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	<title>Schwerpunkt Kunst &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Käthe Kollwitz und Lovis Corinth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 20:49:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schwerpunkt Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lehnert Zwei Ostpreußen als Aushängeschilder der deutschen Moderne Die Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „Gothic Modern“, die im letzten Herbst in der Albertina zu sehen war, entpuppte sich als echter Augenöffner. Es ging um die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Kunst durch die Moderne im ausgehenden 19. Jh. Im Gegensatz zum Historismus ging es den [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erik Lehnert</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei Ostpreußen als Aushängeschilder der deutschen Moderne</h2>



<p></p>



<p>Die Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „Gothic Modern“, die im letzten Herbst in der Albertina zu sehen war, entpuppte sich als echter Augenöffner. Es ging um die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Kunst durch die Moderne im ausgehenden 19. Jh. Im Gegensatz zum Historismus ging es den Modernen nicht um Nachahmung, sondern darum, die ästhetische Qualität der mittelalterlichen Kunst als Orientierung zu nutzen, um den Gefühlslagen des modernen Menschen einen eigenen Ausdruck zu verleihen. Diese unterschieden sich grundsätzlich nicht von denen des Mittelalters: Es geht um Liebe, Tod, Schmerz und Glück. Unter den gezeigten Künstlern waren auch zwei gebürtige Ostpreußen: Käthe Kollwitz und Lovis Corinth. Ihre Geburtsorte liegen im heute zu Rußland gehörenden Teil Ostpreußens: Corinth wurde 1858 in Tapiau, Kollwitz 1867 in Königsberg geboren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zu Lebzeiten umstritten, heute kanonisiert</h3>



<p>Auch wenn der Name Kollwitz bei dem einen oder anderen eine Abwehrreaktion auslöst, weil ihm ihre Elendsgestalten nicht gefallen, konnte man sich in der Ausstellung davon überzeugen, wie stark auch Kollwitz, besonders bei ihren bekannten Zyklen, durch die religiösen Themen der Gotik geprägt wurde. Und bei Corinth, dessen Porträts von Künstlern, Gelehrten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sich durch ein besonderes Einfühlungsvermögen auszeichnen, mag der überzeichnete Naturalismus überraschen, mit dem er die klassischen Themen Kreuzigung und Kreuzabnahme in die Gegenwart zurückholt. Beiden gemeinsam ist, daß ihr Werk zu Lebzeiten sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen hat und daß beide heute in ihren Fächern, bei Corinth vor allem der Malerei, bei Kollwitz der Druckgraphik und Bildhauerei, zu den wichtigsten modernen Künstlern Deutschlands gehören. Da beide gegenständlich arbeiteten, erfahren sie mittlerweile auch bei denjenigen Wertschätzung, die mit moderner Kunst sonst nicht viel anfangen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Schön war für mich der Königsberger Lastenträger,…“ – Käthe Kollwitz als Bildchronistin des Proletariates</h3>



<p>Kollwitz wurde als Käthe Schmidt in eine Familie hineingeboren, die sich zur dissidentischen „Freien Gemeinde“, einer freireligiösen, evangelischen Vereinigung, bekannte. Ihr Vater, Jurist, mußte den Staatsdienst verlassen, war dann Bauunternehmer und folgte seinem Schwiegervater im Predigtamt. Er förderte die Begabung seiner Tochter in jeder Hinsicht. Neben dem Elternhaus war Königsberg prägend: „Wenn meine späteren Arbeiten durch eine ganze Periode nur aus der Arbeitswelt schöpften, so liegt der Grund dazu in jenen Streifereien durch die enge, arbeiterreiche Handelsstadt.“ Ab dem 14. Lebensjahr erhielt Käthe Mal- und Zeichenunterricht in Königsberg, noch ganz im klassischen Sinne, der heroisierenden Kunst des 19. Jh. Mit den modernen Kunstströmungen kam sie über den Kreis um Gerhart Hauptmann in Verbindung, Rubens entdeckte sie für sich, als sie an der Berliner Künstlerinnenschule ihre Ausbildung fortsetzte, wo sie auch zum ersten Mal von Max Klinger hörte. Dessen Radierungsfolge <em>Ein Leben</em> war „das erste, was ich von ihm sah, und es erregte mich ungeheuer“. Klinger ist es auch, der Kollwitz, die sich noch vorwiegend als Malerin verstand, durch seine Schrift <em>Malerei und Zeichnung</em> (1891) bewußt werden läßt, daß sie eigentlich Graphikerin sei. Denn Klinger weist in seiner Schrift der Malerei den Auftrag zu, die Schönheit der Welt zu zeigen. Die Zeichner hingegen betonen in ihrem Werk die Schwächen und das Schlechte: „Aus ihren Werken bricht fast überall als Grundton hervor: So sollte die Welt nicht sein!“ Das hat Kollwitz als Fingerzeig und Auftrag verstanden.</p>



<p>Hinzu kam, daß sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt Karl Kollwitz, in den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, gezogen war, wo jener dem damals durchaus noch vorhandenen Proletarierelend ganz bewußt Abhilfe leisten wollte. Allerdings darf man daraus nicht schlußfolgern, daß Kollwitz ihr Sujet aus politischen Gründen wählte. Wie bei der gesamten Naturalistengeneration war auch bei ihr die Ästhetik entscheidend: „Schön war für mich der Königsberger Lastenträger, […] schön war die Großzügigkeit der Bewegungen im Volke. Ohne jeden Reiz waren mir Menschen aus dem bürgerlichen Leben. Das ganze bürgerliche Leben erschien mir pedantisch. Dagegen einen großen Wurf hatte das Proletariat.“</p>



<p>Ihre ersten Erfolge waren die Radierungsfolgen <em>Ein Weberaufstand</em> (1898) und <em>Bauernkrieg</em> (1908). Die Not des Volkes wird hier in drastischen Bildern dargestellt, was ihr Anerkennung in Künstlerkreisen und Ablehnung von offizieller Seite einbrachte. Neben ihr graphisches Werk tritt zunehmend das bildhauerische, angeregt vor allem durch das Vorbild Auguste Rodins. Daß der jüngere ihrer beiden Söhne gleich am Anfang des Krieges fiel, war für Kollwitz „der Bruch“ in ihrem Leben. An dem Denkmal arbeitete sie mit Unterbrechungen fast 18 Jahre lang: das „Trauernde Elternpaar“ steht heute auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Vladslo. Auch die „Mutter mit totem Sohn“, heute in der Neuen Wache in Berlin, ist dem gefallenen Sohn gewidmet. In der Weimarer Republik gab es keinen Zweifel, wo Kollwitz politisch stand. Sie hatte Sympathien für den Kommunismus, den sie zur Friedensideologie verklärte. Sie wurde dennoch in die Akademie der Künste aufgenommen. Nach 1933 mußte sie sich zurückziehen. Bis zum Schluß verteidigte sie ihre Kunst. Aus dem ästhetischen Interesse am Proletariat sei durch Erfahrung ein „Verpflichtungsgefühl“ entstanden, „ihnen mit meiner Kunst zu dienen. Das ist jedoch – wohlverstanden – nicht tendenziöse Kunst.“ Kollwitz starb am 22. April 1945 in Moritzburg, wohin sie der Kunstsammler Prinz Heinrich von Sachsen eingeladen hatte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="514" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1024x514.jpg" alt="" class="wp-image-12296" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1024x514.jpg 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-300x151.jpg 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-768x386.jpg 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-1536x771.jpg 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13-585x295.jpg 585w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2026/09/13.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wikimedia Commons, invaluable.com<br>Liegender weiblicher Akt von Lovis Corinth, 1915</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Lovis Corinth feierte das pralle Leben.</h3>



<p>Er galt als jemand, der Kunst lebte, der begeisterungsfähig war, der über eine erstaunliche Lebens- und Erlebniskraft verfügte. Dieses Naturell wurde zwiespältig beurteilt: „Pariser Virtuosentum, Münchener Fasching, saucige Historienmalerei, wildes Genre und daneben und darin Griffe von erstaunlicher Kraft“, so der Kunstkritiker Julius Meier-Graefe. Malen war bei Corinth keine Passion, sondern Obsession, ein künstlerischer Zeugungsakt. Seine Frau, die ihm oft Modell stand, berichtete, daß er sich beim Malen in Ekstase befand.</p>



<p>Corinth war das einzige gemeinsame Kind seiner Eltern, die eine Gerberei und viel Ackerland bewirtschafteten, hatte mütterlicherseits allerdings fünf Halbgeschwister, was die Jugend konfliktreich gestaltete. Der Vater förderte seinen Sohn, der das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg besuchte und anschließend in Königsberg das Akademiestudium bei einem Historienmaler aufnahm. Er setzte es in München fort, leistete dort seinen Militärdienst, unternahm dann Reisen nach Antwerpen und Paris, versuchte zunächst erfolglos, in Berlin künstlerisch Fuß zu fassen und ließ sich schließlich für fast zehn Jahre in München nieder. Nach kleineren Anfangserfolgen gestaltete sich der weitere Weg zäh.</p>



<p>Erst Anfang der 1890er-Jahre entstanden in München Gemälde, die Aufsehen erregten. Sie zeigen sein handwerkliches Können ebenso wie den Versuch, über die Tradition der Figurenmalerei hinauszukommen, es den Alten Meistern gleichzutun und trotzdem eine ganz eigene Bildsprache zu entwickeln. Aber nicht alle Bilder blieben dem Kanon verpflichtet, seine Schlachthausszenen aus dieser Zeit fanden erst später Anerkennung bei den Kritikern. Die 1895 entstandene <em>Kreuzabnahme</em> wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und ist das erste Bild, das Corinth verkaufen konnte. Er begann, die Schriftsteller Schwabings zu porträtieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„… sodaß uns auch noch der Glanz der Märtyrerkrone umstrahlte.“</h3>



<p>Sein Bild <em>Salome</em> (1900) wurde von der Münchner Jury der Sezession zurückgewiesen und entwickelte sich zu einem Skandal, der Corinth bekannt machte. Salome beugt sich darauf nackt über das Haupt des Täufers, was der Szene eine erotische Aufladung gibt, die damals anstößig wirken mußte. Corinth ging auf Empfehlung seines Kollegen Walter Leistikow nach Berlin und hatte dort endlich den ersehnten Erfolg. Auch hier entstanden zahlreiche Porträts u.a. von Peter Hille, Gerhart Hauptmann und Admiral Tirpitz, er eröffnete eine Malschule, die ein wirtschaftlicher Erfolg wurde. Der unbändige Ehrgeiz Corinths wurde hier gestillt: „Wie konnte es auch anders sein, da der Handel und Wandel in Berlin glänzend war, die Kaufleute intelligent und nach neuer Kunst begierig waren, außerdem der junge Kaiser gegen alles Neue eine Aversion hatte, sodaß uns auch noch der Glanz der Märtyrerkrone umstrahlte.“ Als figürlicher Maler war er einer der hervorragenden Vertreter der klassischen Moderne.</p>



<p>1911 hatte Corinth einen Schlaganfall, der seine manisch-depressive Natur, die zwischen Schwermut und Enthusiasmus schwankte, verstärkte. Gleichzeitig begann er seinen Malstil zu verändern. Die Farbigkeit der Bilder, besonders der Landschaften am Walchensee, wo er seit 1919 einen Sommersitz hatte, und der heftige Pinselstrich, der die Formen auflöste, führten dazu, daß man sein Spätwerk dem Expressionismus zuschlägt – was nach 1933 den Vorwurf der „Entarteten Kunst“ nach sich zog. Seine Heimat besuchte Corinth immer wieder, malte dort die <em>Ratsherren von Tapiau</em> und wurde Ehrenbürger seine Heimatstadt. 1921 folgte der Titel Ehrendoktor der Universität Königsberg, 1924 eine große Retrospektive in Königsberg. Auf einer Reise nach Amsterdam, wo er noch einmal Rembrandt und Hals sehen wollte, starb er am 17. Juli 1925. </p>



<p></p>
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