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	<title>artikel &#8211; Der Eckart</title>
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		<title>Die Sudetenkrise 1938 – unkonventionelle Betrachtungen</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2026 10:15:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Bis heute ist es die offizielle, ja geradezu kanonische Sichtweise, die Sudetenkri... Sie sind nicht berechtigt, diese Seite anzusehen. Nutzername Passwort Zugangsdaten merken &#160; &#160; Passwort vergessen]]></description>
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		<title>Prags Weltuntergang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 23:09:00 +0000</pubDate>
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		<title>Siegfried Steger</title>
		<link>https://dereckart.at/siegfried-steger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 22:59:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Volkstum]]></category>
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					<description><![CDATA[1939-2026 Mit Siegfried Steger ist einer der letzten Zeitzeugen des Südtiroler Freiheitskampfes von dieser Welt geschieden. Am 21. Februar 2026 starb der Freiheitskämpfer aus Mühlen in Taufers mit 87 Jahren im Exil in Nordtirol. Fern jener Heimat, deren Freiheit ihm mehr bedeutet hatte als sein Leben. Steger gehörte zu den vier „Puschtra Buibm“, einer Gruppe [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">1939-2026</h2>



<p>Mit Siegfried Steger ist einer der letzten Zeitzeugen des Südtiroler Freiheitskampfes von dieser Welt geschieden. Am 21. Februar 2026 starb der Freiheitskämpfer aus Mühlen in Taufers mit 87 Jahren im Exil in Nordtirol. Fern jener Heimat, deren Freiheit ihm mehr bedeutet hatte als sein Leben.</p>



<p>Steger gehörte zu den vier „Puschtra Buibm“, einer Gruppe junger Südtiroler, die sich in den 1960er-Jahren gegen die Unterdrückungspolitik des italienischen Staates erhob. Durch Faschismus, Option und radikale Italianisierung waren Identität, Sprache und Volkstum der Deutschen und der Ladiner in Südtirol bedroht. Gemeinsam mit Sepp Forer, Heinrich Oberleiter und Heinrich Oberlechner wurde Steger zum Symbol des Widerstandes. Aus Heimatliebe und Verantwortung. Der Preis war hoch: Verfolgung, Verurteilung und lebenslanges Exil. Jahrzehntelang durfte er seine Heimat nicht mehr betreten. Selbst der Abschied von den Eltern blieb ihm verwehrt. Daß er nicht einmal dem Begräbnis seiner Mutter beiwohnen durfte, zeigt, wie wenig Italien bis heute bereit ist, dieses Unrecht aufzuarbeiten. Siegfried Steger trug das Exil ohne Bitterkeit, blieb aber stets aktiv. Für ihn war Selbstbestimmung keine Parole, sondern Überzeugung. Begnadigung lehnte er stets ab, weil „Freiheit nicht durch Gnade ersetzt werden kann“. Daß Südtirol heute Autonomierechte hat und im Wohlstand lebt, ist kein Geschenk Roms! Diese Rechte wurden politisch hart erkämpft, vor allem auch durch den Mut solcher Männer und Frauen, die große persönliche Opfer für ihr Volk brachten.</p>



<p>Mit Siegfried Steger ist der letzte der „Puschtra Buibm“ heimgegangen. Über tausend Schützen, Marketenderinnen und hunderte Landsleute begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Dies war weit mehr als eine Beerdigung. Es war ein bewegendes Bekenntnis zu Tirol, zu Opferbereitschaft und Heimatliebe. Siegfried Steger hat für Tirol gelebt und für Tirol gelitten. Sein Vermächtnis bleibt: Die Freiheit eines Volkes ist niemals selbstverständlich. Sie muß stets verteidigt werden.</p>



<p><em>Gudrun Kofler</em></p>



<p></p>
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		<title>Die Märzgefallenen des Sudetenlandes</title>
		<link>https://dereckart.at/die-maerzgefallenen-des-sudetenlandes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 11:43:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Alain Felkel Der 18. Oktober 1918 wurde für Österreich-Ungarn zur Zeitenwende. An jenem Tag proklamierte der mährische Exilpolitiker Tomáš Garrigue Masaryk in Washington die Gründung der Republik Tschechoslowakei. Die USA, Großbritannien und Frankreich erkannten den neuen Staat sofort an. Am 28. Oktober 1918 akzeptierte die Donaumonarchie die Bedingungen von US-Präsident Wilson für einen Waffenstillstand, [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Alain Felkel</em></p>



<p></p>



<p>Der 18. Oktober 1918 wurde für Österreich-Ungarn zur Zeitenwende. An jenem Tag proklamierte der mährische Exilpolitiker Tomáš Garrigue Masaryk in Washington die Gründung der Republik Tschechoslowakei. Die USA, Großbritannien und Frankreich erkannten den neuen Staat sofort an. Am 28. Oktober 1918 akzeptierte die Donaumonarchie die Bedingungen von US-Präsident Wilson für einen Waffenstillstand, indem sie der Abtrennung der böhmischen Kronlande zustimmte. Wenig später dankte Kaiser Karl I. von Habsburg ab.<br>Der Zusammenbruch des Habsburgerreiches war ein enormer Schock für seine deutschsprachigen Untertanen. Gemildert wurde die Katastrophe nur dadurch, daß sich plötzlich den deutschsprachigen Gebieten Böhmens und Mährens die Möglichkeit bot, sich der entstehenden Republik Deutsch­österreich anzuschließen. Schließlich hatte US-Präsident Wilson das Recht der Völker auf Selbstbestimmung ausgerufen. In Reichenberg bildete sich daher eine provisorische Landesversammlung, welche jedoch vergeblich die Selbstbestimmung Deutsch-Böhmens forderte. Ende Oktober 1918 annektierten tschechoslowakische Truppen in krasser Mißachtung des Völkerrechtes die böhmisch-mährischen Kronlande. Dadurch gerieten plötzlich 3,5 Millionen Sudetendeutsche unter das Joch der Tschechoslowakei.<br>Die politischen Führer der Sudetendeutschen waren nicht gewillt, sich dies gefallen zu lassen. Sie reisten Anfang November 1918 nach Prag, um den Konflikt diplomatisch zu lösen. Die Mission scheiterte krachend. Der tschechoslowakische Finanzminister Alois Rasin wies die Emissäre mit den Worten „Mit Rebellen verhandeln wir nicht“ rüde ab und verweigerte der sudetendeutschen Minderheit somit jegliches Selbstbestimmungsrecht. Appelle an die Alliierten verhallten ebenfalls ungehört, da ihnen Masaryk die Sudetendeutschen als unbedeutende ethnische Minderheit darzustellen wußte.<br>Nun griffen die sudetendeutschen Führer zu Mitteln des passiven Widerstandes. Der Konservative Dr. Rudolf Lodgman von Auen und der deutsche Sozialdemokrat Dr. Josef Seliger riefen die deutschsprachige Bevölkerung der böhmischen Kronlande zum Generalstreik und zu Demonstrationen gegen die tschechoslowakische Regierung auf. Als Zeitpunkt der Demonstrationen wurde der 4. März 1919 auserkoren, ein Datum mit hohem Symbolwert. An jenem Tag trat in Wien das österreichische Parlament zusammen, dessen Wahl den Sudetendeutschen verwehrt geblieben war.</p>



<h3 class="wp-block-heading">4 .März 1919: Über fünfzig erschossene sudetendeutsche Demonstranten für das versprochene Selbstbestimmungsrecht der Völker</h3>



<p></p>



<p>In Teplitz-Schönau hielt Josef Seliger eine Rede. In ihr forderte er das Selbstbestimmungsrecht für die Sudetendeutschen und den Anschluß des Sudetengebietes an Deutsch-Österreich, wobei es zu keinerlei ernsthaften Zwischenfällen kam. Anderswo war den sudetendeutschen Demonstranten weniger Glück beschieden. In Karlsbad, Sternberg, Mies, Arnau, Eger und Aussig schossen tschechische Soldaten nach gegenseitigen verbalen Provokationen dutzende Demonstranten nieder und töteten 29 von ihnen. Am schlimmsten erging es jedoch den Protestierenden in Kaaden in Westböhmen. Nachdem Tausende sich auf dem örtlichen Marktplatz versammelt hatten und eine handfeste Prügelei um das Hissen der tschechoslowakischen Flagge vor dem Rathaus entbrannt war, schossen die Regierungssoldaten mit Maschinengewehren und Karabinern hemmungslos in die Menschenmenge. Das Resultat war verheerend: 25 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Insgesamt wurden an jenem Tag im Sudetenland 54 Demonstranten getötet und etwa 130 verwundet.<br>Vergebens drangen die Sudetendeutschen bei der tschechoslowakischen Regierung auf restlose Aufklärung. Die Tschechoslowaken betrieben systematisch eine klassische Täter-Opfer-Umkehr. Die an den Gemetzeln beteiligten Soldaten behaupteten, von den Sudetendeutschen durch tätliche Angriffe zu den tödlichen Salven provoziert worden zu sein. Darüber hinaus verzögerten die Strafbehörden die Untersuchungen zu den Geschehnissen des 4. Märzes so lange, bis die tschechoslowakische Armee die beteiligten Soldaten in andere Landstriche versetzt hatte und wichtige Untersuchungsunterlagen spurlos verschwunden waren.<br>Derartige juristische Taschenspielertricks machten den 4. März 1919 nicht ungeschehen. Das Blutbad zeugte im Sudetenland einen identitätsstiftenden Märtyrerkult um die Toten des 4. Märzes 1919, auch Märzgefallene“ genannt. Darüber hinaus wurde es zum Auftakt einer verhängnisvollen Gewaltspirale. Diese führte zum Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich 1938 und endete 1946 nach zahlreichen weiteren Massakern an den Sudetendeutschen mit ihrer Vertreibung aus der Heimat. </p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Beneš-Dekrete Nr. 5</title>
		<link>https://dereckart.at/benes-dekrete-nr-5/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 07:32:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (72) Am 28. März 1946 billigte die provisorische tschechoslowakische Nationalversammlung die 1940-45 erlassenen 143 Beneš-Dekrete – und damit auch das fünfte Dekret dieser unsäglichen Reihe: das vom 19. Juni 1945. Auf ihm basierte scheinjuristisch die vor nunmehr achtzig Jahren begonnene Heimatvertreibung der Sudetendeutschen, von denen viele im damals in der [&#8230;]]]></description>
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<p></p>



<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (72)</h2>



<p>Am 28. März 1946 billigte die provisorische tschechoslowakische Nationalversammlung die 1940-45 erlassenen 143 Beneš-Dekrete – und damit auch das fünfte Dekret dieser unsäglichen Reihe: das vom 19. Juni 1945. Auf ihm basierte scheinjuristisch die vor nunmehr achtzig Jahren begonnene Heimatvertreibung der Sudetendeutschen, von denen viele im damals in der US-Besatzungszone liegenden Bayern eine neue Bleibe fanden.</p>



<p>Edvard Beneš, Präsident der Tschechoslowakischen Republik, hatte in jenem Dekret „über die Ungültigkeit einiger vermögensrechtlicher Handlungen aus der Zeit der Unfreiheit […]“ massive vermögensrechtliche Einschränkungen für Deutsche und Ungarn, angeblich „staatlich unzuverlässige Personen“, verfügt. Eine Folge dessen war die organisierte Deportation von über drei Millionen Sudetendeutschen aus ihren jahrhundertealten Siedlungsgebieten, die jetzt von der Tschechoslowakei beansprucht wurden.</p>



<p>Am 25. Januar 1946 traf im bayerischen Grenzbahnhof Furth im Wald der erste der Züge mit Sudetendeutschen ein, die diese beklagenswerten Menschen abschoben. Die erste „Fuhre“ brachte 1.205 Sudetendeutsche aus Budweis fort, wobei der Zug 40 Waggons umfaßte. Nur 40 Kilogramm Gepäck durften die oft schlechter als Vieh traktierten Vertriebenen aus ihren Häusern mit auf die Reise ins Ungewisse nehmen – und hatten dafür nicht einmal 60 Minuten Zeit. In aller Regel verkündete ihnen ein Tscheche ihr Los, und dann mußten sie von jetzt auf gleich ihr altes Daheim aufgeben. Bei Beginn dieser Austreibung waren aber bereits 800.000 Deutsche Opfer der „wilden Vertreibungen“ geworden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern.“&#8230;</h3>



<p></p>



<p>Um den von der Tschechoslowakei per Zug aus der Heimat geschafften Sudetendeutschen einen Namen zu geben und so das dahinter stehende grausame Schicksal persönlich zu machen, bereitet das Sudetendeutsche Museum in der ersten Hälfte dieses Jahres die Möglichkeit vor, in den Digitalisaten der in Tschechien überlieferten ca. 1.000 Transportlisten der Vertreibung von 1946 zu recherchieren. Diese Listen beziehen sich auf 55 Prozent aller Transporte. Ab August 2026 sollen die Digitalisate im Sudetendeutschen Museum in München in einer Medienstation einzusehen sein.</p>



<p>Erinnern wir die heutige SPD angesichts dessen an ihren auch von Willy Brandt – ehe er die Oder-Neiße-Linie anerkannte – getragenen Aufruf von 1963, in dem es heißt: „Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern.“ Noch bekannt?</p>



<p></p>



<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Adieu, meine lieben Eltern!</title>
		<link>https://dereckart.at/adieu-meine-lieben-eltern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2026 13:31:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erich Körner Lakatos Kinderbriefe aus den Winterferien Aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters Lajos Lakatos Gambsjäger. Die Zeiten mögen so schlecht sein, wie sie wollen, aber eines ist ganz gewiß: daß es noch nie so gute Eltern gegeben hat wie jetzt. Natürlich: Auch die früheren Eltern waren gut, denn das sind Eltern, bis auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Erich Körner Lakatos</em></p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kinderbriefe aus den Winterferien</h2>



<p></p>



<p><em>Aus dem Nachlaß meines seligen Großvaters Lajos Lakatos Gambsjäger.</em></p>



<p>Die Zeiten mögen so schlecht sein, wie sie wollen, aber eines ist ganz gewiß: daß es noch nie so gute Eltern gegeben hat wie jetzt. Natürlich: Auch die früheren Eltern waren gut, denn das sind Eltern, bis auf Ausnahmsfälle, immer gewesen, seitdem es Kinder gibt. Aber ihre Güte trat damals gewöhnlich in der Maske der Strenge auf, betätigte sich hauptsächlich im Erziehen, Ermahnen, Belehren, im Anhalten zum Überlieferten, Nützlichen und Notwendigen.</p>



<p>Die heutige Elterngüte sieht ganz anders aus: kameradschaftlich, freundschaftlich, nachsichtig und aufopfernd. Man tut jetzt für die Kinder viel mehr, als man eigentlich kann und als man sich selbst gönnt. Studieren, Nachhilfe, Fremdsprachen, Tanzkurse, Kinderfeste und vor allem jede Art von Sport. Soviel Aufwand trotz der schlechten Zeiten? Nein, nicht trotz, sondern eben deshalb. Weil man sich dadurch bei den Kindern irgendwie entschuldigen will, daß man sie in die heutige Welt und in die heutigen Zeiten gesetzt hat.</p>



<p>Das ist alles menschlich sehr schön und begreiflich, und besonders die Mütter verteidigen den Standpunkt, daß man für die Kinder nicht genug tun könne, mit der heiligen Überzeugung gutgelaunter Löwinnen. Wogegen mancher Vater, wenn er ab und zu aus dem Haushaltsbuch aufblickt und seine fesch gekleideten und glänzend gelaunten Kinder zum Vergnügen und zum Sport eilen sieht, sich heimlich denkt: Einmal sollte es mir auch so gut gehen, so wie meinen Kindern.</p>



<p>Ein Vater dieser Art hat auch die nachfolgenden Briefe gesammelt, die ihre Entstehung eigentlich dem Unterrichtsministerium verdanken, das in seinem unerforschlichen Ratschluß heuer über alle österreichischen Eltern eine Freiheitsstrafe von fünfzehn Weihnachtsferialtagen verhängt hat. Nicht leicht, so etwas abzubüßen. Denn gesunde und muntere Kinder, die keine Schule und gar keine Aufgaben haben, können aus Langeweile mehr Lebenslust entfalten, als einem geordneten Haushalt zuträglich ist. Dagegen müssen unbedingt Schutzmaßnahmen ergriffen werden!</p>



<p>– „Nichts einfacher, als das“, sagt die Mutter der Kinder, „wozu haben sie Skifahren gelernt? Wenn wir auf acht Tage ins Mariazeller Land gehen&#8230;“ – Der Vater: „Von ‚wir‘ kann gar keine Rede sein. Ich bin froh, wenn ich das Geld zum Hierbleiben habe.“ – „Dann werden wir eben das tun, was jetzt so viele Leute machen: die Kinder allein auf Weihnachtsurlaub schicken.“ Gegen diesen sportlich-rauhen Vorschlag sträubt sich der Mann, der, wie die meisten Väter heutzutage, mütterlich ängstlich ist. – „Lächerlich“, erwidert die Gattin, „ein Mädel von zwölf und ein Bub von elf. Wird ihnen gar nichts schaden, wenn sie einmal auf eigenen Füßen und Schuhen stehen und sich diese selber zuschnüren müssen. So lernen sie einmal auch mit Geld umgehen und sparen. Außerdem ist es doch ein ganzer Kindertransport, der unter dem Kommando meiner besten Freundin steht, einer sehr kinderliebenden Dame“. Dem Vater grauset’s, denn er sieht Gefahren und Verletzungen voraus, er ist also unbedingt dagegen. Infolgedessen ist die Reise der Kinder in die Winterfrische beschlossene Sache. Bewegter Abschied auf dem Bahnhof. Aber auf Seiten der Kinder ausschließlich freudig bewegt. Acht Tage ohne Eltern, ohne Ermahnung, ohne Erziehung – einfach herrlich. Letzte Zurufe: Seid vorsichtig! Nicht den Magen verderben. Keine Skisprünge! Und schreibt oft, wie es euch geht!</p>



<p>Darüber geben die im Laufe der Woche eingelangten Karten und Briefe Auskunft, an denen, bis auf die ärgsten grammatikalischen und orthographischen Fehler, im Interesse der historischen Wahrheit nichts geändert wurde.</p>



<p>Im Waggon geschriebene Karte der Tochter: „Liebe Eltern! Wie geht es Euch? Wir haben es im Waggon sehr fein gehabt. Muttis Freundin konnte sich um uns nicht kümmern, weil sie alle Bekannten im Zug geschwind begrüßen mußte, womit sie nach zwei Stunden noch nicht fertig war. Wir neun Kinder, meistens Mädeln, haben uns gut unterhalten, auch gesungen. Ein Ehepaar ist stumm in der Ecke gesessen und hat fortwährend nur geschaut. Mit den Schinkensemmeln waren wir bald fertig und haben die Salami hergenommen. Euer Sohn hat sich mit seinem Pfadfindermesser wichtig gemacht und gesagt, er könne damit Salami schneiden. Er hat sich aber nur den Finger geschnitten. Viele Küsse Euer Mädi“.</p>



<p>Zweiter Brief der Tochter: „Wir haben dasselbe Zimmer wie letztes Jahr. Der Papa würde recht schimpfen, weil soviel herumliegt. Der Ofen heizt sehr gut. Ein Paar Strümpfe sind leider verbrannt, obwohl sie naß waren. Heute haben wir gemeinsam ein Bad genommen. Fünf Mädeln. Um zu sparen, denn jedes Bad kostet zehn Groschen. Mein Bruder war auch im Badezimmer, aber er mußte die Augen schließen.“ Lakonischer Nachsatz des Sohnes: „Die Mädchen sind so blöd und wollen sich nur interessant machen. Ich hätte auch so nicht hingeschaut.“</p>



<p>Aus einem zur Weiterbeförderung eingelegten und von der Elternzensur geöffneten Brief der Tochter an eine Schulfreundin: „(&#8230;) Was ich Dir jetzt schreibe, dürfen meine Eltern nicht wissen, sonst sind sie gleich besorgt. Mein Bruder hat sich den Fuß verstaucht, deshalb habe ich ihn auf dem Buckel ins Hotel geschleppt. Auf der Stiege konnte ich nicht mehr und warf mich nieder. Mein Bruder flog durch das Küchenfenster, das Glas ist hin und mein Bruder hat jetzt einen großen blauen Fleck, Du weißt schon wo. Gerauft haben wir erst einmal.“</p>



<p>Aus dem Expreßbrief der Freundin an die Mutter: „Mit Deinen Kindern ist es wirklich nicht auszuhalten. Das ganze Hotel stellen sie auf den Kopf. Immer gibt es Beleidigungen, weil Deine Tochter fortwährend Tratschereien macht. Von Deinem Mann hat sie das bestimmt nicht. Der Bub springt immer wieder von der Sprungschanze, obwohl ich es ihm verboten habe. Wenn er sieht, daß ich mich zu Tode erschrecke, lacht er wie ein Blödsinniger. Und eine Verletzung nach der anderen. Der Apotheker mußte schon Jod und Verbandpflaster nachbestellen. Wenn Du Deine Kinder nicht bald abholst, schicke ich sie Dir mit wem. An diese Woche werde ich noch lange denken!“</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom Geist der Sudetendeutschen</title>
		<link>https://dereckart.at/vom-geist-der-sudetendeutschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 17:43:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heftschwerpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Rüdiger Stix Zwischen uraltem Brauchtum, Geopolitik und Hochkultur Wohin blickten die deutschen Altösterreicher aus den Sudetenländern? Wovon träumten sie? Die Kronländer orientierten sich natürlich zur Reichshaupt- und Residenzstadt nach Wien und weiter entlang der Donau. Gleichzeitig verbanden die Moldau und die Elbe nach Sachsen und bis in die Nordsee die alten Bernsteinrouten vom Baltikum [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>von Rüdiger Stix</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen uraltem Brauchtum, Geopolitik und Hochkultur</h3>



<p></p>



<p>Wohin blickten die deutschen Altösterreicher aus den Sudetenländern? Wovon träumten sie? Die Kronländer orientierten sich natürlich zur Reichshaupt- und Residenzstadt nach Wien und weiter entlang der Donau. Gleichzeitig verbanden die Moldau und die Elbe nach Sachsen und bis in die Nordsee die alten Bernsteinrouten vom Baltikum bis in die Adria. Die schlesische k.u.k.-Industrie war direkt verknüpft mit Berlin, Polen und der Ukraine, und von Prag aus ging es entlang der Königsstraße stets direkt nach Nürnberg und in die Zentren Bayerns.</p>



<p>Der Geist der Sudetendeutschen spiegelt sich daher nicht nur in Bräuchen wider, die den Jahreslauf umrahmten, in Sagengestalten, die die Wildnis bezähmten, und in Denkern, welche die Welt neu erdachten. Man erkennt die Seele der Sudetenländer auch heute noch im Nachklang der Familien mit sudetendeutschen Wurzeln rund um die Welt, geprägt aus dem Alltag und aus den Geschichten der Kronländer Böhmen, Mähren und Schlesien im alten Österreich. Sie haben die alten Königreiche und Fürstentümer des Mittelalters weitergetragen, in denen slawische Könige zu herausragenden Markgrafen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation geworden sind und deutsche Siedler ins Land geholt haben.</p>



<p>Mongoleneinfälle, der grausame Mord an Jan Hus und die Hussitenkriege, Reformation und Gegenreformation, die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges, der Siebenjährige Krieg, der Völkerfrühling in den Revolutionen 1848/49 bis zur europäischen Mutterkatastrophe, dem Großen Krieg ab 1914. Es waren aber all diese blutigen Ereignisse niemals ein Krieg entlang der Volksgruppen, ein Krieg zwischen Tschechen, Slowaken, Deutschen, Ungarn und den kleineren Minderheiten. Sie alle haben sich schicksalhaft immer auf beiden Seiten der Fronten wiedergefunden, zwischen Religionen und Herrschaftsansprüchen.</p>



<p>Die Bräuche der Sudetendeutschen waren geprägt durch ihr Leben am Land, in den Städten und in den Fabriken. Im ländlichen Böhmen feierten die Menschen den Mai mit Kränzen und Tänzen, wo der Frühling als Erlöser aus dem Winterdunkel galt. In Mähren, dem fruchtbaren Herzen, dominierten Erntedankfeste wie das Olmahtriegl, bei dem Brotlaibe gesegnet und Rübenkelche gefüllt wurden. Schlesische Weberfamilien brachten im Advent mit Schwibbögen und illuminierten Laternenbögen Licht in die dunkle Manufakturwelt der großen Werkhallen. Fronleichnam mit dem „Prachtherrichten“ verband Katholiken und Protestanten in Prozessionen, die durch Dörfer zogen und soziale Schichten durchdrangen – auch wenn Mischehen lange verboten waren. Dennoch gab es Austausch immer auch zwischen Volksgruppen und Religionen, die ebenfalls durch alle Volksgruppen gingen. Fast alle Juden sprachen jiddisch, sie bekannten sich aber noch in der Volkszählung der ersten tschechischen Republik mit großer Mehrheit als deutsch. In den Gasthäusern, wo Gänsebraten und Knödel gereicht wurden, floß das Bier in Lobliedern auf die Heimat – in der böhmischen Küche, die natürlich die Grenzen der Sprachen überspannte.</p>



<p>Sagengestalten verkörpern diesen Geist mythisch. Rübezahl thront als launischer Berggeist über dem Riesengebirge. In sudetendeutschen Erzählungen ist er nicht nur ein Riese, sondern ein Wächter der Natur: Mal gütig spendet er den Armen, mal zornig läßt er Lawinen toben und mahnt die Reichen zu Demut. Seine Gestalt – bärtig, mantelumhüllt, mit Zauberstab – symbolisiert die wilde Seele des Gebirges, das die Sudetendeutschen, durch den Bergbau zähmten. Und der US-Dollar stammt aus dem Joachimsthal, als „Thaler“, also „Dollar“ in angelsächsischer Schreibweise&#8230; Der Golem aus dem goldenen Prag von Kaiser Rudolph, erschaffen von Rabbi Löw aus dem Lehm der Moldau, durchdringt wiederum die städtische Seele Böhmens. In sudetendeutschen Adaptionen wird er zum schützenden Riesen, der gegen Pogrome antritt und doch manchmal zu entgleisen droht – eine Allegorie für die Macht des Geistes und ihre Gefahren. Diese Sagen webten sich tief ins sudetendeutsche Folklore ein und lehren: Die Seele des Landes ist ambivalent, sehr kreativ, aber auch überaus fleißig.</p>



<p>Berühmte Persönlichkeiten vertiefen diesen Charakter: Bertha von Suttner, geborene Kinsky aus Prag, ist die erste Friedensnobelpreisträgerin. Ihr Roman <em>Die Waffen nieder!</em> ist ein Schrei unserer Seele gegen Krieg, geprägt vom hart erarbeiteten Frieden der Kronländer, die sie als Ideal sah – vor dem heraufdämmernden Untergang Europas im Weltkrieg, der uns in die Massengräber getrieben und die Tore aufgerissen hat für Bolschewismus und Leninismus, danach für Mussolini und Hitler und dann für Stalin. Gregor Mendel, Augustinerpater in Brünn, legte im Klostergarten die Grundlagen der Genetik – seine Erbsenexperimente spiegeln die ordnende, geduldige Seele eines Volkes, das in der Naturwissenschaft Wurzeln schlug, genauso wie Ernst Mach und Ferdinand Porsche. Kurt Gödel, geboren in Brünn, revolutionierte die Mathematik und die Logik mit seinen Unvollständigkeitssätzen. Seine sudetendeutsche Präzision mißt die Grenzen des Denkbaren – ein Mozart der Mathematik, der die Computerwissenschaften und die Künstliche Intelligenz entfesselte.</p>



<p>Die Familien von Sigmund Freud und Franz Kafka verkörpern die sudetendeutsche Moderne genauso, wie schon die zweite Schule der Wiener Medizin eine sudetendeutsche war und Joseph Schumpeter der Pate der aktuellen Wirtschaftsnobelpreisträger ist. Freud, in Freiberg (Příbor, Mähren) geboren, entstammt der analytischen Seele dieser Grenzregion, wo Unterdrücktes – wie das Es – hochkocht. Seine Söhne dienten selbstverständlich als Freiwillige in der österreichischen Armee, und sein letztes Werk war eine bittere Analyse des US-Präsidenten Woodrow Wilson. Es ist ebenfalls herausragend, daß Oskar Schindler sein humanitäres Heldenwerk inmitten des Holocausts in seiner Fabrik nahe Brünn leisten konnte, und es ist eine Schande für unser heutiges Österreich, daß wir seine Gedenkausstellung nicht in Österreich ausrichten konnten – und daher die Witwe Schindlers ihren letzten Wunsch an die Bayern richten mußte, um am Ende ihres Lebens doch noch einmal die Staatsbürgerschaft wiederzubekommen…</p>



<p>Aber nicht alle haben zu Mord und Vertreibung geschwiegen. Theodor Kardinal Innitzer hat als Erzbischof – und wohl weltweit erstmals – die Hungermorde des Holodomors in der Ukraine öffentlich als Völkermord angeprangert, und nach dem Krieg kam er zu den Landsmannschaften ausdrücklich „nicht als Kardinal, sondern als Landsmann“. Franz Kafka, Prager Deutscher und gestorben in Klosterneuburg, webte in <em>Der Prozeß </em>und<em> Das Schloß</em> die Entfremdung des Menschen; Adalbert Stifter aus dem Böhmerwald malte in <em>Der Nachsommer</em> die Idylle sudetendeutscher Landschaft; und Marie von Ebner-Eschenbach, böhmische Gräfin aus sudetendeutscher Linie, kritisierte soziale Ungerechtigkeiten mit scharfer Humanität.</p>



<p>All diese Bräuche, Sagen, Musik, Genies und Literatur formen die sudetendeutsche Seele. Nach 1945, in Vertreibung und Neuanfang, blieb sie lebendig; nicht nur in der Heimatpflege und den Museen, vom Südmährerhof in Niederösterreich bis nach München, und sehr fleißig in der Integration und beim Wiederaufbau ihrer neuen Heimatländer nach dem letzten Krieg. Sie mahnt Europa und die Welt: Kultur ist ein Erbe, das erarbeitet und erhalten – und das geteilt werden muß. Die Traumata tragen die Menschen, die verletzten Seelen der Überlebenden und die Generationen ihrer Nachkommen. Frieden werden die Seelen der Menschen erst finden, wenn wir uns gemeinsam und offen den Abgründen der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ehrlich stellen und wenn wir unsere Erfahrungen und unsere Kultur mit allen Menschen teilen können, die guten Willens sind. </p>



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		<title>Luise – preußische Patriotin und Königin der Herzen</title>
		<link>https://dereckart.at/luise-preussische-patriotin-und-koenigin-der-herzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 17:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[von Erik Lommatzsch Geboren vor 250 Jahren Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung Am Tage der Huldigung des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Erik Lommatzsch</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geboren vor 250 Jahren</h2>



<p></p>



<p>Der Topos, Luise sei Preußens „Königin der Herzen“ gewesen, ist fest verankert. Wohl erstmalig erschien er 1798 in der Dichtung <em>Am Tage der Huldigung</em> des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Im März 1810, wenige Monate vor ihrem frühen Tod im Alter von gerade einmal 34 Jahren, bezeichnete Heinrich von Kleist sie als „der hohen Himmelssonne gleich“, die in voller Pracht strahle, „wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht“. Die Zeugnisse der Verehrung sind Legion. Zu Literatur und Publizistik kam die bildende Kunst, genannt sei etwa die 1797 vollendete „Prinzessinnengruppe“ von Johann Gottfried Schadow. Das bekannte Standbild zeigt Luise und ihre Schwester Friederike. Bemerkenswert ist, daß sich die zahlreichen Porträts der Königin recht stark voneinander unterscheiden. Zur Ikone und zum Mythos wurde die „preußische Madonna“, der Luisenkult war und ist selbstredend aber auch nicht frei von Verklärung.</p>



<p>Zur Welt gekommen ist Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776 in Hannover. Ihr Vater war hier als Gouverneur tätig, die Regierung seines heimatlichen Herzogtums übernahm er erst 1794. Zu dieser Zeit war Luise bereits mit dem preußischen Thronfolger verheiratet. 1797 wurde dieser als Friedrich Wilhelm III. König von Preußen. Die Ehe war – wie in dynastischen Kreisen üblich – arrangiert, beruhte aber auf echter Zuneigung. Zehn Kinder brachte Luise zur Welt, darunter Charlotte, die die Frau des Zaren Nikolaus I. werden sollte, den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm IV. sowie den späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vehementer Widerstand gegen Napoleon</h3>



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<p>Beeindruckt zeigte sich die Königin von Zar Alexander I., dem sie 1802 begegnete. Wie nahe man einander tatsächlich kam, bleibt wohl auf immer ein Geheimnis. Luise jedenfalls sprach einer Annäherung an Rußland das Wort und entwickelte sich zu einer strikten Gegnerin Napoleons, der sich anschickte, Europa zu unterwerfen. Im Unterschied zu dem oft als zögerlich und unentschlossen wahrgenommenen König trat sie vehement für den Widerstand gegen den französischen Eroberer ein. Nach der verheerenden Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 floh der preußische Hof, am Ende befand man sich im äußersten nordöstlichen Winkel des Landes, in Memel. Am 6. Juli 1807 traf Luise in Tilsit mit Napoleon zusammen. Sie sollte und wollte den französischen Schlächter, der sie zuvor reichlich hatte verunglimpfen lassen, etwa durch die Veröffentlichung ihrer Briefe an den Zaren zu milden Friedensbedingungen gegenüber Preußen bewegen. Napoleon zeigte sich zwar angetan von ihrer Erscheinung, ihr Bitten war jedoch vergeblich. Am 23. Dezember 1809 kehrte das Königspaar nach Berlin zurück, von der Bevölkerung begeistert empfangen. Die politische Lage war angesichts der andauernden französischen Besatzung weiterhin bedrückend. Am 19. Juli 1810 starb Luise auf Schloß Hohenzieritz während eines Besuches bei ihrem Vater. Bald hieß es, die Königin sei an gebrochenem Herzen über die Demütigung Preußens durch Napoleon gestorben. Theodor Mommsen erklärte rückblickend: „Sie hat nicht mitregiert. Nicht ihre Thaten haben ihr Gedächtniß in das Herz des Volkes gestiftet, sondern ihr Wesen und Sein, und man kann hinzufügen, ihr Leben und Leiden.“</p>



<p>Die heutige Geschichtswissenschaft teilt die „Luisenlegende“ in drei Phasen ein. Erstens war Luise von Anfang an beliebt, das Königspaar lebte vergleichsweise schlicht. Auf Schloß Paretz, eher ein Landhaus, 40 Kilometer westlich von der Mitte Berlins gelegen, hielt man sich gern auf. Der bürgerliche Stil wirkte integrativ. Der Dichter Novalis sprach von „ächtem Patriotism“, der durch „die beständige Verwebung des königlichen Paars in das häusliche und öffentliche Leben“ entstehe. Als zweite Phase gilt die Verehrung Luises in den Befreiungskriegen. Der Dichter Theodor Körner nahm die Idee der Sage von dem nur schlafenden Kaiser Barbarossa auf und sprach von einer ebenfalls nur schlafenden Luise („Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache: / Dann ruft dein Volk, dann deutsche Frau erwache, / ein guter Engel für die gute Sache!“). Generalfeldmarschall Blücher soll nach dem Sieg über die Franzosen ausgerufen haben: „Jetzt endlich ist Luise gerächt!“ Die dritte Phase setzte mit der Gründung des Kaiserreiches von 1871 ein. Hier verwies man auf die Kontinuität der patriotischen Königin zur deutschen Einheit unter ihrem Sohn Wilhelm I. Diesem ist es auch zu verdanken, daß sich die Kornblume, Luises Lieblingsblume, fest als Symbol Preußens etablierte.</p>



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		<title>Heinz Nixdorf – 40. Todestag</title>
		<link>https://dereckart.at/heinz-nixdorf-40-todestag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Mar 2026 17:02:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kalendarium Kandili]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mario Kandil Kalendarium Kandili (72) Computer prägen unser gegenwärtiges Leben weit stärker als noch vor etwa fünfzig oder mehr Jahren. Einer, der mit Fug und recht als Computerpionier für Deutschland bezeichnet werden darf, starb vor 40 Jahren: Heinz Nixdorf. Am 9. April 1925 in Paderborn als ältester von fünf Söhnen eines Bahnarbeiters geboren wuchs [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Mario Kandil</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kalendarium Kandili (72)</h2>



<p>Computer prägen unser gegenwärtiges Leben weit stärker als noch vor etwa fünfzig oder mehr Jahren. Einer, der mit Fug und recht als Computerpionier für Deutschland bezeichnet werden darf, starb vor 40 Jahren: Heinz Nixdorf.</p>



<p>Am 9. April 1925 in Paderborn als ältester von fünf Söhnen eines Bahnarbeiters geboren wuchs er im kleinbürgerlichen Milieu auf. Nach Abschluß seiner Schulausbildung studierte der ungemein talentierte Nixdorf in Frankfurt Physik und BWL. Die Begegnung mit einem Entwicklungsingenieur veranlaßte ihn 1952 zu Abbruch seines Studiums und zur Gründung einer eigenen Firma, des „Labors für Impulstechnik“. In einer Essener Kellerwerkstatt im Haus des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes (RWE), das Heinz Nixdorf u. a. mit 30.000 DM Starthilfe unterstützte, fabrizierte er seinen ersten Abrechnungscomputer.</p>



<p>Der eigentliche unternehmerische Durchbruch glückte dem mittlerweile nach Paderborn umgesiedelten Nixdorf 1968, als er um 17,5 Millionen DM seinen Hauptkunden, die Wanderer-Werke, aufkaufte. Jetzt besaß er neben effizienten Abteilungen für Entwicklung und Produktion auch eine Vertriebsstruktur, die die ganze BRD abdeckte. Die Nixdorf Computer AG wurde in den 1970er-Jahren in Deutschland Marktführer, expandierte ins Ausland und beschäftigte am Ende jenes Jahrzehntes weltweit ca. 10.000 Mitarbeiter. Mit Blick auf die Zukunft – die heute Gegenwart ist – vertrat Heinz Nixdorf die Ansicht, Computer „müssen so klein sein, daß sie in die […] Schublade eines Buchhalterschreibtisches passen“. Sie sind heute noch weitaus kleiner!</p>



<p>Doch der Mann, der großen persönlichen Einsatz und viel Geld in die Ausbildung seiner Lehrlinge steckte, der selbst sportlich aktiv und dessen höhere Leitlinie der Aufbau einer sozialen Gesellschaft war, wurde durch die Folgen eines Herzinfarktes schon recht früh aus seinem immer so aktiven Leben gerissen: Wie ein Schauspieler auf der Bühne, so starb Heinz Nixdorf am 17. März 1986 auf der Computermesse Cebit in Hannover. Mit ihm ging urplötzlich einer der unternehmerischen Pioniere, die in der BRD durch ihr unermüdliches Schaffen, ihren Einfallsreichtum und ihre Ausdauer das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg erst möglich gemacht hatten. Mit seinen Kleinrechnern hatte Nixdorf im damals aufkommenden Zeitalter der Computer eine Marktlücke gefüllt und war imstande gewesen, sich damit gegen die Konkurrenz mit ihren Großrechnern zu halten.</p>



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<p><strong><em>Über den Autor:</em></strong></p>



<p><em>Dr. phil. Mario Kandil M.A., geb. 1965, studierte in Aachen Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Politische Wissenschaft und promovierte in Hagen. Nach langjähriger Tätigkeit im universitären Bereich und in der Erwachsenenbildung heute freier Historiker und Publizist. Forschungsschwerpunkte: Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons I. sowie der Nationalstaaten, Weltkriege und Kalter Krieg.</em></p>



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		<title>Das Superwahljahr beginnt</title>
		<link>https://dereckart.at/das-superwahljahr-beginnt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[artikel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 23:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaisers Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[xStartseite]]></category>
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					<description><![CDATA[von Benedikt Kaiser Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag. Aber die Leitmedien und politischen Gremien [&#8230;]]]></description>
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<p><em>von Benedikt Kaiser</em></p>



<p>Im März 2026 beginnt für die BRD das „Superwahljahr“. Stattfinden werden in diesem Monat Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlen in Bayern und auch Hessen, obschon man – bei einer Autofahrt quer durchs Hessische – von AfD-Wahlplakaten über unzählige Kilometer hinweg weiterhin nichts zu sehen vermag.</p>



<p>Aber die Leitmedien und politischen Gremien des Landes diskutieren ohnehin stärker darüber, daß im Spätsommer in Sachsen-Anhalt das neue Landesparlament gewählt werde. Nur 2,15 Millionen Einwohner ergeben Platz 11 in der Bundeslandtabelle – zur Einordnung: Bayern hat über 13 Millionen, Sachsen vier Millionen Einwohner. Dennoch konzentriert sich die politisch-mediale Energie auf dieses artifizielle Bundesland, das so unterschiedliche Landstriche wie das Weinbaugebiet Saale-Unstrut rund um Naumburg, die „preußische“ Altmark um Stendal und den mythischen Harz um Wernigerode zusammenbringt.</p>



<p>Dieser Fokus ergibt sich aus dem Zusammenhang der Sache: In den Umfragen steht die AfD bei Spitzenwerten von bis zu 40 %; das entspräche einer Verdopplung des Landtagswahlergebnisses von 2021 (20,8 %). Scheitern Grüne und/oder das BSW und/oder die SPD – sie liegen bei 3 bis 7 % – an der Fünfprozenthürde, könnten 42 oder 43 % AfD-Stimmen reichen, um eine Mandatsmehrheit zu erlangen: Die AfD stünde vor der erstmaligen Herausforderung, ein Bundesland zu regieren, und zwar im Alleingang. Gleichwohl bleibt ein Triumph mit 40plus unwahrscheinlich, zumal die Landespartei pünktlich zum Wahljahr von Schlammschlachten geplagt wird; man bekämpft einander juristisch und per Medien-„Leaks“. Der Bundestagsabgeordnete, der alles ins Rollen brachte, wurde nun auch aus der Bundestagsfraktion und wird bald aus der Partei ausgeschlossen – aber nicht alle Probleme sind dadurch gelöst.</p>



<p>Angesichts der manifesten Schwäche der Altparteien ließe sich sagen: Die AfD droht stärker an sich selbst zu scheitern als an ihrer Konkurrenz. Denn die Medienberichte über vermeintliche, aber eben auch in Teilen tatsächliche „Vetternwirtschaft“ sind Legion. Klug wäre es gewesen, von vornherein den prominenten und landesweit beliebten Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu schützen, indem man legitime Anstellungsverhältnisse von illegitimen scheidet und symbol- wie personalpolitisch markante Konsequenzen zieht. Dann hätte man dem eigenen Sympathisantenfeld zeigen können: 85 Prozent sind absurde Anschuldigungen politischer Gegner im politmedialen Komplex, zehn Prozent untersuchen wir selbstkritisch, und die unzweifelhaften fünf Prozent Fehlverhalten ahnden wir schonungslos. Man entschied sich, dies explizit nicht zu tun, sondern alle Vorwürfe pauschal abzulehnen. Der 6. September wird zeigen, ob das belohnt oder bestraft wird.</p>



<p>Bauen kann die AfD in Sachsen-Anhalt einstweilen auf ihre Kernwählerschaft, die stetig zunimmt. Das hat neben akuten Krisengründen und dem volksverbundenen Grundrauschen im heutigen Osten auch mit der mangelnden Altparteibindung seit 1990 zu tun. Wahlforscher Ansgar Hudde: „In Ostdeutschland ist das Wahlverhalten in allen Jahrzehnten [!] stärker vom Bundestrend abgewichen als in Westdeutschland.“ Hinzu kommt, um beim „Land der Frühaufsteher“ zu bleiben, ein Vorteil, der oft ein Nachteil ist: Das Bundesland hat keine Metropolen. Mit Magdeburg und Halle/Saale gibt es sogar nur zwei Städte, die mit 240.000 bzw. 225.000 Einwohnern per definitionem als „Großstädte“ gelten. Die drittgrößte Stadt, die Fusionsstadt Dessau-Roßlau, firmiert mit 75.000 Einwohnern als „Mittelstadt“; ansonsten dominieren Kleinstädte (5.000 bis 20.000) – klassische Hochburgen der AfD. Beobachter erwarten diesbezügliche AfD-Werte von bis zu 50 Prozent.</p>



<p>Werden die Blauen dem beträchtlichen Vorschußvertrauen dort und anderswo gerecht? Das Superwahljahr wird auch in dieser Hinsicht aufschlußreich. Es beginnt jetzt, am Sonntag, dem 8. März, und es wird in der AfD so oder so zu dynamischen Debattensituationen führen. Das gilt insbesondere auch dann, wenn man im drittgrößten Bundesland der Republik, in Baden-Württemberg, dem Land der kriselnden Autoindustrie und des allmählich darbenden Mittelstandes, doch noch unter den allseits erwarteten 20 Prozent plus x bleiben sollte. Aber das ist kein Thema für „Kaisers Zone“, diese Kolumne für den nahen Osten der BRD.</p>



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<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Benedikt Kaiser</p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p><em>Über den Autor:<br>Benedikt Kaiser, Jg. 1987, studierte an der Technischen Universität Chemnitz im Hauptfach Politikwissenschaft. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Publizist. Kaiser schreibt u.a. für Sezession (BRD), Kommentár (Ungarn) und Tekos (Belgien); für éléments und Nouvelle École (Frankreich) ist er deutscher Korrespondent. </em></p>
</div></div>



<p></p>
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