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	<title>Geschichte &#8211; Der Eckart</title>
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	<title>Geschichte &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Hollands Gusto auf Kölle</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 22:28:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Erich Körner-Lakatos Den Haags Gebietsforderungen 1945 1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist. Am 10.&#160;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erich Körner-Lakatos</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Den Haags Gebietsforderungen 1945</h2>



<p></p>



<p><strong>1945 melden nicht nur Deutschlands östliche Nachbarn Gebietsansprüche an. Wenig bekannt ist der Appetit der späteren Benelux-Staaten, wobei der Landhunger Hollands hervorsticht. Etwas übermütig gebärdet sich der Zwergstaat Luxemburg, während Belgien sehr zurückhaltend ist.</strong></p>



<p>Am 10.&nbsp;November 1945 marschiert die winzige luxemburgische Armee in Teile der deutschen Landkreise Bitburg und Saarburg ein. Das Gebiet ressortiert zwar zur französischen Besatzungszone, aber Paris gestattet den Letzeburgern eine symbolische Präsenz als Unter-Besatzer. Luxemburg beabsichtigt den Anschluß deutscher Gebiete an das Großherzogtum als Ausgleich für das zwischen 1940 und 1944 erlittene Ungemach. Zuerst fordert man die Annexion eines Gebietes von etwas mehr als 500&nbsp;qkm und 30.000 Einwohnern. Obwohl die großherzoglichen Soldaten bis 1955 auf deutschem Boden bleiben, kommt es mangels westalliierter Unterstützung zu keinem Gebietsgewinn. Aus ähnlichen Erwägungen fordert Belgien deutsches Gebiet östlich von Eupen und Malmedy, freilich nur in bescheidenem Umfang – Teile von Dörfern, Wälder. Infolge des belgisch-deutschen Grenzvertrages von 1956 fallen fast alle diese Gebiete zurück an die Bundesrepublik.</p>



<p>Von ganz anderer – man kann sagen: geradezu atemberaubender – Dimension sind die holländischen Gebietsforderungen gegenüber dem geschlagenen Deutschen Reich. Den Haag verlangt einen breiten, sich von Norden bis Süden ziehenden Streifen deutschen Territoriums. Federführend ist dabei Frits Bakker-Schut. Der 1903 in Rotterdam geborene Bauingenieur ist geradezu besessen vom Plan eines Groß-Niederländischen Staates, der mitnichten den flämischen Teil Belgiens, was an sich naheliegend wäre, sondern einen Großteil des späteren deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie einen Streifen des späteren Niedersachsens umfassen sollte. Bakker-Schut steht im Herbst 1945 einer Kommission vor, die in einigen Untergruppen darüber nachdenkt, was das landhungrige Holland dem Deutschen Reich so alles wegnehmen könne. Bodenschätze (Kohle, Eisenerz, Erdöl) spielen dabei eine Rolle, dann große Industriebetriebe sowie landwirtschaftlich genutztes Terrain. Der Schlußbericht ergeht Ende 1945 an Innenminister Eelco Nicolaas van Kleffens.&nbsp;</p>



<p>Bakker-Schut legt drei Varianten vor. Der favorisierte Plan&nbsp;A, sozusagen die Maximalvariante,&nbsp; umfaßt alles Land entlang der gedachten Linie von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmshaven">Wilhelmshaven</a>, dann südlich entlang der Weser, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osnabr%C3%BCck">Osnabrück</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamm">Hamm</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel">Wesel</a>, weiter dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein">Rhein</a> folgend bis in die Nähe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln">Kölns</a>, anschließend westwärts bis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen">Aachen</a>. Die Städte Aachen, Osnabrück, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnster">Münster</a>, Köln (!) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburg_(Oldenburg)">Oldenburg</a> sollten dadurch holländisch werden. Die neuen Bezeichnungen wären dann Keulen (Köln, dt. umgangssprachlich Kölle), Osnabrugge, Aken (Aachen), Monniken-Glaadbeek, Munster usw. &nbsp;Plan&nbsp;B ist eine flächenmäßig geringfügig abgespeckte Variante von A: Die dicht bevölkerte Gegend um die Städte Köln, Mönchengladbach, Bergheim und Neuss würde deutsch bleiben. Dann präsentiert Bakker-Schut noch eine Minimalvariante, den Plan C, sozusagen das, worauf seiner Meinung nach Holland jedenfalls zugreifen sollte. Es handelt sich um einen Streifen entlang der niederländischen Ostgrenze. Von Norden und Emden in Ostfriesland ganz im Norden bis Geldern – ungefähr auf der Höhe von Duisburg – im Süden.&nbsp;</p>



<p>Befürworter der Annexionspläne sind vor allem die betagte Königin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmina_(Niederlande)">Wilhelmina</a> – die Kalvinerin aus dem Hause Oranien-Nassau herrscht seit 1890 – und die katholische Partei, wobei sich letztere durch den Gebietsgewinn einen Überhang an Katholiken verspricht, sind doch die deutschen Bistümer Aachen und Münster mehrheitlich römisch-katholisch. Ähnliches gilt für das Erzbistum Köln. Genau deshalb sind die Kalvinisten-Parteien (Christelijk-Historische Unie sowie die streng altkonservative Anti-Revolutionaire Partij), aber auch die Liberalen (Liberale Staatspartij sowie Partij van de Vrijheid) sehr zurückhaltend, was eine Annexion angeht. Zur Ehre der Sozialisten (Sociaal Democratische Arbeiders Partij; ab Februar 1946 Partij von de Arbed) sei gesagt: Die Roten lehnen die Angelegenheit grundsätzlich ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vertreibung der Deutschen geplant</h3>



<p></p>



<p>Wie sollte sich das Schicksal der deutschen Bewohner der in Augenschein genommenen Territorien gestalten? Nach Veröffentlichungen des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen (Nederlandsch Comité voor Gebiedsuitbreiding), zum Beispiel in der Broschüre: Oostland – Ons Land (dt.: Ostland – unser Land) sind Ausweisungen, konkret: die Vertreibung der Deutschen, geplant. Davon erfaßt wären alle Einwohner größerer Gemeinden (über 2.500 Bewohner), dazu alle NS-Belasteten sowie diejenigen, die nach 1933 dort ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Der Rest sollte optieren können, sofern er Plattdeutsch spräche und keine Verwandten im restlichen Deutschen Reich habe. Wer für Deutschland optiere, solle entschädigungslos enteignet und über die neue Grenze gebracht werden.</p>



<p>Zum Gebaren der Holländer vor und im Zweiten Weltkrieg schreibt das Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel</em> in seiner Ausgabe&nbsp;9/1994:</p>



<p><em>Die Holländer sind ganz gewiß keine schlimmeren Rassisten als andere Europäer. Sie haben, weil sie Kaufleute sind, ihr Menschenbild stets nur den jeweils vorherrschenden geschäftlichen Rahmenbedingungen angepaßt. So wie in den dreißiger Jahren, als sie scharfe Einwanderungsbestimmungen gegen deutsche Juden verhängten, um sich Erleichterung von dem erwarteten Druck von seiten der Hitleristen zu verschaffen. Das ist es wohl auch, was die Holländer dem dominanten Nachbarn im Osten so übelnehmen: daß sie sich von ihm so gründlich kompromittieren ließen. Von allen Völkern, die von der großdeutschen Dampfwalze im Zweiten Weltkrieg niedergewalzt wurden, haben die Niederländer die größten Probleme, sich pauschal als Opfer zu fühlen. Nach Kriegsende waren 450.000 Kollaborateure registriert, die sich im Umgang mit den Besatzern schmutzige Finger geholt hatten. Weil die Polizei den deutschen Judenmördern so wirkungsvoll zulieferte, konstatierte Adolf Eichmann zufrieden: „In Holland ging alles wie am Schnürchen“. Nach dem Krieg gab ein SD-Beamter namens Willy Lages zu Protokoll, die Jagd auf die Juden wäre ohne die holländische Unterstützung nur zu zehn Prozent durchführbar gewesen.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika.</em></h3>



<p></p>



<p>Trotzdem können die Niederländer sich in der Nachkriegszeit in der moralisch überlegenen Position des einstigen Opfers einrichten. In der Selbstwahrnehmung kontrastieren die liberalen, toleranten und fortschrittlichen Niederlande mit dem steifen, schroffen <em>Moffrika </em>– dem Land der <em>Moffen</em> (wahrscheinlich abgeleitet von Muff), wie der Volksmund die Deutschen damals abschätzig nennt. Der deutschstämmige niederländische Historiker Hermann von der Dunk bezeichnete diesen <em>Moffenhaat</em> (Deutschenhaß) sogar als <a href="http://www.zeit.de/1995/18/Was_heisst_das_Versoehnen_/seite-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">niederländische Variante des Antisemitismus</a>.</p>



<p>Seit den 1990-Jahren zeigt die Fassade der niederländischen Selbstgerechtigkeit aber auch erste Risse. Die Medien bringen immer mehr Berichte über die Kollaboration der Niederländer in der Kriegszeit und stellen unangenehme Fragen. Warum konnten die Nazis so viel mehr Juden aus den Niederlanden deportieren als aus dem benachbarten Belgien? Warum war der Anteil jener, die freiwillig zur SS gingen, in Holland weit höher als anderswo?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie auch im Falle Luxemburgs lehnen die Westalliierten größere Annexionen ab, weil dadurch das Flüchtlingsproblem verschärft würde.</h3>



<p></p>



<p>Anfang 1947 geben es die Holländer schon wesentlich billiger, beschränken sich auf 1.840&nbsp;qkm und 160.000 Bewohner, nämlich die Insel Borkum, die sogenannte Niedergrafschaft um Bentheim (dort befinden sich Erdölfelder) sowie auf einen schmalen Grenzstreifen. Selbst daraus wird nichts, weil auf der Londoner Deutschland-Konferenz im März 1949 nur marginale Änderungen des Grenzverlaufs beschlossen werden. Dadurch erhält Den Haag die Grenzgemeinde Elten, darüber hinaus ein paar Weiler, Äcker und Wälder. Die Besetzung durch die Niederländer beginnt am Sonntag, 23.&nbsp;April 1949 um zwölf&nbsp;Uhr mittags.</p>



<p>Deutschland – und damit das junge Bundesland Nordrhein-Westfalen – zählt auf einmal 3.500 Menschen und knapp 20&nbsp;Quadratkilometer Land weniger. Land und Leute werden am Mittag im Eltener Rathaus mit einem Federstrich den Niederlanden einverleibt.Bis zur Rückkehr in den deutschen Staatsverband bleiben die Menschen in und um Elten zwar Deutsche, bekommen aber einen holländischen Paß und müssen sich ausweisen, wenn sie über den neuen Grenzübergang nach Deutschland wollen. Sie haben kein Wahlrecht, weder hüben noch drüben. Selbiges in Selfkant, der westlichsten Ortschaft des Deutschen Reiches. Die Okkupation dauert fast vierzehn Jahre lang. Durch den Holland-Vertrag vom 1.&nbsp;August 1963 kommen fast alle Gebiete zurück zur Bundesrepublik Deutschland. Damit haben sich die Gebietsansprüche aller drei Benelux-Staaten in nichts aufgelöst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die gnadenlose Ausbeutung der niederländischen Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung.</h3>



<p></p>



<p>Hollands unschöne Seite zeigt sich auch in Übersee. Das Hamburger Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel </em>charakterisiert die Niederländer in der Ausgabe&nbsp;9/1994 wie folgt:</p>



<p><em>… die Geschichte der niederländischen Toleranz hat auch schwarze Löcher: die Ausrottungsfeldzüge gegen südafrikanische Hottentotten und südamerikanische Indianer, die blutrünstigen Strafexpeditionen gegen vertragsbrüchige Gewürzinseln, die Massaker während des indonesischen Unabhängigkeitskrieges &#8230;</em></p>



<p>Denn 1945 will sich Den Haag erneut als Kolonialmacht in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien etablieren. Zwei sogenannte Polizeiaktionen und Massaker an Einheimischen nützen nichts: 1949 blasen die Holländer zum Rückzug, Sukarno hat gesiegt.</p>



<p>Die gnadenlose Ausbeutung der Kolonien findet höchstens in den Kongo-Greueln der Belgier eine Entsprechung. In der niederländischen Besitzung Guayana (Surinam) wurden Sklaven zur Abschreckung von Ochsen gevierteilt oder mit Haken in der Brust zum Austrocknen in die Sonne gehängt. 1863 wird dort die Sklaverei offiziell abgeschafft, an den tatsächlichen Verhältnissen ändert sich wenig. Holländische Sklavenbarone waren 200 Jahre lang Marktführer im transatlantischen Menschenhandel. Die Grundlage dafür lieferte der Kalvinismus mit seiner Prädestinationslehre. Aus den Negern, so predigte damals der kalvinistische Theologe Johan Picardt, müsse man „die Lendenfäulnis“ herauspeitschen, denn der Herr im Himmel habe sie erschaffen, daß nur die Knechtschaft ihnen zum Heil gereiche.</p>
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		<title>Švejkismus in Pohrlitz</title>
		<link>https://dereckart.at/svejkismus-in-pohrlitz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jul 2026 13:09:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek Am 23. Mai 2026 fand im südmährischen Pohrlitz (Pohořelice) eine Gedenkfeier für die Opfer des Brünner Todesmarsches statt. Diesmal war diese aber etwas Besonderes, insofern als sie in das Programm des Sudetendeutschen Tages eingebettet war, der erstmals in der Tschechischen Republik, nämlich in Brünn (Brno), abgehalten wurde. Schon beim Einbiegen von der [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p></p>



<p>Am 23. Mai 2026 fand im südmährischen Pohrlitz (Pohořelice) eine Gedenkfeier für die Opfer des Brünner Todesmarsches statt. Diesmal war diese aber etwas Besonderes, insofern als sie in das Programm des Sudetendeutschen Tages eingebettet war, der erstmals in der Tschechischen Republik, nämlich in Brünn (Brno), abgehalten wurde.</p>



<p>Schon beim Einbiegen von der Brünner Straße zum Massengrab wird deutlich, daß heuer vieles anders ist: Die Polizei hatte eine Straßensperre errichtet. Drei Autos stehen vor mir in der Schlange. Während der Tscheche einfach durchgewunken wird, müssen der Wiener und der Berliner ihren Paß zeigen und den Kofferraum öffnen. Einen Stellplatz finde ich erst einen Kilometer hinter dem Massengrab beim Bahnhof. In die Rekordzahl von ein paar hundert Menschen haben sich Träger der tschechischen Fahne gemischt. Jene, die am Rand eine Reihe bilden, haben Botschaften in zwei Sprachen mit dabei. Erstens: Die Sudetendeutschen seien schuld an der Zerschlagung der Tschechoslowakei – nun ja, ohne die Zerschlagung Österreichs zwanzig Jahre zuvor hätte das gar nicht passieren können. Zweitens: Die Großeltern der Teilnehmer hätten NSDAP gewählt. Vielleicht. Aber diese seltsamen Demonstranten wohnen womöglich in Häusern, die ihre Großeltern geraubt haben. Typischer tschechischer Widerstand: fast achtzig Jahre zu spät. Reinhard Heydrich, auf den ebenfalls mit einem tschechischen Transparent Bezug genommen wird, konnte 1942 in Prag nur ermordet werden, weil die Attentäter aus dem Ausland eingeschleust worden waren. Während die Redner die Verbrechen der Nationalsozialisten anprangern – besonders auch der sudetendeutsche EU-Abgeordnete Bernd Posselt – werden sie von den Demonstranten mit Nazis gleichgesetzt. Auf einem Schild sind sowohl ein Hakenkreuz als auch das Gesicht Posselts rot durchgestrichen.</p>



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<p>Danach fuhr ich doch nicht nach Brünn. Mir war die Lust vergangen. </p>
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		<title>Ein deutsches Schicksal</title>
		<link>https://dereckart.at/ein-deutsches-schicksal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 14:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Hermann Attinghaus Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Hermann Attinghaus</em></p>



<p></p>



<p>Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. linke Lehrplanreformen, die darauf abzielten, möglichst viel bürgerlich-humanistisches Gedankengut von den Jugendlichen fernzuhalten. Und seither fehlen auch die großartigen Balladen und Revolutionsgedichte dieses Vorkämpfers der Republik. Die bürgerliche Fraktion war wieder einmal zu feige, den Genossen Paroli zu bieten, und selbst die Linken, die heutzutage die Revolution von 1848/49 so gerne für sich reklamieren und so tun, als ob sie die einzigen wahren Demokraten seien, verhielten sich still, obwohl sie lange Zeit versucht hatten, den Dichter für sich zu vereinnahmen. Als Folge davon gibt es in deutschen und österreichischen Städten unzählige Denkmäler für ihn, und zahllose Straßen, Gassen und Plätze wurden nach ihm benannt: Hermann Ferdinand Freiligrath. Ein typisches Beispiel findet sich in Donaufeld im 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort gibt es eine seltsame Parkanlage – eigentlich eine riesige Grube – , die bis zum Ende der Monarchie Kaiser-Josef-Platz hieß und seit 1919 – gewiß nicht zufällig – den Namen Freiligrath-Platz trägt.</p>



<p>Die Genossen aller Schattierungen leiten ihre dreiste Vereinnahmung des westfälischen Dichters u. a. auch davon ab, daß er Karl Marx und Friedrich Engels persönlich kannte, im Oktober 1848 in die Redaktion ihrer&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Rheinische_Zeitung"><em>Neuen Rheinischen Zeitung</em></a>&nbsp; eingetreten war&nbsp;und die Auslandsredaktion betreute. In einem Brief schrieb er am 18. November 1848, daß in dieser Zeitung „Außer den Gedichten… auch Prosa-Artikel von mir“ enthalten seien. „Großbritannien, Italien und Amerika, das ganze Ausland (mit Ausnahme Frankreichs) ist fast immer aus meiner Feder.“ &nbsp;Unter den in dieser Zeitung veröffentlichten Gedichten finden sich u. a. „Wien“, „Blum“, „Reveille“, „Ungarn“ und „Abschiedswort der ‚Neuen Rheinischen Zeitung‘“. Er war auch für kurze Zeit Mitglied des Bundes der Kommunisten, wurde deswegen sogar vor Gericht gestellt, bei dem Prozeß aber schließlich freigesprochen.</p>



<p>Freiligrath wurde 1810 in Detmold in eine Lehrerfamilie geboren; sein Werdegang war Zeit seines Lebens auf merkwürdige Weise eng mit dem Schicksal des deutschen Volkes verbunden. Da die Familie nur über geringe finanzielle Mittel verfügte, konnte er nicht studieren, sondern mußte eine kaufmännische Lehre absolvieren. Ab 1832 arbeitete er in Amsterdam für ein großes Bank- und Handelshaus. Während seiner fünfjährigen Lehrzeit lernte er Englisch, Französisch und Italienisch. Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse bildeten später die Grundlage für seine umfangreiche Übersetzungstätigkeit.</p>



<p>Grob können drei Phasen seines Schaffens unterschieden werden: der Exotismus der 1830er-Jahre, (<em>Gedichte </em>1838); die Revolutionsbegeisterung in den 1840er-Jahren (<em>Ein Glaubensbekenntnis</em>, 1844) und am Ende seines Lebens der patriotischee Abschnitt (<em>Neue Gedichte</em>, 1871), als er begeistert den Sieg der deutschen Waffen bei Sedan begrüßte und hoffte, daß nun ein Zeitalter des Friedens und der Freiheit anbrechen würde.</p>



<p>Man hat ihm mancherlei Beinamen wie z.B. „Trompeter der Revolution“ gegeben. In seiner ersten Phase wurde er oftmals auch als „liberaler Kosmopolit“ charakterisiert, danach wurde er „spätromantischer Nationalliberaler“, in seiner revolutionären Phase schließlich „konstitutioneller Liberaler“ genannt. Seit Mai 1842 war er Mitglied in der „gerechten und vollkommenen“ Loge „Zum wiedererbauten Tempel der brüderlichen Eintracht“ in Worms, der Kontakt dürfte aber nicht allzu eng gewesen sein. Als er sich in den frühen 1840er-Jahren für die Demokratie begeisterte, verzichtete er als Mann von Charakter auf die jährliche königliche Apanage von 300 Talern. Um einer Strafverfolgung wegen seiner republikanischen Ansichten zu entgehen, mußte er mehrmals ins Exil gehen, nach Brüssel, in die Schweiz und nach London. Als er dort seinen Posten verlor und&nbsp; mittellos dastand, wurde in Deutschland eine Sammlung für ihn veranstaltet, die den sensationellen Betrag von 60.000 Gulden einbrachte – ein Vermögen für diese Zeit –, was beweist, wie angesehen Freiligrath war. Er starb 1876 in Cannstatt, heute ein Stadtteil von Stuttgart – sehr beliebt, hoch geehrt und viel gelesen.</p>
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		<title>Die Sudetenkrise 1938 – unkonventionelle Betrachtungen</title>
		<link>https://dereckart.at/die-sudetenkrise-1938-unkonventionelle-betrachtungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 10:15:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Premium]]></category>
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		<title>Prags Weltuntergang</title>
		<link>https://dereckart.at/prags-weltuntergang/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 23:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<title>Luise – preußische Patriotin und Königin der Herzen</title>
		<link>https://dereckart.at/luise-preussische-patriotin-und-koenigin-der-herzen/</link>
		
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		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 17:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lommatzsch Geboren vor 250 Jahren Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung Am Tage der Huldigung des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erik Lommatzsch</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geboren vor 250 Jahren</h2>



<p></p>



<p>Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung <em>Am Tage der Huldigung</em> des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von Kleist sie als „der hohen Himmelssonne gleich“, die in voller Pracht strahle, „wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht“. Die Zeugnisse der Verehrung sind Legion. Zu Literatur und Publizistik kam die bildende Kunst, genannt sei etwa die 1797 vollendete „Prinzessinnengruppe“ von Johann Gottfried Schadow. Das bekannte Standbild zeigt Luise und ihre Schwester Friederike. Bemerkenswert ist, daß sich die zahlreichen Porträts der Königin recht stark voneinander unterscheiden. Zur Ikone und zum Mythos wurde die „preußische Madonna“, der Luisenkult war und ist selbstredend aber auch nicht frei von Verklärung.</p>



<p>Zur Welt gekommen ist Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776 in Hannover. Ihr Vater war hier als Gouverneur tätig, die Regierung seines heimatlichen Herzogtums übernahm er erst 1794. Zu dieser Zeit war Luise bereits mit dem preußischen Thronfolger verheiratet. 1797 wurde dieser als Friedrich Wilhelm III. König von Preußen. Die Ehe war – wie in dynastischen Kreisen üblich – arrangiert, beruhte aber auf echter Zuneigung. Zehn Kinder brachte Luise zur Welt, darunter Charlotte, die die Frau des Zaren Nikolaus I. werden sollte, den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm IV. sowie den späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vehementer Widerstand gegen Napoleon</h3>



<p></p>



<p>Beeindruckt zeigte sich die Königin von Zar Alexander I., dem sie 1802 begegnete. Wie nahe man einander tatsächlich kam, bleibt wohl auf immer ein Geheimnis. Luise jedenfalls sprach einer Annäherung an Rußland das Wort und entwickelte sich zu einer strikten Gegnerin Napoleons, der sich anschickte, Europa zu unterwerfen. Im Unterschied zu dem oft als zögerlich und unentschlossen wahrgenommenen König trat sie vehement für den Widerstand gegen den französischen Eroberer ein. Nach der verheerenden Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 floh der preußische Hof, am Ende befand man sich im äußersten nordöstlichen Winkel des Landes, in Memel. Am 6. Juli 1807 traf Luise in Tilsit mit Napoleon zusammen. Sie sollte und wollte den französischen Schlächter, der sie zuvor reichlich hatte verunglimpfen lassen, etwa durch die Veröffentlichung ihrer Briefe an den Zaren zu milden Friedensbedingungen gegenüber Preußen bewegen. Napoleon zeigte sich zwar angetan von ihrer Erscheinung, ihr Bitten war jedoch vergeblich. Am 23. Dezember 1809 kehrte das Königspaar nach Berlin zurück, von der Bevölkerung begeistert empfangen. Die politische Lage war angesichts der andauernden französischen Besatzung weiterhin bedrückend. Am 19. Juli 1810 starb Luise auf Schloß Hohenzieritz während eines Besuches bei ihrem Vater. Bald hieß es, die Königin sei an gebrochenem Herzen über die Demütigung Preußens durch Napoleon gestorben. Theodor Mommsen erklärte rückblickend: „Sie hat nicht mitregiert. Nicht ihre Thaten haben ihr Gedächtniß in das Herz des Volkes gestiftet, sondern ihr Wesen und Sein, und man kann hinzufügen, ihr Leben und Leiden.“</p>



<p>Die heutige Geschichtswissenschaft teilt die „Luisenlegende“ in drei Phasen ein. Erstens war Luise von Anfang an beliebt, das Königspaar lebte vergleichsweise schlicht. Auf Schloß Paretz, eher ein Landhaus, 40 Kilometer westlich von der Mitte Berlins gelegen, hielt man sich gern auf. Der bürgerliche Stil wirkte integrativ. Der Dichter Novalis sprach von „ächtem Patriotism“, der durch „die beständige Verwebung des königlichen Paars in das häusliche und öffentliche Leben“ entstehe. Als zweite Phase gilt die Verehrung Luises in den Befreiungskriegen. Der Dichter Theodor Körner nahm die Idee der Sage von dem nur schlafenden Kaiser Barbarossa auf und sprach von einer ebenfalls nur schlafenden Luise („Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache: / Dann ruft dein Volk, dann deutsche Frau erwache, / ein guter Engel für die gute Sache!“). Generalfeldmarschall Blücher soll nach dem Sieg über die Franzosen ausgerufen haben: „Jetzt endlich ist Luise gerächt!“ Die dritte Phase setzte mit der Gründung des Kaiserreiches von 1871 ein. Hier verwies man auf die Kontinuität der patriotischen Königin zur deutschen Einheit unter ihrem Sohn Wilhelm I. Diesem ist es auch zu verdanken, daß sich die Kornblume, Luises Lieblingsblume, fest als Symbol Preußens etablierte.</p>



<p></p>
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		<title>Ehrenamt, Mäzenatentum und der Deutsche Schulverein</title>
		<link>https://dereckart.at/ehrenamt-maezenatentum-und-der-deutsche-schulverein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 13:05:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Christoph Bathelt Das Ehrenamt stand über Jahrhunderte für Menschen, die ihre Zeit, ihr Vermögen und oft auch ihre gesellschaftliche Stellung einsetzten, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erwarten – Steuerabschreibungen wären sicher unter ihrer Würde gewesen. 100.000 Mitglieder in drei Jahren und prominente Großspender Der Deutsche Schulverein, Vorgänger der ÖLM, gibt heute noch ein hervorragendes [&#8230;]]]></description>
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<p><em>Christoph Bathelt</em></p>



<p>Das Ehrenamt stand über Jahrhunderte für Menschen, die ihre Zeit, ihr Vermögen und oft auch ihre gesellschaftliche Stellung einsetzten, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erwarten – Steuerabschreibungen wären sicher unter ihrer Würde gewesen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">100.000 Mitglieder in drei Jahren und prominente Großspender</h3>



<p></p>



<p>Der Deutsche Schulverein, Vorgänger der ÖLM, gibt heute noch ein hervorragendes Beispiel von zivilgesellschaftlichem Einsatz – wenige Monate nach der Gründung füllten die Mitglieder im Herbst bereits den Wiener Musikverein, am Ende des Jahres war man bereits bei 22.000, drei Jahre später überschritt man die 100.000er-Marke. Ein Blick auf die Liste der Großspender zeigt die Bedeutung dieser Bewegung: Während man die Namen der Brauer Anton Dreher (Schwechater), Ignaz und Jakob Kuffner (Ottakringer) und von Bankier Gustav Ritter von Schoeller, Pharmaunternehmer Kwizda, den „Design“-Legenden Gebrüder Thonet und dem Spediteur Schenker heute noch kennt, sind die Namen Figdor, Wagenmann, Seybel, Borckenstein, von Schroll und Voigt nur noch Experten und Taxifahrern bekannt, da sie zumindest als Straßennamen verewigt wurden.</p>



<p>Bald gehörte es zum guten Ton, wenn Stammtischrunden eine Spendendose zu Gunsten des Deutschen Schulvereins auf ihrem Tisch platzierten – recht praktisch bereits mit Zigarettenhalter, Aschenbecher und Zündhölzern versehen – der Verein hielt vieles für seine Anhänger bereit (Bild). Nicht nur aufgrund der vielen Raucher, aber auch wegen der Holz- und Kohleheizungen trugen die „Schulvereinszünder“ viel zur Vergrößerung des Spendenvolumens bei. Damenkränzchen organisierten Bälle oder Konzerte – so dirigierten keine Geringeren als Hans Richter und Hans von Bülow zu diesen Anlässen die Wiener Philharmoniker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nicht weniger wichtig und oft besonders berührend sind und waren die Kleinspenden.</h3>



<p></p>



<p>Noch heute ergreift uns der Brief der Eltern von Ethelfriede Thusnelda Viegel aus Budweis, die im Alter von sechs Jahren im Jahr 1914 verstarb: </p>



<p><em>Die Ortsgruppe Budweis verlor in ihr eines der begeistertsten Mitglieder; mit fünf Jahren bat sie stets solange, bis sie in die Schulvereinsversammlungen der Sprachinsel mitgehen durfte, und manches Blümelein verkaufte sie an sonst nicht opferfreudige Bauern. Ohne unser Wissen sammelte sie und hinterließ in einer Büchse, die sie mit der Aufschrift ‚für den Schulferein‘ versehen hatte 6 K 74 h, kreuzerweise zusammengespart.</em></p>



<p>Aus demselben Jahr: <em>Herr Dr. C.H. in Wien hat gegen E.H. in Wien eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht und über Zureden des Richters den Strafantrag zurückgezogen unter der Bedingung, daß der Beklagte 100.-K für den Deutschen Schulverein und 100.-K an die Südmark zahle. Da aber auch der Kläger bei einer Verhandlung eine ungehörige Bemerkung machte, hat auch er sich zu einer Zahlung für den Deutschen Schulverein verpflichtet und den Betrag von 5.-K bereits eingezahlt.</em></p>



<p>Mehrfach spendete die Besatzung des Panzerkreuzers „SMS Kaiser Karl VI.“, und aus einer Festung erhielt der Deutsche Schulverein eine Postanweisung, lautend auf fünf Kronen, und folgenden Zeilen: Ich habe ein Versäumnis gutzumachen. Mein Junge Kurt Wilhelm Keil wird am 22.10. schon 4 Monate und ist noch nicht im Schulverein. Bitte dem jungen Herrn die Mitgliedskarte Wien VI., Stumperg. 14 zu schicken, damit seine Mutter weiß, bei welchem Vereine er ist… Euer Keil.“</p>



<p>Ähnlichen Humor bewies auch ein gewisser Ing. Franz Tögel im Jahr 1915:</p>



<p><em>„Lieber deutscher Schulverein,<br>Laß mich auch Dein Mitglied sein,<br>Zahlen will ich jedes Jahr,<br>Meinen Beitrag stets in bar;<br>Da die Not besonders groß<br>Mehr als nur zwei Kronen bloß.<br>Will mit Humor und gutem Willen,<br>Meine deutsche Pflicht erfüllen.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen.</h3>



<p>Als bekanntester Unterstützer ist Peter Rosegger zu nennen, der aufgrund seiner eigenen Herkunft Not und Bedürftigkeit kannte. Er sorgte in einer bis dahin beispiellosen Sammelaktion für eine enorme Steigerung der Bekanntheit und des Spendenaufkommens. Zudem durfte der Textilfabrikant Kawann einen schwarz-grün karierten Loden als „Rosegger-Loden“ vertreiben, unter der Bedingung, einen Teil der Gewinne sozialen Zwecken zuzuführen. So erfüllte sich sein Herzenswunsch, „<em>vor allem durch sein Werk im Herzen seines Volkes weiterzubestehen – und weniger durch Standbilder aus Stein und Erz</em>“.</p>



<p>Das Ehrenamt, wie wir es verstehen, lebt fort: Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen. Und das sollte auch im 21. Jh. unser Maßstab bleiben. </p>



<p></p>
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		<title>Das schwarze Tuch als Kleid und Fahne der Deutschen</title>
		<link>https://dereckart.at/das-schwarze-tuch-als-kleid-und-fahne-der-deutschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 14:36:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Daniel Fabian Schwarz, Nicht-Farbe und Anti-Farbe und wegen seiner Farben voneinander scheidenden Kraft doch eine der häufigsten Tinkturen (Wappenfarben), ist aus der deutschen Nationalsymbolgeschichte nicht wegzudenken. Ob Altes Reich oder BRD, ob Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot oder Schwarz-Gold, ob Deutscher Orden oder Hohenzollern-Preußen und davon abgeleitet z.B. das Eiserne Kreuz: Schwarz war immer prominent sichtbar. Das [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Daniel Fabian</em></p>



<p>Schwarz, Nicht-Farbe und Anti-Farbe und wegen seiner Farben voneinander scheidenden Kraft doch eine der häufigsten Tinkturen (Wappenfarben), ist aus der deutschen Nationalsymbolgeschichte nicht wegzudenken. Ob Altes Reich oder BRD, ob Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot oder Schwarz-Gold, ob Deutscher Orden oder Hohenzollern-Preußen und davon abgeleitet z.B. das Eiserne Kreuz: Schwarz war immer prominent sichtbar. Das rein schwarze Tuch ist aber ungewöhnlich. In der turbulenten Phase zwischen 1813 und 1945 säumte schwarzer Stoff mehrfach den Schicksalspfad des deutschen Volkes in besonderer Weise, die einen genaueren Blick rechtfertigt.</p>



<p>Historisch steht das rein schwarze Tuch unter anderem für Tod und Lebensgefahr wie bei Pest- und Piratenflaggen, für Trauer und Buße, aber auch für die Negation von irdischem Prunk und aller Eitelkeit, letzteres besonders auffällig in der betonten Nüchternheit reformierter und lutherischer Pastoren seit dem 16. Jh. und bis in die Gegenwart, auch in Talar und Soutane der katholischen Priester. Obwohl insbesondere die liturgischen Gewänder auch andere Farben haben können, wurde Schwarz so zu einer mit dem Klerus assoziierten Farbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine neue Nationaltracht</h3>



<p></p>



<p>Schwarzes Tuch bei Soldaten, Freischärlern und Rebellen ist ein Symbol für Rache, auch Todesverachtung, Verzweiflung. Wer sich unter’s schwarze Banner stellt, zeigt damit, das letzte Mittel zu ergreifen und zum äußersten bereit zu sein. In diesem Sinn wurden schwarze Fahnen bereits in Bauernaufständen des 17. Jh. verwendet. Berühmt wurde die schwarze Uniform der Lützower Freischar im Befreiungskampf gegen Napoleon: Wegen Geld- und Uniformmangels hatten die Kämpfer ihre zivile Kleidung zu benutzen. Da Schwarz alle Farben überdeckt, entstand die ungewöhnliche schwarze Uniform. Die immense Popularität dieser Freiwilligentruppe nach dem Kriegsende 1814/15 trug dazu bei, auch den schwarzen Leibrock bekannt zu machen, zumal die Waffenröcke nach dem Krieg noch bei den ehemaligen Kämpfern vorhanden waren und wiederum zivil weiterverwendet wurden, nicht zuletzt von den Studenten der Jenaer Urburschenschaft. Auch deren Festuniformen bestanden selbstverständlich aus schwarzen Leibröcken.</p>



<p>Auf Anregungen der nationalen Vordenker Arndt und Jahn entstand aus diesen Anfängen gar die Idee einer neuen „Deutschen Nationaltracht“ aus schwarzem Rock und schwarzem Barett, die eine Zeitlang begeistert aufgenommen wurde; viele Darstellungen von deutschen Patrioten in solcher Tracht aus jener Zeit lassen sich finden. Dementsprechend waren die meisten Vorschläge für eine solche „Nationaltracht“, die in den Folgejahren in Modezeitschriften präsentiert wurden, schwarz gehalten und orientierten sich mehr oder weniger stark an den Freikorpsuniformen. Auch bei den Damenkleidern, die der neuen „deutschen Tracht“ folgen wollten, setzte sich schwarzes Tuch als „Nonnenzeug“ durch. Diese schwarze Farbe war das wesentliche Unterscheidungskriterium zur französischen oder englischen Mode der Zeit, von der zumindest die neue „Nationaltracht“ der Damen sich im Schnitt wenig unterschied. Zur zeitgenössischen Mode des Biedermeier- und Empirestils in Pastelltönen und Weiß bildeten die schwarzen Gewänder einen denkbar starken Kontrast.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schwarze Fahnen des Widerstandes</h3>



<p></p>



<p>Neben diesem letztlich gescheiterten und kurzlebigen Versuch der Neustiftung eines Nationalsymbols steht als zweites historisches Unikum die schwarze Fahne. Seit der Julirevolution 1830 in Frankreich hatte diese Flagge Karriere als Zeichen für Protest, Aufstand und v.a. für&nbsp; Anarchismus gemacht. In Deutschland setzte sich diese Bedeutung – auch aufgrund des Mangels an Revolution – zunächst eher weniger durch, nach dem Ersten Weltkrieg dafür umso mehr. Aus dem Protest gegen die Republik und das Versailler Friedensdiktat erwuchs in den Freikorps, später in den neuen politischen Gruppen der Nationalrevolutionäre und der „Konservativen Revolution“ der schwarzen Fahne eine eigene Bedeutung. Sie wurde in verschiedenen Gestaltungen deren Zeichen schlechthin, über die verschiedenen politisch rechten Gruppen – Nationalrevolutionäre, Landvolkbewegung, Jugendbünde – hinweg verbreitet finden sich schwarze Flaggen und Wimpel auch als Gestaltungselement auf Druckschriften und Bildpropaganda, schwarze Uniformteile usw. Unzählige „jugendbewegte“ junge Deutsche zogen unter schwarzen Wimpeln auf Fahrt. Viele Lieder aus den Jugendbünden zeigen bis heute die Anziehungskraft dieses Symboles. Auch die Freikorps der ersten Nachkriegszeit kämpften im In- und Ausland vielfach unter improvisierten schwarzen Fahnen.</p>



<p>Dabei spielte die Erinnerung an die Freischaren hundert Jahre zuvor ebenso hinein wie ahistorische Annahmen. Die Vorstellung einer historisch nicht belegten „schwarzen Bauernkriegsfahne“ etwa war so stark, daß der Schöpfer der Fahne für die widerständigen Bauern in Norddeutschland 1929, Peter Petersen, diese wie selbstverständlich als Vorlage nahm und gar nicht an ein anderes Widerstandssymbol dachte.</p>



<p>In der durchaus langen europäischen Geschichte der schwarzen Fahne als politisches Symbol – meist an den politischen Rändern, rechts wie links – ist ihr Auftreten zwischen den Weltkriegen in Deutschland wie ein kurzes, aber ungewöhnliches und markantes dunkles Aufblitzen. Die Flaggen verschwanden mit der Zwangsvereinigung der Jugendbünde in der HJ und der Zerschlagung aller legalen Strukturen. Der NS-Staat vereinnahmte den schwarzen Stoff, wieder in der alten Bedeutung von Todesdrohung und Abschreckung, in seinen Elitetruppen SS und Panzertruppe. Vor allem die SS-Uniformen hoben sich markant von den Brauntönen der Parteiuniformen und dem Feldgrau der Wehrmacht ab und werden bis heute weltweit stark mit dem „Dritten Reich“ assoziiert. Aufgrund dieser Assoziation verschwand mit dem Ende des Nationalsozialismus’ die schwarze Farbe völlig aus der militärischen Nutzung in Deutschland.</p>



<p>Einen letzten Nachhall fand die „schwarze“ nationale Tradition Deutschlands im Auftauchen schwarzer Fahnen bei den Protesten der Ruhrarbeiter 1966. Es blieb eine Episode, auch wenn der linksnationale Autor H. Eichberg versuchte, in einem berühmt gewordenen Lied eine Verbindung zwischen Landvolkbewegung, Ruhraufstand und künftiger patriotischer Erhebung gegen Fremdherrschaft und deutsche Teilung herzustellen. Heute sind schwarze Fahnen und schwarze Bekleidung neben Traueranlässen am ehesten europaweit präsent als Farbe von linken und rechten Anarchisten, „freien Kräften“ und als Zeichen für Widerstand und Gewaltbereitschaft, insbesondere bei Demonstrationen. Die häufigste Nutzung dürfte im Linksextremismus bzw. der „Antifaschistischen Aktion“ zu finden sein. Aus der beschriebenen, kurzlebigen Tradition in Deutschland heraus lebt das schwarze Tuch nur noch in einigen Liedern und Fahnen der Jugendbewegung.</p>



<p><strong><em>Liedauswahl:</em></strong></p>



<p>„Die schwarzen Fahnen flattern im Wind“ (Walter Jansen)</p>



<p>„Laßt weh’n die schwarze Fahne“ (Walter Gollhardt)</p>



<p>„Schwarze Fahne halte stand“ (Karl Foltz)</p>



<p>„Schwarz ist die Sorge und schwarz unser Brot“ (aus dem Jugendbund dj 1.11)</p>



<p>„Wer trägt die schwarze Fahne dort“ (Henning Eichberg)</p>



<p><strong><em>Literaturhinweise:</em></strong></p>



<p>E. M. Schneider: <em>Herkunft und Verbreitungsformen der „Deutschen Nationaltracht der Befreiungskriege“ als Ausdruck politischer Gesinnung</em> (Diss. 2002)</p>



<p>K. Weißmann: <em>Schwarze Fahnen, Runenzeichen</em> (1991)</p>



<p>Ders.: <em>Lexikon politischer Symbole</em> (2022)</p>
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		<title>„Vandalusien“ und die Westgoten</title>
		<link>https://dereckart.at/vandalusien-und-die-westgoten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 11:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Bruno Burchhart Für einen Spanienbesucher ist es beeindruckend, daß und wie die Spanier zu ihrer Geschichte stehen. Die jahrhundertelange Machtausübung der Mauren und die darauffolgende Reconquista sind weitgehend geläufig. Das maurische Erbe Hispaniens – z.B. die weltberühmte Alhambra Granadas sowie die ebenso schönen Alcazar-Festungen – wird hervorragend gepflegt und präsentiert. Die Macht und Pracht [&#8230;]]]></description>
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<p><strong><em>von Bruno Burchhart</em></strong></p>



<p></p>



<p>Für einen Spanienbesucher ist es beeindruckend, daß und wie die Spanier zu ihrer Geschichte stehen. Die jahrhundertelange Machtausübung der Mauren und die darauffolgende Reconquista sind weitgehend geläufig. Das maurische Erbe Hispaniens – z.B. die weltberühmte Alhambra Granadas sowie die ebenso schönen Alcazar-Festungen – wird hervorragend gepflegt und präsentiert. Die Macht und Pracht der katholischen Kirche und Könige kann in den überaus&nbsp; goldüberladenen Kathedralen in den spanischen Städten bewundert werden.</p>



<p>Weniger beachtet wird hierorts die nach den Römern einsetzende Zeit der germanischen Geschichte Iberiens. Umso überraschender ist jedoch die Pflege auch des germanischen Erbes Spaniens im geistigen und öffentlichen Raum. So wird von nicht wenigen Gelehrten der Name des herrlichen Andalusiens von den Vandalen abgeleitet: Es war Vandalusien genannt, waren doch die silingischen Vandalen im Zuge der Völkerwanderung nach der Rheinüberquerung und dem Durchmarsch durch Gallien im Süden der seinerzeitigen „Hispania ulterior“ gelandet und hatten ihr Vandalenreich (409-429) errichtet. Auch die arabischen Gelehrten des späteren Maurenreiches führen den Namen Andalusien (arab. al-andaluz) auf diese Vandalengeschichte zurück. Übrigens zogen die Vandalen unter König Geiserich im 5. Jh. n. Chr. nach Nordafrika, wo sie ein florierendes Königreich gründeten. Eine schöne Geschichte – wir sollten sie mit Stolz betrachten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unbekanntes „Gotalonien“</h3>



<p></p>



<p>Wenig bekannt ist die Herrschaft der Westgoten (458-711) im heute spanischen Bereich. Hat jemand schon von Gotalonien gehört? Und doch war dies lange die Bezeichnung des heutigen Kataloniens – abgeleitet ist das von den Goten. Mit den Westgoten hat die jahrhundertelange Beziehung der Germanen mit Spanien begonnen, die von den römisch-deutschen Habsburgerkaisern (Karl V.) letztlich über den von Deutschen mitgetragenen spanischen Bürgerkrieg bis zum heutigen gemeinsamen EU-Verband und Spanien als bevorzugtem Urlaubsland der Deutschen weitergeht. Nach Trennung der Westgoten von den Ostgoten und dem Untergang der Hunnen bei den mittelgallischen Katalaunischen Feldern (451) hatten die auch „Visigothen“ Genannten zunächst das untergallische Tolosanische Reich mit der Hauptstadt Toulouse gegründet. Von dort wichen sie nach der Niederlage gegen den Franken Chlodwig nach Hispanien aus. Dort errichteten sie das Toledanische Reich mit der namengebenden Hauptstadt Toledo. Wer kennt sie noch, die vielen, z.T. auch sehr wichtigen und bemerkenswerten Herrscher und Könige der Westgoten: den ersten Rex, Wallia, als Föderaten Roms; den überaus bedeutenden Gesetzgeber Eurid, der als erster Europäer eine poströmische Rechtskodifikation durchführte, den tatkräftige Herrscher Levigild als Unterwerfer Spaniens; den Städtegründer Rekkared, der auch den Katholizismus gegen den Arianismus durchsetzte; den machtvollen Wamba, der als erster Europäer beispielgebend als König gesalbt wurde und den letzten, letztlich erfolglosen Roderich, der durch Verrat die Eroberung Spaniens durch die Mauren 711 unter Tariq al Zijad zulassen mußte.</p>



<p>Vor dem Madrider Königsschloß stehen am Plaza Oriente die Statuen westgotischer Könige: welch bemerkenswertes Traditionszeichen! Im Sinne des Thermopylen-Spruches könnte man in&nbsp; Abwandlung Schillers festhalten: Wandrer, kommst Du nach Spanien, gedenke der Vorfahren, die hier ihr Bestes gaben. Auch das können wir mit Stolz betrachten. Was ist sonst von den Westgoten geblieben? Man muß schon auf geduldige Suche gehen, um den Palast des Romiro oder die kleinen romanischen Kirchen in Nordspanien zu finden. Den Gotenschatz kann man im Archäologischen Nationalmuseum in Madrid bewundern. Gewisse Bräuche und Namensrudimente, siehe „Gotalonien“, gibt es noch. Geblieben ist aber vor allem die große Geschichte. Es sind auch unsere Wurzeln!</p>
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		<item>
		<title>1683 oder Söldner ist nicht gleich Söldner</title>
		<link>https://dereckart.at/1683-oder-soeldner-ist-nicht-gleich-soeldner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2025 11:36:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek 1683 stellte einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Die vor Wien gescheiterte Zweite Türkenbelagerung leitete den Niedergang des Osmanischen Reiches und den Aufstieg der befreiten Stadt zur Weltmetropole ein. Sowohl unter den Belagerern als auch im Entsatzheer befanden sich tatarische Söldner. Deren gänzlich unterschiedliche Qualität sorgte für die Entscheidung. Die Tataren waren [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p></p>



<p>1683 stellte einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Die vor Wien gescheiterte Zweite Türkenbelagerung leitete den Niedergang des Osmanischen Reiches und den Aufstieg der befreiten Stadt zur Weltmetropole ein. Sowohl unter den Belagerern als auch im Entsatzheer befanden sich tatarische Söldner. Deren gänzlich unterschiedliche Qualität sorgte für die Entscheidung.</p>



<p>Die Tataren waren ein Turkvolk, das in den Weiten der zentralasiatischen Steppe lebte. Dort lernten sie schon bald den optimalen Umgang mit Pferden. Denn egal, ob die nomadische Umsiedlung eines ganzen Dorfes, das Zusammenhalten von Tierherden, die Jagd oder die Verteidigung von Weidegründen – ohne Pferd ging gar nichts. Bis weit in die Neuzeit hinein waren Reiter und Bogenschützen zwei wichtige Waffengattungen. Die Tataren kombinierten beides. Sie ritten ihre gut trainierten Pferde im Galopp und schossen dabei ihre Pfeile auch aus der Distanz zielsicher in alle Richtungen. Das führte dazu, daß die Tataren zeitweilig sogar die Russen und die Chinesen unterjochten.</p>



<p>Heute sind die Tataren über Osteuropa verstreut. In Rußland verfügen sie über eine eigene autonome Republik namens Tatarstan mit einer knappen Bevölkerungsmehrheit zu ihren Gunsten. Deren Kapitale Kasan ist die nördlichste muslimische Millionenstadt der Welt, und der Kreml der Tataren braucht den Vergleich mit jenem in Moskau kaum zu scheuen. Der Fußballverein Rubin Kasan machte Tatarstan international bekannt. 2008 und 2009 wurde er russischer Meister und besiegte 2009 sogar in der Champions League Titelverteidiger FC Barcelona auswärts mit 2:1. In Österreichs Öffentlichkeit kennt man drei Tatarischstämmige: Der größte Ballettänzer seiner Zeit und womöglich aller Zeiten, Rudolf Nurejew (1938-1993), wurde, nachdem er sich aus der Sowjetunion abgesetzt hatte, österreichischer Staatsbürger. Charles Bronson (1921-2003) flimmerte als US-Westernheld über die Bildschirme, und in den Gesellschaftsspalten der Druckmedien kommt man an Fotomodell und Schauspielerin Irina Shayk (geb. 1986 in Rußland) nicht vorbei.</p>



<p>Aber zurück zu 1683: Die Großmacht Polen(-Litauen) unterhielt immer beste Beziehungen zu den in ihrem Herrschaftsbereich lebenden Tataren. Schon am polnisch-litauischen Sieg über den Deutschen Ritterorden 1410 beim ostpreußischen Tannenberg sollen sie einen großen Anteil gehabt haben. Die polnisch-tatarische Verbundenheit pflegte auch König Johann III. Sobieski. Seine tatarischen Söldner waren ihm lieb und teuer. 1683 kaufte Papst Innozenz XI. Sobieski gegen eine horrende Summe in seine „Heilige Allianz“ ein. 1679 war Wiens Bevölkerung durch eine schreckliche Pestepidemie dezimiert worden, und die Osmanen lehnten 1682 die Verlängerung eines auslaufenden Nichtangriffspaktes ab. Innozenz wußte genau, was das bedeutete. Wien dürfe keinesfalls das Schicksal Konstantinopels erleiden, galt dem Heiligen Vater als oberste Maxime. Als Jan Sobieski am 31. März 1683 das Defensivbündnis unterschrieb und 1,5 Millionen Gulden dafür erhielt, dachte er wohl, es sei das Risiko wert. Die Beistandspflicht würde – wenn überhaupt – irgendwann einmal in ferner Zukunft schlagend werden. Was Sobieski nicht wußte: Am selben Tag setzte sich das osmanische Heer von Adrianopel – dem heutigen Edirne im europäischen Teil der Türkei – in Bewegung, und Sultan Mehmed IV. versandte eine Kriegserklärung an den römisch-deutschen Kaiser und an den polnischen König, in der er den beiden ankündigte, sie nach ihrer Unterwerfung zu Tode zu foltern. Bereits am 3. Mai hatten die knapp 170.000 Krieger des osmanischen Heeres Belgrad erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hätte mit diesem Wissen niemand mehr einen einzigen Gulden auf die Rettung Wiens gesetzt, geschweige denn einen Beistandspakt abgeschlossen.</p>



<p>Aber dann passierte etwas völlig Unvorhergesehenes: Die tatarischen Söldner unter den Angreifern konnten ihrer Lust nach Morden, Rauben und Vergewaltigen immer weniger widerstehen und unternahmen ausgedehnte Ausflüge bis nach Kärnten und sogar Osttirol. Sie waren damit nicht nur verantwortlich dafür, daß die Belagerer viel zu spät vor den Toren Wiens eintrafen, sie schnitten ihren Leuten mit dem Niederbrennen von Feldern und Ermorden von Bauern auch noch den Lebensmittelnachschub ab. Als das Entsatzheer im letzten Moment eintraf, hatte Sobieski seine eigenen Tataren dabei, die jedoch um Welten besser „funktionierten“. Vorneweg stürzten sie sich so verwegen und unaufhaltsam vom Kahlenberg hinab durch den Wienerwald, daß ihnen das Kommandozelt Kara Mustafas auf der Schmelz völlig unversehrt in die Hände fiel.<br></p>
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