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	<title>Schwerpunkt Südtirol &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Schwerpunkt Südtirol &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Gestickte Heimat, gewebter Widerstand: Die Südtiroler Tracht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 21:31:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
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					<description><![CDATA[von Evelyn Krezdorn und Lorenz Puff Von der bäuerlichen Arbeitskleidung zum identitätsstiftenden Kulturgut: Eine Zeitreise durch die Stoffgeschichte des Landes an Etsch, Eisack und Rienz zwischen Erbe und Erneuerung. Wer an einem hohen kirchlichen Feiertag oder zum Erntedankfest durch ein Südtiroler Dorf geht, erlebt ein Schauspiel, das weit über touristische Folklore hinausgeht. Wenn die Musikkapellen [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Evelyn Krezdorn und Lorenz Puff</em></p>



<p></p>



<p><strong>Von der bäuerlichen Arbeitskleidung zum identitätsstiftenden Kulturgut: Eine Zeitreise durch die Stoffgeschichte des Landes an Etsch, Eisack und Rienz zwischen Erbe und Erneuerung</strong>.</p>



<p>Wer an einem hohen kirchlichen Feiertag oder zum Erntedankfest durch ein Südtiroler Dorf geht, erlebt ein Schauspiel, das weit über touristische Folklore hinausgeht. Wenn die Musikkapellen in Formation aufmarschieren und die Schützenkompanien Flagge – bzw. eigentlich Fahne – zeigen, wird Geschichte physisch greifbar. Doch die Südtiroler Tracht ist kein starres Kostüm aus der Mottenkiste der Geschichte; sie ist das „Ehrenkleid“ einer Region, die ihre Eigenart über Jahrhunderte gegen äußere Widerstände verteidigt hat. Sie ist gewebter Widerstand, gestickte Heimat und ein lebendiges Bekenntnis zur eigenen Herkunft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Entstehung der Südtiroler Tracht ist untrennbar mit der sozialen und rechtlichen Sonderstellung des historischen Tirols verbunden.</h3>



<p></p>



<p>Während in vielen europäischen Regionen die bäuerliche Kleidung lediglich eine vereinfachte, billige Kopie der höfischen Mode war, entwickelte sich im Tiroler Raum eine eigenständige Ästhetik. Ein entscheidender Katalysator war die Tiroler Landesordnung von 1511. Sie sprach den Bauern das Recht – und die Pflicht – zur Selbstverteidigung des Landes zu. Mit diesem wachsenden politischen Selbstbewußtsein der freien Bauernschaft festigte sich auch der Stolz auf das eigene Gewand. Die Tracht war kein Zeichen der Untertänigkeit, sondern ein Symbol für Wehrhaftigkeit und Freiheit.</p>



<p>Im 18. und 19. Jh., begünstigt durch die Aufhebung der Kleiderordnungen, die zuvor genau festlegten, welcher Stand welche Stoffe tragen durfte, differenzierten sich die Trachten regional stark aus. Es entstand jene Vielfalt, die wir heute bewundern. Man konnte – und kann teilweise heute noch – an der Stickerei der Hosenträger, der Form des Hutes, der Farbe der Socken oder der Art des „Loden“ präzise erkennen, aus welchem Tal, ja manchmal aus welchem Dorf ein Mann stammte. Die Tracht fungierte als der „Paß“ des kleinen Mannes, als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zu einer lokalen Gemeinschaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Zerreißprobe: Unterdrückung, Instrumentalisierung und Behauptung</h3>



<p></p>



<p>Die wohl schicksalhafteste Phase für die Südtiroler Tracht begann nach dem Ersten Weltkrieg mit der Annexion Südtirols durch das Königreich Italien. Unter dem faschistischen Regime wurde das öffentliche Tragen der Tracht zum Politikum und teilweise massiv unterdrückt. In einer Zeit, in der die deutsche Sprache aus Ämtern und Schulen verbannt wurde, wurde das „Gewand“ zum stillen, aber unübersehbaren Protestmittel. Eine weitere Zerreißprobe stellte die Zeit der Nationalsozialistischen Option dar. Die „Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland“ versuchte, die Tracht zu vereinheitlichen und für ideologische Zwecke zu instrumentalisieren. Man wollte weg von der „kirchlich geprägten“ Tracht hin zu einem germanisch-völkischen Einheitskleid. In der Nachkriegszeit hingegen wandelte sich die Tracht endgültig zum Symbol des friedlichen Widerstandes und der Bewahrung der Südtiroler Identität. Wer Tracht trug, zeigte: Wir sind noch da. Wir bleiben, wer wir sind. In den 1950er- und 60er-Jahren entstanden viele der heutigen Trachtenvereine, die es sich unter der fachlichen Leitung von Volkskundlern zur Aufgabe machten, die überlieferten Formen vor der einsetzenden Modernisierungswelle zu retten und die „echte“ Tracht von modischen Verfälschungen zu trennen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Form, Farbe und Funktion: Ein Blick in die Details der Handwerkskunst</h3>



<p></p>



<p>Die Südtiroler Tracht besticht durch ihre handwerkliche Tiefe. Es sind oft die Details, die dem Kenner die Geschichte des Trägers erzählen:</p>



<p><strong>Der Hut: </strong>Er ist das markanteste Herzstück der Männertracht. Ob der weite, flache Vinschger Hut, der mit Spielhahnstoß verzierte Hut im Pustertal oder die grünen Hüte des Burggrafenamtes – die Kopfbedeckung verrät oft den Familienstand oder die Funktion innerhalb der Gemeinschaft. Das Schmücken des Hutes mit echtem Blumenschmuck zu festlichen Anlässen ist dabei ein streng ritualisierter Akt.</p>



<p><strong>Der Ranzen: </strong>Besonders eindrucksvoll ist die Sarner Tracht mit dem breiten Ledergürtel, dem „Ranzen“. Die darauf befindliche Federkielstickerei – gefertigt aus den gespaltenen Kielen von Pfauenfedern – ist eine Kunstform, die weltweit ihresgleichen sucht. Ein solcher Gürtel zeigt oft den Namen des Besitzers und Symbole des bäuerlichen Glücks.</p>



<p><strong>Das Mieder und die Schürze: </strong>Bei der Frauentracht ist die Farbwahl entscheidend. Oft deutet die Farbe der Schürze (z.B. Schwarz für verheiratete Frauen in bestimmten Tälern, hell für Ledige) auf den sozialen Status hin. Handgewebte Leinenstoffe, feine Klöppelspitzen und die kunstvollen „Viertel“ (Miederteile) zeugen von einer Zeit, in der Kleidung ein kostbares Gut war, das über Generationen vererbt wurde.</p>



<p><strong>Die Farben: </strong>In Regionen wie Partschins oder Rabland sieht man oft das typische „Lodenbraun“ oder „Schwarz“, kombiniert mit dem Rot der Westen („Leibl“). Rot symbolisierte historisch oft den Schutz vor dem „bösen Blick“ und galt als Farbe der Lebenskraft.</p>



<p><strong>Der Loden: </strong>Dieses wasserabweisende, durch Walken verfestigte Wollgewebe ist das Rückgrat der alpinen Kleidung. Die Lodenherstellung in Südtirol, etwa in den traditionsreichen Betrieben des Pustertals, verbindet bis heute archaische Funktionalität mit schlichter Eleganz.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In einer zunehmend digitalen und uniformen Welt bietet die Tracht einen physischen Ankerpunkt.</h3>



<p></p>



<p>Heute erlebt die Tracht in Südtirol eine Renaissance, die alle sozialen Schichten und vor allem die Jugend erfaßt hat. Es ist längst nicht mehr nur die „Tracht der Väter“, die aus Pflichtgefühl zu offiziellen Anlässen aus dem Schrank geholt wird. Ein neues Selbstbewußtsein ist spürbar. Junge Südtiroler tragen die Tracht heute mit einer Selbstverständlichkeit, die beeindruckt. Sie ist Ausdruck einer „glokalen“ Identität: Man ist in der Welt zu Hause, aber in der Heimat verwurzelt. Dabei gibt es eine spannende Koexistenz: Während die Trachtenvereine streng auf die historische Genauigkeit achten – die „Erneuerung aus dem Geist der Tradition“ –, interpretieren junge Designer alte Schnitte neu. Sie verwenden moderne Materialien oder kombinieren traditionelle Elemente wie den Lodenjanker mit moderner Kleidung. Die Bedeutung für die Südtiroler Identität bleibt dabei ungeschmälert. In einer zunehmend digitalen und uniformen Welt bietet die Tracht einen physischen Ankerpunkt. Sie ist keine Verkleidung, sondern eine Haltung. Wenn heute ein junger Südtiroler zur Hochzeit oder zur Primiz in der Tracht seines Tales erscheint, ist das kein konservativer Rückzug ins Gestern, sondern eine kraftvolle Ansage von Selbstbewußtsein, Kontinuität und Heimatliebe. Die Südtiroler Tracht bleibt somit, was sie immer war: ein Gewand, das Identität stiftet, indem es die Geschichte der Vorfahren mit dem Lebensgefühl der Gegenwart verwebt.</p>



<p><em>Die Tracht ist für mich gelebte Zukunft. Als Schneiderin bewahre ich das alte Handwerk, um es mit heutigem Selbstbewußtsein neu zu interpretieren. Sie ist kein Blick zurück, sondern unser modernster Ausdruck von Identität – ein ‚Ehrenkleid‘, das uns in einer digitalen Welt fest verwurzelt und zeigt: Wir wissen, wer wir sind. (</em>Evelyn Krezdorn, Schneiderin und Marketenderin) </p>



<p><strong><em>Über die Autoren:</em></strong></p>



<p>Evelyn Krezdorn, gebürtig aus St. Martin in Passeier, ist als Schneiderin, Marketenderin der Schützenkompanie „Mjr. Josef Eisenstecken“ und Sängerin im Stiftspfarrchor fest im Brauchtum verwurzelt. Heute widmet sie sich im Familienbetrieb dem „Energetischen Nähen“ und fertigt Abschirmtextilien für ein gesundes Wohnumfeld. Ihr Mann, Lorenz Puff, ist Maschinenbauer und Biotechnologieunternehmer (Alchewat). Der Grieser Schütze findet seinen Ausgleich zur Technik in der Geschichtsschreibung, als Verfasser historischer Texte zu seiner Heimat. Gemeinsam mit dem Sohn führt das in Gries bei Bozen wohnhafte Ehepaar ein Familienunternehmen, das handwerkliche Tradition, ökologische Innovation und die Liebe zur Tiroler Identität vereint.</p>
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		<title>Alles für Tirol und Schützen Heil!</title>
		<link>https://dereckart.at/alles-fuer-tirol-und-schuetzen-heil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 14:04:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Landeskommandant Mjr.&#160;Christoph&#160;Schmid Heimat bewahren und Zukunft sichern – Der Auftrag des Südtiroler Schützenbundes Der Südtiroler Schützenbund versteht sich als Wertegemeinschaft, kultureller Schutzraum und politisches Gewissen der deutschen und der ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Unsere Aufgabe ist es, Identität, Sprache und Geschichtsbewußtsein zu bewahren – nicht rückwärtsgewandt, sondern mit Blick auf kommende Generationen. In den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von Landeskommandant Mjr.&nbsp;Christoph&nbsp;Schmid</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heimat bewahren und Zukunft sichern – Der Auftrag des Südtiroler Schützenbundes</h2>



<p></p>



<p>Der Südtiroler Schützenbund versteht sich als Wertegemeinschaft, kultureller Schutzraum und politisches Gewissen der deutschen und der ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Unsere Aufgabe ist es, Identität, Sprache und Geschichtsbewußtsein zu bewahren – nicht rückwärtsgewandt, sondern mit Blick auf kommende Generationen. In den vergangenen Jahren hat der Südtiroler Schützenbund diesen Auftrag mit Nachdruck verfolgt. Die Zusammenarbeit mit den Schützen aller Landesteile Tirols und mit den bayerischen Gebirgsschützen wurde vertieft. In der Jugend- und Bildungsarbeit wurde verstärkt auf historische Aufklärung gesetzt, um jungen Menschen zu vermitteln, daß Heimat kein Zufallsprodukt sei, sondern das Ergebnis von Verantwortung und Einsatz. Gedenkveranstaltungen, Publikationen und Ausstellungen – etwa zu den Katakombenschulen – haben gezeigt, daß Erinnerungspolitik keine Frage der Vergangenheit ist, sondern Grundlage für die Zukunft. Die Katakombenschulen mahnen uns bis heute. Ohne diesen mutigen Widerstand unserer Lehrerinnen und Lehrer gegen das faschistische Schulverbot wäre die deutsche Sprache in Südtirol ausgelöscht worden – so wie es im Elsaß geschehen ist. Die Geschichte lehrt uns, daß Sprache und Identität nicht selbstverständlich bestehen bleiben. Sie können verloren gehen, wenn sie nicht hartnäckig verteidigt werden.</p>



<p>Heute drohen keine offenen Verbote mehr, wohl aber schleichende Veränderungen. Die demographische Entwicklung in Südtirol zeigt besorgniserregende Tendenzen: Zwar liegt die Geburtenrate mit rund 1,58 Kindern pro Frau über dem staatsweiten Durchschnitt, doch bleibt sie unter dem Niveau, das für langfristiges natürliches Wachstum erforderlich wäre. Zugleich sanken die Geburtenzahlen in den letzten Jahren spürbar, und in einzelnen Jahren lagen sie sogar unter der Zahl der Todesfälle. Währenddessen beschäftigt sich die Politik lieber mit Themen wie der Erfassung von Hunde-DNA als mit der nachhaltigen Stärkung der traditionellen, christlichen Familie als Keimzelle unserer Gesellschaft. Parallel dazu steigt der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung. 2024 lebten knapp 60.000 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Südtirol, was etwa 11 % der Bevölkerung entspricht und über dem staatsweiten Durchschnitt liegt; im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl spürbar gestiegen.</p>



<p>Diese Entwicklungen führen zu tiefgreifenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und stellen eine reale Herausforderung für das Fortbestehen unserer Volksgruppe dar. Gleichzeitig ist eine zunehmende Identifikation vieler Südtiroler mit dem italienischen Staat zu beobachten, während die Bindung an Tirol und Österreich schwächer wird. Eine Politik, die ihren Blick fast ausschließlich nach Rom richtet, vernachlässigt diese Wirklichkeit – und schafft Bedingungen, in denen kulturelle Bindungen schwinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Heimat ist keine romantische Kulisse, sondern ein Auftrag. Wer sie nicht pflegt, wird sie verlieren.</h3>



<p></p>



<p>Der Südtiroler Schützenbund will dieser Entwicklung entgegenwirken. Unser Ziel sind die Stärkung der deutschen und der ladinischen Schule, die Pflege der Tiroler Geschichte und der Schutz der Sprache im öffentlichen Raum. Wir wirken auf die Vertiefung der Bande zwischen Nord-, Ost- und Südtirol hin und bekennen uns klar zum Selbstbestimmungsrecht unseres Landes – nicht als Akt der Abgrenzung, sondern als Ausdruck demokratischer Reife. Wir erwarten von unseren Freunden in Österreich mehr als wohlwollende Erinnerungspolitik. Südtirol darf nicht aus dem Bewußtsein verschwinden; es braucht politische, kulturelle und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Die Möglichkeit einer österreichischen Staatsbürgerschaft für Südtiroler wäre ein starkes Zeichen dieser Verbundenheit – als Brücke zwischen den Landesteilen Tirols und als Schutzband gegen Entfremdung vom Vaterland Österreich.</p>



<p>Heimat ist keine romantische Kulisse, sondern ein Auftrag. Wer sie nicht pflegt, wird sie verlieren. Wer sie bewahrt, übernimmt Verantwortung – für Sprache, Kultur, Heimat und Freiheit. Der Südtiroler Schützenbund nimmt diese Verantwortung weiterhin wahr: manchmal laut, manchmal leise, aber immer bestimmt; nicht rückwärtsgewandt, sondern standhaft; nicht aus Abgrenzung, sondern aus Liebe zur eigenen Heimat und Identität. Alles für Tirol und Schützen Heil! </p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p>46 Jahre alt, aufgewachsen in Eppan/Berg, seit zwanzig Jahren wohnhaft in Neumarkt, vier Kinder; technischer Verantwortlicher des österreichischen Unternehmens Sodian (Vorchdorf) in Italien. Seit 2012 Mitglied im Südtiroler Schützenbund, Heimatkompanie Neumarkt a.d.Etsch, drei Jahre Lkdt.-Stv., seit 2025 Lkdt.</p>



<p></p>
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		<title>Politische Kursbestimmung in Südtirol</title>
		<link>https://dereckart.at/politische-kursbestimmung-in-suedtirol/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2026 17:05:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Südtirol]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[BOZEN – Die folgende Umfrage behandelt die politischen Positionen deutscher Parteien in Südtirol zu Selbstverständnis, Zielsetzungen und Zusammenarbeit. Sie gibt einen interessanten Einblick in programmatische Schwerpunkte sowie strategische Überlegungen der jeweiligen politischen Akteure. Zugleich verdeutlicht sie die unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Entwicklung des Landes. Die Südtiroler Volkspartei (SVP) hat unsere Anfrage nicht beantwortet. Unsere [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p><strong>BOZEN</strong> – Die folgende Umfrage behandelt die politischen Positionen deutscher Parteien in Südtirol zu Selbstverständnis, Zielsetzungen und Zusammenarbeit. Sie gibt einen interessanten Einblick in programmatische Schwerpunkte sowie strategische Überlegungen der jeweiligen politischen Akteure. Zugleich verdeutlicht sie die unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Entwicklung des Landes. Die Südtiroler Volkspartei (SVP) hat unsere Anfrage nicht beantwortet.</p>



<p><strong>Unsere Gesprächspartner:</strong></p>



<p><strong>Otto Mahlknecht: </strong>Promovierter Jurist, Rechtsanwalt und Historiker. Von Oktober 2023 bis Juni 2024 gemeinsam mit Roland Stauder interimistisch Obmann der Freiheitlichen, seither Obmann-Stellvertreter. Verantwortlich für die Koalitionsverhandlungen mit der Südtiroler Volkspartei und den italienischen Mitte-Rechts-Parteien.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="800" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/Otto-Mahlknecht-2.jpg" alt="" class="wp-image-11995" style="width:218px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/Otto-Mahlknecht-2.jpg 800w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/Otto-Mahlknecht-2-300x300.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/Otto-Mahlknecht-2-150x150.jpg 150w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/Otto-Mahlknecht-2-768x768.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Die Freiheitlichen</figcaption></figure>



<p><strong>Bernhard Zimmerhofer:</strong> (Bild rechts) 2005–2013 Gemeinderat in der Gemeinde Ahrntal, Koordinator des Selbstbestimmungsreferendums 2013, Mitglied im STF-Hauptausschuß, 2013–2018 Abgeordneter im Landtag; 2023 erneut gewählt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-11996" style="width:236px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q-1024x1024.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q-300x300.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q-150x150.jpg 150w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q-768x768.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-2q.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Süd-Tiroler Freiheit</figcaption></figure>



<p><strong>Jürgen Wirth Anderlan:</strong> (Bild rechts unten) Bauer, Skilehrer, Musiker und seit 2023 Abgeordneter zum Südtiroler Landtag. Der Kalterer war Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. Als Aktivist gegen das Corona-Regime wurde er auch außerhalb seiner Heimat bekannt. Mit seiner Liste JWA hat er den Begriff „Remigration“ in Südtirol populär gemacht.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-11997" style="width:243px;height:auto" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q-1024x1024.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q-300x300.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q-150x150.jpg 150w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q-768x768.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/18-3q.jpg 1416w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Liste JWA</figcaption></figure>



<p><strong>Wo verorten Sie Ihre Partei im Südtiroler Parteienspektrum?</strong></p>



<p><strong>Otto Mahlknecht: </strong>Wir Freiheitlichen verorten uns als national-liberale bis rechtskonservative Partei, vergleichbar mit der FPÖ. Wir sind im deutschen Spektrum die einzige Partei rechts der Mitte und ein wichtiges Korrektiv zur dominierenden Volkspartei.</p>



<p><strong>Bernhard Zimmerhofer: </strong>Ich würde sagen Mitte-Rechts. Die Ideale, auf denen die Bewegung insgesamt fußt, sind Freiheit, Demokratie und Patriotismus.</p>



<p><strong>Jürgen Wirth Anderlan:</strong> Wir sind keine Partei. Wir sind eine Stimme aus dem Volk, entstanden während der Corona-Proteste. Wir sind unkonventionell und halten wenig von Schubladen. Unsere zentralen Themen stehen für sich. Remigration, Sezession, Corona-Aufarbeitung. Und vor allem eine Politik, in der das Volk und der Volkserhalt an erster Stelle stehen und nicht Migranten und Profitinteressen.</p>



<p><strong>Warum braucht es trotz der Vielzahl patriotischer Bewegungen gerade Ihre Partei?</strong></p>



<p><strong>O. M.: </strong>Eine „Vielzahl patriotischer Bewegungen“ sehe ich nicht. Neben einzelnen Protestakteuren existiert im Wesentlichen nur die Süd-Tiroler Freiheit (STF) mit Sven Knoll an der Spitze. Mit dieser Partei verbindet uns wenig. Sie ist zwar ebenfalls sezessionistisch, ideologisch aber im christlich-konservativen Spektrum verortet, nicht im freiheitlichen. Bezeichnend ist etwa der Name ihrer Fraktionszeitung <em>Tiroler Stimmen</em>, das war im 19. Jahrhundert das politische Kampfblatt der Christlich-Konservativen, das vehement gegen die Freiheitlichen hetzte. Bis vor kurzem war die STF zudem Mitglied der Europäischen Freien Allianz (EFA), einer grün-sozialistischen Parteienfamilie auf EU-Ebene. Erst nach dem Abgang von Eva Klotz orientierte sich die STF in einzelnen Punkten – etwa beim Migrationsthema – stärker an unseren freiheitlichen Positionen; für mich wirkt das wenig glaubwürdig.</p>



<p>Da wir im Gegensatz zur STF eine Rechtspartei sind, verbindet uns ideologisch einiges mit den italienischen Rechtsparteien, die die STF immer nur als „Faschisten“ beschimpft. Mir sind italienische Rechte jedenfalls wesentlich lieber als diese Sozis von PD &amp; Co., an die sich die SVP und die STF immer anbiedern.</p>



<p><strong>B. Z.:</strong> Die Süd-Tiroler Freiheit ist die erste Adresse, wenn es um die Selbstbestimmung geht! Wenn es uns nicht gäbe, dann würden im Landtag Themen wie z.B. Toponomastik oder das Recht auf Gebrauch der Muttersprache kaum vorkommen!</p>



<p><strong>J. W. A.: </strong>Weil die Liste JWA ihren Fokus auf das Thema legt, das über unsere Existenz entscheidet. Den Volkserhalt. Südtirol ist seit über 1.200 Jahren mehrheitlich deutsch. 1910 lebten 250.000 Menschen in Südtirol. Rund 90 Prozent davon waren Deutsche. 2024 lag die Einwohnerzahl bei 535.000 – wovon jedoch nur mehr 57 Prozent Deutsche waren. Wenn wir die Massenmigration nach Südtirol nicht stoppen und umkehren (Remigration), werden wir zu einer Minderheit im eigenen Land. Damit wären alle Leistungen und Kämpfe unserer Vorfahren umsonst. Dann stirbt jede Chance auf Selbstbestimmung und schließlich unsere Volksgruppe.</p>



<p><strong>Welchen politischen Status strebt Ihre Partei für Südtirol letztlich an?</strong></p>



<p><strong>O. M.: </strong>Wir fühlen uns der deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft sowie dem österreichischen Vaterland verbunden. Politisch setzen wir uns für einen Freistaat Südtirol ein, in dem die verschiedenen Volksgruppen gemeinsam Verantwortung tragen.</p>



<p><strong>B. Z.: </strong>Ziel der Bewegung „SÜD-TIROLER FREIHEIT – Freies Bündnis für Tirol“ ist, unter Berufung auf Artikel 1 der UNO-Menschenrechtspakte, die Durchsetzung des Rechtes auf Selbstbestimmung für die Süd-Tiroler!</p>



<p><strong>J. W. A.: </strong>Einen Staat Südtirol. Natürlich sind wir Südtiroler Tiroler und damit Österreicher und Deutsche. Doch aktuell ist ein eigenständiger Staat nicht nur die realistischste Variante, um möglichst viele Menschen für die Sezession zu gewinnen, sondern diese Variante bietet auch andere Möglichkeiten – wie den Ausstieg aus der EU oder eine eigenständige Migrationspolitik. Aber auch eine souveräne Sozial- und Wirtschaftspolitik, die die Interessen des Volkes in den Mittelpunkt stellt. Bücher wie <em>Kann Südtirol Staat?</em> belegen klar, daß die Eigenstaatlichkeit möglich ist.</p>



<p><strong>Wie beurteilen Sie die Regierungsbeteiligung der Südtiroler Freiheitlichen – grundsätzlich bzw. deren konkrete Ergebnisse in der Regierung?</strong></p>



<p><strong>O. M.: </strong>Die freiheitliche Regierungsbeteiligung ist ein Segen für Südtirol. Wir sind das nationale Gewissen der Landesregierung, etwa beim Schutz der deutschen Schule. Nach Jahrzehnten des Stillstandes wurde durch uns die große Wohnreform 2025 umgesetzt, die den Interessen der Einheimischen stärker Rechnung trägt. Zudem haben wir neue Akzente in der Sicherheitspolitik gesetzt und treiben den Ausbau der Ortspolizei zu einer schlagkräftigen und deutschsprachigen Südtiroler Polizei inklusive einer Landespolizeischule voran.</p>



<p><strong>B. Z.: </strong>Die Freiheitlichen haben sich auf Grund der Regierungsbeteiligung schon gespalten. Die Zielsetzungen dieser Partei sind mit jenen der italienischen Regierungsparteien nicht kompatibel.</p>



<p><strong>J. W. A.: </strong>Solange mit der Regierungsbeteiligung nicht grundlegende Weichenstellungen in Richtung Migrationsstop, Remigration und Sezession verbunden sind, sind einzelne Reformen vollkommen nebensächlich. Unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht sind. Wir sitzen in einem Zug, der mit Vollgas auf einen Abgrund zurast. Da nützt es wenig, wenn der Zugführer die Mütze wechselt oder 2&nbsp;km/h langsamer fährt. Der Zug muß gestoppt werden.</p>



<p><strong>Auf welchen Gebieten arbeiten die patriotischen deutschen Parteien Südtirols schon jetzt zusammen?</strong></p>



<p><strong>O. M.: </strong>Es gibt keine Zusammenarbeit mit der STF – im Gegenteil! Diese beschimpft uns teils unflätig und redet alles an unserer Arbeit schlecht. Berührungspunkte bestehen lediglich in einzelnen Sachfragen, etwa beim Einsatz für die muttersprachliche Schule und bei der Forderung nach Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler.</p>



<p><strong>B. Z.: </strong>Etwa beim Thema Migration.</p>



<p><strong>J. W. A.: </strong>Auf inhaltlicher Ebene, wenn es darum geht, sinnvolle Beschlußanträge der anderen patriotischen deutschen Fraktionen zu unterstützen. Die Liste JWA war immer gegen Fraktionszwänge und für eine inhaltsbezogene Politik. Was gut ist, sollte unterstützt werden, egal von wem es kommt. Deshalb gab es auf Gemeindeebene – etwa in Kaltern – auch gemeinsame Wahlantritte mit den Freiheitlichen, aber ebenso Begehrensanträge im Landtag mit der Unterstützung der Süd-Tiroler Freiheit.</p>



<p><strong>Können bzw. sollen sich die verschiedenen Bewegungen langfristig zusammenschließen –<br>und falls nein, warum nicht?</strong></p>



<p><strong>O. M.: </strong>Einen Zusammenschluß mit der STF kann ich mir nicht vorstellen. Dafür gibt es wie gesagt viel zu wenig Berührungspunkte. Es wäre auch nicht sinnvoll. Die STF wird nie in der Landesregierung sein, während die Freiheitlichen gerade bravourös zeigen, wie intelligente rechte Regierungspolitik gemacht wird. Südtirol braucht eine handlungsfähige Mitte-Rechts-Politik, davon bin ich überzeugt.</p>



<p><strong>B. Z.: </strong>Meine persönliche Meinung: Die Zeit arbeitet gegen uns, deshalb ist es notwendig, alle patriotischen Kräfte zu bündeln mit dem Ziel Selbstbestimmung. Wie diese letztendlich aussehen wird, das soll die Bevölkerung entscheiden.</p>



<p><strong>J. W. A.: </strong>Wenn der Zusammenschluß dazu führt, daß die Kräfte gebündelt und die zentralen Positionen – Remigration, Sezession – gestärkt werden, dann ja. Wenn er dazu führt, daß Kernpositionen aufgegeben werden, nur um „wählbarer“ zu sein, dann nein. Wir waren dahingehend immer klar. Wir wollen keine Massenmigration, keine Massenintegration, keine Mischschulen. Wir wollen Südtirol als Land der deutschen Südtiroler erhalten. </p>



<p><em>Redaktion: Andreas Raffeiner</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vom Bauen in Südtirol</title>
		<link>https://dereckart.at/vom-bauen-in-suedtirol/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 May 2026 06:45:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Michael Demanega Eine Häuserlandschaft in Südtirol ist zumeist schon auf den ersten Blick von einer Häuserlandschaft, die etwa in Niederösterreich liegt, zu unterscheiden. Das betrifft nicht nur die Struktur der Dörfer, sondern mitunter auch die Einzelbauwerke, die Materialien, die Konstruktionsart, die Art und Weise insgesamt, wie Menschen bauen und wohnen. Martin Heidegger unterstreicht die [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Michael Demanega</em></p>



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<p><strong>Eine Häuserlandschaft in Südtirol ist zumeist schon auf den ersten Blick von einer Häuserlandschaft, die etwa in Niederösterreich liegt, zu unterscheiden. Das betrifft nicht nur die Struktur der Dörfer, sondern mitunter auch die Einzelbauwerke, die Materialien, die Konstruktionsart, die Art und Weise insgesamt, wie Menschen bauen und wohnen.</strong></p>



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<p>Martin Heidegger unterstreicht die tiefere Bedeutung, die dem Bauen innewohnt:</p>



<p><em>Was heißt nun Bauen? Das althochdeutsche Wort für bauen, „buan“, bedeutet wohnen. Dies besagt: bleiben, sich aufhalten. Die eigentliche Bedeutung des Zeitwortes bauen, nämlich wohnen, ist uns verlorengegangen. Die Art, wie du bist und ich bin, die Weise, nach der wir Menschen auf der Erde sind, ist das Buan, das Wohnen. Mensch sein heißt: als Sterblicher auf der Erde sein, heißt: wohnen. Das alte Wort bauen, das sagt, der Mensch sei, insofern er wohne, dieses Wort bauen bedeutet nun aber zugleich: hegen und pflegen, nämlich den Acker bauen, Reben bauen.</em></p>



<p>Befaßt man sich mit dem bodenständigen Bauen in Südtirol, dann greifen im Rahmen einer Charakterisierung verschiedene Ebenen ineinander. Erstens ethnische oder kulturelle Komponenten. Weiters geographische Komponenten, die mit dem Klima zusammenhängen. Dann Geologie und Geomorphologie mit der Frage, welche Baustoffe der Boden hergebe und wie steil und wie sicher gegen Naturgefahren das Land sei. Wesentlich ist aber auch die Vegetation: Gibt es Wälder und wenn ja, welche? Zuletzt ist das Eigentumsrecht entscheidend: Wie werden die Bauparzellen aufgeteilt, wem gehört das Land, welche Siedlungsformen werden begünstigt, wie wird Eigentum von Generation zu Generation übertragen? Nicht zu vergessen ist die Wirtschaftsform – ob Ackerbau und Getreidebau oder Viehwirtschaft betrieben wird, hat wesentliche Auswirkungen auf die Ausprägung von Haus und Hof.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Deutliche Unterschiede zwischen Welschtirol und Deutschtirol</h3>



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<p>Geht man von Tirol als einer historisch-politischen Einheit aus, so werden zuallererst einmal die Unterschiede zwischen Welschtirol und Deutschtirol deutlich. Die Baukultur Südtirols unterscheidet sich deutlich von der Baukultur südlich von Südtirol. Während die deutsche Besiedlung Tirols darauf hinaus lief, daß Höfe in kühner Lage errichtet wurden, die unteilbar waren, wurde das bäuerliche Eigentum in den romanischen Tälern durch die praktizierte Realteilung immer weiter zerstückelt. In Deutschtirol prägen stolze Höfe das Landschaftsbild, die augensichtlich aus der Natur gerodet wurden, während sich in Welschtirol vorwiegend romanische Haufensiedlungen vorfinden. Es vollzieht sich, wenn man von Nordtirol nach Südtirol und weiter nach Welschtirol reist, aber auch fortlaufend ein Übergang von einem alpinen zu einem zunehmend mediterranen Territorium.</p>



<p>Der Österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein (ÖIAV) gab 1906 eine Übersicht über die Bauernhöfe in Österreich-Ungarn heraus. Die Wohnverhältnisse in Welschtirol wurden darin wie folgt charakterisiert:</p>



<p><em>„In derselben Wohnung, welche in der Regel nur aus zwei Räumen besteht, müssen alle Familienmitglieder von zwei und drei Geschlechtern wohnen, und die Leute vertragen sich in der Regel recht gut.“ Im deutschen Etschtal wird die Situation hingegen deutlich anders beschrieben: „Im allgemeinen herrscht im Etschtale, den Seitentälern und auf den Höhen die getrennte Hofanlage mit besonderem Wohnhause und Stallscheuer. Die Weinbauern haben kleinere oder gar keine Tennen über dem Stalle. In der reichen Wein- und Obstbaugegend in den niederen Lagen sieht man oft städtisch beeinflußte, südlich von Bozen schloßähnliche Häuser in wechselnder Anlage. Die jetzigen Bewohner entsprechen jedoch nicht der Hofanlage. Viele Höfe besaßen nachweisbar früher besondere Rechte, größeres Einkommen und wahrscheinlich auch größere Bestiftung, wie die Ansitze um Eppan, die Schildhöfe bei Meran u. a., was auch in anderen Gegenden Tirols vorkommt.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-11986" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross-1024x683.jpeg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross-300x200.jpeg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross-768x512.jpeg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross-1536x1024.jpeg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/05/AdobeStock_132994208-Gross.jpeg 1620w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Adobe Stock, S.Feistle<br>Südtiroler Bergbauernhof</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">In Südtirol dominiert der Paarhof.</h3>



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<p>Mit Blick auf Südtirol wird in erster Linie deutlich, daß bezugnehmend auf die landwirtschaftlichen Bauweisen der Paarhof überwiegend dominiert. Wohntrakt und Wirtschaftstrakt sind bei landwirtschaftlichen Höfen getrennt. Das trifft insbesondere auf Vollerwerbsbauern zu, während bei Nebenerwerbsbauern in Südtirol durchaus auch Einhöfe vorkommen. Dort, wo der landwirtschaftliche Betrieb also eine bestimmte Größenordnung erreichte, trennte man das Wohnen im Sinne einer Rationalisierung vom Wirtschaften. Davon ausgenommen sind Weinbauernhöfe, die wirtschaftlich anders organisiert sind. Der Weinbauer ist deutlich weniger autark als der Viehbauer, lebt vom Handel mit dem Wein, sodaß sich unter Rückgriff auf die Geldwirtschaft ein bestimmter Wohlstand ausbilden konnte. Ähnliche stellen die Höfe in Osttirol vielfach Paarhöfe dar, während Nordtirol in Richtung Einhof tendiert, was im übrigen auch auf Bayern oder Salzburg zutrifft, weshalb in der historischen Literatur von Bauernhäusern „bayrischer oder Salzburger Art“ die Rede ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nur 5,5 Prozent der Fläche Südtirols gelten als bebaubar.</h3>



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<p>Die Tendenz zum Paarhof erklärt sich auch durch die Steilheit des Geländes in Südtirol. Nur 15 Prozent Südtirols liegen unterhalb von 1.000 Höhenmetern. Als bebaubar gelten nur 5,5 Prozent der Fläche Südtirols. Im steilen Gelände ist es nicht ohne weiteres möglich, stolze Einhöfe zu bauen. Der verfügbare Raum und auch die Zufahrt sind durch das Gelände beschränkt. Es ist deutlich einfacher, mehrere kleinere Bauwerke aneinander zu reihen und diese Gebäude gegebenenfalls zu erweitern. Ausgehend vom Wohnhaus und dem Wirtschaftsgebäude sowie der in Tirol obligatorischen Hauskapelle wurden die Bauernhöfe vielfach mit weiteren Gebäuden ausgestattet, je nachdem, wie die konkreten Bedürfnisse gegeben waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Neben Baugrund und Gebäudeanordnung entscheidet das Material über Wahrnehmung und Identität.</h3>



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<p>Neben der Bereitstellung des Baugrundes sowie der Anordnung der Gebäude entscheidet die Materialität wesentlich über die Wahrnehmung und Identität. Die Materialität ist im gesamten Etschtal, also im Süden Südtirols, auf den Mauerwerksbau ausgerichtet. Je weiter man sich in Richtung Norden bewegt, werden im Eisacktal und im Pustertal die Holzkonstruktionen häufiger. Es handelt es sich zwar stets um Mischbauwerke aus Stein und Holz, es wird aber deutlich, daß der Holzeinfluß nordwärts zunimmt und teilweise sogar gegenüber dem Mauerwerksbau überwiegt. Im Raum Innsbruck wird dann der Mauerwerksbau wieder stärker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nadelwälder ergeben andere Dächer als Laubwälder.</h3>



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<p>Charakteristisch ist aber auch das Material, mit dem ein Dach gedeckt wird. Während in Südtirol, insbesondere in der südlichen Landeshälfte, Mönch- und Nonnenziegel häufig vorkommen, sind diese weiter im Norden eher selten anzutreffen und konzentrieren sich mehr auf sakrale Bauwerke. Das Material, mit dem das Dach gedeckt wird, ergibt sich nicht nur aufgrund der lokalen Verfügbarkeit von Dachziegeln, Schindeln oder Steinplatten, sondern hat auch mit der Dachkonstruktion zu tun. Im gesamten Alpenraum ist das Pfettendach dominierend. Durch die Verfügbarkeit von Nadelbäumen, die gerade, lange Stämme haben, ist es naheliegend, Pfetten, also längsgerichtete Dachträger, auf Mauerwerk oder auf Stützen aufliegen zu lassen. Das Pfettendach wird relativ flach ausgeführt. Daraus ergibt sich der Vorteil, daß der Schnee lange am Dach bleibt und das Dach dämmt. Das Pfettendach kann technisch problemlos mit einem Dachüberstand ausgeführt werden. Die Dachdeckung wird aufgrund der geringen Dachneigung im ländlichen Bauen ohne weitere Probleme mit Schindeln aus Lärchenholz oder Stein ausgeführt.</p>



<p>Dort, wo vorwiegend Laubwälder vorherrschen, beispielsweise im österreichischen Flachland, ist das Holz gekrümmter und astreich, sodaß mit kürzeren Bauelementen gearbeitet werden muß. Die Baumstämme sind wenig geeignet, um als lange Dachträger eingesetzt zu werden. Stattdessen werden die kürzeren Holzelemente als Fachwerk eingesetzt und im Bereich der Dachkonstruktion zu dreieckigen Elementen vereint. Das Dach „steht“ also als ein Dreieck. Günstig ist daraus folgend ein steiles, um rund 45 Grad geneigtes Sparrendach, das in der Regel keinen Dachüberstand hat, weil ein solcher aufwändig wäre. Für Legeschindeln ist das Dach zu steil, es kommen stattdessen etwa Biberschwanzziegel zum Einsatz. Insbesondere im südlichen Etschtal, am Ritten, im Raum Bozen und südlich davon ist das Krüppelwalmdach üblich. Ein Walmdach hat vier geneigte Dachseiten. Beim Krüppelwalmdach sind hingegen zwei Seiten nicht vollständig abgeschrägt. Es handelt sich folglich um eine Mischung aus Walmdach und Satteldach. Diese Dachform prägt weite Teile Südtirols, vor allem des südlichen Südtirols.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">In Südtirol treffen im Bereich der Bauwerke zwei Welten aufeinander.</h3>



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<p>Einerseits der nordische Holzbau und andererseits der südliche Steinbau. Man darf annehmen, daß bereits die Räter und Rätoromanen, bevor die Bajuwaren das Land nach der Rodung besiedelten und auf Holz setzten, Meister des Steinbaus und der Gewölbekonstruktionen waren. Mit der bajuwarischen Besiedelung wurden zahlreiche Einzelhofsiedlungen als Neusiedelland angelegt, um Viehwirtschaft zu betreiben. Die bestehenden Dörfer, das Altsiedelland, weichen mit ihren engen und dichten Dorfkernen folglich in Konstruktion und Bauweise von den neuen Besiedelungen ab, die durch Rodungen als stolze Höfe entstanden sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Prägende Moden</h3>



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<p>Neben den materiellen und konstruktiven Voraussetzungen sind es aber die Moden, die das Bauen prägen, also das, was man gemeinhin als Baukunst oder Architektur bezeichnet. Ein Blick auf die architektonischen Epochen liefert weitere Antworten zur Frage nach der Baukultur in Südtirol. Für die romanische Epoche zwischen 11. und 13. Jh. war es in Südtirol charakteristisch, einen steinernen Unterbau zu errichten und die Wohnräume in Holzbauweise darauf zu setzen. In der Gotik setzte in Tirol ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der durch den Handel zwischen Süddeutschland und Venedig sowie durch den Silber- und Kupferbergbau vorangetrieben wurde. Baulich schlägt sich die Epoche in zwei Stoßrichtungen nieder. Einerseits in der Schaffung kubischer, vieleckiger Baukörper, frei in der Landschaft stehend, andererseits in der reichen Innengestaltung der Häuser mit feinen Steinmetzarbeiten und künstlerisch ausgestatteten gotischen Stuben. Der Erker gilt seit der Gotik als beliebter Vorbau der Fassade. Ursprünglich hatte der Erker eine wehrtechnische Bedeutung, wurde jedoch immer öfters als Erweiterung des Wohnraumes verwendet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Renaissance verändert alles: Vom gotischen „Winkelwerk“ zum identitätsstiftenden „Überetscher Stil“.</h3>



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<p>Ausgehend von Oberitalien sollte die Baukunst im Sinne des Humanismus und des antiken Ideals weitreichend evolutioniert werden. Die Renaissance erfaßte Oberitalien, ging als architektonischer Hochstil auch auf Süddeutschland über, konnte in Tirol jedoch kaum eigenständige Bauwerke ausbilden. Die Nähe Tirols oder Südtirols zu Italien war folglich noch lange kein Grund, die Bautraditionen zu übernehmen, wenngleich oberitalienische Baumeister auch in Südtirol zahlreiche Aufträge annahmen. Die Renaissance setzte auf regelmäßige, geschlossene Fassaden und auf eine symmetrische Grundrißanordnung. Um 1600 wanderten zahlreiche oberitalienische Baumeister nach Tirol. Die unregelmäßigen, aber malerischen Bauformen der Gotik, die sie vorfanden, das sogenannte „Winkelwerk“, wurde weiterentwickelt, „domestiziert“, mit Symmetrie und Regelmäßigkeit ausgestattet. Der Kunsthistoriker Josef Weingartner definiert diesen spezifischen Stil als „Überetscher Stil“, weil er charakteristisch ist für das Gebiet zwischen Trient und Bozen bis Brixen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Es bleibt „die alte deutsche Freude an malerischer Abwechslung lebendig“.</h3>



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<p>Verbreitet ist der Überetscher Stil dort, wo der Weinbau jenen Reichtum ermöglichte, der es vornehmen Familien zwischen 1550 und 1650 erlaubte, sich herrschaftliche Ansitze im Stil der Zeit zu errichten. Der Stil wirkte darüber hinaus identitätsstiftend für die Region. Josef Weingartner hebt hervor, daß trotz des Einflusses der Renaissance in Tirol „die alte deutsche Freude an malerischer Abwechslung lebendig“ geblieben sei. Daraus folgend vollzog sich zwar eine zunehmende Regelmäßigkeit in Grundriß und Fassade, es entstanden jedoch auch Erker, Freitreppen, Loggien sowie unregelmäßige Dachvorsprünge, sodaß charakteristische Gestaltungselemente beibehalten wurden. Weingartner urteilt: „So ist also der sogenannte Überetscherstil, dessen Blüte vom Ende des 16. bis zur Mitte des 17. Jh. reicht, nichts anderes als eine lokale Abart der von Süden heraufdringenden Renaissancebauweise, die aber auch den Zusammenhang mit der vorangehenden deutschgotischen Bauart nicht aufgibt.“</p>



<p>Befaßt man sich baukulturell mit dem Überetscher Stil, wird deutlich, daß die Mitte des Hauses ein Flur oder Saal einnimmt, seitlich sind die Seitenräume symmetrisch angeordnet. Ein großes, steingerahmtes Haustor bildet die Mittelachse. Der mittige Flur oder Saal ist mit Doppelbogenfenstern ausgestattet. Die übrigen Fenster sind viereckig in streng regelmäßigen Reihen angeordnet. Während Erker und sonstige unregelmäßige Vorsprünge im Rahmen der Baukunst der Renaissance vermieden werden, erfreuen sich diese in Südtirol im Rahmen des „Überetscher Stils“ großer Beliebtheit.</p>



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