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	<title>Redaktion &#8211; Der Eckart</title>
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	<description>Monatszeitung für Politik, Volkstum und Kultur.</description>
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	<title>Redaktion &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Keine Atempause</title>
		<link>https://dereckart.at/keine-atempause/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Sep 2023 10:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone (23) In der Bundesrepublik Deutschland gibt es vielerlei politische Absurditäten und Anachronismen. Zu letztgenannter Gattung darf man das Amt des „Ostbeauftragten“ der Bundesregierung zählen. Es vergegenständlicht das Scheitern der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost und West – eigentlich ein im Grundgesetz (Art. 72 Abs. 2 GG) festgeschriebenes Ziel. Würde man [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Kaisers Zone (23)</h3>



<p></p>



<p>In der Bundesrepublik Deutschland gibt es vielerlei politische Absurditäten und Anachronismen. Zu letztgenannter Gattung darf man das Amt des „Ostbeauftragten“ der Bundesregierung zählen. Es vergegenständlicht das Scheitern der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost und West – eigentlich ein im Grundgesetz (Art. 72 Abs. 2 GG) festgeschriebenes Ziel. Würde man einen Beauftragten für die einstige „Zone“ brauchen, wenn man diesem Ansinnen seit 1990 spürbar nähergekommen wäre?</p>



<p>Derzeit ist Staatsminister Carsten Schneider im Bundeskanzleramt als Ostbeauftragter tätig. Doch den Erfurter SPD-Mann kennt kaum jemand. Anders verhielt es sich mit seinem Vorgänger. Dieser heißt Marco Wanderwitz und kommt vom linken Flügel der CDU. Seine jahrelange Arbeit im Rahmen der Großen Koalition aus Union und SPD machte ihn zur Reizfigur. Das lag vor allem an Wanderwitz selbst. Ob im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) oder im politischen Alltagsgeschäft: Wanderwitz ließ keine Polemik gegen „seine“ Ostdeutschen aus, wetterte zu Coronazeiten gegen die Impfkritiker unter ihnen, verdammte die AfD-Wählerschaft als „rechtsradikal“, attestierte seinen Landsleuten Demokratiedefizite usf.</p>



<p>Der 1975 in Chemnitz geborene Hardliner trieb es zu weit. Denn viele Mittel- bzw. Ostdeutsche verfolgen den ÖRR kritisch und vernehmen die Tonlage, die man darin anschlägt: Wanderwitz verlor im September 2021 sein Direktmandant zum Deutschen Bundestag an einen AfD-Herausforderer. Seine Partei sicherte ihn jedoch über die Landesliste ab, und so sitzt Wanderwitz weiterhin im Hohen Haus – neben seiner Ehefrau Yvonne Magwas, die Vizepräsidentin des Bundestags ist. Hat ihr Mann aus seinen Verhaltensunzulänglichkeiten gelernt? Nein.</p>



<p>In der „plenarfreien Zeit“, der Sommerpause des Parlaments, ergriff er jetzt publikumswirksam die Initiative für ein AfD-Verbot. Er begründete dies mit der „Rechtsradikalität“ und der „Größe dieser Gefahr insbesondere in den neuen Bundesländern“. Eine Zerschlagung der AfD würde der Demokratie eine „Atempause“ verschaffen. Kurz nach Wanderwitz’ Vorstoß kamen neue Umfrageergebnisse: Die AfD steigert sich weiter und steht in Ostdeutschland bei 32 Prozent. Man muß kein Ostbeauftragter gewesen sein, um zu verstehen: Die Weigerung vieler „Ost“-Bürger, sich bevormunden zu lassen, wächst. 33 Jahre nach der „Wende“ kennt der Freiheitsdrang eben keine Atempause.</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Afrika 2023</title>
		<link>https://dereckart.at/afrika-2023/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Sep 2023 21:14:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heftschwerpunkte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Henning Huberty Bürgerkrieg, Militärputsch, Hungersnot, Seuchen, Flüchtlingslager, Asylwerberrouten, Kriminalität, Korruption – das sind Wörter, die bei der Afrikaberichterstattung hierzulande regelmäßig fallen, insbesondere, wenn es um Afrika südlich der Sahara geht. Und mit diesem „eigentlichen“ Afrika, dem „schwarzen Kontinent“, befassen sich wie dieser ECKART insgesamt auch die nächsten Zeilen. Wenn der geneigte Leser nicht das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Henning Huberty</em></p>



<p>Bürgerkrieg, Militärputsch, Hungersnot, Seuchen, Flüchtlingslager, Asylwerberrouten, Kriminalität, Korruption – das sind Wörter, die bei der Afrikaberichterstattung hierzulande regelmäßig fallen, insbesondere, wenn es um Afrika südlich der Sahara geht. Und mit diesem „eigentlichen“ Afrika, dem „schwarzen Kontinent“, befassen sich wie dieser ECKART insgesamt auch die nächsten Zeilen.</p>



<p>Wenn der geneigte Leser nicht das Glück gehabt hat, im Zuge einer Safari Kenia und Tansania oder im Zuge eines Verwandtenbesuches, eines Badeurlaubes oder einer Weintour Süd- und Südwestafrika oder vielleicht noch Botswana kennenzulernen, wird der schwarze Kontinent für ihn auch ein schwarzes Loch des Wissens sein.</p>



<p>Wer sich aber zu Beginn dieses Sommers die Bilder aus Frankreichs brennenden Vorstädten, aus den Asylzentren der BRD, aus Brüssels Altstadt oder von NGO-„Flüchtlingsrettungsbooten“ vor der italienischen Küste angesehen hat, wird wohl erahnen, wie sehr Afrika Europas Zukunft bestimmen werde. Jedenfalls solange es uns nicht gelingt, unsere geistig-politischen Eliten auszutauschen.</p>



<p>Einige Streiflichter: 1950 hatte ganz Afrika etwa 240 Millionen Einwohner, davon waren etwa 140 Mio. Schwarzafrikaner. Im Sommer 2023 sind es ca 1,45 Milliarden, davon rund 1,25 Mrd. Schwarze. Für 2050 – also in 27 Jahren – werden dem Kontinent etwa 2,5 Mrd. Bewohner vorhergesagt. Jährlich wächst die afrikanische Bevölkerung um mehr als 32 Mio. Menschen – das entspricht in zwei Jahren der gesamten Bevölkerung Frankreichs oder Italiens.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In der UN-Liste der zehn ärmsten Staaten finden sich wie in jener der Staaten mit der höchsten Fruchtbarkeitsrate seit Jahren nur schwarzafrikanische Länder.</h3>



<p></p>



<p>Spitzenreiter sind Länder wie Niger, Tschad, Mali oder Somalia mit bis zu 6,75 Kindern pro Frau. Bei der der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs ohne Migrationshintergrund liegt die Fruchtbarkeitsrate bei weniger als 1,2.</p>



<p>In der Armutsstatistik hat Burundi – mit einem Bruttoinlandsprodukt von nur $ 272 pro Kopf und Jahr die zweifelhafte Ehre, unangefochten den ersten Platz zu belegen. Auch der Kongo, korrekt ironischerweise „Demokratische Republik Kongo“, eines der potenziell wohlhabendsten Länder der Welt, schaffte es vergangenes Jahr wieder auf die Liste der zehn ärmsten Staaten. Interessant: 1960, im Jahr der Unabhängigkeit des Kongos, betrug das BIP pro Einwohner $ 219; heute, 63 Jahre später, liegt es bei $ 650 und damit – berücksichtigt man den Kaufkraftverlust des USD in den letzten 63 Jahren – bei maximal einem Viertel des Realwertes am Unabhängigkeitstag. Ebenfalls 1960 lag das BIP pro Einwohner in Südkorea bei $ 158 pro Kopf, also um ein Drittel niedriger, als das der Kongolesen. 2023 liegt das südkoreanische BIP/Einwohner bei $ 35.000, sohin beim Fünfzigfachen des kongolesischen. Überholt hat der Kongo hingegen fast alle anderen Länder der Welt bei der Geschwindigkeit seines Bevölkerungswachstums. Gab es am Tag seiner Unabhängigkeit 15 Mio. Kongolesen, sind es heute über 100 Mio. – ein Wachstum um sagenhafte 650%!</p>



<h3 class="wp-block-heading">Untersuchungen zu den Fehlentwicklungen in Afrika und deren Auswirkungen auf Europa fehlen weitgehend, wichtige Grundlagen dazu sind tabuisiert.</h3>



<p></p>



<p>Ein Einzelfall ist die Entwicklung des Kongos innerhalb Schwarzafrikas keinesfalls. Allerdings gibt es auch gewisse „Lichtblicke“ wie das kleine ostafrikanische Ruanda, Kenia, die Elfenbeinküste oder Ghana, in denen sich einiges zum Besseren entwickelt. Südafrika und Südwestafrika/Namibia mit ihrer immer noch starken europäischen bzw. in Südafrika teilweise auch indischen Oberschicht, stehen weit besser dar. Die dortige Entwicklung verheißt aber nichts Gutes. So ist in den Jahren 2011 bis 2021 in den beiden Ländern das BIP/Einwohner zurückgegangen, in Südafrika von $ 8.737 auf $ 7.055, in Namibia von $ 5.873 auf $ 4.865. Zum Vergleich: In Bangladesch – lange eines der ärmsten Länder der Welt – ist es im gleichen Zeitraum von $ 856 auf $ 2.457 gestiegen.</p>



<p>Ernsthafte Untersuchungen dieser Entwicklungen und ihrer Auswirkungen auf Europa gibt es in der deutschsprachigen Literatur und Journalistik jedenfalls im staatlich hochalimentierten „Mainstream“ nicht. Wichtige Grundlagen dazu, wie etwa der IQ und der Mentalitätsgraben, sind völlig tabuisiert. Frei und unzensuriert ist aber immerhin die Beschäftigung mit dem Leben und Überleben von Löwen, Nashörnern und Giraffen… </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Grillen – die „martialische“ deutsche Garmethode</title>
		<link>https://dereckart.at/grillen-die-martialische-deutsche-garmethode/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Aug 2023 22:49:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brauchtum]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Reinhild Bauer Brauchtum (16) Sommer, Sonne, laue Nächte – was verlockt mehr zum Grillen im Garten, am öffentlichen Grillplatz oder am Balkon, ob mit offenem Feuer, Grillstelle, Gasgrill oder Kugelgrill?In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich in Deutschland diese urtümliche, „martialische“ Form des Garens zu einer Art Sport, der insbesondere von Männern ausgeübt wird.Es scheint [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Reinhild Bauer</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Brauchtum (16)</strong></h2>



<p>Sommer, Sonne, laue Nächte – was verlockt mehr zum Grillen im Garten, am öffentlichen Grillplatz oder am Balkon, ob mit offenem Feuer, Grillstelle, Gasgrill oder Kugelgrill?<br>In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich in Deutschland diese urtümliche, „martialische“ Form des Garens zu einer Art Sport, der insbesondere von Männern ausgeübt wird.<br>Es scheint den Utensilien in Bau- und Supermarkt nach eine&nbsp; ausgesprochen moderne Erscheinung zu sein: Spezialgeräte, Spezialkohle, außergewöhnliches Fleisch mit spezieller Würze sollen uns diese Form der Speisezubereitung als etwas köstlich Originelles, Modernes und vor allem Amerikanisches darstellen.</p>



<p>Aber falsch gedacht! 1404 wurde die „Thüringer Rostbratwurst“ erstmals urkundlich erwähnt und noch einige Jahre früher das „Nürnberger Bratwurstglöcklein“. Das Grillen gilt als älteste Form des Garens von Fleisch und ist seit der Zähmung des Feuers vor rund 300.000 Jahren eine auf dem ganzen Erdball verbreitete Garmethode. Funden zufolge nimmt man an, daß sich die alten Germanen größtenteils von Fleisch ernährten. Dieses wurde aus Mangel an Kochgefäßen oft einfach über dem Feuer an einem Spieß, auf einem heißen Stein oder auf einer Art Rost gegrillt.</p>



<p>Man geht davon aus, daß erst die oft ärmlichen Verhältnisse im Mittelalter den Menschen das Grillen vergällten, weil dabei das Fett ins Feuer tropft und somit verschwendet ist. Zudem war Fleisch im Mittelalter ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten konnten. Das Grillen wurde ein dem Adel vorbehaltenes Privileg. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg führte in Deutschland auch zu einem Grillaufschwung. Zugegeben ist die Erfindung des Kugelgrills mitverantwortlich, der mit den US-Amerikanern nach Deutschland kam. Bald überholte die deutsche Versuchslaune jedoch das amerikanische Grillen. Heute gilt Deutschland als das Land des Grillens schlechthin, und neben Fleisch werden längst auch andere Lebensmittel wie Brot, Gemüse, Käse und Kartoffeln auf dem Feuer gegart. Daß Grillen keine amerikanische Mode ist, beweist auch die Herkunft des Wortes, welches sich von dem lateinischen „craticulum“ ableitet, was soviel wie „kleiner Rost“ bedeutet und eher auf germanisch-römische Interaktion hinweist.</p>



<p>Grillen ist damit weder typisch amerikanisch noch eine Modeerscheinung. Je nach Betrachtung und Ausübung kann Grillen als alte Kulturform der Nahrungszubereitung im deutschen Raum gesehen werden. Die Grillkultur stellt zwar gewiß nicht den geistigen Ausdruck oder gar Höhepunkt unseres Volkes dar, noch kann es als Förderung traditionellen Brauchtums angesehen werden – trotzdem kann jeder Deutsche, der seine Wurst auf einem Spieß über dem Feuer dreht, sicher sein, es damit seinen Ahnen vor vielen Jahrhunderten gleichzutun. Mahlzeit!</p>



<p><strong><em>Über die Autorin:</em></strong></p>



<p>28 Jahre alt, Ehefrau, Mutter und Mitorganisatorin zweier großer Kulturveranstaltungen für die deutsche Jugend; aufgewachsen im Österreichischen Turnerbund und der Bündischen Jugend, Studium zur Volksschullehrerin, anschließend drei Jahre in der österreichischen Politik.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Genies der Deutschen</title>
		<link>https://dereckart.at/die-genies-der-deutschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Aug 2023 11:49:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heftschwerpunkte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lommatzsch Joachim Fernau Die Reihe der „Genies der Deutschen“, die Joachim Fernau in seinem gleichnamigen Buch mit einer kurzen Biographie näher vorstellt, beginnt mit Kaiser Otto I., dem Großen, und endet mit Albert Einstein. Dies zeigt nicht allein die Spannbreite der Personen, denen Fernau die Bezeichnung Genie zuerkennt, sondern läßt auch vermuten, daß [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Erik Lommatzsch</em></p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Joachim Fernau</h2>



<p></p>



<p>Die Reihe der „Genies der Deutschen“, die Joachim Fernau in seinem gleichnamigen Buch mit einer kurzen Biographie näher vorstellt, beginnt mit Kaiser Otto I., dem Großen, und endet mit Albert Einstein. Dies zeigt nicht allein die Spannbreite der Personen, denen Fernau die Bezeichnung Genie zuerkennt, sondern läßt auch vermuten, daß der Auswahl eine Idee zugrunde liege, die über das landläufige Verständnis des Begriffs hinausgeht.</p>



<p>Joachim Fernau (1909-1988) betätigte sich als Schriftsteller, Journalist, Maler, Kunstsammler und Kunstkenner, der auch diesbezüglich publizierte. Sein belletristisches Schaffen umfaßt sowohl heiter-leichte Werke wie Ein Frühling in Florenz als auch tiefgründig-nachdenkliche Romane wie Ein wunderbares Leben. Bis heute bekannt ist er aber vor allem für seine Darstellungen historischer Themen. In einem unverwechselbaren Stil, stets leicht und pointiert, oft ironisch und lakonisch, vermochte er Geschichte und Persönlichkeiten einem großen Publikum nahezubringen. In Rosen für Apoll und Cäsar läßt grüßen etwa erschloß Fernau auf seine Art die Welt der Griechen und Römer. Als erster großer Erfolg gilt Deutschland, Deutschland über alles… von 1952, eine Geschichte Deutschlands.</p>



<p>Im Jahr darauf folgte das hier im Mittelpunkt stehende Werk, zunächst unter dem Titel Abschied von den Genies. Später publiziert als Die Genies der Deutschen wurde es mit dem Untertitel Die Leuchtfeuer verlöschen, der Blindflug beginnt versehen. Auch wenn dieser in späteren Auflagen entfiel, wird deutlich, daß Fernau pessimistisch in die Zukunft sah. Im Schlußkapitel heißt es: „Was morgen anbrechen wird, ist eine unisone Kulturwelt.“ Und: „Vielleicht sind wir die letzten, … die die Möglichkeit noch einmal genießen, die historischen Genies der Deutschen zu verehren.“ Geschrieben wurden diese Sätze vor 70 Jahren. Die Entwicklung seither hat Fernaus Zeitdiagnosen bestätigt.</p>



<p>Zu Beginn des Buches führt er durch die Geschichte der Vorstellung vom Genie an sich. Zunächst habe man Helden und Heilige gekannt und verehrt. Das Genie an sich, „dessen Taten und Gedanken sich über alle Zeiten erhalten“ haben, sei mit der Renaissance ins Spiel gekommen. „Fackelträger“ in unruhigen Zeiten und „Tröster“ in der Resignation seien sie gewesen, Menschen zu denen man aufsah. In der Romantik des 19. Jhd. habe die Geniebegeisterung ihren Höhepunkt erreicht. „Nie zuvor und nie mehr darnach ist Geschichte so geliebt worden. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Um dieser Großen willen.“ Entzauberung des Genies im 20. Jahrhundert und bis heute</h3>



<p></p>



<p>Mit der Vermassung, mit der Wende zum 20. Jhd. habe eine Rückentwicklung eingesetzt, man sei zum „primitiven Bild der Vorzeit“ zurückgekehrt, zum Helden. Der Neidgedanke sei aufgekommen, die „faule Menge“ habe protestiert „gegen den Ausreißversuch einzelner Menschen aus der Normung“. Nun sei es um Entzauberung gegangen, um die menschlichen Schwächen der Genies. Endlich „brauchte man kein Minderwertigkeitsgefühl mehr zu haben“. Sogenannte Stars und Menschen, die durch banale Aktionen hervorträten, seien an die Stelle der Genies getreten. Wenn Fernau feststellt, „die Halbwüchsige, die sich bei einem Fest vordrängt, um ihren originellen Appell an das Gute im Menschen loszuwerden, wird berühmt“, glaubt man, er habe das Buch in unseren Tagen verfaßt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Genies werden vom eigenen Volk erlebt, von anderen Völkern nur gesichtet“</h3>



<p></p>



<p>Der wesentliche Grund, Fernaus Werk wieder zur Hand zu nehmen, ist jedoch die von ihm entwickelte Methode zur Beantwortung der Frage, was ein Genie ausmache. Wer ist zu den Genies zu zählen? Bisherige Theorien stießen an Grenzen, und Soziologen seien so weit gegangen, die Existenz von Genies stark zu relativieren oder gar zu negieren. So wurde behauptet, diese seien nur das, was die jeweilige Zeit aus ihnen mache. Fernau hingegen erklärt, daß das Genie etwas Dauerhaftes sei. All den vorangegangenen Überlegungen läge ein Denkfehler zugrunde: Man habe „zuerst Genies ernannt und dann ihre Stabilität untersucht“. Diese Reihenfolge sei falsch gewesen. Betrachte man die Vergangenheit, ohne sich zunächst auf Personen zu konzentrieren, so werde man „an irgendwelchen Punkten der Geschichte des geistigen Lebens unseres Volkes eine starke Wirkung ‚Unbekannter‘ feststellen“. Deren Zahl sei gering; um „Seelenbeweger und Sinneswender“ handle es sich. „Genie ist Wirkung und überhaupt nur an Hand der geschichtlichen Linie eines Volkes erkennbar… Genies werden vom eigenen Volk erlebt, von anderen Völkern nur gesichtet“. Zeitenwender seien die Genies, andere „haben uns erbaut, sie haben uns gestaltet.“ Und zu Letzteren zählt Fernau neben Otto I. und Einstein etwa auch Albrecht Dürer, Martin Luther und Johann Sebastian Bach. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Ideelle Gesamtostdeutsche“ Sahra Wagenknecht</title>
		<link>https://dereckart.at/ideelle-gesamtostdeutsche-sahra-wagenknecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Aug 2023 06:25:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Kaisers Zone (22) Sahra Wagenknecht ist das Talkshowgesicht der Linkspartei in der Bundesrepublik Deutschland. Wenn sie einen ihrer Auftritte im bundesdeutschen Fernsehen absolviert, polarisiert sie. Meist gibt es bei den Konsumenten nur die Alternativen leidenschaftliche Zustimmung oder schroffe Ablehnung. Der einstigen „Stalinistin“, die in der DDR Repressionen erdulden mußte, weil sie den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Kaisers Zone (22)</h3>



<p></p>



<p>Sahra Wagenknecht ist das Talkshowgesicht der Linkspartei in der Bundesrepublik Deutschland. Wenn sie einen ihrer Auftritte im bundesdeutschen Fernsehen absolviert, polarisiert sie. Meist gibt es bei den Konsumenten nur die Alternativen leidenschaftliche Zustimmung oder schroffe Ablehnung.</p>



<p>Der einstigen „Stalinistin“, die in der DDR Repressionen erdulden mußte, weil sie den Honecker-Kurs von links kritisierte, mit Bezugnahmen auf Ideen von Walter Ulbricht bis Peter Hacks, geht es auch in der eigenen Partei so. Ein Teil von dieser, die absolute Mehrheit, lehnt Wagenknecht ab. Zu migrationskritisch, zu wenig klimaideologisch, zu wenig parteiprogrammatisch sattelfest sei sie, zu eitel, zu egomanisch. Ein anderer Teil, eine lautstarke Minderheit, verteidigt Wagenknecht und ihre Kritik an der „Lifestyle-Linken“, die sich nur um urbane, „woke“ (d.h. politisch hyperkorrekte) Sonderthemen privilegierter akademischer Linker kümmere und die Interessen der arbeitenden Schichten vernachlässige.</p>



<p>Lange konnte der Konflikt zwischen „linkskonservativ“-materialistischer Wagenknecht-Minderheit und „progressiv“-linksliberaler Mehrheit eingedämmt werden – über eine Interessenskongruenz, die so aussieht: Die Linkspartei verfügt über 39 Mandate im Bundestag. Würden Wagenknecht und ihr gutes Dutzend Getreuer aus der Fraktion austreten, wäre man unter der Mindestanforderung von 36 Abgeordneten, die nötig sind, um in Berlin eine Fraktion – mit allen Rechten und Möglichkeiten, mit allen Geldern und Mitarbeiterstäben – unterhalten zu dürfen. Im Klartext: Geht Wagenknecht, ist die Linksfraktion Geschichte. Die Folge sind nicht nur Arbeitslosigkeit für den Stab und Einflußlosigkeit im Bundestag, sondern auch eine Fortsetzung des Zerfalls in den wenigen verbliebenen Landtagen, wo dann ähnliche Schicksale drohen. Selbst das organisierende und orientierende Zentrum der gesamten Mosaiklinken in der BRD, die millionenschwere parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung, stünde perspektivisch vor dem Aus.</p>



<p>Daß dies geschehen wird, ist im August 2023 keine Frage des „ob“, sondern nur mehr des „wann“. Wagenknecht lechzt nach den Umfragewerten, die Woche für Woche ermittelt werden. Vor allem im Osten der Bundesrepublik dürfte sie mit Erfolgen rechnen. Eine Erhebung des Magazins <em>Der Spiegel</em> ergab: 49 Prozent der Befragten zeigen sich dort offen für die Wahl der zu gründenden Wagenknecht-Partei, im Westen sind es „nur“ 24 Prozent. Nun ist eine Äußerung, man sei offen für eine bestimmte neue Kraft, noch keine Wahlentscheidung. Aber das große Potential für Sahra Wagenknecht im Osten ist real: Sie füllt Marktplätze und Säle, Autogrammjäger stehen Schlange. Schon spotten ihre innerlinken Gegner, in Anlehnung an die staatskritische Formel Karl Marx’ vom „ideellen Gesamtkapitalisten“, sie sei heute die „ideelle Gesamtostdeutsche“ (Mario Möller).</p>



<p>Abseits der Polemik: Ist da etwas dran? Das wird man bejahen müssen. Migrationskritik, soziale Gerechtigkeit, Ausgleich mit Rußland, NATO-Skepsis und Kritik an der grünen Klimareligion: Wagenknechts Themen sind solche, die im „Volk der Ostdeutschen“ (Richard Schröder) wie sonst nirgends auf Interesse stoßen. Das sind freilich zugleich jene Themen, die der AfD zwischen Vogtland und Ostsee ihre bisherige Erfolgsgeschichte bescherten. Ein Zerfall der Linkspartei durch die kommende Wagenknecht-Abspaltung bietet also nicht nur Anlaß zur Freude, sondern auch zur Vorsicht: Da wächst etwas Neues heran.</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der große Brockhaus</title>
		<link>https://dereckart.at/der-grosse-brockhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Aug 2023 22:05:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (20) Es gab Zeiten, da war „Der Brockhaus“ noch eine fast unumgängliche Institution. Die Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk deutscher Sprache und hatte seinen ersten Vorläufer in dem Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten, das Renatus Gotthelf Löbel und Christian Wilhelm Franke 1796-1808 begründeten. Das Verlagsrecht daran und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-black-color has-text-color"><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (20)</h2>



<p></p>



<p>Es gab Zeiten, da war „Der Brockhaus“ noch eine fast unumgängliche Institution. Die Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk deutscher Sprache und hatte seinen ersten Vorläufer in dem Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten, das Renatus Gotthelf Löbel und Christian Wilhelm Franke 1796-1808 begründeten. Das Verlagsrecht daran und die Vorräte desselben erwarb im Rahmen der Leipziger Buchmesse 1808 der am 4. Mai 1772 in Dortmund geborene Verleger Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Todestag jährt sich am 20. August zum 200. Mal.</p>



<p>Zunächst Teilhaber eines Dortmunder Unternehmens für den Großhandel mit englischen Manufakturwaren machte sich Brockhaus 1802 in Amsterdam selbständig. Napoleons Wirtschaftskrieg gegen England machte Brockhaus’ Betätigung als Tuchhändler zunichte und ließ ihn in den Buchhandel einsteigen. Glänzend verstand es Brockhaus, die kulturellen Aufgaben des Buches mit finanziell lohnendem Gewinn in Einklang zu bringen; Leipzig war der Ort, an dem er sein Unternehmen auszubauen vermochte.</p>



<p>Doch gegen Brockhaus, den Außenseiter, sperrte sich der in einer Zunft organisierte Buchhandel, und so siedelte er 1810 in das thüringische Altenburg über. Mit bedeutenden Werken der Romantiker stellte er seinen Belletristikverlag auf eine sichere Basis und griff von dieser aus als Gegner Napoleons durch die Deutschen Blätter (1813-1816) in den publizistischen Kampf gegen den Korsen ein. 1817 konnte sich Brockhaus in Leipzig niederlassen und widmete sich primär der Belletristik, der Wissenschaft und der Politik im Sinne eines verlegerischen Liberalismus’. Zentrum seines Schaffens war das Konversationslexikon, „Der Brockhaus“, an dessen erfolgreicher Entwicklung er auch als Redakteur entscheidenden Anteil besaß und von dem bereits zu seinen Lebzeiten fünf Auflagen erschienen.</p>



<p>Mit westfälischer Ausdauer, mit Stolz und Energie, gelegentlich auch mit dem sturen Eigensinn des Westfalen hatte sich Brockhaus in unermüdlicher Arbeit ungeachtet vieler Hindernisse, Enttäuschungen und bitterer Erfahrungen, die ihm bis in seine letzten Lebensjahre nicht erspart blieben und die an ihm zehrten, in knapp 18 Jahren in die vorderste Reihe seiner Standesgenossen gekämpft. Dabei war er auch ein Streiter gegen Nachdrucke und Zensur und nicht zuletzt ein Patriot, dem die Einigung aller Deutschen bis zu seinem Tod am 20. August 1823 am Herzen lag. </p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p></p>
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		<title>Reise ans Meer – Mit Musik und Literatur</title>
		<link>https://dereckart.at/reise-ans-meer-mit-musik-und-literatur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Aug 2023 19:04:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[von Pina Nueberg Sommerzeit! Urlaubszeit! Reisezeit! Auch ich packe meinen Koffer und mache mich auf den Weg. Richtung Süden. Richtung Meer. Wie so viele andere. Weil ich mich nicht wie ein Lemming mit den Massen auf die Reise begeben möchte, bewege ich mich antizyklisch. Vermeide den großen Urlauberwechsel, starte an einem Wochentag und beginne meine [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Pina Nueberg</em></p>



<p>Sommerzeit! Urlaubszeit! Reisezeit!</p>



<p>Auch ich packe meinen Koffer und mache mich auf den Weg. Richtung Süden. Richtung Meer. Wie so viele andere. Weil ich mich nicht wie ein Lemming mit den Massen auf die Reise begeben möchte, bewege ich mich antizyklisch. Vermeide den großen Urlauberwechsel, starte an einem Wochentag und beginne meine Ferien vor der Haustüre, indem auch die Fahrt an den Traumort am Meer, zu meinem Sehnsuchtsort, dazugehört. Ich mag es, langsam zu reisen, vermeide Flugzeug und Hochgeschwindigkeitszüge, nehme, um nach Dalmatien zu gelangen, das Automobil. Verlasse noch in Österreich die Autobahn und reise weiter über Landstraßen.</p>



<p>Als ich das erste Mal diesen Weg nahm, war Slowenien noch recht grau, heruntergekommen und düster im Vergleich zur blühenden Oststeiermark. Mittlerweile sind die Häuser heller und gepflegter, die Blumen bunter, die Straßen besser, und allerorts sprießen mitteleuropäische Supermarktketten und Drogeriemärkte wie Schwammerln aus der Erde. Und dann gelange ich, kurz nachdem ich Slowenien wieder verlasse, nach Varaždin. „Komm mit nach Varasdin!“ – Gunther Philipp und Renate Ewert, Peter Alexander und Ingeborg Hallstein haben es gesungen, auch Anneliese Rothenberger kennt man als „Gräfin Mariza“, jene Figur, die dem nach der <em>Csárdásfürstin</em> zweitgrößten Operettenerfolg von Emmerich Kálmán seinen Namen gab. Damals ungarischer Sehnsuchtsort in „rot-weiß-grün“, in dem „die Rosen blüh’n“ und man glücklich sein kann, heute eine Stadt mit fast 50.000 Einwohnern, die zum wirtschaftlich bestentwickelten Teil Nordkroatiens zählt und über eine Umfahrungsstraße verfügt, die ich, jenes Operettenlied trällernd, auch einschlage.</p>



<p>Weiter geht die Fahrt, über unwegsame Straßen, in Serpentinen bergauf, bergab. Vereinzelt sieht man Häuser mit Einschußlöchern, Ruinen – Denkmäler eines Irrsinnskrieges. Und dann: Düster erhebt es sich über einer schmalen Straße, imposant in seiner Enge, beeindruckend durch das viele Wasser: das Dorf Slunj. Seine Wasserfälle sind ein Naturschauspiel, unvergleichlich, weil der Fluß Korona (sic!) direkt im Ortszentrum in zahlreichen Kaskaden in die Tiefe fällt. Es ist der Ort, der&nbsp; dem letzten vollendeten Roman Heimito von Doderers <em>Die Wasserfälle von Slunj</em> seinen Namen gab, und der die Handlung um die Familie Clayton elegant umklammert. Weniger bekannt als die <em>Strudlhofstiege,</em> las ich diesen seitenstarken Roman im ersten Semester meines Studiums und nehme mir vor, ihn im kommenden Jahr als Ferienlektüre in meinen Koffer zu packen. Zum Wiederlesen am Meer.</p>
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		<title>Hermann Leopoldi</title>
		<link>https://dereckart.at/hermann-leopoldi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Aug 2023 17:24:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Geburtstag eines „unverbesserlichen Optimisten“ von Christoph Bathelt Niemand kennt heute mehr „Hersch Kohn“, der vor 135 Jahren am 15. August 1888 zur Welt kam.Doch selbst Nachgeborenen sind entweder dessen Lieder oder zumindest Passagen daraus wie „Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel“ bekannt. Die Rede ist von jenem Wiener [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Geburtstag eines „unverbesserlichen Optimisten“</h2>



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<p><em>von Christoph Bathelt</em></p>



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<p>Niemand kennt heute mehr „Hersch Kohn“, der vor 135 Jahren am 15. August 1888 zur Welt kam.Doch selbst Nachgeborenen sind entweder dessen Lieder oder zumindest Passagen daraus wie „Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel“ bekannt. Die Rede ist von jenem Wiener Klavierhumoristen, der als Hermann Leopoldi zu bleibendem Ruhm kam und zu einem der populärsten Vortragskünstler seiner Zeit wurde. In seinen Texten wie „Warum spielt bei den Schinkenfleckerln allerweil das Fleisch Versteckerln?“ oder „Am besten hat&#8217;s ein Fixangestellter“ konnten sich viele Zuhörer in den damaligen wirtschaftlich schweren Zeiten wiederfinden.</p>



<p>Die Musik wurde Leopoldi in die Wiege gelegt, welche ungeachtet seines Liedes I bin a Hütteldorf-Hackinger in Gaudenzdorf stand, heute ein Teil von Wien-Meidling. Sein Vater Leopold Kohn, der 1911 den Familiennamen auf seinen Künstlernamen Leopoldi änderte, war selbst Musiker und spielte zehn Instrumente. Er brachte seinen beiden Söhnen das Klavierspielen bei und vermittelte ihnen erste Engagements als Klavierbegleiter. Hermann begann als Kapellmeister und Barpianist, entwickelte sich dann aber immer mehr zum Klavierhumoristen, was ihm während des Ersten Weltkrieges bei Auftritten in Frontvarietés erste Popularität einbrachte – 1916 hatte er in diesem Zusammenhang seine Premiere im Ronacher. Leopoldis Erfolg setzte sich auch nach dem Zusammenbruch der Monarchie fort; einer ihrer Nachfolgestaaten sorgte dann auch für einen Reim aus einem seiner bekanntesten Gassenhauer Powidltatschkerl aus der schönen Tschechoslowakei.</p>



<p>1922 gründete Hermann Leopoldi schließlich zusammen mit dem Conférencier Fritz Wiesenthal das Kabarett Leopoldi-Wiesenthal, kurz „L.W.“. Viele prominente Künstler der Zeit traten hier auf: Armin Berg, Hans Moser, Szöke Szakall, Max Hansen, Fritz Grünbaum, Karl Valentin und sogar der spätere Burgschauspieler Raoul Aslan. Da jedoch keiner der Beteiligten über betriebswirtschaftliche Erfahrung verfügte, mußten sie bereits drei Jahre später wieder schließen und konzentrierten sich auf Gastauftritte in Berlin, Paris, Budapest, Bukarest, Prag und Karlsbad, erschienen jedoch hauptsächlich auf Wiener Bühnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mit dem Anschluß im März 1938 wurde für den Juden Leopoldi die Lage über Nacht lebensgefährlich.</h3>



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<p>In einem überfüllten Flüchtlingszug wollte er zu einem Auftritt nach Brünn; die Einreise scheiterte jedoch an der Entscheidung des tschechoslowakischen Präsidenten Beneš, die Grenzen für Flüchtlinge zu schließen. In Wien wurde Leopoldi sogleich von der Polizei zu einer „Auskunft“ abgeholt und ins Gestapogefängnis Karajangasse verbracht, danach ins Lager Dachau. Dort traf er auf seine Künstlerkollegen Fritz Grünbaum, Paul Morgan und Fritz Löhner-Beda und wurde bald darauf weiter nach Buchenwald verschleppt.</p>



<p>Zum Glück erhielt Leopoldi dank seiner ersten Ehefrau Eugenie ein „Affidavit“ für die Ausreise in die USA – er wurde praktisch „freigekauft“. Beim Eintreffen in New York küßte er vor lauter Erleichterung den Boden; eine Aufnahme davon ging um die Welt. Mit Schnucki, ach Schnucki! Fahr&#8216; ma nach Kentucky und Da wär&#8217;s halt gut, wenn man Englisch könnt scherzte er über die anfänglichen Schwierigkeiten mit der neuen Sprache, wurde aber mit Übersetzungen beliebter Lieder auch im neuen Umfeld schnell bekannt. Dabei half ihm die in Wien geborene, aber in Chicago aufgewachsene Helly Möslein, die später seine Lebensgefährtin wurde. I Am a Quiet Drinker oder A Little Café Down the Street wurden so auch in Übersee zu „Hits“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rückkehr und begeisterter Empfang im Nachkriegswien</h3>



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<p>Als 1947 die Einladung von Unterrichtsminister Hurdes und dem Wiener Kulturstadtrat Matejka an die Exilanten erfolgte, wieder zurückzukehren, folgten Leopoldi und Möslein gerne diesem Ruf und wurden in Wien begeistert empfangen. Beim ersten Auftritt im Konzerthaus war der Heimkehrer zu Tränen gerührt. Das Publikum riß sich um die beiden, es folgten Tourneen durch ganz Österreich, die Bundesrepublik Deutschland, die Schweiz und sogar Schweden, wo sie für die notleidenden Wiener Kinder Geld sammelten. 1955 wurde der gemeinsame Sohn Ronald geboren.</p>



<p>Viel zu früh allerdings forderte das anstrengende Leben seinen Tribut: Am 28. Juni 1959 verstarb Hermann Leopoldi an den Folgen eines Herzinfarktes. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 15C, Reihe 2, Nr. 18).</p>
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		<title>20. Todestag von „Boß“ Helmut Rahn</title>
		<link>https://dereckart.at/20-todestag-von-boss-helmut-rahn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Aug 2023 09:41:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (22) „Aus dem Hintergrund müßte Rahn schießen, Rahn schießt – Tor, Tor, Tor, Tor!“. Für immer werden mit dem Namen Helmut Rahn diese legendären Worte des Sportreporters Herbert Zimmermann vom WM-Finale in Bern am 4. Juli 1954 verbunden bleiben. Rahn, dessen Todestag sich nun zum 20. Mal jährt, schoß damals [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-black-color has-text-color"><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (22)</h2>



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<p>„Aus dem Hintergrund müßte Rahn schießen, Rahn schießt – Tor, Tor, Tor, Tor!“. Für immer werden mit dem Namen Helmut Rahn diese legendären Worte des Sportreporters Herbert Zimmermann vom WM-Finale in Bern am 4. Juli 1954 verbunden bleiben. Rahn, dessen Todestag sich nun zum 20. Mal jährt, schoß damals mit seinem Treffer die junge Bundesrepublik Deutschland zum 3:2-Sieg über das hochfavorisierte Ungarn.</p>



<p>Als Kind einer Bergmannsfamilie hatte der am 16. August 1929 geborene Helmut – wegen seiner Führungsqualitäten auf dem Platz auch „der Boß“ genannt – im Grunde nur zwei Optionen: Steiger oder Fußballspieler, Bergwerk oder Bolzplatz. Er entschied sich für den Bolzplatz und spielte nach einer ersten Phase für den SV Altenessen in der Not der Nachkriegszeit für den SC Oelde (1946-1950). Dadurch erlangte Rahn für sich wie für seine Eltern Lebensmittel.</p>



<p>Oeldes Urgestein Albert Uthoff nannte Helmut Rahn in einem Interview einen „wunderbaren Menschen“, der sich jedoch außerhalb des Fußballplatzes nicht gerade um Arbeit gerissen habe: „Der stand immer inne Stadt und war Eis am Lutschen! Arbeiten hatte der keine Laune dran!“ Für die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders war dies eher untypisch, und auch später wurde Rahn sehr oft als Kumpeltyp beschrieben, der es zwar mit der Disziplin außerhalb nicht sonderlich genau genommen, dafür aber auf dem Spielfeld stets sein Bestes gegeben habe. Der ebenfalls legendäre Fritz Walter, der sich während der WM 1954 mit Rahn ein Zimmer teilte, drückte es so aus: Rahn sei ein „kraftstrotzender und selbstbewußter Boß mit einem unerschöpflichen Vorrat an Übermut und Blödsinn“.</p>



<p>Im Jahr 1953 mit Rot-Weiß Essen Deutscher Fußballmeister geworden erlebte „der Boß“ als einer der „Helden von Bern“ – also als Mitglied der deutschen Weltmeistermannschaft von 1954 – seine größte Stunde als Fußballer. Dabei hätte er nach einem unerlaubten nächtlichen Ausflug aus dem WM-Quartier in Spiez eigentlich von Bundestrainer Sepp Herberger heimgeschickt werden müssen, doch der sonst so strenge Chef konnte nicht auf Rahn verzichten. Der dankte es ihm mit wichtigen Toren.</p>



<p>1961 wegen wiederholter Trunkenheit am Steuer zu vierwöchiger Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt beendete Rahn 1964 seine Karriere und lebte danach zurückgezogen in Essen-Frohnhausen. Am 14. August 2003 endete sein bewegtes Leben.</p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



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		<title>„Wenn Gott nicht die Welt erschaffen hätte, ein Deutscher hätte es getan!“</title>
		<link>https://dereckart.at/wenn-gott-nicht-die-welt-erschaffen-haette-ein-deutscher-haette-es-getan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Aug 2023 12:45:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heftschwerpunkte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Tobias Mindner Atlas und Augenspiegel, Buchdruck und Brennstoffzelle, Dynamit und Dampfmaschine, Elektron und Ecstasy, Farbfilm und Fernsprecher, Gummi und Gesprächstherapie, Hybridantrieb und Humanismus, ISDN-Netz und Insulin, Jugendstil und Jenaglas: So geht es mit deutschen Erfindungen und Entdeckungen durch das ABC. Am anderen Ende: Volkslied, Wasserkunst, Xenon-Licht, Y-Achse und Zahnbürste. Und dazwischen abertausende weitere grandiose [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Tobias Mindner</em></p>



<p>Atlas und Augenspiegel, Buchdruck und Brennstoffzelle, Dynamit und Dampfmaschine, Elektron und Ecstasy, Farbfilm und Fernsprecher, Gummi und Gesprächstherapie, Hybridantrieb und Humanismus, ISDN-Netz und Insulin, Jugendstil und Jenaglas: So geht es mit deutschen Erfindungen und Entdeckungen durch das ABC. Am anderen Ende: Volkslied, Wasserkunst, Xenon-Licht, Y-Achse und Zahnbürste. Und dazwischen abertausende weitere grandiose Dinge, Gedankengebäude und Entdeckungen. Heute Alltägliches wie Radio und Fax, Fernseher und Waschmaschine, Mineralwasser, Lautsprecher, Kinderspielzeug, E-Buch. Praktisches wie Taschenuhr, -lampe und -rechner, Straßenbahn und Seilbahn, Spielfilm und Schullandheim. Fahrzeuge und Flugzeuge aller Art, die besten Panzer und U-Boote. Die meisten Gegenstände, ob groß (wie Luftschiff oder Schiffsschraube) oder klein (wie Reißzwecke und Funktelefon), ob entbehrlich (Comic) oder unentbehrlich (Computer), ob beliebt (MP3-Spieler) oder umstritten (digitales Mautsystem) stammen aus dem deutschen Sprachraum. Ja, auch Kernenergie und Atombombe sind hochenergetische Gedankenblitze deutscher Forscher, wenngleich vielleicht etwas schaurig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von den ersten 42 Nobelpreisen gingen 17 in den deutschen Sprachraum, acht in den französischen und sieben in den angelsächsischen.</h3>



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<p>Wirklich wahr: Kolossal viele technische Erfindungen der Neuzeit sind heimischen Ursprungs. Daneben haben fast alle modernen Wissenschaften ihre Wiege im deutschen Sprachraum, und bedeutende Musiker, Philosophen und Mathematiker aus D-A-CH haben der Welt viel mehr gegeben, als es nach unserer Bevölkerungszahl zu erwarten wäre. „Das deutsche Jahrhundert“ nennen manche Globalstrategen und Historiker zugespitzt die Zeit zwischen 1850 und 1945. Die deutschen Staaten, namentlich später das deutsche Kaiserreich in der Mitte Europas: kulturell und sozial fortschrittlich, wirtschaftlich überlegen, wissenschaftlich konkurrenzlos. Von den ersten 42 Nobelpreisen gingen 17 in den deutschen Sprachraum, acht in den französischen und sieben in den angelsächsischen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In Bewegung durch deutsche Erfindungen</h3>



<p></p>



<p>Schauen wir nur auf alles, was sich bewegt, gestern wie heute. An Land, im Wasser oder in der Luft. Bahn, Auto, Rad, Bus und LKW, Hubschrauber, Raketen und Magnetschwebebahnen. Fallschirme. Schleudersitze. Katapultstartsysteme. Skier, Matten für Sprungschanzen und Rhönräder. Schraubstollen für Fußballer oder Zehenschuhe. Bei jedem dieser Hauptworte gibt es ungezählte Nebengeschichten und Details.</p>



<p>Denn allein das Fahrrad besteht aus unzähligen Komponenten, die alle erst erdacht, gebaut, getestet und weiterentwickelt werden mußten und bisweilen auch wieder verworfen wurden. Nach dem schlichten Holzrad des Freiherrn von Drais – daher Draisine – kamen die Pedale, die dem Ding den richtigen Schwung gaben. Dann mit dem Schwung die nötige Freilaufnabe von Fichtel und Sachs, dann zur Erhöhung der Geschwindigkeit und Verbesserung des Komforts die verschiedenen Gangschaltungen. Erst einer, dann zwei, dann drei, heute 18 Gänge. Wahlweise in der Nabe, an Kettenblättern oder im Tretlager. Oder kombiniert. Und zum Verlangsamen oder Anhalten? Scheibenbremsen!</p>



<p>Später die angetriebenen Räder, heute Pedelecs oder E-Bikes genannt: auch sie zwischen Ostsee und Alpen – gerade da! – erfunden und stetig weiterentwickelt. Meistens liegt so etwas weiter zurück, als man vermutet. Spätestens ab 1900 hat es Räder mit Hilfsantrieb gegeben, mal elektrisch, mal mit Verbrenner. Beispielsweise produzierte DKW in Zschopau von 1919 bis 1921 ein 1-PS-starkes Maschinchen zum Nachrüsten gewöhnlicher Räder, daselbst auf dem Gepäckträger; für die leichteren und vor allem wartungsärmeren Elektromotoren fehlte es allerdings noch jahrzehntelang an starken Batterien. Gleichwohl bequemes Radeln auch so geschehen kann: Man fährt mit Bahn oder Bus den Berg hinauf und hat das muskelgetriebene Leichtrad zusammengeklappt dabei: Das kleinste Fahrrad der Welt ist ebenfalls eine deutsche Erfindung, trotz seines faden Allerweltsnamens „Handybike“: Es wiegt nur 7,7 kg und paßt in eine größere Sporttasche. Oder ins Flugzeughandgepäck. Daß Fahrräder ebenso wie Autos stets mit vernünftigem und hellem Licht die Straße vor sich ausleuchten können – besonders dann, wenn es am dringendsten ist, nämlich bei Nässe und auf schlechten Wegen – haben sie Wilfried Schmidt zu verdanken. Der hat nämlich in den 90er-Jahren brauchbare Nabendynamos entwickelt, wie sie heute in fast allen (Vorder-)Rädern stecken. Ein erstes Patent für die Idee an sich gab es schon 1913. Und zwar für den Oberbayern Alois Sanladerer und dessen Pläne für den Stromerzeuger in der Achse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom „Geist aus der Flasche“ zur Taschenlampe</h3>



<p></p>



<p>Apropos Laden, Strom und die schon angesprochenen Batterien – ihrerseits erneut ein Unterkapitel wert für diejenigen, welche sich ein wenig für Chemie und Physik begeistern können. Ewald Jürgen Georg von Kleist, Jurist und Naturwissenschaftler aus dem preußischen Cammin, stellte am 11. Oktober 1745 seine „Kleistsche Flasche“ der Öffentlichkeit vor – und sie war der erste künstliche Kondensator der Welt. Daß ein mit Metallfolie verkleidetes Glas viel Energie speichern kann, hatte von Kleist gemerkt, als er nach dem Elektrisieren einen Nagel aus der Alkoholfüllung zog: Er bekam just einen mächtigen Schlag, den später so genannten „Kleistschen Stoß“. Von seinem heutigen Gebrauch – dem Speichern und Puffern von genügend Energie – war dieser Stromsammler noch weit entfernt, ebenso als Quelle zielgerichteter elektrischer Versuche. Man nutzte den heimtückischen „Geist aus der Flasche“ zur Volksbelustigung und ergötzte sich an hilflos zuckenden Gliedmaßen. Heute noch bekannt ist das Gefäß als „Leidener Flasche“, da es ein Jahr später unabhängig von Kleist im holländischen Leiden als neue Erfindung vorgestellt wurde.</p>



<p>Um Energie sinnvoll zu speichern, ist das Gerät nicht geeignet. Strom in Flaschen war also nicht an der Tagesordnung, dafür aber Strom in Säulen – ausgehend von Alessandro Volta, der die nach ihm benannte Voltasche Säule baute. Der italienische Edelmann darf somit als grundlegender Erfinder der Batterie der Neuzeit gelten. Keine zehn Jahre später – 1802 – entwickelte der Schlesier Johann Wilhelm Ritter dessen Türmchen aus Münzen unterschiedlichen Metalls samt Kochsalzlösung oder Schwefelsäure weiter zum ersten Akkumulator, also der ersten wiederaufladbaren Batterie. Techniker sprechen hier von Primär- und Sekundärzellen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="761" height="900" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/7-jpg.webp" alt="" class="wp-image-10200" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/7-jpg.webp 761w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/7-254x300.webp 254w" sizes="(max-width: 761px) 100vw, 761px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Schlesier Johann Wilhelm Ritter, den Goethe als „Wissenshimmel auf Erden“ bezeichnete, entdeckte die UV-Strahlung und erfand die erste wiederaufladbare Batterie. (Bild: Wikimedia Commons)</figcaption></figure>



<p>Der Akku-Ritter, von Haus aus übrigens Pharmazeut, sollte auch aus weiteren Gründen als Vorglüher der Elektrochemie gelten. Er formulierte Monate vor Volta und auch korrekter als dieser das Spannungsgesetz. Außerdem erforschte er die Elektrolyse von Wasser und entdeckte den Galvanisationsprozeß. Ritter nutzte dabei die gleichen Versuchsobjekte zum Galvanisieren wie vorher schon bei seiner Erforschung der Voltaschen Säule, als er herausfinden wollte, was es mit dem positiven und dem negativen Pol auf sich habe: seine Finger, seine Zunge, und seine Augen! „Kind, Batterien darf man nicht anlecken!“ – den Satz sagt heute vielleicht manche Mutter, Mutter Ritter indes wußte noch nichts davon. Prompt fand ihr Sohn heraus, welcher Pol salzig und welcher säuerlich schmeckt und welcher rote oder blaue Blitze verursacht.</p>



<p>Grundlegende Beiträge zur Elektrochemie lieferte auch Theodor Grotthuß und zwar, ohne an Polen zu lecken. Der Deutsch-Litauer war schon als kleiner Junge an der Universität Leipzig eingeschrieben. Als junger Mann lieferte er um 1806 die Erklärung für die Vorgänge zwischen den Elektroden als wechselseitige Oxidation und Reduktion und legte damit der Elektrolyse den theoretischen Unterbau. Sowohl Ritter als auch Grotthuß starben jung, mit 33 bzw. 37 Jahren; letzterer nicht durch an Gliedmaßen angelegte Spannung, sondern an sich selbst gelegte Hand. Der Klever Arzt Josef Sinsteden wurde dafür 88 Jahre alt – und das, obwohl er lange Zeit mit Blei experimentierte. Er gilt als der Erfinder der Bleiakkus, wie sie noch heute in den meisten Autos zu finden sind. Der Mainzer Augen- und Ohrenarzt Carl Gassner wiederum entwickelte eine Trockenbatterie, die man prinzipiell noch heute als Allzweckbatterie kaufen kann. Deren Vorgänger waren samt und sonders zu schwer und kurzlebig, denn sie trockneten rasch aus. Gassner benutzte einen Behälter aus Zink – im Grunde genommen das von Robert Bunsen 1841 erfundene Zink-Kohle-Element – und versiegelte ihn. Das Ganze ließ er sich 1886 in Deutschland und 1887 in den USA patentieren. Berühmt wurde diese Zelle als Energielieferant für Türklingeln. Noch ein wenig kleiner und damit handlicher wollte es Paul Schmidt aus Köthen haben. Seine Flachbatterie bekam ihren Anti-Austrocknungseffekt durch die Zugabe von Mehl zur Elektrolytsäure: Das soll sich der Erfinder von seiner Frau beim Backen abgeschaut haben. Da Schmidt auch ein Glühlämpchen aus eigener Fertigung vorzuweisen hatte, lag die Erfindung der elektrischen Taschenlampe auf der Hand. Als Besitzer des Daimon-Werkes erhielt Schmidt eben darauf das Patent. Gebaut haben soll er die Leuchte 1896 – und damit vor dem Engländer David Misell, der dies für das Jahr 1899 für sich in Anspruch nahm. Paul Schmidt besaß am Ende seines Lebens rund 50 Patente.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die deutsche Sprache als Schlüssel</h3>



<p></p>



<p>Nun sind wir etwas abgeschweift, Pardon. Und das nur beim winzigen Unter-Unterthema Stromspeicher. Dabei wollte ich noch etwas erzählen über Astronomie und Philosophie und Baukunst, Musik, Haushaltsgeräte, die höchste Kulturdichte weltweit, die meisten und den exotischsten Käse aus Würchwitz, warum die Welt sich um Sachsen dreht und die heutige Noch-Leitwährung aus Böhmen stammt – Dollar gleich Taler gleich Joachimsthaler. Was das alles mit Pechblende zu tun hat und warum Amerika uns nicht nur Namen und Geld, sondern auch alles andere zu verdanken hat. Wie Jeans, Raumfahrt und Hollywood, Bühnenbau und Tonfilm, Kameratechniken und Beleuchtung, Oberschurken vor der Kamera und Helden dahinter, den Superman und so ziemlich jedes sinnvolle Patent. Und warum die erste Atombombe wohl in Deutschland getestet wurde und die ersten amerikanischen wie russischen Kernwaffen und -antriebe ohne einheimische Tüftler, Techniker und Denker nie zustande gekommen wären. Und nicht ohne deutsches Uran.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><img decoding="async" width="1024" height="681" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-gross-1024x681.webp" alt="" class="wp-image-10201" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-gross-1024x681.webp 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-gross-300x200.webp 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-gross-768x511.webp 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-gross-jpg.webp 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der „Reitwagen“, das weltweit erste mit Verbrennungsmotor angetriebene Motorrad;<br>1885 von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach konstruiert (Bild: Wikimedia Commons, Wladyslaw)</figcaption></figure>



<p>Selbst das erste amerikanische Auto von 1891, der sogenannte „Nadig Road Wagon“, stammte von dem aus Odernheim ausgewanderten Heinrich Nadig. Den Rest zum Thema Auto dürften Sie kennen: Benz, Daimler, Otto, Wankel und Bosch. Wobei Gottlieb Daimler zugleich das erste Motorrad der Welt schuf. Das alles war so um 1880. Aber noch mal 20 Jahre früher tuckerte bereits ein Mecklenburger namens Siegfried Marcus mit einem selbst zusammengezimmerten Wägelchen mit Ein-Pferdestärken-Benzinmotor durch eine der drei größten damaligen deutschsprachigen Städte der Welt: Wien. Die beiden anderen übrigens: Berlin und New York. Und im damaligen wie heutigen Auto wiederum stecken ja tausend weitere Erfindungen, von denen 950 zwischen Königsberg, Breslau, Preßburg, Zürich, Straßburg und nicht zuletzt Mitteldeutschland gemacht wurden. Vom mittelalterlichen Krummzapfen im erzgebirgischen Bergbau, Vorläufer der Pleuelstange, über alle Antriebs- und Kraftstoffarten wie Dampf, Strom, Dieselöl und Benzin zu ABS und LED. Und so weiter und so fort.</p>



<p>Ich muß es jetzt sehr kurz auf den Punkt bringen. Warum wir so geistreich, tüchtig und schöpferisch sind? Genau deswegen: Weil wir es schnell auf den Punkt bringen können! Die deutsche Sprache ist präzise, exakt, geschmeidig, ausdrucksstark und beschreibend, elastisch und formschön, allseits unendlich offen und zu allem gut. Deutsch ist die Sprache Gottes, und wenn Gott nicht die Welt erschaffen hätte, ein Deutscher hätte es getan. Dann würde allerdings nicht nur das genaue Schöpfungsdatum feststehen, so wie es uns der anglikanische Bischof James Usher im 17. Jahrhundert übermittelt hat: 23. Oktober im Jahr 4004 vor Christus. Sondern auch die genaue Uhrzeit. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-1024x961.webp" alt="" class="wp-image-10202" width="368" height="345" srcset="https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-1024x961.webp 1024w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-300x282.webp 300w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-768x721.webp 768w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-1536x1441.webp 1536w, https://dereckart.at/wp-content/uploads/2023/07/8-klein-bei-Ueber-den-Autor-falls-Platz-jpg.webp 2046w" sizes="(max-width: 368px) 100vw, 368px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Über den Autor:<br>Der Weimarer Tobias Mindner, geb. 1971, studierter Journalist und Psychologe, war mehrere Jahre lang Vorstandsmitglied und Pressesprecher des Vereins Deutsche Sprache und ist Betreiber der Aktion Wortpatenschaft. Er arbeitet als Publizist, Künstler, Erfinder und Entwickler.</em></figcaption></figure>



<p></p>
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