat uns nichts zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Achtzig Jahre Nürnberger Urteile</title>
		<link>https://dereckart.at/achtzig-jahre-nuernberger-urteile/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 08:51:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (80) Vor nunmehr achtzig Jahren begann am 30. September 1946 die Verkündung der Urteile im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß und wurde tags darauf abgeschlossen. Diese Verdikte waren laut dem Londoner Statut vom 8. August 1945 definitiv und unanfechtbar. Zur Verurteilung eines Angeklagten brauchte es bei vier Richtern eine Majorität von drei Voten. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (80)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor nunmehr achtzig Jahren begann am 30. September 1946 die Verkündung der Urteile im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß und wurde tags darauf abgeschlossen. Diese Verdikte waren laut dem Londoner Statut vom 8. August 1945 definitiv und unanfechtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Verurteilung eines Angeklagten brauchte es bei vier Richtern eine Majorität von drei Voten. Bei zwölf Angeklagten wurde auf eine Verurteilung zum Tod durch den Strang erkannt, sieben Angeklagte bekamen langjährige oder lebenslange Haftstrafen. Nur drei Angeklagte wurden freigesprochen: In den Fällen Hjalmar Schacht und Franz von&nbsp;Papen führte eine Pattsituation (2:2) im Richterkollegium zu einem Freispruch, während sich Hans Fritzsche mit 1:3 Stimmen freigesprochen sah. Im Urteil wurden zudem das Führerkorps der NSDAP, die Gestapo und die SS sowie der SD als verbrecherische Organisationen klassifiziert. Außer Albert Speer und Ernst Kaltenbrunner reichte jeder Verurteilte Gnadengesuche ein, doch wurden diese alle abgelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daß dem Londoner Statut rückwirkende Kraft verliehen und erstmals in der Historie der Menschheit „Planung und Führung eines Angriffskrieges“ zum Verbrechen erklärt wurde, wird noch heute – besonders im ab 1945 umerzogenen Deutschland – als unverzichtbare Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, aber auch als die Geburtsstunde des modernen Völkerstrafrechtes gelobt. Denn nach Ansicht der Sieger waren die Deutschen so kurz nach dem Krieg und ihrer totalen Niederlage weder willens noch fähig, über die NS-Verbrechen selbst zu Gericht zu sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch haben die Verfahren von Nürnberg weitere Kriege bis heute nicht verhindert. Auch waren sie keineswegs der Beginn des modernen Völkerstrafrechtes. In ihnen obsiegte vielmehr der damalige sowjetische Standpunkt, daß ein Prozeß weit eher der Politik der Regierung als der Gerechtigkeit zu dienen habe. Nicht nur Erich Kästner, der gewiß kein NS-Sympathisant war, urteilte: „Über der ganzen Nürnberger Urteilsfällung steht der Geist der Rache.“ Ohne die heute übliche Hypermoral ist mit Hellmut Diwald festzuhalten, „daß in den meisten Anklagepunkten eine unhaltbare Vermischung von rechtlichen und moralischen Anklagen vorlag, daß Vorwürfe ethischer Natur umgemünzt wurden in strafbare Handlungen“. Nicht erstaunlich, da nicht nur den US-Besatzungstruppen eingeschärft wurde, „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über das Schöne bei Kant</title>
		<link>https://dereckart.at/ueber-das-schoene-bei-kant/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 14:13:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wegwarte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Caroline Sommerfeld „Futternde Irokesen auf den Champs Elysées“ Wer sich Gedanken darüber macht, ob auch moderne Kunst schön sein könne, muß wissen, was „schön“ bedeutet. Immanuel Kant hat in seiner berühmten Kritik der Urteilskraft (1793) das Schöne umfassend erörtert. Hierbei argumentiert er vor allem ex negativo: Was ist das Schöne nicht? Womit darf es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>von Caroline Sommerfeld</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">„Futternde Irokesen auf den Champs Elysées“</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich Gedanken darüber macht, ob auch moderne Kunst schön sein könne, muß wissen, was „schön“ bedeutet. Immanuel Kant hat in seiner berühmten Kritik der Urteilskraft (1793) das Schöne umfassend erörtert. Hierbei argumentiert er vor allem ex negativo: Was ist das Schöne nicht? Womit darf es nicht verwechselt werden? Diese Abgrenzungsstrategie ist meines Erachtens solange zielführend, wie er Verwechslungsmöglichkeiten namhaft macht, verrät hingegen seine eigene subjektphilosophische Position, wenn er jegliche objektive Schönheit eines Gegenstandes ausschließt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Interesselosigkeit und Verallgemeinerbarkeit, Zweck und Vollkommenheit als Kriterien</h3>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn mich jemand fragt, ob ich den Palast, den ich vor mir sehe, schön fände, so mag ich zwar sagen: Ich liebe dergleichen Dinge nicht, die bloß für das Angaffen gemacht sind, oder wie jener irokesische Sachen, ihm gefalle in Paris nichts besser als die Garküchen (…)“, meint Kant, mische sich in das Urteil ein Interesse am betrachteten Gegenstand. Wer „für die Existenz einer Sache eingenommen“ sei, wer zum Beispiel den Palast gern bewohnen würde, der verfehle das Thema. Wenn der Irokese nur futtern wolle und kein Auge für die Schönheit der Champs Elysées habe, fehlt ihm das „interesselose Wohlgefallen“, das ein ästhetisches Urteil kennzeichnet. Etwas ist schön, wenn es ohne Interesse gefällt, konstatiert Kant. Nun könnte jemand allerdings rein persönlich, aus seinen Gefühlen oder Perversionen heraus, etwas für schön halten, das niemand anders schön findet. Einer meiner Söhne sah als Erstkläßler in der Straßenbahn einen Punk, der auf seinen Fingerknöcheln die Buchstaben HASS eintätowiert hatte. Er entzifferte sie und stellte dann kenntnisreich fest: „Das findet der Mann schön.“ Kant würde entgegnen: Nein, das ist unmöglich, man muß beim Schönfinden „glauben, Grund zu haben, jedermann ein ähnliches Wohlgefallen zuzumuten“. Das Schöne ist also etwas, das als Gegenstand eines allgemeinen Wohlgefallens vorgestellt wird. Wer etwas schön findet, muß dabei „jedermann ansinnen“ können, dieselbe Erscheinung schön zu finden. Auch wer nur einer oder einem ausgewählten Kreis anderer Personen die vermeintliche Schönheit zum Beispiel seines nackten Körpers ansinnen will, verfehlt den Begriff der Schönheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiters ist für Kant aus dem Begriff des Schönen der Zweck auszuschließen. Hierbei handele es sich nicht um, das bereits ausgeschlossene Interesse, denn ein Interesse sei immer subjektiv, während der Zweck eines Gebäudes, Artefaktes oder bestimmten Menschen immer objektiv sei. Sehr hübsch formuliert er: „Man würde vieles unmittelbar in der Anschauung Gefallende an einem Gebäude anbringen können, wenn es nur nicht eine Kirche sein sollte; eine Gestalt mit allerlei Schnörkeln und leichten, doch regelmäßigen Zügen, wie die Neuseeländer mit ihrem tätowieren tun, verschönern können, wenn es nur nicht ein Mensch wäre; und dieser könnte viel feinere Züge und einen gefälligeren, sanfteren Umriß der Gesichtsbildung haben, wenn er nur nicht einen Mann, oder gar einen kriegerischen, vorstellen sollte.“ Liegt dieses eindeutige Urteil daran, daß der Zweck das objektive Kriterium für das Schöne ist? Kant ist damit nicht zufrieden, denn ein Zweckurteil wäre nicht „rein“, d.h. nicht wirklich objektiv, denn immer mische sich das hinein, was er – der Ausdruck klingt schon sehr nach modernistischer Ästhetik – ein „Normideal“ nennt: Der Mensch habe je nach Kultur und Zeit ganz unterschiedliche „Normideale“, wie eine Kirche, ein Kleid oder ein Mann auszusehen hätten. Kann schließlich nur dasjenige „schön“ genannt werden, welches vollkommen ist? Hier erweist sich der Denker als Subjektivist: Er lehnt das Schönheitskriterium der Vollkommenheit ab, weil auch diese stets eine bestimmte „Behaglichkeit“ im Betrachter voraussetze. Ein griechischer Athlet erscheine uns bloß deshalb „vollkommen“, weil wir schauen, „ob alles Erforderliche an ihm sei“ und danach entscheiden: ja, paßt, alles dran, oder daran mäkeln. Dem ließe sich allerdings entgegenhalten, daß Kant selbst keine im Gegenstand liegende Vollkommenheit gelten läßt, weil er von vornherein die Schönheit ins Auge des Betrachters legt. Sind, hiermit fasse ich Kant zusammen, Interesselosigkeit und Verallgemeinerbarkeit des Urteils zwei brauchbare Kriterien für das Schöne, schließt er die beiden Kriterien Zweckmäßigkeit und Vollkommenheit meines Erachtens zu Unrecht aus. Ohne Objektivitätsmaßstab ist der Weg frei zu einer Ästhetik der Beliebigkeit, gegen die Kant ja eigentlich das Schöne verteidigen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Zäsur von Sachsen-Anhalt</title>
		<link>https://dereckart.at/die-zaesur-von-sachsen-anhalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2026 11:27:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone Am Wahlabend des 6. Septembers teilte Björn Höcke den Gästen der AfD-Wahlfeier in Sachsen-Anhalt mit, daß dieser Abend eine Zäsur für die BRD darstelle – man werde fortan in ein „Davor“ und ein „Danach“ einteilen, wenn es um die Folgen der Landtagswahl für das politische Gefüge der Republik gehe. Abseits [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaisers Zone</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Wahlabend des 6. Septembers teilte Björn Höcke den Gästen der AfD-Wahlfeier in Sachsen-Anhalt mit, daß dieser Abend eine Zäsur für die BRD darstelle – man werde fortan in ein „Davor“ und ein „Danach“ einteilen, wenn es um die Folgen der Landtagswahl für das politische Gefüge der Republik gehe. Abseits des Pathos’: Das ist korrekt. Denn die AfD um ihren Spitzenmann Ulrich Siegmund hat in der Tat Geschichte geschrieben, und sie hat sie selbst geschrieben – nicht als untergeordneter Schreiberling, sondern als eigenverantwortlicher Autor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahlen sind soweit bekannt: Laut vorläufigem Endergebnis wurde die AfD mit 43,8 % stärkste Kraft vor der CDU mit 17,2 %, während die SPD auf 9,3 %, die Grünen auf 8,9 %, die Linke auf 8,6 % kamen, sowie das BSW mit 5,3 % den Einzug in den Landtag schaffte. (Die FDP mit 2,6 % vermählt sich mit den „Sonstigen“.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist dies nicht der Ort für eine Exegese der Zahlen: Natürlich hat sich die CDU mehr als halbiert und die AfD sich mehr als verdoppelt, und ebenso auffällig ist, daß lediglich die Grünen von der großen Mobilisierung des antifaschistischen Vorfeldes in Gewerkschaften, Sportvereinen, Kirchen und linken Strukturen zwischen NGOs und Antifa-Bezugsgruppen profitieren konnten; ihr Zuwachs auf fast 9 % (2021: 5,9 %) erscheint dennoch marginal im Verhältnis der blauen Erfolgsgeschichte von fast 44 % AfD-Wählern (2021: 20,8 %). Abseits der linksliberal geprägten Großstadt Halle/Saale, die durch das nahe (und teurere) Leipzig in regelmäßiger Konsequenz Zustrom von jungakademischem Personal erfährt und über dichte linksgrüne Parallelwelten verfügt, und abseits einiger Viertel in der zweiten Großstadt des Bundeslandes, Magdeburg, finden die Grünen ebenso wie andere Linksparteien kaum greifbar statt – die typisch mittel- bzw. ostdeutsche Kleinstadt-Dorf-Atmosphäre vertrauter Zusammenhänge und nachbarschaftlicher Bezüge, die auch in Sachsen-Anhalt dominiert, ist weiterhin kein guter Nährboden für kosmopolitische und klimasektiererische Ideologeme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da diese Kolumne gemäß Bestimmung ostspezifisch ist und bleibt, überlasse ich allgemeine bundespolitische Analysen indes den Kollegen und möchte stattdessen fünf Aspekte notieren, die ich mit Fokus auf „den Osten“ für bedenkenswert halte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: Das „typisch“ ostdeutsche Element läßt sich in den Aussagen erkennen, welche Themen Haupttreiber für den Gang zur Urne gewesen seien. Das Feld, laut Infratest Dimap für die ARD, führt einmal mehr „Soziale Sicherheit“ an (die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten, Statusabstieg, fehlender Planungssicherheit usw.), gefolgt mit einigem Abstand von „Frieden in Europa“, „Innere Sicherheit“ und „Wirtschaft“. „Zuwanderung“ landet – für die „Nur Remigration!“-Maximalisten überraschend – weit abgeschlagen auf Platz sechs. Selbst bei AfD-Wählern ist „Zuwanderung“ nicht auf Platz eins, sondern teilt sich den hinteren Podestplatz mit „Sozialer Sicherheit“, wobei „Innere Sicherheit“ sicherlich stark auch mit Überfremdungsproblemen zusammenhängen dürfte. Festzuhalten ist: Fragen sozialer Gerechtigkeit, ökonomischer Stabilität und Sicherheit für Leib und Leben dominieren im Osten mehr denn je. Wer hier authentische politische Standpunkte vertreten kann, punktet. Der AfD werden auf diesen Feldern – ob begründet oder nicht, wird sich zeigen – hohe Kompetenzen zugesprochen. 60 Prozent der Arbeiter wählten gestern AfD und votierten damit für soziale und innere Sicherheit als entscheidendes Bezugspaar. Das darf man durch marktradikale und marktliberale Possen gewisser Akteure, die auch im Umfeld Sachsen-Anhalts Anschluß fanden, nicht gefährden, sonst gefährdet man aufgrund eigener ideologischer Vorlieben das stetig wachsende Gesamtprojekt einer rechten Volkspartei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat sich knapp in den Landtag gerettet und kann fünf Mandate für sich beanspruchen (AfD: 39, CDU 15, SPD/Grüne/Linke je 8acht). Es war die einzige Partei, an die die AfD überhaupt Stimmen abgeben mußte (allerdings auch nur 2000), wohingegen die AfD von allen anderen Parteien Stimmen abzog – wie so oft im Osten überwog aber freilich das Nichtwählersegment. 150.000 Nichtwähler wurden mobilisiert, was erheblich zum Rekord von 77,8 % Wahlbeteiligung beitrug; Berliner Podcaster sprachen gar vom gefeierten „Hochamt der Demokratie“. Die AfD erweist sich folglich erneut als Demokratiemotor („Man kann wieder wählen!“). Das BSW bespielte „Friedenspolitik“ (Ausgleich mit Rußland, Nein zur Ukraine-Aufrüstung usw.) erfolgreich, profitierte zudem vom rechtzeitigen Parteiausstieg der altparteienfreundlichen Kreise innerhalb des linkspopulistischen Experimentes. Das sicherte dem BSW sein Überleben als ostdeutsche Regionalpartei, verhinderte aber zugleich die absolute Mehrheit für die AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens: Das heißt nicht, daß eine AfD-Regierung unter Ministerpräsident Ulrich Siegmund ausgeschlossen sei. Es gibt mehrere Optionen. Die schlechteste von ihnen hat Siegmund, der gemeinsam mit dem „Filmkunstkollektiv“ und weiteren Akteuren aus Partei und Vorfeld den „wohl besten Wahlkampf, den jemals ein AfD-Verband auf die Beine gestellt hat“ (Torben Braga), orchestriert hat, ausgeschlossen: Minderheitsregierung auf ständigem Abruf. Eine bessere Option wären da schon einige wenige Überläufer aus der CDU: Immerhin handelt es sich um jenen Landesverband der Christdemokratie, in dem konservative Restvernunft zumindest von Zeit zu Zeit in einzelnen Regionen in Erscheinung tritt. Schon 2019 (!) hieß es in einem internen Papier von CDU-Landespolitikern (allerdings der dritten Reihe), man müsse „das Soziale mit dem Nationalen versöhnen“, was für den Durchschnittsdeutschen begrifflich problematisch klingt, aber im Kern nichts anderes heißt, als daß soziale und innere Sicherheit, die ewigen Grundpfeiler erfolgreicher sozialpatriotischer Politik und die wichtigsten Wahlmotive einer relativen Mehrheit der Ostdeutschen in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus, zusammenzudenken seien. Zudem gibt es konservative Einzelgänger wie den früheren Innenminister Holger Stahlknecht, die über einen gewissen Einfluß auf die schwarzen Kreisverbände verfügen. Die AfD hat 39 Mandatare, für eine Mehrheit sind angesichts von 83 Parlamentssitzen in Magdeburg mindestens 42 nötig. Drei CDU-Überläufer – und ein Kabinett Siegmund stünde, wenngleich auf wackligen Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viertens: Stabiler wäre da schon eine „echte“ Koalition. Diese kann es naturgemäß mit der CDU, die für die herrschenden Verhältnisse in Land und Bund die Hauptverantwortung trägt, nicht geben, auch nicht mit der nun geschrumpften CDU. Zu derlei kontraproduktiver Absurdität, die die eigene Glaubwürdigkeit bundesweit anzählen, wenn nicht sogar zerstören würde, darf und sollte es nicht kommen. Das wäre keine konstruktive Realpolitik, das wäre ein Offenbarungseid ohne jede Not und ein Affront gegenüber den eigenen Stammwählern – die AfD als Garant der weiteren Herrschaft der so oft gescholtenen „Altpartei“? Übrig bliebe eine Zusammenarbeit mit dem BSW, das, wie bereits erwähnt, in bestimmten Themenbereichen große Übereinstimmung mit den AfD-Positionen aufweist. 39 plus fünf ergäbe 44 – das würde reichen. Aber reicht auch der Mut des BSW? Die Spitzenkandidatin der Linkspopularen, die Historikerin Claudia Wittig, ist nicht nur sympathisch, sondern auch unerschrocken: Im Wahlstudio der ARD gab sie Alice Weidel demonstrativ freundlich die Hand und hob die inhaltlichen Schnittmengen hervor, die einer gedeihlichen Zusammenarbeit auf Sach- und Fachebene zuträglich wären. Weidel nahm, einigermaßen überrascht, den Flirt auf – da kann sich etwas bewegen. Wenn, ja wenn nur die notorischen liberalen Alt-Antikommunisten in Teilen der AfD mit ihren Anti-BSW-Affekten nicht Sabotage begehen, und wenn, ja wenn nur die antifaschistischen Alt-Linken in Teilen des BSW mit ihren eigenen Affekten nicht Ähnliches gegen die AfD tun. Fakt ist: Eine Zusammenarbeit wäre programmatisch möglich, wobei unklar ist, wie aggressiv die BSW-Bundesspitze dies zu verhindern zu versuchen bereit wäre. Natürlich sind, der Vollständigkeit halber, auch andere Hybridmodelle denkbar, beispielsweise zwei oder drei CDU-Überläufer vereint mit zwei oder drei BSW-Überläufern, die Ulrich Siegmund zum ersten patriotischen Ministerpräsidenten in der Geschichte der BRD machen würden. Geschieht das nicht, folgt die Allparteienkoalition unter Einschluß der Linken – dann wird das Projekt 45-Prozent-Plus für Siegmund in Zukunft real, und spätestens 2029 gibt es dann (nicht nur, aber <em>auch</em> deswegen) die Ministerpräsidenten Tino Chrupalla in Sachsen und Björn Höcke in Thüringen. Das hätte ganz eigene Vorzüge, weil es dann direkt AfD-Landesregierungen im Doppelpack in Dresden und Erfurt gäbe, was die Stabilität des Projekts erhöhen und es dem Establishment viel schwerer machen würde, die jeweilige Regierung vollends zu isolieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünftens: Was immer koalitionsarithmetisch in Magdeburg nun auch kommen mag – dieser Wahlkampf hat jetzt schon neue Trends gesetzt und die Meßlatte künftiger Wahlkämpfe erheblich nach oben verschoben. Ulrich Siegmund war das Gesicht einer neuen AfD und damit einer positiven Vision. Er wurde zum personifizierten Aufbruch einer Partei, die den nächsten Schritt vom „Dagegen“ zu einem konstruktiven „Dafür“ zu gehen bereit ist. Daß noch nicht die gesamte Partei auf diesem qualitativen Level ist, gehört zur Wahrheit dazu; daß einer aber damit anfangen mußte, auch. Und das gelang. Es gelang nicht zuletzt deshalb, weil die Spitzenmannschaft in Magdeburg einige grundlegende Lektionen der Politik beherrscht: keine Distanzeritis, kein Einknicken vor Kontaktschuldvorwürfen, keine Konzessionen an jene politmedialen Kreise, die nicht nur keine „saubere“ bzw. „gemäßigte“ AfD wollen, sondern gar keine. 2026 ist nicht das Jahr, in dem der politische Gegner mit dem Antifa-Besteck von 2016 oder 2021 den Aufwuchs der Blauen verhindern kann. Das können sie nur selbst. Ein Beispiel: In zwei Wochen wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Die AfD stagniert dort trotz eminent fleißiger Wahlkämpfer an der Basis bei 35 Prozent. Neben landesspezifischen Gründen sind die fehlende Dynamik der „Performance“ des Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm und die fehlende visuelle Begleitmusik für sein Agieren dafür verantwortlich. Die AfD steht im gesamten Osten sehr gut da, aber die sprichwörtliche „Extrameile“ geht man nur gemeinsam und nur auf dem höchsten Level der Aufmerksamkeitsökonomie. Wer das als Spitzenkandidat, als Gesicht einer Kampagne, schlichtweg nicht beherrscht und einen authentischen Offensivmodus nicht kennt, was auch wohlmeinende Beobachter einigermaßen frappiert, wird die 40-Prozent-Marke nicht überschreiten, sondern macht nur obligatorischen Dienst nach Vorschrift. Es verhält sich so: Nicht nur der „Kampf gegen rechts“ kann mit 2016er- oder 2021er-Methoden nichts (mehr) ausrichten. Auch in der AfD hat sich seit 2016 und 2021 einiges getan. Wer da nicht mitzieht, wirkt überholt und überlebt. Sachsen-Anhalt mit Ulrich Siegmund zeigt demgegenüber auf, was möglich ist – und bringt die Verhältnisse in ganz Deutschland nun zum Tanzen. Der Aufbruch hat gerade erst begonnen!</p>



<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p class="wp-block-paragraph"><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Wenn Du mich siehst, dann wirst Du weinen“</title>
		<link>https://dereckart.at/wenn-du-mich-siehst-dann-wirst-du-weinen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 10:50:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Tief im Westen „In tiefen Fluten ruh ich gern, doch mahn ich, bleibt das Wasser fern“. Diese Zeilen eines Goethe-Gedichtes sind auf einem Findling zu lesen, den Steinmetz Benedikt Kreusch am 20. August 2026 weitab vom eigentlichen Ufer am Rhein bei Kleve plazierte. Was beim ersten Lesen unglaubwürdig klingt, ist wahr. Dort, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Tief im Westen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">„In tiefen Fluten ruh ich gern, doch mahn ich, bleibt das Wasser fern“. Diese Zeilen eines Goethe-Gedichtes sind auf einem Findling zu lesen, den Steinmetz Benedikt Kreusch am 20. August 2026 weitab vom eigentlichen Ufer am Rhein bei Kleve plazierte. Was beim ersten Lesen unglaubwürdig klingt, ist wahr. Dort, wo der Gesteinsbrocken jetzt liegt, fließt normalerweise der Rhein, sodaß der behauene Fels bei normalem Pegelstand nicht mehr zu sehen sein wird. Der Findling ist nämlich ein sogenannter „Hungerstein“ und wird zukünftig immer bei extremen Niedrigwasserständen „auftauchen“, die durch langanhaltende Trockenperioden bewirkt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kreuschs Aktion ist kein Novum. Die Tradition der Hungersteine ist in Deutschland seit dem Hochmittelalter historisch verbürgt und im Rhein-Maingebiet sowie den Elbgebieten verbreitet. Wie die Tradition entstand, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, daß Hungersteine den Beweis dafür liefern, daß Dürren immer wieder zyklisch auftauchen und nicht erst das Produkt eines vermeintlich menschengemachten Klimawandels sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So zeigen zum Beispiel die Hungersteine von Worms an, daß es allein im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Dürreperioden gab. Diese erschwerten die Rheinschiffahrt nicht nur erheblich, sondern machten sie sogar zeitweise unmöglich. Belege dafür sind die auf den Hungersteinen verzeichneten Niedrigwasserstände der Jahre 1857, 1947, 1963, 2003 und 2009.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daß die Hungersteine bis heute im Kollektivgedächtnis geblieben sind, liegt daran, daß auf den Felsbrocken nicht nur die Jahreszahlen historischer Niedrigwasserstände vermerkt wurden. Denn Hungersteine erfüllen immer zwei Funktionen: Einerseits dienen sie dem Kollektivgedächtnis, indem sie an historische Niedrigwasserstände erinnern, andererseits verweisen sie auf die Gefahr nahender Hungersnot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde an der alten Wuppermündung bei Leverkusen vor Verlegung des Flusses im Hungerjahr 1947 ein größerer Steinbrocken im Rhein gesehen, der folgende Inschrift trug: „Wenn Du mich siehst, dann wirst Du weinen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Biblisch anmutende Hungersteininschriften wie diese entsetzen die Nachwelt noch heute, erinnern sie doch eher an ein düsteres Menetekel als an einen einfachen Gedenksteinspruch. Doch nicht immer finden sich auf Hungersteinen derartig schaurige Gravuren. Manchmal wurden auf ihnen auch nur Namensgraffiti oder Liebesbotschaften mit ungelenker Hand eingeritzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Make Colonia great again!</title>
		<link>https://dereckart.at/make-colonia-great-again/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Aug 2026 09:10:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Tief im Westen Julius Cäsar fackelte nie lange. Nachdem 55 vor Chr. ostrheinisch siedelnde Germanen in Gallien eingefallen waren, schlug der Julier mit seinen Legionen erst eine Brücke über den Rhein und dann den Germanen kräftig aufs Haupt. Unmittelbar darauf zog er sich wieder auf das rheinische Westufer zurück und ließ die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>von Alain Felkel</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Tief im Westen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Julius Cäsar fackelte nie lange. Nachdem 55 vor Chr. ostrheinisch siedelnde Germanen in Gallien eingefallen waren, schlug der Julier mit seinen Legionen erst eine Brücke über den Rhein und dann den Germanen kräftig aufs Haupt. Unmittelbar darauf zog er sich wieder auf das rheinische Westufer zurück und ließ die Rheinbrücke abbrechen. Bis heute ist es ein Rätsel, wo sie stand. Aber so viel ist klar: Es kann unmöglich in Köln gewesen sein, wo man sich lange Zeit im Brückenbau schwertat. Nach Cäsars Brückenschlag dauerte es nämlich über 350 Jahre, bis Kaiser Konstantin I. dort eine Brücke errichten ließ, die während der Völkerwanderung zerstört wurde. Nur den Preußen ist es zu verdanken, daß ab 1822 in Köln der Brückenbau wieder aufgenommen wurde. Heute zählt man in Köln sieben Rheinbrücken, die sanierungsbedürftig sind. Geht es nach dem Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester, soll ab 2026 die Sanierung dreier Rheinquerungen schrittweise beginnen und in den 2040er-Jahren abgeschlossen werden. Das Geld dazu kommt zum größten Teil aus Landes- und Bundesmitteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wird der Bauträger seinen Kosten- und Zeitplan einhalten? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich drohen der Stadt Köln neue Dauerbaustellen und Milliardengräber. Denn gleichzeitig zur Sanierung der Rheinbrücken will sie auch noch zwei neue Rad- und Fußwegbrücken über den Rhein bauen und sich trotz leerer Kassen für die Olympischen und Paralympischen Spiele von 2036, 2040 und 2044 bewerben. Was für ein Wahnwitz! Kaiser Nero wäre beim Vernehmen dieser törichten Pläne zu Tränen gerührt gewesen. Großartiger kann man nicht untergehen! „Ave Cäsar! Make Colonia great again!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wahrlich, Köln zeigt Mut zur Größe! 2028 will die Deutsche Bahn in der Kölner Innenstadt vier alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnbrücken der Hohenzollern-Ära durch neue Brücken ersetzen. Ihr Argument: Eine Brückensanierung sei im Gegensatz zum Brückenneubau aufgrund gestiegener technischer Anforderungen im Bahnverkehr nicht möglich. Dem widersprachen die Gegner des Brückenneubaus bis zuletzt vehement, aber erfolglos. Am 30. September 2025 hat das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluß erlassen, was ganz im Sinne der Deutschen Bahn ist. Totalerneuerungen werden gegenüber Instandsetzungen oder Sanierungen bundesweit fördertechnisch bevorzugt. Und deswegen müssen die alten Bahnbrücken in der Kölner Innenstadt weichen. So einfach ist das. </p>
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		<title>Grimmelshausen zum 350. Todestag</title>
		<link>https://dereckart.at/grimmelshausen-zum-350-todestag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 13:56:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (79) 350 Jahre ist es her, daß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb: am 17. August 1676. Der eine Klassiker der Weltliteratur, den er schuf, hat ihn unsterblich gemacht und hält die grausame Realität des Dreißigjährigen Krieges lebendig. Geboren wurde Grimmelshausen 1621 oder 1622 in Gelnhausen nahe Frankfurt. Als sein [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (79)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">350 Jahre ist es her, daß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb: am 17. August 1676. Der eine Klassiker der Weltliteratur, den er schuf, hat ihn unsterblich gemacht und hält die grausame Realität des Dreißigjährigen Krieges lebendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geboren wurde Grimmelshausen 1621 oder 1622 in Gelnhausen nahe Frankfurt. Als sein Vater verstarb, nahm ihn der Großvater zu sich und schickte ihn für ein paar Jahre auf die Lateinschule im Ort. Nach der Schlacht von Nördlingen (5./6. September 1634) verloren die Schweden ihren Einfluß in Süddeutschland. Im selben Jahr 1634 wurde auch das lutherische Gelnhausen von den Kaiserlichen geplündert und in Brand gesteckt, und Grimmelshausen geriet unter die Soldaten, unter kroatische Reiter. Sein Lebensweg und der seiner berühmten literarischen Figur Simplicissimus überschneiden einander in manchen Punkten, doch das Los Grimmelshausens war eine weitere Gefangennahme: Hessische Soldaten überwältigten die Kroaten und setzten sie sowie Grimmelshausen in Kassel fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem dieser die Wechselfälle des Kriegsgeschehens fast sämtlich mitgemacht hatte, begann er nach dem Friedensschluß von 1648 ein neues Leben. Er heiratete, gründete eine Familie, verdiente sich seinen Unterhalt als Verwalter, Gastwirt und Bürgermeister in Renchen, zwanzig Kilometer östlich von Straßburg. Erst jetzt begann er mit dem Schreiben. Unter zahlreichen Pseudonymen verfaßte er ein Werk nach dem anderen. <em>Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch</em>, sein zweiter Roman, wurde gleich nach der Veröffentlichung 1668 zu einem großen Erfolg: In den nächsten vier Jahren erschienen sechs Auflagen, wovon eine ein Raubdruck war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende seines Lebens wurde Grimmelshausen erneut Soldat: Denn als Ludwig XIV. die östliche Grenze Frankreichs bis an den Schwarzwald ausdehnen wollte, wurde die Region um Renchen zum Schlachtfeld. Auch der Bürgermeister Grimmelshausen mußte noch einmal in den Krieg ziehen. Vielleicht an den Folgen einer Verwundung oder an einer Krankheit starb er am 17. August 1676 mit etwa 55 Jahren im Kreis seiner Familie. Er war einer unter Hunderttausenden im Heer der namenlosen Kriegshandwerker gewesen, die in jenen dreißig Jahren schießend und stechend, raubend und mordend durch die deutschen Lande gezogen waren. Oft war es purer Zufall, wer auf der Seite des Kaisers und wer auf der Seite seiner Gegner ins Gefecht ging. Was sie antrieb, waren nur Not und Hunger, denn sie waren Söldner.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Aufstieg und Fall des Werner Bräunig</title>
		<link>https://dereckart.at/aufstieg-und-fall-des-werner-braeunig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone In der soeben erschienenen August-Ausgabe des ECKARTs führe ich eine Neuerscheinung von Carsten Gansel ein. Der Literaturwissenschaftler zeichnet die Prozesse der Entwertung des mittel- bzw. ostdeutschen Schriftgutes in seiner Studie Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand (Stuttgart 2026) nach. „Wer wissen will, was die DDR und wie der Alltag [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kaisers Zone</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der soeben erschienenen August-Ausgabe des <em>ECKARTs</em> führe ich eine Neuerscheinung von Carsten Gansel ein. Der Literaturwissenschaftler zeichnet die Prozesse der Entwertung des mittel- bzw. ostdeutschen Schriftgutes in seiner Studie <em>Ausradiert? Wie die Literatur der DDR</em> <em>verschwand</em> (Stuttgart 2026) nach. „Wer wissen will, was die DDR und wie der Alltag war“, so hält Gansel fest, „sollte die Literatur lesen, die in diesem Land entstand und die keineswegs eine Affirmation des Bestehenden betrieb.“ Gansel verweist dabei auf jene Autoren, die in der Nachwenderepublik der <em>damnatio memoriae</em> verfielen; man las DDR-Literatur nicht mehr, man warf sie sogar – in den Jahren nach 1990 ganz gegenständlich – auf die Müllhalde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entsorgungsepoche des mittel- bzw. nun ostdeutschen Schrifttums war keine, in der man nach Geheimtips des verblichenen Teilstaates suchte, die es neu zu edieren gäbe. Erst 2007 hob daher der Aufbau Verlag einen besonderen Schatz, der auch bei Gansel Erwähnung findet: den <em>Rummelplatz</em> des Chemnitzer Arbeiters und Schriftstellers Werner Bräunig in der bis dato verborgenen Erstauflage. Es war im Osten der BRD ein literarisches Ereignis, das ich, damals frisch eingelebt in der altehrwürdigen Industriestadt, eher zufällig wahrnahm. Denn Bräunigs Hauptwerk war zwar direkt nominiert für den Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse, aber er selbst war mir kein Begriff. Das hatte mit einer anderen Form der <em>damnatio memoriae, </em>einer Art bewußten Entscheidung zum Vergessenwerden,zu tun. Denn die DDR-Kulturfunktionäre hatten zu Bräunig den Daumen gesenkt und zwar bereits ab 1965, also vier Jahrzehnte vor der Publikation des Hauptwerkes von Bräunig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hatte natürlich mit der Lebensgeschichte des 1934 in Chemnitz geborenen Werner Bräunig zu tun. Eigentlich, möchte man meinen, wäre er im Zeichen von Bitterfelder Weg („Greif zur Feder, Kumpel!“) und Aufbau des Sozialismus ein ausgezeichneter Kandidat für die führende SED-Literaturproduktion gewesen: Arbeitersohn, proletarisch sozialisiert, Schlosserlehre, Verwurzelung im Sächsischen. Doch Bräunig war schon in dieser turbulenten Phase der DDR zu unbequem. 1953 ging er als Fördermann der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut (SDAG Wismut) aus Chemnitz ins angrenzende Erzgebirge. Dort, wo „die Wismut“, wie man das 1946 gegründete Bergbauunternehmen bis heute schlicht nennt, die Lebenswelt vieler zehntausender Deutscher bestimmte, lernte er nicht nur den harten Alltag der vom Sowjetbesatzer ausgebeuteten Malocher kennen, sondern auch die neue Halbwelt, die im Dunstkreis der Zechen und Gruben entstanden war. Bräunig selbst schmuggelte zu den Westbesatzern und wurde erwischt; nach kurzer Haftstrafe blieb er im „Arzgebirg“ und verdingte sich auf verschiedenen Stellen. Daneben versuchte er sich recht erfolgreich als Autor für die regionale Tageszeitung <em>Volksstimme</em> (heute: <em>Freie Presse</em>) und wurde von Kulturfunktionären als Talent entdeckt. Drei Jahre lang durfte der publizistische Aufsteiger deswegen am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig lernen, bevor er, seit 1958 SED-Mitglied, im Jahr des Mauerbaues 1961 sogar eine Anstellung in dieser renommierten Einrichtung erhielt, die er bis 1967 – allerdings zuletzt strafweise an die Zeitung <em>Freiheit</em> „abkommandiert“ – ausüben konnte. Vom Leipziger Umland zog er damals nach Halle/Saale, wo er am 14. August 1976 – schwer alkoholkrank und politisch-gesellschaftlich isoliert – verstarb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser tödliche Abstieg des einstmals so aufstrebenden Jungliteraten hatte mit dem eingangs erwähnten Epos <em>Rummelplatz</em> zu tun. Denn Bräunig wollte, wie er selbst formulierte, schriftstellerisch „teilhaben an der Veränderung der Welt“, die sich im besonderen in der SBZ bzw. frühen DDR vollzog. Er wollte den „Sozialistischen Realismus“ sehr plastisch, sehr konkret, sehr lebenswirklich darstellen und mußte so zwangsläufig den Propagandisten des SED-Apparates mit ihrer demonstrativen Verklärung der gesellschaftlichen Verhältnisse ins Gehege kommen. So sorgte schon der 25-Seiten-Vorabdruck des geplanten Werkes in der Zeitschrift <em>Neue deutsche Literatur</em> im Jahr 1964 für Bräunigs schrittweise Demontage. Bräunig selbst ahnte wohl vorher potentielle Unstimmigkeiten und stellte dem Auszug eine Bemerkung voran, wonach er, der damals 30jährige, explizit seiner Alterskohorte nachfühlen möge, die 1945 – in der vermeintlichen Stunde Null – elf bis dreizehn Jahre alt gewesen sei: „Es ist meine Generation, und aus Erlebnis und Beobachtung weiß ich, daß sie sich von den nur um fünf Jahre Älteren genauso merklich unterscheidet wie von den nur fünf Jahre Jüngeren.“ Es ging ihm also nicht um eine ideologische Kritik der jungen DDR, sondern um eine Analyse einer Generation im Wandel. Und Bräunig sah seine Generation – speziell im damals rasant wachsenden Wismut-Imperium zwischen Johanngeorgenstadt und Aue bis ins Thüringische hinein, das zum drittgrößten Uranproduzenten der Welt wurde – nun mal hin- und hergeworfen zwischen harter Arbeit, körperlichem Leid, sowjetischem Zwang und der Suche nach Müßiggang als temporärer Flucht aus der bleibenden Realität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Prompt reagierten besonders parteitreue „Wismut-Kumpel“ per Eingabe an die <em>Neue deutsche Literatur </em>und warfen dem Autor vor, „Schmutz über unsere Bergarbeiter und deren Frauen“ zu kübeln. Es folgten weitere Verrisse, und insbesondere folgte die minutiöse Überwachung Bräunigs durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das sich in jener Stabilisierungsphase besonders aktiv darum bemühte, vermeintlich oder tatsächlich oppositionelle Regungen zu zersetzen. Die Parteiführung der SED gab dabei wie gewohnt die Generallinie vor: Mit dem „Kahlschlagplenum“ im Dezember 1965 wurde seitens des Zentralkomitees Gericht über mögliche Dissidenten im Schrifttum gehalten; vor allem Werner Bräunig kam unter die Räder, und sein geplanter Roman <em>Rummelplatz, </em>dessen Rohfassung mit verschiedenen Detailvariationen vorlag, direkt auf den Index. Davon erholte sich Bräunig nicht: Die Parteilenker zerstörten sein Werk, die Stasi zerstörte sein persönliches Umfeld, der Alkohol schließlich zerstörte Bräunig selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unabhängig von diesem Dreischritt konnten zumindest periphere Schriften erscheinen, darunter seine Essaysammlung <em>Prosa schreiben</em> (1968) und sein 2008 neu aufgelegter Erzählband <em>Gewöhnliche Leute</em> (1969/71), was ihn, der seit Frühling 1967 als freiberuflicher Autor ohne SED-Schutzschirm darbte, zumindest dank der Honorare des – ebenfalls in Halle/Saale ansässigen – Mitteldeutschen Verlages teilweise über Wasser hielt. Teilweise, denn längst hatte eingesetzt, was die Bräunig-Expertin und -Herausgeberin Angela Drescher als „eine lange Geschichte von Selbstzerstörung durch Alkohol, vom Verlust des Konzentrationsvermögens, der Arbeitsfähigkeit, der Selbsteinschätzung, von zunehmender Vereinsamung, von Abstürzen, Schwäche, Selbstbetrug, Realitätsverlust“ beschrieb. Nichts davon zu spüren ist freilich im posthum veröffentlichten 700-Seiten-Wälzer <em>Rummelplatz</em>, der zu den wichtigsten Büchern der DDR-Geschichte zu zählen ist, auch wenn es in Zeiten dieses deutschen Teilstaates eben gar nicht erscheinen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl bekannteste DDR-Schriftstellerin überhaupt, Christa Wolf, die beim gefürchteten 11. Plenum der SED 1965 die isolierte Stimme der Verteidigung für Bräunig geblieben war, schrieb im Vorwort der 2007er-Ausgabe, man müsse <em>Rummelplatz</em> zwingend lesen, gerade auch als Nichtostdeutscher. Denn man finde „in diesem Buch wie in wenigen anderen einen Zeugen der Lebensverhältnisse, der Denkweise von Personen, ihrer Hoffnungen und der Ziele ihrer oft übermäßigen Anstrengungen“. Wolf hat recht. Gerade weil Werner Bräunig so schonungslos wie derb, so realitätsgetreu wie möglich, die Jahre nach 1945 im westsächsischen Industriegebiet nachzeichnet und die Schattenseiten menschlicher Existenz im bleibenden Ausnahmezustand der fremdbestimmten Neuordnung verarbeitet, ist <em>Rummelplatz</em> noch heute historisch instruktiv und emotional packend zugleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der eingangs zitierte Carsten Gansel also dazu rät, daß jener, der den DDR-Alltag <em>ex post</em> nachzuempfinden versuche, jene Literatur zu lesen habe, „die in diesem Land entstand und die keineswegs eine Affirmation des Bestehenden betrieb“, dann kann man gar nicht anders, als zum <em>Rummelplatz</em> zu greifen. Der heutige 50. Todestag Werner Bräunigs ist dazu ein passender Anlaß.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Benedikt Kaiser</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
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		<title>Der Fliegende Holländer</title>
		<link>https://dereckart.at/der-fliegende-hollaender/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 16:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames]]></category>
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					<description><![CDATA[Mythen, Sagen, Wundersames von Alain Felkel Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers Fluch der Karibik kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Mythen, Sagen, Wundersames </h2>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>von Alain Felkel</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Freunde des mehrteiligen Kassenschlagers <em>Fluch der Karibik</em> kennen sie: die gruseligen Auftritte des gespenstischen Piratenjägers Armando Salazar, der mit seinem Geisterschiff den von Johnny Depp gespielten Piraten Jack Sparrow bis in alle Ewigkeit mit seiner Rache verfolgt. Weniger bekannt ist dagegen der Mehrheit der Kinobesucher, daß das Erzählmotiv des Geisterschiffes eng mit Benelux und der deutschen Romantik verflochten ist und erst durch die Sage vom Fliegenden Holländer populär wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage der Legende ist allgemeiner Überlieferung nach ein Vorfall gegen Ende des 17. Jh., als die Niederlande den Ostindienhandel dominierten. Damals machte ein holländischer Kapitän namens Bernard Fokke von sich reden, weil er mit seinem Schiff, einem Dreimaster mit eisernen Rahen, selbst bei höchsten Windstärken noch durch die schwersten Stürme am Kap der Guten Hoffnung segelte. Für die lange Strecke zwischen den Niederlanden und der Gewürzinsel Java brauchte er im Jahr 1678 so nur drei Monate, seine Konkurrenz dagegen sechs. Derartiges konnte in den Augen seiner Zeitgenossen nicht mit rechten Dingen zugehen. Und so munkelte man bereits zu Fokkes Lebzeiten, er stehe mit dem Teufel im Bunde. Doch der angebliche Teufelspakt fand bald ein jähes Ende. Als Fokke wieder tollkühn in ein Sturmtief segelte, verschwand sein Schiff spurlos in den Weiten des Ozeans. Kaum verbreitete sich die Kenntnis von dem Unglück, setzte schon die Legendenbildung ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Geschehen so zur Sage vom „Fliegenden Holländer“. Dieser sei aufgrund seines gotteswidrigen Teufelsbundes bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, mit seiner Mannschaft und seinem Schiff die Weltmeere zu befahren, ohne je einen Hafen zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereichert wurde die Gruselgeschichte dadurch, daß sich das Erzählmotiv des Fliegenden Holländers – der Begriff umfaßt sowohl den Kapitän als auch seinen Dreimaster – sofort mit dem realen Phänomen der Geisterschiffe verband: Seefahrzeugen, die zuvor von ihren Mannschaften wegen einer Seuche oder aufgrund eines Sturmes aufgegeben worden waren. War dies schon in der Realität gespenstisch genug, so entwickelte sich der Fliegende Holländer im Laufe der Jahrhunderte zu einer wahren Ausgeburt der Hölle: Mal ist das Gespensterschiff so schnell, daß es über den Wellen zu fliegen scheint, mal kann es bei Flaute rückwärtsfahren. Oft taucht der Fliegende Holländer plötzlich vor einem Schiff aus den Wellen auf, was für die Lebenden nichts Gutes bedeutet. Wer dem unheilvollen Dreimaster mit seinen roten Segeln begegnet, dem widerfährt meist alsbald ein Unglück. Derartig mit schaurigen Zutaten ausgestattet dauerte es nicht lange, bis die Sage sich großer Lesergunst erfreute. Nach den Napoleonischen Kriegen riß eine Welle von Balladen, Gruselgeschichten und Schauerromanen über den Fliegenden Holländer die Leserschaft mit, die sich damals nach Übersinnlichem verzehrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Untote hatte einen Geburtsfehler: Er ließ keine Frauenherzen pochen und weckte wenig Anteilnahme. Erst der deutschen Romantik war es beschieden, den Verdammten zu einer beklagenswerten, tragischen Figur auszugestalten. An der Metamorphose hatten zwei deutsche Geisteshelden Anteil: Heinrich Heine und Richard Wagner. Ersterer entdeckte den Stoff in den Niederlanden, wo er ein Theaterstück über den Fliegenden Holländer sah. Der Theaterbesuch inspirierte Heine. Er verarbeitete die Sage 1826 in seiner Erzählung <em>Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski</em> und flocht das Erzählmotiv ein, daß der Holländer nur durch die Treue einer liebenden Frau erlöst werden könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wagner macht die Legende durch Ergänzung einer Liebesgeschichte zum Kassenschlager.</h3>



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<p class="wp-block-paragraph">Heines Kunstgriff wiederum beflügelte Wagner zur Verarbeitung des Stoffes zur Oper. Hierbei nahm er die alles entscheidenden Änderungen vor, welche die Sage zum Kassenschlager machen sollten: In seinem Opus läßt er den Fliegenden Holländer, der bei Wagner nur alle sieben Jahre erlöst werden kann und Vanderdecken heißt, um die schöne Senta freien. Des Weiteren ergänzte Wagner die Sage, indem er dem Unerlösten einen Rivalen gab: den jugendlichen Nebenbuhler Erik, der gleichfalls Senta begehrt. Doch Erik geht in der Oper leer aus. Nachdem Vanderdecken Senta vom schrecklichen Fluch erzählt hat, der auf ihm lastet, stürzt sich Senta ins Meer, um ihn zu erlösen. Unmittelbar darauf sinkt das Geisterschiff. Zu guter Letzt entsteigen Vanderdecken und Senta den Wellen und schweben gemeinsam zum Himmel. Nun endlich ist der Unglückliche erlöst. Was für ein Happy End! Was für ein Spektakel! Und was für ein Meilenstein der Opern- und Sagenwelt! </p>



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