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	<title>Geschichte &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Geschichte &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Ein deutsches Schicksal</title>
		<link>https://dereckart.at/ein-deutsches-schicksal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 14:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Hermann Attinghaus Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Hermann Attinghaus</em></p>



<p></p>



<p>Vor 150 Jahren starb der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath. Bis in die 1980er-Jahre gehörten einige seiner Gedichte zum festen Bestandteil des Literaturkanons für Allgemeinbildende höhere Schulen in der Alpenrepublik. Auch seine Ballade „Prinz Eugen, der edle Ritter“, die Carl Loewe so einmalig vertont hat, durfte im Musikunterricht nicht fehlen. Dann kamen „progressive“, d.h. linke Lehrplanreformen, die darauf abzielten, möglichst viel bürgerlich-humanistisches Gedankengut von den Jugendlichen fernzuhalten. Und seither fehlen auch die großartigen Balladen und Revolutionsgedichte dieses Vorkämpfers der Republik. Die bürgerliche Fraktion war wieder einmal zu feige, den Genossen Paroli zu bieten, und selbst die Linken, die heutzutage die Revolution von 1848/49 so gerne für sich reklamieren und so tun, als ob sie die einzigen wahren Demokraten seien, verhielten sich still, obwohl sie lange Zeit versucht hatten, den Dichter für sich zu vereinnahmen. Als Folge davon gibt es in deutschen und österreichischen Städten unzählige Denkmäler für ihn, und zahllose Straßen, Gassen und Plätze wurden nach ihm benannt: Hermann Ferdinand Freiligrath. Ein typisches Beispiel findet sich in Donaufeld im 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort gibt es eine seltsame Parkanlage – eigentlich eine riesige Grube – , die bis zum Ende der Monarchie Kaiser-Josef-Platz hieß und seit 1919 – gewiß nicht zufällig – den Namen Freiligrath-Platz trägt.</p>



<p>Die Genossen aller Schattierungen leiten ihre dreiste Vereinnahmung des westfälischen Dichters u. a. auch davon ab, daß er Karl Marx und Friedrich Engels persönlich kannte, im Oktober 1848 in die Redaktion ihrer&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Rheinische_Zeitung"><em>Neuen Rheinischen Zeitung</em></a>&nbsp; eingetreten war&nbsp;und die Auslandsredaktion betreute. In einem Brief schrieb er am 18. November 1848, daß in dieser Zeitung „Außer den Gedichten… auch Prosa-Artikel von mir“ enthalten seien. „Großbritannien, Italien und Amerika, das ganze Ausland (mit Ausnahme Frankreichs) ist fast immer aus meiner Feder.“ &nbsp;Unter den in dieser Zeitung veröffentlichten Gedichten finden sich u. a. „Wien“, „Blum“, „Reveille“, „Ungarn“ und „Abschiedswort der ‚Neuen Rheinischen Zeitung‘“. Er war auch für kurze Zeit Mitglied des Bundes der Kommunisten, wurde deswegen sogar vor Gericht gestellt, bei dem Prozeß aber schließlich freigesprochen.</p>



<p>Freiligrath wurde 1810 in Detmold in eine Lehrerfamilie geboren; sein Werdegang war Zeit seines Lebens auf merkwürdige Weise eng mit dem Schicksal des deutschen Volkes verbunden. Da die Familie nur über geringe finanzielle Mittel verfügte, konnte er nicht studieren, sondern mußte eine kaufmännische Lehre absolvieren. Ab 1832 arbeitete er in Amsterdam für ein großes Bank- und Handelshaus. Während seiner fünfjährigen Lehrzeit lernte er Englisch, Französisch und Italienisch. Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse bildeten später die Grundlage für seine umfangreiche Übersetzungstätigkeit.</p>



<p>Grob können drei Phasen seines Schaffens unterschieden werden: der Exotismus der 1830er-Jahre, (<em>Gedichte </em>1838); die Revolutionsbegeisterung in den 1840er-Jahren (<em>Ein Glaubensbekenntnis</em>, 1844) und am Ende seines Lebens der patriotischee Abschnitt (<em>Neue Gedichte</em>, 1871), als er begeistert den Sieg der deutschen Waffen bei Sedan begrüßte und hoffte, daß nun ein Zeitalter des Friedens und der Freiheit anbrechen würde.</p>



<p>Man hat ihm mancherlei Beinamen wie z.B. „Trompeter der Revolution“ gegeben. In seiner ersten Phase wurde er oftmals auch als „liberaler Kosmopolit“ charakterisiert, danach wurde er „spätromantischer Nationalliberaler“, in seiner revolutionären Phase schließlich „konstitutioneller Liberaler“ genannt. Seit Mai 1842 war er Mitglied in der „gerechten und vollkommenen“ Loge „Zum wiedererbauten Tempel der brüderlichen Eintracht“ in Worms, der Kontakt dürfte aber nicht allzu eng gewesen sein. Als er sich in den frühen 1840er-Jahren für die Demokratie begeisterte, verzichtete er als Mann von Charakter auf die jährliche königliche Apanage von 300 Talern. Um einer Strafverfolgung wegen seiner republikanischen Ansichten zu entgehen, mußte er mehrmals ins Exil gehen, nach Brüssel, in die Schweiz und nach London. Als er dort seinen Posten verlor und&nbsp; mittellos dastand, wurde in Deutschland eine Sammlung für ihn veranstaltet, die den sensationellen Betrag von 60.000 Gulden einbrachte – ein Vermögen für diese Zeit –, was beweist, wie angesehen Freiligrath war. Er starb 1876 in Cannstatt, heute ein Stadtteil von Stuttgart – sehr beliebt, hoch geehrt und viel gelesen.</p>
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		<title>Die Sudetenkrise 1938 – unkonventionelle Betrachtungen</title>
		<link>https://dereckart.at/die-sudetenkrise-1938-unkonventionelle-betrachtungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 10:15:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Bis heute ist es die offizielle, ja geradezu kanonische Sichtweise, die Sudetenkrise von 1938 undifferenziert als Versuch zu schildern, die „unschuldige“ Tschechoslowakei zu zerstören.  Aber trifft diese Schwarz-Weiß-Malerei die Realität? Die Tschechoslowakei (ČSR) war ihren Verpflichtungen, die sie 1919 bei ihrer Gründung als Vielvölkerstaat auf sich genommen hatte, nicht gerecht geworden. Hatte [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<p></p>



<p>Bis heute ist es die offizielle, ja geradezu kanonische Sichtweise, die Sudetenkrise von 1938 undifferenziert als Versuch zu schildern, die „unschuldige“ Tschechoslowakei zu zerstören.  Aber trifft diese Schwarz-Weiß-Malerei die Realität?</p>



<p>Die Tschechoslowakei (ČSR) war ihren Verpflichtungen, die sie 1919 bei ihrer Gründung als Vielvölkerstaat auf sich genommen hatte, nicht gerecht geworden. Hatte auch der einzelne Sudetendeutsche in der ČSR staatsbürgerliche Gleichberechtigung, sahen sich doch sehr viele Sudetendeutsche als Volksgruppe gegenüber den Tschechen benachteiligt – nicht zu Unrecht. Es lagen hier tatsächlich Mißstände vor, wie der Bericht von Lord Walter Runciman aufzeigt, der 1938 als Beauftragter der britischen Regierung zwischen den Sudetendeutschen und der ČSR-Regierung als Vermittler tätig war. Unvergessen waren noch die Gewaltorgien von 1919, mit denen Deutsche in den Randgebieten Böhmens und Mährens, also die Sudetendeutschen, meist von Tschechen&nbsp; – nur selten hingegen von Slowaken – überzogen wurden. Das Massaker vom 4. März 1919, bei dem in mehreren Städten 54 Sudetendeutsche getötet und mehr als 100 schwer verletzt wurden, war der Gipfel dieser antideutschen Exzesse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Anführer der Sudetendeutschen bekannte sich zum Nationalsozialismus.</h3>



<p></p>



<p>Unter den Parteien, in denen die Sudetendeutschen organisiert waren, nahm die am 1. Oktober 1933 von Konrad Henlein gegründete Sudetendeutsche Heimatfront, später in Sudetendeutsche Partei (SDP) umbenannt, den weitaus bedeutendsten Platz ein. Ihr Anführer bekannte sich 1937 dezidiert zum Nationalsozialismus und suchte bei Deutschland Hilfe gegen die zentralistischen Tendenzen der ČSR-Regierung und die Benachteiligung der Deutschen in diesem Kunststaat, dessen Bestand von Großbritannien, Frankreich und der UdSSR garantiert wurde.</p>



<p>Was aber wollte Hitler? Die offizielle Lehrmeinung ist, daß ihn das Schicksal der Sudetendeutschen gar nicht interessiert und er bloß die „Zerschlagung der Tschechoslowakei“ angestrebt habe. Zur Vorbereitung der dafür nötigen Aktion habe er Henleins SDP eine gewisse Rolle zugedacht. Sie sollte laut Hitlers Weisung vom 28. März 1939 an die ČSR Ansprüche stellen, „die für die tschechische Regierung unannehmbar sind“. Das geschah im „Karlsbader Programm“ vom 24. April 1938 und ließ die ČSR am 20. Mai 1938 mobilisieren, da sie mit der Behauptung eines deutschen Angriffes die Briten in den Krieg ziehen wollte. Daß der in der Tat immer näher rückte, hatte nicht zuletzt damit zu tun, daß Briten und Franzosen erklärten, sie würden der ČSR gegen Deutschland beistehen. Denn nun sah es so aus, als ob die britische und französische „Intervention“ Hitler in die Schranken gewiesen habe. Dadurch mußte sich dieser herausgefordert fühlen und forcierte seinen Angriffsplan.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Chamberlain, die „verdammten  Tschechen“  und das „Appeasement“</h3>



<p></p>



<p>Zu der für sakrosankt erklärten historiographischen Sichtweise zählt auch, daß bei Verschärfung der Sudetenkrise im September 1938 Großbritanniens Premierminister Neville Chamberlain (Bild) Hitler auf dem Obersalzberg persönlich aufgesucht und dadurch wie auch durch Konzessionen in der Sache eine Politik der Beschwichtigung, das berühmte „Appeasement“, betrieben habe, die Hitler nur zu weiteren Forderungen ermutigt habe. Doch Chamberlains Vorgehen war eine zweigleisige Strategie von Kriegsvermeidung und -vorbereitung. Für Vermeidung stand sein Versuch, die Dynamik Hitlers durch begrenzte Zugeständnisse abzubremsen und in der NS-Führung die verständigungsbereite Fraktion um Hermann Göring zu fördern. Somit billigte der Premier den deutschen Anspruch, die eklatanten Ungerechtigkeiten des Versailler Diktates zu beseitigen. Daher war er über die „verdammten Tschechen“ so erbost, die im Mai 1938 in der „Wochenendkrise“ einen drohenden Angriff der Wehrmacht glatt erfunden hatten, um Großbritannien in den Krieg zu ziehen. Daher beorderte Chamberlain mit Lord Runciman einen Emissär nach Prag, der ihm die Unhaltbarkeit der Lage der Sudetendeutschen bestätigte, was wiederum über die Köpfe der Tschechen hinweg zu dem Münchener Abkommen vom 29. September 1938 führte. Daher sprach Chamberlain nach seiner Rückkehr von „peace in our time“, womit er nicht das Konferenzresultat, sondern die mit Hitler getroffene Abmachung meinte, nie wieder gegeneinander Krieg zu führen. Daher garantierte das britische Schutzversprechen gegenüber Polen vom März 1939 nicht etwa dessen Grenzen, sondern nur dessen Unabhängigkeit.</p>
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			</item>
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		<title>Prags Weltuntergang</title>
		<link>https://dereckart.at/prags-weltuntergang/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 23:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek Vor 100 Jahren setzte Prags letzte Hochblüte ein, die es mit London, Paris und New York wetteifern ließ – und die ohne seine 30.000 Deutschen nicht möglich gewesen wäre. 1945 versank dieser ganz eigene Kosmos für immer. Gerhard Scholten hat diesen Weltuntergang gleich zweimal miterlebt. Gerhard Scholten wurde 1923 im nordböhmischen Trautenau [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p>Vor 100 Jahren setzte Prags letzte Hochblüte ein, die es mit London, Paris und New York wetteifern ließ – und die ohne seine 30.000 Deutschen nicht möglich gewesen wäre. 1945 versank dieser ganz eigene Kosmos für immer. Gerhard Scholten hat diesen Weltuntergang gleich zweimal miterlebt.</p>



<p>Gerhard Scholten wurde 1923 im nordböhmischen Trautenau (heute Trutnov) geboren. Sein Vater war ein Großindustrieller. Die Mutter lebte nach der Scheidung in Prag, das der Bub 1930 kennenlernte. Er erkannte, daß er die Mutter und die Stadt sogar noch mehr liebte als den Vater und Trautenau und übersiedelte 1933 ganz. In Prag erlebte er paradiesische Jugendjahre, bis 1939 die Wehrmacht einmarschierte. Sein weitsichtiger Vater war bereits in die USA ausgewandert und besorgte seinem Sohn ein Visum. Der aber wollte Mutter und Großmutter nicht alleine lassen.</p>



<p>Im Frühjahr 1944 kommt es zur Katastrophe: Gerhard schickt seinem Vater einen Brief, der von der Gestapo abgefangen wird. Der abschätzige Inhalt über das NS-Regime und die Überprüfung des Absenders mit Einstufung als „Vierteljude“ bedeuten für Scholten den Beginn einer zehnmonatigen Odyssee durch diverse Konzentrationslager mit Endstation Auschwitz. Er beschreibt 1988 in seinem Buch <em>Zwischen allen Lagern – Leben in einer Zeit des Wahnsinns</em> detailreich, wie unzählige Häftlinge durch schwere Arbeit, begleitet von körperlicher Gewalt, Hunger und grassierenden Krankheiten, starben. Gerhard Scholten fühlt sich als stolzer Deutscher, gläubiger Lutheraner und großbürgerlicher Liberaler unter Juden, Kommunisten und Kriminellen besonders einsam. Seine Muttersprache kann der Deutschnationale fast nur bei den SS-Männern anwenden, die ihre Bestialität im Namen einer „deutschen Herrenrasse“ ausleben und ihn als „Untermenschen“ sehen.</p>



<p>Auschwitz ist ausgiebig dokumentiert; Scholtens Beschreibung der zehn Tage zwischen Abzug der SS und Eintreffen der Roten Armee allerdings eine Rarität. Am 17. Jänner 1945 hastet die SS davon und nimmt die Häftlinge mit. Zurück bleiben weniger als 2.000 Menschen – nicht mehr transportfähig und noch nicht vergast. Scholten nutzt das Chaos und versteckt sich. Es passiert Paradoxes: Man entscheidet sich, im KZ zu bleiben, weil man draußen aus dem Osten zurückströmenden SSlern in die Hände laufen könnte. Und Hunderte sterben, weil sie sich buchstäblich „totessen“. Die Entkräfteten nehmen beispielsweise die Margarine aus dem Luxusdepot der SS würfelweise zu sich.</p>



<p>Der mehrsprachige Scholten kehrt nach einer Zeit des Dolmetschens für die Sowjets langwierig nach Prag zurück. Als er auf S. 139 seines Werkes endlich an der Wohnungstür läutet und die Mutter sofort öffnet, muß der gefesselte Leser aufpassen, daß ihm das Buch nicht aus der Hand fällt. Aber Scholten merkt bald, daß er vom Regen in die Traufe gekommen ist. Wer auf Prags Straßen Deutsch spricht, wird schlimmstenfalls mit Benzin übergossen und am Wenzelsplatz verkehrt herum als lebende Fackel an eine Laterne gehängt. Der nervige tschechische Musiker, den die Mutter als Untermieter nehmen mußte, um über die Runden zu kommen, denunziert Gerhard Scholten als „Nazi“. Dieser muß sich beim SNB – einer tschechischen Mischung aus Gestapo und SS – zum Verhör melden. Dort werden weder seine eintätowierte Häftlingsnummer noch die Entlassungspapiere eines Blickes gewürdigt. Er kommt in jenes Aufnahmelager, das er bereits kennt. Bald folgt seine Familie.</p>



<p>Durch mehrmalige Bestechung des Wachpersonals und die Hilfe von tschechischen Freunden können Mutter und Großmutter nach Wien ausreisen. Scholten selbst arbeitet ein Jahr lang für die UNO in Bremen, dann versucht er, in Prag seine tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zurückzubekommen. Im Zuge dessen erfährt er, daß er neuerlich zur Verhaftung ausgeschrieben sei. Am Vorabend der kommunistischen Machtübernahme flieht Scholten 1947 endgültig nach Wien. Das Vermögen des Vaters in Trautenau war 1938 durch die Nazis konfisziert worden, das der Mutter in Prag 1945 durch den tschechischen Staat – bis auf die Wohnung, die sich der musizierende Denunziant unter den Nagel gerissen hatte.</p>



<p>In seiner Wiener Zeit schrieb Scholten nicht nur das oben behandelte Buch, 1993 erschien auch <em>Mein Prag</em>. Es ist ein Stadtführer aus der Perspektive eines einheimischen Deutschen, der dort als Zehn- bis 22jähriger lebte, und zwar 1933-1945. Scholten zur Ausgangslage: „Die Familie meiner Mutter gehörte seit Generationen dem Prager Deutschtum an, jener Gemeinschaft, die nie mehr als dreißigtausend Seelen zählte. So gering diese Zahl auch scheinen mag, so stark prägten die Prager Deutschen diese Stadt, die Künste, die Wissenschaften und – im Zeitalter der Technik – die Industrie.“ Die deutsche Gemeinde war nicht nur begütert, sondern auch kunstsinnig. Mozart reiste 1786 nach Prag und stellte hier <em>Figaros Hochzeit</em> und <em>Don Giovanni</em> fertig. Bei der Uraufführung von Letzterem 1787 im Prager Ständetheater wollte das Publikum gar nicht mehr aufhören zu jubeln. Mozart, enttäuscht von der provinziellen Borniertheit seiner Heimatstadt Salzburg, reagierte begeistert: „Meine Prager verstehen mich!“ Die drei deutschen Theater in Prag waren von Weltrang. Sogar Enrico Caruso aus Neapel, ein Weltstar seiner Zeit, hatte 1904 im Neuen Deutschen Theater in Prag seinen ersten Auftritt nördlich der Alpen. Der im Publikum enthusiasmierte 14jährige Franz Werfel wurde zu einem glühenden Verehrer Verdis.</p>



<p>Das Ende der Donaumonarchie schockte die Prager Deutschen nur kurz. Während man in den Verliererstaaten Deutschland und Österreich 1923/24 Reichsmark- oder Kronen-Millionär sein mußte, um seine Kaffeehauszeche zu begleichen, erwies sich die neue Tschechenkrone als solide. Und so mußten die Kulturinstitutionen in Wien, Berlin und Dresden hilflos mitansehen, wie ihre Galionsfiguren in Richtung Prag von dannen zogen&#8230; Scholten schildert auch, wie er mit seiner Mutter in eine kleinere Wohnung übersiedelte. Diese befand sich allerdings in einem neuen mehrstöckigen Wohnhaus, das über eine flächendeckende Fußbodenheizung verfügte und über einen Aufzug, bei dem man mittels Knopfdruck bestimmen konnte, in welche Etage es ging. Es war eines der ersten Gebäude weltweit mit diesen revolutionären Neuerungen.</p>



<p>Für Scholten hat die „Goldene Stadt“ 1945 ihren Glanz verloren: „Prag kann nie mehr das werden, was es einst war, nie mehr das Herz Europas.“ In seinem Buch spricht er ganz offen über die Fehler der beiden Volksgruppen Prags. Die Deutschen sahen sich selbst als Elite und die Tschechen als Dienstpersonal. Scholten weist auch darauf hin, daß die Tschechen gegenüber den Nazis weniger widerständig gewesen seien die Prager Deutschen. Die Tschechen lebten während des Krieges in einem Überfluß, der seinesgleichen suchte, und interpretierten dies bizarrerweise als heldenhafte Sabotage: „Wir schädigen Deutschland, indem wir ihm möglichst viele Lebensmittel vorenthalten.“</p>



<p>Waren die meisten Tschechen nach 1945 froh, die verhaßten Deutschen und Juden losgeworden zu sein, entdecken sie sie jetzt partiell wieder und feiern sie – bestes Beispiel Franz Kafka. Das hat aber primär touristisch-kommerzielle Gründe. Die seltsamen kleinen, klischeehaft gestalteten Glasjuden, die in keinem Prager Souvenirladen fehlen dürfen, legen ein makabres Zeugnis ab.</p>



<p>Ich schrieb 1994 gemeinsam mit dem FPÖ-Granden Andreas Mölzer und dem jüdischen Sozialdemokraten Walter B. Simon <em>Juden und Deutsche</em>. Im Rahmen meiner Recherche las ich auch <em>Mein Prag </em>und war begeistert. Ich kannte damals weite Teile Mitteleuropas wie meine Westentasche und setzte dazu an, „Globetrotter“ zu werden, flog erstmals und badete auf Oahu erstmals im Meer. Gerhard Scholtens wegen schämte ich mich fast, noch nie in Prag gewesen zu sein. Und ich wollte mit ihm persönlich über die Stadt sprechen. Durch meine jugendliche Hartnäckigkeit gelangte ich an seine private Telefonnummer. Es war April 1995, er hob schon bei meinem ersten Versuch ab. Als ich mich namentlich vorstellte, erwähnte er sofort mein Buch und lobte es. Ich wuchs um mehrere Zentimeter. Ich solle ihn bitte in zwei, drei Wochen noch einmal anrufen, dann könnten wir uns gerne treffen, auch spontan.</p>



<p>Ungefähr eine Woche später überflog ich den Lokalteil einer Tageszeitung: Gerhard Scholten, Vater des Bundesministers Rudolf Scholten, sei von einem vorbeifahrenden Fahrzeug der Wiener Müllabfuhr 300 Meter mitgeschleift worden und noch an der Unfallstelle verstorben. Ich war tief betroffen, auch über die unwürdig-groteske Art des Ablebens dieser großartigen Persönlichkeit mit dieser tragischen Vorgeschichte. Die Lust auf Prag war verflogen. Erst im Sommer 2003 machte ich dort auf der Durchreise für ein paar Stunden Station. Mittlerweile kenne ich Prag einigermaßen, absolvierte sogar ein vierwöchiges Praktikum am Tschechischen Nationalmuseum und habe einen Schwager und dessen Familie dort. Mein Prag wird aber immer zu einem Gutteil „sein Prag“, jenes von Gerhard Scholten sein.</p>



<p></p>
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		<item>
		<title>Luise – preußische Patriotin und Königin der Herzen</title>
		<link>https://dereckart.at/luise-preussische-patriotin-und-koenigin-der-herzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 17:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lommatzsch Geboren vor 250 Jahren Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung Am Tage der Huldigung des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Erik Lommatzsch</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geboren vor 250 Jahren</h2>



<p></p>



<p>Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung <em>Am Tage der Huldigung</em> des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von Kleist sie als „der hohen Himmelssonne gleich“, die in voller Pracht strahle, „wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht“. Die Zeugnisse der Verehrung sind Legion. Zu Literatur und Publizistik kam die bildende Kunst, genannt sei etwa die 1797 vollendete „Prinzessinnengruppe“ von Johann Gottfried Schadow. Das bekannte Standbild zeigt Luise und ihre Schwester Friederike. Bemerkenswert ist, daß sich die zahlreichen Porträts der Königin recht stark voneinander unterscheiden. Zur Ikone und zum Mythos wurde die „preußische Madonna“, der Luisenkult war und ist selbstredend aber auch nicht frei von Verklärung.</p>



<p>Zur Welt gekommen ist Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776 in Hannover. Ihr Vater war hier als Gouverneur tätig, die Regierung seines heimatlichen Herzogtums übernahm er erst 1794. Zu dieser Zeit war Luise bereits mit dem preußischen Thronfolger verheiratet. 1797 wurde dieser als Friedrich Wilhelm III. König von Preußen. Die Ehe war – wie in dynastischen Kreisen üblich – arrangiert, beruhte aber auf echter Zuneigung. Zehn Kinder brachte Luise zur Welt, darunter Charlotte, die die Frau des Zaren Nikolaus I. werden sollte, den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm IV. sowie den späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vehementer Widerstand gegen Napoleon</h3>



<p></p>



<p>Beeindruckt zeigte sich die Königin von Zar Alexander I., dem sie 1802 begegnete. Wie nahe man einander tatsächlich kam, bleibt wohl auf immer ein Geheimnis. Luise jedenfalls sprach einer Annäherung an Rußland das Wort und entwickelte sich zu einer strikten Gegnerin Napoleons, der sich anschickte, Europa zu unterwerfen. Im Unterschied zu dem oft als zögerlich und unentschlossen wahrgenommenen König trat sie vehement für den Widerstand gegen den französischen Eroberer ein. Nach der verheerenden Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 floh der preußische Hof, am Ende befand man sich im äußersten nordöstlichen Winkel des Landes, in Memel. Am 6. Juli 1807 traf Luise in Tilsit mit Napoleon zusammen. Sie sollte und wollte den französischen Schlächter, der sie zuvor reichlich hatte verunglimpfen lassen, etwa durch die Veröffentlichung ihrer Briefe an den Zaren zu milden Friedensbedingungen gegenüber Preußen bewegen. Napoleon zeigte sich zwar angetan von ihrer Erscheinung, ihr Bitten war jedoch vergeblich. Am 23. Dezember 1809 kehrte das Königspaar nach Berlin zurück, von der Bevölkerung begeistert empfangen. Die politische Lage war angesichts der andauernden französischen Besatzung weiterhin bedrückend. Am 19. Juli 1810 starb Luise auf Schloß Hohenzieritz während eines Besuches bei ihrem Vater. Bald hieß es, die Königin sei an gebrochenem Herzen über die Demütigung Preußens durch Napoleon gestorben. Theodor Mommsen erklärte rückblickend: „Sie hat nicht mitregiert. Nicht ihre Thaten haben ihr Gedächtniß in das Herz des Volkes gestiftet, sondern ihr Wesen und Sein, und man kann hinzufügen, ihr Leben und Leiden.“</p>



<p>Die heutige Geschichtswissenschaft teilt die „Luisenlegende“ in drei Phasen ein. Erstens war Luise von Anfang an beliebt, das Königspaar lebte vergleichsweise schlicht. Auf Schloß Paretz, eher ein Landhaus, 40 Kilometer westlich von der Mitte Berlins gelegen, hielt man sich gern auf. Der bürgerliche Stil wirkte integrativ. Der Dichter Novalis sprach von „ächtem Patriotism“, der durch „die beständige Verwebung des königlichen Paars in das häusliche und öffentliche Leben“ entstehe. Als zweite Phase gilt die Verehrung Luises in den Befreiungskriegen. Der Dichter Theodor Körner nahm die Idee der Sage von dem nur schlafenden Kaiser Barbarossa auf und sprach von einer ebenfalls nur schlafenden Luise („Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache: / Dann ruft dein Volk, dann deutsche Frau erwache, / ein guter Engel für die gute Sache!“). Generalfeldmarschall Blücher soll nach dem Sieg über die Franzosen ausgerufen haben: „Jetzt endlich ist Luise gerächt!“ Die dritte Phase setzte mit der Gründung des Kaiserreiches von 1871 ein. Hier verwies man auf die Kontinuität der patriotischen Königin zur deutschen Einheit unter ihrem Sohn Wilhelm I. Diesem ist es auch zu verdanken, daß sich die Kornblume, Luises Lieblingsblume, fest als Symbol Preußens etablierte.</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ehrenamt, Mäzenatentum und der Deutsche Schulverein</title>
		<link>https://dereckart.at/ehrenamt-maezenatentum-und-der-deutsche-schulverein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 13:05:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[Christoph Bathelt Das Ehrenamt stand über Jahrhunderte für Menschen, die ihre Zeit, ihr Vermögen und oft auch ihre gesellschaftliche Stellung einsetzten, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erwarten – Steuerabschreibungen wären sicher unter ihrer Würde gewesen. 100.000 Mitglieder in drei Jahren und prominente Großspender Der Deutsche Schulverein, Vorgänger der ÖLM, gibt heute noch ein hervorragendes [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Christoph Bathelt</em></p>



<p>Das Ehrenamt stand über Jahrhunderte für Menschen, die ihre Zeit, ihr Vermögen und oft auch ihre gesellschaftliche Stellung einsetzten, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erwarten – Steuerabschreibungen wären sicher unter ihrer Würde gewesen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">100.000 Mitglieder in drei Jahren und prominente Großspender</h3>



<p></p>



<p>Der Deutsche Schulverein, Vorgänger der ÖLM, gibt heute noch ein hervorragendes Beispiel von zivilgesellschaftlichem Einsatz – wenige Monate nach der Gründung füllten die Mitglieder im Herbst bereits den Wiener Musikverein, am Ende des Jahres war man bereits bei 22.000, drei Jahre später überschritt man die 100.000er-Marke. Ein Blick auf die Liste der Großspender zeigt die Bedeutung dieser Bewegung: Während man die Namen der Brauer Anton Dreher (Schwechater), Ignaz und Jakob Kuffner (Ottakringer) und von Bankier Gustav Ritter von Schoeller, Pharmaunternehmer Kwizda, den „Design“-Legenden Gebrüder Thonet und dem Spediteur Schenker heute noch kennt, sind die Namen Figdor, Wagenmann, Seybel, Borckenstein, von Schroll und Voigt nur noch Experten und Taxifahrern bekannt, da sie zumindest als Straßennamen verewigt wurden.</p>



<p>Bald gehörte es zum guten Ton, wenn Stammtischrunden eine Spendendose zu Gunsten des Deutschen Schulvereins auf ihrem Tisch platzierten – recht praktisch bereits mit Zigarettenhalter, Aschenbecher und Zündhölzern versehen – der Verein hielt vieles für seine Anhänger bereit (Bild). Nicht nur aufgrund der vielen Raucher, aber auch wegen der Holz- und Kohleheizungen trugen die „Schulvereinszünder“ viel zur Vergrößerung des Spendenvolumens bei. Damenkränzchen organisierten Bälle oder Konzerte – so dirigierten keine Geringeren als Hans Richter und Hans von Bülow zu diesen Anlässen die Wiener Philharmoniker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nicht weniger wichtig und oft besonders berührend sind und waren die Kleinspenden.</h3>



<p></p>



<p>Noch heute ergreift uns der Brief der Eltern von Ethelfriede Thusnelda Viegel aus Budweis, die im Alter von sechs Jahren im Jahr 1914 verstarb: </p>



<p><em>Die Ortsgruppe Budweis verlor in ihr eines der begeistertsten Mitglieder; mit fünf Jahren bat sie stets solange, bis sie in die Schulvereinsversammlungen der Sprachinsel mitgehen durfte, und manches Blümelein verkaufte sie an sonst nicht opferfreudige Bauern. Ohne unser Wissen sammelte sie und hinterließ in einer Büchse, die sie mit der Aufschrift ‚für den Schulferein‘ versehen hatte 6 K 74 h, kreuzerweise zusammengespart.</em></p>



<p>Aus demselben Jahr: <em>Herr Dr. C.H. in Wien hat gegen E.H. in Wien eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht und über Zureden des Richters den Strafantrag zurückgezogen unter der Bedingung, daß der Beklagte 100.-K für den Deutschen Schulverein und 100.-K an die Südmark zahle. Da aber auch der Kläger bei einer Verhandlung eine ungehörige Bemerkung machte, hat auch er sich zu einer Zahlung für den Deutschen Schulverein verpflichtet und den Betrag von 5.-K bereits eingezahlt.</em></p>



<p>Mehrfach spendete die Besatzung des Panzerkreuzers „SMS Kaiser Karl VI.“, und aus einer Festung erhielt der Deutsche Schulverein eine Postanweisung, lautend auf fünf Kronen, und folgenden Zeilen: Ich habe ein Versäumnis gutzumachen. Mein Junge Kurt Wilhelm Keil wird am 22.10. schon 4 Monate und ist noch nicht im Schulverein. Bitte dem jungen Herrn die Mitgliedskarte Wien VI., Stumperg. 14 zu schicken, damit seine Mutter weiß, bei welchem Vereine er ist… Euer Keil.“</p>



<p>Ähnlichen Humor bewies auch ein gewisser Ing. Franz Tögel im Jahr 1915:</p>



<p><em>„Lieber deutscher Schulverein,<br>Laß mich auch Dein Mitglied sein,<br>Zahlen will ich jedes Jahr,<br>Meinen Beitrag stets in bar;<br>Da die Not besonders groß<br>Mehr als nur zwei Kronen bloß.<br>Will mit Humor und gutem Willen,<br>Meine deutsche Pflicht erfüllen.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen.</h3>



<p>Als bekanntester Unterstützer ist Peter Rosegger zu nennen, der aufgrund seiner eigenen Herkunft Not und Bedürftigkeit kannte. Er sorgte in einer bis dahin beispiellosen Sammelaktion für eine enorme Steigerung der Bekanntheit und des Spendenaufkommens. Zudem durfte der Textilfabrikant Kawann einen schwarz-grün karierten Loden als „Rosegger-Loden“ vertreiben, unter der Bedingung, einen Teil der Gewinne sozialen Zwecken zuzuführen. So erfüllte sich sein Herzenswunsch, „<em>vor allem durch sein Werk im Herzen seines Volkes weiterzubestehen – und weniger durch Standbilder aus Stein und Erz</em>“.</p>



<p>Das Ehrenamt, wie wir es verstehen, lebt fort: Helfen, ohne zu rechnen. Fördern, ohne zu nötigen. Unterstützen, ohne herabzusehen. Und das sollte auch im 21. Jh. unser Maßstab bleiben. </p>



<p></p>
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		<title>Das schwarze Tuch als Kleid und Fahne der Deutschen</title>
		<link>https://dereckart.at/das-schwarze-tuch-als-kleid-und-fahne-der-deutschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 14:36:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Daniel Fabian Schwarz, Nicht-Farbe und Anti-Farbe und wegen seiner Farben voneinander scheidenden Kraft doch eine der häufigsten Tinkturen (Wappenfarben), ist aus der deutschen Nationalsymbolgeschichte nicht wegzudenken. Ob Altes Reich oder BRD, ob Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot oder Schwarz-Gold, ob Deutscher Orden oder Hohenzollern-Preußen und davon abgeleitet z.B. das Eiserne Kreuz: Schwarz war immer prominent sichtbar. Das [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Daniel Fabian</em></p>



<p>Schwarz, Nicht-Farbe und Anti-Farbe und wegen seiner Farben voneinander scheidenden Kraft doch eine der häufigsten Tinkturen (Wappenfarben), ist aus der deutschen Nationalsymbolgeschichte nicht wegzudenken. Ob Altes Reich oder BRD, ob Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot oder Schwarz-Gold, ob Deutscher Orden oder Hohenzollern-Preußen und davon abgeleitet z.B. das Eiserne Kreuz: Schwarz war immer prominent sichtbar. Das rein schwarze Tuch ist aber ungewöhnlich. In der turbulenten Phase zwischen 1813 und 1945 säumte schwarzer Stoff mehrfach den Schicksalspfad des deutschen Volkes in besonderer Weise, die einen genaueren Blick rechtfertigt.</p>



<p>Historisch steht das rein schwarze Tuch unter anderem für Tod und Lebensgefahr wie bei Pest- und Piratenflaggen, für Trauer und Buße, aber auch für die Negation von irdischem Prunk und aller Eitelkeit, letzteres besonders auffällig in der betonten Nüchternheit reformierter und lutherischer Pastoren seit dem 16. Jh. und bis in die Gegenwart, auch in Talar und Soutane der katholischen Priester. Obwohl insbesondere die liturgischen Gewänder auch andere Farben haben können, wurde Schwarz so zu einer mit dem Klerus assoziierten Farbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine neue Nationaltracht</h3>



<p></p>



<p>Schwarzes Tuch bei Soldaten, Freischärlern und Rebellen ist ein Symbol für Rache, auch Todesverachtung, Verzweiflung. Wer sich unter’s schwarze Banner stellt, zeigt damit, das letzte Mittel zu ergreifen und zum äußersten bereit zu sein. In diesem Sinn wurden schwarze Fahnen bereits in Bauernaufständen des 17. Jh. verwendet. Berühmt wurde die schwarze Uniform der Lützower Freischar im Befreiungskampf gegen Napoleon: Wegen Geld- und Uniformmangels hatten die Kämpfer ihre zivile Kleidung zu benutzen. Da Schwarz alle Farben überdeckt, entstand die ungewöhnliche schwarze Uniform. Die immense Popularität dieser Freiwilligentruppe nach dem Kriegsende 1814/15 trug dazu bei, auch den schwarzen Leibrock bekannt zu machen, zumal die Waffenröcke nach dem Krieg noch bei den ehemaligen Kämpfern vorhanden waren und wiederum zivil weiterverwendet wurden, nicht zuletzt von den Studenten der Jenaer Urburschenschaft. Auch deren Festuniformen bestanden selbstverständlich aus schwarzen Leibröcken.</p>



<p>Auf Anregungen der nationalen Vordenker Arndt und Jahn entstand aus diesen Anfängen gar die Idee einer neuen „Deutschen Nationaltracht“ aus schwarzem Rock und schwarzem Barett, die eine Zeitlang begeistert aufgenommen wurde; viele Darstellungen von deutschen Patrioten in solcher Tracht aus jener Zeit lassen sich finden. Dementsprechend waren die meisten Vorschläge für eine solche „Nationaltracht“, die in den Folgejahren in Modezeitschriften präsentiert wurden, schwarz gehalten und orientierten sich mehr oder weniger stark an den Freikorpsuniformen. Auch bei den Damenkleidern, die der neuen „deutschen Tracht“ folgen wollten, setzte sich schwarzes Tuch als „Nonnenzeug“ durch. Diese schwarze Farbe war das wesentliche Unterscheidungskriterium zur französischen oder englischen Mode der Zeit, von der zumindest die neue „Nationaltracht“ der Damen sich im Schnitt wenig unterschied. Zur zeitgenössischen Mode des Biedermeier- und Empirestils in Pastelltönen und Weiß bildeten die schwarzen Gewänder einen denkbar starken Kontrast.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schwarze Fahnen des Widerstandes</h3>



<p></p>



<p>Neben diesem letztlich gescheiterten und kurzlebigen Versuch der Neustiftung eines Nationalsymbols steht als zweites historisches Unikum die schwarze Fahne. Seit der Julirevolution 1830 in Frankreich hatte diese Flagge Karriere als Zeichen für Protest, Aufstand und v.a. für&nbsp; Anarchismus gemacht. In Deutschland setzte sich diese Bedeutung – auch aufgrund des Mangels an Revolution – zunächst eher weniger durch, nach dem Ersten Weltkrieg dafür umso mehr. Aus dem Protest gegen die Republik und das Versailler Friedensdiktat erwuchs in den Freikorps, später in den neuen politischen Gruppen der Nationalrevolutionäre und der „Konservativen Revolution“ der schwarzen Fahne eine eigene Bedeutung. Sie wurde in verschiedenen Gestaltungen deren Zeichen schlechthin, über die verschiedenen politisch rechten Gruppen – Nationalrevolutionäre, Landvolkbewegung, Jugendbünde – hinweg verbreitet finden sich schwarze Flaggen und Wimpel auch als Gestaltungselement auf Druckschriften und Bildpropaganda, schwarze Uniformteile usw. Unzählige „jugendbewegte“ junge Deutsche zogen unter schwarzen Wimpeln auf Fahrt. Viele Lieder aus den Jugendbünden zeigen bis heute die Anziehungskraft dieses Symboles. Auch die Freikorps der ersten Nachkriegszeit kämpften im In- und Ausland vielfach unter improvisierten schwarzen Fahnen.</p>



<p>Dabei spielte die Erinnerung an die Freischaren hundert Jahre zuvor ebenso hinein wie ahistorische Annahmen. Die Vorstellung einer historisch nicht belegten „schwarzen Bauernkriegsfahne“ etwa war so stark, daß der Schöpfer der Fahne für die widerständigen Bauern in Norddeutschland 1929, Peter Petersen, diese wie selbstverständlich als Vorlage nahm und gar nicht an ein anderes Widerstandssymbol dachte.</p>



<p>In der durchaus langen europäischen Geschichte der schwarzen Fahne als politisches Symbol – meist an den politischen Rändern, rechts wie links – ist ihr Auftreten zwischen den Weltkriegen in Deutschland wie ein kurzes, aber ungewöhnliches und markantes dunkles Aufblitzen. Die Flaggen verschwanden mit der Zwangsvereinigung der Jugendbünde in der HJ und der Zerschlagung aller legalen Strukturen. Der NS-Staat vereinnahmte den schwarzen Stoff, wieder in der alten Bedeutung von Todesdrohung und Abschreckung, in seinen Elitetruppen SS und Panzertruppe. Vor allem die SS-Uniformen hoben sich markant von den Brauntönen der Parteiuniformen und dem Feldgrau der Wehrmacht ab und werden bis heute weltweit stark mit dem „Dritten Reich“ assoziiert. Aufgrund dieser Assoziation verschwand mit dem Ende des Nationalsozialismus’ die schwarze Farbe völlig aus der militärischen Nutzung in Deutschland.</p>



<p>Einen letzten Nachhall fand die „schwarze“ nationale Tradition Deutschlands im Auftauchen schwarzer Fahnen bei den Protesten der Ruhrarbeiter 1966. Es blieb eine Episode, auch wenn der linksnationale Autor H. Eichberg versuchte, in einem berühmt gewordenen Lied eine Verbindung zwischen Landvolkbewegung, Ruhraufstand und künftiger patriotischer Erhebung gegen Fremdherrschaft und deutsche Teilung herzustellen. Heute sind schwarze Fahnen und schwarze Bekleidung neben Traueranlässen am ehesten europaweit präsent als Farbe von linken und rechten Anarchisten, „freien Kräften“ und als Zeichen für Widerstand und Gewaltbereitschaft, insbesondere bei Demonstrationen. Die häufigste Nutzung dürfte im Linksextremismus bzw. der „Antifaschistischen Aktion“ zu finden sein. Aus der beschriebenen, kurzlebigen Tradition in Deutschland heraus lebt das schwarze Tuch nur noch in einigen Liedern und Fahnen der Jugendbewegung.</p>



<p><strong><em>Liedauswahl:</em></strong></p>



<p>„Die schwarzen Fahnen flattern im Wind“ (Walter Jansen)</p>



<p>„Laßt weh’n die schwarze Fahne“ (Walter Gollhardt)</p>



<p>„Schwarze Fahne halte stand“ (Karl Foltz)</p>



<p>„Schwarz ist die Sorge und schwarz unser Brot“ (aus dem Jugendbund dj 1.11)</p>



<p>„Wer trägt die schwarze Fahne dort“ (Henning Eichberg)</p>



<p><strong><em>Literaturhinweise:</em></strong></p>



<p>E. M. Schneider: <em>Herkunft und Verbreitungsformen der „Deutschen Nationaltracht der Befreiungskriege“ als Ausdruck politischer Gesinnung</em> (Diss. 2002)</p>



<p>K. Weißmann: <em>Schwarze Fahnen, Runenzeichen</em> (1991)</p>



<p>Ders.: <em>Lexikon politischer Symbole</em> (2022)</p>
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		<title>„Vandalusien“ und die Westgoten</title>
		<link>https://dereckart.at/vandalusien-und-die-westgoten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 11:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Bruno Burchhart Für einen Spanienbesucher ist es beeindruckend, daß und wie die Spanier zu ihrer Geschichte stehen. Die jahrhundertelange Machtausübung der Mauren und die darauffolgende Reconquista sind weitgehend geläufig. Das maurische Erbe Hispaniens – z.B. die weltberühmte Alhambra Granadas sowie die ebenso schönen Alcazar-Festungen – wird hervorragend gepflegt und präsentiert. Die Macht und Pracht [&#8230;]]]></description>
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<p><strong><em>von Bruno Burchhart</em></strong></p>



<p></p>



<p>Für einen Spanienbesucher ist es beeindruckend, daß und wie die Spanier zu ihrer Geschichte stehen. Die jahrhundertelange Machtausübung der Mauren und die darauffolgende Reconquista sind weitgehend geläufig. Das maurische Erbe Hispaniens – z.B. die weltberühmte Alhambra Granadas sowie die ebenso schönen Alcazar-Festungen – wird hervorragend gepflegt und präsentiert. Die Macht und Pracht der katholischen Kirche und Könige kann in den überaus&nbsp; goldüberladenen Kathedralen in den spanischen Städten bewundert werden.</p>



<p>Weniger beachtet wird hierorts die nach den Römern einsetzende Zeit der germanischen Geschichte Iberiens. Umso überraschender ist jedoch die Pflege auch des germanischen Erbes Spaniens im geistigen und öffentlichen Raum. So wird von nicht wenigen Gelehrten der Name des herrlichen Andalusiens von den Vandalen abgeleitet: Es war Vandalusien genannt, waren doch die silingischen Vandalen im Zuge der Völkerwanderung nach der Rheinüberquerung und dem Durchmarsch durch Gallien im Süden der seinerzeitigen „Hispania ulterior“ gelandet und hatten ihr Vandalenreich (409-429) errichtet. Auch die arabischen Gelehrten des späteren Maurenreiches führen den Namen Andalusien (arab. al-andaluz) auf diese Vandalengeschichte zurück. Übrigens zogen die Vandalen unter König Geiserich im 5. Jh. n. Chr. nach Nordafrika, wo sie ein florierendes Königreich gründeten. Eine schöne Geschichte – wir sollten sie mit Stolz betrachten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unbekanntes „Gotalonien“</h3>



<p></p>



<p>Wenig bekannt ist die Herrschaft der Westgoten (458-711) im heute spanischen Bereich. Hat jemand schon von Gotalonien gehört? Und doch war dies lange die Bezeichnung des heutigen Kataloniens – abgeleitet ist das von den Goten. Mit den Westgoten hat die jahrhundertelange Beziehung der Germanen mit Spanien begonnen, die von den römisch-deutschen Habsburgerkaisern (Karl V.) letztlich über den von Deutschen mitgetragenen spanischen Bürgerkrieg bis zum heutigen gemeinsamen EU-Verband und Spanien als bevorzugtem Urlaubsland der Deutschen weitergeht. Nach Trennung der Westgoten von den Ostgoten und dem Untergang der Hunnen bei den mittelgallischen Katalaunischen Feldern (451) hatten die auch „Visigothen“ Genannten zunächst das untergallische Tolosanische Reich mit der Hauptstadt Toulouse gegründet. Von dort wichen sie nach der Niederlage gegen den Franken Chlodwig nach Hispanien aus. Dort errichteten sie das Toledanische Reich mit der namengebenden Hauptstadt Toledo. Wer kennt sie noch, die vielen, z.T. auch sehr wichtigen und bemerkenswerten Herrscher und Könige der Westgoten: den ersten Rex, Wallia, als Föderaten Roms; den überaus bedeutenden Gesetzgeber Eurid, der als erster Europäer eine poströmische Rechtskodifikation durchführte, den tatkräftige Herrscher Levigild als Unterwerfer Spaniens; den Städtegründer Rekkared, der auch den Katholizismus gegen den Arianismus durchsetzte; den machtvollen Wamba, der als erster Europäer beispielgebend als König gesalbt wurde und den letzten, letztlich erfolglosen Roderich, der durch Verrat die Eroberung Spaniens durch die Mauren 711 unter Tariq al Zijad zulassen mußte.</p>



<p>Vor dem Madrider Königsschloß stehen am Plaza Oriente die Statuen westgotischer Könige: welch bemerkenswertes Traditionszeichen! Im Sinne des Thermopylen-Spruches könnte man in&nbsp; Abwandlung Schillers festhalten: Wandrer, kommst Du nach Spanien, gedenke der Vorfahren, die hier ihr Bestes gaben. Auch das können wir mit Stolz betrachten. Was ist sonst von den Westgoten geblieben? Man muß schon auf geduldige Suche gehen, um den Palast des Romiro oder die kleinen romanischen Kirchen in Nordspanien zu finden. Den Gotenschatz kann man im Archäologischen Nationalmuseum in Madrid bewundern. Gewisse Bräuche und Namensrudimente, siehe „Gotalonien“, gibt es noch. Geblieben ist aber vor allem die große Geschichte. Es sind auch unsere Wurzeln!</p>
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		<title>1683 oder Söldner ist nicht gleich Söldner</title>
		<link>https://dereckart.at/1683-oder-soeldner-ist-nicht-gleich-soeldner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2025 11:36:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek 1683 stellte einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Die vor Wien gescheiterte Zweite Türkenbelagerung leitete den Niedergang des Osmanischen Reiches und den Aufstieg der befreiten Stadt zur Weltmetropole ein. Sowohl unter den Belagerern als auch im Entsatzheer befanden sich tatarische Söldner. Deren gänzlich unterschiedliche Qualität sorgte für die Entscheidung. Die Tataren waren [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p></p>



<p>1683 stellte einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Die vor Wien gescheiterte Zweite Türkenbelagerung leitete den Niedergang des Osmanischen Reiches und den Aufstieg der befreiten Stadt zur Weltmetropole ein. Sowohl unter den Belagerern als auch im Entsatzheer befanden sich tatarische Söldner. Deren gänzlich unterschiedliche Qualität sorgte für die Entscheidung.</p>



<p>Die Tataren waren ein Turkvolk, das in den Weiten der zentralasiatischen Steppe lebte. Dort lernten sie schon bald den optimalen Umgang mit Pferden. Denn egal, ob die nomadische Umsiedlung eines ganzen Dorfes, das Zusammenhalten von Tierherden, die Jagd oder die Verteidigung von Weidegründen – ohne Pferd ging gar nichts. Bis weit in die Neuzeit hinein waren Reiter und Bogenschützen zwei wichtige Waffengattungen. Die Tataren kombinierten beides. Sie ritten ihre gut trainierten Pferde im Galopp und schossen dabei ihre Pfeile auch aus der Distanz zielsicher in alle Richtungen. Das führte dazu, daß die Tataren zeitweilig sogar die Russen und die Chinesen unterjochten.</p>



<p>Heute sind die Tataren über Osteuropa verstreut. In Rußland verfügen sie über eine eigene autonome Republik namens Tatarstan mit einer knappen Bevölkerungsmehrheit zu ihren Gunsten. Deren Kapitale Kasan ist die nördlichste muslimische Millionenstadt der Welt, und der Kreml der Tataren braucht den Vergleich mit jenem in Moskau kaum zu scheuen. Der Fußballverein Rubin Kasan machte Tatarstan international bekannt. 2008 und 2009 wurde er russischer Meister und besiegte 2009 sogar in der Champions League Titelverteidiger FC Barcelona auswärts mit 2:1. In Österreichs Öffentlichkeit kennt man drei Tatarischstämmige: Der größte Ballettänzer seiner Zeit und womöglich aller Zeiten, Rudolf Nurejew (1938-1993), wurde, nachdem er sich aus der Sowjetunion abgesetzt hatte, österreichischer Staatsbürger. Charles Bronson (1921-2003) flimmerte als US-Westernheld über die Bildschirme, und in den Gesellschaftsspalten der Druckmedien kommt man an Fotomodell und Schauspielerin Irina Shayk (geb. 1986 in Rußland) nicht vorbei.</p>



<p>Aber zurück zu 1683: Die Großmacht Polen(-Litauen) unterhielt immer beste Beziehungen zu den in ihrem Herrschaftsbereich lebenden Tataren. Schon am polnisch-litauischen Sieg über den Deutschen Ritterorden 1410 beim ostpreußischen Tannenberg sollen sie einen großen Anteil gehabt haben. Die polnisch-tatarische Verbundenheit pflegte auch König Johann III. Sobieski. Seine tatarischen Söldner waren ihm lieb und teuer. 1683 kaufte Papst Innozenz XI. Sobieski gegen eine horrende Summe in seine „Heilige Allianz“ ein. 1679 war Wiens Bevölkerung durch eine schreckliche Pestepidemie dezimiert worden, und die Osmanen lehnten 1682 die Verlängerung eines auslaufenden Nichtangriffspaktes ab. Innozenz wußte genau, was das bedeutete. Wien dürfe keinesfalls das Schicksal Konstantinopels erleiden, galt dem Heiligen Vater als oberste Maxime. Als Jan Sobieski am 31. März 1683 das Defensivbündnis unterschrieb und 1,5 Millionen Gulden dafür erhielt, dachte er wohl, es sei das Risiko wert. Die Beistandspflicht würde – wenn überhaupt – irgendwann einmal in ferner Zukunft schlagend werden. Was Sobieski nicht wußte: Am selben Tag setzte sich das osmanische Heer von Adrianopel – dem heutigen Edirne im europäischen Teil der Türkei – in Bewegung, und Sultan Mehmed IV. versandte eine Kriegserklärung an den römisch-deutschen Kaiser und an den polnischen König, in der er den beiden ankündigte, sie nach ihrer Unterwerfung zu Tode zu foltern. Bereits am 3. Mai hatten die knapp 170.000 Krieger des osmanischen Heeres Belgrad erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hätte mit diesem Wissen niemand mehr einen einzigen Gulden auf die Rettung Wiens gesetzt, geschweige denn einen Beistandspakt abgeschlossen.</p>



<p>Aber dann passierte etwas völlig Unvorhergesehenes: Die tatarischen Söldner unter den Angreifern konnten ihrer Lust nach Morden, Rauben und Vergewaltigen immer weniger widerstehen und unternahmen ausgedehnte Ausflüge bis nach Kärnten und sogar Osttirol. Sie waren damit nicht nur verantwortlich dafür, daß die Belagerer viel zu spät vor den Toren Wiens eintrafen, sie schnitten ihren Leuten mit dem Niederbrennen von Feldern und Ermorden von Bauern auch noch den Lebensmittelnachschub ab. Als das Entsatzheer im letzten Moment eintraf, hatte Sobieski seine eigenen Tataren dabei, die jedoch um Welten besser „funktionierten“. Vorneweg stürzten sie sich so verwegen und unaufhaltsam vom Kahlenberg hinab durch den Wienerwald, daß ihnen das Kommandozelt Kara Mustafas auf der Schmelz völlig unversehrt in die Hände fiel.<br></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vier Ströme, ein Brunnen und ein Skandal</title>
		<link>https://dereckart.at/vier-stroeme-ein-brunnen-und-ein-skandal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Sep 2025 06:44:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Martin Hobek Was passiert, wenn vier große Flüsse, noch dazu Ströme, auf engstem Raum aufeinandertreffen? Es kommt zu einem Eklat in Wiens besserer Gesellschaft. Um das Rätsel aufzulösen: Es geht um den Austriabrunnen auf der Freyung, einem prominenten Platz in Wiens erstem Bezirk. Österreichs Kaiser Ferdinand I. (1835-1848) wurde von offizieller Seite als „Ferdinand [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Martin Hobek</em></p>



<p></p>



<p>Was passiert, wenn vier große Flüsse, noch dazu Ströme, auf engstem Raum aufeinandertreffen? Es kommt zu einem Eklat in Wiens besserer Gesellschaft. Um das Rätsel aufzulösen: Es geht um den Austriabrunnen auf der Freyung, einem prominenten Platz in Wiens erstem Bezirk.</p>



<p>Österreichs Kaiser Ferdinand I. (1835-1848) wurde von offizieller Seite als „Ferdinand der Gütige“, von Wiens Bevölkerung als „Gütinand der Fertige“ bezeichnet. Inzuchtbedingt hatte er nur vier Urgroßeltern, aber dafür einen Wasserkopf und wies keinerlei Führungsqualitäten auf, was dem tyrannischen Staatskanzler Metternich nur recht war. Bei der Thronbesteigung verzichtete Ferdinand auf die Krönungsgeschenke zugunsten des Baus einer Wasserleitung, die erstmals auch den westlichen Vororten zu Trinkwasser verhelfen sollte. Das Geld reichte allerdings nicht aus, und die Stadt Wien mußte einspringen. Die Eröffnung 1846 diente zum Anlaß für einen Brunnen, eine der wenigen Gelegenheiten für die Gemeinden, selbst Denkmäler zu gestalten.</p>



<p>Die Wiener ahnten nicht, daß damit eine Serie von Enttäuschungen ihren Anfang nahm. Zum Zug kam kein Künstler aus der Stadt, sondern der Starbildhauer seiner Zeit, der Münchner Ludwig Schwanthaler (1802-1848). Da dieser die österreichischen Ströme ins Zentrum stellte, war auch bald klar, daß aus dem angedachten Vindobonabrunnen ein Austriabrunnen werden würde. Damit konnte man andererseits auch Schwanthaler besser argumentieren, denn dessen Eltern stammten aus dem oberösterreichischen Ried im Innkreis. Das nächste Fettnäpfchen Schwanthalers war sein geringes Honorar von 3.750 Gulden, das nur einen Bruchteil der Gesamtsumme von 53.000 Gulden für den Brunnen darstellte. Schwanthaler schnappte also den Wiener Bildhauern nicht nur den begehrten Auftrag weg, er verdarb auch die Preise für künftige Projekte.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Vier österreichische Ströme: die Elbe, die Weichsel, die Donau und der Po&#8230;</h3>



<p></p>



<p>Für eine richtige Welle der Empörung sorgte Schwanthaler schließlich durch seine künstlerische Umsetzung. Die über allem stehende Austria wäre noch locker durchgegangen. Gerüchteweise hatte Alma von Goethe, die Enkelin des Dichterfürsten, Modell gestanden. Diese war allerdings schon 1844, zwei Jahre vor Fertigstellung des Brunnens, knapp 17jährig in Wien im Zuge einer Typhusepidemie gestorben. Unter der Allegorie der Austria befanden sich vier österreichische Ströme: die Elbe, die Weichsel, die Donau und der Po. Diese Ströme versinnbildlichten nicht nur die vier Himmelsrichtungen und vier verschiedene Meere, nämlich Nordsee, Ostsee, Schwarzes Meer und Adria, sondern auch die vier Volksstämme der Germanen, Slawen, Madjaren und Italiener. Metternich, der Schwanthaler eigens in München besucht hatte, zeigte sich zufrieden mit der Symbolisierung der Botschaft der habsburgischen Dominanz in Mitteleuropa und darüber hinaus.</p>



<p>Der Brunnen begeistert heute durch seinen Detailreichtum. So stützt sich etwa die Elbe auf den Riesen Rübezahl, der im Kontext eher wie ein Gnom wirkt. Das war den Wienern egal, doch eine Kombination aus zwei „Vergehen“ sorgte dafür, daß sie nach Luft schnappten: Flüsse waren bislang immer liegend dargestellt worden, und die geschlechtliche Verkörperung richtete sich nach dem lateinischen Namen. Die Donau war also immer ein liegender herkulischer Danubius. Schwanthaler richtete die Flüsse aber auf und orientierte sich an ihren deutschen Namen, und so traute das Wiener Bürgertum seinen Augen nicht ob einer Donau als stehender Nymphe! Das Urteil der Wiener war vernichtend. Der Biedermeiermaler Georg Ferdinand Waldmüller sprach paradoxerweise von einem „Ideenbankrott“ Schwanthalers.</p>



<p>Die Wiener gewannen das Denkmal – Wasser sprudelt bei diesem Brunnen nur spärlich – erst mit einem halben Jahrhundert Verspätung lieb und auch das nur, indem sie Schwanthaler posthum eine Straftat nachsagten: Der Künstler habe im Inneren der Austria Zigarren geschmuggelt, diese aber nicht mehr bergen können. So kam es zum „Zigarrlbrunnen“ des Volksmundes. Als man später den Brunnen aus technischen Gründen abbaute und im Inneren Nachschau hielt, entpuppte sich der angebliche Zigarrenschmuggel als Erfindung.</p>



<p>Abschließend sei noch ein kurios anmutendes Detail erwähnt: Die Donau wurde nicht – wie von den Auftraggebern als selbstverständlich vorausgesetzt – auf der Donau von Bayern nach Wien transportiert, sondern auf Betreiben Schwanthalers auf dem Landweg. Im Strudengau lag nämlich aufgrund der namengebenden Strudel ein äußerst gefährlicher Flussabschnitt – auch nachdem Maria Theresia zur Entschärfung ein paar Felsen hatte sprengen lassen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Über Flüsse und Menschen</title>
		<link>https://dereckart.at/ueber-fluesse-und-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[samuel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 06:34:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Sven Schiszler Über Flüsse läßt sich gut sinnieren. Berühmt das Sprachbild, das dem Vorsokratiker Heraklit von Ephesos zugeschrieben wird: „Du kannst nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen.“ – damit nicht weniger als die ständige, ja sekündliche Veränderung fast aller in und um uns befindlichen Dinge postulierend. Kein beruhigender Gedanke für einen konservativen Menschen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Sven Schiszler</em></p>



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<p>Über Flüsse läßt sich gut sinnieren. Berühmt das Sprachbild, das dem Vorsokratiker Heraklit von Ephesos zugeschrieben wird: „Du kannst nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen.“ – damit nicht weniger als die ständige, ja sekündliche Veränderung fast aller in und um uns befindlichen Dinge postulierend. Kein beruhigender Gedanke für einen konservativen Menschen, der das Allzeitgültige, das über die Zeiten hinfort Beständige, das Unveräußerliche zu greifen trachtet, um es zur Grundlage seines Denkens und Handelns zu machen. Die Schlußfolgerung, die aus Heraklits Feststellung zu ziehen ist: Das einzig Beständige ist die Veränderung. „Ewiges ist nicht auf Erden/ als der Wandel, als die Flucht“, formulierte zweieinhalbtausend Jahre später Hermann Hesse. Der Fluß, ein Sinnbild irdischer Vergänglichkeit.</p>



<p>In der Schule lernten wir, daß alte Hochkulturen vor allem Flußkulturen waren. Ägypten, ein Geschenk des Nils; Mesopotamien eine entwickelte Zivilisation zwischen Euphrat und Tigris; ebenso bedeutsam und von seinen Anrainern zumindest teilweise als heilig betrachtet: der Indus. Nicht minder bedeutsam – als Verkehrsweg und Möglichkeit zur Bewässerung größerer Anbauflächen, was wiederum die Voraussetzung einer zahlreichen Bevölkerung war: der Gelbe Fluß in China. Der Fluß, Urgrund menschlicher Zivilisation und Kultur: Er gibt Wasser für Mensch, Tier und Äcker und speist mit Fischen seine Anrainer.</p>



<p>Andere Flüsse wiederum schrieben Weltliteraturgeschichte. Michail Scholochows monumentaler Roman <em>Der stille Don</em> setzte den Kosaken, die über Jahrhunderte an seinem Ufer siedelten und in die Zeitenstrudel des Ersten Weltkrieges und des Russischen Bürgerkrieges gerissen wurden, ein ebenso beeindruckendes wie lesenswertes literarisches Denkmal, für das er 1965 mit dem Literaturnobelpreis geadelt wurde. Ein Leben ohne „Väterchen Don“ war im Selbstverständnis der Kosaken gar nicht denkbar.</p>



<p>Und was wären die Abenteuer Huckleberry Finns ohne den Mississippi? Auch in Mark Twains Werk ist der Fluß nicht nur zufällige geographische Kulisse, sondern vielmehr ein Symbol – ein Gegenort zur einengenden Gesellschaft, ein Fluchtort, Gestalt gewordener Aufbruch in ein freies, unbändiges Leben. Und Deutschland, Österreich? Ja, selbstverständlich haben wir im Fach berühmte Flüsse etwas anzubieten.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Rhein und Donau sind die Majestäten der europäischen Flußgeographie.</h3>



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<p>Unbestritten sind dies die höchstfrequentierten und bedeutsamsten Verkehrswege Europas, auf denen jährlich Millionen Tonnen an Gütern und abertausende Personen transportiert werden. Darüber hinaus natürlich auch kühler, nasser Grund, aus dem mythologische Stoffe gehoben wurden. Man denke an den Schatz der Nibelungen, den Hagen von Tronje im Rhein versenkte. Oder an die Loreley, jene sagenhafte Gestalt, die auf einem Felsen im Rhein sitzt und Schiffer durch betörenden Gesang um den Verstand bringt und ins Verderben stürzt. Spätere Generationen – Stichwort Romantik – sahen im Rhein und den ihn säumenden Landschaften eine deutsche Seelenlandschaft verkörpert, sperriger gesagt eine Projektionsfläche deutscher Identität, in der mythologische, naturromantische, kulturelle und politische Motive in unterschiedlicher Gewichtung ineinander flossen.</p>



<p>Der Donau hingegen – bekanntermaßen nicht von den Alpen in die Nordsee, sondern von ebendort nach Osten sich krümmend und ins Schwarze Meer mündend – kommt zwar auch ein identitätsstiftendes Element zu, aber ihr Weg durch insgesamt zehn verschiedene Länder und unterschiedliche Kulturlandschaften macht sie zudem zum Inbegriff eines völkerverbindenden europäischen Flusses. Von Donaueschingen windet sie sich in unterschiedlichster Form über 2.850 Kilometer bis hinunter an die rumänische Schwarzmeerküste und ist damit nach der Wolga der zweitlängste Fluß in Europa. 2.655 Kilometer sind schiffbar und dienten von alters her als Wasserweg. Zwangsläufig denkt man an die tausenden deutschen Kolonisten, die sich über die Donau auf einen beschwerlichen Weg in eine ungewisse Zukunft gemacht haben.</p>



<p>Die über weite Strecken erhaltenen einstigen Treppelwege dienen heute als Rad- oder Wanderwege, die zu Radwanderungen entlang dieser alten europäischen Wasserstraße einladen. Glaubt man den Zahlen der <em>via donau Österreichischen Wasserstraßengesellschaft</em> sind es jährlich über 900.000 Radfahrer, die die Strecke Passau-Preßburg befahren.</p>



<p>Da ist es, das beständige Moment: Die Zeiten mögen sich ändern, die Donau aber wird immer Menschen aus West und Ost miteinander verbinden. Gut so!</p>



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